Liste der größten Twitter-(Nicht-)Fehler

pickihh

Klaus Eck hat drüben im PR-Blogger die Liste der 20 größten Twitter-Fehler gepostet. Wenn ich mir die Liste so durchlese bekomme ich den Eindruck, dass bei Befolgung der Ratschläge das Twittern konformistisch(er) werden würde. Twitter bildet meiner tiefen Überzeugung nach Facetten urtypischster Kommunikationsmuster ab und hilft mir dabei, sehr viel über das menschliche Kommunikationsverhalten zu lernen. Mag sein, dass für eine hochpolierte Vorbildtwitterei die Vermeidung von „Twitter-Fehlern“ genau das richtige sind.

Aber es nimmt dem Twittern die Authentizität, die selbst – und genau das ist für mich eine erstaunliche Erkenntnis – in den Serien von 140-Zeichen-Tweets aufblitzen kann. Ich will morgens von PickiHH begrüßt werden, denn wenn sie es nicht tun würde, wäre ich sauer. Ich will Dutzende Updates von MsPro, ich will automatische Updates von diezeit und ich will den Starbucks-, Döner- und Puller-Tweet von nico (ehemals rednix). Und zuletzt: Ich liebe Ego-Twittern. Ich mag es zu lesen, was andere Leute von sich und über sich sagen und preisgeben und reflektiere fasziniert über die Wirkung, die diese Egoschnipsel auslösen. Kurzum: Ich will keine twitternde Herde von Tagesschau-Nachrichtensprechern, sondern Egos, Egos, Egos mit Macken und Kanten.

Würde man keine Twitter-„Fehler“ mehr machen und würde alles nur noch schrecklich relevant, sinnbehaftet und egoentleert sein, dann hätten wir so etwas wie Twitkrit wohl nicht und wohl auch keine Twitterlesungen. Also bitte liebes Twittervolk: Findet euren Style, seid authentisch und macht ruhig den ein oder anderen Fehler. Es muss nicht immer ein Fehler sein, einen Fehler (aus Sicht anderer) zu machen. ;-)

Steffen Büffel

ist freiberuflich als Medien- & Verlagsberater, Trainer und Medienwissenschaftler tätig. Schwerpunkte: Crossmedia, Social Media und E-Learning. Seine Blogheimat ist der media-ocean. Außerdem ist er einer der Gründer der hardbloggingscientists. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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2 comments

  1. Natürlich ist meine Liste eine völlig subjektive. Demgemäß wundere ich mich auch gar nicht über die Gegenreden, die es auf Twitter und auch hier gibt. Regeln besitzen nie eine Allgemeingültigkeit. Sie sollen allenfalls ein wenig Orientierung bieten, mehr nicht.

    Alle Punkte, die ich im PR Blogger als „Fehler“ bezeichnet habe, begehe ich selbst hin und wieder (früher sogar regelmäßig) – und bin dafür immer wieder von Twitterern mit einem unfollow abgestraft worden – was völlig ok ist, weil niemand alles lesen will und muss. So what.

    Jedenfalls freue ich mich über die Twitter-Diskussion, die ich mit der Liste ausgelöst habe und hoffe damit zumindest zu einer Twitterkultur beizutragen, die eben nicht nur egozentrisch auf sich selbst schaut, sondern auch die Interessen ihrer Leserschaft berücksichtigt. Wer nur darüber twittert, wie toll er ist und was er/sie tut, der wirkt auf Dauer wenig inspirierend, es sei denn er/sie versteht wie Picki oder Podpimp zu unterhalten. Ausnahmen bestätigen so manche Regel.

    Und je mehr Menschen twittern, je mehr wir alle followen, desto stärker ändert sich das Twittern schon jetzt. Zumindest nehme ich es so wahr.

    Wer sich via Twitter privat unterhalten will, der darf das gerne. Twitterverbote gibt es nicht, die sind sinnlos. Aber wie viele Morgengrüße und privaten Sotissen hält jeder von uns aus? Bisher nehme ich vieles davon in Kauf, weil ich die Menschen mag oder die anderen Tweets schätze. Doch mit den steigenden Zahlen wird das schwieriger.

    Je mehr Menschen ich followe, desto deutlicher wird mir persönlich, was ich lesen mag und was mich weniger interessiert. Und das ändert natürlich meine Anforderungen an Twitter.

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