In Australien wurde im Dezember 2025 eine Social Media-Altersgrenze eingeführt. Social Media ab 16 Jahren? Australien dürften bald auch andere Länder folgen. Auch in Frankreich stimmte eine überwältigende Mehrheit der Nationalversammlung für ein Mindestalter von 15 Jahren. In Deutschland gibt es zumindest eine Kommission einberufen, die im Herbst 2026 Ergebnisse vorlegen soll. Auch im EU-Parlament gibt es bereits Diskussionen zu einer Alters-Richtlinie. Auf der anderen Seite stellen einige Wissenschaftler die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit solcher Regeln in Frage.
Passend dazu führt Discord übrigens ab März 2026 eine Altersprüfung ein. Dabei werden alle Accounts erstmal auf die eingeschränkten „Teen-by-Default Settings“ umgestellt.
Wir beleuchten beide Seiten zur Alterseinschränkung, da es sowohl gute Gründe dafür, als auch dagegen gibt. Sicher ist jedoch, dass ein Social Media-Verbot unter einer Altersgrenze einen enormen Einschnitt ins moderne Sozialleben bedeutet.
Internationale Vorreiter: Wer führt Altersgrenzen ein?
In Australien trat am 10. Dezember 2025 ein weltweit einzigartiges Gesetz in Kraft, das Social-Media-Konten für Personen unter 16 Jahren untersagt. Dieses „Social Media Minimum Age“ ist Teil einer Änderung des Online Safety Act und verpflichtet Plattformen, „angemessene Schritte“ zu unternehmen, um sicherzustellen, dass Personen unter 16 Jahren kein Konto auf Diensten wie Instagram, TikTok, Snapchat, X (Twitter), Facebook oder YouTube besitzen können.
Der neue Rechtsrahmen zielt darauf ab, junge Menschen vor den Risiken und möglichen negativen Folgen intensiver Social-Media-Nutzung zu schützen. Plattformbetreiber müssen altersverifizierende Maßnahmen einführen, weil sonst empfindliche Strafen von bis zu 49 Millionen AUD drohen. Seit der Einführung wurden mehrere Hunderttausend Konten von unter 16-Jährigen gesperrt, doch Unternehmen wie Snapchat warnen vor „signifikanten Lücken“ bei der technischen Umsetzung.
Frankreich liegt in dieser Debatte dicht hinter Australien: Die Nationalversammlung in Paris verabschiedete am 26. Januar 2026 ein Gesetz, das Kinder unter 15 Jahren von der Nutzung sozialer Netzwerke ausschließen soll. Der Entwurf wurde mit großer Mehrheit von 130 zu 21 Stimmen angenommen. Nun geht er an den Senat zur weiteren Beratung weiter.
Der Gesetzentwurf verbietet nicht nur Minderjährigen unter 15 den Zugang zu Social-Media-Plattformen, sondern sieht auch verpflichtende Altersverifikationssysteme vor. Die französische Regierung argumentiert, dass Social Media für junge Menschen alles andere als harmlos sei und psychologische, soziale und kognitive Risiken berge.
Auch Spanien plant ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige – ebenfalls mit verpflichtender Altersverifikation und sogar strafrechtlichen Vorschriften für Plattformbetreiber bei Nicht-Einhaltung. Griechenland diskutiert ähnliche Verbote für unter 15-Jährige, und Neuseeland hat vergleichbare Gesetzentwürfe eingebracht, die sich am australischen Modell orientieren. In Deutschland soll eine Kommission bis Herbst 2026 Ergebnisse vorlegen, auf deren Grundlage weitere Schritte zu einer Altersgrenze beschlossen werden sollen.
Warum eine Social Media-Altersgrenzen sinnvoll ist
Ein zentrales Motiv für Altersbeschränkungen ist der Schutz der mentalen Gesundheit Jugendlicher. Studien zeigen seit Jahren einen Zusammenhang zwischen intensiver Social-Media-Nutzung und erhöhtem Stress, Angststörungen, Schlafproblemen sowie depressiven Symptomen.
Internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation weisen darauf hin, dass sowohl intensive Social Media-Nutzung als auch Gaming starke Auswirkung auf die mentale Gesundheit Jugendlicher haben können.
Ein weiteres wichtiges Argument für eine Social Media-Altersgrenze betrifft die vielfältigen Risiken, denen Minderjährige online ausgesetzt sind. Dazu zählen Cybermobbing, Hassrede, Grooming, Desinformation und extreme Inhalte, die auf den Netzwerken verbreitet werden.
Gerade jüngere Nutzer verfügen dabei oft noch nicht über die nötige Medienkompetenz, um solche Inhalte richtig einzuordnen oder sich effektiv zu schützen. Befürworter von Altersgrenzen argumentieren, dass Kinder unterhalb einer bestimmten Altersstufe diesen Gefahren kaum selbstständig begegnen können. Ein gesetzliches Mindestalter soll daher als Schutzbarriere wirken und verhindern, dass Minderjährige unkontrolliert mit problematischen Inhalten in Kontakt kommen.
Social Media hat auch oft negativen Einfluss auf Bildung, aber auch Alltagsstrukturen. Viele Lehrkräfte und Erziehungswissenschaftler berichten, dass exzessive Nutzung die Konzentrationsfähigkeit, Motivation und Lernleistung beeinträchtigen kann. Das beginnt bei der Ablenkung durch neue Nachrichten, geht aber hin bis zum Schlafmangel durch nächtliche Nutzung. Darunter leidet auch die Zeit für andere Hobbies wie Lesen, Sport oder sich einfach mit Freunden zu verabreden. Ein späterer Einstieg könne helfen, ein gesünderes Verhältnis zu Medien aufzubauen.
Altersgrenzen erhöhen den politischen Druck auf Unternehmen, sicherere und kindgerechtere Angebote zu entwickeln. Schließlich sind diese meist auf maximale Bildschirmzeit aus und pusht dafür häufig extreme Inhalte, die polarisieren. Aus Sicht vieler Politiker ist der Staat in der Pflicht, dort einzugreifen, wo wirtschaftliche Interessen den Schutz von Kindern überlagern. Altersgrenzen werden deshalb als Instrument gesehen, um klare Regeln im digitalen Raum durchzusetzen.
Kritik an Altersgrenzen – Die Contra-Argumente
Auch wenn die Social Media-Altersgrenze in der Theorie sinnvoll klingt, scheitern die Argumente oft an der Praxis. Alterskontrollen lassen sich etwa durch Falschangabe umgehen und striktere Kontrollen, etwa durch Personalausweis sind wieder datenschutzrechtlich problematisch. Organisationen wie die Electronic Frontier Foundation warnen davor, dass verpflichtende Altersverifikation eher neue Probleme schafft, als bestehende zu lösen. Wer sein Alter per Ausweis oder Gesichtsscan nachweisen muss, gibt sensible Daten preis – mit unklaren Folgen für die Privatsphäre.
Ein Verbot ist zudem auch ein Eingriff in die persönliche Freiheit junger Menschen. Social Media ist längst kein reines Freizeitangebot mehr, sondern ein zentraler Ort für Information, Meinungsbildung, politische Teilhabe und kulturellen Austausch. So hatten wir auch kürzlich im Podcast darüber gesprochen, dass Newsfluencer eine Zielgruppe erreichen, die von klassischen Medien nicht mehr erreicht werden.
Für Jugendliche ist Social Media aber auch längst der wichtigste Kommunikationskanal. Eine Altersgrenze sorgt dafür, dass die Mitschüler eventuell schon größtenteils Social Media nutzen dürfen, während man selbst wegen der Altersgrenze ausgeschlossen ist.
Davon abgesehen gibt es manche Phänomene nicht erst seit Facebook und Co. Früher waren es die Telefone, die für Unmut in Familien sorgten, weil es für die Jugend ein wichtiger Kommunikationskanal war. Er war halt nur etwas sicht- bzw. hörbarer. Die Verantwortung sollte wie damals auch mehr bei den Familien und auch Bildungseinrichtungen liegen, für eine maßvolle Nutzung von Social Media zu sorgen.
Das Problem der Eigenverantwortung
Ganz so einfach ist trotzdem nicht, den maßvollen Umgang mit sozialen Medien in die Eigenverantwortung von Familien zu legen. So ist weder das Verständnis von Social Media, noch Zeit und Fürsorge in allen Familien die gleiche.
Auch können Kinder mit strengeren Eltern sozial tatsächlich ausgeschlossen werden, wenn ihre Klassenkameraden viel tiefer in den sozialen Medien verwurzelt sind. Eine Altersgrenze für Social Media sorgt dagegen dafür, dass alle Schüler auf dem selben Social Media-Niveau stehen. Einzig die bereits erwähnte Übergangsphase, in der Teile einer Schulklasse schon dürfen, andere Teile jedoch nicht, sind ein dafür umso größeres Spannungsfeld.
Wo legt man die Grenze an?
Die größte Herausforderung bei einer Altersgrenze ist, wo man sie am Ende tatsächlich anlegt. Zumindest beim Alter scheinen sich Regierungen annähernd einig. Fast sämtliche Ansätze legen die Social Media-Altersgrenze bis 15 oder 16 Jahre fest.
Doch für welche Dienste gilt eine solche Auflage überhaupt? In Australien gilt sie in erster Linie für die großen Plattformen, auf denen man öffentlich Inhalte teilt. Messenger wie Whatsapp oder sogar der Facebook Messenger sind dagegen als Kommunikationskanäle nicht betroffen. Auch das Spiel Roblox ist noch überraschend vom Social Media Verbot ausgenommen, obwohl es immer wieder Schlagzeilen, etwa durch Grooming und unangemessene Inhalte macht.
Für eine Social Media-Altersgrenze stellt sich auch die Frage, wie man damit umgeht. wenn eine Plattform sich intensiv bemüht, eine sichere Umgebung für Jugendliche zu werden. Wie geht man außerdem mit kleineren Plattformen um, die vielleicht keine Sonderaufwände für einzelne Länder betreiben können? Dazu bedeuten verpflichtende Identitätsnachweise auch immer ein Verlust digitaler Freiheit für alle.
Außerdem ist die Altersgrenze auch ein Risiko für die Wettbewerbsfähigkeit. Zwar haben sind viele Plattformen bereits ihrerseits eine Altersgrenze ab 13 Jahren, doch eine gesetzliche ab 16 ist neu. Da erst jetzt erste Altersgrenzen beschlossen werden, wissen wir nicht, ob der spätere Zugang Nachteile gegenüber Ländern bedeutet, in denen Jugendliche mit jahrelanger Social Media-Erfahrung die Schule verlassen. Vieles ist auch hier abhängig davon wie viele Länder nachziehen. Womöglich befinden wir uns derzeit auch in einem Paradigmenwechsel.
Hinterher ist man schlauer
Das Problem der Social Media-Altersgrenze ist, dass es genug Gründe dafür gibt, aber der wirkliche Nutzen oder Schaden nicht absehbar ist. Ja, es gibt viele Probleme in der Entwicklung von Jugendlichen, die durch die Social Media-Nutzung entstanden oder zumindest verstärkt wurden. Teils scheinen auch weder Eltern noch Schulen in der Lage diese Entwicklung zu stoppen.
Es ist eine Frage der Einordnung. Sieht man Social Media als ähnliche Gefahr wie Alkohol, Rauchen und Gewaltdarstellung in Medien? An dieser Stelle kann man natürlich argumentieren, dass auf Social Media sogar sehr reale Gewalt geteilt wird. Auch Mobbing, Hatespeech und Co auf den Plattformen sind Realität und müssen irgendwie eingedämmt werden.
Auf der anderen Seite kann man Kinder auch nicht vor allem beschützen. Wenn Kinder früher das Haus verließen, waren sie erstmal weg. Stundenlang und das ganz ohne Kontaktmöglichkeit per Smartphone. Dabei wurde auch ganz sicher einiges an Unfug angestellt, weil Kinder eben Kinder sind.
Vielleicht ist die Jugend aber auch hier wieder findig. Neue soziale Netzwerke entstanden auch oft, wenn die Jugendlichen ihr „eigenes Ding“ brauchten, ohne das Mama und Papa auf derselben Plattform unterwegs sind. Wenn die Netzwerke selbst keinen Weg finden die Regeln zu umgehen, sind es vielleicht die Jugendlichen, die einfach neue Plattformen finden, die am Ende auch nicht sicherer sind.
Man muss Australien und andere Länder die nachziehen aber beobachten. Wir werden erst hinterher sehen, was solche Altersgrenzen wirklich bringen. Wie sich das auf die psychologische Entwicklung und Skills für den Arbeitsmarkt auswirkt sehen wir erst in vielen Jahren. Kurzfristig wird man eher die allgemeine Internetnutzung beobachten und wie die Wirkung im Schulalltag wahrgenommen wird.
Image via ChatGPT (KI-generiert)
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