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5 Lesetipps für den 9. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um das untote Leistungsschutzrecht, Framing, Sexismus in Anzeigen, Brustwarzen auf Instagram und was Twitter ist. Ergänzungen erwünscht.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Golem.de: CSU will Leistungsschutzrecht in EU-Reform schmuggeln: Eigentlich sollte man nicht mehr auf Artikel zum Thema Leistungsschutzrecht für Presseverlage (LSR) verlinken, aúch nicht auf die guten Beiträge von Friedhelm Greis, denn so kann eigentlich nur noch mehr Politikverdrossenheit entstehen. Wie sich CDU/CSU und Springer im Europaparlament dafür einsetzen, dass das hierzulande gescheiterte LSR auch auf europäischer Ebene Schaden anrichtet, ist nicht mehr zu verstehen. Geld verdienen tut Springer damit nicht, aber es tötet jegliche Innovation und mögliche Konkurrenz für das Medienhaus.

  • FRAMING Tagesschau.de: Verletzt ein Link das Urheberrecht? [Spoiler: Nein!]: Etwas reißerisch liest sich der Titel des Artikels von ARD-Rechtsredakteur Kolja Schwartz, denn ob Framing eine Urheberrechtsverletzung darstellt, hat der Europäische Gerichtshof schon im Oktober 2014 geklärt: Nein, tut es nicht. Dass der Fall jetzt vorm Bundesgerichtshof weiter verhandelt wird, liegt daran, dass die Klägerin behauptet, das rechtskonform von einem Wettbewerber eingebettete Video nie hochgeladen zu haben. Betrachtet man den Artikel aber im Ganzen, ist er zumindest sehr informtaiv, was das Thema Framing und Urheberrecht angeht.

  • BRUSTWARZEN Süddeutsche.de: Weibliche Brüste nicht erwünscht: Die Doppelstandards sozialer Netzwerke, wenn es um Nacktheit geht, sind wirklich unverständlich. In dem Artikel von Simon Hurtz über Brustwarzen auf Instagram und Facebook, wird das noch einmal deutlich. Der Fall der Schwedin Aline Nilsson, deren Foto erst nicht mehr gelöscht wurden, nachdem sie in ihrem Foto Brustwarzen von Männern über die eigenen gelegt hat oder der Fall der Komikerin Chelsea Handler, die das Foto des mit freiem Oberkörper reitenden Putin kopierte, belegen den Unsinn.

  • SEXISMUS Digital Trends: Google Ads Target Men More Than Women For High Pay Jobs: Auf Digital Trends berichtet Lulu Chang über eine Studie, die scheinbar die in der Arbeitswelt vorherrschende „Gender Gap“ auch in Googles Werbeanzeigen für gut bezahlten Stellen nachweist. Frauen bekommen demnach weniger Stellenanzeigen für hochbezahlte Arbeit angezeigt als Männer. Der Fehler liegt nicht bei Google, das nur die Realität unserer Gesellschaft und ihrer Arbeitswelt wiederspiegelt. Genauso wie eine Bildersuche nach dem Begriff „CEO“.

  • TWITTER The New York Times: „.@Twitter. Who Do You Think You Are?“: Wenn Nick Bilton nicht erklären kann, was Twitter ist, dann muss ich das wohl nicht. Er hat zumindest ein gar nicht so schlechtes Buch darüber geschrieben und als Journalist das Unternehmen in den letzten Jahren verfolgt wie kein anderer. In seinem Artikel für die New York Times wird aber eines auf der Suche nach der Definition deutlich. Twitter hat seit Jahren ein Problem, das es nicht gelöst bekommen: Was ist Twitter eigentlich? Das zu wissen, ist elementar für das Geschäft. Wie auch wiederum Twitter seit Jahren beweist.

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5 Lesetipps für den 7. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um das untote Leistungsschutzrecht, LeFloid interviewt Merkel, ein Gesetz gegen Trolle, Journalismus und Rape Culture. Ergänzungen erwünscht.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Julia Redas Blog: In letzter Minute soll das Leistungsschutzrecht in den Urheberrechtsbericht gemogelt werden: An mein halbes Jahr als Praktikant in Brüssel erinnere ich mich eigentlich sehr gerne zurück, auch wenn solche Abende wie die der VG Media in der Bayerischen Landesvertretung in Brüssel zur “Bedeutung von Leistungsschutzrechten für die europäische Medienvielfalt“ eher gefühlte zwei nicht enden wollende Stunden zwischen mir und dem kostenlosen Feierabendbier waren. Für die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler war es aber wohl eine ganz informative Veranstaltung, denn seitdem, obwohl der Vorstoß eines europäischen Leistungsschutzrechts für Presseverlage bereits im Rechtsausschuss gescheitert ist, setzt sich Niebler vehement dafür ein, wie ihre Parlamentskollegin Julia Reda bloggt. Mit einem Änderungsantrag möchte Niebler den Bericht von Julia Reda für eine Urheberrechtsreform unterminieren. So traurig das ist, daran kann man ganz transparent das allabendliche Einmaleins des Brüssler Lobbyismus erkennen. Und wie sich vom Thema nichts wissende Abgeordnete ausnutzen lassen.

  • BUNDESKANZLERIN Netzfeuilleton.de: LeFloid interviewt Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die “Social-Media-statt-Journalismus“-Strategie des Bundespresseamts erfährt einen neuen Höhepunkt, denn wie Jannis Kucharz mit Verweis auf ein YouTube-Video des Vloggers Florian Mundt berichtet, darf dieser am Freitag der Bundeskanzlerin Angela Merkel Fragen zum Thema “Gutes Leben“ stellen, die er gerade in seiner Community unter dem Hashtag #NetzfragtMerkel sammelt. Wenn der sich LeFloid nennende Mundt nicht ganz blöd anstellt bzw. zu kritisch wird, dann sind die Sommerinterviews der Fernsehsender wohl bald Geschichte, denn mit ihrem eigenen Video-Podcast beweist die Kanzlerin ja schon, dass nicht hinterfragtes Senden von Botschaften ihr und dem Regierungssprecher liegen.

  • TROLLE The National Business Review: Harmful Digital Communications Bill passes: Chris Keall berichtet auf der neuseeländischen Website “National Business Review“ über das sehr absturs wirkende Gesetz namens “Harmful Digital Communications“, mit der in Neuseeland gegen “schädliche digitale Kommunikation“ vorgegangen werden soll. Trotz Kritik von Bürgerrechtsorganisationen nahm das Parlament den Gesetzesentwurf mit 116 zu 5 Stimmen an. Ob Debatten im Netz jetzt wesentlich konstruktiver ablaufen und Trolle erfolgreich verboten werden, bleibt wohl mehr als unwahrscheinlich. Sicher ist nur, dass ein beinahe willkürlich zu interpretierendes Zensur-Werkzeug geschaffen wurde, das Raum für Missbrauch bietet.

  • GOOGLE NEWS LAB medienMITTWEIDA: Journalismus, Qualitätsjournalismus, News Lab!: “Letztendlich macht das ‚News Lab‘ (…) die bestehenden Abhängigkeiten an einem Fleck sichtbar“, zitiert Laura Krämer in ihrem Artikel für Medien-Mittweida.de den Leiter der Mitteldeutschen Journalistenschule, Marcus Jänecke. In einem Blogpost wies ich Ende April auf die Initiative von Google hin, das damit im Umgang mit den Medien auf Kooperation statt Konfrontation setzt. Mit Erfolg, zumindest für das Unternehmen aus Kalifornien, aber nicht unbedingt zum Vorteil für die großen Presseverlage, die sich ihren Platz am Tisch gesichert haben und nun mit dem fremden Geld, das sie nicht übers Leistungsschutzrecht für Presseverlage erpressen konnten, in aufzusaugende Innovation Dritter investieren wollen.

  • RAPE CULTURE taz.de: Hotpantsverbot an Schulen: Gestern rutschte auf Twitter der Hashtag #hotpantsverbot in meine Timeline. Was seltsam wirkt, ist alles andere als nachvollziehbar. An einigen Schulen in Deutschland kamen Schulleiter auf die Idee, freizügig gekleideten Mädchen vorzuschreiben, was sie tragen dürften, denn sonst “schauen die Jungs eher auf die Beine der Mädchen denn an die Tafel“. Margarete Stokowski findet dafür in der taz deutliche Worte: Rape Culture und Victom Blaming. An einer brandenburgischen Schule in Michendorf kommt auch noch Rassismus dazu, denn laut dem Direktor könnte die Freizügigkeit der Schülerinnen von Asylbewerbern “falsch verstanden werden“. Man möge mir das abgewandelte Liebermann-Zitat an dieser Stelle verzeihen, aber manchmal kann ich gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.

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LSR in Österreich: Ein Stolperstein für Medien-Start-ups

Masificación de Internet (adapted) (Image by Ministerio TIC Colombia [CC BY 2.0] via Flickr)

Ein geplantes Leistungsschutzrecht soll ab Oktober ermöglichen, dass Verlage Geld von Suchmaschinen und News-Aggregatoren verlangen können. In die Urheberrechtsnovelle, die das von Wolfgang Brandstetter (ÖVP) geführte Justizministerium im österreichischen Nationalrat eingebracht hat, hat auch ein Leistungsschutzrecht für Verlage seinen Einzug gehalten. Noch vor der Sommerpause soll es beschlossen werden und bereits im Oktober in Kraft treten.

Das geplante Leistungsschutzrecht (LSR) sieht vor, dass Suchmaschinen und andere Content-Aggregatoren (Blogger sind explizit ausgenommen) künftig für Inhalte zahlen sollen, auch für kurze Textanreißer (so genannte Snippets).

Wenn für Presseerzeugnisse kein Leistungsschutzrecht eingeführt wird, können diese weiterhin nicht lizenziert werden, was zu einem weiteren Rückgang der Werbeeinnahmen der Presseverleger führen könnte. Dieser Einnahmenrückgang würde zu einer Schwächung des Pressestandorts Österreichs und zu einer Reduktion der Meinungsvielfalt führen, heißt es aus dem Justizministerium über das zu lösende Problem und den Zielzustand. Durch Lizenzverträge werden die Einkünfte von Presseverlagen und die Investition in journalistische Tätigkeit steigen.

Warum der Leistungsschutz sich in die Urheberrechtsnovelle hineindrängen konnte, ist in den Erläuterungen des Justizministeriums zu lesen: „Auch österreichische Zeitungen haben sich diesem Anliegen angeschlossen und die Gleichbehandlung mit anderen Werkmittlern und den Schutz von Zeitungs- und Magazinverlagen im Internet-Zeitalter durch ein neues Leistungsschutzrecht eingefordert.“ Dementsprechend positiv wurde der Gesetzesentwurf beim Verband Österreichischer Zeitungen (VÖZ; Mitglieder sind u.a. Der Standard, Styria-Titel, Verlagsgruppe News, Kronenzeitung, Kurier uvm.) aufgenommen, auch wenn man noch gerne nachschärfen würde. Google, gegen das sich das Gesetz hauptsächlich richtet, hält den Gesetzesentwurf für „verfehlt“ und würde lieber intensiver mit Verlagen kooperieren aus neue Gesetze aufzustellen.

Wie erfolgreich kann ein Leistungsschutzrecht (LSR) in Österreich sein? Die bisherigen Versuche in Europa müssten den Gesetzgeber eigentlich abschrecken. In Deutschland hat das LSR lediglich dazu geführt, dass Online-Medien (sogar jene von Axel Springer) das ausdrückliche Recht zugesprochen haben, weiter ihre Inhalte in Google News und den Suchergebnissen anzuzeigen, weil sonst die Zugriffe auf ihre Webseiten einbrechen würden. In Spanien, wo es eine schärfere Version des LSR gibt, war die Konsequenz, dass Google News vom US-Internetkonzern eingestellt wurde – schade auch für Journalisten, für die der News-Aggregator ein wichtiges Recherche-Tool ist.

Dass Google an die Verlage bzw. deren Verwertungsgesellschaft zahlen wird, davon ist eher nicht auszugehen. Einerseits lässt Google gerne seine Muskeln spielen, andererseits hat der Internetkonzern erst vor wenigen Wochen 150 Millionen Euro für europäische Medien lockergemacht, die mit dem Geld in der Digital News Initiative (DNI) neue Technologien und Innovationen entwickeln können sollen. Die Kronenzeitung etwa, Österreichs reichweitenstärkste Zeitung, versucht sich als VÖZ-Mitglied und DNI-Partner nun in einem interessanten Spagat zwischen Kooperation und Kritik.

Welche Auswirkungen das LSR auch auf Österreichs eigene Innovationskraft im Digitalmedien-Bereich hat, ist ebenfalls zu hinterfragen. Angenommen, ein junges Start-up würde eine neuartige Suchmaschine als Google-Alternative anbieten wollen, es müsste viel Geld an die Verlage zahlen – für ein Jungunternehmen kaum schaffbar. Betroffen vom LSR sind auch kleine News-Aggregatoren wie Storyclash aus Linz, die Facebook hinsichtlich der meist geteilten News-Artikel analysiert und diese Artikel mit automatisch gesammelten Snippets auf seiner Webseite präsentiert.


Image (adapted) „Masificación de Internet“ by Ministerio TIC Colombia (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 24. März

In unseren Lesetipps geht es heute um Verifizierung im Journalismus, eine Abmahnung auf Facebook, das Leistungsschutzrecht für Presseverlage, die Vorratsdatenspeicherung und Vine. Ergänzungen erwünscht.

  • JOURNALISMUS FAZ: Als die Bilder lügen lernten: In ihrer Kolumne auf FAZ.net schreibt Constanze Kurz vom Chaos Computer Club über die Lehren aus dem Fall „Varoufake“, der zum einen die skandalisierenden Strategien der Medien offenbarte, aber auch, wie leicht Bilder manipuliert werden können. Die Medien stehen vor der Herausforderung der nahezu zweifelsfreien Verifizierung von Inhalten, wenn sie nicht weiter an Glaubwürdigkeit einbußen wollen.

  • ABMAHNUNG t3n: Facebook-Nutzerin soll 1.000 Euro für geteiltes Foto zahlen: Die bisherigen Meinungen von Juristen zum Thema Teilen von Werken in sozialen Netzwerken waren eigentlich immer klar: das geht mit dem Urheberrecht nicht, trotzdem ist es, vor allem durch den globalen Charakter der sozialen Netzwerke, der Alltag. Bisher ging das auch gut, mit wenigen Ausnahmen auf Twitter. Daniel Hüfner stellt auf t3n einen bisher neuen Fall vor, auch wenn genau so etwas schon lange erwartet wurde, in dem die Inhaberin einer Fahrschule abgemahnt wurde, weil sie einen Bericht der BILD-„Zeitung“ geteilt hatte, ohne den Urheber des eingebetteten Vorschaubilds zu nennen.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Horizont: Deutsches Patent- und Markenamt verhandelt über Klage gegen Google: Heute kommt es in München zu einer nichtöffentlichen Verhandlung bei der Schiedsstelle für Urheberrechtsangelegenheiten beim Deutschen Patent- und Markenamt in München, in der es um die Vergütung von Online-Presseausschnitten in Deutschland geht, sprich das Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Die Verhandlung beruht auf einer Klage der Verwertungsgesellschaft VG Media, die auf der Basis des Leistungsschutzrechtes für Presseverlage Geld von Google für die Darstellung Textauszügen verlangt.

  • VORRATSDATENSPEICHERUNG Zeit Online: Ein fast unmögliches Gesetz: Heiko Maas möchte man in diesen Tagen nicht sein. Er, der sich in den letzten 18 Monaten seit der Bundestagswahl zum Bürgerrechtsgewissen der SPD entwickelte, muss nach der populistischen Hauruck-Aktion seines Parteichefs Sigmar Gabriel nun ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung (VDS) schreiben, dass ihm sicher nicht behagt und das doch den Balanceakt schaffen muss, nicht gleich vom Bundesverfassungsgericht nach den zu erwartenden Klagen auseinander genommen zu werden. Nahezu unmöglich, sind doch zum Glück di durch die Verfassung gesetzenden Vorgaben nahezu nicht mit einer VDS in Einklang zu bringen, wie Maas bisher auch seine Ablehnung begründete.

  • VINE Süddeutsche.de: Die Vine-Stars wollen jetzt mehr als sechs Sekunden: In dem zu Twitter gehörenden sozialen Netzwerk Vine ist Logan Paul eine Art Berühmtheit, mehr als sieben Millionen Menschen folgen seinen sechsekündigen Videoclips. Hakan Tanriverdi stellt den Künstler vor, der wie einige andere mit seinen Videos auch Geld vwrdient – fünf- bis sechsstellig pro Kampagne. Doch Vine allein reicht den Künstlern nicht mehr aus. Sie suchen Wege, ihren Erfolg außerhalb der Plattform zu stabilisieren. Paul versucht es mit einer Spiele-App.

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Das Leistungsschutzrecht gefährdet unsere Zukunft!

DSC_2409 (adapted) (Image by Digitale Gesellschaft [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage (LSR) wird seit seiner Verabschiedung im Jahr 2013 kritisch beäugt. Am 11. Dezember 2014 reichten die Oppositionsparteien einen gemeinsamen Gesetzesentwurf ein, welcher vorsah, dass das Gesetz wieder abgeschafft wird. Vergangenen Dienstag kommentierten geladene Sachverständige in einer öffentlichen Sitzung des Rechtsausschusses im Bundestag den Vorschlag der Opposition.

In der Marktforschung wird zur Bewertung von Sachverhalten gern eine ungerade Anzahl an Bewertungsoptionen gegeben: Eine Skala von 1 bis 5 beispielsweise. Denn nur so lässt sich eine Mehrheit feststellen und dadurch eine Tendenz ablesen. Wenn nun die Bundesregierung einen Ausschuss zusammenstellt, in dem sieben Experten einen Sachverhalt bewerten sollen, dessen Befürwortung im Interesse eben dieser Regierung liegt, sollte man annehmen, dass vier der sieben Sachverständigen sich unterstützend äußern. Dies ist in der Expertenanhörung zur Aufhebung des Leistungsschutzrecht am vergangenen Mittwoch jedoch nicht geschehen: Tatsächlich liegt die Tendenz der Sachverständigen eher bei der Ablehnung des Gesetzes und damit über Kreuz mit den Interessen der Regierung.

Es ist tatsächlich schwer, etwas Positives am Leistungsschutzrecht für Presseverlage zu finden. Ausführliche Bewertungen, Chronologien und vor allem tonnenweise gute Gegenargumente lassen sich auf Netzpolitik.org finden, unter anderem hier.

Auch Angst 2.0 ist kein guter Ratgeber

Neben allen Gründen, die hierzulande gegen das Leistungsschutzrecht sprechen, entfaltet es auch auf einer höheren Ebene Schadenspotenzial. Denn das Leistungsschutzrecht ist eines der Mosaiksteinchen im Bild des deutschen digitalen Mittelmaßes. Alle Steinchen zusammengesetzt ergibt sich eine Landkarte des Durchschnitts. Und auch beim Nachwuchs sieht es (noch) nicht glänzend aus: Laut der Studie „International Computer and Information Literacy Study“ (ICILS) 2013  liegen die deutschen Schüler in Sachen digitaler Kompetenz so gerade eben über dem europäischen Mittelwert.

Das ist keine stabile Basis für eine zukünftige Gesellschaft, die in der digitalisierten, globalisierten Welt eine führende Rolle spielen will. Hinzu kommt eine Politik, die mit Regelungen zur Störerhaftung und eben dem Leistungsschutzrecht kaum Offenheit gegenüber neuen Geschäftsmodellen zeigt. Wie der aktuelle Spiegel-Titel beweist, funktioniert die Kommunikation der Angst in der digitalen Wirtschaft ebenso wie in unserer Gesellschaft – führend sind die Deutschen immerhin in der Datenschutz-Paranoia.

Regulierung ja – aber bitte mit Augenmaß

Gegen eine gesunde Kritik und Achtsamkeit ist nichts einzuwenden: Wenn Apple, Amazon und Uber Mindeststandards bei Arbeitsbedingungen verletzen, Facebook und Google Transparenz über Nutzerdatenverwendung vermissen lassen, ist eine kritische Auseinandersetzung mehr als nötig. Wünschenswert ist dabei jedoch, das richtige Maß zu finden.

Eine Gesellschaft, die auf Angst und Ablehnung vor neuen Technologien gebaut ist, kann die Chancen des Wandels nicht erkennen. Die Schubladen sind aber auch zu bequem: Wer die Chancen begrüßt, redet schließlich die Risiken klein. Wer die Risiken betont, ist ein Aluhut. Und gleichzeitig sind wir doch fast alle schon längst viel digitaler als manche von uns eigentlich sein wollen. Die Bequemlichkeit siegt.

Diese digitale Schizophrenie erfasst in Zeiten des Wandels nicht nur den Bürger, sondern auch die Politik: Während das Leistungsschutzrecht als ein Instrument gedacht ist, Googles Marktmacht zu begrenzen, manifestiert es in Wahrheit dessen Monopol. Während 80 Millionen Euro an Startups verteilt werden sollen, bremsen das Leistungsschutzrecht, das Urheberrecht insgesamt und die Störerhaftung neue Geschäftsmodelle aus. Während eine Übermacht US-amerikanischer Konzerne in Europa verhindert werden soll, greifen die europäischen Unternehmen nach der Netzneutralität, um Meinungsmacht und ökonomische Vormachtstellungen im Internet zu etablieren. Der Kampf gegen Google als Nebelkerze, um die eigenen Machtkämpfe zu verschleiern.

Was fehlt: Differenzierte Aufklärung

Weder Jarvis, noch Döpfner oder Oettinger liegen richtig, wenn sie die Stimmung der Deutschen einfangen wollen. Zwischen den Polen der Angst liegen noch weit mehr als 50 Schatten von Grau.

Den Zeiten des Wandels ist das ungewisse Ende immanent. Daher ist eine differenzierte Auseinandersetzung, regelmäßige Neubewertung und sachliche Aufklärung von Chancen und Risiken Pflicht, um der Gesellschaft eine Meinungsbildung zu ermöglichen.

Deutschland hat mit der Industrie 4.0 eine reelle Chance, einen vorderen Platz in der digitalen Welt zu erobern. Nur wenn das Land in der Lage ist, sich den Möglichkeiten kritisch, aber konstruktiv zu öffnen, können wir den Durchschnitt überwinden. Wenn Deutschland das digitale Mittelfeld verlassen will, gehört die Aufhebung des Leistungsschutzrecht unbedingt dazu und ist neben anderen Schritten auf dem Weg zum Ziel wahrscheinlich der einfachste – und ein guter Anfang.


Image (adapted) „DSC_2409“ by Digitale Gesellschaft (CC BY-SA 2.0)


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Christian Flisek übers Leistungsschutzrecht: Mehr Schaden als Nutzen

SPD-Bundestagsabgeordneter Christian Flisek (Bild: Bundestag/Achim Melde)

Im Interview kritisiert Christian Flisek (SPD) das Leistungsschutzrecht für Presseverlage, bittet aber um Zeit für eine vernünftige Evaluierung des Gesetzes. // von Tobias Schwarz

SPD-Bundestagsabgeordneter Christian Flisek (Bild: Bundestag/Achim Melde)

Am Mittwoch tagte der Rechtsausschuss des Bundestag öffentlich, um verschiedene Sachverständige zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage zu hören. Anlass ist ein gemeinsamer Gesetzesentwurf der Opposition, die das Leistungsschutzrecht für Presseverlage wieder abschaffen will. Wir haben uns im Anschluss mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Christian Flisek über die Anhörung und die Debatte um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage unterhalten.

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5 Lesetipps für den 3. März

In unseren Lesetipps geht es heute um WhatsApp, House of Cards, Interviews mit Juliane Leopold und Steffen Seibert, sowie das Leistungsschutzrecht. Ergänzungen erwünscht.

  • WHATSAPP Digiday: ‚WhatsApp alerts are easier said than done‘: Es ist eine Hassliebe, wie Ricardo Bilton auf Digiday schreibt. Einerseits sind Verlage von den Möglichkeiten fasziniert, die WhatsApp für die Content-Distribution bietet, andererseits sind nur sehr komplizierte Arbeitsabläufe nötig, damit das klappt. Wir selber testen seit Monaten WhatsApp und aus verschiedenen Gründen sehe ich das persönlich immer kritischer. Andere setzen darauf, ihre Leser trotz neuer Gewohnheiten des Konsums von Informationen zu erreichen.

  • HOUSE OF CARDS CNET: Some ‚House of Cards‘ viewers do whatever it takes to watch: Dieser Lesetipp hat einen leichten Hauch von „Ich habe es euch doch gesagt!“. Ob es nun Kurzsichtigkeit oder die Notwendigkeit mit Lizenzen Geld einzunehmen war, dass die dritte Staffel von „House Of Cards“ hierzulande (und woanders) nicht auf Netflix zu sehen ist, ist ein Abonnenten beleidigender Fehler. Wer sich nicht durch einen Wechsel seiner IP-Adresse helfen konnte, war zu unautosisierter Nutzung gezwungen und das waren scheinbar nicht wenige, denn wenn es um Zugang geht, interessieren veraltete Urheberrechtsgesetze auch den anständigsten Bürger nicht mehr.

  • BUZZFEED Vocer: Katzencontent… unterlegt mit Katzengejammer: Hmm, auf Vocer.org gibt Larissa Sartori sehr viel Raum für den Ärger von Juliane Leopold auf die hierzulande oft kritischen Reaktionen zum Start von BuzzFeed Deutschland. Als kleiner BuzzFeed-Fan und alles andere als ein Vertreter des Journalismus alter Schule, fühle sogar ich mich auch von dieser Kritik angesprochen, deshalb an dieser Stelle eine kritische Nachfrage (die eigentlich von Sartori hätte kommen sollen): Wenn eine sehr gute Journalistin von Zeit Online sich mit anderen Journalisten zusammen tut, darf man nicht irrtiert sein, wenn diese Leute über Monate hinweg etwas vollkommen belangloses machen? BuzzFeed kann ab und zu Journalismus, spannender sind die Kompetenzen im Publishing und neuen Strukturen von Redaktionen, aber dafür war wohl keine Zeit mehr in diesem Interview.

  • STEFFEN SEIBERT Daniel Bouhs‘ Blog: “Da gehört die Bundesregierung auch hin”: Im Interview mit dem Medienjournalisten Daniel Bouhs spricht Regierungssprecher Steffen Seibert über die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Regierung in den sozialen Netzwerken,wie man mit Trollen umgehen soll, das Verhältnis zur journalistischen Berichterstattung der Presse und die neue Facebook-Seite der Bundesregierung.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Netzpolitik.org: Chronologie des Leistungsschutzrecht für Presseverlage: Vergangenen Freitag veranstaltete das Informationsportal iRights.info eine Diskussion zum Thema Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Florian Gilberg von Netzpolitik.org war dabei und hat fleißig mitgeschrieben und für seinen Artikel auch gleich mal eine Chronologie des Gesetzes gemacht, dass sich die Presseverlage mit aller Macht gewünscht haben, es dann aber niemals selber anwendeten.

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Wider der Realität: das Leistungsschutzrecht in Europa

DSC_2579 (adapted) (Image by Digitale Gesellschaft [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

In Deutschland verloren, in Spanien blamiert, in Frankreich kassiert – gegen Google machen die Presseverlage keine gute Figur. Auch nach über einem Jahr hat das Leistungsschutzrecht für Presseverlage (LSR) den Medienhäusern kein Geld eingebracht. Letztendlich gaben die deutschen Presseverlage nach und waren damit wohl erfolgreicher als die europäischen Nachbarn in Spanien und Frankreich. Denn nicht das Unternehmen Google ist das Problem, sondern die Realität des Marktes, der man sich nicht widersetzen sollte.

„Völliger Quatsch und nicht europarechtskonform“

Anfang Dezember behandelte der Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“ in seiner letzten Sitzung für dieses Jahr das Thema Reform des Urheberrechts. Im nächsten Jahr wird es vor allem von der europäischen Ebene neue Impulse geben, wie die längst überfällige Modernisierung des Urheberrechts aussehen kann, weshalb sich die Ausschussmitglieder vier Sachverständige eingeladen hatten, um sich von ihnen Empfehlungen für ein weiteres Vorgehen bei einer Urheberrechtsreform auf deutscher und europäischer Ebene sowie beim Leistungsschutzrecht für Presseverlage geben zu lassen.

In seltener Einstimmigkeit empfahlen sowohl BITKOM-Vertreterin Judith Steinbrecher, als auch Dr. Thomas Hoeren von der Universität Münster, Dr. Gerald Spindler von der Universität Göttingen und Philipp Otto, Redaktionsleiter von iRights.info, die Abschaffung des noch von der letzten Bundesregierung eingebrachten Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Otto bezeichnete das Gesetz während der öffentlichen Anhörung als „völliger Quatsch und nicht europarechtskonform„. Er appellierte an die Bundestagsabgeordneten, den „Presseverlagen, insbesondere auch den Lokalzeitungen etwas Gutes“ zu tun und „dieses Gesetz ersatzlos“ zu streichen.

Die Opposition im Bundestag, die Fraktionen der Linkspartei und von Bündnis 90/Die Grünen, hatten schon vor den Stellungsnahmen der Sachverständigen, einen gemeinsamen Gesetzesentwurf zur Aufhebung des Leistungsschutzrecht beschlossen. Zum einen, weil der „angebliche Schutz für verlagstypische Eigenleistungen“ weiterhin unklar blieb, aber auch weil „das Gesetz zur Einführung eines Leistungsschutzrechts für Presseverleger mehr Verwirrung als Klarheit stiftet„, wie die Berliner Bundestagsabgeordnete Halina Wawzyniak auf dem netzpolitischen Blog der Linkspartei schrieb.

Die Spanische „Pioniertat“ wird zum Eigentor

In Spanien zeigten die letzten beiden Wochen, dass der Verzicht auf die Durchsetzung des Leistungsschutzrecht für Presseverlage, die deutschen Medienhäuser zumindest vor einer Blamage schützte. Statt „sich besser um eine Reform des dortigen Urheberrechts“ zu kümmern, wie Lars Sobiraj auf Netzpiloten.de anmerkte, hat der spanische Kulturminister José Ignacio Wert der hiesigen Medienlandschaft ein eigenes Leistungsschutzrecht geschenkt, welches er als „Pioniertat“ bezeichnete, dass aber wie auch schon in Deutschland mangelhaft an Details und deren Folgen war.

Da diese Gesetzesreform grundsätzlich verlangte, dass Betreiber von Suchmaschinen eine Gebühr an spanische Verlage und Autoren zahlen müssen, beschloss Google noch vor dem Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar 2015 seinen Dienst „Google News“ in Spanien komplett abzustellen. Zusätzlich werden „weltweit keine Inhalte spanischer Medienhäuser mehr durch den Google-Nachrichten-Service erfasst„, wie Marie-Astrid Langer auf NZZ.ch schreibt. Google selbst bedauere diesen drastischen Schritt zutiefst, merkte Richard Gingras, Chef von Google News, am Mittwoch auf einem Unternehmensblog an.

Noch mehr bedauern dürften das inzwischen die spanischen Verlage. Matthew Ingram schreibt auf Gigaom von einem Rückgang des externen Traffics zwischen 10 und 15 Prozent. Dies hat das Statistik-Unternehmen Chartbeat auf Grundlage von rund 50 spanischen Nachrichten-Websites ermittelt. Als Folge stieg der Anteil des internen Traffics, der durch direkte Verlinkungen zwischen den spanischen Medienhäusern entsteht, so dass in der Gesamtbetrachtung noch kein Einbruch der Besucherzahlen festzustellen ist. Es wird interessant zu beobachten sein, wie lange die spanischen Verlage auf die Produkte der Konkurrenz verlinken, um darauf zu hoffen, dass diese das ebenfalls tun und somit Besucher-Traffic weiterleiten.

Die „vergoldete“ Alternative: Kooperation

Die französische Medienlandschaft setze schon Anfang des Jahres 2013 auf Kooperation statt Konfrontation, wenn auch mit leichtem Druck aus dem Präsidentenpalast. Anstatt ein wie in Deutschland und Spanien auf Google zielendes Gesetz zu fordern, haben sich die Verlage mit Google darauf geeinigt, dass der Internetkonzern einmalig 60 Millionen Euro in einen Fond packt, mit dem Projekte für den „Übergang von der analogen in die digitale Welt“ unterstützt werden sollen. Außerdem hilft Google den Presseverlagen bei der Digitalisierung ihres Geschäftsmodells. So billig und am Ende ihnen auch noch Kunden zu spielend, kam Google wohl noch nie aus einem Konflikt heraus.

Doch dieser Ausweg liegt in der Natur der französischen Presseverlage, die Subventionen gewohnt sind. Jedes Jahr unterstützt der französische Staat die heimische Presse mit 1,2 Milliarden Euro. Jetzt Geld von Google zu nehmen, über das wie auch hierzulande stets kritischer berichtet wird als über andere Suchmaschinen-Unternehmen, lässt die fehlende Innovation und das wegbrechende Geschäftsmodell weiterhin ignorieren, denn es fehlt ein harter aber nützlicher Innovationsdruck. Vor diesem Hintergrund verstehe ich die Aussage von FrenchWeb-Chefredakteurin Marion Moreau, die mir gegenüber im Interview auf der LeWeb sagte, dass Axel Springer damit recht tut, wenn sie Google bekämpfen. Anstatt sich durch Geld von Google einlullen zu lassen, wünschte sie sich eher eine Innovationen suchende Medienlandschaft in Frankreich, die an ihrer Unabhängigkeit arbeitet.

Falsches Instrument

Moreau sieht dabei, mit dem Blick der französischen Außenstehenden auf die deutsche Medienlandschaft, nicht das ganze Gebaren von Axel Springer in Deutschland. Hierzulande arbeitet Axel Springer sehr gut mit Google zusammen und sucht mit fast schon beeindruckender Konsequenz nach neuen Wegen im digitalen Journalismus, wie z.B. durch die Investition in das Video-Nachrichten-Unternehmen NowThis Media, aber auch nach neuen Einnahmequellen im Internet, die nichts mit Journalismus zu tun haben. Außerdem war das Zustandekommen des Leitungsschutzrecht für Presseverlage ein Negativbeispiel für Lobbyismus.

Obwohl die Idee eines Leistungsschutzrecht für Presseverlage in Deutschland gescheitert ist, die spanischen Verlage blamierte und in Frankreich früh weg gekauft wurde, plant der neue EU-Digitalkommissar Günther Oettinger scheinbar die Einführung eines derartigen Gesetzes auf europäischer Ebene. Die Europaabgeordnete Julia Reda von der Grüne/EFA-Fraktion schreibt auf ihrem Blog, dass „bei der ersten Sitzung der gemeinsamen Urheberrechts-Arbeitsgruppe im Europaparlament„, Oettinger den Wunsch „nach einem EU-weiten Leistungsschutzrecht für Presseverleger ausgedrückt“ hat. Für Reda der falsche Schritt, denn die bisherigen Anti-Google-Gesetz auf nationaler Ebene sind ihrer Meinung nicht gescheitert, „weil sie auf der falschen Ebene eingeführt wurden, sondern weil sie das falsche Instrument sind.

Wie es besser geht kann, beweisen in Europa, neben dem mit Google lukrativ kooperierenden Axel Springer-Medienhaus, vor allem die Schweizer Medien. Diese wollten vor zwei Jahren zwar auch noch ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage, inzwischen leben und arbeiten die Presseverlage aber ganz gut mit Google News zusammen. Gegenüber dem Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) merkte Hanspeter Lebrumen, Präsident des Verbandes Schweizer Medien, an: „Sehr viele Verlage arbeiten mit Google zusammen und machen gute Erfahrungen.“ Anstatt mit Verboten auf etwas Neues zu reagieren, sollte lieber die Zusammenarbeit gesucht werden und das aus guten Gründen, wie Lebrumen sagt: „Ich kenne niemanden, der mit Google zusammenarbeitet und sagt, das sei eine schlechte Sache.“ Es lohnt sich eben, wenn der Wind der Veränderung weht, eher Windmühlen als Mauern zu bauen.


Image (adapted) „DSC_2579“ by Digitale Gesellschaft (CC BY-SA 2.0)


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5 Lesetipps für den 19. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um das Leistungsschutzrecht, die Deutsche Welle, Social Media in der Politik, Flickr und ein Essay über Journalismus. Ergänzungen erwünscht.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Julia Reda’s Blog: Oettinger kündigt EU-Leistungsschutzrecht für Verlage an: Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist eine politische Idee, die bisher in jedem Land gescheitert ist. Trotzdem scheint es so, dass Günther Oettinger überlegt, dieses Instrument der Medienbranche gegen Google (auch wenn es noch andere Akteure trifft) auf europäischer Ebene einzuführen. Das schreibt zumindest die Europaabgeordnete Julia Reda in ihrem Blog. Gegenüber Golem widerspricht Oettingers Sprecherin Marlene Holzner, weshalb wir nur hoffen können, dass sich beide Akteure vielleicht dich einig sind: Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist nicht deshalb gescheitert, weil es auf der falschen Ebene eingeführt wurden, sondern weil es das falsche Instrument ist.

  • DEUTSCHE WELLE Deutschlandradio Kultur: Debatte um Reform der Deutschen Welle: Anfang Dezember befragten wir den grünen Netzpolitiker Dieter Janecek zur Tagesordnung des Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“. Beiläufig erfuhren wir, dass zur Zeit auch um die Zukunft der Deutsche Welle gesprochen wurde, was sich inzwischen zu einer breiten Debatte entwickelt hat. Peter Limbourg, Intendant der Deutsche Welle, will das englischsprachige Programm ausbauen und im Gegenzug deutsch-, spanisch- und arabischsprachige Programme kürzen. Zumindest, falls der Bundestag den Etat nicht erhöht. Liane von Billerbeck von Deutschlandradio Kultur hat sich darüber mit Tabea Rößner, medienpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, unterhalten. Ein hörenswertes Interview, dass die Debatte gut zusammenfasst.

  • SOCIAL MEDIA Europäisches Journalismus-Observatorium: Social Media in der Politik: Zwar hat Social Media durchaus schon Einzug in die Kommunikation von Politikern und politischen Parteien gehalten, doch noch tuen sich die Akteure schwer damit, denn bisher werden die sozialen Kanäle nur für die gezielte Verbreitung einseitiger Information genutzt. Wirkliche Interaktion mit den Bürgern findet nicht statt, wie Ulrike Klinger und Jakob Svensson auf der Website des European Journalism Observatory schreiben. SIe kommen zum Fazit, dass sich zwar politische Kommunikation durch soziale Netzwerke verändert hat, diese dadurch aber nicht besser oder demokratischer geworden wären als traditionelle Massenmedien.

  • FLICKR CNET: Flickr ends sale of prints uploaded under Creative Commons: Yahoo ist unmöglich. Oder viel mehr unglaublich. Die Geschichte um die rechtskonforme Nutzung der unter Creative Commons lizenzierten Flickr-Bilder der eigenen Mitglieder, ohne sie dabei finanziell zu betiligen, ist dabei nur einer von vielen Aufregern der letzten Jahre, aber der meiner Meinung nach das grobe Unverständnis deutlich machendste. Die auf Freiheit setzenden und Teilhabe ermöglichenden Flickr-Nutzer nicht an den Gewinnen des Wall Art-Services zu beteiligen, war ein Fehler, der jetzt dadurch noch schlimmer gemacht wird, dass sie komplett aus dem Dienst rausgenommen werden. Hier hätte Yahoo mal zeigen können, was man anderso schon weiß: man kann auch Geld mit freien Inhalten verdienen. Das wäre ein wirklicher Dienst an den eigenen Mitgliedern gewesen.

  • JOURNALISMUS TagesWoche: Ein Essay zur Glaubwürdigkeit des Journalismus: In einem Essay setzen sich die beiden Schweizer Journalisten Matthias Oppliger und Thom Nagy mit dem in der Gesellschaft vorherrschenden Misstrauen gegenüber ihrem Berufsstand auseinander. Sie konstantieren, dass auch sie Journalisten ein Teil des Problems sind, denn sie sind auch Teil des Medien konsumierenden Publikums. Am Ende des Artikels, der Teril einer Artikelserie über Misstrauen gegen die Medien ist, führen sie Punkte auf, die Medienschaffende und auch Lesende tun könnten, um die SItuation zusammen zu verbessern.

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Tersee: Die Suchmaschine made in Germany

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Tersee nennt sich die Echtzeit-News-Suchmaschine aus Deutschland. Mit dieser möchte das gleichnamige Startup niemand geringerem als Google Konkurrenz machen. // von Lukas Menzel

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Der Suchmaschinenmarkt ist in der Hand von Google. Fast 95 Prozent beträgt der Marktanteil des „Quasimonopolisten“ in Deutschland. Doch auch, wenn es somit fast unmöglich scheint gegen den amerikanischen Riesen unter den Suchmaschinen anzukommen, gibt es mit dem Startup Tersee eine deutsche Alternative im Suchmaschinenmarkt – zumindest bei der Suche nach News und aktuellen Ereignissen.

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5 Lesetipps für den 17. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um Google News in Spanien, das Urheberrecht, CETA, Netzneutralität in den USA und Daten verabeitender Journalismus. Ergänzungen erwünscht.

  • GOOGLE NEWS Gigaom: External traffic to Spanish news sites plummets after Google move: Klar wie Kloßbrühe war die Folge des Endes von Google News in Spanien (über die Lars Sobiraj gestern auf Netzpiloten.de berichtete), dass der externe Traffic auf die Seiten der Verlagsprodukte einbrechen würde. Innerhalb weniger Stunden bereits um 10 bis 15 Prozent, wie Chartbeat auf Grundlage von 50 Websites ermittelte. Dafür stieg aber der Anteil des internen Traffic an, der durch Verlinkungen zwischen spanischen Medien entsteht. Es wird spannend zu beobachten sein, ob die Medien sich weiterhin gegenseitig die Leser zu schieben oder weniger auf die direkte Konkurrenz verlinken.

  • URHEBERRECHT I taz: Freihandelsabkommen mit Kanada könnte Urheberrecht zementieren: Nach ACTA hat vor allem das Akronym TTIP eine breite Bekanntheit erlangt, allerings gibt es noch andere vier Buchstaben, die den Freihandel in seiner geplanten Form zu einer Bedrohung für unsere Gesellschaft machen könnten. Wie zum Beispiel CETA, dass geplante Handelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Kanada. Ähnlich wie schon bei den anderen Vorhaben spielt auch das Urheberrecht eine entscheidende Rolle in dem Vertragswerk. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen gab deshalb bei dem Völkerrechtsexperten Henning Lahmann von der Unternehmensberatung iRights.lab ein Gutachten in Auftrag, indem Lahmann zu dem Schluss kommt, dass CETA die notwendige Modernisierung des Urheberrechts vereiteln könnte und den Status Quo zementiert.

  • URHEBERRECHT II Julia Reda’s Blog: Mein Bericht zum EU-Urheberrecht: Auf ihrem Blog stellt die Europaabgordnete Julia Reda, die vom EU-Parlament zur Berichterstatterin für die kommende Urheberrechtsreform ernannt wurde, den Fahrplan für die Evaluation vor. Und das übrigens in nicht weniger als sieben verschiedenen Sprachen. Mit ihrem Bericht will die Abgeordnete der Grüne/EFA-Fraktion dazu beitragen, dass mit der Urheberrechtsreform den Zugang zu Wissen und Kultur für alle Menschen verbessert und die nationalen Grenzen in der EU überwunden werden.

  • NETNEUTRALITÄT Ars Technica: “Shadowy” anti-net neutrality group submitted 56.5% of comments to FCC: Erinnern Sie sich, wie die US-Kommunikationsbehörde FCC im Sommer dazu aufforderte, dass man ihr seine Meinung zur Netzneutralität mitteilte? Der britische Comiker machte die Aufforderung und das Thema Netzneutralität einer breiten Masse bekannt, als er darüber in seiner Sendung sprach und seine Zuschauer aufforderte, sich bei der FCC für Netzneutralität auszusprechen. Ähnlichen Einfluss versuchte auch Koch Industries zu nehmen, zweitgrößte nicht börsennotierte Gesellschaft in den USA und die libertär-konservative Tea-Party-Bewegung unterstützende Firma der Koch-Brüder, indem sie eine verdeckte Mail-Kampagne initierten, die für mehr als 56 Prozent der eingegangenen Kommentare verantwortlich war. Natürlich ist Koch Industries gegen die Netzneutralität. Davor unterstützen die übrigens die globale Erwärmung bzw. deren Ursachen leugnende Kampagnen.

  • DATA TO TEXT Golem: Maschinen können keine Krimis schreiben: Im April diesen Jares hat Lars Sobiraj auf Netzpiloten.de über Roboterjournalismus geschrieben und sich dafür auch mit Saim Alkan unterhalten, einen der treibenden Kräfte in Deutschland. Auf Golem findet sich jetzt ein Interview von Christoph Schön mit Alkan, indem er erklärt, wie die automatische Generierung von Texten funktioniert, wohin sich die Technologie entwickeln könnte und warum „Data to Text“ die bessere Bezeichnung als Roboterjournalismus ist.

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5 Lesetipps für den 4. Dezember

In unseren Lesetipps geht es um die Folgen des Vinyl-Booms, Reddit, Papier fordert Grundrecht für IT-Sicherheit, das Leistungsschutzrecht und Social Media. Ergänzungen erwünscht.

  • VINYL Digital Trends: Vinyl Sales On Pace To Exceed 7 Million, But At What Cost?: Ich habe vor fast 12 Jahren meinen ersten eigenen Schallplattenspieler geschenkt bekommen und das erste Mal seit meiner Kindheit Ende 1980er Jahre wieder Schallplatten gehört. In den letzten Jahren habe ich mir nur noch Schallplatten (und MP3s) statt CDs gekauft und andere taten dies ebenso. Seit Jahren steigen die Verkaufszahlen für Schallplatten, aber ohne Investitionen in die Industrie, wie Keith Nelson Jr. erklärt. Seit Anfang der 1980er wurden keine neuen Schallplattenpressen mehr gebaut. Das oder mein Verkaufsverhalten, muss sich ändern.

  • REDDIT torial Blog: Reddit, die soziale Erbsensuppe: „Reddit ist wie Erbsensuppe“ – das ist zwar der ungewöhnlichste Einstieg in einen Erklärartikel und ich kann die optische Kritik, zumindest an der Erbsensuppe, auch nicht nachvollziehen, aber Johannes Wendt erklärt im torial-Blog sehr lesenswert, was es mit diesem besonderen sozialen Netzwerk auf sich hat. Ich nutze es zumindest schon ab und zu für meine Arbeit oder um mich unterhalten zu lassen, aber man spürt, dass sehr viel Potenzial in Reddit steckt. Es lohnt sich nach der Lektüre dieses Artikels vielleicht einmal auf Reddit umzuschauen.

  • ÜBERWACHUNG Golem.de: Papier fordert Grundrecht auf IT-Sicherheit: Auf einer Veranstaltung des Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) machte sich der frühere Präsident des Bundesverfassungsgericht, Hans-Jürgen Papier, für ein Grundrecht auf IT-Sicherheit stark. Er fordert, dass der Staat eine sichere und vertrauenswürdige Kommunikation seiner Bürger garantieren können muss. Auf Golem.de schreibt Friedhelm Greis über den Abend.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Golem.de: Experten zerpflücken das Leistungsschutzrecht: Gestern gab es im Bundestagsausschuss „Digitale Agenda“ ein öffentliches Fachgespräch zur Reform des Urheberrechts. Die eingeladenen Sachverständigen aller Fraktionen waren sich einig, dass das umstrittene und nur Schaden anrichtende Leistungsschutzrecht für Presseverlage abgeschafft werden muss. Mal schauen, wie die Abgeordneten der Regierungsparteien damit umgehen. Wie mit der Störerhaftung umgegangen werden soll, beantworteten die Experten dann aber sehr unterschiedlich. Eine spannende Sitzung, die man auch auf Twitter unter dem Hashtag #BTADA ergänzend nachlesen sollte.

  • SOCIAL MEDIA The Conversation: Balotelli Instagram blunder shows how badly players need social media support: Gegen Rassismus muss sich der italienische Fußballer Mario Balotelli schon seine ganze Karriere über zur Wehr setzen, wahrscheinlich sogar schon viel länger. Mit der stärkeren Kommunikation von Profi-Sportlern in sozialen Netzwerken wird Rassismus auch hier sichtbarer, was laut dem Journalismus-Dozenten Daniel Kilvington dazu führen muss, dass die Sportverbände ihnen eine Form der Unterstützung in den sozialen Medien gegeben werden muss. Zum einen um das Problem in seiner ganzen Breite zu bekämpfen, zum anderen um Spielern, die vielleicht damit überfordert sind, zu helfen darauf zu reagieren und damit umzugehen.

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5 Lesetipps für den 26. November

In unseren Lesetipps geht es um Netzneutralität, mobile Fotografie, das Leistungsschutzrecht, festliches Social Media und ein Projekt der hr-Volontäre. Ergänzungen erwünscht.

  • NETZNEUTRALITÄT Deutschlandfunk: Von Datenstaus und Monopolen: Vor dem Provider sind alle Daten gleich – oder nicht? Internetbetreiber wie die Deutsche Telekom möchten mit Online-Diensten kooperieren, um am Geschäft im Internet mitzuverdienen. Aktivisten und Verbraucherschützer warnen vor einem Zwei-Klassen-Internet. In einem hörenswerten (und nachlesbaren) Beitrag hat sich unsere Autorin Jenny Genzmer im Rahmen ihres Volontariats mit der Debatte um Netzneutralität auseinandergesetzt.

  • FOTOGRAFIE LightBox: How Smartphones Have Changed the Way We Experience Photography: Im Lightbox genannten Foto-Blog der New York Times hat Krystal Grow einen lesenswerten Artikel über die Wirkung von Smartphones auf unsere Wahrnehmung von Fotografie geschrieben. Schon immer war Fotografie das Ergebnis der technischen Möglichkeiten und mit den Smartphones hat nun jeder Mensch die Möglichkeit ein Foto zu machen. Und nicht nur eins. In der Masse der so einen Auftrieb erfahrenen Fotografie finden sich neue Kunstwerke wieder, die auf das Teilen der Erfahrung setzen und nicht des Moments, der bei den bisherigen Produktionsmethoden im Vordergrund stand.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Internet-Law: Grüne und Linke fordern Abschaffung des Leistungsschutzrechts für Presseerzeugnisse: Die beiden im Bundestag vertretenden Oppositionsparteien haben gemeinsam einen Gesetzesentwurf auf Abschaffung des von Anfang an viel kritisierten Leistungsschutzrecht für Presseverlage gestellt. Leider trat genau das ein, was Kritiker stets betonten: Google wird die Muskeln spielen lassen, die Presseverlage dann einknicken und am Ende wird das Gesetz vor allem auf Startups eine Innovation verhindernde Wirkung haben. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die SPD reagiert. Als Oppositionspartei war sie selbst dagegen, jetzt kann sie den Worten als Regierungspartei auch Taten folgen lassen.

  • SOCIAL MEDIA CNET: Facebook, Twitter ruining Christmas, says bishop: Vor dem von Traditionen geradezu übersprudelnden Weihnachtsfest ist stets eine gute Zeit, einmal in Ruhe über neue Angewohnheiten nachzudenken. Manche kommen dabei zu dem wenig überraschendem Ergebnis, dass diese modernen Medien vielleicht etwas unpersönlich sind. Ein britischer Bischof hat sich deshalb vorgenommen, zur Weihnachtszeit auf die sozialen Netzwerke zu verzichten und liebe 60 handgeschriebene Grußkarten zu versenden. Eine nette Geste, über die man zu Weihnachten nachdenken kann, gleich nachdem man ergründet hat, warum diese nette Idee einen Artikel wert war.

  • NACHTAKTIV Hessischer Rundfunk: 8 mal nacht: Im morgendlichen Krautreporter-Newsletter habe ich die Website „8 mal nacht“ der Volontäre des Hessischen Rundfunks gefunden, die acht verschiedene Arten zeigen, wie man die Nacht verbringen kann. Für manche der Nachwuchsjournalisten eine persönliche Grenzerfahrung, sei es beim Telefonsex, der Sauftour oder dem nächtlichen Training im Fitnessstudio. Was an sich ein Übungsprojekt ist, stellt sich zugleich als sehr lesenswertes und schick dargestelltes Rechercheexperiment heraus, dass interessante Einblicke in die hessische Nacht gibt.

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5 Lesetipps für den 7. November

In unseren Lesetipps geht es heute um einen Hoax, die Debatte um die Linkspartei, Kreativität und Urheberrecht, das Leistungsschutzrecht, sowie Selbstmord. Ergänzungen erwünscht.

  • HOAX Stern: Nacktfoto-Skandal war ein Fake: Auf Stern.de schreibt Jens Wiesner über einen interessanten Aspekt der Folgen von Emma Watsons HeForShe-Rede. Angebliche Hacker hatten im Anschluss an ihre Männer ebenfalls in Verantwortung für Frauenrechte nehmende Rede gedroht, Nacktbilder von ihr zu veröffentlichen. Die Frist verstrich nun, auf der Seite schreibt eine zweifelhafte Marketing-Agentur, dass es sich um einen Hoax handelt und man die Aufmerksamkeit nutzen wollte, um sich für Zensur im Internet einzusetzen. Doch der Hoax, den mehrere Medien wiedergegeben haben, scheint noch lange nicht zu Ende zu sein.

  • DIE LINKE Süddeutsche Zeitung: Gaucks Linken-Warnung bei Anne Will: Eigentlich können wir uns glücklich schätzen, so viele Politiksendungen im deutschen Fernsehen zu haben, doch oft sind die sehr schlecht. Die letzte Sendung von Anne Will war da mal eine willkommene Ausnahme, wie Markus Schulte von Drach auf Süddeutsche.de bestätigt. Die Debatte um einen linken Ministerpräsident und die Kritik daran von Bundespräsident Joachim Gauck wurde sehr gut geführt und Anke Domscheidt-Berg wies auf einen auch unabhängig von dieser Debatte interessanten Fakt hin: die Linkspartei ist die einzige Partei, „die im Bundestag noch nie einem verfassungswidrigen Überwachungs- und Sicherheitsgesetz zugestimmt hat“.

  • YOUTUBE Broadmark: Die Sache mit dem Urheberrecht: Im YouTube-Branchenmagazin Broadmark schreibt der Kolumnist Lars-Sören Steck darüber, wie wichtig das Thema Urheberrecht für Webvideoproduzenten sind. Dabei geht er auch auf einen oft unter den Tisch gekehrten Aspekt der hierzulande sehr strikten Regelung von Nutzungsrechten ein: das Urheberrecht schadet oft der Kreativität. Eine Lösung ist, und die benennt Steck auch, die Nutzung von Creative Commons, denn hier sind die Werke (zumindest meistens) frei wie in Freiheit und nicht nur wie in Freibier.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Kress: EU-Kommissar Oettinger eilt Verlegern zu Hilfe: Beim Publishers‘ Summit des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) zeigte sich mal wieder, wie sehr die Politik der Lobby nach dem Mund redet. Im Falle von Günther Oettinger, der am Dienstag hinter verschlossenen Türen einen halbwegs guten Eindruck hinterließ, war das in diesem Fall nur lächerlich, denn er plädierte für die Einführung eines europäischen Leistungsschutzrechts. Und das in der Woche, in der selbst die treibende Kraft hinter diesem Gesetz, der Presseverlag Axel Springer, freiwillig darauf verzichtet. Auch Olaf Scholz folgte einem Wunsch der Presseverlage, auch bei ihm wenig überraschend, und setzt sich dafür ein, dass es eine einheitliche (natürlich niedrigere) Mehrwertsteuer für gedruckte und digitale Medien gibt.

  • REPORTERPREIS Die Welt: „Bitte verzeih mir. dein lieber Sohn“: Am 1. Dezember wird der Reporterpreis „Egon-Erwin-Kisch-Preis“ verliehen. Unter den Nominierten ist auch ein Text von Erwin Koch über den Selbstmord eines Jungen, der zwar einen Abschiedsbrief hinterlassen hat, aber nie erklärte, warum er sich das Leben nahm. Der Text ist vor einem Jahr veröffentlicht wurden, aber der beste Artikel, den ich in den letzten zwölf Monaten gelesen habe und ihn deshalb hier empfehle. Ein sehr nachdenklich machender Text.

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5 Lesetipps für den 6. November

In unseren Lesetipps geht es um Apps für Geschichte und Nachrichten, Sicherheit oder Komfort, eine Studie zu offenem WLAN und das Leistungsschutzrecht. Ergänzungen erwünscht.

  • GESCHICHTE Politik Digital: Timetraveler-App „The Berlin Wall“: Die Deutschen feiern Feste zwar nicht gerade wie sie fallen, z.B. zu den Jahrestagen der Reichsprogromnacht oder den beiden Weltkriegen wurde nur halb so viel Wirbel gemacht wie jetzt zum Gedenken an den Mauerfall, aber wenn sie es mal tun, spielen auch Apps eine immer größere Rolle in der Wahrnehmung von Geschichte. Auf Politik Digital stellt Pia Thiele die App „The Berlin Wall“ vor, mit der man durch Augmented Reality eine Zeitreise machen kann.

  • NACHRICHTEN New York Times: Flipboard, Circa and Other Apps to Keep Track of the News: In der New York Times stellt Kit Eaton ein paar Nachrichten-Apps vor, mit denen viele Menschen bereits Journalismus gebündelt konsumieren. Natürlich fehlt auch nicht die eigene App „NYT Now“, aber der Artikel ist allgemein interessant und bietet einen guten Überblick. Mit Circa wird auch ein spannender Dienst vorgestellt, der bereits plant, nach Deutschland zu kommen.

  • SICHERHEIT Wired: Dropbox-Chef antwortet auf Snowdens Kritik: Bei der Nutzung von digitalen Diensten muss man in der Post-Snowden-Ära einen Kompromiss zwischen Sicherheit und Komfort machen. Was Bundesinnenminister Thomas de Maizière immer wieder betont, hat gestern auch Dropbox-CEO Drew Houston auf dem Dubliner Web Summit gesagt und damit auf Snowdens Kritik reagiert. „Es ist eben ein Trade-off zwischen Komfort und Sicherheit“ zitiert ihn Timo Brücken auf Wired.de. Da trifft er einen wunden Punkt, denn darüber dass Verschlüsselung zu kompliziert sei, um sie im Alltag zu nutzen, wird immer wieder geklagt. Das muss aber nicht so bleiben. Eine Perspektive, die auch für Thomas de Maizière interessant sein kann.

  • OFFENES WLAN Deutschlandfunk: Extrem wenig offene Netze in Deutschland: Bei der gestrigen #cnight, einer netzpolitischen Veranstaltung der CDU (Bericht folgt auf Netzpiloten.de), drehte sich die erste Frage aus dem Publikum um das Thema freies und offenes WLAN. Was in Berlin und anderswo als Tourismus-Extra dargestellt wird, wurde von der Politik noch immer nicht als für die Innovation der Wirtschaft entscheidendes Element angesehen. Zwar soll die Störerhaftung abgeschafft werden, aber auch nur fürs Gewerbe – Flickwerk anstatt eine richtige Lösung. In einem Deutschlandfunk-Beitrag zeigt Philip Banse auf, dass es gerade in Deutschland extrem wenig offene Netze gibt und stellt eine neue Studie vor, die nach den Gründen dafür gesucht hat.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Stefan Niggemeiers Blog: Google bekommt Vorzugsbehandlung von Axel Springer: Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage ist mit Springers Entschluss, Google eine „Gratis-Lizenz“ einzuräumen, endgültig gescheitert und noch ein Stück absurder geworden. Es ist das eingetreten, wovor seit Jahren gewarnt wurde. Die großen Presseverlage kapitulieren früher oder später, verzichten auf die Anwendung des Gesetzes, welches aber weiterhin bestehen bleibt und deshalb vor allem die kleinen Marktteilnehmer trifft, gegenüber die Presseverlage weiterhin auf Zahlungen bestehen werden. Wenn Axel Springer seinen wichtigsten Werbepartner mit dem Leistungsschutzrecht helfen wollte, haben sie das perfekt getan.

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5 Lesetipps für den 16. September

In unseren Lesetipps geht es heute um Netflix, Googles Ambitionen mit Android One, Facebooks Unvollkommenheit, das Leistungsschutzrecht und Blogging. Ergänzungen erwünscht.

  • NETFLIX Wall Street Journal: Netflix startet in Deutschland: Es ist Dienstag und Netflix ist in Deutschland angekommen. Und auch wenn jetzt schon klar ist, dass die Inhalte nicht mit dem viel gelobten Programm in den USA mithalten werden, wird es spannend sein, wie der Streaming-Dienst sich in Deutschland machen wird. Bisher konnten Anbieter hier nicht gerade mit spannender Vielfalt überzeugen und das Netflix sich diverse Filme mit Til Schweiger für ze Germans gesichert hat, lässt mich daran zweifeln, dass das in absehbarer Zeit besser wird. Nichtsdestotrotz verdient das von Reed Hastings gegründete Unternehmen Beachtung und die gibt ihm Jörgen Camrath auf den Seiten des Wall Street Journal.

  • ANDROID ONE Official Google Blog: For the next five billion: Dieser Lesetipp ist zwar ein Blogpost auf einem Firmenblog und damit sicher durch Dutzende Marketing-Korrekturschleifen gegangen, aber davon mal abgesehen zeichnet Googles Android-Chef Sundar Pichai ein interessantes Bild vom Nutzen preiswerter Smartphones, in denen hochwertige Technik verbaut ist. Google möchte das mit der „Android One“-Reihe schaffen und die Welt würde wahrscheinlich wirklich eine andere sein, wenn Menschen mit wirklich niedrigen Einkommen, egal in welchen Ländern, Zugang zu Technologien haben, die sie mit dem Internet verbinden. Also lest bitte zwischen den Zeilen, denn warum Google das macht, ist ein über die Interessen einer Firma hinausgehendes Problem bzw. Möglichkeit unserer globalisierten Welt.

  • FACEBOOK Re/code: Facebook Will Never Perfect Mobile — And That’s Okay: Das die Facebook-App ein großer Mist ist, wäre mir an sich kein Lesetipp wert, auch nicht, dass das sogar Facebooks Chefingenieur Jay Parikh offen zugibt. Aber der Gedanke, dass in der sich stets weiterentwickelnden Digitalisierung sowieso nie Perfektion erzielt werden kann und das sich sogar das als „Mobile-first“-Unternehmen bezeichnende Facebook damit abfindet ist interessant, denn dieser Raum für Verbesserung wird Facebooks Grundlage sein, die Marke von zwei Milliarden Nutzern zu erreichen. Ist das getan, wird die mobile Nutzung voran geschritten sein, die App ihr wieder hinterher hinken und Facebook Möglichkeiten haben, durch Verbesserung drei Milliarden Nutzer anzuvisieren. Unvollkommenheit kann ganz schön lukrativ sein.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Zeit Online: Das Leistungsschutzrecht kennt bisher nur Verlierer: Während die das Leistungsschutzrecht durchgesetzten Presseverlage von Google immer noch kein Geld für die Snippets im Nachrichten-Aggregatordienst Google News haben wollen, ziehen kleinere Suchmaschinen schon Konsequenzen und listen bestimmte Verlage aus den Suchergebnissen aus. Auf Zeit Online erklärt Patrick Beuth, warum T-Online und das Unternehmen 1&1 mit seinen Marken GMX und Web.de sich zu diesem Schritt entschieden haben.

  • BLOGGING LinkedIn: How I Write Blogs: Und zum Schluss noch eine wirklich lesenswerte Motivation, warum man ein Blog führen sollte, von niemand geringeren als Virgin-Gründer Richard Branson, der auf seinem LinkedIn-Blog erklärt, wie und warum er eigentlich so viel bloggt. Besonders gut gefällt mir, neben der mal wirklich existierenden Authentizität bei seinen Blogposts, dass für Branson das Bloggen nicht nur ein Weg der Kommunikation seiner Agenda ist, sondern Ausgangspunkt von Debatten, die dann vor allem in den sozialen Medien weitergeführt werden.

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5 Lesetipps für den 28. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um den Mindestlohn im Journalismus, Mode und Internet, Medienwandel und Medienwirkung, sowie das Leistungsschutzrecht in Spanien. Ergänzungen erwünscht.

  • MINDESTLOHN Netzkolumnistin: Mindestlohn für Praktikanten auch im Journalismus: Der Mindestlohn für Praktikanten würde im Journalismus neue Ungerechtigkeiten schaffen, schreiben Jana Gioia Baurmann und Alina Fichter in der aktuellen Ausgabe der Zeit. Sie freuen sich, dass in letzter Sekunde eine Ausnahme vereinbart wurde – das sei ein großes “Glück” für angehende Journalisten. Von wegen! Die Argumentation hinkt und blendet wichtige Aspekte aus, wie Angela Gruber in ihrem Blog erklärt.
  • SOCIAL FASHION Süddeutsche.de: Veränderungen in der Modebranche: Auf Süddeutsche.de schreibt Nicole Urbschat, wie das Internet in den letzten 15 Jahren die Fashionbranche verändert hat, denn heutzutage sind die wichtigsten Schaufenster der Modebranche die Displays der Smartphones. Instagram & Co. haben die Mode aus ihrem Elfenbeinturm geholt und machen sich Vernetzung. E-Commerce und Selbstdarstellung zunutze.
  • MEDIENWANDEL Medium: I could spend days just wandering through The New York Times’ ancient archives. Indeed, I have…: Jeff Jarvis stöbert zur Zeit gerne in den Archiven der New York Times herum und hat dabei einen interessanten Kommentar zur Einführung der Fotografie in den Journalismus aus dem Jahr 1903 gefunden. Das es nun Fotografen in den Redaktionen gab, führte zur Disruption des Berufes Illustrator, wovon es bei den damaligen Zeitungen rund 85 Stück gab. Sie malten, was sie sahen oder was andere Journalisten mithilfe des Telegrafen ihnen mitteilten.
  • MEDIENWIRKUNG DRadio Wissen: Einfluss von Unterhaltungssendungen: In einem Beitrag für DRadio Wissen setzt sich Katrin Ohlendorf mit dem sogenannten „Simpsons-Experiment“ auseinander. Der Medienwirkungsforscher Carsten Wünsch konnte tatsächlich nachweisen, dass unterhaltende Medienangebote wie Filme oder Serien unsere politischen Einstellungen beeinflussen und sich auch auf die journalistische Wahrnehmung gesellschaftspolitischer Fragen beeinflussen.
  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Golem: Spanien besteuert Hyperlinks: In Spanien wurde vergangene Woche eine der sinnlosesten Verschärfungen des Urheberrechts beschlossen, von der ich jemals gehört habe. Um stärker gegen unautorisierte Downloads vorzugehen, hat die Regierung beschlossen, für kleinste Textzitate und sogar Hyperlinks eine Abgabe zu verlangen. Das Gesetz beruht, wie das spanische Kultusministerium kritisierte, auf einer „von Interessengruppen in Auftrag gegebene Meinungsstudie„. Die Ähnlichkeiten zum Leistungsschutzrecht sind frappierend.

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5 Lesetipps für den 24. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um Journalismus via WhatsApp, das Leistungsschutzrecht, einen Hackerspace in Magdeburg, Drohnen und lesenswerte Medienkritik. Ergänzungen erwünscht.

  • JOURNALISMUS BBC: How BBC News covered Indian elections on WhatsApp and WeChat: In einem Blogeintrag gibt Trushar Barot vom Social Media Hub der BBC einen Einblick in eines der wohl spannendsten Experimente im Journalismus in diesem Jahr. Bei den Wahlen in Indien, Nigeria und Südafrika setzte die BBC die Chat-Dienste WhatsApp und WeChat ein, um ein unvorstellbar großes Millionenpublikum zu erreichen. Die BBC ist weltweit die erste Nachrichtenorganisation, die mit diesen Plattformen experimentierte.
  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT iRights.info: Gesetze wie Bananensoftware – sollen bei den Anwendern reifen: Mit einer kleinen Anfrage erkundigte sich die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen bei der Bundesregierung, wie es mit der Umsetzung des Leistungsschutzrechts für Presseverleger (LSR) aussieht. Die Antwort zeigt, dass die Regierung selbst nicht weiß, wie das offenkundig unausgereifte LSR jemals funktionieren soll – und dass ihr das offenbar egal ist, wie der Journalist Henry Steinhau auf iRights.info kommentiert.
  • HACKERSPACE MDR: Die netten Hacker von nebenan: Die Volontäre des MDR haben die Themenserie „Generation Zukunft – Junges Leben in Sachsen-Anhalt“ gestartet, in der sie sich mit dem Alltag von jungen Menschen im Bundesland Sachsen-Anhalt beschäftigen. Dabei haben sie auch einen Hackerspace in Magdeburg besucht und geben einen kurzen, aber sehenswerten und informativen Einblick in die Kultur des Hacken, warum wir Hacker brauchen und worum es beim Hacken eigentlich geht.
  • DROHNEN Badoink: Commercial Drones – The Next Innovation: Drohen sind nicht nur im Silicon Valley eine interessante Angelegenheit, aber mit Google, Facebook und Amazon forschen hier die größten Internet-Unternehmen der Welt daran, wie Drohnen im zivilen Transportwesen eingesetzt werden können. In seinem Artikel auf Badoink setzt sich Ivor Irwin lesenswert mit der Entwicklung und den hierbei zu erwartenden Innovationen auseinander.
  • MEDIENKRITIK Stefan Niggemeiers Blog: Der „Spiegel“ wird Qualitätsansprüchen gerecht: Es bräuchte mehr lesenswerte Medienjournalisten wie Stefan Niggemeier. Zum einen, weil es nie gut ist, wenn es so eine kritische Beobachterrolle nur einmal gibt, zum anderen, weil wir dann mehr solche Kritiken lesen könnten, wie diese hier über das Gespräch des Spiegel-Magazins mit Christian Wulff. Ein interessante Kritik über die Rolle der Medien im digitalen Zeitalter.

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5 Lesetipps für den 2. Juli

In den Lesetipps geht es um das Leistungsschutzrecht, eine neue Serie von Amazon, E-Books, wie Ikea Instagram nutzt und ein Google Glass-Verbot in Kinos. Ergänzungen erwünscht.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT VOCER: Wiederholt sich mit dem LSR die Geschichte?: Mit der Klage der VG Media und einer Kartellbeschwerde gegen Google geht die Diskussion um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage (LSR) in die nächste Runde. Um den Kontext der Debatte zu verstehen und ihre Entwicklung abzuschätzen, hilft der Blick zurück. Im VOCER-Blog bieten Heidi Tworek und Christopher Buschow einen sehr lesenswerten und vielsagenden Rückblick auf eine ganz ähnliche Debatte Anfang der 1920er.
  • AMAZON CNET: Amazon announces original thriller about a social media plague: Nach Serien wie „Betas“ und „Alpha House“ plant Amazon eine weitere Eigenproduktion namens „Hysteria“. Wie auch bei anderen Serienprojekten ist zuerst ein Pilot geplant und wenn dieser ankommt, wird erst die Serie gedreht. Mena Suvari spielt in dem Projekt eine Ärztin, die mithilfe von Social Media die Ausbreitung eine Seuch untersucht.
  • E-BOOKS 3sat: Völlig entblättert – E-Books sind die Zukunft des Buches: Vor anderthalb Wochen fand in Berlin die erste Messe für E-Books statt und die Netzpiloten waren dabei (Fotos von der Veranstaltung findet Ihr auf unserem Instagram-Account). In einem 3sat-Beitrag, der noch 5 Tage in der Mediathek zu sehen ist, wird die Messe als Anlass genommen, sich einmal mit der Zukunft des Buches zu beschäftigen. Im Gegensatz zum typischen Feuilleton wird das hier ohne Kulturangst des Bürgertums vorgenommen, was den Beitrag sehr sehenswert macht.
  • INSTAGRAM W&V: Ikea kapert Instagram und baut Webseite nach: Nach Ikea Norwegen, dass im letzten Jahr eine interessante Kampagne auf Instagram startete, zeigt nun Ikea Russland ein tieferes Verständnis für das von Facebook aufgekaufte Foto-Netzwerk. Durch die Verlinkung diverser Accounts auf den Fotos wird der Katalog des schwedischen Möbelhaus smart auf Instagram abgebildet.
  • GOOGLE GLASS tragbar.technology: Google Glass in britischen Kinos verboten: In Großbritannien ist kurz nach Einführung eine interessante Abwehrreaktion auf die neue Technologie zu beobachten. Der Kino-Branchenverband Cinema Exhibitors’ Association (CEA), in dem nach eigener Aussage 90 Prozent der Kinobetreiber organisiert sind, verbietet Google Glass in seinen Kinos. Grund ist die Angst vor Filmpiraterie, also dem illegalen Mitschneiden und Veröffentlichen von Filmmaterial. Wer die Brille schon einmal nutzte und kennt, kann darüber nur den Kopf schütteln.

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5 Lesetipps für den 30. Juni

In unseren Lesetipps geht es heute um Amazon, die Krautreporter, QR-Codes auf Friedhöfen, eine Farce namens Leistungsschutzrecht und den 7. Geburtstag des iPhones. Ergänzungen erwünscht.

  • AMAZON FAZ: Wir drucken dann einfach eure Bücher nach: In England berichten Verleger von Vertragsverhandlungen mit Amazon, welche die Grundlagen des klassischen Verlagswesens erschüttern. Frankreich dagegen erlässt ein Gesetz, das Amazon dazu zwingt, Portokosten in Rechnung zu stellen. Andreas Platthaus stellt in der FAZ die weitgehenden und aggressiv vorgetragenen Forderung von Amazon vor, die so eigentlich nicht haltbar erscheinen.
  • KRAUTREPORTER Die Trendblogger: Krautreporter – ein Rück- und Ausblick auf ein Mammutprojekt: Die Mission Krautreporter ist nach einem fulminanten Endspurt erfolgreich abgeschlossen – beziehungsweise die erste Phase davon. Denn im Grunde genommen geht es jetzt erst los. Auf dem Blog „Die Trendblogger“ gibt unser Autor Julian Heck einen Rück- und Ausblick auf ein journalistisches Mammutprojekt.
  • DIGITALER NACHLASS MDR.de: Friedhof mit QR-Codes: In der Mediathek des MDR Sachsen-Anhalt ist ein interessanter Beitrag von Marko Litzenberg zu sehen, der den Ascherslebener Friedhof vorstellt, auf dem seit neuestem QR-Codes auf ausgewählten Grabsteinen, die Besucher über die an der Stelle begrabene Persönlichkeit informieren. Zur Zeit bekommen nur historische Persönlichkeiten der Stadtgeschichte einen QR-Code, der zu einem weiterführenden Text führt, aber die Methode könnte auch der Nachwelt eine Verbindung zu unseren digitalen Identitäten anbieten.
  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Zeit Online: Eine Farce nähert sich ihrem Höhepunkt: Deutsche Verleger wollen Google zwingen, ihre Texte zu verlinken und dafür auch noch zu zahlen. Ihre absurde Kartellbeschwerde ist rechtlich aber wohl unhaltbar. Auf Zeit Online erklärt der Rechtsanwalt Till Kreutzer die unglaubliche Farce, die das Leistungsschutzrecht für Presseverlage darstellt.
  • IPHONE TIME: 7 Years of the iPhone: Gestern feierte das iPhone von Apple seinen 7. Geburtstag. Das damals von Steve Job vorgestellte Smartphone revolutionierte unser Verhalten grundlegend. Inzwischen gibt es erstklassige Smartphones von verschiedenen Herstellern, aber man muss Apple lassen, das das iPhone der Anfang war. Doug Aamoth lässt auf Time.com die letzten Jahre in einer interaktiven Grafik Revue passieren.

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5 Lesetipps für den 26. Juni

In unseren Lesetipps geht es um die Kreativität von Netflix, Pressefreiheit. Andrea Voßhoff im Interview, die Google I/O und das Leistungsschutzrecht. Ergänzungen erwünscht.

  • NETFLIX Variety: Beau Willimon on Netflix’s Rule-Breaking Creativity: Im Interview mit Laura Prudom auf Variety.com gibt Beau Willimon, Drehbuchautor der Netflix-Serie „House Of Cards“, einen interessanten Einblick in die viel beachtete Revolution des Unterhaltungsfernsehen.
  • PRESSEFREIHEIT Zeit Online: Ermittler erzwingen von Zeitung Herausgabe von Nutzerdaten: Wegen eines Online-Kommentars haben Ermittler einen Durchsuchungsbeschluss gegen die „Echo“-Zeitung erwirkt. Die Redaktion sollte den Namen eines Nutzers preisgeben. Die Daten seien übergeben worden, alles andere hätte die Tageszeitung und den Onlineauftritt gefährdet, hieß es am Mittwoch auf Echo Online.
  • ANDREA VOßHOFF Medienpolitik.net: Interview mit Andrea Voßhoff: Im Interview mit Medienpolitik.net spricht die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff über das jüngste Urteil des Europäischen Gerichtshofs gegen Suchmaschinen. Sie glaubt, dass eine gesetzliche Definition eines Abwägungsrahmens, ob ein Link gelöscht werden müsse oder nicht, diskussionswürdig ist.
  • GOOGLE ReadWrite: 10 Things Google Didn’t Talk About At I/O 2014: Auf ReadWrite stellt Dan Rowinski 10 Dinge vor, die Google auf seiner Entwicklerkonferenz nicht vorgestellt hat. Eine interessante Änderung des Blickwinkels, die vielleicht mehr über das Ergebnis der Konferenz aussagt als die Auflistung der Ankündigungen.
  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Golem.de: Heiko Maas stützt Verlage im Kampf gegen Google: Im Bundestagswahlkampf lehnte die SPD das Leistungsschutzrecht noch ab, bevor die SPD-regierten Länder es dann zusammen mit CDU/CSU und FDP im Bundesrat beschlossen. Nun stellt sich SPD-Justizminister Maas mit markigen Worten vollkommen auf die Seite der Verlage und will das Gesetz sogar noch verschärfen, wie Friedhelm Greis auf Golem.de schreibt.

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5 Lesetipps für den 24. Juni

In den Lesetipps geht es um Bilder aus dem All, Google testet Domain-Registrierung, Debatte übers Leistungsschutzrecht, Mindestlohn und Startups, sowie eine Reform des Urheberrechts. Ergänzungen erwünscht.

  • BILDER AUS DEM ALL Hyperland: Die Überwachung aus dem All: Was NSA & Co. schon lange können, könnten bald auch kommerzielle Satelliten: Die Überwachung sämtlicher Orte weltweit, samt Erstellung hochauflösender Fotos. Wenige Tage, nachdem sich Google einen eigenen Satellitenbetreiber gekauft hat, lockert die USA Restriktionen für kommerzielle Satellitenbilder.
  • GOOGLE Golem: Google testet Domain-Registrierung: Google ist überraschend ins Geschäft mit Domain-Registrierungen eingestiegen. Thorsten Schröder schreibt auf Golem.de, das der Suchmaschinenkonzern die Seite Google Domains in einer Betaversion online gestellt hat. Um über den Dienst eine Domain zu erwerben, ist derzeit eine Einladung notwendig.
  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Meedia: Twitter-Beef zwischen FAZ-Mann Blumencron und Springers Keese zum LSR: Stefan Winterbauer fasst auf Meedia die Twitter-Debatte zwischen FAZ-Digital-Chef Mathias Müller von Blumencron und Christoph Keese, Chef-Lobbyist von Axel Springer zum Thema LSR zusammen. Hintergrund ist, dass u.a. Springer Google auf Basis des Leistungsschutzrechts verklagen will, sich selbst gleichzeitig aber an der Suchmaschine Qwant beteiligt.
  • MINDESTLOHN Silicon Allee: Minister’s Minimum Wage Plans Would Be Fatal For Germany’s Startup Scene: Im Silicon Allee-Blog schreibt Christopher Gerlinger, Gründer und CEO von German Startups Group Berlin, über die Folgen des von der Großen Koalition geplanten Mindestlohn für die Berliner Startup-Szene. Er fordert, das die Bundesminister Alexander Dobrindt, Sigmar Gabriel und Wolfgang Schäuble die Pläne von Arbeitsministerin Andrea Nahles stoppen.
  • URHEBERRECHT Heise Online: EU-Kommission umreißt Kurs zur Urheberrechtsreform: Auf Heise.de kommentiert Stefan Krempl ein im Internet aufgetauchtes Entwurfspapier der EU-Kommission mit Ideen für die künftige Copyright-Politik. Demnach sollen Provider und Suchmaschinen sich in Zukunft stärker in den Kampf gegen Rechtsverletzer mit einbringen. Noch sind die meisten Forderungen aber im Konjunktiv formuliert.

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ShortRead: VG Media wird Leistungsschutzrecht für Presseverlage wahrnehmen

Zwölf Presseverlage – darunter Axel Springer und Burda – haben sich darauf geeinigt, dass die Verwertungsgesellschaft VG Media das Leistungsschutzrecht für Presseverlage durchsetzen darf. // von Tobias Schwarz

vgmedia

Ein halbes Jahr nachdem das im Vorfeld kontrovers diskutierte Leistungsschutzrecht für Presseverlage in Kraft trat und dann ungenutzt blieb, haben sich zwölf deutsche Presseverlage entschieden, dass Gesetz mit Hilfe der Verwertungsgesellschaft VG Media durchzusetzen. Auffällig ist aber, dass neben Axel Springer und Burda kaum große Medienhäuser sich entschieden haben, für die Veröffentlichung von Zeitungsartikeln im Web eine Lizenzgebühr zu erheben. Bisher wurde die VG Media von 13 privaten TV- und Hörfunkunternehmen getragen. Jetzt werden die Presseverlage 50 Prozent der Verwertungsgesellschaft übernehmen und den Tarif für die Nutzung definieren. Mit dabei sind u.a. Funke (Hamburger Abendblatt), DuMont Schauberg (Kölner Stadtanzeiger), Aschendorff (Westfälsiche Nachrichten), der Münchner Zeitungsverlag (Münchner Merkur) und die Rheinisch-Bergische Verlagsgesellschaft (Rheinische Post). Laut der dpa haben sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Spiegel, die Zeit und die Süddeutsche Zeitung gegen eine Beteiligung entschieden. Andere Verlage haben noch offengelassen, ob sie künftig ihre LSR-Ansprüche durch die VG Media vertreten lassen wollen. Experten rechnen nun mit einem Rechtsstreit, da wichtige Details – z.B. die Länge des lizenzfreien Snippettext – im Gesetzestext fehlen.

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5 Lesetipps für den 30. Dezember

In unseren Lesetipps geht es heute um das Leistungsschutzrecht für Presseverlage, das beliebte Bashing von Amazon, James Franco erklärt das Selfie-Phänomen, eine Geräte verwanzende Hacker-Einheit der NSA und warum gedruckte Kalender immer noch beliebt sind. Ergänzungen erwünscht.

  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT iRights.info: Willkommen in der Sackgasse – Das Leistungsschutzrecht für Presseverlage: Auf iRights.info geht Till Kreutzer der Frage nach, welche Auswirkungen das Leistungsschutzrecht für Presseverlage für Verleger, IT-Dienstleister, Nutzer und Journalisten haben wird. Bei den Antworten auf häufige Fragen zeigt sich: Das neue Recht wird kaum einen Nutzen haben, dafür aber viel Schaden anrichten. Ein lesenswerter Beitrag über das von der Presseverlagslobby bei der Bundesregierung bestellte Gesetz.
  • AMAZON Kassenzone: E-Commerce ist unfair und macht einsam: In der Vorweihnachtszeit war Amazon ein beliebtes Thema in den Medien. Zum einen aufgrund unserer enormen Bestellwut, die das Logistikunternehmen aus den USA groß gemacht hat, zum anderen, weil das Unternehmen sehr unsozial mit seinen Saisinarbeitern umgeht. Alexander Graf schreibt lesenswert über die Mythen, die dem so beliebten Bashing von Amazon zu Grunde liegt.
  • SELFIE The New York Times: The Meanings of the Selfie: Der US-amerikanische Schauspieler James Franco ist zur Zeit ein sehr begeisterter Instagram-Nutzer und hat dadurch auch das Phänomen Selfie für sich entdeckt. Von den US-Medien gleich zum Selfie King ernannt, darf Franco in der New York Times über die Macht dieser mit dem Smartphone geschossenen Selbstporträts schreiben.
  • ÜBERWACHUNG Zeit Online: Snowden-Dokumente enthüllen NSA-Hackereinhait TOA: Die NSA unterhält eine eigene, seit Jahren wachsende Hackertruppe, die jedes technische System angreift und sogar Lieferungen von bestellten Computern oder anderen Geräten an Zielpersonen abfängt, um Schadsoftware oder sogar Wanzen einzubauen und dann erst an den Empfänger zu schicken. Auf Zeit Online stellt Patrick Beuth die NSA-Hackertruppe namens TAO genauer vor, die auch in Deutschland operiert.
  • KALENDER Futurezone.at: Klassische Kalender verkaufen sich trotz Digitalisierung: Immer zum Jahreswechsel erlebt der traditionelle Kalender in Druckforn ein eigentlich wenig erstaunliches Comeback, denn trotz der Digitalisierung unseres Arbeitsalltags und der Verbreitung von Smartphones, Tablets und Computern in jeglicher Form, bieten Kalender einen schnellen Überblick. Digitale und analoge Kalender müssen sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern können sich auch geschickt ergänzen.

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Rückblick 2013: Leistungsschutzrecht für Presseverlage

DSC_2552 (adapted) (Image by Digitale Gesellschaft [CC BY SA 2.0], via flickr)

Im Jahr 2013 sorgte kein anderes Gesetzesvorhaben für soviel Aufregung, wie die Einführung eines Leistungsschutzrecht für Presseverlage. Nachdem es die Presseverlage in den Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Bundesregierung rein diktierten, ruhte die Idee mehr als drei Jahre – in denen nur Experten rateten, was denn damit gemeint sein könnte – bis es dann in den 18 Monaten vor der diesjährigen Bundestagswahl zum Kräftemessen zwischen Internetunternehmen, NetzaktivistInnen und der Presselobby und einer wichtigen Lektion über Macht kam.

Die Vorgeschichte: Ein bestelltes Gesetz

Anfang März 2012 verkündete der Koalitionsausschuss der schwarz-gelben Bundesregierung, dass der seit Jahren angekündigte 3. Korb im Urheberrecht – eine umfassende Reform des Urheberrechts insbesondere zugunsten von Wissenschaft und Forschung – kommen soll. Dem war dann doch nicht so, denn das Justizministerium fiel eher mit einer Verhinderungspolitik auf, als wirklich neue Gesetze zu verfassen, die das Urheberrecht modernisieren. Ein Gesetz, dass damals mitangekündigt wurde, konnte dann aber auch nicht Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verhindern, obwohl ihre Referenten sich sehr viel Mühe gaben. CDU/CSU und FDP einigten sich auf eine Regelungen zur Neueinführung des sogenannten Leistungsschutzrecht für Presseverlage, obwohl seit mehr als zwei Jahren “nahezu sämtliche Experten vor der Einführung dieses Leistungsschutzrechtes” warnten, wie Philipp Otto auf iRights.info kommentierte.

In den Monaten danach nahm die Debatte um das mit LSR abgekürzte Gesetzesvorhaben extreme Formen an – zumindest für eine Diskussion um das Urheberrecht. Und das, obwohl es beim LSR nicht um das Urheberrecht geht. Denn die Journalisen der Presseverlage sind nicht durch die Verwendung kleinster Satzstücke, den sogenannten Snippets, in ihren Rechten als Urheber betroffen. Wenige Tage nach der Ankündigung des LSR stellte der Deutsche Fachjournalisten-Verband (DFJV) in einer Erklärung klar, dass sie gegen den Beschluss des Koalitionsausschusses sind und ihn als innovationshemmend und rückwärtsgewandt betrachten. Die Journalisten hatten damals erhebliche Zweifel, dass es den Presseverlagen wirklich um die Sicherung von Qualitätsjournalismus geht und nicht eher um die gesetzliche Subvention ihrer veralteten Geschäfts- und Erlösmodelle.

1, 2, 3 – die drei Referentenentwürfe

Der erste ReferentInnenentwurf des Bundesjustizministeriums erwies sich dann als genau das, was der DFJV und viele Experten befürchteten: ein “Kniefall der Politik vor der Verlegerlobby” und Zeugnis “für (die) fehlende Weitsichtigkeit der Koalition”. Der Rechtsanwalt Till Kreutzer, Initiator der Informationsplattform “Initiative gegen ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage (IGEL)”, kam in einer ersten Analyse der rechtspolitischen Auswirkungen zu dem Ergebnis, dass wenn der Entwurf in dieser Form ein Gesetz werden würde, Massenabmahnungen und Klagewellen die Folgen wären. Außerdem würden “massive wirtschaftliche Auswirkungen auf Internetfirmen wie etwa Suchmaschinen- und Aggregatorenbetreiber, Anbieter von Social-Media-Diensten und andere digitale Informationsanbieter” entstehen, wie Kreutzer feststellte. Und das mit Absicht, denn die Presseverlage machten die erfolgreichen Internetunternehmen als Ursache für ihren wirtschaftlichen Niedergang aus, allen voran Google mit seinem Nachrichtenportal “Google News”.

Der erste Entwurf sorgte für viel Aufregung und auch den meisten Politikern im Bundestag ging er zu weit, denn neben Unternehmen wie Google wären vor allem das Internet nutzende Bürger Opfer des Gesetzes geworden. Wer ein Blog hat, ob beruflich oder privat, hätte sich in Zukunft jegliche Nutzung auch kleinster Inhalte von Dritten lizenzieren lassen müssen, wenn sie im rechtlichen Graubereich des LSR fallen würden. Nutzern von Diensten hätten mit einer Welle von Einstellungen ihrer Dienste rechnen müssen, denn besonders kleine und innovative Unternehmen fürchten rechtliche Kämpfe aufgrund von Rechtsunsicherheit. Der zweite Entwurf des Bundesjustizministeriums sollte dann nur noch “vor systematischen Zugriffen auf die verlegerische Leistung durch die Anbieter von Suchmaschinen” schützen, wodurch das LSR endgültig zur Lex Google wurde. Blogs und “Unternehmen der sonstigen gewerblichen Wirtschaft” waren auf einmal nicht mehr betroffen, was der Presselobby, angeführt von Springer-Lobbyist Christoph Keese, nicht weit genug ging. Dieser Schnitzer der Referenten wurden dann mit dem dritten und finalen Entwurf ausgebügelt. Nun waren neben gewerblichen Anbietern von Suchmaschinen auch “gewerbliche Anbieter von Diensten (…), die Inhalte entsprechend aufbereiten betroffen.

Macht wider jeder Vernunft

Das Jahr 2012 endete mit einem Austausch an Argumenten und Meinungen über die verschiedensten Kanälen, aber auch von Angesicht zu Angesicht – Anfang Dezember trafen sich im Berliner BASE_camp Christoph Keese und Kay Oberbeck, Leiter Unternehmenskommunikation bei Google Deutschland, um über das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverlage zu reden. Vor den Augen von Moderator Cherno Jobatay und allerlei deutscher Internet-Prominenz, entspann sich eine auffallend unemotionale Debatte um den viel kritisierten Gesetzesentwurf. In den politischen ruhigen Wochen um Weihnachten passierte dann nicht mehr viel, denn alles wartete auf die Anhörungen im Bundestag. Dort spielte dann vor allem die Presselobby all ihre Karten aus, wie hier und hier auf Carta nachgelesen werden kann.

Schon in den Ausschüssen zeigte sich, dass die Regierungsparteien CDU/CSU und FDP sich nicht gegen die Wünsche der Presseverlage wehren werden – besonders nicht in einem Wahljahr. Da störte es auch nicht, dass der Gesetzesentwurf sogar noch drei Tage vor der entscheidenden Plenumsitzung im Bundestag nahezu komplett verändert wurde. Der finale Entwurf sprach dann eine deutliche Sprache: nicht der Journalismus, sondern die Geschäftsmodelle sollten geschützt werden, so wie es Experten seit Jahren befürchteten. Springer und Burda & Co. hatten sich durchgesetzt und ihre Medienmacht vollkommen ausgenutzt. Mit der Mehrheit der schwarz-gelben Regierungskoaliton wurde das Gesetz mit 293 Ja-Stimmen und 243 Nein-Stimmen, bei drei Enthaltungen, angenommen.

Das Gesetz musste nun in den Bundesrat, in dem die Oppositionsparteien eine Mehrheit gegenüber Schwarz-Gelb besaßen. Da es sich um ein Einspruchsgesetz handelte, bestand die Möglichkeit, dass SPD und Grüne es mit ihrer Mehrheit im Bundesrat vertagen – theoretisch bis nach der Bundestagswahl, falls es nicht vorher im Vermittlungsausschuss erledigt werden würde. Ein halbes Jahr vor der Wahl sah es so aus, als ob SPD und Grüne jede Möglichkeit nutzen würden, um die schlechten und von der Lobby bestellten Gesetze der schwarz-gelben Bundesregierung zu stoppen und die Unionsparteien und die FDP auflaufen zu lassen. Selbst der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sprach sich in seiner Keynote auf der CeBIT gegen das LSR aus, doch nur wenige Tage vor der entscheidenden Bundesratssitzung fielen die Ministerpräsidentin aus Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, und der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz, beide SPD, ihrem eigenen Kanzlerkandidaten in den Rücken und beugten sich vor den westdeutschen und hamburgerischen Medienunternehmen. Mit dem Segen der SPD wurde das Leistungsschutzrecht nun auch im Bundesrat beschlossen. Am 1. August 2013 trat das Gesetz in Kraft.

Bis auf Lobbyspesen nicht gewesen

Das Gesetz trat in Kraft und blieb wirkungslos. Google listete alle Presseverlage aus seinem Aggeragtionsdienst Google News aus und zeigte nur noch die Inhalte an, die die Verlage ausdrücklich freigegeben haben und bei denen sie auf eine Vergütung durch das LSR verzichteten, was dann auch nahezu alle Verlage – allen voran Springer und Burda – machten. Es kam wie es kommen musste, die großen Verlage gaben einfach nach, während kleinere und innovative Anbiete, wie Virato, sich einschränken mussten. Ähnlich erging es Rivva. Vier Monate ist das LSR nun in Kraft und bisher floss noch kein einziger Euro von Google an einen deutschen Presseverlag. Dies wird sich demnächst auch nicht ändern, denn die Verlage haben sich noch nicht einmal darauf geeinigt, wie sie das Geld überhaupt einnehmen wollen, wenn sie es denn eines Tages einnehmen wollen, sprich von Google entlistet werden möchten. Die VG Media will sich darum kümmern, aber nur sehr wenige Verlage denken daran, die Verwertungsgesellschaft zu beauftragen. An die kaufmännische Verwertung glauben nur noch die wenigstens. Dafür ist das Gesetz zu feindlich gegenüber dem Nutzungsverhalten der Menschen einer digitalisierten Gesellschaft konstruiert.

Im neuen Koalitionsvertrag der Großen Koalition findet das Thema Leitungsschutzrecht noch einmal Eingang. Die SPD, die sich im Wahlprogramm gegen das LSR aussprach (es aber im Bundesrat nicht verhindern wollte), einigte sich mit der das LSR gegen alle Widerstände durchsetzenden Union, dass “das Leistungsschutzrecht hinsichtlich der Erreichung seiner Ziele evaluiert” werden soll – obwohl es noch nie angewendet wurde. Nicht mehr als eine Floskel, denn auch die kleinste Veränderung würde wie die Verlage auf den Plan rufen. Die Politik hat sich der vermeintlichen Medienmacht gebeugt. Und die Medien haben sich der vermeintlichen Marktmacht gebeugt. Das LSR für Presseverlage ist eine interessante Lektion über Macht – im Sinne von Max Weber Ausdruck der Möglichkeit, “innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben” durchzusetzen – egal wie unvernünftig der eigene Wille sein mag. Die Presseverlage haben der vermeintlichen Netzelite gezeigt, dass sie gegen die im Internet formulierte öffentliche Meinung den Ton angeben und Gesetze diktieren können, während Google gezeigt hat, dass monopolartig agierende Unternehmen am längeren Hebel sitzen und den Schaden innovationsfeindlicher Gesetze eher kleinere und sich noch entwickelnde Unternehmen haben.


Dieser Artikel erschien zuerst auf Politik-Digtal.de und erschien unter Creative Commons Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported (CC BY-SA 3.0).


Image (adapted) “DSC_2552“ by Digitale Gesellschaft (CC BY-SA 2.0)


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Netzpolitik zerschellt am Merkel-Felsen

Die netzpolitischen Erfolge der Vergangenheit haben die digitale Elite vielleicht etwas zu siegessicher gemacht. Realpolitische Klugheit ist aktuell jedenfalls nicht zu erkennen. Im Netz reagiert man auf den Wahlsieg von Merkel entweder sarkastisch mit Verweis auf das Elend der FDP oder sogar schwarzseherisch mit Untergangsprophetien und Jammerklagen. Es ist die Fortsetzung der Debatte um das Versagen der Netzgemeinde im Kampf gegen das Leistungsschutzrecht. Realpolitische Klugheit ist dabei nicht zu erkennen. Die ist aber notwendig, um wieder Boden unter die Füße zu bekommen. Etwa über einen Schulterschluss mit NGOs, Gewerkschaften, Verbänden, Initiativen, Künstlern, Kulturschaffenden, Gamern oder YouTube-Größen. Vorschläge, die ich im ichsagmal-Interview mit der kaffeebeimir-Bloggerin Vera Bunse diskutierte. Vom Tod der Netzpolitik Die netzpolitischen Erfolge der Vergangenheit haben die digitale Elite vielleicht etwas zu siegessicher gemacht, moniert Michael Seemann in einem Blogbeitrag. Der erfolgreiche Kampf gegen Zensursula, der da aus dem Nichts zu einer gigantischen Woge des Protestes führte, beförderte Träumereien:

„Die Piraten, bereits 2006 gegründet, erschienen 2009 das erste Mal als realistische Machtoption auf der Bildfläche. Aber nicht nur das. Auch die Aktivisten glaubten, die neu entdeckten Superkräfte in politischen Einfluss ummünzen zu können. Netzpolitik.org wurde zu einem der meistgelesenen Blogs und allen Parteien saß der Schock über die Netzmacht tief in den Knochen.“

Und er führt weiter aus:

„Die Netzsperren wurden, obwohl bereits beschlossen, aus Angst vor der mächtigen Netzlobby beerdigt. Leutheusser-Schnarrenberger achtete peinlich darauf, jedem CDUler, der mit der Vorratsdatenspeicherung um die Ecke kam, sofort auf die Patschen zu hauen. Netzpolitik war en vogue, alle Parteien gründeten Arbeitskreise und Lobby-Beiboote zum Thema, von der Regierung gab es eine eigene Enquetekommission. Die Piraten eilten von Wahlerfolg zu Wahlerfolg und Tatort-Autoren und andere Besitzstandswahrer schrieben offene Briefe aus Angst um ihre Urheberrechtspfründe. Schließlich stoppte die Netzszene noch ein internationales Handelsabkommen – wo geht’s hier zur Weltherrschaft?“

Man könnte noch die Entlarvung des Plagiators von und zu Guttenberg durch die Weisheit der vielen anfügen. Schließlich folgte der kollaborativen Fleißarbeit der Guttenplag-Rechercheure die Abdankung des blaublütigen Verteidigungsministers, obwohl sich die „Bild“-Zeitung wortmächtig als Befürworter des CSU-Politikers ins Zeug legte. „Auch Shitstorms bestehen nur aus Dünnschiss“ Doch dann kam die Chose ins Stocken. Nichts ging mehr. Das Leistungsschutzrecht wurde in etwas abgeschwächter Variante beschlossen, die NSA-Spionage-Affäre verfing nicht in breiten Bevölkerungskreisen, die Piraten übten sich in personeller Selbstzerfleischung und gingen den Altparteien auf den Leim, statt ihre digitalpolitische Kompetenz zu beweisen. Michael Seemann spricht vom Ende einer Ära: „Netzpolitik ist in dieser, jetzigen Konzeption tot. Eine Politik aus dem Netz, für das Netz als reine Selbstbespiegelung der Interessen der Netzgemeinde hat ausgesorgt. Hier müssen jetzt eingehende Analysen stattfinden: Ist Post-Privacy bereits so eine Gesellschaftsnormalität, dass die Prism-Debatte nicht verfängt? Ist es ein deutsches Phänomen, das Netz und seine Zukunft weniger wichtig zu nehmen, oder liegt es an der Demokratie? Ist die Netzgemeinde einfach nicht anschlussfähig für die neue Generation und andere Interessensgruppen? Haben wir versagt: organisatorisch, ideologisch, personell? Was ist das eigentlich, was da am Boden liegt? Eine Idee, eine soziokulturelle Gruppe, eine Haltung, ein Tool?“ Die Politik habe ihren Respekt vor dem Netz verloren. Viel Getöse, nichts dahinter: „Auch Shitstorms bestehen nur aus Dünnschiss“, konstatiert Seemann. Wie sich die politische Klasse aus dem Nerd-Schwitzkasten befreite „brandeins“-Autor Thomas Ramge hatte im Oktober des vergangenen Jahres bereits prognostiziert, dass sich die etablierten Kräfte irgendwann aus dem „Schwitzkasten der Nerds“ befreien werden. So sei ACTA in Deutschland an einem überschaubaren und gut organisierten Kreis von etwa 50 bis 100 Leuten gescheitert, die sich erfolgreich als netzpolitische Experten positioniert haben und die Öffentlichkeit dominieren. Ramge erwähnt den Blogger Jens Best, den Netzaktivisten Markus Beckedahl und die Sprecherin des Chaos Computer Clubs Constanze Kurz, die in rechtlichen Fragen rund um die Nutzung von Informationstechnik extrem bewandert sind und mit ihrem Expertenwissen eine echte Kommunikationsmacht aufgebaut haben. So wiederhole sich auf politischer Ebene das alte Machtspiel der IT-Spezialisten. Wenige Kundige nehmen viele Unkundige in den Schwitzkasten. Ramge erkannte bereits damals erste Abnutzungseffekte des Expertentums, da die Politik mit etwas Zeitverzögerung das nötige Fachwissen aufrüstet. Er zitiert einen „Branchenkenner“:

„Politiker haben keine Lust mehr, sich von Leuten ohne Mandat am digitalen Nasenring durch die Manege ziehen zu lassen. Der Trick wird nicht mehr lange funktionieren. Aber dafür müssen zumindest Fachpolitiker endlich selbst zu Experten werden.“

Mehr Differenzierung in Sachfragen Rein taktisch haben die etablierten Kräfte im Netz zwar zugelegt, aber digitale Kompetenz sei nach wie vor Mangelware, bemerkt Vera Bunse. Ein Nekrolog auf die Netzpolitik ist also verfrüht. Nur sollte man endlich anfangen, das digitale Fachwissen der Netzbewegung mit realpolitischem Sachverstand zu kombinieren und neue Allianzen suchen. Etwa mit den Kulturschaffenden, die bei der Urheberrechtsdebatte auf der Strecke bleiben, da in erster Linie die Interessen der Verwerter bedient werden. Ähnlich wie Sascha Lobo hält auch Wolfgang Schiffer, der frühere WDR-Hörspielchef und Literaturblogger, die Pflicht zur Depublizierung für fatal. „Ich halte das für einen Skandal. Die Staatsverträge sind auf Druck von außen geändert worden. Das Depublizieren betrifft ja nicht alleine visuelle oder akustische Tonträger, sondern selbst schriftliche Angaben und Pressetexte“, moniert Schiffer in der Premierensendung von Wortspiel-Radio. Nur wenn man Werke zum ewig gültigen Kulturgut erkläre, bleiben sie auch auf Dauer im Netz – etwa Hörspiele und Radio-Features. „Aber das tun die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht zwingend. Wir hängen dieser Entwicklung aber auch in der Klärung von Urheberrechtsfragen ein ganzes Stück hinterher. Was wir dringend benötigen – und da ist die Politik gefragt – sind urheberrechtliche Vereinbarungen, die dieser veränderten medialen Situation, die der Moderne einfach mal Rechnung tragen. Denn im Umkehrschluss kann es eben nicht sein, dass alles, was einmal honoriert worden ist, für ewig im Internet steht und von allen genutzt werden kann, aber derjenige, der von seinen künstlerischen Potenzialen leben muss, kein Geld mehr sieht. Das ist kein Geschäftsmodell, das ist Scheiße“, kritisiert Schiffer. Wenn man gegen die Depublizierung kämpft, darf man die Interessen der Autoren nicht unter die Räder kommen lassen. Wer hier Bündnisse schließen will, muss differenzierter argumentieren und sich als realpolitischer Hartbrettbohrer bewähren. Nur dann kommen Netzaktivisten in der Lebensrealität an und können erfolgreich die politische Willensbildung beeinflussen. Ansonsten gewinnt eben wieder Merkel. Um das zu verhindern, sollten die liebwertesten Netz-Gichtlinge ihre Nase mal in einen soziologischen Bestseller stecken: „Politik als Beruf“ von Max Weber. Ein Vademekum für Realpolitik – gibt es auch als eBook.


Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf The European.


 


 

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60 Millionen Euro: Frankreich und Google einigen sich zum #LSR

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Während in Deutschland die Leistungsschutzrecht-Lobbyisten noch die Messer schärfen, wurde in Frankreich eine Einigung getroffen.

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Es ist eine lästige Debatte um das Leistungsschutzrecht in Deutschland, bei dem Google und andere News-Aggregatoren Geld für die Verlinkung und den entsprechenden Teaser auf Verlagserzeugnisse zahlen sollen. Auf der einen Seite stehen die Verlage, die monieren, dass Google und Co. durch Werbung neben den aggregierten Nachrichten Geld verdienen würden. Weiterlesen »

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LSR-Showdown zwischen Christoph Keese und Kay Oberbeck

Gestern trafen sich die Parteien Springer und Google zum „UDLdigital-Talk LSR“. Ob es zum großen Showdown kam oder nicht, erfahrt Ihr vom Isarmatrosen Tobias Schwarz.

UDLdigital-Talk zum LSR (Bild Isarmatrose, CC BY-SA 3.0)

Am gestrigen Donnerstag Abend trafen sich im Berliner BASE_camp Springer-Außenminister Christoph Keese und Kay Oberbeck, Leiter Unternehmenskommunikation bei Google Deutschland, um über das geplante Leistungsschutzrecht für Presseverlage zu reden. Vor den Augen von Moderator Cherno Jobatay und allerlei deutscher Internet-Prominenz, entspann sich eine auffallend unemotionale Debatte um den viel kritisierten Gesetzesentwurf.

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Petition gegen das Leistungsschutzrecht

Bruno Kramm hat eine Petition gegen das Leistungsschutzrecht eingebracht. Das Vorhaben ist unterstützenswert, hagelt es doch von Seiten netzaffiner Experten regelmäßig Kritik gegen das geplante Gesetz. Wer sich über das Leistungschutzrecht kurz und knapp informieren möchte, dem empfehle ich dieses Video aus der Serie „Elektrischer Reporter“. Ansonsten gibt es auch auf der Webpage der Initiative Igel weitere aufschlussreiche Informationen.

Hier unterzeichnen!

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Die Angst des Webmasters vor den Links

Die Angst vor Googles Macht geht um. Linktauscher werden vogelfrei und Verlage rammen sich lieber in alter japanischer Manier das Schwert bis zum Heft in den Wanst, als langsam dahin zu siechen oder sich zu ändern.

Jeder, der eine halbwegs gut gehende Website sein Eigen nennt, bekommt täglich Linktauschangebote. Früher machte man das so als Maßnahme der Search Engine Optimization (SEO). Manche tun das noch immer. Der weitaus größere Teil solcher Anfragen geht aber mittlerweile in die entgegengesetzte Richtung: „Bitte, löschen Sie alle Links zu meiner Domain.“ Das erscheint zunächst seltsam. Die Ursache ist eine tiefe Angst vor Google-Penalties, also Strafen für das Ranking der Website bis zum Auslisten (De-Index).

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