Nikon Z: Zwei Kameras und drei Objektive fürs spiegellose Vollformat

Anders als erwartet hat Nikon schon vier Wochen vor der photokina 2018 die Foto-Bombe platzen lassen und nach einer Vorabankündigung das spiegellose Vollformatkamerasystem namens Nikon Z vorgestellt. Dazu gehören die beiden Kameragehäuse Nikon Z7 (42 Megapixel) und Nikon Z6 (24 Megapixel) sowie drei Objektive. Das Trio besteht aus einem Zoom (24-70 Millimeter) mit durchgängiger Offenblende F/4 sowie zwei Festbrennweiten mit 35 Millimetern und 50 Millimetern, die mit F/1.8 öffnen. Damit vorhandene Nikkor-Objektive mit F-Bajonett nicht reif fürs Altglas sind, lassen sie sich mittels eines FTZ-Adapters auch an Kameras des Z-Systems verwenden. Die Entwicklung von 20 weiteren angekündigten Objektiven zeigen, das der japanische Hersteller den Einstieg in die spiegellose Welt dieses Mal ernst meint.

Das Experiment der inzwischen eingestellten spiegellosen Kamerareihe Nikon 1 schlug fehl, weil die Leistung nicht den Erwartungen anspruchsvoller Fotografen entsprach. Hingegen die Eigenschaften des Z-Systems klingen deutlich vielversprechender. Wie Vorreiter Sony bei der Kamerareihe Alpha 7 bietet Nikon mit einem sehr großen Sensor nach dem ehemaligen Kleinbild-Standard („Vollformat“) Vorteile in der Bildqualität. Weil der Hersteller aber nicht mehr auf seine traditionelle Spezialität beharrt, den Schwingspiegel-Mechanismus der SLR-Ära, können die Gehäuse kompakter ausfallen. Das schont beispielsweise das Handgepäck von Fotoreportern.

Nikon Z7 und Nikon Z6 im Porträt

Herzstück beider Kameragehäuse sind rückwärtig belichtete CMOS-Sensoren, die aufgrund dieser BSI-Bauweise eine größere Lichtausbeute ermöglichen, was Signalaufbereitung erleichtert und für eine bessere Bildqualität sorgt. Anders als andere spiegellose Kamerasysteme messen die beide Z-Kameras die Schärfe nicht nur im Kontrastverfahren, sondern halten auf dem Sensor auch Autofokus-Pixel für die Phasenmessung vor (PDAF). Das erleichtert die Zusammenarbeit mit vorhandenen Nikkor-F-Objektiven.

Für Action ausgelegt

Außerdem ist der PDAF bei Motiven mit schnellen Bewegungen prinzipiell im Vorteil. Um möglichst umfassend zu messen, decken die AF-Sensoren 90 Prozent des Bildfelds horizontal und vertikal ab (Z7: 493 Messfelder, Z6: 273). Serienaufnahmen etwa von Sportszenen hält die Z7 mit bis zu 9 Bildern pro Sekunde und die Z6 mit maximal 12 Bildern pro Sekunde fest.

Scharf bei wenig Licht

Angesichts der Auflösung von effektiv 24,5 Megapixeln bei der Nikon Z6 sind detailreiche und gleichzeitig saubere, von Störartefakten befreite Bilder zu erwarten. Bei der Z7 packt Nikon mit effektiv 45,7 Pixel deutlich mehr Bildpunkte auf den Sensor, was Ausschnittsvergrößerungen und Highend-Bildretuschen etwa bei Porträts erleichtert, allerdings das Bildrauschen auch etwas stärker begünstigt.

Nominell lässt sich die Empfindlichkeit bei der Nikon Z7 auf extreme ISO 102.400 und bei der Nikon Z6 auf noch imposantere ISO 204.800 hochschrauben. Der praxistaugliche Wert liegt erfahrungsgemäß aber weit darunter. Für eine ausgewogene Signalaufbereitung, die bei allen ISO-Werten einen guten Kompromiss zwischen Detailbewahrung und Rauschentfernung ermöglicht, soll Nikons aktuelle Bildverarbeitungsengine Expeed 6 sorgen.

Videos in 4K-UHD

Neben Fotos zeichnen die Kameras im System von Nikon Z auch Videos auf. Dabei ist der moderne 4K-UHD-Standard (3.840 x 2.160 Pixel) bei 30 Bildern pro Sekunde möglich. Potenzial für Zeitlupen bietet die Aufnahme bei 120 Bildern pro Sekunde. Allerdings löst sie in dem Fall nur im Full-HD-Standard auf.

Bildstabilisator mit 5 Achsen und OLED-Sucher

Verwacklungsfreie Fotos und Videos aus freier Hand erleichtert bei schwachem Licht ein Bildstabilisator, der Bewegungen auf fünf Achsen ausgleicht. Ist er aktiviert, kann die Verschlusszeit um bis zu fünf Lichtwertstufen länger ausfallen.

Um das Motiv vor der Aufnahme möglichst aussagekräftig beurteilten zu können, verfügen beide Kameras über einen elektronischen Sucher. Dieser ist im Vergleich zu einem optischen Sucher auch im Dunkeln noch hilfreich. Dessen OLED-Display löst 3,7 Millionen Bildpunkte auf, deckt 100 Prozent des Bildfeldes ab und vergrößert es um sehr gute 0,8 Prozent. Das rückwärtige 3,2 Zoll große Touch-Display löst 2,1 Millionen Bildpunkte auf und ist neigbar.

XQD-Karte statt SD

Fotos übertragen Nutzer klassisch per Speicherkarte und Kabel oder verwenden dafür Nikons drahtloses SnapBridge-Verfahren. Dieses eignet sich für einen kontinuierlichen Transfer aufs Smartphone oder Tablet noch während des Fotografierens. Bluetooth stellt die Verbindung her, WiFi überträgt die Dateien. Das ist praktisch, wenn es schnell gehen muss und beispielsweise aktuelle Bilder für Social Media gefragt sind.

In der Regel bleibt jedoch die Speicherkarte das Transfermedium der Wahl. Überraschend entscheidet sich Nikon bei beiden Kameras gegen den verbreiteten SD-Standard. Stattdessen verfügen beide Modelle über nur ein Kartenfach, das jeweils ausschließlich Karten vom XQD-Typ akzeptiert. Aktuelle XQD-Karten lesen Daten mit 440 MB pro Sekunde und schreiben diese mit 400 MB pro Sekunde. Das ist deutlich mehr als die leistungsstärksten SD-Karten zurzeit bieten. Dafür ist der Preis auch um ein Vielfaches höher.

23 neue und 360 alte Objektive mit Nikon Z nutzen

Nikon Z Objektive
Zum Start von Nikon Z erscheinen drei Objektive und ein Adapter. Ein viertes Objektiv kommt 2019. Image by Nikon

Zum Start von Nikon Z steuert der Hersteller drei für dieses Kamerasystem berechnete Objektive bei. Ein viertes kündigt er für kommendes Jahr an. Dabei handelt es sich um eine Linsenkombination mit 58 Millimetern Brennweite. Sie lässt mit Offenblende F/0,95 extrem viel Licht durch, bietet aber keinen Autofokus und erfordert ein manuelles Schärfen. In einem Fahrplan kündigt Nikon neben diesen vier Nikkor-Z-Objektiven noch 19 weitere an, die bis 2021 erscheinen sollen.

Darüber hinaus lassen sich laut Nikon mit einem Bajonettadapter auch rund 360 vorhandene Nikkor-F-Objektive am Z-System verwenden. Jedoch können die Z-Kameras dann nicht bei allen F-Objektiven auf die Belichtungs- und Autofokus-Elektronik zugreifen. Stattdessen müssen Nutzer dann manuell belichten und fokussieren.

Nikon Z Lens Roadmap
Diese Nikkor-Z-Objektive plant Nikon bis 2021. Image by Nikon

Preise und Verfügbarkeit von Nikon Z7, Nikon Z6 und Zubehör

Die Nikon Z7 erscheint als Kit zusammen mit dem 24-70-Millimeter-Objektiv für 4.300 Euro Ende September. Die Nikon Z6 kommt in dieser Kombination Ende November für 2.900 Euro auf dem Markt. Der FTZ-Bajonettadapter wird 300 Euro kosten.

Nikon Z7 Kit (Gehäuse + FTZ-Bajonettadapter)3.849 Euroab Ende September 2018
Nikon Z7 Kit (Gehäuse + 24-70 mm F/4 S)4.299 Euroab Ende September 2018
Nikon Z7 Kit (Gehäuse + 24-70 mm F/4 S + FTZ-Bajonettadapter)4.449 Euroab Ende September 2018
Nikon Z6 Kit (Gehäuse + FTZ-Bajonettadapter)2.449 Euroab Ende November 2018
Nikon Z6 Kit (Gehäuse + 24-70 mm F/4 S)2.899 Euroab Ende November 2018
Nikon Z6 Kit (Gehäuse + 24-70 mm F/4 S + FTZ-Bajonettadapter)3.049 Euroab Ende November 2018
Nikkor Z 24-70 mm F/4 S1.099 Euroab Ende September 2018
Nikkor Z 35 mm F/1.8 S949 Euroab Ende September 2018
Nikkor Z 50 mm F/1.8 S679 Euroab Ende Oktober 2018
FTZ-Bajonettadapter299 Euroab Ende September 2018

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Images by Nikon

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten sowie unsere Geschwisterseiten Netzpiloten Apple und Netzpiloten Android befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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