Machen Erneuerbare den Strom teuer?

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz regelt die Einspeisvergütung der einzelnen Quellen für Ökostrom, also Windenergie, Photovoltaik und Biomasse. Manche behaupten, dass die Steigerung der Strompreise auf dieser Ursache basiert. Der Bundestagsabgeordnete Hans-Josef Fell ist Sprecher für Energiepolitik der Grünen in Berlin. Angesichts der vielen Gerüchte, literarischen Überhöhungen und widersprüchlichen Zahlen hat er einige Fakten zum Themenbereich Kosten/Nutzen des EEG zusammengetragen…

Viele Länder in Europa und auf anderen Kontinenten haben das EE-Gesetz bereits kopiert. Es hat die technologische Entwicklung zur Produktion Erneuerbarer Energien vorangetrieben. So war das Gesetz eine Grundlage für den weltweiten Siegeszug der Windenergie. Es ist durch seine Einspeisevergütung für Photovoltaik auch Entwicklungstreiber auf diesem Gebiet. Denn die Massenproduktion hat die Kosten für Solarmodule in den letzten Jahren rapide fallen lassen. Dadurch wurde es laut Fell möglich, die Vergütungen immer stärker abzusenken, seit 2004 sank die Vergütung für neue Solarstromanlagen im EEG um fast 60 % von 57 auf 33 Cent/kWh. Ein weiterter Grund mag auch darin liegen, dass die Strompreise andernfalls sonst noch viel eklatanter gestiegen wären als sie es ohnehin schon sind. Denn die Liberalisierung der Strommärkte über due Strombörse in Leipzig hat keinesfalls zu dem prognostizierten Preiskampf geführt.

Fell erklärt, dass die Erfolgsbilanz des EEGs sich auch auf dem Arbeitsmarkt sehen lassen. Heute arbeiteten über 340.000 Menschen in der Branche der Erneuerbaren Energien und weitere hundertausende Arbeitsplätze seien in den nächsten zehn Jahren möglich. 2010 werden über 17% des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen. Vor zehn Jahren war das von vielen für unrealisierbar gehaltene Ziel für 2010 noch 12,5%. 72 Millionen Tonnen CO2 wurden dadurch allein 2009 in Deutschland im Stromsektor vermieden. Zusätzlich kommt ein Vielfaches an CO2-Einsparungen durch Erneuerbare Energien in anderen Ländern hinzu, die es nach Ansicht des energiepolitischen Sprchers der Grünen ohne das EEG nicht gegeben hätte. In einigen Regionen sei die Branche der Erneuerbaren Energien bereits Hauptwirtschaftsfaktor.

Erneuerbare Energien würden bereits bereits heute Energieimporte im Wert von 5,7 Milliarden Euro vermeiden sowie externe Kosten in Höhe von rund 8 Milliarden Euro, davon der Löwenanteil im Stromsektor. Womit diese vermiedenen Kosten höher sind als die Mehrkosten der EEG-Umlage.

Nutznießer seien laut Fell auch die Kommunen, denen die Nutzung erneuerbarer Energien 6,8 Mrd. Euro in die Kassen brachte, z. B. durch Pachteinnahmen, Steuern oder Beteiligungen an Windparks etc. Dennoch stünden die Erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung heute unter Rechtfertigungsdruck. Ursache hierfür ist die steigende EEG-Umlage, welche die Differenzkosten zwischen EEG-Strom und dem durchschnittlichen Börsenstrom wieder gibt. 2011 soll die EEG-Umlage auf über 3 Cent ansteigen.

Fell weist daraufhin, dass gerade durch die Stromkonzerne und deren Verband, dem BDEW, wird in den Medien der Eindruck erweckt werde , als ob die Stromkunden aufgrund der Erneuerbaren Energien deutlich höhere Kosten zu tragen hätten. In den letzten zehn Jahren, ist die Stromrechnung eines durchschnittlichen Haushaltes um 27 Euro gestiegen, davon hat das EEG lediglich drei Euro ausgemacht. Richtig ist, dass die durchschnittlichen Haushaltsstrompreise zwischen 2000 und 2009 um 9,3 auf 23,2 Cent pro Kilowattstunde (kWh) gestiegen sind. Die EEG-Umlage stieg im gleichen Zeitraum aber nur von 0,2 auf 1,1 Cent pro kWh, war also nur zu
etwa 12 % für die Preissteigerung verantwortlich. Der Löwenanteil geht auf die gestiegenen Beschaffungskosten an der Strombörse zurück.

Seit 2009 hat sich die Situation verändert: Erstens gab es einen deutlichen Zuwachs an Erneuerbare-Energien-Anlagen; außerdem sind die Börsenpreise gesunken, was zu höheren Differenzkosten führte. Das allein erklärt den erwarteten deutlichen Anstieg der EEG-Umlage auf über 3 Cent/kWh aber nur zum Teil. Eine entscheidende Ursache sei jedoch das Hin und Her der Schwarz-Gelben Koalition bei der Kürzung der Vergütung für Solarstrom. Fast ein Jahr wurde gestritten und beinahe wöchentlich wurden neue Szenarien für den Kahlschlag bei der Solarförderung diskutiert. Die Folge: Alle Investoren wollten so schnell wie möglich ihre Anlagen fertig bauen. Statt einer kontinuierlichen Entwicklung des PV-Ausbaus habe das schwarz-gelbe Chaos zu einer Endzeit-Panik bei den PV-Investoren geführt. Das Ergebnis: Ein gigantischer Zuwachs an neuen Solaranlagen um ca. 8.000 MW und eine deutliche Steigerung der EEG-Umlage.

Der gestiegenen EEG-Umlage stehen erhebliche Kostensenkungen durch den Ausbau erneuerbarer Energien gegenüber. Weil an der Strombörse nur die Betriebskosten der Kraftwerke zählen, ist erneuerbar erzeugter Strom dort sehr günstig – hauptsächlich weil er keine teuren Brennstoffe benötigt. Immer wenn viel Wind weht oder die Sonne scheint, wird weniger Stromproduktion aus teuren fossilen Kraftwerken abgerufen. Die Börsenpreise sinken. Der so genannte „Merit-Order-Effekt“ senkte allein 2008 die Beschaffungspreise für die Stromhändler um bis zu 4 Mrd. Euro. Den Preisvorteil geben die Konzerne aber nicht weiter an die Kunden, sondern stecken ihn als Zusatzgewinn in die eigene Tasche. Dennoch wird verschwiegen, dass die Erneuerbaren Energien über einige Effekte auch zur Strompreissenkung beitragen. Zum einen erhöhen sie die Zahl der Stromanbieter, die in Konkurrenz zu den alteingesessen Konzernen treten. Zum anderen senkt der Erneuerbare-Energien-Strom die Großhandelspreise an der Börse. Dies bestätigt sogar die kürzlich publizierte umstrittene Studie von EWI-Prognos-GWS für das Energiekonzept der Bundesregierung.

In den letzten zehn Jahren ist die Stromrechnung eines durchschnittlichen Haushaltes um 27 Euro gestiegen, davon hat das EEG lediglich drei Euro ausgemacht. Neben dem bereits erwähnten geringen Anteil des EEG an der Stromrechnung eines durchschnittlichen Haushalts von nur 3 Euro, sank der EEG-Anteil am Industriestrompreis in den letzten Jahren laut des VIK, (Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V., in dem überwiegend stromintensive Unternehmen vertreten sind), sogar von 13 auf 10,4%. Das kann den Vorwurf, dass die Erneuerbaren Energien den Strom teuer gemacht hätten, kaum begründen… (jw/Hintergrundpapier Fell)

Mehr Infos hier:

http://www.bee-ev.de/_downloads/publikationen/sonstiges/2010/101004_BEE-HG_Kosten_Nutzen_EE.pdf

http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/update_ausbau_ee_2009_bf.pdf

Crosspost von www.erneuerbareenergien.de

http://www.energieverbraucher.de/de/Energiebezug/Strom/News__1094/#con-10319

http://www.ncwarn.org/wp-content/uploads/2010/07/NCW-SolarReport_final1.pdf

Crosspost von www.erneuerbareenergien.de

Jörg Wittkewitz

  ist seit 1999 als Freier Autor und Freier Journalist tätig für nationale und internationale Zeitungen und Magazine, Online-Publikationen sowie Radio- und TV-Sender. (Redaktionsleiter Netzpiloten.de von 2009 bis 2012)


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2 comments

  1. Hallo,

    aktuell sieht die Lage etwas anders aus. Die EEG-Umlage wird 2011 bei über 3,5 cent je kWh liegen (netto). Die Tendenz der nächsten Jahre ist auch klar. Vielleicht sollte hier mal ein aktueller Artikel eingestellt werden..

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