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Netzpiloten @Innovators‘ Pitch

Innovation kann nur stattfinden, wenn gute Ideen gesucht, gefunden und gefördert werden. Darum findet im Rahmen der hub.berlin am 10. April in der Station Berlin der Innovators‘ Pitch statt. Junge Startups haben hier die Möglichkeit sich und ihre Ideen vorzustellen. Außerdem winkt in mehreren Kategorien ein Preisgeld von jeweils 5.000 Euro für den Sieger. Die Netzpiloten sind erstmals Partner des Innovators‘ Pitch und gespannt auf die frischen Ideen der Teilnehmer. Und ganz wichtig: Alle Startups können sich noch bis 3.März bewerben für die begehrten Slots!

Diese Gewinner brachte der Innovators‘ Pitch bereits hervor

Der Innovators‘ Pitch brachte in den vergangenen Jahren viele interessante Gewinner hervor. SuitePad verbessert beispielsweise die Gästekommunikation für Hotels. Twyla hingegen macht Chat-Bots smarter und persönlicher. greencity solutions hat sich sogar zum Ziel gemacht, die Luftqualität in Städten weltweit mit ihrem CityTree zu verbessern. Auticon vermittelt Autisten als IT-Consultants und schafft ein Umfeld, aus dem Unternehmen und Consultants gleichermaßen profitieren.

In der „Winners and Partner“-Sektion auf der Website findet ihr weitere interessante Gewinner mit ganz unterschiedlichen Themenschwerpunkten. 

Diese Kategorien gibt es

Auf dem Innovators‘ Pitch werden Sieger in drei Kategorien gesucht

  • Digital Learning & EdTech: Neue Technologien haben einen starken Einfluss darauf, wie wir in Zukunft lernen werden. Apps, Gamification und Augmented Reality sind nur einige von zahlreichen Wegen, Bildung zu revolutionieren.
  • Digital Mobility: Digitale Mobilität macht das Reisen nicht nur komfortabler, sondern auch nachhaltiger und nutzerfreundlicher. Mitunter können öffentliche Verkehrssysteme damit sogar Kosten einsparen.
  • Digital Supply Chain: Um Schritt zu halten, müssen Unternehmen ihre Prozesse überdenken. Digitale Lieferketten optimieren Abläufe und können Services direkt auf den Kunden zuschneiden. 

Sponsoren des Wettbewerbs sind unter anderem Cornelsen und SAP Startup Accelerator.

Und sonst noch?

Als Startup könnt ihr euch noch bis zum 3. März auf der Seite bewerben. Der Innovators‘ Pitch findet im Rahmen der hub.berlin statt. Tickets sind über deren Ticket-Seite bestellbar. Auch Startups die nicht teilnehmen, können sich auf ein Startup-Ticket bewerben. Wir freuen uns schon auf die zahlreichen Teilnehmer.

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Netzpiloten @NKF Summit

Die Industrie 4.0 braucht den intensiven Austausch zwischen etablierten Unternehmen und Startups. Das ist das Markenzeichen der Transformationshelfer NKF Media. In Dresden geht der NKF Summit am 8. März in seine fünfte Runde. Wir Netzpiloten freuen uns, wieder als Medienpartner der inspirierenden Konferenz mit dabei zu sein, wenn erneut etablierte Corporates auf visionäre Startups treffen. Die diesjährige Ausgabe findet in der Gläsernen Manufaktur statt, die sich als „Center of Future Mobilty“ versteht. 

Welche Speaker werden da sein?

In einer Produktionsstätte von Volkswagen stattfindend, darf die Automobilindustrie auf dem NKF Summit nicht fehlen. Daher gehören Porsche Digital CEO Thilo Koslowski und Volkswagens Head of New Mobility and Innovations Marco Weiß zur Riege der spannenden Referenten. Auf Startup Seite steht zum Beispiel Lawrence Leuschner, Co-founder des Berliner eScooter-Sharing Anbieters Tier Mobility. Mit New Mobility beschäftigt sich auch Gunnar Floh, Gründer und Geschäftsführer von Wunder Mobility. Auf dem Investor-Panel spricht zudem Dr Tanja Emmerling vom High-Tech Gründerfonds, einem der aktivsten Seedinvestors in Europa.

Wer sonst noch als Speaker auf dem NKF Summit dabei ist, könnt ihr euch hier sehen.

Welche Themen und Formate erwarten euch?

Auf dem NKF Summit steht dieses Jahr die Industrie 4.0, New Mobility und das Internet of Things im Vordergrund. Zu den zahlreichen Programmpunkten gehören unter anderem:

  • Elektrische Mikro-Mobilität
  • Deutschland – zukunftsblinde Republik?
  • Industrielles Internet der Dinge

Teil des NKF Summit ist auch die Startup Expo, ein Ausstellungsbereich, in dem sich rund 50 Startups präsentieren. Hier gibt es unter anderem auch Speed-Networking Sessions.

Und sonst noch? – 25 % Netzpiloten-Rabatt!

Die Tickets für den NKF Summit könnt ihr direkt über die Website bestellen. Wer den NKF Summit als junges Startup besuchen will, kann auf Anfrage ein Startup-Ticket zum Sonderpreis von 190 Euro ergattern. Alle anderen profitieren von unserem Netzpiloten-Rabatt: 25 % mit diesem Code: NKF5-NETZPILOTEN. Wir freuen uns schon auf die inspirierende Konferenz in der Gläsernen Manufaktur.

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Facebook sponsert TU München mit 6,5 Millionen Euro für KI-Forschung

Universitäten sind für ihre Forschungen auf Geldgeber angewiesen. Zum Großteil finanzieren sich die deutschen Hochschulen aus öffentlicher Hand, doch gelegentlich gibt es auch Geldgeber aus der Wirtschaft. Die Technische Universität München (TUM) bekam jüngst prominente Unterstützung durch Facebook. Das bekannte US-Unternehmen fördert eine neue Initiative der TUM. Diese befasst sich mit der Ethik künstlicher Intelligenz.

An der TU München zählen auch ethische Werte

In der neuen Leitstrategie der TU München werden Forschung und Lehre fortan im Kontext eines „Human-Centered Engineering“ ausgestaltet. Das bedeutet, dass auch Disziplinen wie Philosophie, Ethik, Soziologie und Politikwissenschaften gefordert sind. Mit diesem Ausbauprogramm für Geistes- und Sozialwissenschaften, möchte man eine kulturelle und gesellschaftliche Rückverankerung der teils sprunghaft fortschreitenden Entwicklung sicherstellen.

Aus diesem Ziel entstand übrigens 2012 im Rahmen der Exzellenzinitiative das Munich Center for Technology in Society (MCTS). Das MCTS macht sich zum Ziel, die Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft zu verstehen und selbst zu gestalten.

Prof. Christoph Lütge vom Peter Löscher-Stiftungslehrstuhl für Wirtschaftsethik formuliert die übergeordneten Ziele: „Wir wollen Leitlinien liefern für die Identifikation und Beantwortung ethischer Fragen der Künstlichen Intelligenz für Gesellschaft, Industrie und Gesetzgeber.“

Facebook-Unterstützung ohne weitere Vorgaben

Facebook unterstützt das neue TUM Institute for Ethics in Artificial Intelligence mit 6,5 Millionen Euro. Dabei stellt das bekannte Unternehmen keine weiteren Vorgaben.

„Bei Facebook ist der verantwortungsvolle und umsichtige Umgang mit der KI für alles, was wir tun, von grundlegender Bedeutung. Die KI wirft jedoch komplexe Probleme auf, die Menschen und Gesellschaft betreffen und die die Industrie allein nicht beantworten kann“, sagt Joaquin Quiñonero Candela, Director of AI bei Facebook. „Wir freuen uns, die Gründung des unabhängigen TUM Institute for Ethics in AI unterstützen zu können, und sind überzeugt, dass das Institut das wachsende Forschungsfeld der Ethik im Bereich der neuen Technologien vorantreiben und grundlegende Fragen im Zusammenhang mit der Nutzung und den Auswirkungen von AI untersuchen wird.“

Die Zuwendung wurde außerdem auf der Konferenz „Digital-Life Design“ in München von Facebook-COO Sheryl Sandberg offiziell bestätigt.


Image by phonlamaiphoto via stock.adobe.com

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Games-Förderung: Bundeshaushalt macht 50 Millionen locker

„Ein historischer Meilenstein für die #Games Förderung in Deutschland“, twitterte Jens Zimmermann digitalpolitischer Sprecher der SPD. Grund für die Freude machte der Haushaltsausschuss des Bundestages. Dieser hat im Rahmen der Games-Förderung die 50 Millionen Euro gewährt, die im Frühjahr bei der Vorstellung des Fonds veranschlagt wurden.

Bis zuletzt stand die Games-Förderung noch auf der Kippe. Obwohl der Koalitionsvertrag eine Stärkung des Games-Standortes Deutschland vorsieht, fand sich der Posten bis zur abschließenden „Bereinigungssitzung“ des Haushaltsausschusses nicht im Etat des Verkehrsministeriums. Das Verkehrsministerium kümmert sich unter anderem auch um die digitale Infrastruktur Deutschlands.

Alle sollen profitieren

Bislang hinkte Deutschland in der Gamingförderung vielen wichtigen Industrienationen hinterher. In Nachbarländern wie Polen und Frankreich gibt es bereits Förderungen. Die französische Regierung beschloss eine Förderung bereits 2003. 2014 hatte sich Frankreich zur zweitstärksten Kraft für Videospiele entwickelt.

Nun sollen auch deutsche Entwickler gefördert werden. Dabei soll die Größe des Entwicklers keine Rolle spielen. Der Deutsche Games Fonds (DGF) schließt dabei eine wichtige Lücke des Fördersystems als dritte Säule. Die ersten beiden Säulen sind zum einen die Förderung durch den Deutschen Computerspielpreis, zum anderen eine allgemeine Gründerförderung auf Länderebene. Die neue Förderung bietet einen Topf, aus dem es so lange Zuschüsse gibt, bis er leer ist.

Die Entwicklung eines Prototyps bezuschusst die Förderung mit 50 Prozent der Entwicklungskosten bis maximal 400.000 Euro. Der Prototyp muss allerdings innerhalb eines Jahres fertiggestellt werden und Gesamtkosten von mindestens 30.000 Euro betragen.

Die Produktion wird ab Gesamtkosten von 100.000 bis zwei Millionen Euro ebenfalls mit 50 Prozent bezuschusst. Ab acht Millionen Euro beträgt der Zuschuss 25 Prozent. Dazwischen verringert sich der Anteil linear.

Kulturtest für Spiele

Ganz ohne Bedingung ist die Förderung trotzdem nicn. Der Kriterienkatalog vergibt Punkte, wenn wichtige Mitglieder des Kreativteams ihren Wohnsitz in Deutschland haben oder das Setting einen Bezug zu deutscher Kultur hat. Auch eine deutsche Sprachausgabe oder besondere Innovationen belohnt der Katalog mit Punkten. Förderfähig sind Spiele, die 17 von insgesamt 32 möglichen Punkten erreichen. Die Förderung folgt unabhängig der USK-Freigabe, solange das Spiel nicht gegen deutsches Recht verstößt.

Den kompletten Kulturtest könnt ihr im offiziellen PDF zum Modell des Deutschen Games-Fonds einsehen.


Image: game – Verband der deutschen Games-Branche

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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

Follow me
  • SAFETY CHECK sueddeutsche: Facebooks Safety Check – manchmal hilfreich, manchmal Panikmache: Die Schicherheitsabfrage von Facebook wurde bis jetzt nicht nur gelobt. Mit ihr können sich Nutzer auf Facebook in Sicherheit markieren sollte es in einer Region zu einem Anschlag oder einer anderweitigen Katastrophe kommen. Der Safety Check aktiviert sich, wenn ein Algorithmus in Posts oder Lokalmedien Keywords wie „Terror“ oder „Anschlag“ oder „Erdbeben“ erkennt. Nach den weitflächigen Bedrohungen in Barcelona war die Funktion sinnvoll, im Falschen Moment aktiviert, kann die Funktion aber auch eher für Panik als für Beruhigung sorgen.

  • BREITBAND golem: Breitbandausbau kommt nur schleppend voran: Milliardenförderungen wurden in den Breitbandausbau investiert, doch auf dem Land ist noch kaum ein Teil der Förderung angekommen. Bis 2018 sollten alle Deutschen Haushalte über mindestens einen Breitbandzugang verfügen. Momentan liegt die Quote bundesweit erst bei 75 Prozent, in manchen Regionen sogar noch weniger. Doch die Bundesregierung geht weiterhin von der Erfüllung des Ziels aus. Kritik erntet die Regierung mittlerweile nicht nur aus den Reihen der Lokalregierungen, sondern auch von Industrie und Handelskammern.

  • DROHNEN faz: Stören, abschießen und den Pilot verhaften: Drohnen warden immer beliebter, auch unter Privatpersonen. Durch ein GPS Signal erkennen manche Fluggeräte mittlerweile in welchen Zonen sie nicht fliegen darf und warnt die Nutzer, schwierig wird es bei Privatgelände von Firmen, bei denen es zu Industriespionage kommen kann. Aus diesem Grund hat sich ein großer Markt für Drohnen-Abwehr gebildet. Durch Funksignale und Erkennungssensoren soll die Drohne erkannt und dann durch ein so genanntes „Jamming“ das Signal zwischen Drohne und Fernbedienung verursacht werden. Dann könnten die Drohnen erfasst und abgeschossen werden. Die Sensortechnik soll sogar in der Lage sein den Standort des Piloten ausfindig zu machen.

  • BILDBEARBEITUNG google research blog: Making Visible Watermarks More Effective: Ein neuer Algorithmus von den Google Researchern ist nun in der Lage Wasserzeichen von Fotos zu entfernen. Viele Fotoanbieter im Internet nutzen Wasserzeichen um Internetnutzern den Zugang zu klaren Bildern zu verweigern, außer diese zahlen den genannten Preis. Die Forscher sagen, sie wollen mit der Vorstellung dieses Algorithmus keineswegs Fotoanbieter angreifen, sondern ihnen eine Sicherheitslücke aufzeigen.

  • GOOGLE wired: What Google’s Open Communication Culture Is Really Like: Die Arbeitswelt bei Google basiert auf einem bestimmten Modell – kommunikativ, offen, inspirierend Ideen zu verfolgen. Das zeichnet ein Bild ähnlich dem eines Universitätscampus. Regelmäßige Großmeetings, offene Mikrofone und Diskussionen. Das führt zu einer starken Einbeziehung der Mitarbeiter in das Unternehmen und schafft Loyalität. Doch mit zunehmender Größe des Unternehmens oder einer Angst vor immer gefährlicher werdenen Leaks wurden Veränderungen irgendwann unumgänglich, schreibt dieser Ex-Google Mitarbeiter.

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WhatsApp-Überwachung: Neue Forderungen verfehlen das Ziel

spy-whatsapp-messages (adapted) (Image by Sam Azgor [CC BY 2.0] via Flickr)

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) fordert eine juristische Grundlage für den Zugriff der Bundesbehörden auf WhatsApp-Kommunikation. Das soll nach Ansicht des Ministers bei der Terrorismus-Bekämpfung helfen. Hermanns Äußerungen zeigen, dass die gefährliche und kontraproduktive Idee, Hintertüren in Software einzubauen, noch immer nicht gänzlich tot und begraben ist (und im Wahlkampf nur allzu gerne reaktiviert wird). Es wird Zeit, dass sich das ändert.

Joachim Hermann fordert WhatsApp-Überwachung

Gegenüber der in Düsseldorf erscheinenden Zeitung „Rheinische Post“ sagte Herrmann: „Wir wissen, dass die Terroristen WhatsApp nutzen, deshalb müssen wir die gesetzliche Kontrollmöglichkeit nach der Wahl sofort angehen.“ Herrmann kritisierte die SPD dafür, dass sich bislang in dieser Sache nichts getan hat. Er sagte: „Seit einem Jahr mahnen wir das bei der SPD an, geschehen ist nichts.“

Staatstrojaner oder Backdoor

Wie genau er sich die technische Umsetzung seiner Forderungen vorstellt, sagte Herrmann nicht. Es gibt allerdings nicht viele realistische Möglichkeiten. WhatsApp-Chats sind seit letztem Jahr standardmäßig verschlüsselt. Die Verschlüsselung ist so umgesetzt, dass die Daten auf dem kompletten Übertragungsweg geschützt sind, und bestand schon mehrere Audits und Tests von IT-Sicherheitsfachleuten. Das lässt Angreiferinnen und Angreifern, selbst staatlichen mit entsprechenden Mitteln, nicht viele Optionen.

Joachim Herrmann (adapted) (Image by JouWatch [CC BY-SA 2.0] via flickr)
Möchte gern in euer Handy schauen: Joachim Herrmann (adapted) (Image by JouWatch [CC BY-SA 2.0])

Eine mögliche – wenn auch aufwändige – Variante wäre der Einsatz eines sogenannten Staatstrojaners, also einer von den Behörden entwickelten und gesteuerten Schadsoftware, die die Daten direkt bei einem der Gesprächspartner abgreift. Dieses Vorgehen birgt eine ganze Reihe von Risiken, von der Kompromittierung des betroffenen Systems mit nachfolgendem Eindringen böswilliger Dritter bis hin zur Möglichkeit, dass die staatliche Schadsoftware oder die zu ihrer Platzierung vorgesehenen, meist bewusst offen gelassenen Sicherheitslücken Kriminellen in die Hände fallen. Dass Letzteres keineswegs nur ein unrealistisches Horrorszenario ist, zeigt sehr deutlich der Fall des destruktiven Ransomware-Schädlings WannaCry.

Die zweite, noch bedenklichere Variante ist die bewusste Platzierung einer Backdoor – also einer zusätzlichen Zugriffsmöglichkeit – für die Behörden. Davon abgesehen, dass die Software-Anbieter dem kaum zustimmen dürften – immerhin gehört WhatsApp zu Facebook, also einem US-Unternehmen, das nicht an deutsches Recht gebunden ist – ist diese Option alles andere als wünschenswert. Wie staatliche Schadsoftware kann auch eine solche Backdoor Kriminellen in die Hände fallen, sei es durch einen Insider, der entsprechende Informationen weitergibt, oder schlichtweg durch einen Angreifer mit Fertigkeiten in der IT-Forensik und womöglich einem Quäntchen Glück. In diesem Fall wären die sensiblen Daten sämtlicher WhatsApp-Nutzerinnen und -Nutzer gefährdet.

Gefährlich und ineffektiv

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine realistische Möglichkeit gibt, Joachim Herrmanns Forderungen auf eine Art und Weise umzusetzen, die die IT-Sicherheit und den Datenschutz nicht in unverantwortlicher Weise schwächt. Es ist nicht genau zu sagen, ob der CSU-Minister sich lediglich keine Gedanken über die technischen Hintergründe gemacht hat – was bei einem derartigen Thema zumindest fahrlässig wäre – oder die Vielzahl von negativen Nebeneffekten billigend in Kauf nimmt, um medienwirksam einen scheinbar bedeutsamen Schritt gegen den Terrorismus zu unternehmen.

So oder so müssen Joachim Herrmanns Pläne ebenso energisch bekämpft werden wie ähnliche Forderungen (meist konservativer) Politikerinnen und Politiker im In- und Ausland. Das gilt umso mehr, als eine WhatsApp-Überwachung keineswegs so effektiv gegen den Terrorismus sein dürfte, wie der Minister sich das anscheinend vorstellt. Mitglieder entsprechender Gruppen könnten leicht auf andere, weniger bekannte Dienste ausweichen – oder nutzen ohnehin keine Instant Messenger. Eine Kompromittierung verschlüsselter Kommunikation, gerade im Falle eines so populären Dienstes wie WhatsApp, würde somit vor allem vollkommen unbeteiligte Nutzerinnen und Nutzer mit einem legitimen Interesse an privater und sicherer Telekommunikation treffen.


Image (adapted) „Joachim Herrmann“ by JouWatch (CC BY-SA 2.0)

Image (adapted) „Spy Whatsapp Messages“ by Azgor (CC BY 2.0)


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Wie man Straßen zu Solar-Kraftwerken macht: Interview mit Donald Müller-Judex von Solmove

Puzzleteil (Image via Solmove)_

Es gibt Erfindungen, die sieht man und vergisst sie sofort – und es gibt Erfindungen, bei denen man sich fragt, wieso man nicht schon viel früher darauf gekommen ist. Die solarbetriebene Straße gehört für mich definitiv zur zweiten Kategorie: So genial, dass ich es sofort und überall haben möchte. Denn sie erzeugt nicht nur Strom durch regenerative Energien und spart dabei das Kraftwerk, sondern kann auch die Beleuchtung auf der Straße ersetzen und irgendwann auch direkte Energiequelle für den Antrieb selbst sein. Buh, langweilige Asphaltstraßen, das muss doch besser gehen! Und genau das passiert gerade.

In Zeiten, in denen wir uns dringend Gedanken um Nachhaltigkeit und Möglichkeiten für erneuerbare Energien machen müssen, ist die Frage nach einem sinnvollen Solarkonzept ohnehin evident. Doch für Solar braucht man neben Sonne vor allem eines: viel, viel Platz. Man könnte nun also Anlagen bauen und Ausdehnungsfläche verstellen – oder man nutzt das, was man schon hat: Kilometerlange Flächen, die einfach in der Landschaft liegen.

Es gibt mittlerweile mehrere Konzepte aus verschiedenen Ländern. In Frankreich wurde Ende 2016 der erste Auto-Kilometer von Wattway eröffnet, in den Niederlanden entwickelt man die erste Fahrradstraße mit Solarfunktion, und in den USA forschen gerade auch mehrere Firmen an „smart Highways“ um die Wette. Nur in Deutschland, dem Land der Autobahnen, tat sich lange nichts – bis Donald Müller-Judex 2014 sein Unternehmen Solmove gegründet hat, um auch die deutsche Industrie auf den Geschmack zu bringen. Ich habe ihn Ende Januar zum Interview auf der Green Tech Challenge getroffen.

Donald Müller-Judex (via Solmove)
Gründer und Erfinder: Donald Müller-Judex (via Solmove)

Wie kamen Sie auf die Idee zu der solarbetriebenen Straße?

Die Idee zur Solarstraße hatte ich, als ich einmal durchs Allgäu gefahren bin. Ich wollte dort ein Dach mieten, um eine Solaranlage da drauf zu bauen. Die Technologie gab es schon. Das war sehr lukrativ, es gab eine große Förderung – aber es hat nicht jeder ein Haus, wo er eine Anlage bauen kann. Also habe ich eins gesucht, was ich gerne hätte mieten wollen. Ich habe aber keins gefunden, weil im Allgäu auf jeder Scheune schon eine Solaranlage war.

Ich bin dann ganze drei Tage über sonnenbeschienene einsame Landstraßen gefahren, habe aber kein freies Dach gefunden. Irgendwann fiel es mir dann ein: Wenn man die Straßen nutzen könnte, könnte man Flächen ohne Ende haben und so viel Strom erzeugen, dass es auch lange in die Zukunft reicht. Ich habe das dann auf die deutschen Straßen umgerechnet und herausgefunden, dass man alle 50 Millionen Autos mit Strom fahren lassen könnte, wenn man alle Flächen nutzen würde, die da sind.

Sie haben dann Solarmodule aus gehärtetem Glas entwickelt, die man wie Gehwegplatten verlegen kann. Wie funktionieren die, wo sollen sie eingesetzt werden – und hält das überhaupt?

Die Module funktionieren ganz einfach, wie beim Taschenrechner: Sonne rein, Strom raus. Photovoltaik ist eine Technologie, die ohne mechanische Bewegungen und komplizierte Kleinteile auskommt. Es gibt nur wenig Verschleiß, weil sich nichts bewegt. Und wir wollen mit unserer Technologie auf Straßen oder in Regionen vertreten sein, wo wenig Verkehr und viel Sonne ist. Man muss nicht immer nur an Autobahnen denken oder an innerstädtische, hochbelastete Straßen – es gibt ganz viele Flächen, wo kaum ein Auto fährt: beispielsweise Seitenstreifen von Autobahnen oder auch viele Straßen in den Industrie- und Wohngebieten, zwischen Feldern, und, und, und. Allein diese ganze Flächen machen schon ein Riesenmarkt aus.

Es muss dann aber auch eine befestigte Straße sein, richtig? Ein Waldboden würde beispielsweise nicht funktionieren.

Nein, ein Waldboden würde hier nichtfunktionieren, allein schon, weil dort zu viel Schatten ist. Und wir haben unser Produkt so konzipiert, dass wir uns einfach auf vorhandene Flächen, die tragfähig genug sind, oben drauf kleben können. Die Module sind in einer gewissen Art beweglich, so dass wir den Kurven der Straße folgen können. Außerdem kann man sie leichter austauschen, wenn sie doch mal kaputtgehen, und muss nicht gleich die ganze Straße aufreissen.

Warum haben Sie für das Konzept ausgerechnet Deutschland ausgesucht? Das ist hier nun nicht unbedingt die sonnigste Gegend.

Es gibt ein paar sehr gute Gründe, in Deutschland anzufangen und dann in die Welt hinauszugehen. Einer der Gründe ist, dass es hier ganz starke politische Kräfte gibt, die durch den Wunsch der Gesellschaft entstanden sind, hier etwas zu ändern. Wir sind die Generation, die es geschafft hat, 80 Prozent der Erdölreserven in weniger als 50 Jahren zu verbrauchen und wir haben nichts mehr – oder zumindest wird es bald soweit sein. Wir brauchen aber als Industrienation eine Alternative. Wenn wir es schaffen, den Strom, den wir brauchen, im Land zu erzeugen, sind wir ganz weit vorn. Das haben zwar bis jetzt erst wenige Leute verstanden, aber die, die es verstanden haben, helfen uns.

Solarstrasse (Image via Solmove, Screenshot by Anne Jerratsch)
So soll die Solarstrasse einmal aussehen. Die Grundlage ist bereits vorhanden, sagt Donals Müller-Jufex. (Image via Solmove, Screenshot by Anne Jerratsch)

Der Markt dafür ist sehr groß und die Bereitschaft, zu investieren, steigt hoffentlich auch immer weiter. In anderen Ländern ist das deutlich leichter, weil es da mehr Sonne gibt – und weniger Bürokratie, das hilft ganz sicher. Deswegen werden wir auch in anderen Ländern aktiv werden. Wir werden dieses Jahr in China, in Korea und auch in den USA Testfelder bauen, um dort zu zeigen, dass es funktioniert.

Der Bund hat die Solarförderung immer wieder gekürzt. Wie passt das zu Ihrem Konzept?

In Deutschland ist es so, dass die Subventionen sehr geholfen haben, die Photovoltaik nach vorne zu bringen. Wir haben über 1.5 Millionen private oder kleine Solarkraftwerke, die zum Energiesystem beitragen, die unglaubliche Veränderungen initiiert haben, von der wir in zehn, 20, 30 Jahren noch maßgeblich profitieren werden. Die Subvention war für uns super und es war auf lange Sicht auch sinnvoll, diese Subventionen wieder runterzufahren. Denn in diesem Moment wurde die Photovoltaik weltweit so viel günstiger, dass der Solarstrom heute weniger kostet als Atomstrom und Kohlestrom – und das ist extrem wichtig. Jetzt hat die ganze Welt erkannt, dass die Zeit von Kohle und Atomstrom vorbei ist, weil es eine bessere Alternative gibt. Wir sind dabei, die Solarstraße salonfähig zu machen. Und vielleicht gibt es dafür eines Tages auch wieder eine Förderung, die dann hilft, unsere Technologie nach vorne zu bringen.

In China gibt es bereits Schnelllademodule für Busse, die sind aber noch in der Testphase. Wird es auf der Solarstraße auch Schnelllademodule geben? Wie ist der aktuelle Stand?

Wir werden dieses Jahr auf dem Gelände der Bundesanstalt für Straßenwesen und auf einem anderen Testgelände in der Nähe Peking eine Anlage bauen. Dieses Projekt wird zusammen mit einem Partner verwirklicht, wo wir zeigen, dass der Strom, der solar erzeugt wird, von den Paneelen unserer Partner induktiv in Autos hineingeladen werden kann, während sie fahren. Das ist revolutionär und neu und hat diverse Vorteile. Zum Beispiel, dass die Autofahrer keine Zeit mehr aufbringen müssen, um ihre Autos nachzuladen, dass das Reichweitenproblem damit eigentlich gelöst ist, dass die Autos weniger Batterien brauchen. Das heißt: mehr Platz, weniger Kosten, weniger Gewicht.

Die Chinesen fangen damit jetzt an und wollen zur Olympiade 2022 zeigen, wie das funktioniert. Dort werden auf einer Strecke zwischen Peking und Zhangjiakou auf 190 Kilometern Shuttlebusse fahren, die das Olympiavolk hin und her bringen. Diese Busse fahren elektrisch und autonom. Sie fahren auf einer induktive Ladespule, quasi auf einer elektronischen Schiene, die den Bus mit Strom versorgt, während er fährt. Dieser Strom wird mit unseren Modulen regenerativ erzeugt.

Das klingt vielversprechend! Und wann haben wir das alles auch in Deutschland?

Sie könnten mich ja zum Verkehrsminister wählen, dann dauert das noch ungefähr zehn Jahre, und dann haben wir das.

Vielen Dank!


Images (adapted) via Solmove, Screenshot by Anne Jerratsch


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Netzpiloten sind Partner der „Gründen, Fördern, Wachsen“

Zum 5. Mal lädt die Gründen, Fördern, Wachsen Gründer, Start-ups und Gründungsinteressierte nach Frankfurt am Main ein. Die Veranstaltung findet am 16. November von 16:30 bis 21 Uhr im THE SQUAIRE und im Rahmen der „Gründerwoche Deutschland“ für Hessen statt.

In mehr als 1.000 Workshops, Seminaren oder Planspielen wird sich im Rahmen der Aktion bundesweit rund um das Thema berufliche Selbstständigkeit ausgetauscht. Die „Gründen Fördern, Wachsen“ entsteht unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung entsteht und richtet sich an Gründer, Start-ups und Gründungsinteressierte und potentielle Entrepreneure aus den Bereichen schnell wachsende Technologien und Dienstleistungen sowie Partner, Investoren, Coaches und Akteure der Gründerszene.

Die Teilnahme ist für Gründer, Start-ups, Studenten und Gründungsinteressierte kostenfrei und einen Überblick über das Programm gibt es auf der Website.

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Nieder mit dem Wachstum: Wieso wir weniger Wirtschaft brauchen

sunset(image by Unsplash[CC0 Public Domain] via Pixabay)

Was so erfrischend an den nachhaltigen Entwicklungszielen der UN ist, ist die Tatsache, dass sie die  dazugehörigen Spannungen zwischen der wirtschaftlichen Entwicklung und der Ökologie unseres Planeten berücksichtigen. So scheint es zumindest. Die Einleitung bestätigt es: „Die Erde und ihr Ökosystem sind unser zu Hause“ heisst es dort und unterstreicht die Notwendigkeit, dass man „Eins mit der Natur“ sein möchte. Sie verpflichten sich dazu, die globale Erderwärmung bei unter zwei Grad Celsius zu halten und fordert „nachhaltige Strukturen für die Produktion und den Verbrauch.“

Solch eine Ausdrucksweise signalisiert das Bewusstsein dafür, das etwas an unserem Wirtschaftssystem extrem schiefgegangen ist – dass wir unsere Erde nicht weiter zerfressen können, ohne unsere Sicherheit und unseren Wohlstand ernsthaft zu gefährden – in der Tat gefährden wir damit auch das zukünftige Überleben unserer Spezies.

Schautman jedoch genauer hin, erkennt man einen offenkundigen Widerspruch. Der Kern des nachhaltigen Entwicklungsziel-Programms beruht auf dem alten Modell des unbegrenzten wirtschaftlichen Wachstums, das unsere ökologische Krise zuerst hervorgerufen hat: stetig steigende Niveaus der Förderung, der Produktion und des Verbrauchs. Die nachhaltigen Entwicklungsziele fordern „ein um mindestens 7 Prozent gesteigertes Bruttoinlandsprodukt pro Jahr in den am wenigsten entwickelten Ländern“ und flächendeckend „höhere Niveaus der wirtschaftlichen Produktivität.“ In anderen Worten gibt es einen tiefen Widerspruch im Zentrum dieser vermeintlich nachhaltigen Ziele. Sie verlangen gleichzeitig mehr und weniger.

Diese Aufforderung nach einem vermehrten Wachstum kommt zu einem seltsamen Moment – während wir gerade lernen, dass dies physikalisch nicht möglich ist. Momentan übertreffen die globalen Produktions- und die globalen Verbrauchs-Niveaus die Biokapazität unseres Planeten um fast 60 Prozent. Um es anders auszudrücken: Wachstum ist keine Option mehr – wir sind bereits zu viel gewachsen. Wissenschaftler sagen, dass wir die Grenzen unseres Planeten in einer halsbrecherischen Geschwindigkeit überschreiten und das größte Massenaussterben der Spezien in mehr als 66 Millionen Jahren erleben werden. Die unangenehme Wahrheit ist, dass unsere ökologische Überschreitung fast nur dem Überkonsum in den reichen Ländern geschuldet ist, vor allem derer im Westen.

Die nachhaltigen Entwicklungsziele fordern eine verbesserte „globale Ressourcen-Effizienz“ und eine „Abkopplung des wirtschaftlichen Wachstums von dem Zerfall der Umwelt“. Unglücklicherweise gibt es keine Anzeichen, dass dies auch nur annährend in der Geschwindigkeit möglich ist, die hierfür notwendig wäre.

Die weltweite materielle Förderung und der Verbrauch stieg zwischen 1980 und 2010 um 94 Prozent an und beschleunigte im letzten Jahrzehnt derart, dass ein derzeitiger Maximalwert von 70 Billionen Tonnen pro Jahr erreicht wurde. Und er steigt noch immer an: Hochrechnungen haben ergeben, dass im Jahr 2030 die Marke der 100 Billionen Tonnen gebrochen wird.

Aktuelle Berechnungen zeigen, dass wir im Jahr 2040 die Verschiffung und die Spedition von Gütern per Lastkraftwagen sowie per Flugzeug weltweit mehr als verdoppeln werden – ebeno wie die Waren selbst, die diese Fahrzeuge transportieren werden. Im Jahr 2100 werden wir drei Mal mehr Feststoffabfall produzieren, als es heute der Fall ist.

Eine Effektivitätssteigerung wird diesen Kreislauf nicht durchbrechen können, vielmehr könnte ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in vielen ärmeren Ländern noch notwendig sein – aber für die Welt als solche besteht die einzige Option in einer bewussten Wachstumsrücknahme und einem schnellen Wechsel zu dem, was der legendäre Ökonom Herman Daly als einen stabilen Staat, der ökonomische Aktivität in ökologischem Gleichgewicht hält, bezeichnet.

Eine Wachstumsrücknahme ist nicht gleichbedeutend mit Armut. Im Gegenteil ist die Wachstumsrücknahme perfekt kompatibel mit hohen Niveaus der menschlichen Entwicklung. Für uns ist es absolut möglich, unseren Verbrauch der Ressourcen zu verringern, während wir die Dinge vermehren, die wirklich von Bedeutung sind, wie zum Beispiel das Glück des Menschen, dessen Wohlbefinden, Bildung, Gesundheit und Lebensdauer – bedenkt man die Tatsache, dass Europa in vielerlei Hinsicht höhere Indikatoren der menschlichen Entwicklung als die USA besitzt, und das trotz des um 40 Prozent geringeren Bruttoinlandsprodukts und der um 60 Prozent geringeren Emissionen pro Kopf.

Das ist das Ende, auf das wir uns voll konzentrieren müssen. Tatsächlich besteht der sicherere Weg zur Armut darin, einfach so weiterzumachen, wie wir es derzeit tun. Wie der Top-Ökonom Joseph Stiglitz verdeutlichte, ein wachsendes Bruttoinlandprodukts in einer Welt mit ökologischer Überschöpfung den Lebensstandard mindert, statt diesen zu verbessern.

Wir müssen das Bruttoinlandsprodukt durch einen gesünderen Maßstab für die menschliche Entwicklung ersetzen, wie zum Beispiel durch den Indikator des wahren Fortschritts. Wir solten die Idee des exponentiellen wirtschaftlichen Wachstums ohne Ende vollständig abschaffen. Traurigerweise übergeben die nachhaltigen Entwicklungsziele diese wichtige Herausforderung an die nächste Generation – am Ende der Erklärung wird verkündet, dass „bis 2030 existierende Initiativen ausgebaut werden, um Maßnahmen des Fortschritts auf der Basis der nachhaltigen Entwicklung zu schaffen, die das Bruttoinlandprodukt komplementieren.“ In anderen Worten, sie vertagen das Problem auf das Jahr 2029.

Aber was ist mit den Arbeitsplätzen? Wann immer ich Vorträge über die Wachstumsrücknahme halte, ist das immer die erste Frage, die mir gestellt wird – und wir müssen sie ernst nehmen. Ja, die Wachstumsrücknahme wird die Eliminierung überflüssiger Produktionen und Arbeiten verlangen. Aber dies bietet uns eine schöne Gelegenheit, die Arbeitswoche zu verkürzen und mehr Gedanken an eine andere große Idee aufkommen lassen, die die Vorstellungen der Menschen in den letzten paar Jahren gefangengenommen hat: ein universelles Grundeinkommen. Wie soll dies finanziert werden? Es gibt viele Optionen, einschließlich progressiver Steuern auf kommerzielle Landnutzung, auf finanzielle Transaktionen, Transaktionen mit fremden Währungen sowie auf Kapitalgewinne.

Wir müssen der Tatsache ins Auge blicken: in einem Zeitalter der schnellen Automatisierung ist eine Vollbeschäftigung auf globaler Ebene sowieso ein Luftschloss. Es ist Zeit, dass wir in Ermangelung formeller Arbeitsplätze an Möglichkeiten denken, um zuverlässige Lebensgrundlagen zu ermöglichen. Dies wird uns nicht nur bei der notwendigen Wachstumsrücknahme helfen, sondern es wird den Menschen auch dabei helfen, ihren ausbeuterischen Arbeitsbedingungen und slaventreiberähnlichen Arbeitgebern zu entkommen und die Arbeitsbedingungen verbessern – zwei Ziele, die die nachhaltigen Entwicklungsziele festgesetzt haben und erreichen möchten.

Außerdem wird es Menschen die Möglichkeit bieten, mehr Zeit und Mühe in die Dinge zu investieren, die wirklich von Bedeutung sind: sich um die Menschen zu kümmern, die einem lieb sind, das eigene Essen anzubauen, Gemeinden zu ernähren und heruntergekommene Gegenden wieder aufzubauen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image ”sunset” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Vorsicht vor digitalen Unternehmern, die ihre eigenen Schulen eröffnen

classroom-laptops-computers-boy.jpg (adapted) (Image by r. nial bradshaw [CC BY 2.0] via flickr)

Für die Kinder, die Computerspiele lieben, könnte ein Traum wahr werden. Anfang Februar hat die britische Bildungsministerin Nicky Morgan verkündet, man plane die Eröffnung von zwei neuen, freien Schulen im Jahr 2017. Die Schulen in London und Bournemouth würden sich auf Programmierkenntnisse spezialisieren, da sie von Ian Livingstone, einem Unternehmer für Videospiele, der auch wichtiger Akteur bei der kürzlichen Einführung von Informatik als Fach im Lehrplan war, gegründet werden. Livingstones Mitwirkung an Schulen zeigt wieder einmal, wie Bildungspolitik von hochkarätigen Geschäftsleuten beeinflusst wird. Dabei verändern sie die Rolle der Schulen und machen daraus eher ein Geschäft als eine demokratisch geführte öffentliche Einrichtung. Laut der umstrittenen Veröffentlichung des Bildungsministeriums, welche alle Schulen ermutigt, sich großen Konzernen anzuschließen und Elternsprecher durch Profis zu ersetzen, sind die zwei neuen Schulen – genannt Livingstone-Akademien – typisch für die zukünftige Richtung, in die die Schulen sich entwickeln: es gibt mehr privaten Einfluss und weniger demokratisches Bürgerengagement.

Lobbyismus in der Bildung

Livingstone ist bekannt für seine Rolle als Unternehmer für Videospiele. Als er Vorstandsvorsitzender von Eidos war, brachte er die erfolgreiche Spieleserie Tomb Raider auf den Markt. Das Wired Magazine benannte ihn als einen der einflussreichsten Personen in der digitalen Wirtschaft im Vereinigten Königreich. 2011 hat Livingstone einen Bericht namens „Next Gen“ (deutsch: Nächste Generation) mit Forschern der Nesta-Stiftung verfasst, der das Wachstum des digitalen Sektors unterstützt. Ihr Bericht forderte mehr “konsequenten Informatikunterricht in den Schulen” und empfahl, Informatik auf den nationalen Lehrplan für englische Schulen zu setzen. Beauftragt von Ed Vaizey, dem Minister für Kultur, Kommunikation und Kreativbranchen, sollte der Artikel einen Überblick über die notwendigen Fähigkeiten in der Videospiele- und Spezialeffekteindustrie geben, welche schon lange als ökonomisch wertvoller Sektor der Wirtschaft des Vereinigten Königreichs gesehen wird. Die anschließende Bildung einer Lobbyismusvereinigung, die sich des Themas der Studie annahm, bestehend aus Nesta, Google und Microsoft, überzeugte das Bildungsministerium letztendlich im Jahr 2013, die Entwicklung eines neuen Informatiklehrplans zu unterstützen. Livingstone selbst bleibt Vorsitzender der Gruppe und arbeitet mit Nesta zusammen daran, Kooperationen zwischen Industrie, Politik und Lehrkräften herzustellen. Livingstones Lehrstätten erweitern seinen Einfluss vom Politiklobbyismus auf der Nachfrageseite auf die direkte Angebotssteuerung von Bildungseinrichtungen.

Schulgründungen

Während ihre Eröffnung in Kooperation mit dem Aspirations Academies-Konzern, einem erfolgreichen multiakademischen Konzern und Partner des Quagila Institute, geplant ist, konzentrieren sich die Livingstone-Akademien auf die “kreative Anwendung von digitalen Technologien”. Ihr Ziel ist es, Schüler mit “den erforderlichen Fähigkeiten und Qualifikationen, die es für das Spielen einer aktiven und erfolgreichen Rolle in der heutigen wissensbasierten, unabhängigen, hart umkämpften, sich schnell verändernden digitalen Welt bedarf”, auszustatten. Auf der Website der Schulen steht, dass sie in einer “Kooperation mit der digitalen Industrie” geführt werden “damit sichergestellt ist, dass die Schüler die Fähigkeiten und das Wissen, das besonders wichtig für ein erfolgreiches Leben als ein digitaler Bürger im modernen Europa ist”, erwerben. In der Praxis zeichnen sich die Schulen durch fachspezifische Einrichtungen wie wissenschaftliche Labore, Designstudios und sogar vor Ort als “Wirtschaftsstandorte für das Start-up und High-Tech-Geschäft” aus. Der Schwerpunkt, junge Leute auf die Arbeit und ihr Bürgertum in der digitalen Wirtschaft vorzubereiten, untermauert viele der wesentlichen Forderungen, die Livingstone selbst erstellt hat, während er den Bericht überwacht hat. Aus politischer Sicht handelt es sich eindeutig um eine erfolgreiche Kampagne. In der Pressemitteilung der Regierung, die die neuen Schulen ankündigt, sagt Morgan:

Das Programm der freien Schulen erweist sich als ein wichtiger Schmelztiegel für die kreativsten und innovativsten Köpfe unserer Gesellschaft, sodass ihre hervorragenden Leistungen an zukünftige Generationen weitergegeben werden können.

Livingstone sagte, er hofft, dass sein Spielzug “andere digitale Unternehmer ermutigt, die Gelegenheit, die sich durch das Programm der freien Schulen anbietet, zu ergreifen, um Kindern zu helfen, eine passende Ausbildung für die Arbeitsplätze und Möglichkeiten in der digitalen Welt erhalten.

Politische Unternehmer

Die Errichtung der Livingstone-Akademien ist Teil einer umfassenderen Reformbewegung, die sowohl in den USA als auch im Vereinigten Königreich stattfindet. Unternehmen und Unternehmer springen momentan auf eine neue Schulpolitik auf, um ihre eigenen Interessen in der Bildung voranzutreiben. Dies findet oft durch gemeinnützige Stiftungen und Konzerne oder auch durch Lobbyorganisationen statt. Da ihnen die Geschwindigkeit, mit der sich Bildung verändert, zu langsam ist, haben US-Unternehmer, beipsielsweise Computerfirmen wie Google und IBM sogar stattdessen begonnen, eigene alternative Schulen zu gründen. Die Livingstone-Akademien zeigen, wie freie Schulpolitik und Unternehmensvorschläge unternehmerischen Einfluss in englischen Schulen immer mehr möglich machen. In diesem politischen Kontext werden gemeinnützige Geschäftsleute wie Livingstone wichtige politische Unternehmer. Sie können die nationale Politik durch Lobbyarbeit beeinflussen und gleichzeitig Schulen ganz nach ihren Privatinteressen betreiben. Wie der Informatiklehrplan werden Livingstone-Akademien generell so aufgebaut, dass sich staatliche Programme nach der Digitalwirtschaft richten. Diese Programme werden von Unternehmern wie Livingstone gesteuert und dadurch verwirklicht, dass Schulen eher als Unternehmen geführt werden, die die Schüler zu kleinen digitalen Unternehmern der Zukunft erziehen. Gegenwärtige Richtlinien macht es zunehmend möglich und erstrebenswert für Unternehmer, Bildungsreformen sowohl zu nachzufragen als auch zur Verfügung zu stellen. Die Privatwirtschaft hält so über gemeinnützige Konzerne und Stiftungen Einzug, um die demokratische Debatte und Zusammenarbeit in der Schulbildung zu verdrängen. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „classroom-laptops-computers-boy“ by r.nial bradshaw (CC BY 2.0)


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Wie das Urheberrecht und Geld der Kreativität schaden

UNDER COPYRIGHT (adapted) (Image by CHRISTOPHER DOMBRES [CC0 Public Domain] via Flickr)

Wie würde Ihrer Meinung nach ein Gesetz zur Förderung von Kreativ aussehen? Wie auch immer Ihre Antwort lauten würde, eins wäre klar: nicht wie das Urheberrecht. Das ist doch schon ziemlich seltsam, oder? Urheberrecht sollte eigentlich ein Gesetz sein, das die Kreativität beflügelt. Das Problem ist aber, wie sich ziemlich bald herausstellt, dass die zentralen Merkmale des Urheberrechts dem gegenüberstehen, was die Kreativität eigentlich unterstützen sollte. Kreativität an sich ist eine knifflige Angelegenheit und schwierig zu verstehen und wir haben nur wenig Einblick darin, was den kreativen Funken anregt oder wieso manche Menschen kreativer sind als andere.

Was wir aber sicher über Kreativität wissen, ist, dass es einen sicheren Weg gibt, die Menschen weniger kreativ werden zu lassen: wenn sie dafür bezahlt werden. Dies zeigen eine Abfolge von Studien von Edward Deci und Richard Ryan, sowie einer Studie von Teresa Amabile und anderen. Hier wird gezeigt, dass Grundschulkinder nicht lesen lernen, wenn sie Geld dafür bekommen, Künstler ihre schlechtesten Arbeiten abliefern, wenn sie beauftragt werden und sogar beim Puzzlen werden die Menschen schlechter, wenn man sie für jedes gelöste Spiel belohnt.

Womit wird das begründet? Kreativität ist sehr eng mit Motivation verknüpft und die Menschen werden kreativ, wenn sie aus dem Innersten motiviert werden – sei es durch Neugier, Interesse oder Verlangen. Sie werden demotiviert – und damit auch weniger kreativ – wenn man in diese Gleichung noch den Faktor Geld einbringt.

Man sagt, dass das System des Urheberrechts die Kreativität und die Künstler unterstützt. Trotzdem ist die Grundlage dessen nur eine Aufteilung von wirtschaftlichen Anrechten, die verkauft und gekauft werden. Dieses System funktioniert auf einer monetären Grundlage und das Urheberrecht benötigt keine Zuschreibung eines Künstlers oder Autors als Schöpfer des Werkes, was seltsam ist, denn zwar haben viele Künstler sich heutzutage damit abgefunden, dass sie nicht übermäßig viel Geld verdienen, dennoch will jeder Künstler als Schöpfer seiner Darstellung anerkannt werden.

Das Urheberrecht ist ein Rechtssystem, welches auf den Vorraussetzungen aufbaut, das kreatives Schaffen viel eher zu reduzieren als dass es erhöht werden würde. Dies geschieht sogar noch, bevor wir all die Probleme betrachten (wie z.B. in folgenden Artikeln angesprochen: „GoldieBlox would beat the Beastie Boys rap in court„, „Sherlock Holmes and the Case of the Disappearing Copyright„, „Why Australians should back Turnbull in the stoush over copyright“ und „New UK copyright law will do nothing to help young designers„), die entstehen, wenn man sich wegen kommerziellen Interesses bemüht, den maximalen Wert vom Urheberrecht herauszuziehen.

Dies soll kein Vorschlag sein, dafür zu sorgen, dass diese Künstler nichts mehr zu essen haben. Das soll nur heißen, dass, wenn man ein System kreiert, das die Kreativität vermehren soll, man diese nicht an Bezahlung binden sollte, so wie wir es im Moment beim Urheberrecht betreiben.

Also, wie würden Sie entscheiden? Nun, man könnte genug Geld bereitstellen, dass es für die Künstler zum Leben reicht. Dies sollte jedoch nicht direkt an das Schaffen selbst gebunden werden, indem man Zuschüsse, öffentliche Fördermittel oder Ähnliches anbietet. Forscher vom MIT haben vor einigen Jahren herausgefunden, dass eine längerfristige Finanzierung viel eher dazu geeignet ist, die Schaffenskraft anzuregen, als dies eine kurzzeitige Entlohnung je könnte.

Hierbei würde man darauf achten, die besten Arbeiten der Künstler unterstützt zu wissen. Dies würde zudem den Stellenwert der Preise für längerfristige kreative Arbeit nach oben treiben. Ziemlich sicher würde man außerdem eine Art Anerkennung für seine Arbeit benötigen, so dass, auch wenn der Künstler nicht bezahlt werden kann, er dennoch seinen Namen in die Öffentlichkeit rücken konnte.

Was wäre die andere Sache, die Sie auf jeden Fall tun würden? Fördern Sie eine großé Vielfalt an Kreativität aller möglicher Arten und Weisen, allerdings ohne die Erwartung, daraus Profit schlagen zu können.

Genau dies tut nämlich das Internet: von den LOL Cats über YouTube, Twitter bis zu Fanfiction, was auch immer das neue neue große Ding wird, das Internet wird immer das Medium bleiben, welches eine enorme Bandbreite an Amateurmaterial erzeugen und verbreiten wird.

‚Amateur‘ bedeutet in diesem Sinne jedoch nicht, dass man nicht weiss, was man tut – viel eher, dass man es aus Liebe tut und nicht aus kreativitätstötender Bezahlung.

Vielleicht, wenn auch nur wirklich selten, können sich ein paar der Amateure ein größeres Publikum erschließen und daraus Pofit schlagen. Wie E.L. James, dessen „50 Shades of Grey“ ursprünglich als Fanfiction für Twilight angedacht war. Oder die sagenhafte erfolgreiche Romanserie „Silo“ von Hugh Howey. Urspünglich vom Autor selbst veröffentlicht, wurde es bisher in zahlreichen Ländern gedruckt, von Hollywood angefragt und stellt somit die Basis für seine steile Karriere als Autor dar. Howey hat die Möglichkeiten des Internet erschlossen und hat sogar eine ganze Gemeinschaft von Autoren ermutigt, sein Material in allen möglichen interessanten Kombinationen weiterzuverwenden.

Damit haben seine Fans aber nicht deshalb angefangen, weil er es ihnen vorgeschlagen hat. Sie haben damit begonnen, weil sie nicht anders konnten: sie sind Menschen, deshalb mussten sie Neues schaffen.

Wir sollten nicht glauben, dass das Urheberrecht die einzige Möglichkeit oder vielleicht auch nur die beste Möglichkeit darstellt, um die Kreativität in unserer Gesellschaft zu beflügeln. Dank des Internets sind wir gerade an der Schwelle eines völlig neuen Verständnisses, um neue und andere Wege zu finden, die hier deutlich besser funktionieren könnten.

Der Artikel erschien zuerst auf theconversation.com und steht unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Image (adapted) „UNDER COPYRIGHT“ by Christopher Dombres (CC0 Public Domain)


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Bundeswirtschaftsministerium will 150 Millionen in Startups investieren

Wenige Tage vor seiner Silicon-Valley-Reise gibt Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler bekannt, dass private Investoren 20 Prozent ihrer Investitionssumme in Startups zurück bekommen können. Warmer Geldregen für Business Angels oder wirklich eine Fördermaßnahme für Startups?

Die US-amerikanischen Firmen Apple, Facebook oder Google sind mittlerweile jedem bekannt. Da Deutschland seit jeher als Land der Denker und Techniker bekannt ist, werden sich bestimmt schon viele Leser gefragt haben, welche großen IT-Firmen eigentlich aus Deutschland kommen. Warum es neben SAP oder Siemens Nixdorf so wenige deutschstämmige Unternehmen gibt, liegt auf der Hand. In den USA ist es sehr viel leichter, an Risikokapital zu kommen, weswegen dort sehr viele Technologiefirmen gegründet werden. Zunehmend wandern deutsche Firmengründer aus, um im Ausland ihre Idee mit dem Geld Dritter zu verwirklichen. Dieser Abwanderung von innovativen Köpfen möchte man jetzt entgegenwirken. Die Förderung unseres Wirtschaftsstandortes will sich das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie insgesamt 150 Millionen Euro kosten lassen. Schon am 15. Mai dieses Jahres begann die Förderung.

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