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Von der Sekretärin zum persönlichen Manager: Der Aufstieg der virtuellen Assistenten

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Telefonate entgegennehmen, Blogeinträge schreiben, Social Media-Accounts managen, Rechnungen aufsetzen, die Finanzplanung übernehmen – und das alles auf einmal. Gibt es nicht? Gibt es doch! Während die Wissenschaft es immer noch nicht geschafft hat, die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen, gibt es sie in der Arbeitswelt schon längst. Sie nennen sich virtuelle Assistenten (VA) und sind so etwas wie die Schweizer Taschenmesser der digitalen Ära: Es gibt wenig, das sie nicht können und kaum etwas, das sie nicht bereit sind zu lernen. Mit ihren vielfältigen Talenten von WordPress Organisation bis Buchhaltung sind sie dabei weniger Sekretäre, sondern vielmehr persönliche Manager.

Diana Ennen und Kelly Poelker, selbst virtuelle Assistentinnen und Autorinnen der VA-Bibel Virtual Assistant. The Series definieren die virtuellen Assistenten als „hochqualifizierte und hochspezialisierte Fachleute, die Unternehmer, Manager, Verkaufsprofis und all diejenigen unterstützen, die mehr Arbeit als Zeit haben.

Von der Sekretärin zur virtuellen Assistentin

Ein virtueller Assistent ist also ein externer Fachmann, der Firmen oder Unternehmen bei gewissen Aufgaben unter die Arme greift. Je nach Qualifikation des Assistenten und Kundenwunsch umfasst der Aufgabenbereich der VA dabei so unterschiedliche Felder wie Kundenrecherche, Organisation von Reisen, Marketingberatung, das Abtippen von Protokollen, Übersetzungen oder Webseitenbetreuung. Einige virtuelle Assistenten arbeiten als Freelancer, andere nutzen spezielle Agenturen für die Kundenvermittlung, während wiederum andere eigenständige Unternehmer sind.

Während es persönliche Assistenten und Sekretäre natürlich schon seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt, wurde der Begriff „virtueller Assistent“ laut Ennen und Poelker im Jahr 1997 zum ersten Mal verwendet. Demnach war es Lifecoach Thomas Leonard, der in einem Interview davon berichtete, wie eine Assistentin so ziemlich alles für ihn managte, wozu er selbst keine Zeit fand. Da er diese Assistentin allerdings noch nie persönlich getroffen hatte, nannte er sie seine virtuelle Assistentin. Ein neuer Beruf war geboren.

Trendjob Virtueller Assistent

Dennoch war der Beruf in dieser Zeit noch eine Seltenheit. Vor zehn Jahren gab es gerade mal eine Handvoll VAs, heutzutage boomt der Job – ermöglicht durch das Internet und die weltweit voranschreitende Digitalisierung. Zwar gibt es nur grobe Schätzungen über die genaue Anzahl von virtuellen Assistenten weltweit, doch der Trend zeigt klar nach oben. Mit Statistiken, die voraussagen, dass der Online-Arbeitsmarkt bis 2018 einen Wert von rund 4,4 Milliarden Euro haben wird, steigt die Nachfrage nach virtuellen Assistenten weiter.

VA Google Trend

Outsourcing ist also keine Modeerscheinung mehr, sondern längst Realität. Je komplexer die Aufgaben sind, je globaler Firmen arbeiten und je spezialisierter unsere Berufe werden, Firmen auf das Verlagern von Aufgaben. Callcenter in Osteuropa, Webdesigner aus Indien oder Produktionsstätten in China sind die Ausmaße von Outsourcing bei großen Konzernen. Doch auch Kleinbetriebe, Solopreneure und mittelständische Onlineunternehmer sind auf externe Hilfe angewiesen. Seitdem Tim Ferris 2007 in seinem bahnbrechendem Bestseller zur vierstündigen Arbeitswoche die Weichen für Online-Unternehmen legte und die Idee der virtuellen Assistenten ins Spiel brachte, boomt der Begriff.

Mutter + Vollzeitstelle = Virtuelle Assistentin

Es war auch zu ungefähr dieser Zeit, als Zeina Barker zum ersten Mal den BZeina Barkeregriff hörte. Sie war gerade Mutter geworden und wollte einerseits mehr Zeit mir ihrer Familie verbringen, andererseits aber auch wieder in ihren Job zurückkehren. Doch auch wenn ihre Arbeit mit internationalen Unternehmen der Londonerin viel Freude bereitete, stundenlanges Pendeln wollte sie dabei nicht mehr in Kauf nehmen. Gleichzeitig arbeiten und mehr Zeit zu Hause verbringen, schien daher zunächst nicht machbar – bis sie über die Onlinestellenbörse People per Hour stieß: „Hier beschloss ich dann, meine Erfahrung und meine Ausbildung zu nutzen, um ganz neu als virtuelle Assistentin anzufangen. Das ist nun sieben Jahre her, aber ich habe es nie bereut. Es war zwar nicht immer einfach und ist auch jetzt noch oft eine Herausforderung, aber gleichzeitig auch unglaublich erfüllend“ erklärt sie gegenüber den Netzpiloten. Barker arbeitet immer noch hin und wieder als Freelancerin, betreibt aber gleichzeitg auch ihre eigene VA-Firma vefficient.

Barkers Weg zur virtuellen Assistentin verkörpert einen weiteren Trend dieses Berufs: Nach Umfrage der Virtual Assistant Networking Association sind 96,8 Prozent der Befragten Frauen und über drei Viertel haben Kinder. Das zeigt, dass Mütter weder bei der Familie noch in ihrem Job zurückstecken wollen. Gerade in den USA entscheiden sich viele Frauen für das Arbeitsmodell der „work-at-home-Mom“, also der berufstätigen Mutter im Homeoffice.

„Ich werde für´s Lernen bezahlt“

Die Vielfalt der Aufgaben und der leichte Einstieg in den Job als virtuelle Assistentin könnten Gründe dafür sein, warum viele Frauen als Neulinge in der digitalen Arbeitswelt gerade diesen Onlineberuf wählen. „Virtueller Assistent ist ein idealer Einstiegsberuf für alle, die noch nie online gearbeitet haben“ sagt etwa Vera Ruttkowski, eine der bekanntesten deutschen virtuellen Assistentinnen, im Netzpiloten-Gespräch. Ruttkowski arbeitet seit gut zwei Jahren als virtuelle Assistentin und betreut mittlerweile als SelVera Rutkowskibstständige sechs feste Kunden. Ihre Dienstleistungen reichen unter anderem von Blogbetreuung über Finanzmanagement bis hin zur Social Media-Betreuung. Gerade diese Abwechslung, gepaart mit dem steten Lernprozess durch immer neue Aufgaben, machen den Beruf so attraktiv für sie: „Es ist unglaublich spannend, mit meinen Kunden mitzuwachsen. Ich habe die Chance, sehr viel Neues zu lernen – und werde dafür auch noch bezahlt. Was will man mehr?!“

Auch Zeina Barker, die sich auf e-Marketing, Projektmanagement und Übersetzungen (sie spricht Englisch, Französisch und Arabisch) spezialisiert hat, liebt die Vielfalt ihres Arbeitsalltags. „Alle Kunden sind sehr verschieden und bei mir gleicht wirklich kein Tag dem anderen. So wird es nie langweilig!“

Selbstverständlich erfordert eine solch freie Form der Arbeit aber auch straffe Selbstorganisation, Disziplin, Zuverlässigkeit, eine sehr gute Kommunikationsfähigkeit, Offenheit für Neues und Flexibilität. „Das schwierigste an dem Job ist für mich das Organisieren meiner Zeit“ sagt Ruttkowski. Barker wiederum glaubt, dass die virtuelle Kommunikation mit Kunden per E-Mail oder Skype manchmal mehr Zeit raubt als spart.

Dennoch lieben sowohl Barker als auch Ruttkowski ihren Beruf. Neben der eigentlichen Arbeit ist es vor allem eins, das sie an ihrer Tätigkeit schätzen – ihre Unabhängigkeit. Für Barker ist dies ein unglaublicher Ansporn: „Ich kann alles machen, was ich will, es gibt wirklich keine Grenzen für meine Fähigkeiten. Ich finde das sehr erfüllend und motivierend!“


Image „Laptop“ by partshah000 (CC0 Public Domain)


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Online Marketing Konferenz 2016

OMK

Am 29. September ist es wieder soweit: Zum fünften Mal lädt die Leuphana Universität gemeinsam mit den Experten der Online-Agentur web-netz zur Online Marketing Konferenz (OMK) ein. Bis zu 600 Marketingexperten kommen zusammen, um sich über die neuesten Entwicklungen der digitalen Welt auszutauschen. Das Motto der diesjährigen OMK lautet „Theorie trifft Praxis im Online-Marketing“. Inhaltlich ist es eine Mischung aus Trend und Evergreen: Neben dem aktuellen Topthema Brand-Buildung werden auch die klassischen Bereiche SEO, SEA, Affliate und Social Media Marketing behandelt und ihr Bezug zum Content Marketing hergestellt.

Zu den Referenten der Online Marketing Konferenz zählen der Experte für digitale Markenführung Prof. Dieter Georg Herbst vom Berliner Career College sowie Martin Drust, Leiter Marketing und Vertrieb – FC St. Pauli. Neben den über 20 Vorträgen werden den Besuchern diverse Workshops angeboten, in denen ein intensiver Austausch zwischen Besuchern und Experten stattfindet. Hier können die Teilnehmer über die aktuellen Entwicklungen diskutieren und Kontakte knüpfen. Die OMK ist eine Non-Profit Veranstaltung, sodass überschüssige Einnahmen in Forschungsprojekte der Universität fließen.

Weitere Informationen zum Programm und zu den Sprechern der OMK finden Sie auf omk2016.de.

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Infos aus der Zukunft: Mit dem Internet der Dinge wird das möglich

???????? (image by kropekk_pl [CC0] via Pixabay)

Greifbare Maßnahmen in der echten Welt und die Datenverarbeitung der digitalen Welt verschmelzen miteinander und das Internet der Dinge nimmt deren Platz ein. Das Internet der Dinge – ein Netzwerk von Geräten, die digital miteinander verbunden sind – können physikalische Eigenschaften in digitale Daten umwandeln, die über die ganze Welt gesendet werden können und mit Lichtgeschwindigkeit verarbeitet werden.

Für die kommenden fünf Jahre wird angenommen, dass 20 Milliarden Geräte mit dem Internet der Dinge verbunden sein werden. Sie werden Business-Modelle und Markstrategien revolutionieren und Unternehmen weltweit beeinflussen. Das Echtzeit-Marketing nimmt zu, weil Unternehmen individualisierte Kundenerfahrungen bieten wollen. Das Internet der Dinge macht es möglich, Produkte zu designen, die alle Aspekte diverser Branchen in Echtzeit erfüllen. Kundenfeedback kann von den Produkten selbst generiert werden, misst gleichzeitig den Erfolg der Marketing-Strategie und bietet wertvolle Erkenntnisse für die Produktentwicklung und das Design.

Die Vielfalt der Dinge

Die Regierung hat Daten für den öffentlichen Zugang seit einiger Zeit freigegeben. Rückblickend waren die meisten Daten bis jetzt ziemlich nützlich. Sie erzählten die Geschichte der Vergangenheit und in den meisten Fällen wurden sie nur monatlich, halbjährlich oder jährlich aktualisiert. Daten-Feeds in Echtzeit sind revolutionär und werden von Forschern der Array of Things (dt. etwa: Vielfalt der Dinge) folgendermaßen beschrieben:

Was wäre, wenn eine Laterne Ihnen sagt, Sie sollen auf die Eisplatte auf dem Gehweg voraus achten? Was, wenn eine App Ihnen die beliebteste Route für einen Nachtspaziergang zur S-Bahn zeigt?

Das Array of Things hat vor kurzem einen Zuschuss der US National Science Foundation erhalten und wird Echtzeit-Daten der Straßen von Chicago bereitstellen. Diese Daten werden Häuserblock für Häuserblock von einen Sensor, der Licht, Ton, Luftqualität und weitere Dinge misst, erfasst. Die Daten werden der Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung gestellt. Es gibt eine Karte, die seit diesem Sommer die Position von 42 Knotenpunkten anzeigt, die in der Stadt installiert werden. Insgesamt werden 500 dieser Knotenpunkte bis 2018 in Chicago installiert worden sein.

Heutzutage gibt es keinen Mangel an live eingespeisten Daten – beispielsweise stellt der verlinkte Blockchainfeed detaillierte Informationen über alle Bitcoin-Transaktionen dar. Der RSVP-Ticker von Meetup, der hier einsehbar ist, informiert Sie wortwörtlich darüber, wer gerade etwas trinkt, japanisch lernt oder wer bei der Zen-Meditation morgen teilnehmen wird.

Die Herausforderung für die Regierung ist nun, sicherzustellen, dass diese Daten sicher sind und es einen gemeinsamen Standard für die Verarbeitung gibt. Um dieses Problem kümmert sich der amerikanische Wirtschaftsrat zu Fragen der Wissenschaft und Technik.

Die Zukunft voraussagen

Viele Jahre lang haben Wissenschaftler Serverlogs und den Inhalt von Webseiten gesammelt, um eine bessere Web-Personalisierung zu erleichtern und zukünftige Benutzeranforderungen vorherzusagen. In diesem Kontext hängt das, wonach Menschen suchen, damit zusammen, was sie in der Zukunft tun werden.

Im Gegensatz zu anderen Datenquellen können Maschinen – beispielsweise verbundene Geräte im Internet der Dinge – so programmiert werden, dass sie einen sauberen und konsistenten Echtzeit-Datenfeed erzeugen. Das sind Daten, die Wissenschaftler und Andere dazu verwenden können, um die Zukunft vorherzusagen und über Korrelation und gleichzeitig eintretende Ereignisse hinausgehen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „????????“ by kropekk_pl [CC0]


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Richtige Leser lieben alle Bücher

Lecteur ebook + livres papier (adapted) (Image by ActuaLitté [CC BY-SA 2.0] via flickr)

Im digitalen Zeitalter lässt sich Literatur auf verschiedene Arten genießen. Sei es als eBook auf dem Reader, Smartphone oder Tablet, als Hörbuch auf CD, per App oder ganz klassisch in Form eines Buches auf bedrucktem Papier. Leider gibt es noch immer Menschen, die diese Vielfalt nicht als Fortschritt, sondern als Angriff auf die Kultur sehen. Wer Bücher nicht auf Papier liest, ist in ihren Augen kein “richtiger” Literaturfreund. Dabei können die neuen Technologien nicht nur Spaß bringen und zum Lesen motivieren, sondern auch Türen für Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten öffnen.

eBooks und Hörbücher sorgen für Barrierefreiheit

Die Bloggerin “sj” meldet sich in einen Beitrag mit dem Titel “Lese-Rage: Euer Ableism- Richtige-Bücher-Snobismus ist höllisch ermüdend” zu Wort. Darin beschreibt sie, dass sie häufig zu hören bekommt, nur wer Bücher ganz klassisch auf Papier lese, am besten in einer hübschen (und oft auch teuren) gebundenen Ausgabe, sei ein “richtiger Leser”. Die Bloggerin leidet unter einer schweren Form von Rheuma und heftigen Allergien und kann deswegen die meiste Zeit nur eBooks lesen, weswegen sie derartige Angriffe nicht nur als unzutreffend, sondern auch als diskriminierend empfindet.

So wie “sj” geht es vielen Menschen. Nicht nur Rheuma oder andere Erkrankungen, die das Halten schwerer Bücher verhindern, auch viele Formen von Sehbehinderung können das Lesen gedruckter Bücher unmöglich oder zumindest sehr anstrengend machen. Sonderausgaben in großer Schrift, die einem Teil der Betroffenen helfen würden, sind nicht von allen Büchern zu bekommen, und wenn, sind sie oftmals teurer. Auf einem eBook-Reader lassen sich Schriftart und Schriftgröße nach Bedarf variieren, was eine große Hilfe sein kann. Manche Sehbehinderte und auch einige ältere Menschen profitieren außerdem von der Hintergrundbeleuchtung des Displays.

So können Hörbücher auch den Menschen Zugang zu Literatur ermöglichen, für die dieser sonst nicht oder nur sehr schwierig möglich wäre. Nächstliegendstes Beispiel sind natürlich Menschen, die blind oder schwer sehbehindert sind. Aber auch Legastheniker haben mit Hörbüchern die Möglichkeit, Literatur zu genießen und verstehen zu lernen, ohne sich mit den technischen Hürden des Lesens auseinandersetzen zu müssen.

Portabilität und Zusatzfeatures

Aber auch für Menschen ohne körperliche Einschränkungen können eBooks und Hörbücher eine sinnvolle Alternative sein. Sie lassen sich gut mitnehmen – welche Leseratte erinnert sich nicht an die Diskussionen aus der Kindheit und Jugend, wie viele Bücher für den Sommerurlaub ins elterliche Auto passen? Ein eReader, ebenso wie ein Smartphone oder Tablet, lässt sich mit einer Hand halten und umblättern und hilft so nicht nur Menschen mit Gipsarm oder einer Körperbehinderung, sondern auch solchen, die in Öffentlichen Verkehrsmitteln nur noch einen Stehplatz bekommen haben, bequem und sicher zu lesen. Hörbücher kann man auch auf dem Spaziergang oder während der Autofahrt weiterlesen (lassen).

Daneben bieten eBooks einige Möglichkeiten zur Interaktion mit dem Text, die bei klassischen Büchern nicht möglich sind. Wer zum Beispiel ein Fremdwort – oder, beim Lesen fremdsprachiger Texte, eine neue Vokabel – nicht kennt, kann diesen Begriff sofort nachschlagen und hat so wieder etwas gelernt. Fuß- und Endnoten lassen sich sofort ohne umständliches Blättern ansehen. Auch das Markieren und Kopieren von Textstellen, beispielsweise für einen späteren Blog-Eintrag oder sogar eine wissenschaftliche Arbeit, ist bei eBooks einfacher.

All diese Features sind zwar kein absolutes Muss, sie können aber in unserer hektischen und mobilen Welt durchaus einen Unterschied in der Lese-Motivation machen. Sind Bücher einfach und schnell verfügbar und auch unterwegs benutzbar, lesen Menschen mit einem vollen Terminkalender oft mehr, als sie das anderenfalls tun würden.

Selbst die Deutschen, die vielen Neuerungen eher skeptisch gegenüber stehen, erwärmen sich mittlerweile zunehmend für die neuen Arten von Büchern. Seit einigen Jahren werden eBooks zunehmend beliebter; laut einer Umfrage des IT-Branchenverbandes Bitkom liest mittlerweile schon ein Drittel der “lesenden Bevölkerung” (auch) digitale Bücher.

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunftsvision

All das beantwortet natürlich nicht die Frage, ob die Nutzer von eBooks oder Hörbüchern “richtige Leser” sind. Aber diese Frage lässt sich mit einem einfachen “Warum denn um alles in der Welt nicht?” beantworten. Schließlich haben diejenigen, die ein Buch auf dem Kindle, Nook oder tolino gelesen haben, denselben Inhalt aufgenommen, genauso mit den Charakteren mitgefiebert, sich die selben Fragen gestellt und Gedanken gemacht wie diejenigen, die die gedruckte Ausgabe gelesen haben. Dasselbe gilt für diejenigen, die das Hörbuch gehört haben. Literaturliebhaber definieren sich durch ihre Freude am Geschichtenerzählen, an fiktiven (oder nur allzu realen) Welten, glaubwürdigen Charakteren und sprachlicher Schönheit. Nicht der technische Prozess des Lesens ist es, der einen bereichert und bildet, sondern der Inhalt des Buchs und die Beschäftigung damit.

Das heißt natürlich nicht, dass nicht schön gestaltete Bücher durchaus einen historischen und künstlerischen Wert haben. Den haben sie selbstverständlich und kaum ein eBook-Liebhaber wird das ernsthaft bezweifeln. So ist es natürlich vollkommen in Ordnung und respektabel, eine Präferenz für gedruckte Bücher zu haben und diese lieber oder ausschließlich zu lesen. Erst wenn versucht wird, andere Leser aufgrund ihres bevorzugten (oder sogar einzig zugänglichen) Mediums als Leser zweiter Klasse einzustufen, wird die Grenze zum ebenso unfairen wie diskriminierenden Verhalten überschritten. Ansonsten handeln die Verantwortlichen bestenfalls wie gedankenlose Snobs. Das gilt natürlich auch für die kleine Gruppe derjenigen, die die Freunde traditioneller Bücher für ihre “altmodische” Vorliebe lächerlich machen.

Literatur ist wichtig, sie bereichert unser Leben, erweitert unseren Horizont und kann uns sogar helfen, andere Menschen besser zu verstehen. Sie ist ein bedeutender Teil unserer Kultur. Deswegen sollten wir alles, was noch mehr Menschen ermöglicht, dieses Erlebnis zu teilen, begrüßen und uns darüber freuen. Ein “richtiger” Leser ist in meinen Augen derjenige, der Freude an Literatur hat und diese Freude mit seinen Mitmenschen teilen will – auf welchem technischen Weg auch immer.


Image (adapted) “Lecteur ebook + livres papier” by ActuaLitté (CC BY-SA 2.0)


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Was kickt dich in der digitalen Welt, Patrick Warnking?

Die Netzpiloten feiern 15 Jahre Expeditionen in den Cyberspace und fragen prominente Wegbegleiter nach ihrem denkwürdigsten Erlebnis der digitalen Revolution. – Heute den Country Director Switzerland von Google,  Patrick Warnking.

Patrick_Warnking_postZuerst: Herzlichen Glückwunsch zu 15 Jahren Netzpiloten. Ich kann mich noch an unseren ersten Kontakt erinnern. Ich war in 2000 für Vermarktung und Marketing sogenannten „E-mercials“ zuständig. Die gehörten zu den ersten Videos im deutschen Cyberspace in Form – sie waren in Flash programmiert und für 56k-Modems ruckelfrei optimiert. Und heute haben wir YouTube in HD und 3D via 4G. ;-) Es ist faszinierend was exponentielle Entwicklung wirklich bedeutet – in vielen Branchen. Hierzu empfehle ich einen Blick auf die Themen der Singularity University oder von X-prize.org. Den beeindruckendsten Moment habe ich jedes Jahr mindestens einmal neu wenn ich realisiere wie stark mich Themen der digitalen Revolution begeistern können und wie schnell sie exponentiell wachsen. Khan-Academy, Sprachsteuerung, YouTube oder die Idee von Project Loon weitere 5 Milliarden Menschen via Heißluftballons online zu bringen sind solche Beispiele. Es bleibt spannend und deshalb wünsche ich den Netzpiloten viel Spaß und Erfolg für die nächsten 15 Jahre!

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