Endlich: Nikon kündigt spiegellose Vollformatkamera an

Die Spatzen haben es schon von den Dächern gepfiffen. Jetzt bestätigt Nikon das Gerücht. Der japanische Fototechnik-Hersteller stellt zur Photokina eine spiegellose Vollformatkamera vor. Passend zur Nikon-FX-Vollformatkamera wird es auch Nikkor-Objektive mit einem neuen Bajonett geben. Das ist in der Foto-Welt eine kleine Sensation, da Nikon bisher sehr stark an seinem traditionellen Geschäft mit DSLR-Kameras, also solchen mit Spiegelreflex-Technik festgehalten hat. Spiegellose Kameras gelten allgemein als die Zukunft der Fototechnik.

Nach einem glücklosen Versuch mit der kleinformatigen spiegellosen Kamerareihe Nikon 1, geht der Hersteller jetzt buchstäblich in die Vollen. Die neue Kamera wird auf einen besonders großen Bildsensor mit der Diagonale eines früheren Kleinbildnegativs setzen, im Volksmund auch Vollformat genannt. Das verspricht höhere Auflösungen bei gleichzeitig weniger Bildrauschen auch bei sehr wenig Umgebungslicht. Weil die Kamera über keinen Schwingspiegel verfügt, besitzt sie weniger mechanische Teile, die verschleißen können. Außerdem kann sie kompakter gebaut werden.

Zwar hat Nikon bereits Vollformatkameras mit Spiegel im Programm, aber die entsprechenden Objektive werden nicht ohne Weiteres zum neuen Modell passen. Dafür werden Besitzer eines bestehenden Objektiv-Fuhrparks auf einen Bajonettadapter zurückgreifen können. Diesen können Anwender mit den Nikor-Objektiven mit F-Bajonettanschluss verwenden, die Teil des Nikon-Digital-SLR-Systems sind und damit die Auswahlmöglichkeiten für Fotografen erweitern.

Wann die neue Kamera zu kaufen ist, was sie kostet und weitere Details hat Nikon noch nicht verraten. Ob sie so aussieht wie das DSLR-Flaggschiff Nikon D850 auf dem Foto oben, ist noch offen. Diese News hebt sich der Hersteller für die Photokina auf. Auch ein Teaser-Video gibt kaum etwas preis.

Nikon folgt Sony. Wann bringt Canon eine spiegellose Vollformatkamera?

Bisher hat nur Sony eine spiegellose Vollformatkamera im Programm, die Alpha 7, die es in gleich mehreren Ausführungen bereits in dritter Generation gibt. Branchengerüchten zufolge soll auch Canon eine spiegellose Vollformatkamera planen. Ähnlich wie Nikon, wenn auch nicht ganz so hartnäckig, setzt Canon bisher ebenfalls auf seine Marktmacht bei DSLR-Kameras. Canon hat sich noch nicht dazu geäußert. Mit einer Nachricht ist zur Imaging-Leitmesse Photokina im September zu rechnen.

Spiegellose Kameras mit Wechselobjektiven sind seit 2009 erhältlich. Sie laufen unter der Abkürzung DSLM, CSC oder ILC und verkaufen sich inzwischen besser als DSLR-Kameras. Kein Wunder, sind sie doch viel handlicher. Praktisch alle bekannten Marken haben inzwischen spiegellose Kameras im Programm, allerdings überwiegend mit kleineren Sensoren. Neben den erwähnten Herstellern wären auch noch Panasonic, Olympus und Fuji zu nennen. Mit Nikon 1 verfügte Nikon ebenfalls über eine solche Produktreihe, die allerdings erfolglos eingestellt wurde. Abgesehen von DSLRs ist Nikon sonst noch in Kompakt- und Bridgekameras mit großem Zoom aktiv.

Wegen der Fortschritte in der Bildsensortechnik bieten DSLMs mit kleineren Sensordiagonalen ebenfalls eine Bildqualität auf hohem Niveau. Eine spiegellose Vollformatkamera, wie die vorhandene von Sony und die angekündigte von Nikon, hat technikbedingt nochmals mehr zu bieten, ist allerdings auch etwas schwerer und ausladender.

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Image by Nikon


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Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Netzpiloten Apple und Netzpiloten Android befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Die Dissertation zur Geschichte der Fotoindustrie hat der Wirtschaftshistoriker erfolgreich abgebrochen, um sich der Digitalen Fotografie, Smartphones, der Apple-Welt, dem Smart Home und vielen anderen Bereichen der Consumer Electronics und IT in der Gegenwart zu widmen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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