Lossless verspricht Musik mit hoher Klangqualität (Bild: Grooveaddicted [CCo], via pixabay)MP3

Ist Lossless-Music das nächste große Ding?

MP3-Dateien klingen nicht wirklich gut. Dies sollen nun verlustfreie Formate und entsprechende Abspielgeräte ändern. Doch ist Klangqualität wirklich das nächste große Ding? // von Daniel Kuhn

Lossless verspricht Musik mit hoher Klangqualität (Bild: Grooveaddicted [CCo], via pixabay)

 

Lange Zeit galt die MP3-Datei als Inbegriff eines neuen Mobilitätsgefühls, das einst durch den Walkman ins Rollen gebracht wurde. Dank der Komprimierung von Musik gelang es, tausende Songs auf ein kleines Gerät zu. Doch einen Nachteil haben diese komprimierten Formate, die Klangqualität leidet mitunter sehr stark. Im vergangenen Jahr hat der Musiker Neil Young quasi als Gegenbewegung den Pono-Player vorgestellt, der verlustfreie Musikdateien abspielt. Sony zieht mit einem High-End-Walkman nach, so dass sich nun die Frage stellt, ist Lossless Music tatsächlich das nächste große Ding oder doch nur ein Marketing-Stunt?


Warum ist das wichtig? Musik umgibt uns in nahezu jeder Situation, allerdings ist die Klangqualität mit MP3 und Streaming-Anbietern schlechter geworden, als sie je zuvor war.

  • Während bei Video die Qualität immer mehr gestiegen ist, befindet sie sich im Audiobereich im Sturzflug.

  • Der Musiker Neil Young und verschiedene andere Unternehmen versuchen nun als Gegenbewegung teure Abspielgeräte und verlustfreie Musikdateien an den Konsumenten zu bringen.

  • Neben dem Vinyl-Revival und dem Trend zu teuren Kopfhörern wird dies als Wendepunkt angesehen.


Neil Young gegen den Rest der Welt

Früher war es wichtig, dass die Musikdateien so klein wie möglich waren. Zum einen weil die Bandbreite der ISDN- und DSL-Leitungen zu Hause sehr begrenzt waren und die Übermittlung der Dateien sonst unverhältnismäßig lange gedauert hätte, zum anderen weil die Speicherkapazitäten der Geräte noch sehr klein waren. Um eine Datei aber möglich klein zu machen, muss man sie mit einer möglichst geringen Bitrate encodieren, was die Klangqualität massiv herabsetzt. Doch diesen Preis waren die meisten Nutzer bereit zu zahlen. Erst seit kurzem scheint sich nun etwas im Bewusstsein der Nutzer zu ändern – die technischen Voraussetzungen haben dies längst getan. „Leute scheinen langsam zu merken, dass MP3s Mist sind“ verdeutlichte der Musiker Neil Young es kürzlich in einem Interview mit dem Wall Street Journal. „Es war großartig, tausende Songs zu haben, aber die Tatsache, dass man sie nur erkennen, aber nicht hören konnte, hat dafür gesorgt, dass man Musik nicht wirklich erlebt„.

Es ist tatsächlich interessant, dass die Audioqualität sich exakt gegensätzlich zu so ziemlich jeder anderen Technologie entwickelt hat. Die Auflösung im Video-Bereich verbessert sich in atemberaubendem Tempo, inzwischen sind Fernseher mit 4K schon fast nicht mehr zeitgemäß, nachdem die großen Hersteller auf der CES in Las Vegas bereits Geräte mit 8K vorgestellt haben. Zwar gucken immer mehr Nutzer Videos auf mobilen Geräten, doch selbst die haben in den seltensten Fällen noch eine Auflösung unterhalb von Full HD. Doch bei der Audioqualität geht es konstant bergab. Von der Vinyl-LP mit der besten Klangqualität, über Musikkassetten und CDs, die bereits schlechter klangen, bis hin zu MP3 und Musik-Streams, hat sich die Qualität konstant verschlechtert. Audioqualität ist somit der einzige Bereich, in dem sich Konsumenten trotz technischen Fortschritts mit einer ständig sinkenden Qualität abgefunden haben. Wir haben Audioqualität der Bequemlichkeit geopfert. Doch wenn es nach Neil Young geht, ist damit nun bald Schluss und seinem Beispiel scheinen viele Unternehmen zu folgen.

Der Wendepunkt?

Im vergangenen Jahr wurde der Pono Player, der von Neil Young mitentwickelt und medienwirksam beworben wurde, durch eine Crowdfunding-Kampagne finanziert. Dieses Gerät soll durch analoge Verstärker und hochwertige Digital Analog Converter einen deutlich besseren Klang besitzen, als alle anderen mobilen Geräte. Natürlich kann man mit dem 400 US-Dollar teuren und recht unförmigen Gerät MP3s abspielen und sie klingen auch besser als über das Smartphone, doch erst mit den über die eigene Plattform vertriebenen hochauflösenden Audiodateien soll das Gerät seine ganze Magie entfalten. Sony hat auf der CES kürzlich ebenfalls einen neuen Walkman vorgestellt, der mit qualitativ hochwertigen Komponenten und einem 1.100 US-Dollar Preisschild audiophile Träume mobil wahrwerden lassen soll. Doch diese teuren, mobilen Geräte alleine sind nicht der Grund, warum viele Experten und Beobachter der Meinung sind, dass wir uns derzeit an einem Wendepunkt in Sachen Audioqualität befinden. Mehrere Plattformen, die ähnlich wie eben Pono Musik in Lossless-Formaten und mit sehr hohen Auflösungen anbieten, sind ebenfalls ein deutlicher Indikator. Genauso wie das derzeitige Vinyl-Revival und der Trend zu immer teureren Kopfhörern.

Doch folgende Frage stellt sich unweigerlich: Bringen diese verlustfreien Audioformate, wie sie Plattformen wie Pono oder der Streaming-Dienst WiMP anbieten, tatsächlich den versprochenen großen Unterschied und sind das nächste große Ding? Es gibt viele kritische Stimmen, die daran zweifeln, dass man tatsächlich einen Unterschied zwischen verlustbehafteten Formaten wie MP3 und verlustfreien Formaten wie FLAC hören kann. Das Problem ist allerdings, dass nicht jeder Tester diese Unterschiede auch wahrnehmen kann, da man das Ohr ein wenig darauf schulen muss. Daraus ergibgt sich allerdings wiederum die Frage, ob Konsumenten die Audioqualität wichtig genug ist, dass sie dafür mehr Geld ausgeben? Die Abspielgeräte sind nämlich nicht das Einzige, was überdurchschnittlich viel kostet, die Audiodateien liegen preislich ebenfalls über den üblichen Download- und Streaming-Anbietern und bereits vorhandene Musik muss natürlich nochmal neu gekauft werden.

Derzeit sieht es noch so aus, als würden die hochwertigen Audiogeräte und-Dateien eher ein Nischenmarkt bleiben. Es ist jedoch zu bemerken, dass zumindest ein langsamer Bewusstseinswechsel in Gang gesetzt wird. Innerhalb kurzer Zeit wird Lossless Music sicher nicht zum großen Ding werden, dafür benötigt die breite Masse noch zu viel Zeit, die Ohren auf besseren Klang einzustellen – der Trend zu hochwertigeren Kopfhörern ist aber schon mal ein sehr guter Schritt in die richtige Richtung.


Teaser & Image by Grooveaddicted (CC0)



Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , , ,
Daniel Kuhn

Daniel Kuhn

ist Wahl-Berliner mit Leib und Seele und arbeitet von dort aus seit 2010 als Tech-Redakteur. Anfangs noch vollkommen Googles Android OS verfallen, geht der Quereinsteiger und notorische Autodidakt immer stärker den Fragen nach, was wir mit den schicken Mobile-Geräten warum anstellen und wie sicher unsere Daten eigentlich sind. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

More Posts - Website - Twitter - Facebook - Google Plus

4 comments

  1. Sie müssen sich entscheiden.
    Entweder schreiben Sie über den Artikel „sponsored post by Sony and Pono“ oder sie korrigieren die fachlichen Unzulänglichkeiten.
    Zitat: „Von der Vinyl-LP mit der besten Klangqualität, über Musikkassetten und CDs, die bereits schlechter klangen, bis hin zu MP3 und Musik-Streams, hat sich die Qualität konstant verschlechtert.“
    Wenn dieser Satz nicht aus einer Marketing-Abteilung stammt, dann weiß ich ja auch nicht.

    Sie können sich gerne beim Fraunhofer-Institut Institut über die technischen Eigenschaften von verlustbehafteter Koprimierung informieren.
    Und Informatiker, die Algorithmen entwickelt haben, um „Knackgeräusche“ beim Abspielen von Vinyl-LPs zu entfernen, erzählen Ihnen gerne etwas über die Perfektion jenes Mediums.

    Zur weiteren Recherche der Geschichte der mind. 15 Jahren alten „Weltneuheit“ verlustfreier Audiokompression, haben Sie hier einen Anfangspunkt: https://de.wikipedia.org/wiki/Audiodatenkompression#Verlustfreie_Audioformate

    Sorry, aber dieser Artikel war gar nichts, außer viel Getöse.

    1. Ich freue mich über Feedback, aber die Kritik an unseren Autoren sollte bitte etwas sachlicher sein. Wäre das mein Artikel, hätte ich bestimmt keine Lust Ihnen zu antworten. Und das wäre Schade, denn durch gutes Feedback können wir Artikel verbessern. Wir sind ja keine gedruckte und unveränderliche Zeitung. Damit das aber klappt, sollten Sie den für sie kostenlos zu lesenden Artikel vernünftig krtisieren. Ich rede mit dem Autor, ob er auf Ihre Kritik eingehen möchte oder nicht.

  2. Mich stört in dem Artikel folgendes:

    Es wird leichtfertig „verlustlos“ und „hochauflösend“ durcheinandergewürfelt. Ich selbst habe kein gutes Ohr und gehöre wohl auch zur „für mich klingt es gut genug“ Fraktion.

    Aber: Physik ist Physik. Und solange man das Audio Spektrum bit ca. 20kHz betrachtet macht (IMHO) hochauflösendes Audio recht wenig Sinn. Jetzt mag man diskutieren, ob höhere Frequenzen doch einen Einfluss haben – das ist OK. Ich halte es für fraglich.

    Verlustlos: hier stimme ich zu. MP3 erzeugt durchaus Artefakte (je nach Bitrate). Wir können es uns „leisten“ verlustlos zu speichern (und trotzdem zu komprimieren). FLAC ist auch eine Kompression, aber eben ohne Verluste. Das wird im Text nicht wirklich deutlich.

    Und – wie gesagt – das hat GAR NICHTS mit höher auflösenden Formaten zu tun!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Als Namen kannst Du gerne einen Fantasienamen angeben, wenn Du nicht Deinen echten Namen angeben möchtest. Du kannst jederzeit die Löschung Deines Kommentars verlangen. Bitte beachte die Datenschutzhinweise

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.