Startup-Interview: Gerald Moll von Mein-Tagwerk

Mein-Tagwerk ist eines der neuen Hamburger Perlen am Startup-Himmel und versteht sich darauf Freelancern ein geeignetes Tool zur Verfügung zu stellen, mit dem die Selbständigen sich organisieren können. Seit Februar dieses Jahres ist www.mein-tagwerk.de nun aus der Betaphase getreten. Grund genug, den Machern mal ein paar Fragen zu stellen und euch das Projekt mal vorzustellen.


Ich habe heute Gerald Moll, von www.mein-tagwerk.de, im Gespräch. Gerald ist einer der Geschäftsführer des Hamburger Start-ups und außerdem Leiter des Bereichs Marketing und Kommunikation. Hallo Gerald. Schön das du Zeit für uns gefunden hast.

Hi Andreas, ja freut mich sehr dass wir uns heute sprechen!

Mein-Tagwerk.de versteht sich als Tool, das es sich zum Ziel macht mit einzelnen buchbaren Modulen seinen Arbeitsalltag zu organisieren. Ferner sagt Ihr: „Von Freelancern für Freelancer“. Welche Module bietet Ihr denn an, die Freelancer unbedingt brauchen um sich zu organisieren?

Wir bieten im einzelnen Projekt- und Kundenverwaltung, Zeiterfassung, Reisekostenabrechnung, Kostenerfassung und Rechnungsstellung an. Ergänzt wird das Angebot durch die Möglichkeit einen Steuerberaterexport in PDF Form oder direkt in das DATEV-System des Steuerberaters.

Das klingt sehr umfassend. Und das alles zum Nulltarif? Zeitlich unbegrenzt und für mehrere Projekte? Wo darf ich unterschreiben?

Ja und nein (lacht). Umfassend ist es, eben alles was für den Freelancer wichtig ist. Wir haben es aber geschafft die Software trotzdem einfach und transparent zu gestalten. Wir haben es eben aus unserer Sicht entworfen, als Freiberufler und nicht aus Sicht eines Buchhalters, ich glaube das ist ein entscheidender Unterschied. Zum Nulltarif gibt es eine Testversion, ein Projekt ein Kunde zum ausprobieren. Danach kann man sich entscheiden zwischen dem Paket Freelancer für 9 € monatlich und dem Paket Freelancer im Team für 18 €. Dort hat man die Möglichkeit Mitarbeiter und Partner anzulegen und so viele Projekte wie man will. Unterschrieben wird gleich hier und jetzt unter www.mein-tagwerk.de!

Worin liegen denn die auffälligsten Unterschiede zu anderen Tools? Wenn du sagst es ist einfach gestaltet, dann gibt es doch sicher ein paar Eckpunkte, die beispielsweise über intuitive Usability hinausgehen, oder? Kürzt euer Projekt auch bestimmte Wege in der analogen Welt ab?

Ich denke der größte Unterschied zu allen anderen Tools besteht darin, dass wir keine Warenwirtschaft abbilden. Wir haben tagwerk darauf optimiert Dienstleistungen abzurechnen und auszuwerten. Für Freelancer spielt die Warenwirtschaft eine eher untergeordnete Rolle, die Leute verkaufen ihr Wissen und ihre Zeit. Daher ist unsere Lösung sehr schlank und alle Eingabefelder funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Wenn man sich daran gewöhnt hat ist die Dokumentation schnell gemacht.

Wir kürzen den Prozess der Buchhaltung z.B. insofern ab, dass man sich die Daten nicht mehr aus verschiedenen Quellen, z.B. Excel-Tabellen oder Zeiterfassungstools zusammen suchen muss, um dann in Word oder einer Rechnungssoftware daraus eine Rechnung zu machen. Bei uns ist wirklich alles an einem Ort vereint. Was zurzeit allerdings noch fehlt ist die Möglichkeit Angebote zu schreiben, daran arbeiten wir noch. Besonders stolz sind wir auf unsere Auswertungen, ich kann mir als Freelancer augenblicklich anzeigen lassen, was ich pro Projekt oder pro Kunde verdient habe. Zudem kann ich sehen wie viel Zeit ich für welche Aufgaben benötigt habe oder wie hoch meine Reisekosten im letzten Jahr waren.

Kann man sagen, dass eure Idee aus einer Not heraus entstanden ist? Weil Ihr als Freelancer nichts Brauchbares auf dem Markt gesehen habt?

Die Idee ist beim Wäsche legen entstanden! Mein Partner Georg Portwich war so sehr ins Wäsche ordnen vertieft, das ihn diese Idee quasi überfallen hat. Ausgangspunkt war aber sicherlich das Problem, dass es keine vernünftige, einfache Software für Freelancer gibt.

Ihr habt inzwischen auch einige Preise für euer Projekt eingeheimst, richtig? Erzähl unseren Lesern doch mal wer euch womit geadelt hat in letzter Zeit..

Ja, wir durften uns bereits über einige Anerkennung freuen. Ende 2010 waren wir mit tagwerk im Finale des WebFutureAward in Hamburg, im März 2011 wurden wir dann vom Bundesministerium für Wirtschaft mit dem IKT Innovativ Preis ausgezeichnet. Der Preis wurde auf der CEBIT in Hannover verliehen und wir haben uns riesig gefreut. Vor allem das wir dadurch jetzt oft nach Berlin eingeladen werden um an Seminaren oder Messen teilzunehmen ist super für uns. Gekrönt wurde das Jahr dann im Dezember durch den Preis GründerGeist 2011 der Wirtschaftsjunioren Hamburg, ebenfalls eine sehr schöne Bestätigung, dass wir auf einem guten Weg sind.

Bei so vielen Ehrungen, gibt es doch inzwischen auch sicherlich Expansionspläne? Habt Ihr auch vor euer Tool für den englischsprachigen Markt zu erweitern?

Expansionpläne für das Ausland sind zur Zeit nicht aktuell, wir konzentrieren uns zunächst auf den deutschsprachigen Raum. Wir sehen hier eine Menge Potenzial und einen Markt der noch nicht erschlossen ist. Grundsätzlich ist eine Expansion gut möglich, die Gruppe der Freelancer wächst schließlich überall auf der Welt.

Und vor allem ist eigentlich jeder Freelancer auch auf Englisch unterwegs. Eine Übersetzung würde also mit Sicherheit euren Kundenkreis enorm vergrößern. Den Tipp schenk ich euch!

Jetzt wo Du es sagst fällt es mir glatt wie Schuppen aus dem Haar, vielen Dank! (lacht) Aber im Ernst, da wir eine Schnittstelle zu Steuerberatern bieten und die Freelancer einen Steuerberatexport von uns erhalten ist Deutschland zunächst unser Markt.

Naja was nicht ist, kann ja noch werden. Die Zeichen stehen ja auf Grün. Wie viele registrierte User zählt Ihr in Deutschland aktuell?

Wir sind bisher zufrieden mit den Zugriffszahlen und dem positiven Feedback von Seiten der Freelancer. Insgesamt sehen wir einen Markt von etwa 1 Millionen Freiberufler von denen wir einen großen Teil als Kunden gewinnen wollen. Zudem handelt es sich um eine wachsende Gruppe in einem Arbeitsumfeld was immer mobiler wird. Daher wächst auch die Nachfrage nach Saas Lösungen.

Aber eine konkrete Userzahl, die euer Tool nutzt hast du nicht?

Tut mir leid, ich muss Dich enttäuschen, auch wenn Du es ganz genau wissen willst. Für genaue Nutzerzahlen ist es noch zu früh, wir haben erst Anfang Februar unsere Public Betaphase beendet.

Was mich persönlich aber immer stark interessiert in dem Zusammenhang mit registrierten Usern, ist neben den Nutzerzahlen auch der Datenschutz. Eure User geben natürlich viel preis. Nicht ganz unsensible Daten vor allem. Wie wird zum Beispiel mit den Daten der Kunden von Freelancern umgegangen? Wie lange speichert Ihr diese? Oder wenn Ihr einen Steuerberaterexport anbietet, muss dieser ja auch über ein Protokoll gesichert werden. Wie viel Datensicherheit könnt Ihr euren Kunden garantieren?

Der Datenschutz ist uns ein sehr persönliches Anliegen. Wir haben eine Menge Anstrengungen unternommen um unseren Nutzern einen hohen Standard zu gewährleisten. Zunächst einmal werden alle Daten per SSL Verschlüsselung übermittelt. Darüber hinaus haben wir uns extern nach IPS Standard zertifizieren lassen, als einer der ganz wenigen Anbieter. Das bedeutet, dass wir den Grundsatz der Datensparsamkeit einhalten. Wir legen keine Profile der Nutzer an und werten diese nach irgendwelchen Marketingaspekten aus. Unser Angebot zeichnet sich daher durch folgende Rahmenbedingungen besonders aus…

Zum einen eine vorbildliche Transparenz der Datenverarbeitung für den Nutzer und zum anderen durch eine sensible Einhaltung des Datenschutz- und Telemedienrechts. Die Daten des Nutzers sind bei uns sehr gut und sicher aufgehoben. Damit das auch nachvollziehbar ist, haben wir zusätzlich einen externen Datenschutzbeauftragten bestellt. Dieser wacht regelmäßig darüber, ob wir die Richtlinien einhalten und prüft unsere AGB. Wir garantieren damit eine sehr hohe Datensicherheit. Zudem stehen unsere Server in Baden Württemberg und unterliegen dem deutschen Datenschutzrecht.

Die Daten der Nutzer werden für 10 Jahre gespeichert, so lange wie die Aufbewahrungsfrist des Finanzamtes gilt. Der Nutzer kann also rückwirkend auf alle Einträge der letzten Jahre zurückgreifen. Besonders vorteilhaft ist das, wenn man zum Beispiel eine Steuerprüfung hat. Man muss sich nicht den Kopf zerbrechen, wo die Belege, Rechnungen oder Reiseabrechnungen sein könnten. Mit einer entsprechenden Beleg- oder Rechnungsnummer sind alle Einträge schnell wieder zu finden. Im Falle der Kündigung kann man selbst entscheiden, ob man die Daten löschen will oder einen lesenden Zugriff auf die Daten behalten möchte.

Lieber Gerald, ich danke dir bis hier hin für das Gespräch. Und hoffe dass Ihr weiterhin erfolgreich sein werden. Leider ist unsere Zeit vorbei. Zum Schluss musst du mir und unseren Lesern aber versprechen, dass du uns auf dem Laufenden hältst, sobald Ihr eure Userzahlen veröffentlicht. Machst du das?

Sehr gerne! Vielen Dank für Dein Interesse an tagwerk und für das Interview. Würde mich übrigens freuen Dich wieder zu sprechen, dann gibt es alle Neuigkeiten zu unserer Entwicklung.

Andreas Weck

schreibt seit 2011 für die Netzpiloten und war von 2012 bis 2013 Projektleiter des Online-Magazins. Zur Zeit ist er Redakteur beim t3n-Magazin und war zuletzt als Silicon-Valley-Korrespondent in den USA tätig.


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