Logitech-Manager Üslük: „Nur wer seinen CO2-Fußabdruck kennt, kann ihn ändern“

Wie wenig oder stark unser persönlicher Konsum den Klimawandel anheizt, veranschaulicht der sogenannte CO2-Fußabdruck. Er vermittelt in einer Zahl, wie viel Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre gelangt, während ein Produkt hergestellt wird oder wir es verwenden. Den CO2-Fußabdruck beispielsweise für jedes einzelne digitale Gadget herunterzubrechen, ist gar nicht so trivial. Nach eigenen Angaben als erstes Technik-Unternehmen berechnet und veröffentlicht der amerikanisch-schweizerische Hersteller Logitech den CO2-Wert für seine Mäuse, Tastaturen, Kopfhörer und weiteren Peripherie-Produkte. Was bringt das? Und vor allem, wie man kann man den eigenen CO2-Fußabdruck verringern? Darüber, wie die Produktion und der Gebrauch digitaler Technik klimafreundlicher werden können, sprachen wir mit Rico Üslük. Er leitet seit Dezember 2019 als Managing Director von München aus Logitechs Geschäft in Deutschland und Österreich.

Herr Üslük, Logitech weist auf Verpackungen die CO2-Bilanz des Produkts aus – welches Ziel steckt dahinter?

Rico Üslük: In einer Branche, in der elektronische Komponenten und Kunststoffe eine entscheidende Rolle spielen, ist die Transparenz über den eigenen CO2-Fußabdruck ein wichtiger Schritt, um Veränderungen in den Köpfen voranzutreiben. Das ist aber nur der Anfang. Branchenweit muss hier an einem Strang gezogen werden, um wirklich etwas zu bewirken. Wir hoffen, dass eine erhöhte Aufmerksamkeit und ein größeres Engagement der gesamten Industrie dabei helfen, die Verbraucherinnen und Verbraucher über den CO2-Fußabdruck ihrer Kaufentscheidungen aufzuklären.

Woher sollen Kundinnen und Kunden wissen, ob der CO2-Wert eines Produktes gut oder schlecht ist?

RÜ: Ein „guter“ Fußabdruck sollte immer im Verhältnis zum jeweiligen Produkt stehen. Ziel muss es dabei immer sein, den CO2-Wert so niedrig wie möglich zu halten. Derzeit können ähnliche Produkte zwar noch nicht direkt miteinander verglichen werden, aber wir möchten unsere Kundinnen und Kunden schon jetzt über die CO2-Bilanz unserer Produkte informieren und ihnen damit die Möglichkeit geben, nachhaltig orientierte Entscheidungen zu treffen. Momentan kommunizieren nur wenige Unternehmen den CO2-Fußabdruck ihrer Produkte, wir hoffen jedoch, dass sich dies künftig ändern wird. Bis dahin können wir anhand des Treibhausgas-Rechners der US-Umweltschutzbehörde EPA unsere CO2-Emissionen mit denen gängiger Alltagsprodukte vergleichen. So erzeugt beispielsweise die Produktion von etwa einem Kilogramm Schokolade (907 Gramm) einen CO2-Ausstoß von 19 Kilogramm.

Wie genau errechnen Sie den CO2-Fußabdruck?

RÜ: Wir berechnen den CO2-Fußabdruck eines Produktes für dessen gesamten Lebenszyklus. Dabei beziehen wir alle Werte von der Gewinnung des Materials, über die Herstellung, den Vertrieb, die Nutzung beim Endkunden bis hin zur Entsorgung des Produkts mit in die Berechnung ein. Das ermöglicht Verbraucherinnen und Verbraucher maximale Transparenz.

Laut Ihres Nachhaltigkeitsberichts 2019 ist der CO2-Anteil, der beim Gebrauch entsteht, mit ein bis sieben Prozent gering. Welchen Einfluss können Verbraucherinnen und Verbraucher darauf nehmen, den Fußabdruck zu verkleinern – etwa durch eine längere Nutzung?

RÜ: Dieser CO2-Anteil errechnet sich aus der verwendeten Energie beim Gebrauch eines Produktes in einem durchschnittlichen Lebenszyklus. Verbraucherinnen und Verbraucher können beispielsweise ihren Beitrag leisten, wenn sie nachhaltigen Strom buchen. Natürlich tun sie ebenfalls etwas für ihren CO2-Fußabdruck, indem sie ein Produkt länger im Einsatz haben.

Logitech Maus-Verpackung mit CO2-Fußabdruck-Label
Zunächst auf ausgewählten Gaming-Produkten, bis 2025 auf den Verpackungen aller Produkte nennt Logitech den CO2-Ausstoß, der durch Fertigung und Gebrauch entsteht. Image by Logitech

Das Label vermerkt auch, dass das Produkt „CO2-neutral“ ist. Mit welchen Maßnahmen erreichen Sie das?

RÜ: In diesem Jahr wurde unser Produktionsstandort in Suzhou mit dem sogenannten CarbonNeutral-Zertifikat des Prüfunternehmens Natural Capital Partners validiert. Das bedeutet, dass wir den CO2-Fußabdruck der Anlage durch den Einsatz sogenannter iRECs-Energiezertifikate sowie durch CO2-Offsets kompensiert haben. Bei den CO2-Offsets handelt es sich um Investments in eine 100-Megawatt-Windkraftanlage in Rudong in China.

Ihre Nachhaltigkeitsziele stecken Sie sich selbst und den CO2-Lebenszykluswert berechnen Sie intern. Wie weisen Sie nach, dass Sie sich nichts „schön rechnen“?

RÜ: Um die Verlässlichkeit der Berechnungen zu gewährleisten, arbeitet Logitech eng mit verschiedenen Partnern zusammen. Dazu gehören neben Natural Capital Partners die iPoint Group sowie ein unabhängiges Institut, das die CO2-Auswirkungen auf Produktebene nach den entsprechenden DEKRA-Zertifizierungsstandards verifiziert und validiert. Logitech übermittelt dafür freiwillig Informationen zur CO2-Bilanz seiner Produkte. Über einen Online-Zugang erhalten die Partner Zugriff auf Daten zu den Methoden, Protokollen und Standards, nach denen wir – gemäß der ISO-Normen 14067 und 14026 – den CO2-Fußabdruck bemessen, kommunizieren und kennzeichnen.

Sie drucken die Hinweise groß und gut sichtbar auf die Kartons. Wäre es nicht sinnvoll, überhaupt so wenig wie möglich Verpackung zu verwenden?

RÜ: Das ist sogar sehr sinnvoll. Wir reduzieren bereits gezielt den Plastikanteil in Verpackungen und auch die Gesamtmenge an Verpackungsmaterial. So konnten wir etwa bei dem 2019 erschienenen G933S Headset, das in Deutschland G935 heißt, den CO2-Fußabdruck der Verpackung um 54 Prozent im Vergleich zum Vorgängermodell von 2015 reduzieren. Dabei verwenden wir hauptsächlich wiederverwertbare und bereits recycelte Materialien. Recycling ist generell ein wichtiger Faktor für unsere Nachhaltigkeitsstrategie. Aus dem Material von drei alten Produkten können wir zwei neue fertigen.

Sie setzen das CO2-Label zuerst bei einigen Gaming-Produkten ein und wollen die gesamte Kategorie bis Jahresende labeln. Gaming ist mit 23 Prozent des Umsatzes zwar Ihr größter Geschäftsbereich, aber eben nur einer von mehreren. Warum starten Sie damit und wann folgen die anderen?

RÜ: Wir beobachten verstärkt, dass Verbraucherinnen und Verbraucher nach klaren, transparenten und glaubwürdigen Aussagen zu den Klimaaktivitäten von Unternehmen suchen. Unsere Absicht ist es daher, bis 2025 vollständige Transparenz über unser gesamtes Produktportfolio zu schaffen. Die Analyse und Validierung, um dies zu erreichen, erfordert einen erheblichen Aufwand und Zeit, sodass wir mit den Produkten beginnen, für die diese validierten Daten bereits vorliegen. Dabei beziehen wir auch künftig die Verbraucherinnen und Verbraucher ein und suchen stetig den Dialog mit Nachhaltigkeits-Fachleuten.

Das Interview haben wir in Kooperation mit Logitech schriftlich geführt.

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Images by Logitech

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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