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Warum Menschen an Verschwörungstheorien glauben und wie man ihre Meinung ändert

Ich sitze im Zug, als seine Gruppe Fußballfans hereinströmt. Direkt vom Spiel – ihr Team hat offenbar gewonnen – besetzen sie die leeren Sitze um mich herum. Eine Frau nimmt eine weggeworfene Zeitung und kichert hämisch, als sie über die neuesten „alternativen Fakten“ liest, die von Donald Trump verbreitet wurden.

Die anderen mischen sich schon bald mit ihren Gedanken über die Vorliebe des US-Präsidenten für Verschwörungstheorien ein. Das Gespräch geht bald in andere Verschwörungen über und ich höre gerne zu, als die Gruppe sich erbarmungslos über Klimaleugner, Chemtrails Mems und die neueste Erleuchtung von Gwyneth Paltrow lustig macht.

Dann herrscht Stille und einer nutzt dies als Möglichkeit, Folgendes anzuführen:

Dieses Zeug mag Unsinn sein, aber versucht nicht, mir zu erzählen, dass man allem vertrauen kann, was einem von der breiten Masse zugeführt wird! Denkt an die Mondlandung. Sie waren offensichtlich gefälscht – und das nicht einmal gut. Ich habe vor ein paar Tagen diesen Blog gelesen, in dem stand, dass nicht einmal Sterne auf den Bildern zu sehen waren!

Zu meinem Erstaunen führt die Gruppe weitere „Beweise“ an, die die Falschmeldung über die Mondlandung unterstützen: Widersprüchliche Schatten auf Fotos, eine wehende Fahne, obwohl es auf dem Mond doch keine Atmosphäre gibt oder wie Neil Armstrong gefilmt wurde, als er auf der Mondoberfläche herumstapfte, wenn doch keiner da war, der die Kamera gehalten hatte.

Noch eine Minute zuvor schienen sie rational denkende Menschen zu sein, die fähig waren, Beweise zu beurteilen und eine logische Schlussfolgerung zu ziehen. Aber nun gehen die Dinge den Bach hinunter. Also atme ich tief durch und entscheide mich dazu, mich einzumischen: „Eigentlich kann das alles recht einfach erklärt werden…“

Sie drehen sich zu mir, entsetzt, dass ein Fremder es wagt, sich in ihr Gespräch einzumischen. Ich mache unbeirrt weiter und konfrontiere sie mit einem Schwall von Fakten und rationalen Erklärungen.

„Die Flagge flatterte nicht im Wind, sie bewegte sich nur, als Buzz Aldrin sie in den Boden gesteckt hatte! Die Bilder wurden zur Tageszeit auf dem Mond gemacht – und natürlich kann man tagsüber die Sterne nicht sehen. Die komischen Schatten sind da wegen der sehr weitwinkligen Linsen, die die Fotos ein wenig verzerren. Und es hat niemand das Bildmaterial genutzt, auf dem Neil die Leiter hinuntersteigt. Eine Kamera war außen an der Mondfähre angebracht. Die hat gefilmt, wie er seinen gigantischen Sprung gewagt hat. Wenn das noch nicht reicht, liefern die Fotos vom Landeplatz des Lunar Reconnaissance Orbiter den letzten entscheidende Beweis, auf denen man ganz deutlich die Spuren sehen kann, die die Astronauten hinterlassen haben, als sie über die Mondoberfläche gingen.“

So, jetzt habe ich es ihnen gezeigt, denke ich bei mir. Aber es scheint, als wären meine Zuhörer noch lange nicht überzeugt. Sie wenden sich von mir ab und geben jede Menge seltsame Behauptungen ab. Stanley Kubrick hat alles gefilmt, Mitwissende sind auf geheimnisvolle Weise gestorben, und so weiter…

Der Zug hält. Es ist nicht meine Station, aber ich steige trotzdem aus. Als ich etwas verschüchtert auf die Lücke zwischen Zug und Bahnsteigkante starre, frage ich mich, warum es meine dargelegten Tatsachen absolut nicht geschafft haben, ihre Meinung zu ändern.

Die einfache Antwort ist, dass Fakten und rationale Argumente nicht wirklich so gut dafür geeignet sind, die Überzeugungen der Leute zu ändern. Das kommt daher, dass unsere rational denkenden Hirne sich an unsere nicht so weit entwickelte, evolutionär bedingte Verbindungen in unserer Wahrnehmung angepasst haben. Ein Grund, warum Verschwörungstheorien so oft auftauchen, ist unser Wunsch, der Welt eine Struktur zu geben. Wir sind außerdem bestrebt, in allem, was uns begegnet, bestimmte Muster zu erkennen. Tatsächlich zeigte eine kürzlich durchgeführte Studie einen Zusammenhang zwischen dem Verlangen nach Struktur und der Tendenz, an eine Verschwörungstheorie zu glauben.

Schauen Sie sich beispielsweise diese Sequenz an:
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Können Sie ein Muster erkennen? Sehr wahrscheinlich – und Sie sind nicht alleine. Eine kurze Twitter-Umfrage (die einer weitaus strengern kontrollierten Studie nachempfand) behauptete, dass 56 Prozent der Leute mit Ihnen übereinstimmen, obwohl die Sequenz nur entstanden ist, weil ich eine Münze geworfen habe.

Es scheint, als wäre unser Wunsch nach Struktur und unsere Fähigkeit, Muster zu erkennen, lebhaft ausgeprägt, was eine Tendenz herbeiführt, Muster zu erkennen – wie Konstellationen, Wolken, die wie Hunde aussehen und Impfstoffe, die Autismus herbeiführen – wenn eigentlich gar keine da sind.

Die Fähigkeit, Muster zu sehen, war für das Überleben unserer Ahnen wahrscheinlich sehr nützlich – es war wohl besser, fälschlicherweise Anzeichen eines Raubtieres zu vermuten, als eine echte große hungrige Katze zu übersehen. Aber wirft man dieselbe Tendenz in unsere informationsreiche Welt hinein, sehen wir nichtexistente Verbindungen zwischen Ursachen und Effekten – also Verschwörungstheorien – einfach überall.

Gruppenzwang

Ein weiterer Grund, warum wir so erpicht darauf sind, an Verschwörungstheorien zu glauben, ist der, dass wir soziale Wesen sind. Unser Status in der Gesellschaft ist von einem evolutionären Standpunkt aus weitaus wichtiger, als Recht zu haben. Daher vergleichen wir unsere Handlungen und Vorstellungen immer mit denen unserer Mitmenschen und passen sie an, um dazuzugehören. Das bedeutet, dass wir sehr wahrscheinlich dem folgen, was die Gruppe glaubt, der wir uns zugehörig fühlen.

Der Effekt sozialer Beeinflussung auf unser Verhalten wurde gut im Jahr 1961 durch das Straßenecken-Experiment demonstriert, das von dem US-Psychologen Stanley Milgram, der wegen seiner Untersuchungen, wie man Gehorsam gegenüber Autoritäten einfordert, berühmt geworden ist, und seinen Kollegen durchgeführt wurde. Das Experiment war einfach und unterhaltsam genug, um es nachzumachen. Entscheiden Sie sich einfach für eine belebte Straßenecke und starren Sie 60 Sekunden lang in den Himmel.

Mit großer Wahrscheinlichkeit werden nur ein paar Menschen stehen bleiben und schauen, was Sie sich ansehen – in dieser Situation fand Milgram heraus, dass nur etwa vier Prozent der Passanten mitmachten. Nun bringen Sie einige Freunde mit und probieren Sie es noch einmal. Wenn die Gruppe wächst, werden immer mehr Fremde stehen bleiben und nach oben starren. Hat die Gruppe erst einmal eine Größe von 15 Leuten erreicht, die in den Himmel starren, werden um die 40 Prozent der Passanten stehen bleiben und ihr Gesicht zusammen mit Ihnen in die Höhe strecken. Sicherlich hat jeder von uns Erlebnisse dieser Art schon einmal in Kaufhäusern bemerkt, wenn man sich zu den Ständen hingezogen fühlt, um die eine ganze Menschentraube steht.

Das Prinzip gilt genauso für Gedanken. Wenn mehrere Leute etwas glauben, ist es wahrscheinlicher, dass wir dies als wahr akzeptieren. Und wenn wir durch unsere soziale Gruppe einer bestimmten Idee extrem ausgesetzt sind, wird diese in unsere Weltanschauung eingebettet. Kurz gesagt ist der soziale Beleg eine weitaus effektivere Überzeugungstechnik als ein Beleg, der rein auf Fakten basiert. Das ist auch der Grund, weshalb diese Art von Beleg in der Werbung so beliebt ist („80 Prozent der Mütter stimmen zu“).

Der soziale Beweis ist nur einer aus einer Menge logischer Täuschungen, die ebenfalls dazu führen, dass wir Beweise übersehen. Ein verwandtes Problem ist der omnipräsente Bestätigungsfehler. Hier tendieren viele Leute dazu, jenen Daten zu glauben, die ihre Ideen unterstützen und die Beweise zu ignorieren, die sie nicht bestätigen. Wir alle leiden daran. Denken Sie einfach an das letzte Mal zurück, als im Fernsehen oder im Radio eine Debatte lief. Wie überzeugend war das Argument, das gegen unsere Ansichten war im Vergleich zu jenem, das mit unserer Überzeugung übereinstimmte?

Aller Wahrscheinlichkeit nach haben wir, ganz egal, wie rational die jeweilige Seite war, die Gegenargumente hauptsächlich ausgeblendet, während wir uns auf die Seite derer schlagen wollten, die mit unserer Auffassung übereinstimmten. Bestätigungsfehler manifestieren sich auch als eine Tendenz, Information aus Quellen zu wählen, die bereits mit unseren Anschauungen übereinstimmen (die wahrscheinlich aus dem sozialen Umfeld stammen, aus der wir kommen). Daher bestimmten Ihre politischen Anschauungen wahrscheinlich ihren Nachrichtenkonsum.

Natürlich gibt es ein Glaubenssystem, das logische Täuschungen wie Bestätigungsfehler erkennt und versucht, sie aus dem Weg zu räumen. Die Wissenschaft macht durch Wiederholungen von Beobachtungen aus Anekdoten reine Daten, reduziert Bestätigungsfehler und akzeptiert, dass Theorien durch neue Beweise aktualisiert werden können. Das heißt, sie ist offen genug, ihre Kerntexte zu bearbeiten. Trotzdem werden wir alle von Bestätigungsfehlern geplagt. Der Starphysiker Richard Feynman beschrieb ein Beispiel, das in einer der schlüssigsten Gebiete der Wissenschaft auftrat: Der Elementarteilchenphysik.

„Millikan hat die Ladung eines Elektrons durch ein Experiment mit fallenden Öltropfen gemessen und bekam eine Antwort, von der wir nun wissen, dass sie nicht ganz richtig ist. Sie weicht ein wenig ab, weil er den falschen Wert für die Viskosität der Luft hatte. Es ist interessant, sich die Geschichte der Messungen der Ladungen von Elektronen nach Millikan anzusehen. Wenn man sie als eine Funktion der Zeit darstellt, kommt man darauf, dass eines etwas größer ist als die Millikans und das nächste etwas größer als dieses und das nächste wiederum größer, bis sie letztendlich auf eine höhere Zahl kommen.“

„Warum kamen sie nicht gleich darauf, dass die neue Zahl höher war? Für Geschichten wie diese schämen sich Wissenschaftler. Wenn sie eine Angabe erhielten, die die Millikans überstieg, dachten sie, sie hätten eine Fehler gemachtsuchten und fanden eine Lösung, warum etwas eventuell falsch war. Wenn sie eine Zahl hatten, die näher an Millikans Wert war, suchten sie nicht so gründlich.“

Mythos-erweiternde Pannen

Manch einer mag sich nach den populären Medien richten und Irrglauben und Verschwörungstheorien durch den Mythos-erweiternden Zugang zu bewältigen. Den Mythos neben der Realität zu nennen scheint eine gute Möglichkeit zu sein, um die Tatsachen und die Lügen zu vergleichen, sodass die Wahrheit ans Licht kommen wird. Aber wieder stellt sich heraus, dass dies ein schlechter Zugang ist. Es scheint einen Fehlschlageffekt hervorzurufen. Hierbei ist der Mythos letztendlich das, was im Kopf bleibt – und nicht die Tatsache selbst.

Eines der hervorragendsten Beispiele dazu hat eine Studie gezeigt, die Flyer zu Mythen und Fakten über Grippeimpfstoffe bewertete. Direkt nach dem Lesen erinnerten sich die Teilnehmer genau an die Fakten als Fakten und die Mythen als Mythen. Doch nur 30 Minuten später schien dies völlig auf den Kopf gestellt worden zu sein, da man sich an die Mythen viel eher als „Fakten“ erinnerte.

Man glaubt, dass das reine Erwähnen der Mythen hilft, diese zu untermauern. Wenn dann die Zeit vergeht, vergisst man den Kontext, in dem man den Mythos gehört hat – in diesem Fall während einer Erklärung – und erinnert sich nur mehr an den Mythos selbst.

Was noch schlimmer ist: Führt man einer Gruppe mit einem sehr festgesetzten Anschauungskatalog neues Wissen vor, kann dies ihre Anschauungen noch bestärken, obwohl die neue Information diese eigentlich schwächen sollte. Neue Beweise führen zu Widersprüchlichkeiten in unserem Weltbild und zu einem damit assoziierten emotionalen Unwohlsein. Aber anstatt unsere Anschauungen zu modifizieren, tendieren wir dazu, sie vor uns selbst zu rechtfertigen und anderslautende Theorien umso mehr abzulehnen, was uns noch mehr in unserem Weltbild bestärkt. Diese Tatsache kennt man als „Bumerang-Effekt“. Tatsächlich ist dieser Effekt ein großes Problem, wenn man versucht, Menschen zu besserem Verhalten umzupolen.

Beispielsweise haben Studien gezeigt, dass öffentliche Informationsanzeigen, die dazu dienen sollten Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum zu reduzieren, alle den gegenteiligen Effekt erzielten.

Freundschaften können helfen

Wenn wir uns also nicht auf die Fakten verlassen können, wie bringen wir Leute dann dazu, ihre Verschwörungstheorien oder andere irrationale Ideen zu verwerfen? Wahrscheinlich kann hier nur Bildung langfristig helfen. Damit meine ich nicht eine Vertrautheit mit wissenschaftlichen Fakten, Zahlen und Techniken. Was tatsächlich notwendig ist, ist Bildung in der wissenschaftlichen Methode, wie beispielsweise analytisches Denken. Tatsächlich zeigen Studien, dass das Verwerfen von Verschwörungstheorien mit mehr analytischem Denken verbunden ist. Viele Leute werden nie in der Wissenschaft tätig sein, aber wir nutzen sie oft genug. Daher brauchen die Bürger die Fähigkeiten, wissenschaftliche Behauptungen kritisch zu beurteilen.

Natürlich würde es mir bei der Situation im Zug nicht helfen, den Lehrplan eines Landes zu ändern. Für einen direkteren Zugang ist es wichtig, zu verstehen, dass es sehr hilft, Teil einer Gemeinschaft zu sein. Bevor man beginnt, jemanden bekehren zu wollen, sollte man erst einmal gemeinsame Werte feststellen.

Um den Fehlschlageffekt zu vermeiden, sollte man die Mythen ignorieren. Man sollte sie gar nicht erwähnen. Wichtig sind nur die Kernpunkte: Impfstoffe sind sicher und reduzieren die Chance, Grippe zu bekommen, um 50 bis 60 Prozent. Und das reicht. Man sollte keine Missverständnisse benennen, da man sich an diese oft besser erinnert.

Man sollte seine Gegner auch nicht provozieren, indem man deren Weltbild in Frage stellt. Stattdessen sollte man Erklärungen anbieten, die mit den bereits existierenden Vorstellungen harmonieren. Beispielsweise verändern konservative Klimawandel-Leugner ihre Meinung eher, wenn man ihnen auch die Geschäftsmöglichkeiten für die Umwelt präsentiert.

Ein weiterer Vorschlag: Nutzen Sie Anekdoten, um ihren Argumente zu präsentieren. Menschen engagieren sich mit Hilfe von persönlichen Erzählungen weitaus mehr als durch Diskussionen oder Situationsbeschreibungen. Erzählungen verbinden Ursache und Effekt. So werden die Schlussfolgerungen, die präsentiert werden sollen, unvermeidlich mit abgespeichert.

All das soll natürlich nicht heißen, dass die Fakten und wissenschaftlicher Konsens nicht wichtig sind. Sie sind es sogar sehr. Aber wenn man sich der Makel in unserem Denken bewusst ist, ist es einfacher, seinen Standpunkt auf überzeugendere Weise zu präsentieren.

Es ist unverzichtbar, dass wir Lehrsätze herausfordern. Aber statt willkürliche Punkte miteinander zu verbinden oder eine Verschwörungstheorie zu erschaffen, müssen wir von den Entscheidungsmachern die entsprechenden Beweise verlangen. Fragen Sie nach den Daten, die eventuell eine Anschauung untermauern und suchen Sie nach Informationen, die sie auf die Probe stellen. Ein Teil dieses Prozesses bedeutet, unsere eigenen voreingenommenen Instinkte, Begrenzungen und logische Täuschungen zu erkennen.

Wie wäre also mein Gespräch im Zug verlaufen, hätte ich meine eigenen Ratschläge beherzigt? Gehen wir zu dem Moment zurück, als ich begriff, dass die Dinge den Bach runtergingen. Dieses Mal atme ich tief durch und mische mich ein. „Hey, tolles Ergebnis beim Spiel. Eine Schande, dass ich kein Ticket bekommen konnte.“ Bald sind wir vertieft ins Gespräch und diskutieren über die Chancen des Teams in dieser Saison. Nach ein paar Minuten des Gesprächs, wende ich mich an den Verschwörungstheoretiker. „Hey, ich dachte gerade an diese Sache, die du über die Mondlandung gesagt hast. War nicht auf einigen Fotos auch die Sonne zu sehen?“ Er nickt. „Was bedeutet, dass es am Mond Tag war. Würdest du denken, dass man dort, wie hier auf der Erde, Sterne sehen kann?“„Hm, wahrscheinlich nicht, daran habe ich nicht gedacht. Vielleicht war in diesem Blog nicht alles richtig.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Arbeitsplatz“ by Free-Photos (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Wieso die Kultur untergeht, wenn Günther sein Käsebrot fotografiert

smartphone-image-by-monikap-cc0-public-domain-via-pixabay

Googlen macht blöd, Smartphones machen unsozial und überhaupt, das wird sich nicht durchsetzen, dieses Internet: Als Teil der sogenannten ‚Netzgeneration‘ musste sich unsereins, der immer öfter auch im Netz Arbeit findet, Freunde trifft oder wiederfindet und seinen Alltag organisiert, in den vergangenen 15 Jahren schon so einiges anhören.

Mittlerweile ist in jedem größeren Medium, sei es nun von Print- oder Onlinejournalisten verfasst, eine Replik auf die Unzulänglichkeiten der Netzgeneration zu lesen: Wir unterhalten uns nicht mehr tiefgehend, sondern werfen mit WhatsApp-Emojis um uns, niemand trifft mehr wirkliche Entscheidungen, denn man kann sowieso alles zurückschicken und auch soziale Verpflichtungen wie Dates in Zeiten von Tinder nur unverbindlich eingehen. Been there, done that.

Als die Netzpiloten eine Rezensionsanfrage zu „Günther hat sein Käsebrot fotografiert. 342 Freunden gefällt das. Über den sozialen Niedergang durch Smartphones und die Digitalkultur“ von Andreas Hock, dem ehemaligen Chefredakteur der Nürnberger Abendzeitung, erreichte, war ich durchaus bereit, mich von neuen Ansätzen überraschen zu lassen. Doch leider sollte ich mich irren, denn kein einziger der hier vorgestellten Beobachtungen ist irgendwie neu oder gar innovativ.

Dabei war ich beim Lesen durchaus bereit, im Text nach ein paar wirklich amüsanten Anekdoten von verloren gegangenen Schulfreunden, technischen Problemen und Sackgassen eine mögliche Wendung hin zu den Vorteilen oder wenigstens zu ein paar witzigen Beobachtungen, aus denen der Digital Native von morgen noch etwas lernen kann (und sei es, das Unverständnis der Älteren aus deren Perspektive zu verstehen), mitzumachen. Stattdessen bekomme ich: 170 Seiten voll Gemecker. „Günther“ ist keine humorvolle Betrachtung, sondern ein einziges Lamento darauf, dass früher ja aber nun wirklich mal alles besser war.

Früher, so Hock, hätte man sich noch wirlich verabredet. Er erwähnt mit einer dermaßenen Beharrlichkeit einen Jugendclub namens „Oase“, wo sich die Schulfreunde noch treffen konnten, dass der Leser denken muss, Hock wäre mittlerweile mindestens zum Betreiber dieser Kulturstätte aufgestiegen. Viel wahrscheinlicher ist jedoch, dass die „Oase“ so etwa gegen Anfang der Zweitausender zu einem Internetcafé und, dem natürlichen Laufe der Dinge folgend, mittlerweile pleite gegangen ist und Hock bis heute nicht überwunden hat, diesen Treffpunkt der Schulfreund nicht mehr aufsuchen zu können. Außerdem hätten sie sich ohnehin nichts mehr zu sagen, denn, wie er mehrfach betont, machten ja schließlich ALLE Smartphones JEDE Form von Kommunikation zunichte.

Hock geht jedoch nicht nur auf Smartphonebesitzer los (vielleicht war er auch an der Wortfindung des angeblichen Jugendwortes des Jahres 2016, dem berüchtigten „Smombie“, beteiligt?), er hat auch den Grundlegenden Sinn des Internets offenbar nicht verstanden.

Für Hock scheint es nichts weiter zu sein als eine einzige Müllhalde voll Geschwätz, Störung und Werbung, in das jeder unreflektiert sein Wissen kippt. Gerade für ein Community-System wie die Wikipedia könnte das nicht falscher sein. Der dahinterliegende Gedanke der Schwarmintelligenz und der gegenseitigen Kontrolle durch Peer Groups taucht hier mit keinem Wort auf. Stattdessen lobt er, Klischee ahoi, den gedruckten Brockhaus, den zumindest ich auch in meinen Jugendjahren nicht ein einziges Mal angerührt habe – die Bände standen viel zu weit oben im Regal und als Kind durfte ich dort nicht ran. Dass man trotzdem Wissen anhäufen kann, scheint für Hock unvorstellbar. Schade eigentlich.

Auf weitere Beispiele wie Youtube und Facebook geht er ebenso verärgert ein. Natürlich sind diese Plattformen mittlerweile weitestgehend durchkommerzialisiert, das ist wirklich keine Neuigkeit. Sich darüber aufzuregen, ist natürlich absolut legitim, aus den gleichen Gründen wie Hock nutze ich Facebook schon seit geraumer Zeit nicht mehr privat.

Als er sich jedoch über Twitter-Hacktivismus und Shitstorms als „unnötige Aufregerei“ äußert, bin ich wirklich genervt. Die #aufschrei-Debatte hat (endlich!) auch in den Medien eine Debatte über Feminismus, Gleichberechtigung und soziales Verhalten losgetreten, die Hock keines weiteren Kommentares würdigt – bis auf ein symbolisches Augenrollen a la „Haben die Leute keine anderen Probleme?“, das Totschlagargument für jede sinnvolle Diskussion. Dabei wäre genau dies ein Ansatz gewesen, den er von Beginn an vermisst und dies auch deutlich macht: Dass das Internet die Leute zum Nachdenken bringt und ihr Verhalten in der „echten Welt“ zum Positiven verändert. Leider scheint er das selbst gar nicht zu sehen.

Der Autor, nur zehn Jahre älter als ich, schreibt und empört sich, als hätte er bereits vor geraumer Zeit das Rentenalter erreicht und verstünde „die Jugend von heute“ nicht mehr. Und wahrscheinlich tut er das auch nicht. Bei beinahe jedem zweiten Satz möchte ich während des Lesens zu einer Reaktion ansetzen, ausführen, erklären.

Das Werk scheint völlig aus dem Bauch heraus geschrieben zu sein, nur notdürftig werden ab und zu ein paar Studien eingeworfen. Schon richtig, Zahlen flößen Vertrauen ein – aber unsinnige Studien, bei denen teilweise jegliche Quellenangaben fehlen (es gibt keinen Appendix), bewirken eher das Gegenteil. Auch das Vorwort der Kabarettistin Monika Gruber will nicht wirklich fruchten, da auch sie keinen neuen Ansatz jenseits der Schelte auf die Netzgeneration findet – möge diese auch noch so witzig-ironisch gemeint sein.

Hocks Buch hat immerhin eine Reaktion hervorgebracht: Ich ärgere mich, dass es noch 2016 ein solch grundlegendes Unverständnis für die Materie und den Kulturwandel gibt – und eine Sturheit, die Tatsachen, wie sie sind, anzuerkennen. Doch das ist leider schon alles. Brauchte es dieses Buch? Meiner Meinung nach hätten wir problemlos darauf verzichten können. Eine E-Book-Version hätte es auf jeden Fall auch getan (spart Papier und somit Regenwald!), aber das wäre Hock wahrscheinlich auch zu digital. Möge Günther also weiterhin ein Käsebrot nach dem anderen verschnabulieren, vielleicht gibt es ihm in nächster Zeit die Energie, den Wandel zu verdauen. Wohl bekomm’s.


Image „Smartphone“ by MonikaP (CC0 Public Domain)


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Emojis als Bestandteil digitaler Kommunikation

Emoji (adapted) (Image by downloadsource.fr [CC BY 2.0] via Flickr)

Emojis werden so oft genutzt wie noch nie. Kaum jemand schreibt Nachrichten auf WhatsApp oder anderen sozialen Netzwerken, ohne dabei die farbigen Bilder zu benutzen. Sie haben sowohl glückliche als auch traurige Gesichtsausdrücke und bereichern unsere digitale Kommunikation mit Emotionen. Der erste Emoticon „:-)“ wurde im September 1982 von dem Informatikprofessor Scott E. Fahlman genutzt. Dies gilt als der erste Gebrauch eines Smileys, des vermutlich bekanntesten Vertreters der sogenannten Emoticons.

Die Wortkombination aus „Emotion“ und „Icon“ beschreibt Zeichenfolgen, die man erfunden hat, um das Defizit des geschriebenen Wortes gegenüber dem gesprochenen auszugleichen. In den Neunzigerjahren entstanden dann die heute sehr beliebten Emojis (die kleinen, farbigen Bilder von Gesichtern, Speisen, Tieren und allem Möglichen). Damals rechnete noch keiner damit, dass sie eine so große Beliebtheit erlangen würden und dadurch eine Art Digitaldialekt entstand. Außerdem sind sie mittlerweile fester Bestandteil der Tastatur unserer Smartphones und tauchen auch in allen sozialen Netzwerken auf.

Dirk von Gehlen ist Autor, Journalist und Leiter der Abteilung Social Media und Innovation bei der Süddeutschen Zeitung. Er hat den durch die Digitalisierung ausgelösten Medienwandel auf seinem Blog begleitet und sich ausgiebig mit dem Thema Emojis beschäftigt. „Emojis und Emoticons sind zu einem Bestandteil digitaler Kommunikation geworden. Sie schließen die Lücke zu dem, was sich im persönlichen Gespräch durch Gestik und Mimik ausdrückt.“, erklärt von Gehlen. Viele, die Emojis selten nutzen, halten sie für platt und eindimensional. Doch die Frage, welches Symbol man wann benutze, sei sehr vielschichtig, betont von Gehlen.

Es gibt sie für allerlei Kategorien, um möglichst viele Gefühle und Situtationen damit auszudrücken. Interessant ist auch, dass man die Haltung eines Emojis auf der ganzen Welt verstehen kann. Dadurch sehen viele in ihnen die Chance, weltweit ohne Sprachbarrieren miteinander kommunizieren zu können. Da Emojis und Emoticons eine neue Form der Kommunikation sind, stehen sie noch häufig in der Diskussion. „Ich nehme an, dass wir sie schon in naher Zukunft als selbstverständlichen Bestandteil unserer Kommunikation wahrnehmen“, sagt von Gehlen. Für ihn sind sie eine Erweiterung der mündlichen Kommunikation.

shrug (adapted) (Image by Topher McCulloch [CC BY 2.0] via Flickr)
Image (adapted) „shrug“ by Topher McCulloch (CC BY 2.0)

 

Der Lieblingsemoji von Dirk von Gehlen ist der Shruggie ¯\_(?)_/¯  Es handelt sich hierbei um ein japanisches Emoticon (Kaomoji), welches eine Art Schulterzucken symbolisiert. Er streckt seine Handflächen seitwärts nach oben und lächelt, sodass man seine Haltung als ein „Ich weiß es doch auch nicht“ verstehen kann. Der Begriff Shruggie leitet sich von dem englischen Wort „to shrug“ (mit den Achseln zucken) ab.

Es gibt für seine Entstehung zwar keinen eindeutigen Ursprung, aber der Rapper Kanye West könnte ein Grund für seine Popularität sein. Bei den MTV Music Awards 2010 zuckte er beiläufig mit den Schultern, sodass die Zuschauer diese Geste als „Kanye-Shrug“ kommentierten. „Wie die meisten Emoticons war er einfach irgendwann da und wurde genutzt. Darin liegt für mich der besondere Wert digitaler Kommunikation: Es gibt nicht eine Quelle, die vorgibt, wie etwas zu nutzen sei. Die Menschen nutzen Buchstaben und Ziffern und bauen daraus etwas Neues – wie beispielsweise den Shruggie. Das ist wunderbar.“.

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Plädiert für mehr digitale Gelassenheit: Dirk von Gehlen

Symbol einer digitalen Grundhaltung

Es gibt Leute, die sagen, der Shruggie sei Ausdruck des Gefühls, online zu sein. Für mich ist der Shruggie das Symbol einer digitalen Grundhaltung, die sich in einer fröhlichen (aber nicht zynischen) Ratlosigkeit manifestiert, die ich mal als Kulturpragmatismus überschrieben habe“, so von Gehlen. Dieser Kulturpragmatismus zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, die eigene Bewertung der Welt und ihrer Entwicklung nicht so ernst zu nehmen.

Zu der digitalen Grundhaltung des Shruggies zählt, dass man mit einem fröhlichem Schulterzucken auf verschiedene Situationen reagiert. Er lebt mit einer optimistischen Offenheit gegenüber der Welt, kennt keine Wahrheiten und bietet allerlei Raum für Interpretationen. Bei dem „Shruggie-Prinzip“ geht es darum, ständig zu fragen: „Was wäre, wenn das Gegenteil richtig wäre?“. Wer sich dafür interessiert, kann in dem regelmäßig stattfindenden Seminar von Dirk von Gehlen mehr dazu lernen. Außerdem steht das japanische Emoji für eine produktive Ratlosigkeit, die uns davor schützt, alles sofort zu bewerten und immer eine Meinung zu haben.

Laut von Gehlen weiß es der Shruggie auch nicht, aber er schämt sich dieser Ratlosigkeit nicht. Er akzeptierte das Nicht-Wissen, denn nur, wenn man nicht auf jede Frage sofort eine Antwort hat, entstehe ein Prozess, an dessen Ende vielleicht eine neue Lösung steht. Zu diesem Lebensgefühl gehört es, fröhlich, ratlos, gelassen und digital zu sein. Zusammenfassend nennt von Gehlen die Haltung auch „Social Media Gelassenheit“. Dies sei der Versuch, das Shruggie-Prinzip auf die Nutzung von Twitter und Facebook zu übertragen, also eine Entschleunigung einzuführen.  Wenn jeder erstmal digital gelassen bleibt, ändert das die Stimmung in sozialen Netzwerken. Dieses Verhalten können wir alle von dem Shruggie lernen, er ist nämlich immer gelassen und distanziert.


Image (adapted) „Emoji“ by downloadsource.fr  (CC BY 2.0

Image via dirkvongehlen.de


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5 Lesetipps für den 31. Oktober

In unseren Lesetipps geht gleich zweimal um Überwachung, Meinung im Journalismus und wie Facebook diesen verändert, sowie Macht durch Digitalisierung. Ergänzungen erwünscht.

  • ÜBERWACHUNG NDR: Sascha Lobo und die Überwachung im Netz: Am Mittwochabend hat Sascha Lobo in Hannover über das Netz und die digitale Kluft gesprochen. Zentrale Punkte der Rede waren die Überwachung im Internet und der Umgang mit Daten, auch im Anschluss ging es in der vom stellvetretenden c’t-Chefredakteur Jürgen Kuri moderierten Diskussion um die Überwachung. Der NDR hat die Rede und Debatte aufgezeichnet und veröffentlicht. Die über zwei Stunden lange Aufzeichnung lohnt sich anzuschauen, wenn sicher auch nicht heute Morgen, aber vielleicht am Wochenende, wenn nichts im Fernsehen, z.B. im NDR, läuft.

  • FACEBOOK Social Media Watchblog: Eine neue Ära von Journalismus auf Facebook?: „Facebook ist wie ein riesiger Hund. Du weißt nie genau, ob er einfach nur spielen oder Dich fressen will – am Ende leckt er Dich womöglich tot.“ So beschreibt David Carr in der New York Times in einem viel beachteten Artikel die Beziehung von Journalismus und Facebook und wird von Martin Giesler in einem lesenswerten Beitrag auf dem SocialMediaWatch-Blog zitiert, wo Giesler die Meldung kommentiert, dass Facebook bald selbst journalistische Inhalte anbieten könnte.

  • DIGITALISIERUNG The Huffington Post: Wem nützen digitale Technologien und Geschäftsmodelle?: In einem leider wenig beachteten Blogpost auf der deutschen Huffington Post (13 Shares, really?) hat Ayad Al-Ani vom „Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft“ geschrieben, dass es an der Zeit ist, bei der Bewertung der Digitalisierung, nicht nur auf technologische Aspekte zu achten, sondern auch die politischen und ökonomischen Dimensionen genauer zu untersuchen. Seiner Meinung nach haben sich nämlich nicht immer die effizientesten Technologien und Organisationsformen durchgesetzt, „sondern jene, die den politischen Machtverhältnissen am besten entsprachen (Might makes right!)“.

  • JOURNALISMUS The Conversation: Journalists need a point of view if they want to stay relevant: Zum US-Start des akademischen Journalismus-Blogs „The Conversation“ hat sich Jay Rosen Gedanken über die Haltung von Journalisten gemacht und ist zu dem Fazit gekommen, dass es in unserer komplexen Welt heutzutage nicht mehr ausreicht, nur die Gewinner und Verlierer einer Geschichte zu benennen, Strategien und Taktiken von beiden Seiten offenzulegen und dann sein Kürzel unter einen Artikel zu setzen. Journalisten müssen lernen einen Standpunkt einzunehmen und ihn zu begründen. Meiner Meinung nicht nur in den USA, auch hierzulande würde das unserer Gesellschaft gut tun.

  • MAUT Heise Online: Mehr Überwachung statt Mehreinnahmen?: Auf Heise.de hat Technology Review-Redakteur Gregor Hensel den aktuellen Maut-Vorschlag von Verkehrsminister Alexander Dobrindt kommentiert und sich neben dem Aspekt, dass die Verwaltungskosten des Projekts wohl gerade einmal durch die Einnahme gedeckt sind, es also finanziell gar nichts bringt, auf den Punkt der Datenerhebung konzentriert: „Surveillance by Design“, denn die (wieder einmal) massenhafte Erhebung von Daten zur Erhebung der Maut-Daten kann nach den Snowden-Leaks nicht mehr als sicher angesehen werden, egal wie sehr die Politik das beteuert.

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Wie Medien von der Nato beeinflusst werden

Opening ceremony for Ex STEADFAST JAZZ (adapted) (Image by SFJZ13 [CC BY 2.0] via Flickr

Medien versagen als Kontrollinstanz von staatlichem Handeln. Das beste Beispiel dafür ist die NATO. Besonders Journalisten, die über internationale Krisen berichten und in der Distanz zum Ort des Geschehens ein Schwarz-Weiß-Bild der Lage aus dritter Hand konstruieren, sollten auf das Erfahrungswissen von Altkanzler Helmut Schmidt zurückgreifen, wenn ihr Ego das überhaupt zulässt.

Besonders wenn es um NATO und Kriegseinsätze geht. Die Idee, so Schmidt, die Ukraine und Georgien in die NATO aufzunehmen, stammt aus den USA. Dafür seien aber nicht menschenrechtliche Gesichtspunkte ausschlaggebend, sondern imperiale Motive:

„Wir Deutschen haben angesichts unserer Geschichte im 20. Jahrhundert gut Gründe, mit eigener Beteiligung an militärischen Interventionen zurückhaltend zu sein. Bisweilen hört man, wir müssten uns aus Solidarität im NATO-Bündnis an militärischen Interventionen beteiligen. Das Argument passt besser in die Nibelungensage als in die heutige Wirklichkeit. Das nordatlantische Bündnis war und ist ein Verteidigungsbündnis, nicht etwa ein Bündnis zur Umgestaltung der Welt“.

Diese Mahnung sollte sich nicht nur Bundespräsident Joachim Gauck hinter die Ohren schreiben, der auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Januar 2014 forderte, dass Deutschland zur Sicherung von Menschenrechten und Rechtsstaatlichkeit entschlossener vorgehen müsse, im äußersten Fall auch militärisch. In der Masterarbeit von Miliana Romic, meiner lieben Frau, finden sich empirische Belege, mit welchen Mitteln diese „emotionale Mobilmachung“ von Regierungspolitikern umgesetzt wird, um die öffentliche Meinung zu manipulieren und gefügig zu machen für „neue“ Aufgaben.

Semantische Erfindungen der NATO

Gemeint ist die semantische Erfindung der NATO, die uns als „erweiterter Sicherheitsbegriff“ verkauft wird. Er hält genügend Krisenpotential für die Daseinsberechtigung der NATO bereit.

„Dass daraus resultierende Kriege den Medien und der Bevölkerung als „humanitäre Interventionen“ vermittelt werden, darf nicht darüber hinwegtäuschen, wofür diese neu geschaffene Begrifflichkeit steht: Es geht um Krieg, in dem im Zweifelsfall auch der Verlust von Menschenleben in Kauf genommen wird“, schreibt Miliana Romic in ihrer wissenschaftlichen Arbeit unter dem Titel:
„Emotionale Mobilmachung Die Kommunikationspolitik der deutschen Bundesregierung während des NATO-Krieges in Jugoslawien und die Wirkung von ungeprüften Informationen auf die öffentliche Meinung.“

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Untersuchung zeigen, dass die Medien in der Regel als Teilchenbeschleuniger für die Kriegspropaganda der Bundesregierung dienten, die journalistische Sorgfaltspflicht wurde vielfach nicht eingehalten.

„Der bewusste Einsatz von Schlüsselbegriffen ist in der Kriegspropaganda eine der wichtigsten Techniken. Dem Aufbau eines klaren Feindbildes dienen Begriffe wie Diktator, Hass, Waffen, Terrorismus, Unterdrückung, Regime, Tyrannei, das Böse, Fanatismus: Sie lösen Angst und Unbehagen aus. Die Kommunikationspolitik der deutschen Bundesregierung während des Jugoslawien-Krieges war von dem Gebrauch dieser Kriegspropaganda-Begriffe geprägt. Es wurden unbestätigte Informationen verbreitet, die eine hohe Emotionalisierung in der Bevölkerung auslösten“

so Romic.

Konstruierte Feindbilder

Im empirischen Teil belegt sie, dass die unbestätigten Informationen der Bundesregierung während des Jugoslawien-Krieges von wichtigen meinungsbildenden Medien in Deutschland unkritisch aufgegriffen wurden. Während des Jugoslawien-Krieges nutzte die Bundesregierung Instrumente wie Feindbildzeichnung, Dämonisierung des Kriegskriegsgegners und Gräuelmärchen als kommunikative Mittel. Diese flossen nach dem so genannten Framing-Modell in die Medien ein und prägten maßgeblich die Meinungsbildung in der Bevölkerung. Wie sich das konkret auf die öffentliche Meinungsbild auswirkte, ist ein Lehrbeispiel für die Versäumnisse der Medien, wenn es um eine neutrale und kritische Berichterstattung geht.

Bei der Frage um kriegerische Konflikte im Ausland und eine mögliche Beteiligung der Bundeswehr dominiert bei einer großen Mehrheit der deutschen Bevölkerung eine zurückhaltende bis skeptische Haltung. So gibt fast jeder zweite Befragte in einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Mai 1999 zu Protokoll, Krieg sei unter allen Umständen zu vermeiden. Nur 39 Prozent stimmen der Auffassung zu, dass es Verbrechen gibt, die man mit Krieg bekämpfen muss. 13 Prozent sind unentschieden. Geht es um internationale Konflikte, die nicht mittelbar deutsche Sicherheitsinteressen berühren, und den möglichen Einsatz der deutschen Bundeswehr, fällt das Meinungsbild entsprechend kritisch aus. In einer Listenfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach vom Mai 1999 wurde nach möglichen Situationen gefragt, die militärische Einsätze rechtfertigen.

Nur ein Fünftel (19 Prozent) der Befragten hält militärische Einsätze für gerechtfertigt, wenn es darum geht, einen Bürgerkrieg im Ausland zu beenden. Für die Beendigung von Volksaufständen und die berechtigte Durchsetzung von Gebietsansprüchen halten 9 Prozent einen militärischen Einsatz für gerechtfertigt. Bei der Verhinderung des Zerfalls eines Staates in verschiedene nationale Kleinstaaten zeigt sich eine Zustimmung in Höhe von 7 Prozent.

Uneingeschränkte Einsätze der Bundeswehr unter dem Oberkommando der NATO stoßen im Mai 1999 nur bei 27,5 Prozent auf Zustimmung. Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung (50,2 Prozent) kann sich Kriegseinsätze der Bundeswehr nur vorstellen, wenn es um die Aufrechterhaltung des Friedens geht. 15,8 Prozent lehnen jegliche Beteiligung der Bundeswehr außerhalb des NATO-Gebietes ab. Selbst wenn explizit nicht nach dem militärischen Eingreifen der Bundeswehr gefragt wird, sondern „nur“ nach dem außenpolitischen Engagement Deutschlands bei der Bewältigung von Problemen, Krisen und Konflikten, plädiert ein konstant hoher Prozentsatz von 45 bis 62 Prozent in den Jahren 1996 bis 2008 dafür, sich aus dem militärischen Geschehen möglichst herauszuhalten und auf die eigenen Probleme zu konzentrieren.

Während des „ersten“ Jugoslawienkrieges, dem Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina, der von 1992 bis 1995 stattfand, lehnte eine absolute Mehrheit der Deutschen ein militärisches Eingreifen in Jugoslawien ab, um den Krieg dort zu beenden. Im Januar 1994 votierte 55 Prozent der Bevölkerung dagegen, nur gut ein Viertel (26 Prozent) befürwortete eine militärische Intervention.

In der Allensbach-Umfrage vom Mai 1999 rechtfertigen folgende Szenarien militärische Einsätze:
Demnach würden lediglich 18,7 Prozent der Bevölkerung einem Auslandseinsatz zustimmen, um einen Bürgerkrieg im Ausland zu beenden. Jedoch stimmen 45,1 Prozent dafür, wen es darum geht, einen Diktator zu stürzen, der sein Volk brutal unterdrückt.

Kriegsskepsis schlägt um in Zustimmung

Die Forschungsgruppe Wahlen hat während der innerstaatlichen Krise in Jugoslawien im Jahr 1998 und während des NATO-Einsatzes im Jahr 1999 in einer Listenfrage monatlich diese Frage gestellt: „Was ist Ihrer Meinung nach gegenwärtig das wichtigste Problem in Deutschland?“ Als Items standen „ehemaliges Jugoslawien“ und „ehemaliges Jugoslawien bzw. Kosovo“ zur Auswahl.

Von Januar 1998 bis März 1999 gab es fast keinen Befragten, der die Jugoslawien-Krise als wichtigstes Problem zu Protokoll gab. Einen ähnlichen Befund kann man für die Monate Juli bis Dezember 1999 feststellen. Signifikante Ausschläge gab es erst nach Bekanntgabe der ungeprüften Informationen der Bundesregierung. In den Monaten April 1999 hielten mit 31,5 Prozent und Mai 1999 mit 16,8 Prozent der Befragten den Jugoslawien-Krieg für das wichtigste Problem in Deutschland.

68 Prozent bewerten die völkerrechtlich nicht legitimierten Luftangriffe der NATO im April 1999 als richtig. Ablehnend stehen den NATO-Luftangriffen im April 1999 lediglich 31,4 Prozent der Befragten gegenüber. Im Mai 1999 bewerten 60,5 Prozent der Befragten den Kriegseinsatz als richtig. Die Ablehnung wächst um sieben Prozentpunkte auf 39,5 Prozent.

Unkritische Berichterstattung formt die öffentliche Meinung

„Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die unkritische Berichterstattung während des Jugoslawien-Krieges die Meinungstendenz der politischen Meinungsführer widerspiegelte, welche wiederum direkten Einfluss auf die deutsche Bevölkerung hatte“, so Romic. Die Grunddisposition der öffentlichen Meinung in Deutschland zu militärischen Auslandseinsätzen sei generell von einer kritischen Distanz geprägt. „Die skeptische und zurückhaltende öffentliche Meinung zum Krieg als Mittel der Politik erweist sich bei näherer Betrachtung jedoch als äußerst fragil. Werden Szenarien wahrgenommen, die die eigene Sicherheit und den unmittelbaren Frieden bedrohen, ändert sich die öffentliche Meinung maßgeblich. Wird in Bevölkerungsumfragen nach Umständen gefragt, die aus der eigenen Perspektive als bedrohlich wahrgenommen werden, steigt die Zustimmungsquote für militärische Einsätze deutlich an.“

Die im Literaturteil der Masterarbeit erläuterten ungeprüften Informationen der Bundesregierung wurden in den Monaten März und April 1999 bekanntgegeben. „Diese wurden von der Presse in der aktuellen Berichterstattung unkritisch aufgegriffen, was wiederum eine direkte Wirkung auf die öffentliche Meinung hatte: In den beiden Monaten der Berichterstattung änderte sich nicht nur die indifferente Gemengelage des Meinungsklimas in Deutschland, auch die allgemein skeptische und zurückhaltende Disposition zu Militäreinsätzen hat sich im April und Mai 1999 verändert. Eine deutliche Zustimmung zum Kriegseinsatz der Bundeswehr in Jugoslawien war die Folge“, resümiert Romic.

Dämonisierung des „Kriegsgegners“

Die Dämonisierung des Kriegsgegners hat eine direkt Auswirkung auf die öffentliche Meinung. Besonders hohe Zustimmungswerte (45,1 Prozent) zu Kriegseinsätzen sind zu verzeichnen, wenn es darum geht, einen Diktator zu stürzen, der sein Volk brutal unterdrückt. Lediglich 18,7 Prozent der Bevölkerung würden jedoch einem Auslandseinsatz zustimmen, um einen Bürgerkrieg im Ausland zu beenden. Hier liegt der neuralgische Punkt, wie strategische Kriegspropaganda und Framing von Regierungen eingesetzt werden: Ausschlaggebend für den Erfolg ist es, welche Botschaften vermittelt werden.

Wäre der innerstaatliche Konflikt in Jugoslawien durch die deutsche Bundesregierung als Bürgerkrieg dargestellt worden, hätte dies wahrscheinlich eine geringere Zustimmung zum Kriegseinsatz zur Folge gehabt. Die Legitimation durch die Bevölkerung wäre ausgeblieben. „Das gezeichnete Bild von Massakern, Konzentrationslagern und systematischer Vernichtung durch einen grausamen Diktator empörte die Bevölkerung und schlug sich in der öffentlichen Meinung nieder: Die Zustimmung zu dem Kriegseinsatz ist in den Monaten April und Mai 1999, nach Bekanntgabe der ungeprüften Informationen durch die Bundesregierung, entscheidend gestiegen. Die Legitimation durch das Volk war hergestellt“, schreibt Romic.

Für die „erfolgreiche“ Kriegspropaganda der Bundesregierung kam von entscheidender Stelle dann noch der Segen: „Die politischen Führer spielten nun die entscheidende Rolle für die öffentliche Meinung. […]. Nicht nur Minister Scharping, auch Kanzler Schröder und Minister Fischer waren ein großartiges Beispiel für politische Führer, die nicht der öffentlichen Meinung hinterher rennen, sondern diese zu formen verstehen (Jamie Shea, NATO-Sprecher, In: Angerer/Werth, Originalton ARD-Dokumentation, 2001).“

Die Folgen der „emotionalen Mobilmachung“ von NATO und Co. sollten Medien und Bevölkerung ins Bewusstsein rufen, welche Rollen ihnen eigentlich zustehen: den Medien als Kontrollinstanz für staatliches Handeln und der Bevölkerung als eigentlichem Souverän. Traurig, dass vor allem die liebwertesten Gichtlinge der ARD in ihrer Ukraine-Berichterstattung daran wieder erinnert werden müssen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf The European.


Image (adapted) „Opening ceremony for Ex STEADFAST JAZZ“ by SFJZ13 (CC BY 2.0)


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Headline-Journalismus

Der Journalismus im Netz ist meist Informationsweitergabe, nicht Deutung. Angaben der Agenturen werden eins zu eins übernommen, nicht immer mit der Angabe der Quelle. Ein Grundsatzurteil aus den USA sagt, dass die schmucklose und präzise Sprache der Presseagenturen schwer zu schützen ist. Der Satz „Präsident Medwedew ist in Deutschland gelandet“ kann in dieser Lesart von jedem sein; Quellen gibt es nicht mehr. Agentursätze wabern durchs Netz. Das Kopieren-und-Einfügen verstellt den Blick dafür, dass diese Information, die da kopiert wurde, erst einmal gewonnen werden musste. Informationsgewinnung kostet Geld. Weiterlesen »

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Öffentlich-Rechtliches Netz

Die öffentlich-rechtlichen Sender verlagern ihr Programm ins Netz. Die Verlage streiten sich mit diesen Sendern und ihren Konkurrenten um die Marktanteile des neuen digitalen Marktes. Online werden Gewinne mit der Vermarktung erzielt, die aber die Verluste der Einnahmen der Printprodukte nicht ausgleichen. Die Folge: Aus der Krise der Rentabilität klassischer, konventioneller Medien wird die Krise des Qualitätsjournalismus. Renommierte Verlagshäuser wie Gruner + Jahr oder die WAZ-Gruppe entlassen große Teile ihres journalistischen Personals. Diese Maßnahmen ziehen die Qualität von Print- und Onlinetiteln gleichermaßen nach unten: Denn die besten Texte der Onlineportale stammen aus der Feder der Printjournalisten. Weiterlesen »

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Und wie war´s? – Kunba misst Kundenzufriedenheit

kunba_logo.jpgHot or not? – Wer jetzt an Supermodels und Flirtportale denkt, liegt völlig daneben. Bei Kunba geht es ausschließlich um harte Fakten. Denn Kunba steht für Kundenbarometer und dieses zeigt, ob eine Firma oder ein Produkt ganz oben oder unten auf der Skala steht. Darüber entscheiden hier ganz demokratisch die User und schaffen mit ihren Bewertungen eine nützliche Orientierung für andere Verbraucher.


Wie funktioniert Kunba?

Bei Kunba dreht sich alles um das Thema Kundenzufriedenheit. Egal ob Dienstleistung oder Produkt, von A wie Autovermietung bis Z wie Zoohandlung – hier kann alles bewertet werden. Wie war der Service? Wo gab es Ärger oder was war besonders gut? Neben einer Bewertung können die Nutzer auch über eine Kommentarfunktion genau beschreiben, was ihnen negativ oder positiv aufgefallen ist. Mit der Masse an Bewertungen und Kommentaren entsteht eine gute Orientierungsmöglichkeit für andere, wenn der Kauf eines neuen Notebooks ansteht oder ein DSL-Vertrag abgeschlossen werden soll. Kunba wertet die Kundenmeinungen in Echtzeit aus. So erhält man stets eine Top und Flop Liste, die zeigt, was aktuell besonders gut bewertet wurde oder welche Anbieter und Produkte bei den Kunba-Nutzern durchgefallen sind.

Diverse Kategorien und eine Suchfunktion ermöglichen das schnelle Auffinden des gesuchten Produktes. Ein weiteres Feature: Per Klick gelangt man auch von jedem Angebot direkt zum entsprechenden Online-Shop.

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Für wen ist Kunba gedacht?

Kunba ist für alle da – jedenfalls zumindest für diejenigen, die auf der Suche nach anderen Kundenmeinungen sind und beim Einkaufen nicht nur auf das persönliche Gefühl vertrauen wollen. Hier gibt es keine seitenlangen Kundenrezensionen, sondern eine Zusammenfassung auf kurze und knackige Art. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern vor allem der Service. Wer Wert auf Qualität und eine gute Kundenbetreuung legt und sich einen ersten Überblick über die Anbieter am Markt und ihren Service schaffen möchte, ist bei Kunba richtig.

Blogpiloten-Urteil:

Oh nein, nicht noch ein Angebot für den Preisvergleich! Nee, nee, bei Kunba spielen die Preise eine untergeordnete Rolle und der Service steht im Vordergrund. Der Produkt- und Angebotsvergleich wird einmal von einer anderen Seite beleuchtet und bietet eine gute Hilfe, um sich beispielsweise durch den Angebotsdschungel bei Strom- oder Handyanbietern zu kämpfen. Auch Kunba ist allerdings -wie so viele Angebote- noch in der Startphase (hier mal nicht Beta-, sondern immerhin schon Gamma-Phase genannt) und benötigt noch eine größere Anzahl an Bewertungen, um die Meinungen repräsentativer werden zu lassen. Beim Design und den Funktionen hätte etwas mehr Kreativität nicht geschadet, um sich besser von anderen Angeboten abzuheben. Insgesamt aber für Konsumenten eine gute Hilfe bei der Kaufentscheidung, in der noch Potenzial steckt.

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Facebook und die „geklauten“ Werbe-Ikonen

Update: Nerdcore zeigt hier, wie man in drei Schritten seinen Facebook-Account löschen kann – eine gewisse Hartnäckigkeit ist allerdings nötig! Update Ende

Das Thema des Tages nimmt weiter Fahrt auf. Weitere reichweitenstarke Blogs und deren Betreiber haben beim Ego-Googlen entdecken müssen, dass mit ihr guter Name von Facebook bei Google via Adsense als Werbung für die deutsche Ausgabe von Facebook genutzt wird (nein, das ist nicht StudiVZ, die ja wegen Fragen des Datenschutzes auch schon das ein oder andere mal in der Kritik standen).

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„Bekannt aus Funk und Facebook-Werbung“

So manch ein A-, B- oder C-Promi, der heute nur noch Baumärkte oder Möbelhäuser einweiht, ist – wie es in den Werbeblättchen dann immer so schön heißt – „bekannt aus Funk und Fernsehen“. So manch einem A-, B- oder C-List-Blogger und Facebook-User könnte es bald genauso ergehen. Der Spruch wäre dann Web 2.0-tauglich allerdings: „Bekannt aus Blog, Facebook und Google-Werbung“.

Der Aufreger zum Wochenstart ist die „Werbe-Aktion“ von Facebook Deutschland. Die Macher werben auf Google ganz unverhohlen mit Nutzerprofilen deutscher Blogger und Web 2.0-Sternchen. Nach „andere arbeiten lassen“ jetzt also „andere werben lassen“?

So geht das nicht! Ich würde mich in meinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlen. Der Protest formiert sich bereits (stilecht auf Facebook.com selbst). Mein Fazit: Nach Facebook-Beacon hat man schon wieder etwas gar nicht kapiert.

Weiter lesen hier, hier, hier, hier, hier und hier. Noch viel mehr zum Thema gibt es via Rivva.

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Meinungsfreiheit für Blogger einschränken

Für einigen Wirbel sorgte Dr. Stephan Holthoff-Pförtner auf dem Medienforum NRW mit einer unbedachten Äußerung über Weblogs:

Diese Blogger und die schnellen Fotos, das ist wie Wikipedia, da tut sich so viel, das ist keine Alternative zu ernsthaftem Journalismus. [..] Blogger verdienen nach meiner Ansicht nicht den Schutz des Artikel 5.

Artikel 5 des Grundgesetz:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Dr. Stephan Holthoff-Pförtner ist einer von drei Bevollmächtigten der Funke Famililen Gesellschaft (FFG), der die Hälfte der Essener WAZ-Mediengruppe gehört. Im oben erwähnten Zusammenhang hat er vermutlich die Freiheit der Presse gemeint, die Aussage bleibt allerdings ein grober verbaler Fehltritt. Die Reaktionen aus der Blogwelt blieben natürlich nicht aus, vor allem auch, da die WAZ das derzeit wohl ehrgeizigste Online-Zeitungsprojekt „WestEins“ realisiert. Das auch Blogger mitgestalten sollen.
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