Destination Check: Digital Kindergarten 2019

Schon gleich mal vorweg: Wir hatten großen Spaß im Digitalen Kindergarten! Die Sprecherriege war bunt gemischt: Ein Star wie Nico Rosberg sieht Social Media als Ausgangspunkt für alles, was er noch erreichen will (zum Beispiel Platz 1 der New York Times Bestseller-Liste). Peter Christmann von Orange Ocean brennt für die Relevanz von Umweltbewusstsein in modernen Unternehmen. Henning Westerwelle von Infected, führt vor wie man digitale Spiele-Welten mit Marketing verknüpft. In weiteren Vorträgen ging es um Podcasts, Neuromarketing, Blockchain und vieles mehr.

Tolle Location, spannende Silent Events

Der Digital Kindergarten fand im legendären Hamburger Millerntor Stadion statt. Die Aussteller platzierten sich in der Haupttribüne und zwei Bühnen waren direkt am Spielfeldrand aufgestellt. Für sie hatten sich die Veranstalter einen besonderen Clou ausgedacht: An den Eingängen zur Tribüne lagen Kopfhörer aus, mit denen man zwischen den beiden direkt nebeneinander stattfindenen Vorträgen hin- und herschalten konnte. „Silent Events“, nennt sich die Technologie dahinter.  

Nico Rosberg auf dem Digital Kindergarten
Bei ihm wurden die Ränge voll. Nico Rosberg erzählt von seiner Social Media Strategie. Image by Stefan Reismann
Die Beerdigung des Autoschlüssels

Zur Mittagszeit gab es dann einen der denkwürdigsten Momente, als plötzlich eine Kapelle im Stadion zu spielen begann. Unter Pauken und Trompeten und fröhlich tanzend, wurde eine Art Sarg in das Stadion gebracht. In der anschließenden wortgewaltigen Rede nahm man schließlich Abschied von einem alten Freund, der uns schon so lange begleitet hat: Dem Autoschlüssel.

Auf diese herrlich absurde Art, stellte Bosch sein digitales Schlüsselsystem vor, das per Smartphone verwaltet wird. Öffnen, starten und schließen laufen bei Bosch also fortan ganz smart ab. Die Autoschlüssel lassen sich sogar zeitlich begrenzt mit anderen teilen, sodass man sein Auto auch weiterhin mal der Tochter oder einem Kumpel ausborgen kann. Nachrüsten lässt sich diese Technologie allerdings wohl nicht.

Die Beerdigung des Autoschlüssels
Bosch trägt den Autoschlüssel zu Grabe – mit schmissiger Musik. Image by Stefan Reismann
Technologietrends zum Anfassen

Was die charmante Konferenz zu einem digitalen Kindergarten machte, waren natürlich die unzähligen Gelegenheiten, bei denen man selbst Hand anlegen durfte. Ganz vorne dabei: Virtual Reality und Augmented Reality. Uns hat besonders der VR-Kicker gefallen oder die mit einem Geruchsmodul erweiterte VR-Brille, mit der man virtuell an Blumen riechen konnte. 

Es wurde aber nicht nur gespielt. Durchaus praktisch war zum Beispiel der Ansatz von Thyssenkrupp, die Augmented Reality mittels Holo-Lens für ihre Treppenlifte zu nutzen. Innerhalb kurzer Zeit wird die Treppe vermessen und über Brille oder Tablet eine Live-Demo des Treppenliftes gezeigt.  

Auch in Sachen Mobilität gab es einiges zu sehen. DroneMasters hatte Racing-Drohnen am Start, Byton zeigte sein neues Elektro-Auto und bei Egret durfte man Elektro-Roller ausprobieren. Und ja, es war natürlich auch ein Roboter Vorort: Entrance war mit dem süßen Pepper im Stadion.

Für unseren Destination Check haben wir direkt bei der Veranstaltung ergänzend noch die Eindrücke der Veranstalterin und von einem der Speaker eingesammelt: 


Jessica Steffenhagen von Achtung! Experience


Wie ist dein Eindruck vom Digital Kindergarten in diesem Jahr?
Foto von Jessica Steffenhagen
Image by Jessica Steffenhagen

Als Veranstalter ist es ja immer etwas schwierig, denn es läuft bei einem natürlich immer ganz viel zusammen, was an Kleinigkeiten auch mal nicht funktioniert. Aber ich finde die Atmosphäre hier toll und ich höre ganz viel positives Feedback. Was mich total freut ist, dass die meisten Aussteller auf mich zukommen und sagen: Wir haben wahnsinnig tolle Gespräche! Es ist ein ganz hochkarätiges Publikum und das war ja auch unser Anspruch, vor allem Entscheider*innen hierher zu bekommen und zu connecten und ebendiese Entscheider*innen auch mit anderen Unternehmen zu vernetzen und Dinge in ihr Unternehmen zu tragen. Auch, dass sie die neuen Technologien und Innovationen hier zeigen können.

Bist du zufrieden mit der Entwicklung der Veranstaltung?

Ja! Ich habe den Digital Kindergarten tatsächlich von der ersten Sekunde an begleitet und hauptverantwortlich umgesetzt. Das erste Jahr kann man eigentlich nicht zählen, da es damals bei uns in der Agentur noch eher ein Testprojekt war. Letztes Jahr war es schon ein bisschen größer auch mit Ticketverkauf. Da haben wir aber noch gemerkt, dass die Inhalte noch nicht ganz so breit waren, wie in diesem Jahr und das finde ich natürlich schön. Also wir haben so viele verschiedene Aussteller aus allen Branchen dabei, dass ich denke, das Format hat, wenn es jetzt so weiterwächst, ganz großes Potenzial, weil es eben jede Branche und jede Person betrifft und für jeden interessant und spannend sein kann. Ich glaube, dass hier ganz gemischte Leute zusammenkommen, macht auch die Veranstaltung aus.

Was erwartet ihr vom nächsten Digital Kindergarten?

Ich hoffe natürlich, dass wir im nächsten Jahr auch wieder ein bisschen wachsen können. Vielleicht nicht ganz so viel wie in diesem Jahr, denn wir haben uns in diesem Jahr von der Größe fast verdreifacht. Das ist natürlich toll und soll auch schön vorangehen. Ich hoffe, das geht so weiter und es wird größer und wächst – da bin ich gespannt.


André Fläckel, Director E-Sports bei Lagardère Sports 


Du hast hier einen guten Vortrag gehalten zu den Trends und Entwicklungen im globalen E-Sports-Markt. Was war dein Highlight auf dem Digital Kindergarten?

Ich muss sagen, dass ich die Speaker-Vorträge für sehr hochkarätig halte. Ich finde es aber auch klasse, wie die Aussteller hier ihre unterschiedlichen Produkte präsentieren. Nicht auf die übliche Sales Art und Weise, sondern es erlebbar und anfassbar machen. Das unterscheidet den Digital Kindergarten auch von anderen Messen.

Zum Thema digitale Entwicklung, digitale Trends: Deine Firma kommt ja aus dem klassischen Sportmarketing, inwiefern kann man die Erfahrungen daraus auf das E-Sport-Marketing, was ja dein Bereich ist, übertragen?

Die Frage haben wir uns am Anfang gestellt und das ist auch die Frage, die sich jeder stellen sollte, wenn er in den E-Sports eintritt. Und das ist die Frage „Wie kann ich Mehrwert geben?“ und ich glaube wir sind sehr gut darin, die Sprache der Gamer und E-Sportler zu sprechen. Wir sind aber auch sehr gut darin, die Sprache von Marken, globalen Marken, nationalen Marken, regionalen Marken zu sprechen und versuchen diese beiden Parteien zusammen zu führen. Wir wollen diese Bedürfnisse von allen befriedigen und nur so kommen werthaltige Partnerschaften zusammen, die auch für alle wertstiftend sind.

Das kompetitive Gaming ist ja doch sehr schnelllebig in der Form das häufig neue Titel auf den Markt kommen. Was für Herausforderungen stellt das für euch im E-Sport-Marketing dar?

Es sind weniger Titel, die neu rauskommen, als man denken würde. Spiele wie Counter Strike oder League of Legends gibt es schon sehr, sehr lange. Counter-Strike gibt es seit fast 20 Jahren, League of Legends gibt es seit 2009, seit 2011 werden professionelle Events dort ausgerichtet. Es gehört mehr dazu, ein Spiel zu haben, was einen kurzen Hype hat und darauf zu setzen. Oder man sagt, ich nehme einen Spieltitel, der hat sich schon etabliert und der hat ein Ökosystem gebaut, was für mich auch als Marke ein gutes Umfeld ist. Also die Kunst ist rauszufinden: „Auf welches Pferd setz ich?“. Und da gibt es Hilfe und da kann man mit Leuten und Agenturen und den richtigen Partnern zusammen arbeiten und dann sieht‘s am Ende des Jahres oder am Ende nach fünf Jahren sehr viel besser aus, als wenn nen Schuss ins Blaue wagt.

Wem würdest du den Digital Kindergarten empfehlen?

Ich denke, dass sich nicht nur digitale Marketing-Manager hier informieren sollten. Ich glaube das ist so ein bisschen, was die Grundlage ist. Ich denke aber auch, dass sich hier viele Geschäftsführer oder Marketing-Entscheider bündeln können. Am Ende glaube ich, um neue Themen zu etablieren – das gilt für E-Sports, das gilt für Influencer-Marketing, es war für Social Media – du brauchst immer jemanden auf operativer Ebene, der für das Thema brennt und das entwickelt und du brauchst jemanden auf Management-Ziellevel-Ebene, der das Thema mitträgt. Nur, wenn du so eine Kombination hast und beide davon überzeugt sind, dann passiert das am Ende auch. Und für diese beiden Menschen von Unternehmen ist hier eine sehr gute Plattform.


Image by Stefan Reismann

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