Baldur‘s Gate 3 Preview: Zu viel Divinity?

Am 27. Februar war es endlich so weit. Endlich zeigte Entwickler Larian Studios erstes Gameplay von ihrem neuen Projekt Baldur‘s Gate 3. Es ist die Fortsetzung einer Reihe, die das Genre maßgeblich geprägt hat. Viele Spieler erinnern sich noch gut an das Fantasyabenteuer mit Charakteren wie Imoen, Xzar und natürlich den Waldläufer Minsc mit seinem Miniatur-Riesenhamster Boo („Immer auf die Augen, Boo!“).

Larian Studios führte das Genre hingegen in die neue Zeit. Divinity: Original Sin 2 bot nicht nur eine für ein CRPG sehr ansprechende Grafik, sondern zeigte auch ganz neue Möglichkeiten, mit der Umwelt zu interagieren. Das brachte dem Spiel einen Metascore von unglaublichen 93 Punkten sowie vergleichbare Wertungen der Spielerschaft ein. Mit dem gigantischen Erfolg im Rücken verwundert es kaum, dass Larian Studios am Ende den Zuschlag bekommen hat, 20 Jahre nach Baldur’s Gate 2, endlich den dritten Teil der Reihe auf die Welt zu bringen.

Spieler der Stadia-Präsentation des Spiels war kein geringerer als Larian-Gründer Swen Vienke. Angedacht waren laut seiner einleitenden Worte 10 Minuten Gameplay und 45 Minuten Q&A. Am Ende lief aber doch alles etwas anders.

Inhalt der Baldur’s Gate 3 Preview

Ein Bisschen Cthulhu und ein Bisschen Game of Thrones

Den Anfang der Anspielsession machte eine Cinematic. Ja, es gibt sie tatsächlich noch, die vorgerenderten kleinen Filmchen. In Zeiten von Hochglanztiteln wie Red Dead Redemption 2 oder Horizon Zero Dawn zugegeben deutlich seltener, aber noch lange nicht tot. Die Anfangssequenz hatte es zudem auch richtig in sich.

Im Fokus stand der Gedankenschinder, den man schon aus Artworks und dem ersten Rendertrailer kennt. Nur diese Szene war ungleich umfangreicher. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, wie viele von diesen Sequenzen es im Spiel gibt, doch allein für die Eröffnungsszene hat das Studio offenbar sehr tief in den Geldtopf gegriffen. Es hatte sogar einen Hauch von Game of Thrones – inklusive herausragend animierten Drachen und einem alarmschlagenden Geläut der Kirche.

Auch zimperlich war man bei der Regie nicht. Eine FSK12-Freigabe wird ganz offensichtlich nicht angestrebt, aber das war bereits beim ersten Trailer zu vermuten. Mir soll das natürlich Recht sein. Dass sich das westliche Rollenspiel in den letzten Jahren zunehmend erwachsener zeigte, gefällt mir ohnehin.

Auch Cthulhu-Vibes versprühte der Einstieg des Spiels. Das lag an dem erneut im Fokus stehenden Gedankenschinder, der von sehr Lovecraftscher Natur ist. Ob eine solche Kreatur das richtige Zentrum ist, um Neulinge an die Marke zu bringen? Daran zweifel ich eher. Für die große Masse könnte es etwas zu abstrakt sein, im Vergleich zu einem menschlichen Widersacher oder zumindest bekannteren Monstrositäten.

Zuletzt musste ich bei der Teleportationsdarstellung irgendwie an den Abschluss der Star Wars-Saga denken, als der Millenium Falcon von einer ikonischen Star Wars Locations zur nächsten hoppste. Bleibt zu hoffen, dass Baldur’s Gate 3 nicht zum Star Wars 9 der Kult-Spielereihe wird. Allerdings genießt die Entwicklerschmiede zumindest bei mir viel Vertrauen.

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Die Charaktererstellung in Baldur‘s Gate 3

Die Länge dieses Intros machte mir allerdings Sorgen. Nur zehn Minuten vom Spiel sollte gezeigt werden und dann braucht das Intro schon so lange? Und dann landete Swen Vienke auch noch erst in der Charaktererstellung. Auf eine eigene Erstellung des Charakters verzichtete er zum Glück und griff auf den vorgefertigten „Origin“-Charakter Astarion zurück, einen vampirischen Hochelfen. Das vampirische Erbe dieser Origin-Figur führt übrigens später auch zu eigenen Dialogoptionen.

Von den Origin-Charakteren gibt es bislang fünf, weitere kommen aber noch hinzu. In Divinity: Original Sin 2 waren die Origin-Stories potentielle Weggefährten, die man sonst bereits früh im Spiel traf. Ob das auch in Baldur’s Gate 3 so ist, lässt sich nur mutmaßen. In Original Sin 2 waren sie jedenfalls eine geniale Ergänzung, da man so einen mit Leben gefüllten Charakter hatte. Dort durften wir allerdings Gespräche auch über jeden Charakter der Gruppe führen, der durch seinen Hintergrund auch ganz eigene Dialogoptionen zur Wahl hatte.

Die individuelle Charaktererstellung ist aber auch nicht übermäßig komplex – zumindest gegenüber einem Pathfinder: Kingmaker, dessen Setting deutlich dichter am alten Dungeons & Dragons dran ist. Baldur‘s Gate 3 hingegen, basiert auf der neuesten Iteration des Regelwerks, Dungeons & Dragon 5E. In dieser Edition wurde vieles glattgezogen, um Einstieg und Spielflow zu vereinfachen.

Dafür das einiges vereinfacht wurde, sind die Klassen aber noch individueller. Ein Großteil der Fähigkeiten ist nämlich an die Charakterklassen gebunden, die ab der meist dritten Stufe die Wahl zwischen weiteren Unterklassen zulässt. Gar nicht so unähnlich mancher Onlinerollenspiele, in denen sich Klassen auch gerne nochmal aufsplitten. Für Magiewirkende wird es etwas komplexer, da diese sich an einem reichhaltigen Fundus an Zaubern bedienen dürfen. Doch auch Krieger dürfen sich auf eine Vielfalt an Optionen freuen.

Auf dem ersten Blick alles drin

Das Regelwerk ist im Charaktereditor gut umgesetzt, auch wenn das komplette Design enorm an Divnity Original Sin 2 erinnert. Die Schrift, die Anordnung von Zaubern und Fähigkeiten, das allgemeine Design – Die Wurzeln wirken hier deutlich näher beim hauseigenen Divinity, als bei einem Baldur’s Gate.

Inhaltlich spricht aber alles für Baldur‘s Gate. Die bekannten Rassen sind alle im Spiel. Ob Mensch, Elf, Zwerg, Halbling, Halbelf und Co – sie sind bereits fast alle vertreten. Swen verriet zudem, dass im Laufe des Early Access noch weitere Rassen hinzukommen sollen. Ob das Spiel auch alle Klassen der Vorlage bietet, können wir noch nicht sagen, aber es würde mich stark wundern, wenn nicht. Selbst die Charakterhintergründe sind nämlich 1:1 aus der Regelvorlage übernommen.

Drei Helden aus dem Spiel Baldur's Gate 3
Ein Großteil bekannter D&D-Rassen sind bereits vertreten. Sogar die psionischen Githyanki. Image by Larian Studios.

So dürfen wir auswählen, ob der Held beispielsweise einen Hintergrund als Unterhalter oder Volksheld hat. Im klassischen D&D geben diese Hintergründe kleine Boni für Skills außerhalb des Kampfes und mitunter ein paar andere kleine Goodies. Für ein Computerspiel bieten sich auf die Hintergründe zugeschnittene Dialogoptionen an.

Swen hält sich auch nicht all zu lange im Editor auf und startet relativ zügig ins Spiel. Wird ja auch höchste Zeit! Zuvor folgte jedoch der zweite Teil des Intros, in dem die Charaktererstellung eingebettet ist.

Erste Bekanntschaften

Mit Intro und Charaktererstellung waren die zehn Minuten eigentlich schon um, als es endlich ins Spielgeschehen ging. Und auch im Spiel wird ganz schnell deutlich, dass es sich hier um die aufgebohrte Engine handelt, die Divinity Original Sin 2 zum Leben erweckt hat.

Das ist an sich nichts Schlechtes. Wie bereits gesagt, machte das Spiel optisch doch etwas mehr her, als beispielsweise ein ebenfalls sehr ambitioniertes Pillars of Eternity. Dennoch war es nicht der Baldur’s Gate-Spieler, der sich beim Anblick freute, sondern der Divinity-Spieler. Das Anfangsgebiet erinnerte vom Look eben doch SEHR stark an das Anfangsgebiet aus Original Sin 2. Aber nicht nur das Gebiet, sondern auch das komplette User-Interface hat man ganz offensichtlich übernommen. Hätte ich das Gameplay ohne Kontext gesehen, ich hätte es minutenlang für Divnity gehalten.

Problematisch ist der Bruch der dabei zum Teil mit den gerenderten Szenen entsteht. Diese wirken nämlich deutlich düsterer und dreckiger, als es der deutlich buntere, wenn auch trotzdem blutige Look der Spielegrafik es dann fortführt. Hoffentlich bessert Larian noch mit einer kleinen Farbanpassung und einem eigenständigeren Interface nach.

Die Qualität der Vertonung im ersten Dialog mit der Halbelfe Shadowheart ist zumindest sehr solide. Ob es sich um die finale Vertonung handelt oder ein Ausschnitt, der extra für die Demo vertont wurde, steht auf einem anderen Blatt. Die Qualität des Storywritings lässt sich noch schwer beurteilen. Zu klein ist der Abschnitt, zu verworren noch die Situation. Zuletzt steigerte das Studio jedoch die Erzählqualitäten gewaltig. Vor allem die Originstorys und deren spezielle Dialogoptionen sind vielversprechend – auch wenn die Kommentare des Vampirs teils leichten Cringe-Faktor hatten.

Der Charakter Astarion in der Nähe eines gigantischen Tentakelwesens
Die Bedrohungen in Baldur’s Gate 3 erscheinen beeindruckend. Image by Larian Studios.

Zu viel Dungeons & Dragons für Baldur’s Gate Fans?

Der große Zankapfel im Livestream sollte jedoch der Kampf werden. Das Original von Bioware setzte zwar auf Kampfrunden im Hintergrund, die jedoch dynamischer in Echtzeit dargestellt wurden und sich jederzeit pausieren ließen. Baldur’s Gate 3 orientiert sich auch dabei lieber an Divinity: Original Sin 2 und lässt die Kämpfe gänzlich rundenbasiert ablaufen. Nacheinander können die Charaktere in Reihenfolge ihrer Initiative Aktionen ausführen. Das sorgte für einen ziemlichen Aufschrei zahlreicher Zuschauer in den Kommentaren.

Mein eigenes Spielerherz freute sich jedoch über diese Designentscheidung. Im Prinzip ist das nämlich deutlich näher am Feeling des Tischrollenspiels, wo auf gleiche Art nacheinander agiert wird. Der Zorn richtet sich also quasi dagegen, dass das Spiel seine Vorlage zu genau umsetzt. Außerdem wurde das zuvor schon erwähnte Pathfinder: Kingmaker für mich auch erst zur richtigen Perle durch eine Mod, die den Kampf dort rundenbasiert macht. Es ist einfach intensiver – aber eben auch langsamer.

Eine einzelne Kampfbegegnung braucht somit deutlich länger, als wenn man nur zwischendurch pausiert um ein paar umfangreichere Befehle zu geben. Gerade bei manchen Kobolden reichte im ersten Baldur’s Gate dann auch mal der Standardangriff aus. Mir soll es aber Recht sein, wenn die Masse an Kampfbegegnungen abnimmt und dafür der einzelne Kampf relevanter wirkt. Das passt dann womöglich auch besser zu den ~ 6 Kampfbegegnungen, die laut Regelwerk zwischen zwei langen Rasten vorgesehen sind. Außerdem hat sich im Regelwerk seit Baldur’s Gate 2 allgemein viel getan.

Angriffs- und Verteidigungswerte übersetzt das Spiel übrigens in Trefferwahrscheinlichkeiten. Puristen könnte es aufstoßen, da man in Dungeons & Dragons eigentlich vor einer Aktion eben nicht weiß, wie gut die Verteidigung des Gegners ist. Für eine Videospiel-Umsetzung ist es aber ein guter Kompromis, um Neulinge besser an Bord zu holen. In der Präsentation sorgten mehrfache Patzer bei 90 Prozent Trefferwahrscheinlichkeit für großes Lachen – und einen Neustart.

Kampfgeschehen im Spiel
Auf den ersten Blick sieht vor allem der Kampf sehr nach Divinity: Original Sin 2 aus. Image by Larian Studios.

Viele kleine Details in Baldur’s Gate 3

Im zweiten Anlauf zeigt sich, wie wichtig taktisches Vorgehen ist. Der Kampf endete nicht nur durch besseres Würfelglück schnell erfolgreich. Swen nutzt diesmal die Umgebung zu seinen Gunsten und setzt seine Fähigkeiten sinnvoll ein, um den Kampf zu gewinnen.

Die Liebe zum Tischrollenspiel sieht man übrigens auch in zahlreichen kleinen Details des Spiels. Dialogoptionen enthalten nicht nur Würfe auf Fähigkeiten, sondern auch auf einzelne Attribute wie Weisheit oder Intelligenz. So liegt Astarion nachts im Lager noch wach und grübelt vor sich hin. In welche Richtung seine Gedanken gehen, darf der Spieler selbst entscheiden. Vienke versucht, den Vampir Ruhe finden zu lassen, indem sich dieser – mittels Würfelwurf auf Intelligenz – seinen Meister im Sonnenlicht vorstellt, in dem er selbst am Tag quasi erstmals gereist ist.

Auch ist der Rundenmodus ebenso außerhalb des Kampfes möglich, um sich beispielsweise an potentiellen Gegnern vorbeizuschleichen, sie hinterhältig anzugreifen oder auch tödliche Fallen zu überstehen. Beim Schleichen macht es Unterschiede, ob man sich ganz im Licht bewegt oder in schattigen Bereichen abtaucht. Am besten ist natürlich, wenn erst keine Sichtlinie vorhanden ist.

Insgesamt merkt man den Spaß, den die Entwickler in manchen Optionen haben, die über den schnöden Klick-und-tot-Kampf hinausgehen. Der Charakter darf sogar seinen Schuh werfen. In der Präsentation gelingt Swen das sogar überraschend erfolgreich.

Eine gefährliche Falle
Auch außerhalb des Kampfes ist es manchmal sinnvoll, rundenweise zu agieren. Zum Beispiel bei einer tödlichen Falle. Image by Larian Studios.

Die magische Hand

Magiewirker verfügen in Dungeons & Dragons außerdem auch über sogenannte Cantrips. Das sind gewissermaßen Zauber des Grad 0, die sie ohne die sonstige Beschränkung pro langer Rast anwenden dürfen. In manchem MMO wäre das der Standard-Zauberstab-Angriff, nur eben, dass wir eine größere Auswahl haben, welche Cantrips der Charakter beherrschen soll. Besonders cool ist dabei die magische Hand.

Die magische Hand ist eine quasi unsichtbare Hand, die der Magiewirker befehlen kann, kleine Tätigkeiten auszuführen. In der Vorführung stieß Swen Vienke mit einem wortwörtlichen Handgriff Gegner von Kanten runter. Dem D&D-Fan mögen sich da eventuell die Zehnägel kräuseln. Eigentlich ist der Zauber nicht als Angriffszauber erlaubt, sondern eher für kleine Schurkereien und Hilfstätigkeiten gedacht. Runterschubsen, wenn auch etwas stärker, ist eher ein Fall für Bigby’s Hand, einem mächtigen Zauber der fünften Stufe. Da ein Computerspiel aber weniger kreative Freiräume bietet, kann ich mit einem Cantrip zum Schubsen gut leben.

Feinde lassen sich aber auch ohne Magie Abgründe runterstürzen. Allgemein geht dieses erste Gebiet sehr in die Höhe und ermöglicht springen, klettern und den Zauber Federfall, um auch tiefe Fälle unbeschadet zu überstehen.

Dialog mit einem dämonenartigen Wesen
Die Dialoge bieten meist sogar mehr als 4 Optionen. Einige davon mit Fähigkeitswürfen. Image by Larian Studios.

Baldur’s Gate 3 hat noch viele Fehler

Reibungslos lief Präsentation von Baldur’s Gate 3 noch nicht. Selbst der Chef stolperte immer wieder in Bugs und erwähnte auch einige Sachen, die schlicht noch nicht implementiert sind. Auch wirkte die Schwierigkeit noch nicht wirklich ausbalanciert. Aber das war auch nicht zu erwarten, wenn man hinter die Prozesse der Spiele-Entwicklungen schaut.

Wenig elegant gestaltete sich auch noch das Umgehen der Falle, obwohl das rundenweise agieren viel Raum zur Spielerei bot. Trotzdem zog es sich noch etwas zu sehr. Vermutlich ist es aber auch spannender, wenn man es selbst spielt. Insgesamt bin ich aber eher dankbar, dass das Spiel der breiten Öffentlichkeit relativ ungeschminkt vorgeführt wurde. Andere Studios wären deutlich vorsichtiger gewesen, was sie zeigen und was nicht.

Baldur’s Gate 3 soll dieses Jahr allerdings erst in den Early Access gehen. Bis dahin besteht das Spiel aus verschiedenen Baustellen, an denen für sich gearbeitet werden. Für so eine Vorstellungen werden diese Baustellen oft erstmals wirklich spielbar zusammengefügt. Dass dabei noch nicht alles glatt läuft ist nicht ungewöhnlich. Bis zum Early Access wird sich da noch einiges tun. Zumindest bei Divinity: Original Sin 2 gab es im Early Access auch viele Änderungen, um Anregungen der Community umzusetzen.

Ein weiter Kampf in Baldur's Gate 3
In Baldur’s Gate spiele Höhenvorteile im Kampf eine Rolle. Aber auch sonst spielen die Karten verstärkt mit Höhen. Und natürlich ist auch der Zauber-Klassiker „Magisches Geschoss“ wieder mit dabei. Image by Larian Studios.

Ausblick: Kommt da ein würdiger Nachfolger?

Die Präsentation des Spiels war für mich eine Achterbahn der Gefühle. Am Anfang war da die große Begeisterung. Eine großartige Cinematic zur Eröffnung und die detailgetreue Umsetzung der Regeln begeisterten mich sofort. Während viele das Rundensystem abschreckte, machte mein Herz innere Freudensprünge.

Noch während der Präsentation wandelte sich das Gefühl aber ein wenig. Ich habe keinesfalls erwartet, dass sich Baldur’s Gate 3 exakt so anfühlt, wie seine Vorgänger. Dafür ist einfach zu viel Zeit ins Land gezogen und ein Schritt nach vorne einfach notwendig. Mit abgesetzter Nostalgiebrille sind seine Vorgänger zwar noch immer tolle Rollenspiele, spielerisch für mich aber etwas zu flach, weshalb der Quasi-Erbe Neverwinter Nights in der Beziehung für mich höher im Kurs steht.

Es ist diese teils schon zu große Nähe zu Divinity: Original Sin 2, die der Vorfreude ein Bein stellt. Egal ob Charakererstellung, Grafik, Interface, Kampf oder das Gesamtgefühl– Divinity schreit einem aus jeder Pore seine DNA entgegen. Und obwohl es für mich eines der besten Rollenspiele aller Zeit ist, verlangt etwas in mir eine eigene Identität für Baldur’s Gate 3.

Vorbildlich war, wie frei Baldur’s Gate angespielt wurde. Gespielt wurde dabei auch mit offenen Karten. Swen Vienke versuchte nicht, über irgendwelche unfertigen Features hinwegzutäuschen und präsentierte das Spiel in angenehmer Breite. Statt der angedachten 10 Minuten Gameplay, bekam der Zuschauer sogar mehr als eine Stunde Gameplay geboten. Dass dafür der Q&A-Teil kaum vorhanden war: Geschenkt.

Trotzdem bin ich auch weiterhin heiß auf das Spiel und lasse mir den Early Access sicherlich nicht entgehen. Ich freu mich schon darauf, die Origins zu ergründen oder mir einen Barden zu erstellen. Hoffentlich hat Baldur’s Gate bis dahin auch einen etwas eigeneren Charme entwickelt. Bis dahin lass ich Zuhause die Würfel in meiner D&D-Runde rollen.

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Images by Larian Studios

Stefan Reismann

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, entdeckte dann aber vor allem die inhaltliche Seite für sich. Nun schreibt er für die Netzpiloten und betreibt nebenher einen Let's Play-Kanal, auf dem reichlich gedaddelt wird.


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