Drone Racing League – Präzisions-Rennsport mit Brille

Mit Kameras ausgestattet und fälschlicherweise oft als Spielzeug angepriesen, hängt Drohnen ein nicht ganz so guter Ruf an. Trotzdem sind die Drohnen angekommen. Im Elektro-Fachhandel, im zahlreichen Berufen – und mittlerweile auch im Rennsport.

Ja, richtig gelesen. Um die flinken Fluggeräte hat sich eine mittlerweile doch recht große Rennszene entwickelt. Eigentlich kein Wunder: Am Ende wird mit allem was einen Motor hat versucht, schneller als alle anderen zu sein. Sogar für Rasenmäher gibt es Rennveranstaltungen, die teils zehntausende Besucher anziehen.

FPV-Racing – Eine Szene der Bastler

Drohnen-Racing ist innerhalb der Szene sogar ein eher unbeliebter Begriff, da Drohnen mit der militärischen Nutzung schnell assoziiert werden. Der Begriff FPV-Racing ist üblicher. FPV steht für First Person View und bezeichnet die Besonderheit, dass diese Rennen aus der Sicht des Fluggerätes geflogen werden.

Möglich macht das die Kombination aus einer Kamera und einer Brille, die dem Piloten das Bild der Kamera anzeigt. Wer hier VR-Brillen erhofft, die ein dreidimensionales Bild erzeugen, wird enttäuscht sein. Die Brillen zeigen ein zweidimensionales und von etlichen Störungen durchzogenes Bild. Kompromisse, die man aufgrund der Funktechnik eingehen muss, die das Bild ohne Verzögerung übertragen. Reaktionszeit wiegt hier schwerer als ein gestochen scharfes Bild. Die spektakulären Videos im Internet stammen meist von einer zweiten, qualitativ hochwertigeren Kamera.

Wer FPV-Rennen fliegt, wird früher oder später zum Werkzeug greifen müssen. Die kleinen Quadcopter sind schnell und darauf ausgelegt, auf kleinste Steuerungsimpulse zu reagieren – ganz im Gegensatz zu Kameradrohnen, die viel Wert auf Stabilität legen. Selbst wenn man einen fertigen Racer kauft, wird schon bald eine Reparatur fällig.

Kein Wunder, dass die FPV-Piloten Bastler sind und sich ihre Fluggeräte meist selbst aus einzelnen Komponenten zusammenbauen. Entsprechend gibt es zwar je nach Liga Richtlinien, aber dennoch meist mehr als genug Spielraum für den findigen Tüftler. Da ist die Drone Racing League schon eine richtige Ausnahme.

Drone Racing League – Im Profisport angekommen

Die Drone Racing League (DRL), 2015 gestartet, versucht den FPV-Rennsport aus der Nische zu holen und zu professionalisieren. Die Piloten heißen Gab707, Jet oder A_Nub und gehören zu den besten der Welt. Sie stehen bei der DRL unter Vertrag, bekommen eine feste Bezahlung und haben teils schon ihren ursprünglichen Job gekündigt, um FPV-Racing als Fulltime-Job zu betreiben. Im internationalen Starterfeld sind mit Mcstralle und UpsidedownFPV auch zwei deutsche Piloten vertreten.

Geflogen wird in spektakulären Locations. So fliegen die FPV-Racer durch einen Skatepark in Los Angeles oder durch das künstliche Ökosystem des Biosphere 2 in Arizona. In Las Vegas fliegen die flotten Racer zudem wagemutig durch Achterbahnen und an Karusellen vorbei. In der BMW-Welt in München bestaunt sogar Livepublikum die spannenden Rennen. Gut 2.000 Zuschauer in und außerhalb der BMW Welt verfolgten das Geschehen vor Ort.

Pro Austragungsort gibt es zwei Qualifikationsgruppen. In vier Läufen werden die Piloten für die Finalgruppe ermittelt. Die einzelnen Läufe sind kurz und intensiv. Die durch leuchtende Tore abgesteckten Strecken verlangen den Piloten alles ab. Besonders waghalsige Tore müssen sogar mehr oder weniger blind kopfüber angeflogen werden. Wer ein Rennevent gewinnt, sichert sich vorzeitig einen Startplatz beim großen Saisonfinale in Saudi Arabien, wo die zehn besten Piloten der Saison den WM-Titel unter sich ausmachen. In den finalen 7 Läufen zählen die Leistungen aus der Saison dann nicht mehr. Die Piloten müssen dort auf den Punkt ihre beste Leistung hervorkitzeln.

Gleiche Bedingungen für alle

Auf der Suche nach der perfekten Linie werden den Drohnen immer wieder die Tore, Hindernisse oder eben auch Konkurrenten zum Verhängnis. Nur selten kommen alle Starter auch im Ziel an. Trotzdem ist es beeindruckend, wie robust die Racer über die wenigen Jahre geworden sind. Immer öfter überstehen die empfindlichen Quadcopter kleinere Kollisionen in der Luft.

In der DRL fliegt jeder mit Einheitsmaterial, das direkt von der DRL entwickelt wird. In der letzten Saison stellte die Liga in jedem Rennen eine Flotte von 600 Drohnen des Typs Racer 3 zur Verfügung. Mit fast einem Kilogramm Gewicht, sind die Racer 3 ein richtiges Schwergewicht, erreichen aber dennoch Spitzengeschwindigkeiten von fast 150 Stundenkilometern.

Ihre Robustheit verdanken die Racer unter anderem dem Gehäuse aus Polycarbonat. 209 LEDs sorgen dafür, dass der Quadcopter in den Farben des Piloten erstrahlt. So können die Zuschauer genau erkennen, wer gerade auf der Strecke die Nase vorne hat – außerdem sieht es verdammt cool aus. Der Winkel der Renn-Kamera ist die einzige Stellschraube der Piloten, die jedoch entscheidend für den Flugstil ist.

Ein faszinierender Sport trotz fehlendem Live-Faktor

Die Drone Racing League ist schon ein Spektakel. Die coolen Locations, die spektakuläre Beleuchtung und die kurzen, aber hitzigen Positionskämpfe sind einfach eine tolle Ergänzung zum klassischen Rennsport. Schade ist nur, dass die Rennen teilweise zu sehr „Produkt“ sind. Zwischen den Rennläufen gibt es immer Vorstellungen von Piloten, Interviews oder technische Einblicke in die DRL. Alles interessant, aber eben fertig zusammengeschnitten. Das Live-Erlebnis bleibt am Ende aus.

Leider fallen dem Schnitt auch einzelne Läufe der Qualifikationsgruppen zum Opfer, wo man dann doch lieber ein Interview weniger gehabt hätte, dafür aber ein Rennen mehr. Trotzdem ist es immer wieder schön zu sehen, wie die Fahrer sich zu besonders guten Leistungen gratulieren oder den letzten Zusammenstoß nochmal ausdiskutieren. Hier merkt man, dass es trotz des professionellen Produkts noch immer eine Szene ist – eine große, gemeinsame Familie.

Schon seit der ersten Saison strahlt Prosieben Maxx auch hierzulande den futuristischen Rennsport aus. Zuletzt lief die dritte Saison beim kleinen Bruder von Prosieben.

Wer sich selbst ein Bild vom anspruchsvollen Sport machen möchte, dem lege ich an den FPV-Simulator Liftoff ans Herz. Die ersten Flugversuche werden wahrscheinlich kaum über das erste Abheben hinaus gehen. Dafür belohnt einen die steile Lernkurve auch mit Erfolgserlebnissen, wenn man sich endlich in die ungewohnte Steuerung reingefuchst hat. Auch die DRL hat einen eigenen FPV-Simulator, über den auch schon Wildcard-Plätze für das Starterfeld ausgeflogen wurden.

Mit der Holy Stone FPV HS230 RC Racing Drone ins FPV-Racing einsteigen (Provisionslink)


Image by Drone Racing League

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let’s Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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