Ein Monitor, so groß wie zwei: LG 38WK95C-W im Test

Computerbildschirme im sehr breiten Format bieten mitunter so viel Arbeitsfläche, dass sie ein Setup mit zwei kleineren Monitoren ersetzen können. Das ist praktisch für alle, die am Rechner mit mehreren Anwendungen parallel arbeiten und sich dabei öfters heillos verzetteln. Mit einem einzigen, sehr breiten Monitor lässt sich zudem dem Kabelsalat vorbeugen, der mit einem zweiten, separaten Monitor einhergeht. Ferner erhalten Nutzer dann eine durchgängige Anzeige. Dadurch müssen sie Inhalte mit der Maus nicht von Bildschirm zu Bildschirm verschieben. Ein Beispiel für einen solchen Giganten ist das Modell LG 38WK95C-W. Der 38-Zoll-Monitor bietet so viel Fläche wie zwei separate 24-Zoll-Geräte. Auf dessen Displaydiagonale kommen imposante drei DIN-A4-Seiten unter. Wie praktisch erweist sich der LG 38WK95C-W im Test? Lohnt sich die Investition in Höhe von 1.000 Euro? Ich habe es ausprobiert.

Das bietet der LG 38WK95C-W im Test

Bei LGs Breitbild-Giganten sind allein schon die äußeren Werte ein Hingucker. Der Monitor besteht aus einem schicken schwarzen, gekrümmten Rahmen und einer weißen, relativ aufgeräumten Rückseite. Dadurch bleibt der Monitor selbst dann von hinten ansehnlich, wenn er freisteht. Ein halbkreisförmiger Standfuß im eleganten matten Metall-Look rundet die ansprechende Optik ab. Der Standfuß lässt sich um zehn Zentimeter in der Höhe verstellen, und das Scharnier zum Display hin nach vorne und hinten neigen.

Für stabile Blickwinkel und kräftige Farben kommt ein Nano IPS-Display zum Einsatz. Es löst bei einem Seitenverhältnis von 21:9 scharfe 3.840 x 1.600 Bildpunkte auf, erreicht also nicht 4K. Dennoch genügt das für sehr eine detailreiche Darstellung. An Computer ist der Monitor vielseitig anschließbar. Dafür stehen zwei Slots für HDMI, einer für DisplayPort und einer für USB-C zur Verfügung. Über den USB-Port lassen sich Smartphones mit dem Schnellladeverfahren Quick Charge mit neuer Energie betanken. Der LG 38WK95C-W unterstützt AMD FreeSync, worüber sich Gamer freuen, was ich aber nicht getestet habe.

Der Bildeindruck beim Arbeiten und Filmgucken

Angesichts der außerordentlichen Displaybreite erweist sich die Krümmung des LG 38WK95C-W im Test als vorteilhaft. Weil dadurch der der Sehabstand weniger als bei einem flachen Display schwankt, ermüden meine Augen nicht so schnell.

Drei Webseiten nebeneinander auf demLG 38WK95C-W
Auf dem LG 38WK95C-W lassen sich locker drei Webseiten nebeneinander darstellen. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Sobald die Sonne im Tagesverlauf zum Fenster meines Arbeitszimmers herumwandert, fällt mir die geringe Helligkeit des Displays auf. Bei starkem Umgebungslicht strengt das Betrachten sehr an. Mit 300 Nits ist die Leuchtstärke angegeben. Das entspricht zwar gutem Marktdurchschnitt, enttäuscht aber angesichts des hohen Preises. Dafür gefällt der LG 38WK95C-W im Test mit einem großen Farbumfang. Die Blickwinkelstabilität ist ausgezeichnet: Farbtreue und Helligkeit lassen auch bei seitlicher Betrachtung nicht störend nach.

Noch beeindruckender fällt die Farbdarstellung bei Videos aus, die in HDR 10 vorliegen. Davon profitieren Mac-Nutzer wie ich allerdings nur bei YouTube im Chrome-Browser. HDR-Streaming bei Netflix setzt die native App oder den Edge-Browser unter Windows voraus. Außerdem ist eine HDMI-Verbindung erforderlich, während über den DisplayPort kein HDR gestreamt wird.

LG 38WK95C-W im Test HDR-Modus
Im Bildschirmmenü stehen verschiedene Bildprofile zur Auswahl, auch eine HDR-Simulation, die die Helligkeit künstlich pusht und weiße Bildbereiche ausfressen lässt. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Davon zu unterscheiden ist der HDR-Effekt, der sich über einen kleinen, gut bedienbaren Joystick in den Bildeinstellungen des Monitors aktivieren lässt. Dabei wird die Helligkeit des Displays künstlich gepusht. Für Office-Anwendungen ist dieser Modus nicht optimal, weil weiße Bildbestandteile dann geradezu „ausfressen“. Für Filme, die ja oft dunkler abgestimmt sind, ist der künstliche HDR-Effekt aber von Vorteil. Außerdem zahlt sich bei Filmen das extreme Breitbild von 21:9 aus.

Arbeiten mit vielen Fenstern

Für die Darstellung von Programmen im Vollbild bietet die breitformatige Darstellung begrenzten Mehrwert. Ein Word-Dokument auf ganzer Fläche anzuzeigen, produziert selbst bei großer Schrift- und Dokumentengröße viel zu viel ungenutzten Rand. Dagegen ein Kreativprogramm wie Lightroom CC im Vollbild zu öffnen, bietet da schon eher einen Vorteil, weil sowohl das zu bearbeitende Bild als auch der Bilderstreifen am oberen Rand größer dargestellt werden.

LG 38WK95C-W im Test Lightroom und Photoshop nebeneinander
Für Kreativarbeiten ist der Breitbildmonitor ideal. Lightroom CC und Photoshop CC lassen sich komfortabel nebeneinander darstellen. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Viel sinnvoller ist es aber, mehrere Programmfenster zu öffnen und parallel darzustellen. Dafür wurde der LG-Monitor gemacht. Ob macOS oder Windows: beide Betriebssysteme ermöglichen mit Bordmitteln, zwei Programme automatisch anzuordnen.

Programmfenster LG OnScreen Control auf LG 38WK95C-W
Mit der Software OnScreen Control lassen sich mehrere Programmfenster auf verschiedene Weise anordnen – mit nur einem Mausklick. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Geht es um mehr als zwei Programmfenster, erlaubt eine Software von LG eine flexiblere Möglichkeit, die einzelnen Anwendungen schnell und ohne Platzverschwendung sinnvoll auszurichten. Das kostenlose Programm heißt OnScreen Control 2.0 und stellt verschiedene Vorlagen zur Auswahl. Ein Mausklick genügt, um beispielsweise drei Fenster nebeneinander oder in unterschiedlicher Größe anzuordnen. Diese Vorgehensweise empfinde ich im Alltag als sehr praktisch.

Eingebaute Lautsprecher per Kabel und Bluetooth füttern

Von einem Monitor erwarte ich eigentlich nur, dass er Bildsignale bestmöglich in Szene setzt. Doch auch in Sachen Sound hinterlässt der LG 38WK95C-W im Test einen guten Eindruck. Die eingebauten Lautsprecher geben Mitten und Höhen kristallklar wieder und bieten angesichts der Gehäusebreite sogar eine schön breite Stereo-Bühne. Im Vergleich zu einem MacBook Pro bietet das einen echten Mehrwert. Mit der genialen Basswiedergabe eines iMac kann der LG-Monitor allerdings nicht mithalten.

Joystick am LG 38WK95C-W
Mit einem Joystick lässt sich LG 38WK95C-W sowohl das Bild als auch die Lautstärke einstellen. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Praktisch: Als Zuspieler kommt nicht nur der Rechner infrage. Stattdessen lässt sich auch ein Smartphone via Bluetooth verbinden, um Musik von dort direkt auf den Monitorlautsprechern abzuspielen. Die Lautstärke wird entweder über den Joystick am Monitor oder über das Handy gesteuert. Zusätzliche externe Lautsprecher sind nur nötig, wenn ein kräftigerer Bass Musik oder Filme untermauern soll. Aber fürs Hören von YouTube-Tutorials oder Videokonferenzen betrachte ich die eingebauten Schallwandler als absolut ausreichend.

Ergonomie und Verarbeitung lassen Luft nach oben

Während mich der LG 38WK95C-W im Test in Sachen Design, Bildqualität, Bildschirmaufteilung und Sound überzeugen kann, lassen die Ergonomie und Verarbeitung zu wünschen übrig. Dass der Monitor mit 9,3 Kilogramm ein schwerer und sperriger Klotz ist – damit kann ich leben. Das ist eben die Kehrseite der üppigen Bildfläche. Deutlich lästiger ist im Vergleich dazu das riesige und schwere Netzteil, das sich kaum unauffällig verstauen lässt.

Ferner lässt die Befestigungsplatte, die per Klickmechanismus den Standfuß mit dem Monitor verbindet, Zweifel an einer langen Lebensdauer. Die Haltezähne der Platte haben bei meinem Testexemplar so viel Spiel, dass sich der Monitor nur mit Fingerspitzengefühl waagerecht ausrichten lässt. Außerdem wirkt die Konstruktion trotz eines an sich stabilen Standfußes wackelig. Bei Berührung, etwa, wenn ich das Display nach vorne oder hinten neige, wippt es kräftig nach.

Kabelmanagement LG 38WK95C-W
Mit einer Klammer lassen sich Kabel am Standfuß entlang führen. Das ist praktisch, sieht aber immer noch nicht sehr elegant aus. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Grundsätzlich praktisch ist die Klammer, die die Kabelverbindungen außen eng am Standfuß entlangführt und damit Kabelsalat vermeidet. Trotzdem ist diese Lösung nicht so elegant, als wenn sich das Kabel in einem Kanal innerhalb des Standfußes verstauen ließe. Dies mag Kritik auf hohem Niveau sein, aber bei einem derart kostspieligen Gerät ist der Wunsch nach Liebe zum Detail vertretbar.

Fazit: Bildstarkes Arbeitstier für Kreative

Einen überwiegend vortrefflichen Eindruck hinterlässt der Breitbildmonitor LG 38WK95C-W im Test. Als Hochpreisgerät überzeugt das Display erwartungsgemäß mit einer ausgezeichneten Darstellung. Schärfe, Farben – super! Nur die geringe Maximalhelligkeit ist ein Wermutstropfen. Am besten arbeiten Anwender in einem leicht abgedunkeltem Raum. Für das Arbeiten mit mehreren Programmfenstern ist der Monitor eine geniale Alternative zu einem Setup aus zwei Bildschirmen. Die Anordnung der Fenster durch die mitgelieferte Herstellersoftware geht schnell und einfach. Für Extra-Punkte sorgen die guten Lautsprecher und die Auflademöglichkeit von Handys über USB-C.

Smartphone aufladen am LG 38WK95C-W
Praktisches Extra: Per USB-C lädt der LG 38WK95C-W im Test ein Smartphone auf. Image by Berti Kolbow-Lehradt

Kritik muss sich LG angesichts der wackeligen Monitoraufhängung gefallen lassen. Wer über dieses kleine mechanische Manko hinwegsehen kann, erhält eine prima Lösung für Bildschirmarbeiten, bei denen der direkte Blick auf mehrere Programmfenster Gold wert ist. Zwar ist der LG 38WK95C-W für Wissensarbeiter, denen es nicht auf allerbeste Bildqualität ankommt, vermutlich zu teuer. Angesichts eines Preises von aktuell 1.000 Euro gehört er schließlich zu den sehr hoch bepreisten Modellen. Doch für Kreative, die ihr Geld mit der Bildverarbeitung verdienen, sind diese Kosten durchaus zu rechtfertigen.

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Images by Berti Kolbow-Lehradt

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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