Bitmoji Stories und Bitmoji TV: Wie Snapchat die Entertainment Branche revolutionieren wollte

Wer heute als Social Media Unternehmen überleben will, muss immer auf dem neusten Stand sein und seinen Nutzerinnen und Nutzern durchgehen neuen, spannenden Content bieten. Gerade Snapchat ist ein Unternehmen, dass sich in den letzten Jahren gegen immer stärkere Konkurrenz durchsetzen musste. Seit die beliebte Story-Funktion von Facebook adaptiert und auch auf Instagram und WhatsApp übertragen wurde, wird es dünn für Snapchat. Nicht zuletzt auch deswegen, weil TikTok bei jüngeren Userinnen und Usern immer beliebter wird und damit in direkter Konkurrenz zu Snapchat steht. Inzwischen ist klar, dass Snapchat auf die Dauer neue Wege brauchen wird, um in aller Munde zu bleiben. Ob die Bitmoji Stories und Bitmoji TV Episoden bei diesem Vorhaben hilfreich sein können, bleibt allerdings fraglich.

Was sind Bitmojis?

Bereits vor einer ganzen Weile hat Snapchat angefangen mit dem kanadischen Unternehmen Bitstrips zusammenzuarbeiten, die die sogenannten Bitmojis entwickelt haben. Wenn ihr regelmäßig in der App unterwegs seid, sind sie euch sicher schon aufgefallen. Bitmojis sind Figuren, die ihr in einer externen App frei gestalten und sie dann in eure Sticker und Emotes bei Snapchat einfügen könnt. Sie ermöglichen es zum Beispiel auch, Sticker zu verwenden, auf denen euer Bitmoji mit euren Freunden interagiert. Das ist ein tolles Feature, um verschiedene Stimmungen und Gefühle einfach und in bester Meme-Attitüde auszudrücken. Und eben diese personalisierten Figuren haben es jetzt auch in das Format der Bitmoji Stories und Bitmoji TV geschafft.

Zuerst kamen die Bitmoji Stories

Snapchat selbst gibt an, dass inzwischen 70 Prozent der Nutzerinnen und Nutzer ein personalisiertes Bitmoji erstellt haben. Um diese Leute, die das Bitmoji bereits regelmäßig verwenden, noch besser mit personalisiertem Content zu versorgen, wurden schließlich die Bitmoji Stories ins Leben gerufen. Wie der Name vielleicht schon vermuten lässt, sind das Kurzgeschichten im Hochformat, durch die ihr euch klicken könnt. Wenn ihr die Stories nicht automatisch in eurem Feed findet, müsst ihr einfach in der Suchleiste „Bitmoji Stories“ eingeben. Schon landet ihr in einem riesigen Archiv aus allen bisher veröffentlichen Comic-Strips.

Allerdings ist es der Inhalt dieser Stories, der mich stocken lässt. So handeln viele dieser „Kurgeschichten“ eigentlich nur von absurden Situationen, in denen euer Bitmoji zum Beispiel in einem Walrosskostüm herumhüpft oder sich als Nilpferd darüber beschwert, dass es sich fortpflanzen muss. Zugegeben erschließt sich mir nicht so ganz, was genau an diesen Geschichten einen Mehrwert bieten soll.

Bitmoji TV: Die Zukunft der Unterhaltung?

Doch es wäre zu einfach gewesen, bei personalisierten Comic-Strips aufzuhören: Im Rahmen von Bitmoji TV veröffentlich Snapchat animierte Kurzgeschichten, in denen euer persönliches Bitmoji eine Hauptrolle spielt. Mal hüpft ihr als Geheimagent über die Bühne, mal macht ihr bei einem Wettbewerb um das „America‘s Best Bitmoji“ mit. Auch die Bitmojis euerer engsten Freunde auf Snapchat erhalten hier eine Gastrolle. Das ist zugegeben eigentlich das beste an den Episoden von Bitmoji TV. In jeder Bitmoji TV Episode gibt es eine Hauptstory, die immer wieder von kurzen Sketches unterbrochen wird. Und um ehrlich zu sein sorgt das dafür, dass dieses Chaos nur noch unübersichtlicher wird.

Zumindest Bitstrips, die im Jahr 2016 von Snapchat aufgekauft wurden, sind überzeugt von ihrer „neuen Art des Entertainments“. „Wir glauben wirklich, dass wir hier eine neue Kategorie der Unterhaltung erschaffen haben.“, so Bitmoji Mitbegründer Ba Blackstock, gegenüber der Website TechCrunch: „Es ist gescripted, aber auch personalisiert. Das könnte man in eine Million verschiedene Richtungen entwickeln.“

Vielleicht doch eher etwas für zwischendurch

Zugegeben, einige der Episoden haben tatsächlich einen gewissen Witz, der mich zum Schmunzeln bringt. Aber oftmals ist es einfach die Absurdität der Kurzgeschichten, die meine Mundwinkel bewegt. Denn so wirklich lässt sich weder eine klare Struktur noch ein klares Ziel erkennen. Was selbstverständlich kein Problem wäre, wenn es wenigstens durchgehen unterhalten würde. Dem Thema Vertical Entertainment stehe ich ohnehin etwas skeptisch gegenüber. Trotzdem könnte ich mir durchaus vorstellen, dass das Potential hinter den Bitmojis noch nicht gänzlich ausgereizt ist. Im Moment werden alle Bitmoji Stories und Bitmoji TV Episoden von den Creatorn der Bitmojis selbst erschaffen. Doch eigentlich wäre viel interessanter zu sehen, wie kreativ die Community mit einem Tool umgehen würde, in dem sie selbst eigene Stories und TV Episoden erstellen kann. So wie das bereits in einigen Storytelling Apps der Fall ist.

Jetzt bleibt die Unterhaltung durch die Bitmojis aber eher etwas für „zwischendurch“ und hat letztlich doch nur wenig Alleinstehungsmerkmal. Vielleicht bin ich auch einfach nicht „selbstbezogen“ genug, um mein Bitmoji Gesicht in jedem Cartoon auf der Plattform sehen zu müssen. Letztlich mag es nett sein die kleine Stories und Episoden zwischendurch zu betrachten, aber den entscheidenden Vorsprung gegenüber der Konkurrenz werden sie wahrscheinlich nicht liefern können. Vielleicht lässt sich diese Idee aber tatsächlich in ganz neue Richtungen entwickeln, nur müssen das die Macher hinter den Kurzgeschichten erst einmal beweisen.

 

Dieser Text ist Teil der Netzpiloten Creative Tech Season. In dieser widmen wir uns von Oktober bis Dezember den kreativen Möglichkeiten, die uns Technologien bieten und geben euch Inspiration, Anleitungen, Tipps und Tricks für eigene Projekte! Hier findet ihr mehr Informationen zur Creative Tech Season sowie alle darin enthaltenen Artikel.

Leonie Werner

interessiert sich für alles, was mit Medien zu tun hat. Insbesondere für Themen im digitalen Bereich ist sie offen und in Sachen Gaming immer auf dem neuesten Stand.


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