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WorkGenius Got Talent

Daniel Barke WorkGenius

Die 2011 gegründete Arbeitsvermittlungsplattform WorkGenius (damals „Mylittlejob“) kennen wir Netzpiloten schon von Anfang an. Wir nutzen sie regelmäßig immer dann, wenn es eng wird im Redaktionsalltag. Mit letzter Kraft noch schnell einen Rechercheauftrag abgesetzt oder eine Übersetzung in Auftrag gegeben, idealerweise an einen dafür qualifizierten Studenten – das hat uns schon manches Projekt gerettet.

Die Angebote solcher Matching-Services funktionieren grundlegend ähnlich: Im Zentrum steht eine smarte Plattform, auf der mit wenigen Schritten Aufträge (zum Beispiel Recherchen, Übersetzungen, Grafikarbeiten oder Programmierungen) eingestellt werden können. Ein Preis wird festgelegt und wie von Geisterhand schnappt sich einer der angedockten Studenten oder Freelancer den Auftrag und schickt uns – vielleicht sogar über Nacht – das Ergebnis. Bei WorkGenius ist die Geisterhand eine Künstliche Intelligenz, die nach passenden Studenten/innen sucht. Sie wickelt auch alles andere ab. Das Team hilft auf Wunsch aus, beispielsweise wenn Auftraggeber Großprojekte über WorkGenius abwickeln wollen. Wir finden: Eine tolle Sache!

Als Digital-Enthusiasten stellen wir uns die Auftragnehmer natürlich am liebsten als entspannte Digitale Nomaden vor, die im Internetcafé auf Bali unseren Auftrag bearbeiten. Oder glückliche Freelancer/innen, die irgendwo in der Pampa sitzen und sich freuen, unseren 30 Euro-Auftrag zu bekommen. Studien zufolge gibt es Hundertausende von Freiberufler da draußen, die die zeitliche und lokale Flexibilität des neuen Arbeitens nutzen. Das plattformbasierte Arbeiten der ersten Generation, die sogenannte Gig-Economy, wurde erst gefeiert, dann wegen Preis-Dumpings auf Schultern der meist unversicherten Arbeitnehmer kritisch gesehen. Aufzuhalten ist das neue Arbeiten aber nicht. Neben der traditionellen Studentenarbeit lagern weltweit große Konzerne zunehmend ganze Arbeitsprozesse aus. Intelligente Maschinen werden zukünftig die Arbeitswelt weiter stark verändern und viele Festanstellungen aufbrechen. Eine neue Generation von Arbeitsplattformen, zu denen sich auch WorkGenius zählt, will sich in ihrer Arbeit auf die Talente konzentrieren.

Wir sprechen in Hamburg mit Daniel Barke, einem der beiden Gründer und CEO von WorkGenius über sein kürzlich upgegradetes Unternehmen und den aktuellen Stand des Crowdwork-Trends.

Hallo Daniel! Besonders sympathisch finden wir an eurem Dienst, dass ihr mit Studenten arbeitet. Das beruhigt so ein bisschen das Gewissen, dass man nicht eine überqualifizierte Arbeitskraft um ordentliches Geld und die Zusatzleistungen einer Festanstellung prellt. Seht ihr das auch als euer herausragendes Merkmal?

Ja, das ist ein wesentlicher Ansatz unserer Infrastruktur, den wir allerdings auch für Freelancer umsetzen. Wir haben das Modell ja aus dem Studium heraus quasi für uns selbst entwickelt. Künstliche Intelligenz war für uns in zweifacher Hinsicht entscheidend. Zum einen können unsere Algorithmen heute eigenständig lernen und damit Profile nach dem ersten Profiling kontinuierlich weiterschreiben. Zum anderen werden Tätigkeiten durch intelligente Maschinen aufgesplittet und viele Festanstellungen werden wegfallen.

Soeben habt ihr euch umbenannt von Mylittlejob zu WorkGenius. Ganz offensichtlich wollt ihr erwachsener und mehr business-preppy daherkommen. Was habt ihr am Service verändert?

‚Business-preppy’ trifft es nicht schlecht. Die Umbenennung war der Entwicklung geschuldet, da über „Mylittlejob“ längst komplexe Projekte von Konzernen abgewickelt wurden, außerdem haben wir unsere Infrastruktur im Mai dieses Jahres erstmals für Freelancer geöffnet.

Du kannst es wahrscheinlich nicht mehr hören, aber die Kritik an der vermeintlich unfairen Bezahlung von Plattformarbeit der Gig-Worker hält immer noch an. Ist die kritische Haltung nach wie vor gerechtfertigt? Wie hat sich das Crowdworking verändert in den letzten Jahren?

Die Kritik ist absolut berechtigt, wenn Gig-Modelle Arbeit in einen internationalen Preiswettbewerb stellen, also Fließbandarbeit ausschreiben. Wir wollten ein Gegenmodell zur Gig-Economy entwickeln. Unsere Algorithmen sind nicht auf Crowd programmiert, sondern auf Qualifikation. Jobs werden also nicht allen angezeigt, sondern nur exakt passenden Kandidaten, unabhängig von Elite-Uni-Abschlüssen, Herkunft oder Geschlecht. Die Bezahlung orientiert sich also nicht am Wettbewerb oder sozialen Merkmalen, sondern am Markt für sehr qualifizierte Arbeitskräfte.

Was sind die nächsten Ziele für den Alleskönner WorkGenius?

Es gibt noch keine Alleskönner am Markt, der ist noch am Anfang. Wir entwickeln aktuell unser Talentprofiling weiter, das irgendwann auch Leistungsmotive und -typen erkennen soll. Außerdem testen wir Formate für die Information und Selbstorganisation von Freien. Der gesamte Arbeitsmarkt steht noch ganz am Anfang, was bessere Modelle für freie Arbeit, also nach europäischen Standards, betrifft. Politik und Unternehmen müssen sich z.B. überlegen, wie sie freie Talente viel besser und schneller nach Kompetenz erfassen, binden und absichern können.


Image by Daniel Barke

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Willkommen im Coworking Space der Zukunft: Zu Besuch im Epicenter Stockholm

Epicenter (Image by Epicenter)

„Willkommen im Epicenter, dem Büro der Zukunft!“ Mit einem breiten Lachen begrüßt Patrick Mesterton neue Besucher in Schwedens angesagtestem Coworking Space mitten in Stockholm. Man merkt, dass er eigentlich noch hinzufügen möchte: „Willkommen im besten Coworking Space der Welt!“ Als einer der drei Gründer des Epicenters ist Patrick Mesterton sichtlich stolz auf das, was er und seine Mitstreiter in zwei Jahren auf die Beine gestellt haben.

Transformation, Erneuerung, Zukunft

Schwedens erstes „Digital House of Innovation“ nennen sie ihren Coworking-Space. Tatsächlich verwandelten die Gründer, inspiriert vom Silicon Valley, in kürzester Zeit ein marodes Bankgebäude in einem ehemaligen Rotlichtviertel in einen modernen Hub für Startups, führende Tech-Firmen sowie Freelancer und digitale Nomaden aus aller Welt. Transformation, Erneuerung und Zukunft sind die Grundpfeiler der Epicenter-Philosophie und sollen so dazu beitragen, dass Schweden zur „Kreativhauptstadt der Welt“ wird.

Innenhof (Image by Marinela Potor)
Innenhof des Epicenters (Credit by Marinela Potor)

„Als wir das Epicenter im Januar 2015 eröffnet haben, waren wir innerhalb von zwei Wochen komplett ausgebucht“, erzählt Patrick Mesterton beim Netzpiloten-Besuch vor Ort. Und das will schon etwas heißen. Immerhin erstreckt sich das Epicenter auf rund 30.000 Quadratmeter und bietet Büroräume auf einer Fläche von 12.000 Quadratmeter. Aktuell hat das Epicenter mehr als 3.000 Mitglieder. Denn Miete zahlt hier keiner, die Räume werden über Mitgliedschaftsraten verrechnet. Es gibt von offenen Lounges bis zu 3.000 Quadratmeter großen Privatbüros viele verschiedene Arbeitsmöglichkeiten. Im Prinzip ist dabei jeder, der hier von seinem Laptop aus arbeiten möchte, willkommen.

Nun ja, fast jeder. Denn für Unternehmen ist es mittlerweile schwierig geworden, im heiß umschwärmten Epicenter noch Büroräume zu bekommen. Das liegt auch ein wenig daran, dass es für Unternehmen einfach als „cool“ gilt, hier ein Büro zu haben – und als Wettbewerbsvorteil beim heißen Kampf um die klügsten Köpfe gesehen wird. So müssen Mitglieder sich tatsächlich bewerben – und vom Epicenter angenommen werden.

„So wollen wir sicherstellen, dass wir wirklich nur den besten Mix aus Startups und etablierten Konzernen unter einem Dach haben. Denn es bringt ja nichts, wenn du nur Gründer in einem Coworking Space hast, die zwar tolle Ideen haben, aber sich finanziell nicht helfen können. Oder nur große Konzerne, denen die frischen Ideen ausgehen“, erklärt Patrick Mesterton den Bewerbungsprozess.

Das Rezept scheint aufzugehen, im Epicenter sitzen Unternehmen wie Spotify, Google und Microsoft, aber auch junge Startups wie das Smart-Lock-Unternehmen Glue oder Zoundio, eine Gitarrenapp, die auf künstlicher Intelligenz basiert, oder auch Splay, Schwedens größtes YouTube-Netzwerk.

Motto (Image by Marinela Potor)
Motto (Credit by Marinela Potor)

Innovation an jeder Ecke

Doch es sind nicht nur die Unternehmen, die für das kreative Ambiente sorgen. Es ist auch die Aufmachung des Coworking Spaces, die an jeder Ecke beinahe aufdringlich „Innovation“ schreit. Der 24-Stunden-Zugang zum Space oder die schicken Tablets, die als Türschilder dienen, sind dabei noch das Langweiligste, was man hier sieht.

So steht im großen Innenhof des Epicenters eine von Samsung entwickelte ADHS-Box, in der Coworker selbst erleben können, wie Menschen mit Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung die Welt erleben. „Eine Störung, die übrigens sehr viele Gründer haben“, sagt Patrick Mesterton und meint das ganz ernst. Dann gibt es auch noch Telepräsenz-Roboter, mit denen Anrufe entgegengenommen werden können und ein robotischer Automat verkauft Smoothies auf Bestellung.

Seit Kurzem können Nutzer mit unter der Haut implantierten RFID-Chips Türen öffnen und Getränkeautomaten bedienen.

Biochip (Image by Marinela Potor)
Patrick Mesterton ordert ein Getränk per Chipimplantat: Credit by Marinela Potor

Menschen, die zu Cyborgs werden? Im Epicenter liegt das, was viele als Biohacker-Spinnerei abtun, voll im Trend. So kommen viele Epicenter-Mitglieder begeistert zu den regelmäßigen „Chip n‘ Beer After Work“ Sessisons.

Gesunde Körpern und rege Geister

Es ist aber nicht nur die Technologie, die für neue Ideen bei den Coworkern sorgen soll. Das Epicenter scheint eine ausgeprägte „mens sana in corpore sano“ Mentalität zu haben. Tatsächlich sehen alle Coworker hier erstaunlich fit und gesund aus. Das mag eben auch an den vielfältigen Gesundheits-, Fitness- und Sportangeboten liegen.

Es gibt Yoga-Klassen, Massageexperten, ein Fitnessstudio und das – selbstredend gesundheitsbewusste – Restaurant im Coworking-Space wird von Jens Dolk geleitet, einem der bekanntesten kulinarischen Experten des Landes, der sich aktuell stark gegen die Verschwendung von Essen einsetzt.

Die Epicenter-Gründer sind mit jeder Erneuerung stets bemüht, dem futuristischen Ansatz ihres Coworking Spaces treu zu bleiben. So wird gerade in der „Orangerie“ ein weiteres Restaurant gebaut, zu dem auch Nicht-Mitglieder Zutritt bekommen sollen.

Dahinter steckt aber mehr als lediglich eine neue Einnahmequelle, erklärt Mesterton. „Diese Gäste können unseren Coworkern und Unternehmen sozusagen als Quelle für Konsumerforschung nutzen.“ Marketingforschung an lebenden Laborratten sozusagen. Wer sich Chipimplantate unter die Haut stechen lässt und Biohacker-Frühstücke schmeißt, findet das natürlich gar nicht seltsam.

Der Erfolg spricht fürs Epicenter. Bereits im kommenden Jahr möchten die Gründer expandieren. Im September 2018 soll das nächste Epicenter in Helsinki eröffnet werden.


Image „Epicenter“ by Epicenter


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Freelancing statt Festanstellung: Sieht so die Arbeit der Zukunft aus?

Cafe (adapted) (image by 5StarsDay [CC0] via pixabay)

Heutzutage repräsentieren Freelancer 35 Prozent aller Arbeitskräfte in den USA. In der EU liegt die Rate bei 16,1 Prozent. Beide Zahlen zeigen denselben globalen Trend: Vom kreativen Unternehmer bis hin zu den Leuten, die pro Aufgabe bezahlt werden. Freelancing ist weltweit auf dem Vormarsch.

So auch die Analysen über dieses Phänomen, während Journalisten, Soziologen, Human Ressource-Spezialisten, Lifecoaches und auch Freelancer selbst versuchen, „die Wahrheit“ über Freelancing herauszufinden.

Das ist wichtig, denn die „Gig Economy“, wie sie manchmal genannt wird, ist ein janusköpfiges Phänomen, das sich unaufhörlich weiterentwickelt. Freelancing wird oft als befreiend, ermächtigend und manchmal sogar glamourös dargestellt. Aber die Realität ist viel komplexer. In OECD-Ländern zeigen Studien, dass Freelancer hauptsächlich im Dienstleistungssektor arbeiten (hier etwa 50 Prozent der Männer und 70 Prozent der Frauen). Der Rest ist alles andere, vom Online-Assistent bis hin zu Architekten, Designer und Fotografen.

Von der kreativen Klasse bis hin zum Prekariat

Eine neue Studie zeigt, dass die Mehrheit der Freelancer sogenannte „Slasher“ (engl. Slash = Schrägstrich) sind. Das heißt, dass ihre Auftragsarbeit durch eine andere Teilzeit- oder Vollzeitanstellung ergänzen. Diese Nebenverdienste können deutlich variieren. Diejenigen, die ein paar Stunden im Monat damit verbringen, Anleitungen von zu Hause aus zu erstellen, können vielleicht ein paar hundert Euro im Monat verdienen. Freelance-Therapeuten können dagegen bis zu zehnmal so viel verdienen als ihnen ein Vollzeitjob in diesem Sektor einbringen würde.

Der vielleicht glamouröseste Teil der Freelancer sind die Kreativen: sie sind beweglich, immer im Netz unterwegs, hoch gebildet und haben Kontakte auf der ganzen Welt. Sie haben sich unter anderem auf Kommunikation, Medien, Design, Kunst und Technik spezialisiert, sind Architekten, Webdesigner, Blogger und Berater. Ihr Job ist es, bei allen Trends den Überblick zu behalten. Die Besten der Besten von ihnen kennen wir heute als Influencer.

In London ist diese Gruppe teilweise dafür verantwortlich, was der Ökonom Douglas Mcwilliams als „Flat-white Economy“ bezeichnet hat. Es handelt sich hierbei um einen florierenden Markt voller Kreativer, der mit Kaffee als natürlichen Treibstoff funktioniert. Dieser Markt kombiniert innovative Herangehensweisen mit Geschäftlichem und einem modernen Lifestyle. Diese Hipster, die teilweise auch als “Proficians” bezeichnet werden, sind relativ erfolgreich mit ihrer Selbstbeschäftigung mit zahlreichen „Gigs“ und einem großen Portfolio. Für McWilliams stellen sie aber auch die Zukunft des Wohlstands in Großbritannien dar.

Wer ebenfalls ähnlich hart arbeitet, dabei aber längst nicht so erfolgreich ist, ist die untere Arbeiterschicht. Das Präkariat arbeitet stundenlang monotone Aufgaben ab – und das oft für eine einzelne Plattform, wie beispielsweise die „Mechanical Turk“ von Amazon. Für die meisten ihrer Aufgaben benötigt man kein hohes Level an Expertise und Kreativität – die Arbeiter sind also problemlos austauschbar. Eine Jobsicherheit ist für diese Online-Helfer nicht garantiert. Und obwohl sie für das gleiche Unternehmen arbeiten wie andere Angestellte, haben sie fast keine Vorteile.

Zwischen der kreativen Klasse und diejenigen, die um jede Aufgabe kämpfen müssen, um sich über Wasser zu halten, gibt es zahlreiche Leute dazwischen: Blogger, die von ihrer Leidenschaft zum Schreiben angetrieben werden und trotzdem ums Überleben kämpfen. Online-Assistenten, die früher arbeitslos waren und jetzt zufrieden mit ihrem Job sind. Studenten, die ein paar Stunden pro Woche als Grafikdesigner arbeiten, um sich ein Paar Euro dazuzuverdienen.

Freelancer gibt es in allen Farben und Formen. Ihr Bildungshintergrund, ihr Antrieb und ihre Ambitionen, Bedürfnisse und ihr Arbeitswille unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Und daraus resultiert auch die Schwierigkeit, diese Gruppe realistisch abzubilden, ohne dass sie überspitzt dargestellt werden.

Freelancing ist eine Entscheidung, die oftmals getroffen wird, um dem Nine-to-five-Arbeitstag zu entfliehen. Viele Freelancer – egal mit welcher Expertise – haben sich ursprünglich für dieses Arbeitsmodell entschieden, weil es augenscheinlich Freiheit anbieten soll: Die Freiheit, arbeiten zu können, wann und wo sie wollen. Nur 37 Prozent der Freelancer in den USA geben derzeit an, dass sie auf dieses Arbeitsmodell aus Notwendigkeit zurückgreifen. Noch 2014 war diese Zahl mit 47 Prozent deutlich höher.

Natürlich ist das nicht das Ende des “Saläriats”. Vollzeit und eine unternehmensbasierte Arbeit ist immer noch Standard in den westlichen Ländern. Trotzdem wird es mit dem Aufkommen der Telearbeit und der Automatisierung sowie dem uneingeschränkten Potential des Crowdsourcing immer wahrscheinlicher, dass immer mehr Firmen ihre Geschäfte mit deutlich weniger Angestellten durchführen – und dabei sogar wachsen können.

Das heißt allerdings nicht, dass es unbedingt eine höhere Arbeitslosigkeit geben wird. Stattdessen bedeutet es eher, dass es mehr Freelancer geben wird, die sich um solche Projekte und konstant entwickelnde Netzwerke herum formen. Der Aufstieg des Freelancings ist vielleicht der Schlüsselindikator für die Zukunft der Arbeit, vor allem, wenn es um die Zusammenarbeit geht. Freelancer machen bereits das Co-Management von Projekten aus. Bald werden diese auch im großen Stil mit Firmen, Kunden und der Gesellschaft produzieren, kommunizieren und kollaborieren.

Da sie aber keine homogene Klasse sind, wird die Verwaltung dieser neuen Selbstverwalter nicht einfach. Zurzeit gibt es noch kein Sozialsystem, das alle Freelancer – vom Raumpfleger über den Taxifahrer bis hin zum Architekten und den Nachrichtenredakteur – anspricht. Wie können diese individuellen Gruppen zusammen arbeiten und ihre unterschiedlichen Interessen bewahren? Sicherlich arbeitet irgendein ambitionierter Freelancer bereits an einer Lösung für dieses Problem.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Cafe“ by 5StarsDay (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Kreativität auf Knopfdruck? Wie Freelancer Routinen besser nutzen

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Zeit ist Geld. Dies schrieb Benjamin Franklin im Jahr 1748 in seinem Buch „Ratschläge für junge Kaufleute“ und wollte damit die antike Vorstellung, dass Zeit ein kostbares Gut ist, in den Kontext der modernen Arbeitswelt stellen. Doch vor allem heutzutage lebt Arbeit viel von Kreativität, trotzdem hat Franklins Sprichwort auch nach über 265 Jahren kaum an Bedeutung verloren. Laut der vor Kurzem veröffentlichten Studie „State of Create 2016“ von Adobe können Kreative nur 35 Prozent ihrer Arbeitszeit für schöpferische Aufgaben nutzen. Für die Studie hat Adobe zwischen dem 19. September und 3. Oktober 2016 online 5.026 Arbeitnehmer aus den USA, Japan, Frankreich, Großbritannien und Deutschland befragt. 1.006 Menschen kamen aus Deutschland.

Die Ergebnisse sind weltweit alarmierend: 85 Prozent der Befragten geben an, dass sie sich gezwungen sehen, eher produktiv als kreativ zu sein. Das ist viel kreatives Potenzial, das durch ein falsches Arbeitsethos ungenutzt bleibt. Und Zeit ist so eher verloren als wertvoll. Dies wissen vor allem die befragten Arbeitnehmer, auch in Deutschland. 83 Prozent der Deutschen sehen in Kreativität einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft. Fast genau so viele glauben, dass Kreativität fördernde Unternehmen tendenziell zufriedenere Beschäftigte haben und Kreativität ein Schlüssel für wirtschaftliches Wachstum sein kann. Doch wie kann der Kreativität am Arbeitsplatz mehr Freiheit eingeräumt werden?

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Freelancer in Coworking Spaces sind auf Kreativität angewiesen (Image: Tobias Schwarz, CC BY 4.0)

Im firmeneigenen Blog gibt Adobe fünf Tipps, wie man in der Praxis mit hilfreichen Programmfunktionen, Online-Diensten und kostenlosen Apps der Adobe Creative Cloud mehr Raum für kreatives Denken freimacht. Doch das allein reicht natürlich nicht, vor allem wenn man Adobe-Programme gar nicht nutzt. Und technische Lösungen sind meist nur die halbe Miete, weshalb ich drei Freelancer, die Mitglieder in dem von mir geleiteten Coworking Space des St. Oberholz sind, gefragt habe, wie sie sich denn diese Freiräume für mehr Kreativität schaffen. Ihre Antworten sind nicht nur sehr nützlich für andere Kreative, sondern auch die perfekte Ergänzung zu den Tipps von Adobe:

  1. Auf die Einstellung kommt es an: Routinen lieben (lernen)

Mit diesen kleinen Aufgaben zwischendurch hat der Designer Ted Young-Ing weniger ein Problem. Sein Ideal, gut vorbereitet zu sein und sich, nachdem alles erledigt ist, dem Kreativen zu widmen, klappt allerdings in der Praxis seltener. Für ihn ist es eine Frage der Einstellung; er betrachtet diese Unterbrechung vom Kreativen als kleine Pausen für sein Gehirn.

Wenn Routineaufgaben etwas Vorteilhaftes haben, dann, dass man sie schon öfters machen musste und weiß, was verlangt wird. Das Wort Routine stammt aus dem Französischen und bedeutet vielsagend „Wegerfahrung“, es geht also um das durch frühere Aktionen Gelernte zu wiederholen – und das, ohne noch viel darüber nachdenken zu müssen.

  1. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Routinen nutzen (lernen)

Der Social-Media-Berater Jörg Leupold sieht in diesen Aufgaben, für die man keine Kreativität braucht, die aber erledigt werden müssen, kleine Gelegenheiten, sich etwas zu entspannen und auch zu bewegen. Während eintöniger Arbeit hört er gerne Musik und kommt durch die Fokussierung sogar in einen sogenannten Flow (der glücklicher und produktiver machen kann), wie er erzählt.

Kreative Aufgaben, wie das Schreiben eines Konzeptes, erledigt er gerne woanders, beispielsweise im St. Oberholz. Die Fahrt mit dem Fahrrad dahin und der sprichwörtliche Tapetenwechsel helfen ihm dabei, mit den ganz anderen Herausforderungen kreativer Aufgaben besser fertig zu werden.

  1. Individuelle Strukturen schaffen: Routinen organisieren (lernen)

Die Innovationsberaterin [Name auf Wunsch der Person im Nachhinein gelöscht, Anmerkung der Redaktion – 04.06.2018] lebt in ihrem Beruf von Kreativität und Leidenschaft. Ihre wichtigsten Tipps mögen deshalb erst einmal überraschen, gehören aber zu den besten Strategien, um Aufgaben effizient zu bewältigen: Rituale setzen, mit Checklisten arbeiten und Aufgaben möglichst outsourcen.

Auch Freiheit in der Arbeit braucht Struktur. Bestimmte Aufgaben an zugewiesenen Wochentagen zu erledigen, Aufgaben listen und priorisieren oder beispielsweise den Postverkehr von einem externen Dienstleister einscannen zu lassen und digital zugeschickt zu bekommen, kann einem mehr Handlungsspielraum verschaffen.


Disclosure: Dieser Artikel ist auf Bitte von Adobe, die veröffentlichte Studie zu kommentieren, redaktionell unabhängig verfasst worden. Adobe zahlte eine Aufwandsentschädigung für die geleistete Arbeit des Autors, nahm aber keinerlei Einfluss auf den veröffentlichten Artikel.


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5 Lesetipps für den 20. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um ein Interview mit Julian Assange, Freelancer in den USA, online Geld verdienen, David Bowie und Masturbation. Ergänzungen erwünscht.

  • ÜBERWACHUNG Pando: Wikileaks meets Surveillance Valley: An interview with Julian Assange: Mit Angst lassen sich stets gute Geschäfte machen. Die Bestsellerlisten beweisen dies regelmäßig. Auch Julian Assange ist auf diesen Zug aufgesprungen und warnt in seinen Büchern vor den Unternehmen des Silicon Valleys. Auch wenn dies meiner Meinung nach oft in unsachliche Kritik ausartet, das Thema an sich ist wichtig. Man sollte über den Einfluss und die Macht der Unternehmen nachdenken, mit denen wir tagtäglich vernetzt sind. Joseph Flatley hat mit Assage telefoniert und seine Theorie des Surveillance Valley besprochen.

  • FREELANCER Bloomberg Business: Why an Ex-Google Coder Makes Twice as Much Freelancing: Nicht jeder kann Programmieren und wenn, dann auch nicht gleich so gut, dass er/sie 1.000 US-Dollar pro Stunde verdient. Geschichten wie die von James Knight und Martin Langhoff, die als Freelancer mehr verdienen als bei Firmen wie Google festangestellt zu sein, sind doch selten. Aber der Trend zum Freelancing, oft auch zeit- und ortsunabhängig, nimmt zu. In den USA sind es bereits mehr als 53 Millionen Menschen, die so ihr Geld verdienen und das mit den unterschiedlichsten Jobs. Die meisten von ihnen sind digital und ermöglichen eine neue Arbeitswelt.

  • SOCIAL MEDIA The Hustle: Meet the People Making a Full-Time Living From Instagram, Kickstarter, and Teespring: Von Menschen, die auf YouTube und Instagram aktiv sind und dadurch (nicht gerade wenig) Geld verdienen, haben wir schon öfters gelesen. Es fasziniert, dass man durch die nicht als Arbeit wahrgenommenen Aktivitäten mit nicht als wertvoll betrachteten Interaktionen in den sozialen Netzwerken des Internets wirklich Geld verdienen kann. Eine sehr altbackene Sichtweise auf Wertschöpfung, geprägt von industriellen Vorstellungen von Produktion. Tam Pham stellt auf The Hustle verschiedene Plattformen vor – u.a. Teespring, Udemy, Airbnb und Kickstarter – und auf ihn aktiven Akteure vor, die so Geld verdienen.

  • DAVID BOWIE Political Economy Research Centre: The Political Economy of David Bowie: Das Schöne an Geschichte ist, dass sie sich rückblickend gut erklären lässt. Alles wirkt, als ob es nie hätte anderst kommen können. Will Davies hat sich das Leben von David Bowie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts angeschaut und mit der Wirtschaftsgeschichte verglichen. Und siehe da, es gibt interessante Übereinstimmungen, so als ob die politische und wirtschaftliche Situation direkten Einfluss auf die Entwicklung und das Leben des Künstlers Bowie hatte. Zumindest interessant zu lesen und der Frage nachzugehen, ob Kunst wirklich einmal der direkte Ausdruck unserer Gesellschaft war oder ob wir das nur im Nachgang so deuten.

  • MASTURBATION Everyday Feminism: 7 Myths About Women and Masturbation It’s Time to Unlearn Right Now: Eigentlich sind Frauen keine besonderen Menschen. Zumindest nicht mehr als Männer. Sie atmen die gleiche Luft, schauen sich ebenso Pornos an, müssen Nahrung zu sich nehmen, rauchen, masturbieren, hören Musik. Unsere männlich geprägte Gesellschaft, und so auch die Medien, machen vor allem aus dem Thema Masturbation ein größeres Themas als es ist, wie Suzannah Weiss in ihrem Artikel für Everday Feminism erklärt und über sieben Mythen um Masturbation und Frauen aufklärt. Schönes Fazit: Frauen sollten einfach das machen, was sie wollen. Und wer nicht, frage ich mich.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

Nutze Netzpiloten 1-Klick: Mit nur einem Klick werden dir bequem alle 40 Sekunden die hier besprochenen Seiten „vorgeblättert“ START.

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Das Coworking-Ranking von twago ist Unsinn. Grober Unsinn!

Coworking (Image by geralt [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Welches ist das beste Coworking Space Deutschlands? Ein Ranking des Freelancer-Marktplatzes twago will darüber Auskunft geben, doch die Erhebung ist genauso nicht repräsentativ wie irreführend.

Ein vergleichendes Ranking von Coworking Spaces ist nicht per se falsch, denn das gesellschaftspolitische Gestaltungsprinzip der Gegenwart ist nun einmal der Wettbewerb; Coworking Spaces könnten aus solchen Vergleichen lernen. Das Ranking von twago ist aber keine verlässliche Entscheidungshilfe, denn wesentliche Faktoren, die die Qualität eines Coworking Spaces ausdrücken, wurden nicht abgefragt. Von erheblichen methodischen Schwäche zu reden, auch aufgrund der ungeklärten Selektivität der Befragten, wäre schon eine Übertreibung.


tl;dr: Das Coworking-Ranking von twago ist irreführender Unsinn. twago missbraucht den Begriff Coworking für billige PR, um seinen Freelancer-Report zu bewerben.


twago missbraucht den Begriff Coworking

Auf dem Online-Marktplatz twago können Freelancer ihre Dienste anbieten, der diese wiederum an Auftraggeber vermittelt. Nach eigenen Angaben haben Kunden von twago somit Zugriff auf fast 255.000 Experten aus über 190 Ländern, unter anderem Deutschland. Viele Freelancer arbeiten in Coworking Spaces, ist dieser sogenannte vierte Raum der Arbeit doch meistens die beste Verbindung der Vorteile des ersten Raums der Arbeit, dem Zuhause, mit denen des dritten Raums der Arbeit, dem Café (mit WLAN und Steckdose). Zur Vervollständigung sei gesagt, dass in diesem Bild von Arbeitsplätzen der Industriearbeitsplatz in einer Fabrik oder einem Büro den zweiten Raum der Arbeit darstellt.

Es ist anzunehmen, dass viele Freelancer, die ihre Dienste bei twago anbieten, auch in einem Coworking Space arbeiten, also eine Meinung zu diesem Raum der Arbeit haben. Sie nach den besten Coworking Spaces Deutschlands zu fragen, scheint naheliegend. Dass das Thema Coworking für twago relevant ist, arbeiten doch wahrscheinlich hier die meisten der Nutzer, ist auch nachvollziehbar. Thomas Jajeh, Gründer und Geschäftsführer von twago, lässt sich in der Pressemitteilung zum Start der Umfrage auch mit einer Aussage zitieren, die ein Verständnis für Coworking andeutet:

Coworking Spaces werden in Zukunft in unseren Großstädten noch wesentlich stärker zu Innovationskraft und Wirtschaftswachstum beitragen. Sie bieten kreativen Raum, Austausch, Zugang zu Netzwerken und eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Nicht umsonst suchen sowohl stark wachsende Startups als auch Großkonzerne die Nähe zu Coworking Spaces.

Trotzdem ist meiner Meinung nach alles an dieser Umfrage, dem Ranking und der Berichterstattung darüber Unsinn. Und das ist in einer entscheidenden Phase für der Coworking-Bewegung eher schädigend als nützlich. Schon jetzt wird der Begriff als Buzzword vom Marketing missbräuchlich genutzt. Nicht alles, was sich in Anzeigen oder an Klingelschildern Coworking nennt, ist auch wirklich Coworking. Oft handelt es sich nur um Arbeitsplätze vermietende Anbieter von Bürofläche. Mit Coworking, der Zusammenarbeit und Vernetzung innerhalb einer Community, hat das nichts zu tun.

Genauso wenig wie twagos Umfrage und Ranking, denn eigentlich geht es dem Unternehmen nur um die Erwähnung des eigenen Freelancer-Reports, der, vollkommen losgelöst vom Thema, ebenfalls in der Pressemitteilung erwähnt wurde, und der mit twagos eigentlichem Geschäftsmodell Outsourcing wesentlich mehr zu tun hat als Coworking:

twago veröffentlicht neben den besten Coworking Spaces Deutschlands quartalsweise den twago Freelancer-Report. Bei der Untersuchung werden regelmäßig die in den Ausschreibungen geforderten IT- und Web-Fähigkeiten analysiert, ebenso wie die mit bestimmten Content-Management- und Shop-Systemen verbundenen Programmier-Skills. Ein weiterer Fokus liegt auf der Untersuchung der deutschen und europäischen Städte, in denen Freelancer ansässig sind.

Erhebliche methodische Schwächen

Von einer Suche kann man auch nicht wirklich sprechen, denn die Umfrage ist methodisch unhaltbar. In den Artikeln von Jürgen Stüber auf Morgenpost.de oder Lea Weitekamp auf t3n.de liest man leider keine kritische Bewertung dazu. Weitekamp erwähnt die Art der Erhebung nur in einem Nebensatz, Stüber übernimmt die Formulierung beinahe unverändert aus der Pressemitteilung:

Die Abstimmung lief von Mitte November bis Mitte Dezember auf twago.de. Tausende Befragte gaben gültige Stimmen ab. Jeder Coworking Space konnte mit 0 bis 5 Punkten bewertet werden, wobei die Befragten alle Coworking Spaces bewerten konnten, die sie kennen.

Laut Angaben der twago betreuenden PR-Agentur bedeutet “tausende Befragte” ein mittlerer vierstelliger Bereich an gültigen Stimmen, aber genaue Angaben konnte man auf telefonische Nachfrage unserer Redaktion auch nicht machen. Von der Quantität der Stimmen scheint das in Ordnung zu sein, aber die Qualität der Aussagen ist an sich überhaupt nicht vorhanden. Wenn die Person, die sich diese Umfrage ausgedacht hat, oder die darüber schreibenden Journalisten auch nur mal einen Tag in einem Coworking Space verbracht hätten, wäre das allen klar gewesen. Es wurden einige Spaces angeschrieben, aber längst nicht alle, und twago verbreitete die Befragung auch nur über eigene Kanäle, die in der Quantität zumindest überschaubar sind.

Man kann ein Coworking Space nicht mit 0 bis 5 Punkten bewerten. Dass alle in der Pressemitteilung gelisteten Coworking Spaces zwischen 3,65 und 4,3 Punkten liegen, zeigt, wie schwer es ist, einen Unterschied mit dieser Art der Bewertung zu schaffen. Ich bin diesen Sommer mit meiner Freundin zwei Monate durch Coworking Spaces in ganz Europa gereist. In unseren Auswertungen fanden wir kein Coworking Space schlecht, auch wenn keines wie das andere war. Eine verlässliche Bewertung ist deshalb nicht möglich, besonders nicht zwischen 0 und 5 Punkten.

Man kann fragen, ob der Kaffee in einem Coworking Space gut oder sogar umsonst ist, wie die Lautstärke im Space ist, welche Tätigkeiten die anderen Coworker ausüben, ob es gemeinsame Abende gibt oder nach welchen Regeln die Community zusammengesetzt wird, vielleicht auch ob es Kindergärten, Supermärkte und Banken im Umfeld gibt. All das und noch mehr macht ein Coworking Space aus. Am Ende ist es eine persönliche Entscheidung, in welchem Space man sich wohl fühlt. Mit einer Zahl kann man diese komplexe Entscheidung nicht ausdrücken. Viele Coworking Spaces bieten deshalb Probetage an, damit man sich einen persönlichen Eindruck machen kann.

Irreführendes Ranking

Deshalb sagt das Ranking auch überhaupt nichts über die Qualität eines Coworking Space aus. Die meisten der aufgelisteten Coworking Spaces kenne ich persönlich und sie sind wirklich toll. Trotzdem wäre nicht jedes ein für mich geeigneter Arbeitsplatz. Das Ranking ist aufgrund unbekannter Rücklaufquoten, der nicht bekannten Fallzahlen und der fehlenden Repräsentativität eher Ausdruck unkontrollierter Willkürlichkeit zum Zwecke der PR, als eine verlässliche Entscheidungshilfe.

Wenn man wirklich Interesse an einem Coworking Space hat, sollte man sich auf die Suche machen und dabei Sorgfalt walten lassen. Für die meisten Menschen sollte der Weg zur Arbeit nicht länger als 20 Minuten sein. Das macht die Suche nach einem Coworking Space in Deutschland schon kompliziert, denn mit Ausnahme von Berlin ist die Dichte an Coworking Spaces noch nicht sehr hoch. Auch gibt es noch keine verlässliche Datenbank an Coworking Spaces. Die von twago aufgelisteten Coworking Spaces für meinen Wohnbezirk Friedrichshain kenne ich beispielsweise alle nicht. Dafür ist kein einziges Coworking Space aufgelistet, das ich kenne. Während man in München, Leipzig, Köln oder Hamburg noch einen Überblick über die Coworking-Szene haben kann, ist dies in Berlin nahezu unmöglich.

Winston Churchill wird fälschlicherweise die Aussage zugeschrieben, “Ich traue keiner Statistik, die ich nicht selbst gefälscht habe.”, auch wenn dies aller Wahrscheinlichkeit nach eine Erfindung von Joseph Goebbels oder aus seinem Propagandaministerium war, um Churchill als Lügner hinzustellen. Trotzdem ist darin ein Funken Wahrheit enthalten, den man sich bei der Suche nach einem Coworking Space zu Herzen nehmen sollte. Trauen Sie keinen Rankings, Statistiken, Datenbanken etc., sondern machen Sie sich selber vor Ort einen Eindruck. Ein Coworking Space kann ein Arbeitsplatz sein, an dem man sich genauso wohlfühlt wie in seinem eigenen Zuhause oder einem schicken Café. Und da niemand von uns willkürlich Lokale oder seine Wohnung aussucht, bedarf es bei der Suche nach einem Coworking Space der gleichen Gründlichkeit.

Tobias Schwarz ist nicht nur Leiter von Netzpiloten.de, sondern arbeitet seit Jahren von verschiedenen Berliner Coworking Spaces aus. Er ist Mitgründer der German Coworking Federation, deren Gründungsvorstand er angehört, und besucht seit anderthalb Jahren Coworking Spaces in ganz Europa.


Image “Coworking” by geralt (CC0 Public Domain)


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Online organisieren: Gewerkschaften in der Gig-Economy

Keyboard (Image by edar [CC0 Public Domain], via Pixabay)

Von Politik und Gewerkschaften wird verstärkt die Diskussion um die Digitalisierung der Arbeit geführt. Aber gibt es auch eine digitale Arbeiterbewegung? Während in Deutschland gut organisierte Beschäftigtengruppen gerade ihre Streikfähigkeit demonstrieren, suchen die Gewerkschaften noch ihre Rolle in den diversen Beschäftigungsverhältnissen zwischen dereguliertem Crowdworking und disruptiver Startup-Szene. In den USA werden derweil auch im Netz neue Ansätze zur Organisierung der Interessen insbesondere von prekär beschäftigen Solo-Selbständigen erprobt. Erleben wir also bald Barcamps statt Betriebsversammlungen und Arbeitskämpfe per App?

Konventionelle Akteure bestimmen die Agenda

Ein wenig abseits der mit großem Getöse angekündigten Digitalen Agenda der Bundesregierung bearbeitet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) auf einer eigenen Plattform das Thema “Arbeiten 4.0”. Dazu wurde ein gleichnamiges Grünbuch publiziert, das als Grundlage für den fachlichen und öffentlichen Dialog fungieren soll, der schließlich Ende 2016 mit einem Weißbuch zum selben Thema seinen Abschluss finden soll. In diesem Zusammenhang hat das BMAS kürzlich mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di eine gemeinsame Erklärung unter dem Titel “Na?chste Schritte fu?r Gute Arbeit in der digitalen Gesellschaft” veröffentlicht. Allerdings scheinen im Mittelpunkt dieser Bemühungen eher die bereits (gewerkschaftlich organisierten) Beschäftigten zu stehen, die vor negativen Auswirkungen der Digitalisierung geschützt werden sollen.

Immerhin hat sich bei der zum gleichen Zeitpunkt veranstalteten ver.di-Digitalisierungskonferenz ein Panel mit dem Thema “Zwischen Autonomie und Prekarita?t: Digitale Arbeit jenseits der Festanstellung” beschäftigt. Mit dabei: Der Ge­schäfts­füh­rer des ver-di-Beratungsnetzes für Solo-Selbständige sowie Holm Friebe, der einst mit Sascha Lobo unter dem Titel “Wir nennen es Arbeit” ein Leitmotiv für digitale Freiberufler formulierte. Insofern sind zwar neue Zielgruppen auf dem gewerkschaftlichen Radar präsent, doch die Gig Economy dürfte noch weiter im Abseits der konventionellen Arbeitswelt agierende Akteure auf die Agenda setzen.

Von Online-Kampagnen zu virtuellen Gewerkschaften

Auf die generellen Schwierigkeiten gewerkschaftlicher Interessenvertretung in den USA reagiert die Non-Profit-Organisation Coworker.org in dem sie als Plattform für an Unternehmen gerichtete Online-Petitionen fungiert: Durch das Engagement von Beschäftigten beziehungsweise Freiberuflern sollen so konkrete Verbesserungen in bestimmten Betrieben sowie Branchen erzielt werden. In einer Studie eruieren nun Mark Zuckerman, Richard D. Kahlenberg und Moshe Z. Marvit die Möglichkeiten von “Virtual Labor Organizing”. Der Ausgangpunkt ihrer Analyse ist die Suche nach zeitgemäßen Formen der Artikulation von Interessen: “The problem today is that joining a union at work is decidedly last century – clunky, contentious, confusing – and companies such as Walmart and McDonald’s want to keep it that way.

Ihr Ansatzpunkt, deshalb ein entsprechendes Online-Angebot vorzuschlagen, ist die umfassende Verbreitung digitaler Informationstechnologie auch am Arbeitsplatz:

Given how much today’s workers rely on information technology to do their jobs, there might be significant receptivity to this new online tool. (…) Such a tool would be available to the vast majority of workers and could be of particular interest to younger workers, who are currently the driving force on social media and digital platforms.

Eine nutzerfreundliche Plattform sei deshalb der Schlüssel zur Senkung bürokratischer Hürden bei der (Selbst-)Organisation. Längerfristig impliziert dieser Vorschlag so einen Wandel des Organisationsmodells von Gewerkschaften: “they could become wholesalers of union formation, investing in large-scale promotion of an online resource, backed by call-centers and a significant network architecture standing behind this powerful new tool.

Das erste “Gewerkschafts-Startup” könnte bald starten

Verschärft werden die Herausforderungen in den USA durch eine prosperierende Gig Economy, in der Dienstleistungen von Freelancern via Online-Börse gehandelt werden. Vorreiter für diese Entwicklung ist der umstrittene Fahrten-Vermittlungs-Service Uber, dessen Geschäftsmodell auf immer neue Sparten angewendet wird. Während in Deutschland noch eher versucht wird, solche Anbieter durch gesetzliche Regulierung im Sinne der sozialen Marktwirtschaft (oder konkurrierender Geschäftsinteressen) zu domestizieren, müssen sich die Betroffenen in den USA häufig mit den Unternehmen selbst über ihre Belange auseinandersetzen. So können kleinste Veränderungen im Interface-Design von Apps etwa große Auswirkungen auf die Neigung der Kunden haben, selbständigen Lieferanten Trinkgelder zu geben, wie eine ausführliche Reportage aus San Francisco zeigt.

Unterstützung erhalten die Solo-Selbständigen dabei inzwischen von gewerkschaftlicher Seite. So hat die Transportarbeiter-Gewerkschaft “Teamsters” bereits mehrere lokale “App-Based Drivers Associations” gegründet. Es bleibt also spannend, ob der Diskussion über “Arbeiten 4.0” auch eine Debatte über die digitale Gewerkschaft folgt. Das von Nico Lumma geforderte ”Gewerkschafts-Startup” könnte es in den USA jedenfalls bald geben. Dort proklamiert ein Förderprogramm zur Zukunft der Arbeit: “Borrowing a page from Silicon Valley, the Workers Lab is the nation’s first union backed innovation accelarator.


Teaser & Image “Keyboard” by edar (CC0 Public Domain)


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Startup-Interview: Gerald Moll von Mein-Tagwerk

Mein-Tagwerk ist eines der neuen Hamburger Perlen am Startup-Himmel und versteht sich darauf Freelancern ein geeignetes Tool zur Verfügung zu stellen, mit dem die Selbständigen sich organisieren können. Seit Februar dieses Jahres ist www.mein-tagwerk.de nun aus der Betaphase getreten. Grund genug, den Machern mal ein paar Fragen zu stellen und euch das Projekt mal vorzustellen.


Ich habe heute Gerald Moll, von www.mein-tagwerk.de, im Gespräch. Gerald ist einer der Geschäftsführer des Hamburger Start-ups und außerdem Leiter des Bereichs Marketing und Kommunikation. Hallo Gerald. Schön das du Zeit für uns gefunden hast.

Hi Andreas, ja freut mich sehr dass wir uns heute sprechen!

Mein-Tagwerk.de versteht sich als Tool, das es sich zum Ziel macht mit einzelnen buchbaren Modulen seinen Arbeitsalltag zu organisieren. Ferner sagt Ihr: „Von Freelancern für Freelancer“. Welche Module bietet Ihr denn an, die Freelancer unbedingt brauchen um sich zu organisieren?

Wir bieten im einzelnen Projekt- und Kundenverwaltung, Zeiterfassung, Reisekostenabrechnung, Kostenerfassung und Rechnungsstellung an. Ergänzt wird das Angebot durch die Möglichkeit einen Steuerberaterexport in PDF Form oder direkt in das DATEV-System des Steuerberaters.

Das klingt sehr umfassend. Und das alles zum Nulltarif? Zeitlich unbegrenzt und für mehrere Projekte? Wo darf ich unterschreiben?

Ja und nein (lacht). Umfassend ist es, eben alles was für den Freelancer wichtig ist. Wir haben es aber geschafft die Software trotzdem einfach und transparent zu gestalten. Wir haben es eben aus unserer Sicht entworfen, als Freiberufler und nicht aus Sicht eines Buchhalters, ich glaube das ist ein entscheidender Unterschied. Zum Nulltarif gibt es eine Testversion, ein Projekt ein Kunde zum ausprobieren. Danach kann man sich entscheiden zwischen dem Paket Freelancer für 9 € monatlich und dem Paket Freelancer im Team für 18 €. Dort hat man die Möglichkeit Mitarbeiter und Partner anzulegen und so viele Projekte wie man will. Unterschrieben wird gleich hier und jetzt unter www.mein-tagwerk.de!

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