Pokémon Home – das neue Social-Hub für Taschenmonster

Die Pokémon-Reihe hat in letzter Zeit unter einigen etwas merkwürdigen Entscheidungen der federführenden Pokémon Company gelitten, zwar nicht finanziell, aber durchaus in Bezug auf das Interesse der Fans. Ein Grund dafür war vor allem die Pokédex-Kontroverse im Vorfeld zum Release von Pokémon Schwert und Schild. Das Fehlen von über 400 der beliebten Taschenmonster der vergangenen Jahre, stieß einigen Fans sauer auf. Nach der Ankündigung neuer Pokémon in der kommenden DLC-Welle namens „Insel der Rüstung“ und „Kronen-Tundra, folgt nun der zweite Schritt zur Erweiterung des Pokémon-Portfolios: das Online-Lagerungssystem Pokémon Home.

Pokémon Home – ein fast grenzenloses Pokémon-Lager

Pokémon Home erscheint sowohl für die Nintendo Switch als auch als Smartphone-App. Wie der Name bereits sagt, bietet uns der Online-Dienst eine neue Heimat für unsere kleinen Freunde. Ähnlich wie in der Software Pokémon Bank könnt ihr hier bis zu 6000 Taschenmonster in der Cloud speichern. Dabei greift der Service auf alle Pokémon aus Pokémon Let’s Go Pikachu und Eevee und Pokémon Schwert und Schild zurück. Auch die Smartphone-App Pokémon Go lässt sich mit Home verbinden. So könnt ihr all eure Pokémon in einer großen Cloud speichern und auf Pokémon Schwert und Schild übertragen. Die Monster aus Let’s Go und der Pokémon Bank lassen sich allerdings nicht mehr zurück transferieren, wenn sie einmal in Pokémon Home sind.

Tausch-Prinzip in Pokémon Home
So sieht das Transfer-System in Pokémon Home aus. Bild von der Presse-Seite von The Pokémon Company.

Auch Tauschen steht wieder einmal im Fokus von Pokémon Home. Der Service gibt euch vier verschiedene Tausch-Arten zur Auswahl. In der Wunderbox legst du Pokémon ab, die du nicht mehr brauchst oder mit denen du andere überraschen willst. Sie werden dann zufällig mit Pokémon aus anderen Wunderboxen ausgetauscht. Mit dem Global Transfer System (GTS) kehrt die beliebte Such- und Filterfunktion aus den vergangenen Teilen zurück. Hiermit lassen sich Pokémon effektiver suchen und für bestimmte Bedingungen (zum Beispiel Shiny) ertauschen. Der Gruppen- und Freundestausch sind relativ selbst erklärend. Hiermit könnt ihr entweder mehrere Pokémon gleichzeitig oder nur mit euren Freunden tauschen.

Dazu bieten die Boxen halbwegs nützliche Features, um die Stats, Fähigkeiten und Wesen eurer Mons zu überwachen. Auch die Möglichkeit, mehrere Viecher gleichzeitig freizulassen ist für Online-Spieler sehr hilfreich.

Tausch in Pokemon Home
Tauschen ist einer der Hauptaspekte in Pokémon Home. Bild von der Presse-Seite von The Pokémon Company.

Pokémon Home – die große Krux: das Abo-System

Pokémon Home ist in der Standard-Version kostenlos. Diese ermöglicht es euch, 30 Pokémon zu lagern, drei in die Wunderbox zu legen und ein Pokémon gleichzeitig in die GTS abzulegen. Für Geld könnt ihr ein Premium-Abo abschließen. 30 Tage kosten 2,99 Euro. Für 4,99 Euro erhaltet ihr 90 Tage Premium und für 15,99 Euro 365 Tage. Mit Premium könnt ihr den Pokémon Bank Transfer verwenden, 6.000 Pokémon lagern, 10 in der Wunderbox ablegen, 3 gleichzeitig im GTS und einen Gruppentausch erstellen. Außerdem steht euch die Richter-Funktion zur Verfügung. Ob das den nicht gerade geringen Preis rechtfertigt, muss jeder selbst entscheiden. Wenn ihr aber euer Abo beendet, ohne eure Pokémon vorher wieder in das Spiel zu übertragen, kommt ihr bis zum Abschluss eines neuen Abos erst einmal nicht mehr an sie heran. Es ist ein bisschen so, als würde die Pokémon Company eure Taschenmonster als Geiseln nehmen.

Teure Preise in Pokémon Home
Pokémon Home ist leider nicht gerade günstig. Screenshot aus der Smartphone-Version von The Pokémon Company

Ein kleiner Tipp: die E-Shop-Preise sind etwas geringer als auf dem Smartphone. Dort kostet das Jahres-Abo zum Beispiel schon 17,99 Euro. Schlagt also lieber auf der Switch zu.

Pokémon Home – Ponitas lange Reise

Mit dem neuen Service könnt ihr nun sogar Pokémon aus der dritten Generation bis zum Lagerungssystem Pokémon Home transportieren. Ein Beispiel: in Pokémon Schwert und Schild gibt es die sogenannten Galar-Formen. Das sind neue Versionen alter Pokémon, die mit neuen Typen und Fähigkeiten daher kommen. Die normalen Formen der Galar-Monster wurden lediglich von Touristen auf der Durchreise eingesetzt. Wenn man nun zum Beispiel ein gutes altes Feuer-Ponita haben will, muss man durch einen etwas längeren Prozess gehen. Für Ponitas Reise benötigt ihr fünf verschiedene Konsolen, mindestens fünf Spiele und drei Online-Services.

Zuallererst braucht ihr natürlich erst einmal ein Ponita. Dieses findet ihr auf dem Game Boy Advance-Spiel Pokémon Feuerrot (oder Blattgrün) auf dem Glühweg respektive Glühberg. Fangt es euch und speichert euer Spiel. Holt nun euren Nintendo DS hervor, wichtig dabei ist, dass es sich um eine Variante mit GBA-Spiele-Slot handelt. Nun müsst ihr sowohl Feuerrot und entweder Diamant oder Perl in euren DS stecken. Reist nun in Diamant von der kleinen Stadt Sandgemme per Surfer bis zum Park der Freunde. Hier könnt ihr einmal pro Tag 30 Pokémon übertragen (Wichtig! Das Pokémon darf keine VM-Attacken kennen). Nun haben wir also Ponita. Auch in Heartgold und Soulsilver gibt es den Park der Freunde in Fuchsiana City, in der ehemaligen Safari-Zone. So könnt ihr auch gleich noch die Johto-Region bereisen und eurem Ponita weitere Erfahrungen sammeln lassen.

Nervige Minispiele erschweren den Weg

Von der vierten Generation aus brauchen wir nun die Spiele Schwarz oder Weiß. Nach Spielende findet ihr auf der Route 15 das Porterlabor. Jetzt brauchen wir ebenfalls  einen zweiten Nintendo DS, den wir mithilfe des DS-Download-Spiels verbinden. Sechs Pokémon dürfen sich hier auf die Reise machen, darunter auch unser Ponita. Hierfür müssen wir ein etwas anstrengendes Minispiel absolvieren, bei dem wir mit einer Pokéball-Schleuder unsere sechs Viecher in einem hohen Gras-Feld abschießen müssen. Nur mit Ponita ist das jetzt kein Problem, aber wenn man früher bereits Hunderte an Pokémon übertragen wollte, wurde es schnell nervig.

Mittlerweile sind wir in der sechsten Generation angelangt. Zur Übertragung in die damals neu geschaffene Pokémon Bank, benötigen wir erst einmal ein Jahres Abo für fünf Euro und die zweite kostenlose Software Pokémover. Mit letzterer können wir nun eine gesamte Lagerbox aus Pokémon Schwarz und Weiß übertragen – diesmal ohne blödes Minispiel. Ponita wohnt jetzt also in der Pokémon Bank. Von hier aus steht uns die Welt offen. Wir können die Kalos-Region der sechsten Generation X und Y bereisen oder in Sonne und Mond die vier Inseln der Alola-Region erkunden. Aber vor allem können wir uns mit der Pokémon Bank auch mit Pokémon Home verbinden. Nach diesem finalen Transfer steht Ponitas Auftritt in der Galar-Region von Pokémon Schwert und Schild nichts mehr im Wege. Naja, fast nichts – außer eben mindestens drei Euro für ein einmonatiges Abo.

Im Jahr 2002 gestartet, sechs Generationen, acht Spiele und fünf Konsolen später, ist das Feuer-Pferd endlich im Jahre 2020 angekommen. Alternativ könnt ihr euch übrigens auch die E-Shop-Versionen von Pokémon Rot, Blau oder Gelb kaufen. Diese Ports haben auch eine Anbindung zur Pokémon Bank.

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Bilder von der Pokémon-Presseseite und eigene Screenshots aus der App-Version , The Pokémon Company, Nintendo

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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