„…oder fragen Sie Ihr Portal oder Ihren Apotheker!“

Bewertungsportale sind mittlerweile ein fester Bestandteil des Internets. Hotels, Geschäfte, Lehrer oder auch Ärzte – man findet für fast jeden Bereich eine passende Plattform. Für den Informationssuchenden scheinen die Vorteile klar auf der Hand zu liegen: Die schiere Menge an undurchdringlichen Informationen können durch solche Angebote aggregiert und durch Nutzer bereichert werden, um so Hilfe bei der Entscheidungsfindung zu bieten. Blogpilotin Doreen hat sich für euch mal mit Ärtzebewertungsportalen beschäftigt.

Wozu Bewertungsportale für Ärzte?

Was kann ein Ärztebewertungsportal überhaupt leisten? Welchen Nutzen haben solche Portale für den Patienten? Wenn man solche Fragen stellt muss man als erstes die potentielle Zielgruppe für diese Portale betrachten. Jemand, der schon lange mit seinem Arzt zufrieden ist und zu diesem ein Vertrauensverhältnis aufgebaut hat, wird diese Dienste nicht unbedingt nutzen. Falls es um Leistungen geht, die dieser Arzt, auf Grund einer anderen Spezialisierung, nicht erbringen kann, wird er ihm einen Kollegen mit der passenden Qualifizierung empfehlen.

An diesem Punkt kann ein Bewertungsportal eine Möglichkeit für den Patienten sein, sich über die Empfehlung des Arztes hinaus Meinungen aus Patientensicht einzuholen. Ansonsten sind sie Plattformen, auf die viele Menschen durch ihr Nutzungsverhalten im Internet schon von selbst kommen. So dienen Suchmaschinen als erste Anlaufstelle, um einen passenden Arzt in der Umgebung zu finden. Dabei konkurrieren die Bewertungsportale mit herkömmlichen Branchenverzeichnissen, die teilweise schon ausgeklügelte Kartenfunktionen und Routenberechnungen im Einsatz haben. So findet man schon mal einen Arzt in seiner Nähe, aber kann der auch empfohlen werden?

Docinsider, Imedo, Qype

DocInsider und imedo haben eine Infrastruktur geschaffen, die Patienten ermöglicht, Erfahrungen auszutauschen und die Ärzte in verschiedenen Kategorien zu bewerten. Qype im Vergleich dazu ist nicht auf das Thema Ärzte spezialisiert, dafür mittlerweile deutlich populärer als die beiden anderen Plattformen. Der Patient hat die Möglichkeit sich über Ärzte in seiner Nähe hinsichtlich der Behandlungsqualität sowie der Persönlichkeit des Arztes aber auch Wartezeiten etc. zu informieren. Je nach Bewertungsplattform sind die Bewertungsmöglichkeiten unterschiedlich, so gibt es bei DocInsider ein differenziertes Punktesystem gekoppelt mit einen Worturteil und Angaben zu Wartezeiten, Versicherungsstatus, Hausbesuche, IGeL-Leistungen. Bei imedo gibt es nur ein einfaches Punktesystem in vier Kategorien (Terminverfügbarkeit, Pünktlichkeit, Zwischenmenschliches, Mitarbeiter). Hier kann man die Bewertung auch anonym abgeben. Qype ist, wie schon erwähnt, keine spezielle Ärztebewertungsplattform, doch die Nutzer können einen Bewertungstext erstellen sowie Tags verteilen und den Gesamteindruck mit Punkten bewerten.

Oberflächlich gesehen sind diese Bewertungssysteme sicherlich ein Hilfe. Bei genauerer Betrachtung jedoch scheint das Punktesystem bei imedo zu kurz zu greifen. Es ist nicht genau ersichtlich, was die Person mit ihrer Bewertung gemeint hat. Da trägt ein Worturteil, wie es bei DocInsider und Qype zu finden ist, mehr zur Nutzer-/Patienteninformation bei. Des Weiteren ist anzumerken, dass die Bewertungskategorien wie Terminverfügbarkeit und/oder Pünktlichkeit nicht unbedingt auf die fachlichen Qualitäten des Arztes hinweisen. So kann es Missmanagement sein, welches zu Termin- und Pünktlichkeitsproblemen führt, aber auch unvorhergesehene Ereignisse, wie Notfälle.

Qualität steht und fällt mit Schreibkompetenz der Bewerter

Denkbar wäre aber auch eine Überlastung des Arztes, auf Grund seines guten Rufes. Ähnliche Probleme weisen auch die Abfragen nach konkreten Wartezeiten (DocInsider) auf. Bei Qype und DocInsider hat der Nutzer die Möglichkeit zusätzlich einen Text zu schreiben. Dabei hängt es jedoch auch von der Ausdrucksfähigkeit des Schreibers ab, inwieweit er den Sachverhalt adäquat schildern kann. Imedo und Qype bietet zusätzlich noch die Bildung von Gruppen, wie man es schon von anderen SocialNetworks kennt, in denen sich die Nutzer zu bestimmten Themen austauschen können. Aus Datenschutzsicht ist es positiv zu bewerten, sich auf den genannten Plattformen anonym registrieren zu können.

Was können nun Bewertungsportale für Ärzte leisten?

Der Arzt erhält zuerst einmal ein Feedback zu der Wahrnehmung durch den Patienten. Der Kontakt zu potenziellen Patienten wird auf jeden Fall erleichtert. Hier wirkt die Mund-zu-Mund Propaganda, über die gute Ärzte schon seit Jahrzehnten empfohlen werden, über die sozialen Kreise der Patienten hinaus. Die Plattform wird so zum Träger der Reputation ins Internet, was wiederum den Ärzten Kompetenz im Umgang mit diesem Medium abverlangt. So werden Bemühungen wie diese leicht als virtueller Pranger verstanden, ähnliches war schon bei spickmich.de zu beobachten. Aber auch da gilt: Wer gute Arbeit leistet und vertrauenswürdig ist, der wird auch online empfohlen werden.

Blogpiloten-Urteil

Ärztebewertungsplattformen beurteilen die Praxis und die Persönlichkeit des Arztes. Über die fachlichen Kompetenzen können sie nur sehr wenig aussagen. Keine der Plattformen fragt fachliche Kompetenzen ab. Allerdings ist fraglich, ob die Patienten diese auch wirklich sinnvoll beurteilen könnten. Teilweise sind die abgefragten Kategorien für den bewerteten Arzt schwer zu beeinflussen. Die Möglichkeiten der Terminvergabe und die Wartezeiten in der Praxis hängen oft auch vom Tagesgeschäft, d. h. Anzahl der Notfälle, die zusätzlich versorgt werden müssen, ab. Darüber hinaus ist es denkbar, dass die guten Bewertungen eines Artzes genau dazu führen, dass er mit eben diesen Kategorien Probleme bekommt.

Abgesehen davon gibt es auch strukturelle Defizite welche die Aussagekraft der Bewertungen beschränken. So ist es z. B. möglich bei den Bewertungsformularen nicht alle Kategorien ausfüllen zu müssen. Dies erschwert die Vergleichbarkeit der Bewertung sehr. Es ist festzustellen, dass derzeit einfach noch zu wenige Bewertungen auf den Portalen abgegeben werden um die Güte der Ärzte hinreichend ermitteln zu können. Bleibt zu hoffen, dass sich dies mit zunehmender Beteiligung von Patienten und Ärzten ändert.

Doreen Butze

studierte Soziologie, Psychologie und Betriebswirtschaft an der TU-Chemnitz. Sie ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Social Media. Privat bloggt Doreen unter http://www.finsblog.de über alles Mögliche und Unmögliche.


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