Elden Ring – Was dürfen wir vom kommenden From-Software-Spiel erwarten?

Bei unserer Highlight-Auflistung zu der diesjährigen E3 haben wir bereits auf den nächsten Titel der Dark-Souls-Macher aufmerksam gemacht: Elden Ring heißt das kommende Spiel des japanischen Entwicklerstudios From Software. Vor der E3 wurde schon fleißig gemunkelt und geleakt, sodass es keine große Überraschung mehr war, als bekannt wurde, dass George R. R. Martin an dem Spiel mitwirkt. Es ist zwar unwahrscheinlich, aber möglicherweise weiß noch nicht jeder, wer dieser Mann ist: Der Autor ist für seine Fantasy-Saga Das Lied von Eis und Feuer bekannt, die der amerikanische Programmanbieter HBO zu der Serie Game of Thrones verfilmte.

George R.R. Martin als Weltenschöpfer 

Fans der Serie schätzen vor allem das exzellente Storywriting. Dazu gehören eine gute Portion Unvorhersehbarkeit und interessante Charakterentwicklungen. Martin hat bewiesen, wie gut er neue, komplexe Fantasy-Welten erschaffen kann. Das Studio From Software ist durch seine extrem schwierigen sowie düsteren Dark-Souls-RPGs bekannt geworden. Das auf diesem Spielprinzip basierende Bloodborne war damals sogar für viele ein Grund, sich eine Playstation 4 zuzulegen – bis heute ist es ein Exklusivtitel. Dass das japanische Entwicklerstudio mit Martin zusammenarbeitet, lässt Fans Großes hoffen. Auch From Software selbst hat erklärt, dass es ihr bisher größtes Projekt ist.

Eine Mischung aus Fantasy, Kafka und H.P. Lovecraft

Die Mitarbeiter bei From Software sind Experten darin, sowohl bei der Ankündigung ihrer Spiele als auch in ihren Spielen selbst, mehr Fragen aufzuwerfen, als welche zu klären. Weder wird einem beim Zocken eines Dark-Souls-Titel die Story aufs Brot geschmiert, noch rücken die Entwickler gerne mit Details zu ihren neuen Spielen raus. So sind Spieler beispielsweise darauf angewiesen, kryptische Item-Beschreibungen zu lesen, um annähernd die Geschehnisse der Spielwelt in Zusammenhänge zu bringen. Der Clou ist aber, dass es nicht möglich sein wird, alle Fragen zu klären – der Spieler wird stets mit etwas konfrontiert, was er niemals gänzlich verstehen kann.

Und genau das lieben Fans unter andere daran. Vielleicht lassen sich die Spiele als kafkaesk beschreiben, die eine Mischung aus Fantasy-Setting und den Horror-Geschichten H.P. Lovecrafts sind. Auch der aktuellste Trailer von Elden Ring lässt vieles im Unklaren und lädt zum Spekulieren ein. Aber verrät der Trailer wirklich so wenig? Der Youtuber VaatiVidya ist großer Fan der Souls-Spiele und kennt sich ausgesprochen gut mit den Anspielungen, Querverweisen und Geschichten in den Spieluniversen von From Software aus.

Einflüsse aus der nordischen und keltischen Mythologie?

Seine Videos sind in der Souls-Community nicht ohne Grund sehr beliebt. Es gelingt ihm nicht nur, die düstere Atmosphäre der Spiele zu reproduzieren. Wie ein routinierter Vorleser, der ruhig und mit angenehmer Stimme spricht, erklärt er seinen Zuschauern, wie die Souls-Welten funktionieren. Auch den aktuellen Elden-Ring-Trailer hat er analysiert. Während viele Fans, aber insbesondere vielen Medien wenig mit dem Trailer anzufangen wissen und ihn als „vage“ kategorisieren, scheint er für VaatiVidya vieles zu offenbaren. 

Der Youtuber erkennt jedes Detail und versieht es mit einer Bedeutung. Der im Trailer zu sehende Schmied scheint demnach nicht nur eine Verbindung zur nordischen und keltischen Mythologie aufzuweisen. Er könnte auch die Erklärung für das asymmetrische Ring-Logo des Spiels sein. Auch die einarmige Frau im Trailer, die sich einen künstlichen Arm an das Schultergelenk setzt, spielt möglicherweise auf die keltische Mythologie an. Die irländische Sagengestalt Nuada besitzt ebenfalls nur einen Arm, bis ihr ein zweiter aus Silber geschmiedet wird. 

Was ist bisher über Elden Ring bekannt?

Game Director Hidetaka Miyazaki gab derweil einige Fakten in einem Interview preis: Wie erwartet, wird das Spiel ein Action-RPG sein und damit in der Tradition der Souls-Titel stehen. Eine der spannendsten Neuerungen ist die Spielwelt selbst. Das Leveldesign der Souls-Reihe und von Bloodborne war stets äußerst erfinderisch, trickreich und hielt viele Überraschungen parat. Nicht selten kam es vor, dass Spieler regelrecht staunten, weil sie nach langen, harten Kämpfen durch eine unauffällige Tür gingen und auf einmal wieder in dem Anfangsgebiet standen. Elden Ring wird zumindest in einer Hinsicht mit dieser Tradition brechen: Die Spielwelt wird dieses Mal offen sein.

Was das genau bedeutet, ist noch nicht ganz klar. Miyazaki weist darauf hin, dass es keine feste Definition für den Begriff „Open World“ gebe. Das Entwicklerteam habe einen eigenen Ansatz verfolgt. Es ist aber wahrscheinlich, dass die wohlbekannten Levelelemente aus den Souls-Spielen Eingang in die offene Spielwelt von Elden Ring finden werden. Mit knackigen Dungeons und harten Bosskämpfe dürfen Fans ebenfalls wieder rechnen. Der Game Director erklärt außerdem, dass Martin den Mythos der Welt von Elden Ring entwickelt habe. Aus diesem entspringen die Charaktere und alle mystisch-mysteriösen Elemente. In Kombination mit einer offen gestalteten Spielwelt könne es dem Spieler so ermöglicht werden, noch freier und vor allem tiefer in die Spielwelt einzutauchen, erläutert Miyazaki. 

Es ist also nicht auszuschließen, dass VaatiVidya mit seinen Interpretationen richtig liegt. Martin ist schließlich ein großer Geschichts- und Mythenkenner. Elden Ring wird vermutlich Anfang 2020 für den PC, die Xbox One und die Playstation 4 erscheinen.

Hier gibt es Sekiro, das derzeit aktuellste Spiel von From Software (Provisionslink)


Image by IGDB.com

Lennard Braesen

studiert Deutsch sowie Philosophie an der CAU zu Kiel und schreibt dort nicht nur gern Hausarbeiten, sondern auch Artikel für die Hochschulzeitung. Einer seiner Studienschwerpunkte ist die Technikphilosophie. Er interessiert sich für alles, was in kommenden Jahren unsere Gesellschaft revolutionieren könnte – damit ist er bei den Netzpiloten gut aufgehoben.


Artikel per E-Mail verschicken
Schlagwörter: , , , , , , ,