Kingdom Hearts 3 im Test – hat sich das Warten gelohnt?

Passend zum Europa-Release von Square Enix’ Kingdom Hearts: The Story so far am 29. März 2019, welches das Gedächtnis der Spieler hinsichtlich der komplexen Story der Reihe auffrischen soll, wollen wir euch unsere Meinung zum aktuellesten Teil Kingdom Hearts 3 nicht vorenthalten, welches Anfang des Jahres erschienen ist. Aber erst einmal gilt es den Kontext zu klären.

Im Jahr 2002 ging es Disney nicht gut. Neue Animationsfilme konnten nicht an die Erfolge der 80er und 90er anschließen und Konkurrent/Tochterfirma Pixar feiert mit seinen 3D-Animationsfilmen große Erfolge. Square Enix hingegen befand sich in der Blütezeit der Final Fantasy-Reihe. Im selben Jahr erschien der erste Teil der Kingdom Hearts-Reihe als Ergebnis einer der bizarrsten Kollaborationen in der Geschichte der Videospiele. Seitdem begeistert die Reihe, in der Micky Maus auf Sephiroth trifft, Spieler auf der ganzen Welt. 2019 hat die Reihe mit Kingdom Hearts 3 bereits stattliche siebzehn Jahre auf dem Buckel. Die Hauptreihe umfasst dabei mittlerweile vierzehn Titel, darunter zwölf Filler-Spiele.

Kingdom Hearts 3 wurde offiziell erstmals auf der E3 2013 mit den ominösen Worten “Now in Development” angekündigt. Danach dauerte es noch einmal sechs Jahre das Spiel auch endlich fertigzustellen. In einem Interview des Edge Magazines im Februar 2019 ließ Nomura beispielsweise vermuten, dass die Produktion auch deswegen so viel Zeit in Anspruch nahm, da man bei jeder Änderung am Spiel auf den Disney-/Pixar-Segen warten musste. Wären die Pixar-Welten in Kingdom Hearts 3 nicht genehmigt worden, hätte Nomura Teil drei der Reihe laut eigener Aussage womöglich nicht mal in Erwägung gezogen. Ob sich die Wartezeit gelohnt hat und Kingdom Hearts 3 seinem Hype gerecht wird, lest ihr hier!

Nostalgie-Achterbahnfahrt mit leichtem Ermüdungsfaktor

Zu Beginn habe ich mich wie jeder Fan der Reihe, vierzehn Jahre nach der Veröffentlichung von Teil zwei, enthusiastisch in das Spielgeschehen geworfen. Tatsächlich hatte ich für rund 20 Stunden großen Spaß an Kingdom Hearts 3. Danach setzte allerdings die Müdigkeit ein – denn Kingdom Hearts 3 lässt sich für mich am besten mit einem Besuch in einem Disney-Themenpark vergleichen.

Anfangs ist alles noch bunt, aufregend und durch die Nostalgie-Brille rosarot eingefärbt. Doch schon in der ersten Spielwelt – der Olymp, inspiriert durch den Hercules-Animationsfilm – meldeten sich erste Ermüdungserscheinungen, da diese Spielwelt so auch bereits im Vorgänger vorkam. Disney mangelt es nun wirklich nicht an fantasievollen Universen und Settings. Daher stoßen die insgesamt drei von acht wiederverwerteten Welten in Kingdom Hearts 3 schon bitter auf.

Was kann das Gameplay?

Das Grundgerüst des Kampfsystems hat sich kaum verändert. Die Kingdom Hearts-Reihe zählte allerdings schon immer zu Spielen mit einem leicht zu erlernenden Kampfsystem. Der Fokus der Spieler liegt eher auf Story und Ästhetik. Ein großer Schwierigkeitsgrad von Encountern sollte nicht zu sehr davon ablenken, da der Spaß im Vordergrund steht. Hier kann man getrost den Einfallsreichtum der Entwickler loben. Diverse Bosse, von Themenpark-Attraktionen inspirierte Spezialattacken und die Spezialformen der verschiedenen Schlüsselschwerter mischen die Kämpfe auf und lassen es erstaunlicherweise selten langweilig werden.

Die neuen Toy Story-, Rapunzel- oder Baymax-Welten sind mit ihrer großen Liebe zum Detail übrigens beeindruckend. Denn in einem Gameplay-Aspekt haben sich die Entwickler diesmal wirklich sondergleichen ausgetobt: den Minigames. Ob Tanzen mit Rapunzel, als – sehr meta! – Videospiel im Videospiel in der Toy Story-Welt oder das Kochen mit Ratte Remy aus Ratatouille – die Entwickler beweisen Kreativität und bringen mit den diversen Minigames Abwechslung in den sonst so einheitlichen Kampfes-Brei.

Im gleichen Atemzug kann man ebenfalls das sogenannte Gummiphone erwähnen. Das ist Soras neues Smartphone, dass ihm von Chip und Chap (richtig gehört, A- und B-Hörnchen) zur Verfügung gestellt wird. Damit kann man sich zwischendurch ein Päuschen vom anstrengenden Alltag eines Schlüsselschwert-Kriegers gönnen und liebevoll gestaltete 2D Jump’n’Runs im ‘Steamboat Willy’-Stil spielen. Mit dem Gummi-Schiff bewegen sich Hauptcharakter Sora und seine Weggefährten Donald und Goofy zwischen den Welten. Diese Passagen waren zwar schon einmal nerviger, ziehen das Spiel aber dennoch unnötig in die Länge.

Fazit

Kingdom Hearts 3 ist das verspätete und vorläufige Ende einer Ära und erlaubt, dank einiger Gedächtnis-Auffrischer zur Story, alten und neuen Spielern nach all der Zeit dennoch einen gekonnten (Wieder-)Einstieg in die Reihe. Das radikale Fehlen von Final Fantasy-Charakteren und die Wiederverwertung von zwei Dritteln der Spielewelten ist enttäuschend. Dafür hat Square Enix dem Spiel an allen anderen Baustellen einen definitiven Feinschliff verliehen und Kreativität bewiesen. Wer mit der Reihe große geworden ist, wird zweifellos einen Blick auf das Game werfen. Da darf die rosarote Nostalgie-Brille gerne auch mal bei einigen weniger perfekten Spieledetails aufbehalten werden.

Für alle Spieler, die jetzt einen Auffrischer der Story brauchen: am 29. März 2019 veröffentlicht Square Enix die Spielesammlung Kingdom Hearts – The Story So Far, mit der sich Fans ihr Wissen zur komplizierten Story und der Unmengen an Charakteren noch einmal auffrischen können.

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Images by Square Enix

Lisa Kneidl

ist Spezialistin für Videospiele. Nach ihrem Bachelor in Medienwissenschaft in Erlangen und ihrer Zeit als Redakteurin bei den Netzpiloten in Hamburg ist sie jetzt freie Autorin. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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