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#MeetTheBloggerDE: Anne Häusler über Deutschlands größtes Blogger Meet-and-Greet

Red Hands woman creative (adapted) (Image by Kaboompics_Karolina [CC0 Public Domain], via Pexels)

Seit Anfang Mai diesen Jahres findet bereits zum zweiten Mal #MeetTheBloggerDE statt, eine von der Bloggerin Anne Häusler ins Leben gerufende Challenge, bei der sich 14 Tage lang deutschsprachige Blogger*innen auf Instagram porträtieren und miteinander vernetzen. Jeden Tag stellen sie einen anderen Aspekt ihres publizierenden Schaffens vor. Der unter jedem Beitrag verwendete Hashtag #MeetTheBloggerDE vernetzt die verschiedenen Beiträge und erzeugt ein Abbild der hiesigen Blogosphäre auf Instagram.

Anne Haeusler (Image by Anne Häusler)
(Image by Anne Häusler)

Auf ihrem eigenen Blog hat Anne Häusler Ende April den Aufruf gestartet, inzwischen haben nach eigenen Angaben rund 1.400 Blogger*innen an der Aktion teilgenommen. Darunter auch ich, @isarmatrose, der den Hashtag in den letzten 11 Tagen intensiv verfolgt habe. Mir gefällt die Challenge ausgezeichnet, vor allem aber erfreue ich mich daran, neue Blogger*innen und ihre Themen zu entdecken. Und genau darum geht es auch bei der Aktion, wie mir Anne Häusller im Interview erklärt:

Tobias Schwarz: Dieses Jahr hast du inzwischen zum zweiten Mal zur #MeetTheBloggerDE-Challenge aufgerufen. Was hat dich zu dem Projekt im letzten Jahr inspiriert und warum machst du es noch einmal?

Anne Häusler: Am Bloggen hat mich schon immer der Netzwerkaspekt besonders interessiert. Die Möglichkeit, sich mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen auszutauschen, von ihnen zu lernen und mit ihnen zusammenzuarbeiten, finde ich total spannend.

Im letzten Jahr habe ich mich ausgiebig mit Instagram beschäftigt. Die große Rolle von Hashtags und der einfache visuelle Zugang zu den Inhalten machen Instagram zu der perfekten Plattform, um Blogger nischenübergreifend zu vernetzen. Also habe ich das einfach mal ausprobiert und die Instagram Challenge #MeettheBloggerDE ins Leben gerufen.

Nachdem einige Influencer die Challenge 2016 aufgegriffen und in ihre Netzwerke getragen haben, wurde die Aktion zum Selbstläufer. Mehr als 600 deutschsprachige Blogger haben mitgemacht und ich habe fast aus Versehen das größte Blogger Meet-and-Greet im deutschsprachigen Raum veranstaltet. Das Engagament hat mich wirklich umgehauen. Bei soviel positivem Feedback war klar: die Aktion mache ich auf jeden Fall nochmal.

Auch wenn die zweite Challenge erst halb rum ist, kannst du schon ein erstes Fazit ziehen, was in diesem Jahr anders war oder ist als bei der ersten Challenge im vergangenen Jahr? Haben in diesem Jahr mehr Blogger*innen teilgenommen?

Was soll ich sagen, die Challenge rockt! Klar hatte ich gehofft, dass ich noch mehr Leute erreichen kann. Aber mit mehr als 1400 aktiven Teilnehmern habe ich nicht gerechnet. Einige sind die ganzen zwei Wochen dabei, andere machen nur an einzelnen Tagen mit. Aber das ist auch total ok so. Es geht bei #MeettheBloggerDE um den Spaß und die Vernetzung, das soll nicht in Stress ausarten.

Ich habe die Challenge in diesem Jahr deutlich gekürzt. 14 Tage statt 30 Tage wie im letzten Jahr sind ausreichend, um sich kennen zu lernen und den Community-Effekt herzustellen. Dadurch trauen sich auch Blogger an die Aktion ran, die bisher vielleicht nicht ganz so Instagram-affin waren.

Es scheinen mir verhältnismäßig sehr viele Frauen mitzumachen, die meisten schreiben zu den Themen Bücher, Reisen, Kinder und DIY. Wie würdest du die teilnehmenden Blogger*innen beschreiben?

Deine Beobachtung ist vollkommen richtig. Rund 95 Prozent der Teilnehmer sind Frauen. Das liegt sicher auch an mir: Mein Blog annehaeusler.de wendet sich speziell an Bloggerinnen und ich habe die Challenge vor allem innerhalb meines eigenen Netzwerks beworben. Außerdem ist Instagram in Deutschland fest in Frauenhand. Schade eigentlich. Die Plattform ist nämlich super, um eine Community rund um den eigenen Blog aufzubauen.

Besonders gut vertreten sind bei der Aktion Buchblogger, Reiseblogger, Elternblogger, Foodblogger und Lifestyle-Blogger. Außerdem habe ich in diesem Jahr gezielt versucht, Selbständige mit Blog für die Challenge zu begeistern. #MeettheBloggerDE ist eine tolle Möglichkeit, sich und sein Unternehmen der Blogger-Community auf Instagram vorzustellen, ohne den Followern mit der Marketing-Fahne im Gesicht rumzuwedeln. Das hat gut geklappt. Es sind eine ganze Reihe von kleinen Unternehmen mit dabei.

Die deutschsprachige Blogosphäre ist schwer zu erfassen und allgemein wahrzunehmen. Zeigt die von die initiierte #MeetTheBloggerDE-Challenge ein realistisches Abbild der hiesigen Blog-Szene?

Nein, die Challenge ist kein Abbild der hiesigen Blog-Szene. Sie zeigt lediglich, welche Blog-Nischen Instagram intensiv nutzen und dort miteinander vernetzt sind. Ich will die Challenge im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder veranstalten, die ersten Anfragen dazu habe ich schon bekommen. Die spannende Frage wird dann sein: wie schaffe ich es, Blog-Nischen anzusprechen, die von der Aktion bisher nichts mitbekommen haben. Und ich will beim nächsten mal mehr Männer dabei haben.

In dieser Woche fand auch wieder die re:publica in Berlin statt. Vor Jahren war dies eine beinahe reine Blogger*innen-Konferenz; heutzutage ist es eine wesentlich vielfältigere Gesellschaftskonferenz. Brauchen wir Blogger*innen vielleicht wieder ein Event nur für uns?

Ich finde die re:publica aus vielen Gründen super, aber die Konferenz der Netzgemeinde ist sie für mich nicht mehr. Es gibt ja eine Reihe von Barcamps und Nischen-Konferenzen für Blogger. Aber bei einer großen, themenübergreifenden Konferenz für deutschsprachige Blogger wäre ich sofort dabei. Netzwerken über alle Nischen hinweg, Wissenstransfer und die Diskussion von Themen wie Monetarisierung versus Blogger-Idealismus, gesellschaftliches Engagement versus Feel-Good-Bloggen oder solche Themen fände ich total spannend.

Zum Schluss bitte noch ein Blick in die Glaskugel: Brauchen wir in Zeiten von snackable Content und mobile Messaging überhaupt noch Blogs? Verschwinden diese nicht vielleicht und Blogger*innen werden nur noch mit dem stets gleichen Nutzernamen plattform- und mediumübergreifend publizieren?

Ich snacke gerne. Aber wenn ich richtig Hunger habe, will ich ne richtige Mahlzeit. Meiner Meinung nach geht der Trend zurück zum Hauptgericht: lange, gut recherchierte und gedanklich ausgereifte Blogposts. Quasi Wissensbomben, die dem Leser jede Menge Infos und Mehrwert bieten. Wenn du in deiner Nische zu einer hörbaren Stimme werden willst, kommst du daran nicht vorbei. Der einzige Ort, an dem du dieses Wissen dauerhaft vermitteln kannst, ist der eigene Blog. Alle anderen Plattformen sind nur Mietwohnungen. Wenn da der Besitzer wechselt, stehst du eventuell auf einmal vor verschlossenen Türen.

Zusätzlich zum Hauptgericht erwarten die Nutzer (es sind ja nicht mehr alles Leser) ein Menü an Appetizern und Häppchen in Form von kurzen, ergebnisorientierten Posts, Live-Videos, Podcasts Infografiken… was auch immer die Zielgruppe anspricht.

Um ehrlich zu sein, ich finde diese Entwicklung ganz spannend. Es nimmt mir den Druck, aus jedem Blog-Post ein preisverdächtiges Werk zu machen. Und gleichzeitig habe ich die Möglichkeit, die wirklich tiefen, arbeitsintensiven Blogposts zweimal, dreimal oder viermal zu verwerten und damit jeweils andere Bedürfnisse bei meinen Lesern anzusprechen. Blogs wurden schon so oft für tot erklärt… und haben sich dann immer als extrem flexible Biester entpuppt. Ich sehe da ganz entspannt in die Zukunft.

Auf annehaeusler.de findet Ihr mehr Informationen zur #MeetTheBloggerDE-Challenge!


Image (adapted) Red Hands Woman Creative by Kaboompics_Karolina (CC0 Public Domain)

Image by Anne Häusler


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#MeetTheBloggerDE: Die deutsche Blogosphäre in ihrer Nussschale

Nächsten Montag, am 1. Mai, startet die Bloggerin Anne Häusler die zweite #MeetTheBloggerDE-Challenge, bei der sich Blogger*innen auf Instagram vorstellen und andere kennenlernen können. 14 verschiedene Tagesaufgaben geben den teilnehmenden Blogger*innen eine Orientierung, worüber sie schreiben könnten. Der unter jedem Beitrag verwendete Hashtag #MeetTheBloggerDE macht die verschiedenen Beiträge auffindbar und kuratiert somit eine Übersicht der deutschsprachigen Blogosphäre auf Instagram.

Was Blogger*innen eigentlich sind, ist bei der heutigen Vielfalt an Möglichkeiten, im Netz zu publizieren, nicht mehr ganz klar zu benennen. Textlastige Blogs, so wie Netzpiloten.de als ein Urgestein der hiesigen Blogosphäre, sind es nicht mehr alleine. Heutzutage drehen Blogger*innen auch Videos für YouTube, posten Fotos auf Instagram oder bieten snackable Content auf Snapchat, Twitter oder sonst wo an. Die zweite #MeetTheBloggerDE-Challenge ist auch eine Chance, sein Bild von Blogger*innen einmal grundlegend aufzufrischen.

Image by Anne Häusler

Sondereinladung in diesem Jahr für Business-Blogger

„Das Charmante an dieser Challenge ist ja gerade, dass wir dadurch alle die Möglichkeit haben, neue Themen und Formate zu entdecken“, schreibt Anne Häusler. Einen Schwerpunkt möchte sie deshalb in diesem Jahr auf das Thema Business-Blogger legen und lädt diese zur Challenge ein: „Egal ob dein Blog dein Unternehmen ist oder ob du mit deinem Blog dein Business unterstützt: die Challenge ist eine super Möglichkeit, die Geschichte hinter deiner Marke zu erzählen und deinen Fans und Kunden einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren!“

Der Aufruf und die Möglichkeit der Teilnahme richtet sich übrigens auch an Blogger*innen aus Österreich und der Schweiz, die zusätzlich noch den Hashtag #MeetTheBloggerAT oder #MeetTheBloggerCH verwenden können, damit sie sich ebenfalls besser untereinander finden können. Auf ihrem Blog bietet Anne Häusler auch noch einen Planer für die Challenge an, den man sich ausdrucken kann. Und wer kein Instagram nutzt, kann unter dem Hashtag #MeetTheBloggerDE auch auf anderen sozialen Netzwerken von sich berichten.

Sichtbarkeit als Wert an sich

Einen Social-Media-Profi wie Anne findet man neben Instagram selbstverständlich auch auf Facebook und Twitter. Sie lebt Sichtbarkeit, den wohl wichtigsten Wert von Blogger*innen, konsequent und vorbildlich vor. Daran können sich andere wiederum ein Beispiel nehmen und somit auch einen Mehrwert für die bloggende Community an sich leisten. Denn durch die Sichtbarkeit des Einzelnen wird auch das Bild, wer oder was Blogger*innen sind und was sie so machen, klarer und verständlicher. Wir sind schon lange keine Exoten mehr.

Doch eine elitäre Gruppe an Publizisten sind wir auch nicht. Die #MeetTheBloggerDE-Challenge schafft eine Wahrnehmung für unsere Szene, erdet aber zugleich auch, denn die 14 Fragen für den Zeitraum der ersten beiden Mai-Wochen zeigen auch die Menschen hinter den bloggenden Profilen. Hier wird gezeigt, dass wir uns alle auch etwas ähnlich sind und uns gar nicht gegenseitig fürchten oder als Konkurrenz betrachten müssen, sondern viel mehr als Teil der gleichen Szene. Diese Wahrnehmung allein verbindet (uns) schon miteinander.

Auf annehaeusler.de findet Ihr mehr Informationen zur #MeetTheBloggerDE-Challenge!


Teaser & Image (adapted) by bykst (CC0 Public Domain)


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Die Netzpiloten sind Partner der CUBE Tech Fair

Partnergrafik_Cube

Die CUBE Tech Fair feiert vom 10. Bis zum 12. Mai 2017 Premiere in Berlin. Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine Weltausstellung der Moderne. Prominente Gäste werden bei der Eröffnung dabei sein, darunter Apple Co-Founder Steve Wozniak, US-Schauspielerin Robin Wright und Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries. Ab 2018 wird die CUBE Tech Fair jedes Jahr in der Hauptstadt stattfinden.

Im Vorfeld der Veranstaltung konnten sich 200 der weltweit innovativsten Startups qualifizieren, um ihre Ideen einem geladenen Publikum zu präsentieren. Die Firmen kommen aus dem B2B-Bereich, unter anderem aus den Branchen Digital Health & Life Sciences, Infrastructure & Interconnectivity sowie Machinery & Manufacturing. Weiterhin sind auf der CUBE Tech Fair über 200 Konzerne auf C-Level vertreten, außerdem 100 internationale Journalisten und Blogger sowie insgesamt rund 3.000 Gäste.

Innovatives Live-Programm

Auf dem Programm stehen Vorträge, Diskussionsrunden und Interviews mit internationalen Experten aus Industrie 4.0, der Digitalbranche und der Start-up-Welt. Live auf der Bühne und an den Messeständen werden konkrete Innovationen vorgestellt:

  • StoreDot & DHL zeigen ihr gemeinsames Projekt erstmalig der Öffentlichkeit
  • der gedruckte 3D Olli Bus von Local Motors wird ausgestellt
  • Team Uniti wird ihre Kuka Robots auf der Tech Fair ausstellen

Ein weiterer Programmpunkt ist das Finale der CUBE Challenge, ein Wettbewerb, bei dem das innovativste Startup eine Million Euro gewinnt, einer der höchstdotierten Preise für Startups weltweit. Der Gewinner wird von einer Expertenjury gekürt, zu der unter anderem Steve Wozniak zählt.

Der Veranstaltungsort ist der CityCube in Berlin. Hier könnt ihr euch Tickets für die Veranstaltung sichern.

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Zwei Tech-Startups wollen Rückenschmerzen per App heilen

Image by Ramin Waraghai and Thomas Kirchner

Das Ziehen in der Schulter, der Schmerz im Lendenwirbel, die Verspannung im Nacken – fast jeder Deutsche leidet in irgendeiner Form unter Rückenschmerzen. Aktuelle Studien zeigen, dass 62 Prozent der Deutschen im täglichen Leben von Rückenschmerzen beeinträchtigt werden und nur 7 Prozent der Bevölkerung von sich sagt, sie habe gar keine Schmerzen im Rücken. Rückenschmerzen sind daher eindeutig Volkskrankheit Nummer eins in Deutschland.

Kein Wunder, dass wir heute am 15. März bereits zum 16. Mal den „Tag der Rückengesundheit“ feiern. Wenig verwunderlich ist bei dieser Ausgangslage aber auch, dass viele Unternehmen das Thema „Rückengesundheit“ als Einnahmequelle entdeckt haben. Gerade junge Tech-Startups drängen mit innovativen Ideen in diesen Markt vor – und stellen traditionelle Behandlungsmethoden auf den Kopf. Sie behaupten, dass sie die Leiden im Rücken per App lindern können.

App an, Schmerzen weg?

Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Wir installieren eine Applikation auf unser Smartphone oder auf den Computer und schon sind alle Rückenschmerzen weg. Ganz so einfach ist es natürlich nicht und wer glaubt, dass ein einfacher Swipe auf dem Handy alle Schmerzen wegwischt, der muss wohl noch einige Jahrzehnte warten.

Dennoch glauben junge Gründer, dass sie Rückenschmerzen mit einer App effektiver lindern können als mit einer traditionellen Physiotherapie oder OP. Zu diesen Gründern gehören Ramin Waraghai und Konstantin Mehl. Beide behaupten, dass ihre Apps Patienten mit Rückenleiden besser und kostengünstiger helfen können als eine klassische Behandlung. Weder Waraghai noch Mehl stellen dabei leere Behauptungen auf, sie haben dies nicht nur in klinischen Studien mit ihren Applikationen nachweisen können, sondern zunächst selbst am eigenen Körper erfahren.

ramin3 (Image by Stefan Sträter)
Image by Stefan Sträter

Ramin Waraghai studierte Sportwissenschaften und spielte bei Fortuna Köln in der vierten Liga regelmäßig Fußball. All das schien plötzlich zu Ende zu sein, als er mit 23 Jahren neben seinen ohnehin schon chronischen Rückenschmerzen auch noch einen zweifachen Bandscheibenvorfall und einen Knorpelschaden erlitt. Selbst zwei Operationen und eineinhalb Jahre Reha schienen ihm aber nicht helfen zu können. So begann er eine fünfjährige Recherche und landete schließlich bei Rückenexperten der multimodalen Therapie in den USA.

Auch Konstantin Mehl litt viele Jahre selbst an starken Rückenschmerzen und auch er fand eine Lösung dafür – in den USA. Als ihm eine Professorin eines Schmerzzentrums dort die multimodale Schmerztherapie empfahl, war er sehr skeptisch, wie er im Netzpiloten-Gespräch erklärt: „Wenn dir jemand sagt, dass du nach jahrelangem Kampf deine Rückenschmerzen in vier Wochen loswerden kannst, ist das natürlich schwer zu glauben. Ich habe es aber einfach mal ausprobiert. Die Schmerzen waren zwar nicht sofort weg, aber ich habe tatsächlich nach vier Wochen fast kaum noch Schmerzen gespürt.“

Mehl und Waraghai waren beide begeistert von der modularen Therapie, in der physische Übungen mit Hintergrundwissen zum Thema „Rückenschmerzen“ und Entspannungsübungen kombiniert wurden. Studien zeigen tatsächlich, dass diese Form der Schmerzbehandlung viel effektiver sein kann als reine Physiotherapie oder eine OP allein. So dauerte es nicht lange, bis Konstantin Mehl und Ramin Waraghai ihre Rückenapps entwickelten.

Mehl gründete mit einem Team von Experten die Kaia Health Software GmbH. „Kaia“ ist japanisch und bedeutet so viel wie „Ort der Entspannung“. In der Applikation hat Mehl ein ganzheitliches Rückentraining in digitaler Form zusammengestellt, das sich individuell an die Nutzer anpasst. Die App kann auf dem PC, auf dem Smartphone sowie auf dem Tablet installiert werden und ist ab April für ein monatliches Abo von rund 8 Euro zu haben. Um Kaia zu testen, können Nutzer die App zunächst sieben Tage lang gratis ausprobieren.

Zum Einstieg beantworten Nutzer einen Fragebogen zum allgemeinen Wohlbefinden und konkreten Rückenproblemen. Danach wird ein Trainingsprogramm generiert. Es kann eingestellt werden, wie oft man pro Woche trainieren möchte und ob die App eine Erinnerungsfunktion per Mail oder SMS schicken soll. Jede Übung wird dann zunächst im Video gezeigt, bevor die User sie dann selbst nachmachen können. Am Ende jeder Übungseinheit, können Nutzer dann bewerten, ob die Einheit für sie zu schwer, zu einfach oder nicht relevant war. Diese Eingaben werden dann gespeichert, um so das Trainingsprogramm Schritt für Schritt an den Nutzer anzupassen. „Die Idee ist, dabei das ideale Trainingsprogramm für jeden Nutzer individuell erstellen zu können. Je mehr User wir haben und je mehr Angaben wir bekommen, umso präziser und schneller können wir die perfekte Trainingsroutine für jeden Nutzer voraussagen.“ Jede Trainingseinheit dauert 15 bis 30 Minuten und ist in drei Teile gegliedert: Übungen, Entspannung und Wissensvermittlung. In jedem Bereich können Anwender bewerten, ob ihnen die Einheit gutgetan hat oder ob es Verbesserungsbedarf gibt.

Rückenapp-Nutzer verspüren weniger Schmerzen

6.000 aktive User hat die CE- und TÜV-zertifizierte Kaia-App derzeit. Sie entspricht den Standards der Nationalen Versorgungs Leitlinie. Ab April werden alle großen Krankenkassen in Deutschland das Rückenprogramm aufnehmen, sodass Nutzer die Kosten ganz oder teilweise erstattet bekommen können. Mehl ist fest davon überzeugt, dass ein Rückentraining per Kaia-App tatsächlich mehr motivieren kann als die klassische Behandlung: „Ich glaube, dass wir im aktuellen Gesundheitssystem zu oft operieren und zu oft Schmerzmittel verschreiben und dadurch auch einen passiven Patientein schaffen. Bei unserer App bekommen Nutzer nicht einfach eine Spritze, sie müssen selbst aktiv werden. Das motiviert einfach mehr.” Hinzu kommt, dass nach den Angaben der Kaia-Nutzer ihre Schmerzen innerhalb von 20 Tagen mit dem Trainingsprogramm um 40 Prozent reduziert werden konnten.

Ähnliche Erfolge kann auch Ramin Waraghai mit seiner „Rücken Fit Challenge“ aufweisen. Bei einem Testlauf der App waren die Rückenschmerzen der Teilnehmer im Schnitt nach sechs Wochen nur noch halb so stark. Die Rücken Fit Challenge gibt es derzeit nur für Desktop, Waraghai und sein Team arbeiten aber bereits an einer Smartphone-Version der App. Die aktuelle App konzentriert sich auf ein sechswöchiges Trainingsprogramm, das insgesamt 97 Euro kostet.

Die Rücken Fit Challenge arbeitet dabei mit dem M.Ü.H.E.-Konzept (Mentale Einstellung, Übungen, Haltung und Ernährung) und gibt Nutzern neben den Trainingseinheiten auch viele Motivationstipps zur Hand. Ähnlich wie Kaia arbeitet auch die Rücken Fit Challenge mit Videos. Nach einem sehr ausführlichen Selbsttest am Anfang, wird für die Nutzer eins von insgesamt 128 Trainingsprogrammen generiert. Hier wird den Nutzern dann die jeweilige Übung in einem Video vorgemacht. Dabei bekommt man auch gezeigt, welche Fehlstellungen vermieden werden sollten. Im Anschluss kann das Video dann bewertet werden. Es gibt auch die Möglichkeiten zwischen einfachen und schweren Übungen zu wählen.

Eine Trainingseinheit dauert insgesamt etwa eine Stunde, empfohlen werden zwei Einheiten pro Woche. Nach den ersten zwei Wochen, gehen Nutzer in die „Phase Zwei“ über, nach weiteren zwei Wochen in „Phase Drei“, bei denen die Übungen jeweils etwas schwerer werden. Neben den Übungen gibt es Informationen zu Haltungen im Alltag, Ernährung sowie ein Forum, in dem Nutzer sich austauschen und Fragen stellen können. „Wir glauben einfach, dass ein reines Übungsprogramm nicht besonders effektiv ist“ , sagt Waraghai gegenüber den Netzpiloten, „Rückenschmerzen können von so vielen verschiedenen Faktoren ausgelöst werden und oft kann man gar nicht genau sagen, woher der Schmerz kommt. Es ist daher wichtig, dass unsere Nutzer lernen, dass die Auseinandersetzung mit Rückenschmerzen ein ganzheitlicher Prozess ist.“

Kostenfaktor Rückenschmerzen

Die Rücken Fit Challenge ist von der Zentralen Prüfstelle Prävention zertifiziert und ebenfalls von allen großen Krankenkassen in Deutschland als Rückenpräventionsprogramm aufgenommen worden. „Gesundheitsapps wie die Rücken Fit Challenge sind derzeit wirklich rasant im Wachstum”, erklärt Waraghai. Kein Wunder: Rückenschmerzen kosten die Krankenkassen und die Wirtschaft jährlich 48,9 Milliarden Euro.

Applikationen wie die Rücken Fit Challenge oder Kaia sind da sehr vielversprechend, nicht nur für die Krankenkassen, sondern auch für Arbeitgeber. Patienten können die Behandlungen bequem von zu Hause machen und müssen dafür nicht mehr in spezielle Reha-Zentren fahren. Das spart Zeit und Geld. Hinzu kommt, dass die Programme sich so viel individueller gestalten lassen. Patienten können selbst bestimmen wann und wie oft sie die Übungen machen wollen und dadurch, dass sie ein ganzheitliches Programm und nicht nur trockene Übungen, angeboten bekommen, sind die Abbruchraten gering.

Physiotherapeuten kritisieren dennoch, dass solche Apps die Betreuung durch einen Experten nicht ersetzen können. Es stimmt natürlich, dass Nutzer, selbst mit guten Videoanweisungen, schwer selbst prüfen können, ob sie die Übungen richtig machen. Genau deshalb arbeiten sowohl Konstantin Mehl als auch Ramin Waraghai an der Einführung von Sensorentechniken über Webcams sowie Methoden der Virtual Reality. So wollen sie Fehlerquellen beim Nachmachen der Übungen reduzieren und Nutzern in Zukunft ein noch besseres Trainingsprogramm zur Verfügung stellen.

Die Rückenapps im Selbsttest

Soweit klingen die Rückenapps von Kaia und der Rücken Fit Challenge ja sehr vielversprechend. Theoretisch. Doch wie machen sie sich in der Praxis? Ich habe es mir natürlich nicht nehmen lassen, sie im Selbsttest auszuprobieren.

Die Ausgangslage

Die Testperson (das bin ich) ist weiblich, Mitte 30 und leidet seit Jahren unter milden Rückenbeschwerden – hauptsächlich durch ungesunde Haltung am Arbeitsplatz. Ich habe beide Programme jeweils rund zwei Wochen lang (in der PC-Version am Laptop) ausprobiert.

Der erste Eindruck

Mein Trainingsprogramm wird bei Kaia nach dem Beantworten eines Online-Fragebogens erstellt, ich kann direkt mit der ersten Einheit loslegen. Bei der Rücken Fit Challenge (RFC) muss ich erst einen ausführlichen Selbsttest mitmachen und erhalte dann mein individuelles Trainingsprogramm.

Kaia wirkt bei der ersten Anwendung intuitiver und ich verstehe das Konzept sofort, während ich bei der RFC erst das Tutorial lesen muss, um genau zu verstehen, wie das Training aufgebaut ist. Im direkten Vergleich machen beide Apps aber einen kompetenten Eindruck und liefern mir einen positiven Einstieg. Ich bin motiviert, die Programme weiter mitzumachen.

Die Übungen

Mein Training beginnt bei der RFC mit einem Aufwärmtraining, Kaia legt direkt los. Die Übungen werden dabei bei beiden Apps durch Videos vorgemacht. Bei der RFC wird dabei beim ersten Mal auch sehr ausführlich erklärt, was man falsch machen kann, was sehr hilfreich für die richtige Ausführung der Übungen ist. Bei beiden Apps ist die Ausführung leicht nachzuvollziehen.

Beide Applikationen können das Programm auf die eigenen Bedürfnisse, vor allem nach Schwierigkeitsgrad, anpassen. Bei Kaia bewerte ich direkt im Anschluss an jede Übungseinheit (zu einfach, zu schwer, zu lang, zu kurz oder nicht relevant) – was dann im weiteren Training beim nächsten Mal angepasst wird. Viele Übungen schienen mir beispielsweise sehr einfach. Beim nächsten Mal zeigt mir die App dann auch auf meinen Wunsch hin schwierigere Ausführungen. Bei der RFC kann ich das Video an sich bewerten und zwischen einfachen und schweren Formen der Übungen wählen. Das Programm stellt dabei die Übungen nicht automatisch um, man kann den Schwierigkeitsgrad aber manuell verändern.

Full Disclosure: Macht euch auf Muskelkater gefasst!

Die Module

Beide Apps legen viel Wert darauf, nicht „nur“ Übungen vorzumachen, sondern ein ganzheitliches Konzept zu vermitteln. So kommt im Anschluss an die Übungen bei beiden Apps ein Abwärmtraining beziehungsweise ein Entspannungtraining, gefolgt von Informationen rund um das Thema Rücken.

Besonders schön sind hierbei die Tipps zur Rückenhaltung im Alltag bei der RFC – ich konnte dadurch allein schon Nackenschmerzen beim Arbeiten am Laptop reduzieren. Die RFC hat darüber hinaus auch ein Informationsblatt für die verschiedenen Trainingseinheiten. Darin bekommt man zum Beispiel Motivationstipps und persönliche Challenges („Tweete, dass du die RFC mitmachst“), die ich sehr hilfreich fand, um das Programm auch in meinen Alltag zu integrieren und mich selbst motiviert zu halten.

Auch wenn ich am Anfang skeptisch war: Diese ergänzenden Module sind sehr interessant und hilfreich. Ich habe viel über die Ursachen meiner Schmerzen und Lösungsansätze gelernt und so ein besseres Verständnis für meine Rückenbeschwerden bekommen.

Die Ausführung

Neben den Übungen selbst, habe ich auch auf die technische Umsetzung und das Drumherum geschaut. Wie sieht es beispielsweise mit einer Offline-Version der Übungen aus?

Mit Kaia kann man die Videos tatsächlich auch herunterladen und die Übungen so gegebenenfalls auch offline machen (sehr hilfreich bei langsamer Internetverbindung). Das Programm funktioniert aber logischerweise nur online als Ganzes, trotzdem kann es hilfreich sein, das eine oder andere Video herunterladen zu können.

Bei der RFC kann man sich erst nach der allerersten Übungseinheit das Trainingsprogramm herunterladen – allerdings nur in Text- und Bildform, als PDF-Datei.

Kaias Übungseinheiten sind insgesamt kürzer, dafür trainiert man öfter pro Woche. Hier ist es wahrscheinlich Typfrage, ob man lieber zwei ausführliche Einheiten pro Woche oder mehrere kleine bevorzugt. Mir haben die kurzen Einheiten besser gefallen, denn ich kann mich eher zu 15 Minuten Training zwischendurch aufraffen als zu einer Stunde.

Fazit

Die Übungen in beiden Programmen schienen sehr gut zu meinen Schmerzzentren zu passen und ich habe bei beiden schon nach wenigen Anwendungen Besserung gespürt (siehe Muskelkater).

Während ich vor allem aus der RFC viele hilfreiche Tipps für meinen Alltag ziehen konnte, fand ich die Strukturierung des Trainings von Kaia intuitiver und die kürzeren Einheiten passender für meinen recht vollen Tagesplan. Insgesamt bieten aber beide Apps Nutzern effektive, ganzheitliche Programme gegen Rückenschmerzen an.

Die Apps im direkten Vergleich

  KAIA RÜCKEN FIT CHALLENGE
Behandlungsziel Schmerztherapie und Prävention Prävention
Methodik Modulare Schmerztherapie M.Ü.H.E.
Dauer Programm Monatspakete, beliebige Dauer Derzeit auf 6 Wochen begrenzt, kann offline mit PDF-Unterlagen weitergeführt werden
Kosten 7,49 Euro/ Monat (7 Tage Gratistest) 97 Euro / 6 Wochen
Rückerstattung Krankenkassen Ab April 2017 Ja
Individuelles Trainingsprogramm Alle Übungen können einzeln bewertet werden, Programm wird nach jedem Training individuell angepasst Individuelles Programm nach Selbsttest erstellt, danach Schwierigkeitsgrad anpassbar, Videos können bewertet werden
Hilfestellungen Chatfunktion Forum
Erforderliche Hilfsmittel für die Übungen Matte oder bequeme Unterlage, Handtuch Matte oder bequeme Unterlage, Handtuch, langer Stab, Wand
Plattformen Desktop, Tablet, Smartphone (Android und Apple) Aktuell nur Desktop, Smartphone-App in Entwicklung

Image by Ramin Waraghai and Konstantin Mehl


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Memes und die Wissenschaft des viralen Hits

Grumpy Cat (adapted) (Image by Gage Skidmore [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

WHO LET THE DOGS OUT? WHO-WHO-WHO-WHO-WHO? WHO LET THE DOGS OUT?

Falls du jemals den Baha-Men-Hit „Who Let the Dogs Out“ aus dem Jahr 2000 gehört hast, wirst du wahrscheinlich schon die Erfahrung gemacht haben, dass der etwas nervige, aber sehr eingängige Refrain für mehrere Stunden als Ohrwurm in deinem Kopf herumspukte.

Wenn du ihn im Laufe des Tages leise vor dich hingesummt hast, hat dich vielleicht jemand gehört und sich ein paar Minuten später bei dir beschwert, dass du ihm diesen Ohrwurm in den Kopf gesetzt hast. Der Refrain des Songs scheint die Fähigkeit zu besitzen, von einem Gehirn zum nächsten zu springen. Und vielleicht springt er sogar von dem Webbrowser, den du gerade benutzt, auf dein Gehirn über. In der Tat ist es möglich, dass du dir diesen Refrain gerade selbst vorsingst. Etwas Ähnliches geschieht im Internet, wenn Dinge viral werden – scheinbar ohne Sinn und Verstand liken, teilen, retweeten und beschäftigen sich die Leute online mit bestimmten Dingen.

Zum Beispiel wurde ein Foto der sogenannten Grumpy Cat online so oft geteilt, dass es im Jahr 2013 die Auszeichnung der „größten Einzelleistung des Jahres“ erhielt. Die Besitzerin von Grumpy Cat, deren wirklicher Name Tardar Sauce lautet, macht deutlich, dass sie nicht ahnte, dass das ursprünglich auf Reddit gepostete Katzenfoto überhaupt etwas Besonderes wäre.

Aus heiterem Himmel heben einige Social-Media-Aktionen so sehr ab, dass man sie unmöglich ignorieren kann. Im Jahr 2014 erwähnten und teilten mehr als 3 Millionen Menschen innerhalb von weniger als drei Wochen sogenannte #IceBucketChallenge-Videos. Nachdem diese zum viralen Hit wurden, hat die Challenge mehr als 100 Millionen US-Dollar an Spenden für die ALS Association eingebracht. In anderen Fällen jedoch verkümmern Aktionen in den digitalen Medien. Andere lustige Katzenfotos und Challenges werden ignoriert und weder geteilt noch retweetet.

Warum und auf welche Weise unterliegen wir dem Drang, bestimmte kulturelle Elemente wie Songs, Videos, Texte und Bilder zu reproduzieren und zu teilen? Ist es einfach nur Zufall und die Gnade fremder Internetnutzer? Der Grund mag weniger mit Zufall und mehr mit dem kontroversen Themenfeld der Memetik zu tun haben, das sich mit der Frage beschäftigt, wie sich kleine kulturelle Schnipsel unter uns verbreiten.

Als Leiterin des Zentrums für Urheberrechtsgesetze der Drake University Law School habe ich Memes und ihre Beziehung zu viralen Medien untersucht. Man kann die Verbindung zwischen Memetik und der Frage, was bestimmte Medien dazu befähigt, millionenfach geteilt und reproduziert zu werden, kaum ignorieren. Unternehmen und Einzelpersonen täten gut daran, zu verstehen, ob es tatsächlich eine Wissenschaft des viralen Hits gibt und wie diese für Kampagnen genutzt werden kann.

Die Idee von „Memes“ basiert auf Genen

Der Begriff „Memetik“ wurde erstmals von dem Evolutionsbiologen Richard Dawkins in seinem berühmten Buch „Das egoistische Gen“ von 1976 benutzt. Er stellte eine Theorie darüber auf, wie kulturelle Informationen entwickelt und von Mensch zu Mensch übertragen werden. In der Art, wie ein Gen ein individuelles Paket genetischer Information darstellt, so sein Ansatz, ist ein Mem ein ähnliches Paket kultureller Information. Wenn eine Person eine andere imitiert, wird laut Dawkins ein Mem an den Imitator weitergegeben, in ähnlicher Weise, wie etwa blaue Augen durch die Gene von den Eltern an ihre Kinder weitergegeben werden.

Die Memetik stützt sich auf die Theorie der darwinistischen Evolution. Sie legt nahe, dass Meme miteinander konkurrieren, sich reproduzieren und weiterentwickeln, genau wie Gene dies tun. Nur die stärksten überleben. Meme kämpfen also erbittert um Raum und Vorherrschaft in unserem Gehirn und in unserem Verhalten. Diejenigen, die durch weit verbreitete Nachahmung Erfolg erlangt haben, haben sich für die Wiederholung und Kommunikation am besten entwickelt. Ein Mem kann nicht von einzelnen Individuen kontrolliert werden – viele Menschen können dem Mem gleichzeitig als Träger dienen.

Es ist schwierig, genau zu erklären, was alles unter den Begriff „Mem“ fallen könnte. Gewöhnlich stellen Wissenschaftler jedoch fest, dass ein Mem eine Phrase, eine eingängige Melodie oder eine Verhaltensweise sein kann. Dawkins zögerte, den Begriff klar zu definieren, aber er merkte an, dass Melodien, Ideen, eingängige Phrasen, Kleidermoden, sogar auch bestimmte Arten, wie man Töpfe herstellen oder Torbögen bauen kann, Meme sein könnten. Die Memetik legt nahe, dass Meme schon so lange existieren, wie es Menschen auf der Erde gegeben hat.

Eine geläufige Darstellung ist das Speichenrad-Mem. Es geht zurück auf den Philosophen Daniel C. Dennett„Ein Wagen mit Speichenrädern trägt nicht nur Getreide oder Fracht von Ort zu Ort; es trägt auch die geniale Idee eines Speichenradwagens von Geist zu Geist.“ Die erste Person, deren Hirn das Speichenrad-Mem in sich trug, baut einen Speichenradwagen. Andere werden diesen ersten Wagen sehen, dasselbe Mem reproduzieren und mit dem Bauen von Wagen fortfahren, bis es Hunderte, Tausende oder Millionen von Speichenradwagen gibt. In den frühen Tagen der Menschheit konnte sich so ein Mem schnell fortpflanzen, weil man sich in einer Welt befand, in der Alternativen nur selten vorhanden waren.

In der Memetik geht es um mehr als nur die Frage, was eine Sache populär macht. Die stärksten Meme – jene, die sich in den meisten Köpfen reproduzieren – sind verantwortlich für die Entstehung und Entwicklung der menschlichen Kultur.

Vom Geist ins Internet

Heute ist das Internet-Mem, von den meisten Leute mittlerweile einfach Meme genannt, ein kleines Medium, das online kopiert wird und sich schnell verbreitet. Eine der ersten Verwendungen der Idee des Internet-Mems entstand 1994, als Mike Godwin, ein amerikanischer Anwalt und Experte für Internet-Recht, den Begriff „Meme“ benutzte, um die rasche Verbreitung von Ideen im Netz zu charakterisieren. Er hatte festgestellt, dass in unterschiedlichen Newsgroups und virtuellen Communities bestimmte Nutzer, wenn sie unliebsame Kommentare hinterließen, als „nazimäßig“ oder „Hitler-ähnlich“ etikettiert wurden. Godwin nannte dies das Nazi-Vergleichs-Meme. Es tauchte immer und immer wieder auf, in den verschiedensten Arten von Diskussionen mit Nutzern aus aller Welt, und Godwin staunte über die „eigentümliche Unverwüstlichkeit“ des Memes.

Über 20 Jahre später ist das Wort „Meme“ zu einem festen Bestandteil unseres Lexikons geworden und wurde benutzt um alles Mögliche zu beschreiben, von Ermahgerd Girl über Crying Jordan bis hin zu Gangnam Style. In der heutigen Welt hat jedes Meme eine Menge Konkurrenz. Amerikaner verbringen durchschnittlich 11 Stunden pro Tag damit, mithilfe von digitalen Medien zu interagieren. Australier verbringen 10 Stunden pro Tag mit internetfähigen Geräten, während Lateinamerikaner mehr als 12 Stunden täglich mit Medienkonsum verbringen. Rund um die Welt erhalten die Menschen permanent Tausende von Fotos, Videos und andere Nachrichten. Herauszufinden, welche dieser Elemente die meiste Aufmerksamkeit erlangen, könnte für die Entwickler digitaler Inhalte einen erheblichen Vorteil bedeuten.

Memes manipulieren, damit sie viral gehen?

Das Internet-Meme und das wissenschaftliche Mem sind nicht identisch. Das Internet-Meme wird typischerweise bewusst durch die menschliche Erfindungsgabe variiert, während das wissenschaftliche Mem, das eingeführt wurde, bevor sich das Internet durchsetzte, zufällige Veränderungen und exaktes Kopieren beinhaltet. Darüber hinaus sind Internet-Memes beobachtbar dank ihrer Präsenz in den sozialen Medien, während wissenschaftliche Meme (zumindest bis jetzt) nicht beobachtbar sind, weil sie keine physische Form und keine Spuren hinterlassen. Dawkins hat jedoch festgestellt, dass das Internet-Meme und das wissenschaftliche Mem eindeutig verwandt und miteinander verbunden sind.

Was sind die Ursachen dafür, dass sich ein Meme besser verbreitet als das andere? Einige Forscher sagen, dass Memes bestimmte Eigenschaften entwickeln, die „gute Kniffe“ genannt werden, und die ihnen Wettbewerbsvorteile verschaffen, wie zum Beispiel:

  1. wirklich nützlich für einen menschlichen Träger zu sein
  1. für das menschliche Gehirn leicht nachahmbar zu sein und
  1. Fragen zu beantworten, die für das menschliche Gehirn interessant sind.

Zum Ersten: wenn ein Meme wirklich nützlich für Menschen ist, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass es sich verbreitet. Speichenradwagen haben sich schnell verbreitet, weil die frühen Menschen große Mengen von Fracht transportieren mussten.

Zum Zweiten: Memes, die leicht zu kopieren sind, haben einen Wettbewerbsvorteil gegenüber solchen, die es nicht sind – ein eingängiger Refrain wie „WHO LET THE DOGS OUT“ lässt sich leichter rekonstruieren als die Zeilen in U2s Numb, der als einer der am schwierigsten zu verstehenden Popsongs bezeichnet wird.

Zum Dritten: Memes, die drängende Fragen beantworten, werden sich sehr wahrscheinlich verbreiten. Schau dich in einer beliebigen Buchhandlung um und du wirst zahlreiche Bücher über deine Bestimmung im Leben, über die Frage nach dem Sinn des Lebens, oder darüber, wie man schnell und effektiv Gewicht verliert, finden – alles Themen, die für viele Menschen von großem Interesse sind.

Die Memetik legt nahe, dass große Vorteile darin liegen, ein starkes Mem nach Dawkins ursprünglicher Definition mit digitalen und anderen Inhalten zu kombinieren. Wenn es eine wissenschaftliche Erklärung für starke Reproduktion gibt, können Marketing- und Werbestrategien in Verbindung mit starken Memen die Geheimnisse des Teilens und Verbreitens viraler Medien offenlegen.

Die Antwort auf solche Geheimnisse könnte in Songs wie „WHO LET THE DOGS OUT“ liegen. Summst du es schon vor dich hin?

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Grumpy Cat“ by Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0)


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Netzpiloten sind Partner von Corporate Startup Summit 2016

Intrapreneure aufgepasst: Auf dem Corporate Startup Summit findet man innovative Problemlösungsansätze und den Austausch mit anderen Innovationsexperten. Darum am 19. – 20.Oktober ab nach Frankfurt.

Besucher haben die Möglichkeit, Innovationen für Unternehmen kennen zu lernen, bei Workshops teilzunehmen und Best Practice Slams zu genießen. Im Rahmen des Summits wird zum zweiten Mal der Corporate Startup Award als Auszeichnung für die erfolgreichsten Gründerinitiativen ambitionierter Mittelständler, etablierter Großkonzerne und DAX-Unternehmen bei einem feierlichen Gala Dinner vergeben.
Dieses Jahr mit dabei: Die Intrapreneur Challenge vom 17.-19.Oktober! Wieso also nicht mal mit dem Bus reisen? Teilnehmer können auf Innovationsreise gehen und in drei Tagen im mobilen Konferenzraum durch München zum Corporate Startup Summit Award fahren. Die Bushaltestellen: Startups, Corporates und Universitäten!

+++ Gewinnspiel +++

Kurz vor dem Start von Corporate Startup Summit 2016 könnt ihr bei uns noch drei Tickets für das Event gewinnen. Schreibt und einfach eine Mail mit dem Betreff „Corporate Startup Summit“ an gewinn@netzpiloten.de. Bis zum 29.09. – 17 Uhr habt ihr dafür Zeit. Viel Glück!
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„Nerve“: Wetten wir bald auf das Leben unserer Social-Media-Idole?

Am Donnerstag startet ein Zuckerwatte-Thriller in den Kinos, der sich mit den sozialen Medien auseinandersetzt. Spannend daran ist weniger die Machart als das Thema selbst. Denn hier trifft Live-Streaming auf riskante Mutproben. „Nerve“ ist der Titel eines nicht ganz legalen Online-Spiels, in dem die Menschen entweder Player oder Watcher sind.

Die Player erwartet das große Geld und Watcher zahlen immense Summen, um a) in den Profilen der Player herumschnüffeln zu dürfen, diese b) zu riskanten Challenges herauszufordern und c) zuschauen zu können, wenn es an die Umsetzung geht. Richtig perfide kann es werden, weil sich die Watcher dank der gesammelten Informationen aus den Social-Media-Profilen natürlich die Vorlieben und Ängste der Player zunutze machen. Ein Geheimnis vor den Eltern kann somit schnell zum Druckmittel werden, um den Player auch zur nächsten Mutprobe zu überreden – bis es richtig gefährlich wird.

Der Film startet mit dem Computer-Bildschirm von Vee (Emma Roberts, „Palo Alto“). Erst öffnet sie Spotify, startet einen Powerpop-Track von Lowell feat. Icona Pop, liest eine Mail, browst ein wenig durch Fotos und schon klingelt Facetime. Durch die Computer-Kamera bekommen wir die Hauptdarstellerin nun das erste Mal zu Gesicht. Ein cleverer Schachzug, bedenkt man die Prämisse des Werks. Hier wird Online First gelebt!

Obwohl die Zielgruppe des Social-Media-Krimis eher Schüler und Studenten sein dürften und alles auf Highschool-Teenie-Konflikte hinausläuft, kann man sich doch über den Zeitgeist erfreuen, den „Nerve“ von der ersten bis zu letzten Minute hinterfragt. Müssen wir alle Dinge online teilen, damit sie auch eine Wirkung für uns haben? Ist es gesund, dass ein andauernder Wettkampf um Likes, Shares und Views stattfindet? Und wie schnell lassen wir uns online in Rollen drängen, die uns eigentlich gar nicht entsprechen?

Die Mechanismen hinter „Nerve“ sind gar nicht mal so unrealistisch. Schon heute ist Aufmerksamkeit die absolute Währung in den sozialen Medien. Wenn Facebook beispielsweise ein neues Feature ausrollt, schenkt es den Anwendern auch Reichweite. Wer zuerst Videos postet, wird im Feed bevorzugt angezeigt. Wer zuerst Live-Streams anbietet, bekommt Mitteilungen an seine Follower geschenkt. Erst nach und nach wird die organische Reichweite wieder eingeschränkt, damit die Seiteninhaber Geld in die Hand nehmen, um ihre potentielle Reichweite auch auszuschöpfen.

„Nerve“ fügt diesem Prozess den Nervenkitzel hinzu. Außerdem stellt der Film die These auf, dass wir tatsächlich auch Geld in die Hand nehmen würden, um Teil der Lebenswelt unserer Social-Media-Ikonen zu werden. Schließlich ist es ein großer Spaß, an ihrem Alltag teilhaben zu können – informativ, unterhaltsam und orientierend zugleich.

Man stelle sich nur vor, dass Casey Neistat nicht mehr nur sein tägliches Video-Tagebuch veröffentlicht, sondern andauernd die Kamera mitlaufen lässt. Näher geht’s nicht! Und dann ist es schon nicht mehr so weit, bis uns der Live-Chat allein nicht länger genügt und wir Gefallen daran finden, die Ereignisse aktiv beeinflussen zu können. Warum auch nicht? Wir bezahlen ja schließlich dafür.

Erinnert sich noch jemand an „Second Life“? In der virtuellen Welt konnte jeder sein, wer er wollte. Von Außenstehenden wurde man allerdings immer schräg beäugt, weil das alles ja nicht echt sei. Guess what: Dank Live-Streaming, Virtual-Reality-Brillen und ein bisschen Geld-Motivation könnten wir schon bald wirklich ein „First Life“ erleben. Und quasi direkt in die Haut von jemanden schlüpfen, den wir in der Realität steuern.

Das Online-Spiel in „Nerve“ wirkt gegen diese Vorstellung noch harmlos. Kein Wunder, stammt die Jugendbuch-Vorlage „Das Spiel ist aus, wenn wir es sagen“ doch aus dem Jahr 2012. Instagram und Snapchat kannte zu dem Zeitpunkt noch niemand und auch die Mobilfunknetze waren noch nicht dazu in der Lage, Live-Streams stabil wiederzugeben. Das sieht heute schon ganz anders aus.

Es dürfte daher nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Plattformen den passiven Videokonsum durch Formate der aktiven Teilhabe aufbrechen. Und wenn das soweit ist, werden wir uns gar nicht mehr vorstellen können, wie wir jemals unbeteiligt vor einem Video verharren konnten.

„Nerve“ startet am 08.09.2016 in den Kinos. Der Thriller mit Emma Roberts und Dave Franco („21 Jump Street“) regt zu futuristischen Gedankenspielen ein.


Image by StudioCanal


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Sponsored Post: Castrol EDGE Titanium Challenge #Virtual Drift

Formula Drift Fahrer Matt Powers hat sich der Castrol EDGE Titanium Challenge #Virtual Drift gestellt: „Das war das aufregendste und anspruchsvollste Erlebnis meines Lebens“.

Castrol EDGE Titanium Challenge #DigitalView (Bild: Castrol)

Die Zutaten für die Challenge klingen spannend: Ein Fahrer, sein Auto und ein Oculus Rift Development Kit 2 Headset. Der Fahrer, Matt Powers, trägt das Headset während er fährt und tauscht damit die reale Welt gegen eine virtuelle. Durch ein umgebautes Auto und die Virtual-Reality-Technik wird auf die Bewegungen von Fahrer und Wagen in Echtzeit reagiert und eine Computer-generierte Welt geschaffen. Castrol verbindet somit Videospiel-Technologie mit einem realen Fahrerlebnis.

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Sponsored Post: Ford EcoSport Challenge

Stellt Eure Kreativität unter Beweis und gewinnt neben attraktiven Sachpreisen einen neuen Ford EcoSport.

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Mit dem Aufruf: „Typisch Ford. Untypische Typen gesucht“ startet die Challenge von Ford zur Einführung des neuen Ford EcoSport. Darin haben die Teilnehmer die Aufgabe, spannende Bilder, Videos oder Texte rund um den neuen Ford zu erstellen. Je kreativer die Herausforderungen gemeistert werden, desto mehr Chancen habt ihr auf den Sieg! Weiterlesen »

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Sponsored Post: Die Top 3 vom März 2013

Viel Spaß mit den beliebtesten Videos unseres Sponsored Posts Partners im Monat März:

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Wenn Legenden Fußball spielen, ein Rhinozeros durch London rennt oder sogar normale Menschen zu Paparazzis werden, dann handelt es sich um unsere Sponsored Posts. Wir geben euch nochmal die Möglichkeit den letzten Monat revue passieren zu lassen und zeigen euch unsere persönlichen Highlights der Redaktion.

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Sponsored Post: Volvo Truck Paparazzi

Erwische den neuen Volvo FM, schieße ein Foto und fahre ihn als Erster.

volvo paparazzi challenge

Volvo schickt eines seiner neuen Truck-Modelle – den Volvo FM – auf Europa-Tournee! Und das nicht zum Spaß, sondern um euch die Möglichkeit zu geben ihn auf seiner Reise zu fotografieren. Im Rahmen der Paparazzi-Challenge wird das Siegerfoto eine Reise nach Göteborg ermöglichen, wo Ihr dann die Möglichkeit habt, den Truck einmal selbst zu steuern. Mehr Infos dazu findet Ihr auch auf der Kampagnen-Seite.

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