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Facebook kündigt Verlegern an Instant Articles zugänglich zu machen

reading(Image by mattysimpson (CC0 Public Domain) via Pixabay

Facebook animiert Entwickler dazu ihr Open-Source-Plugin anzupassen, da es bereit ist, im nächsten Monat Instant Articles für alle zugänglich zu machen. Das soziale Netzwerk, das sich darauf vorbereitet, im kommenden Monat Instant Articles allen Verlegern zugänglich zu machen, kündigte vor ein paar Tagen an, dass es mit der Muttergesellschaft von WordPress.com – Automattic – zusammenarbeitet, um ein WordPress-Plugin für Instant Articles herauszugeben. Das Plugin erstellt einen speziellen RSS-Feed, der automatisch Posts zu Instant Articles umwandelt. Das Plugin ist quelloffen und individualisierbar. Seine Dokumentation ist hier auf Github verfügbar.

Facebook teilte mit, es arbeite mit “einer kleinen Gruppe Verlegern” zusammen, die WordPress verwenden, einschließlich Foreign Policy und Zap2it von Tribune Media, um das Plugin zu testen. In einem Blogpost beschrieb Facebook, wie das Plugin die Foreign-Policy-Geschichte in Instant Articles umgewandelt hat:

Das Plugin erkennt beispielsweise das Bild, das im Foreign-Policy-Artikel gefunden wurde, und verwendet dann die geeignete Auflösung, sodass das Foto perfekt zum Instant Article passt. Das Foto wird mit einem Klick vergrößert, um den Rahmen zu füllen, und kann durch das Kippen des Smartphones genauer betrachtet werden.

Das Plugin “unterstützt auch ursprüngliche Autoplay-Videos, sowie soziale und interaktive Grafik-Einbettungen”, so Facebook.

In einem eigenen Post erklärte Automattic, dass sich jeder, der das Instant-Articles-Plugin verwendet, von Facebook überprüfen lassen muss, um sicherzustellen, dass die Seiten “richtig formatiert sind und den Community-Richtlinien und inhaltlichen Leitfäden von Facebook entsprechen, bevor Sie Inhalte auf der Plattform veröffentlichen können”. Instant Articles werden ab dem 12. April zugänglich gemacht, wenn Facebook seine alljährliche F8-Entwickler-Konferenz in San Francisco abhält. Hunderte Verleger veröffentlichen bereits auf Instant Articles.

“Es war immer unsere Vision, etwas zu entwickeln, das allen Verlegern weltweit zu Gute kommt”, sagte Facebooks Produktmanager Josh Roberts letzten Monat zu Laura Hazard Owen von Nieman Lab.

Facebooks Entscheidung, die Benutzung von Instant Articles zu vereinfachen, ist eine Reaktion auf die Tatsache, dass Google im Februar mit Accelerated Mobile Pages (AMP) ein Konkurrenzprodukt auf den Markt brachte. AMP ist quelloffen, und Richard Gingras, Googles Nachrichten- und Social-Product-Sprecher, sagte Shan Wang von Nieman Lab, dass über 80 Entwickler ihre Programmierfähigkeiten zur GitHub-Rückkaufvereinbarung von AMP beigesteuert haben, seit AMP im vergangenen Herbst angekündigt wurde.

“Ich glaube nicht, dass wir es ohne die Teilnahme und die Zusammenarbeit so vieler Leute so weit gebracht hätten”, sagte Gingras. “Wenn wir ‘Wir’ sagen, ist es nicht das Google-‘Wir’ – es ist das gemeinsame ‘Wir’ hunderter Verleger und technologischer Firmen, die quelloffen arbeiten”.

Auf ähnliche Weise hat Facebook Entwickler dazu ermutigt, zu der Entwicklung des Plugins auf Github beizutragen. Facebook bemerkt, dass das “Plugin noch in der Entwicklungsphase ist, und einige APIs (Filter, Kategorien etc) könnten sich noch ändern”.

Facebook verbessert Instant Articles kontinuierlich, basierend auf dem Feedback, das es von Nachrichtenagenturen erhält, die bereits mit Instant Articles arbeiten. Facebook erlaubt den Verlegern nun auch, Newsletter-Eintragungen in Instant Articles vornehmen zu lassen, und im Dezember vereinfachte Facebook die Möglichkeiten für Verleger, Werbeeinnahmen über Instant Articles zu erzielen.

“Der größte Stolperstein bei Instant Articles war die Tatsache, dass wir damit weniger Umsatz als mit Besuchern auf unserer Seite gemacht haben”, teilte Joe Speiser, Mitbegründer von LittleThings.com, dem Wall Street Journal mit. “Wir verzeichnen nun eine Übereinstimmung mit unserer mobilen Web-Version”.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “Reading” by mattysimpson (CC0 Public Domain).


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Scott Berkun über seine Zeit bei Automattic

Im Jahr 2010 hatte Automattic, die Firma hinter WordPress.com, 50 Mitarbeiter, die fast ausschließlich online zusammenarbeiten, ein Büro nur zu Demonstrationszwecken bei Fototerminen und keine Hierarchien. Gründer Matt Mullenweg und der damalige CEO Toni Schneider stellten fest, dass das nicht mehr optimal war und entschieden sich, eine Hierarchieebene einzuführen.

Als Folge wurden des von Mullenweg und Schneider geplanten Umbaus, wurden Teams mit jeweils einem Teamleiter gebildet. Der Kopf von „Team Social“ war Scott Berkun, 58. Automattic-Angestellter und ehemaliger Microsoft-Mitarbeiter. Er ist kein Programmierer, sondern Autor zu Management-Themen und seine Aufgabe war herauszufinden, wie die Teams organisiert werden sollten: „Durch den Eintritt in das Unternehmen würde ich zu einem Instrument meiner eigenen Ratschläge werden. Wenn der Wechsel von der flachen Hierarchie hin zu Teams scheiterte, wäre ich in doppelter Hinsicht verantwortlich.“ Berkun schrieb darüber ein Buch. In „Mein Jahr ohne Hosen“ berichtet er fast tagebuchartig aus dem Arbeitsalltag seines Teams mit Mitarbeitern in den USA, Europa und Australien, das in in Berkuns Zeit bei Automattic unter anderem „Jetpack“, eines der erfolgreichsten WordPress-Plugins, entwickelte. Im Netzpiloten-Interview erzählt Scott Berkun von seiner Zeit bei Automattic und Möglichkeiten für andere Unternehmen.

Katharina Brunner: Als Sie bei Automattic angefangen haben, sagte ein Kollege zu ihnen: „Willkommen im Chaos“. Wie schafft es ein Unternehmen ohne festgelegte Management-Prozesse, minimaler Hierarchie und Mitarbeitern auf der ganzen Welt mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet zu werden?

Scott Berkun: Das ist eine Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt. Ich musste dort selbst arbeiten und ein ganzes Buch darüber schreiben, um es zu erklären.

In Ihrem Buch berufen Sie sich immer wieder auf die Kultur als das entscheidende Element für einen Arbeitsplatz. Was macht die Kultur bei Automattic so außergewöhnlich?

Anders als bei den meisten anderen Arbeitsplätzen herrscht großes Vertrauen zwischen den Mitarbeitern. Sie wurden angestellt, weil sie echtes Interesse am Publishing und eine positive Einstellung dazu haben, Menschen zu helfen. Es ist selten, dass ein Unternehmen erfolgreich eine solche Kultur schafft – obwohl es viele versuchen.

Matt Mullenweg hat Sie als Experten für Projektmanagement angeheuert. Wie hat sich die Organisation von Automattic durch Ihr Anraten verändert?

Ich habe gezeigt, dass es jedes Team in egal welcher Organisation bestimmte Dinge braucht, um gute Arbeit abzuliefern. Die meisten Firmen scheitern daran. Drei dieser Dinge sind: Vertrauen gewinnen, klare Ziele setzen und Risiken eingehen. Die Organisation an sich habe ich nicht verändert, das ist sehr schwierig für eine einzelne Person.

Sind Manager in Open-Source-Organisationen und Firmen wie Automattic nicht mehr notwendig?

Sie sind notwendig, aber aus anderen Gründen. Open-Source-Organisationen haben Freiwillige – Leute, die bereit sind, ihre eigene Zeit zu investieren. Wie viele Menschen würden ihre Jobs bei machen, wenn sie nicht bezahlt werden würden? Nicht viele. Das ist eine gewaltige Stärke, die das Führungspersonal und die Manager bewahren müssen. Anstatt Kommandos zu brüllen, müssen sie daran arbeiten, das Projekt und die tägliche Arbeit zu schützen, damit es den Freiwilligen weiterhin Spaß macht und es interessant genug bleibt, damit sich Leute daran beteiligen wollen.

Sie berufen sich oft auf Eric Raymonds Essay „Die Kathedrale und der Basar„, um die Unterschiede zwischen einer traditionellen, zentralen Firma und einer dezentralen Organisation wie WordPress zu veranschaulichen. Gibt es eine optimale Position zwischen diesen Extremen?

Jede Organisation ist anders, niemand ist nur das eine oder das andere. Die optimale Balance unterscheidet sich von Unternehmen zu Unternehmen. Aber ich vermute, wenn die Firmen ihre talentiertesten Angestellten fragen, dann würden die sagen: Am besten ist eine Verschiebung Richtung Dezentralisierung.

Was sind drei Schlüsselfaktoren, falls eine Firma darüber nachdenkt, komplett virtuell zu arbeiten?

  • Sie sind bereits eine virtuelle Firma: ein großer Teil der Arbeit läuft bereits über E-Mail, Webbrowser und mobile Geräte.

  • Wenn sie gute Leute einstellen, dann sollten sie die Tools, mit denen sie arbeiten, selbst wählen.

  • Beurteile Angestellte nach ihrer Leistung und ihren Resultaten und nicht nach oberflächlichen Bewertungen, etwa wie viele Stunden sie gearbeitet haben.

Sie haben erwähnt, dass die Usability von WordPress nicht so gut ist wie sie sein könnte. Gibt es in dem Punkt Verbesserungen, seitdem sie die Firma verlassen haben?

WordPress wird bereits besser. Sie arbeiten im Moment an Version 4.0 und es sieht so aus, als wäre das die bisher beste Version.

Letzte Frage: Haben sie wirklich ohne Hosen gearbeitet?

Haben Sie wirklich Hosen getragen, als Sie diese Interview-Fragen gestellt haben?

Vielen Dank.

Mein Jahr ohne Hosen“ erschien im August 2014 im Wiley-VCH Verlag.


 


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Selfies – die neue App der WordPress-Macher

Die Entwickler bei Automattic haben neben ihrer Arbeit an WordPress eine Social App nur für das Fotogenre Selfies entwickelt. // von Tobias Schwarz

Selfies von Automattic

Die App mit dem vielsagenden Namens „Selfies“ ist für Automattic ein spannendes Experiment neben der alltäglichen Arbeit an WordPress. Ohne irgendwelche Hinweise oder begleitende Pressearbeit wurde die App der hauseigenen Entwickler einfach in Google Play angeboten und gewartet, was passiert. Nach wenigen Tagen entdeckte der TechCrunch-Redakteur Kyle Russell die App zufällig auf Twitter.

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Automattic: Wie wertvoll ist das Unternehmen hinter WordPress.com?

New WordPress Buttons and Stickers (adapted) (Image by Nikolay Bachiyski [CC BY 2.0] via Flickr)

WordPress.com-Betreiber Automattic ist auf Expansionskurs: 160 Millionen Risikokapital, fünf Übernahmen in einem Jahr und die Aufnahme im „Billion Dollar Club“. Die Journalisten beim Wall Street Journal sollten bald tun, was sie in ihrer Fußnote versprechen: Die Infografik „Billion Dollar Club“ updaten. Dort zählen sie diejenigen Startups auf, deren Wert auf mehr als eine Millarde Dollar geschätzt wird. Zwischen Fab, einem Onlineshop für „fashionable products“ (1,2 Milliarden US-Dollar), und Gilt Groupe, einem Online-Outlet für Luxus-Kleidermarken (1,1 Milliarden US-Dollar), sollte das Wall Street Journal Platz machen für Automattic, Betreiber u.a. von WordPress.com (1,16 Milliarden US-Dollar).

Eine Investorengruppe um Insight Venture Partners hat den Wert von Automattic auf über eine Milliarde Dollar angesetzt und bekannt gegeben, 160 Millionen US-Dollar in das 2005 gegründete Unternehmen zu investieren. Dieses Risikokapital kommt überraschend, das letzte Mal gab es eine solche Finanzierung 2008. In der Vergangenheit hat Automattic-Gründer Matt Muellenweg nicht ohne Stolz betont, die Firma wolle auf Investitionen von außen verzichten. Noch vor einem Jahr schrieb er auf seinem Blog: „Es ist nicht nötig, direkt Geld aufzunehmen – es gibt keine Finanzierungsengpässe„. Seit dieser Aussage im Mai letzten Jahres war Automattic sehr aktiv: Es hat fünf andere Startups übernommen und im Januar hat Mullenweg mit CEO Toni Schneider die Posten gewechselt. Mullenweg ist nun Chef, Schneider für neue Produkte verantwortlich.

WordPress hat Konkurrenz Raum gelassen

Matt Mullenweg, Mitgründer der Open-Source-Software WordPress, hat Automattic als den kommerziellen Zweig von WordPress aufgebaut. WordPress.com fungiert als Blog-Hoster, der sich über Werbung und kostenpflichtige Zusatzangebote, wie Domains (eine der Übernahmen im letzten Jahr war die eines Domain-Namen-Generators) oder Themes finanziert. Zudem betreibt Automattic WordPress-relevante Dienstleistungen wie den Backup-Dienst VaultPress oder die populären Plugins Akisment, Jetpack oder BuddyPress, aber auch die WordPress-unabhängige Notiz-App Simple Notes. Seit 2012 sollen mit WordPress VIP Großkunden geworben werden. Unter anderem das Wirtschaftsmagazin Quartz und das Time-Magazin setzen auf diese Lösung. Nicht zuletzt leiten Mitarbeiter von Automattic einen nicht unerheblichen Teil an der Weiterentwicklung der Open-Source-Variante von WordPress.

Mit seiner enormen Reichweite – über 20 Prozent der zehn Millionen am häufigsten besuchten Webseiten laufen laut dem Standardisierungskonsortiums des World Wide Webs, W3C, auf WordPress-Basis – tut sich auch ein Problem auf: Soll sich WordPress auf seine Kernkompetenzen konzentrieren und seine Blogging-Plattform optimieren oder sollte sich WordPress seine Eigenschaften als Content-Management-System ausbauen, die auch Webseiten von großen Firmen oder Medien tragen? In den vergangenen Jahren schien der Fokus darauf zu liegen, ein vollwertiges Content-Management-System zu entwickeln – darunter hat der Blogging-Aspekt gelitten und Raum für Konkurrenz gelassen, bei denen das Posten von Texten oder Bildern nutzerfreundlicher ist: Tumblr, Medium oder Ghost.

File-Sharer, Editor, Kuratierer: Automattic ist in Shopping-Laune

Die Blogger könnte Automattic mit seinen Übernahmen wieder stärken. Ähnlich wie Twitter mit TweetDeck verfahren ist, hat Automattic die beliebte App zum mobilen Bloggen übernommen. Cloudup und Scroll Kit versprechen für die Zukunft neuartige Möglichkeiten, um Beiträge zu erstellen. Cloudup ist eine Filesharing-Plattform mit Stream-Option, Scroll Kit erlaubt über Drag-and-Drop spektakuläre Webseiten zu erstellen. Die bekannte Snowfall-Geschichte der New York Times, die angab, über Wochen daran gearbeitet zu haben, konnte mit ScrollKit innerhalb von einer Stunde nachgebaut werden. Die New York Times fand das gar nicht lustig und schickte eine Unterlassungsanordnung. Im Gegensatz zu Cloudup hat Scroll Kit seinen eigenständigen Betrieb bereits eingestellt. Ein Anzeichen dafür, dass Elemente des visuellen Editors schon bald in den vielkritisierten WordPress-Editor eingebaut werden könnten. Womöglich stehen diese Features dann auch nur Premium-Nutzern zur Verfügung. Wie dem auch sei, der Kauf von Scroll Kit verspricht das individualisierte WordPress-Webseiten, wie sie reguläre Themes ohne zusätzliches Coden nicht zulassen.

Auch inhaltlich will sich Automattic als Kurator breiter aufstellen. Davon zeugt die Übernahme von Longreads. „Die Redaktion von WordPress.com wächst und wir sind begeistert, Teil davon zu sein„, schreibt Longreads-Gründer Mark Armstrong. Longreads kuratiert lange Texte – journalistische genauso wie Kurzgeschichten. Das Geschäft basiert auf dem Freemium-Modell: Newsletter mit ausgewählten Texten gibt es einmal die Woche umsonst, als Member kann man für drei Dollar pro Monat die Seite unterstützen und bekommt dafür jeden Tag Geschichten. Die vier Angestellten von Longform sollen in Zukunft Texte auf der „Freshly Pressed„-Seite kuratieren. Longreads läuft in bisheriger Form auch unabhängig von WordPress.com weiter.

Bei keiner der Neuerwerbungen ist bekannt, wieviel sie Automattic gekostet haben. Doch ganz billig war der Expansionskurs sicher nicht, vielleicht war Longreads auch nicht die letzte Neuanschaffung. Nicht zuletzt deshalb werden sich die Entscheider bei Automattic doch für Risikokapitalgeber entschieden haben. Den entscheidenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz sieht CEO Mullenweg in der Open-Source-Bewegung. In der „Billion Dollar Club“-Liste des Wall Streets Journals setzen nur drei von 45 Firmen (Stand: Januar 2014) auf Open Source – bald kommt eines hinzu.


Image (adapted) „New WordPress Buttons and Stickers“ by Nikolay Bachiyski (CC BY 2.0)

 


 

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