Roborock S7 im Test: Beschwingte Reinigung der eigenen vier Wände

Saugroboter halten in immer mehr Haushalten Einzug. Doch die meisten Exemplare lassen beim Thema Sauberkeit zu Wünschen übrig. Mit dem Roborock S7 wurde auf der virtuellen CES 2021 ein neues Modell mit innovativer Wischfunktion per Vibration vorgestellt. Je nach Untergrund soll sich die Wischeinheit auch heben lassen. Hält die smarte Haushaltshilfe was sie verspricht? Ich habe den Roborock S7 im Alltag getestet.

Weiße Ware mit allerhand Sensorik

An das Design der Saugroboter haben wir uns mittlerweile gewöhnt. Auch das aktuelle Modell des chinesischen Herstellers Roborock kommt mit dem bekannten, runden Formfaktor daher: Mit einem Durchmesser von 35 Zentimetern ist er kompakt und passt perfekt in ungenutzte Ecken der eigenen Wohnung. Entgegen der einfacheren Saug-Gadgets baut der Roborock S7 mit 9,6 Zentimetern jedoch etwas höher. Grund dafür ist das kopfseitige Lasersystem, das schon in den Vorgängergeräten zum Einsatz kam. Damit kartografiert er die Räumlichkeiten und navigiert zuverlässig umher. Aber dazu später mehr. Das Nettogewicht liegt bei vertretbaren 4,7 Kilogramm.

An der Frontseite befindet sich ein Tast-Sensor, der Gegenstände durch leichte Kollisionen erkennt und umfährt. Ferner bietet der Roborock S7 im vorderen Bereich drei physische Buttons, mit denen sich der Sauger auch ohne App steuern lässt. Neu ist eine Kindersicherung, die dem Nachwuchs oder den vierbeinigen Mitbewohnern durch Sperren der Tasten das Starten verbietet. Unter einer Klappe in der hinteren Hälfte des Roborock S7 findet sich der 470 Milliliter fassende Staubbehälter. Er ist etwas kleiner ausgefallen als beim S6 MaxV und liegt etwas versetzt. Der 300 Milliliter fassende Wassertank verbirgt sich im hinteren Teil des Haushalts-Gadgets.

Der Staubbehälter des Roborock S7 befindet sich im hinteren Bereich.
Der Staubbehälter des Roborock S7 befindet sich im hinteren Bereich und lässt sich einfach entfernen. Image by Jonas Haller

Neu entwickelte Hauptbürste und schwingender Mopp überzeugen

Einige gelungene Neuentwicklungen finden sich auf der Unterseite des Roborock S7. Da ist zum einen die drehende Hauptbürste zu nennen, die federnd gelagert ist und somit auf verschiedenen Höhenniveaus zuverlässig arbeiten kann. Mit der innovativen Vollgummibürste hat der Hersteller zudem ein nerviges Problem des Vorgängermodells ausgemerzt: Lange Haare verwickeln sich nicht mehr so stark, sodass der neue Saug-Wisch-Roboter zuverlässiger seinen Dienst verrichtet. In Verbindung mit der dynamisch rotierenden Seitenbürste und der maximalen Saugkraft von 2.500 Pascal kann das Gerät mit einer sehr guten Leistung aufwarten. Etwas fummelig ist das Leeren und Säubern des verwinkelten Staubbehälters. Eine passende Entleerungsstation, die den Behälter selbständig von Unrat befreit, ist für den saftigen Aufschlag von 299 Euro verfügbar.

Des Weiteren wurde von den Ingenieuren die Wischfunktion deutlich weiterentwickelt. Bisher war ein selektives Wischen von bestimmten Bereich und Räumen nicht möglich. Der Saug-Wisch-Roboter zog das feuchte Tuch jederzeit mit. In der neuen Ausbaustufe hebt er das Textil in den entsprechenden Bereichen an. Der Roborock S7 fährt zu Beginn alle glatten Böden ab und saugt abschließend alle Teppichbereiche. Hierfür arbeiten die Sensoren im Kopfbereich sehr zuverlässig. Dank zwei Zentimeter Stufenhöhe stellen auch Langflorteppiche kein Problem dar.

Ferner ist für besonders schmutzige Bereiche mit eingetrockneten Flüssigkeiten die neuartige Ultraschallfunktion eine gelungene Weiterentwicklung. Mit bis zu 3.000 Schwingungen pro Minute schrubbt der feuchte Wischmopp Flecken im Handumdrehen weg. Das Ergebnis überzeugte. Wohl auch, weil eine elektrische Pumpe die Wassermenge punktgenau dosierte. Ein Sensor warnt, wenn das Reservoir zur Neige geht. Zudem zeigte sich im Test, dass der Roborock S7 nicht lauter als dessen direkter Vorgänger ist.

Neben der Vollgummi-Bürste wurde auch die Wischfunktion verbessert.
Neben der Vollgummi-Bürste wurde auch die Wischfunktion verbessert. Image by Jonas Haller

Dank großem Akku sind große Wohnungen kein Problem

Auch der Saug-Wisch-Roboter profitiert von den immer größeren Energiedichten unserer Lithium-Ionen-Akkus. So ist im Roborock S7 ein 5.200 Milliamperestunden fassendes Modul verbaut. Damit sind Saug-Jobs bis zu 300 Quadratmetern möglich. Das entspricht einer Laufzeit von 180 Minuten. Kommt die Wischfunktion zum Einsatz, hält der Akku 200 Quadratmeter durch. Wie auch die Vorgängergeräte findet der S7 jederzeit zuverlässig zurück zu seiner Dockingstation.

Auch die Basis wurde gezielt modifiziert und verbessert. Während sie sich beim Roborock S6 MaxV hin und wieder verschob, sitzt sie beim aktuellen Modell dank Anti-Rutsch-Matten bombenfest auf dem Boden. Zudem hat der Hersteller vor den Ladekontakten kleine Borsten integriert, die bei jedem Andocken des Saug-Wisch-Roboters die Kontakte zuverlässig reinigen. Der Ladevorgang an sich dauert weiterhin recht lang: Ist der Akku komplett leer, muss der Roborock S7 sechs Stunden an die Steckdose. Das stört in der Praxis allerdings nicht.

Vor den Ladekontakten besitzt die Basisstation Reinigungsbürsten.
Vor den Ladekontakten besitzt die Basisstation Reinigungsbürsten. Image by Jonas Haller

Companion-App mit wenigen Neuerungen

Gesteuert wird der neueste Spross der Roborock-Familie mit der bereits bekannten Companion-App. Die Integration gelingt unkompliziert und schnell. Allerdings benötigt man dafür den WLAN-Schlüssel. Ein kleiner Makel. Mit dem ersten Starten beginnt der Roborock S7 mit der Kartografie und der Definition der einzelnen Räume. Dabei fährt das Gadget bereits kontrolliert in Z-Form die eigenen vier Wände ab – der Lasernavigation sei Dank. Mittels Bodensensoren erkennt der Saugroboter Teppiche und zeigt sie in der App an. So konnte ich zudem exakt nachvollziehen wo gesaugt oder wo gewischt wurde.

Ist die Karte einmal online, lassen sich Sperrzonen exakt definieren. Hierbei besteht die Wahl zwischen dem Wisch- oder dem kompletten Reinigungsvorgang. Besonders gut gefiel die Bandbreite der Individualisierbarkeit des Prozesses: Neben der Saugleistung lässt sich Wischintensität und Wischroute bestimmen. Letztere eignet sich besonders für eingetrocknete Flecken, denn der Saug-Wisch-Roboter fährt dann einen genaueren Z-Weg doppelt ab und reduziert die Saugleistung.

Ferner bietet die Roborock-App die Möglichkeit Bereiche und Räume zur Reinigung zu definieren. Dies ist besonders praktisch, wenn der Saugroboter einfach nur die Küche säubern soll. Sobald der Wassertank leer ist, erscheint eine Meldung in der App. Auch bei geringem Ladestand sucht der Roborock S7 selbständig die Basisstation. Alexa-Nutzende freuen sich über die unkomplizierte Sprachsteuerung. So lässt sich das smarte Helferlein perfekt ins Smart Home integrieren.

Innerhalb der Roborock-App gibt es eine Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten.
Innerhalb der Roborock-App gibt es eine Vielzahl von Einstellungsmöglichkeiten. Screenshots by Jonas Haller

Fazit Roborock S7: Saugen und Wischen auf neuem Level

Saugroboter gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Doch bis dato genießt die Wischfunktion von den Herstellern nur eine stiefmütterliche Behandlung. Beim Roborock S7 kommt erstmals eine hochfrequente Schrubb-Funktion zum Einsatz, die die Wischleistung um ein Vielfaches erhöht. Zudem gefiel das neuartige Mop-Lifting, bei dem selbst Teppiche trocken bleiben.

Kritikpunkte gibt es kaum. Leider verzichtet Roborock auf den Einsatz des aus dem S6 MaxV (Provisionslink) bekannten Kamerasystems, das intelligent Hindernisse und Gegenstände erkennt. Zudem geizt der Hersteller mit Austauschfilter und -bürste. Ferner wäre ein weniger verwinkelter Staubbehälter wünschenswert gewesen. Haarknäuel verhaken sich hinter dem Filter. Dafür soll schon bald eine automatische Entleerungsstation Abhilfe schaffen.

Nichtsdestotrotz ist der Roborock S7 vor allem aufgrund der smarten Laser-Navigation und der ausgereiften App einer der besten Saug-Wisch-Roboter, die es aktuell zum AliExpress-Einführungspreis von 420 Euro am Markt gibt. Der Vertrieb über Amazon soll im April starten.


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Jonas Haller

arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Chemnitz und erforscht unter anderem 3D-Druckverfahren. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Durch die Techsite HTC Inside ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das Android Magazin aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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