Einschlafprobleme durch Smartphones – jeder vierte betroffen

„Das sind Probleme, die ich früher noch nicht hatte“, heißt es in einem Lied von Kabarettist Bodo Wartke. Zwar ist das Lied mit kräftigem Augenzwinkern geschrieben, doch von neuen Problemen ist nicht nur Bodo betroffen, sondern ein Großteil unserer Gesellschaft. Eine vom Smartphone-Hersteller OnePlus beauftragten Untersuchung ergab: 24 Millionen Deutsche litten bereits an Einschlafproblemen aufgrund ihres Smartphones. OnePlus befragte dazu 1.000 Deutsche zu ihren Smartphone-Gewohnheiten. Einschlafprobleme durch Smartphones sind also offensichtlich ein tatsächliches Problem.

Vor allem die Millenials sind stark betroffen. Die Hälfte der 18- bis 34-Jährigen berichtete in der Befragung von Schlaflosigkeit, weil sie zu viel Zeit mit ihrem Smartphone verbringen. Doch auch ein knappes Drittel der 35- bis 44-Jährigen und 23 Prozent der 45- bis 54-Jährigen sind davon betroffen. Bei den über 55-Jährigen sind es „nur noch“ 16 Prozent.

Das blaue Licht verhindert Produktion von Melatonin

Das blaue Licht von Displays ist eigentlich praktisch. Unser Körper verbindet blaues Licht mit Tag. Es sorgt sowohl für die Ausschüttung des Glückshormons Serotonin, als auch des Stresshormons Cortisol, welche uns wach und konzentriert machen. Blaues Licht macht uns also leistungsfähiger.

Auf der anderen Seite stört das blaue Licht auch unsere innere Uhr. Der Körper denkt, es ist noch Tag und er müsse wach sein. Dabei brauchen wir abends eigentlich das Hormon Melatonin, welches uns schläfrig macht. Das blaue Licht verhindert jedoch dessen Ausschüttung und wir bekommen Probleme beim Einschlafen.

Das gilt allerdings nicht nur für das Handy-Display, sondern auch für den Monitor, wenn wir noch am Rechner sitzen. Nur ist es eher das Smartphone, das man sogar noch ins Bett mitnimmt, bis man sich endgültig schlafen legt. Auch ist es viel dichter am Auge als andere Bildschirme. Das bringt den Körper nicht gerade in den Schlafmodus.

Mittlerweile gibt es immer mehr Geräte mit einem Nachtmodus, der das blaue Licht reduziert und damit die Entspannung fördert. Ein Allheilmittel ist es trotzdem nicht.

Einschlafprobleme durch Smartphones: Wenn der Kopf noch beschäftigt ist

Blaues Licht ist nämlich nicht das einzige, was am Smartphone zu Einschlafproblemen führt. Wenn wir kurz vor dem Schlafen noch am PC oder Smartphone beschäftigt sind, fährt der Kopf noch eine Weile weiter Karussell. Statt abzuschalten, kreisen unsere Gedanken noch beim Spiel, dass wir gerade mit erschrockenem Blick auf die Uhr widerwillig beenden mussten.

Die innere Unruhe nimmt ihren Lauf. Wir versuchen gegenzusteuern, doch der bewusste Versuch nicht an etwas zu denken, macht es nicht selten noch schlimmer. Wir wälzen uns hin und her, schauen auf die Uhr – nur noch fünf Stunden bis zum Aufstehen. Noch mehr Stress, der uns das Einschlafen erschwert.

Für besseren Schlaf ohne Einschlafprobleme sorgen

Da wir das Problem kennen, können wir zumindest versuchen, etwas dagegen zu unternehmen.

Feste Schlafenszeit

Games, Streaming und Social Media lassen uns gerne die Zeit vergessen. Es hilft, sich eine feste Schlafenszeit zu setzen. Nicht nur zwingt man sich dann selbst zum Aufhören – auch der Körper stellt sich besser auf eine feste Uhrzeit ein. Auch feste Rituale vor dem Schlafengehen können euch helfen, besser einzuschlafen: zum Beispiel Tätigkeiten, die man immer wieder in derselben Reihenfolge macht. Der Kopf weiß irgendwann, dass diese Routine Schlafengehen bedeutet und stellt sich dementsprechend darauf ein.

Vor dem Schlafen zur Ruhe kommen

Da neben dem blauen Licht auch die innere Unruhe ein Problem ist, hilft es, sich vor dem Schlafen mit eher ruhigeren Tätigkeiten zu befassen. Das kann das Lesen eines Buches, das Hören ruhigerer Musik, ein Hörspiel oder ein kleiner Spaziergang sein.

Außerdem solltet ihr zwei bis vier Stunden vor dem Schlafengehen möglichst wenig essen oder trinken. Ist der Körper nicht mehr mit der Verdauung beschäftigt, ist auch der Schlaf besser. Solltet ihr doch noch spät essen, empfiehlt sich etwas Leichtes wie eine warme Suppe.

Gelassen bleiben

Macht euch keinen Stress, wenn ihr Einschlafprobleme habt. Steht lieber nochmal auf, schaut entspannt aus dem Fenster oder lest nochmal in einem Buch, anstatt euch selbst Druck zu machen. Wenn euch ein Gedanke im Kopf rumschwirrt, schreibt ihr ihn am besten auf. Er gerät so nicht in Vergessenheit und ihr wisst, dass ihr den Gedanken morgen weiterführen könnt. Macht euch außerdem bewusst, dass ein ruhender Zustand auch ohne Schlaf für Erholung sorgt. 

Interessante Erkenntnisse aus der Befragung

In der Befragung von OnePlus gibt es noch ein paar interessante Details zu den Einschlafproblemen, die wir euch nicht vorenthalten möchten.

  • Das Schlafzimmer ist der zweithäufigste Ort (31 Prozent), an dem Erwachsene ihr Smartphone nutzen. Nur das Wohnzimmer (50 Prozent) wird mehr beansprucht.
  • Bereits ein Drittel der Bevölkerung nutzt bewusst einen Displaymodus, um das blaue Licht zu reduzieren.
  • Saarland und Thüringen führen die Smartphone-Nutzung im Bett mit 46 Prozent an.
  • Jüngere Befragte und Männer gaben eher Müdigkeit nach intensiver Smartphone-Nutzung an, Ältere und Frauen dagegen Augenschmerzen.

Image by reewungjunerr via stock.adobe.com

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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