Obsidian und InXile – Microsoft kauft Rollenspiel-Entwickler

Auf dem Xbox Fanevent X018 in Mexiko gab es einen mächtigen Paukenschlag. Dort verkündete Microsoft, sowohl Obsidian Entertainment als auch InXile Entertainment übernommen zu haben. Beide Studios haben sich einen großen Namen im Rollenspielsektor gemacht und stehen für anspruchsvolle Kost alter Schule.

Obsidian: Lichtschwerter, Stift und Papier

Rollenspielkennern ist Obsidian Entertainment ein Begriff. Die aus ehemaligen Mitarbeitern der Black Isle Studios gegründete Spieleschmiede zeichnete sich anfangs vor allem für Fortsetzungen bekannter Marken verantwortlich. Star Wars: Knights of the Old Republic 2 und Neverwinter Nights 2 waren beides Fortsetzung erfolgreicher Bioware-Titel und basierten auf komplexen Pen & Paper-Systemen.

Mit Fallout: New Vegas ging es zurück zu den Wurzeln. Black Isle Studios entwickelte damals die ersten beiden Teile der Serie. Mit Fallout: New Vegas schuf Obsidian das für viele Spieler beste Fallout seit Wiederaufleben der Franchise. So fiel die Nutzerwertung auf Metacritic sogar besser aus, als der Metascore der Fachpresse.

Mit South Park: Der Stab der Wahrheit gelang dem Studio außerdem ein Überraschungshit. Obsidian gelang es, aus dem oft geschmacklosen aber auch stets gesellschaftskritischen Geist der Serie zu einer fulminanten Rollenspiel-Odyssee zu formen. Pillars of Eternity setzte schließlich einen weiteren großen Meilenstein. Das durch Crowdfunding finanzierte Spiel orientierte sich an alten Tugenden von Baldurs Gate und Co, schuf dabei aber eine eigenständige Marke. Dieses Jahr erst, veröffentlichte Obsidian Entertainment die Fortsetzung Pillars of Eternity 2: Deadfire. Die Fortsetzung wurde von der Fachpresse mit Lob überschüttet, konnte aber nicht annähernd an die Verkaufszahlen des Vorgängers anknüpfen.

Kotaku berichtete bereits im Oktober, dass eine Übernahme durch Microsoft erfolgen soll. Es wäre eher eine Frage „wann“ und nicht „ob“, hieß es in der Meldung.

InXile: Barden und Postapokalypse

Obsidian und InXile unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht stark voneinander. Das liegt wohl auch daran, dass InXile von Brian Fargo gegründet wurde, der vorher für Interplay Productions gearbeitet hatte – wozu auch Black Isle Studios gehörte.

inXiles Erstlingswerk war eine humorvolle Wiederbelebung des Spiels The Bard’s Tale. In den folgenden Jahren verlagerte sich der Fokus mehr auf Mobiltitel, wie die Super Stacker-Reihe. Hunted: The Demon’s Forge war zwar kein großer Wurf des Studios, leitete aber 2011 die Rückkehr zum Rollenspiel ein.

Ein weiteren Sprung zurück in die isometrische Perspektive gab es dann mit Wasteland 2 und Torment: Tides of Numenera, die wie Obsidians genreverwandtes Pillars of Eternity über Crowdfunding finanziert wurden. Zuletzt brachte InXile mit Bard’s Tale IV einen echten Nachfolger der alten Serie heraus und plant für 2019 die Veröffentlichung von Wasteland 3.

Gewaltiges Potential und anspruchsvolle Fans

Microsoft hat sich mit Obsidian und InXile zwei erfahrene Spieleschmieden an Land gezogen. Deren Zielgruppe war aber zuletzt eine sehr anspruchsvolle. Die Renaissance der isometrischen CRPGs erfreute vor allem Hardcorefans der alten Spielereihen. Der Massenmarkt wird nur selten angesprochen, auch wenn Divinity: Original Sin 2 von Larian Studios die Millionenmarke geknackt hat.

Microsoft hat nun eine starke Rollenspiel-Division an seiner Seite. Richtig genutzt, könnte der Microsoft starke Exklusivtitel an den Start bringen. Vor allem auf den Konsolen hat Sony derzeit die Nase sowohl bei den Konsolenverkäufen, als auch bei den Exklusivtiteln vorne. The Bard’s Tale IV und Wasteland 3 sollen übrigens trotz Übernahme auch für die Playstation 4 erscheinen.

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Image by Koch Media


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