PS3: Ego-Shooter im Frühling

Seit Ende der Neunziger Jahre spiele ich Ego-Shooter. Damals hießen die noch nicht so. Doom, Duke Nukem und Heretic hatten nächtelang für Gänsehaut gesorgt. Irgendwann habe ich aufgehört, mir selbst alle paar Monate das PC-Gehäuse mit den neuesten Grafikkarten und Speicherbausteinen vollzupacken. Die Playstation3 war nach der XboX meine Konsole der Wahl. In diesem März gab es neues Futter dafür: Bulletstorm, Homefront und zuletzt Crysis2…

Bulletstorm erinnerte mich anfangs ein bißchen an Borderlands. Es entpuppte sich aber schnell als ein krachender Egoshooter der kreativen Art. Denn mit der besonderen Peitsche und dem abgedrehten Humor spielte es sich schnell in meine Favoritenvirtrine. Ich mag eigentlich keine Science Fiction Umgebungen mit drögen Raumschiffen (außer Halo natürlich), aber dieses Szenario wird bei Bulletstorm auch nur ganz kurz bedient, danach geht es auf einem Planeten voller Mutanten munter zur Sache. Selten habe ich ein derart kreatives Feuerwerk an neuen Ideen in einem ausgelutschten Szenario erlebt. Das Upgraden der Fähigkeiten bzw. Waffen ist an die Art des Tötens gebunden. Wer es noch nicht gespielt hat, der wird angewidert sein. Aber mit der coolen Elektro-Peitsche plus die jeweilige Primärwaffe oder Tritte gelingen wirklich nette Einlagen, die einer üblen Form von Schwanensee zur Ehre gereichen. Sehr spaßig, sehr gut inszeniert. Da stört das schlauchartige Leveldesign wenig.

Auch bei Homefront gibt es keine frei begehbare Welt. Auch dort wird der Spieler durch die Level geführt wie an der Hundeleine. Allerdings ist hier alles sehr vorhersehbar. Die Story mit der koeranischen Invasion irgendwann im Jahr 2030 ist gut inszeniert und abwechslungsreich, aber es reicht hier nur zu einem soliden Eindruck. Das Spiel nimmt seine Story und sein Thema sehr ernst. Man hat den Eindruck, dass hier alles richtig gemacht werden wollte, denn auch und vor allem die Zivilisten sind hier besonders wichtig, anders als in der berüchtigten Flughafen-Szene von Modern Warfare. Man ist also auf der Seite der Guten, sozusagen bei der amerikanischen Résistance – beim Widerstand. Es geht quer durch Kalifornien bis zum großen Showdown auf der Golden Gate Bridge die San Francisco und Sausalito verbindet. Überzeugende Levels, spannend und grundsolide für den Wochenendekämpfer mit moralischem Impetus.

Crysis2 ist aus anderem Holz geschnitzt. Allein die Story und das spannende Leveldesign sind schon preiswürdig und stellen sogar Halo in den Schatten. Dort läuft man in einem Anzug mit besonderen Funktionen durch ein mit Aliens verseuchtes New York City und bekommt von verschiedenen Personen Hilfe und Aufträge. Auch hier läuft wieder alles geskriptet ab und es gibt praktisch keine Chance, die Welt auf eigene Faust zu erkunden wie in diversen rollenspielartigen Spielen à la Fallout. Aber dieses Manko ist keins. Denn die Story ersetzt die Freiheit. Allerdings weiß man beim dritten Versuch manchmal genau, wo die Feinde auftauchen werden. Mich erinnert die Story an Resistance und ich weiß nicht, wer von wem abgekupfert hat, da ich den ersten Teil nie gespielt hatte. In jedem Fall ist Crysis2 für mich seit langem mal wieder ein Grund, eine Game-Kritik zu schreiben: Zusammen mit dem sarkastisch-bösartig inszenierten Bulletstorm ist diese zweite, sehr spannende Auflage von Crytek ein echter Kauftipp für junge und alte Egoshooter-Fans…

Die Multiplayer im Playstation-Net habe ich noch nicht bei allen ausprobiert, deswegen fließt der Online-Eindruck hier nicht in meine Wertung ein. Aber ich denke, dass Homefront an dieser Stelle ziemlich aufholen kann.

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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