Aiwa ist zurück: Günstige, kabellose Kopfhörer im Test

Das waren noch Zeiten, damals im Jahr 1998. Ich wurde eingeschult und bekam neben allerhand Schreibmaterial, Spielzeug und Süßigkeiten ein mobiles Aiwa Kassetten-Radio geschenkt. Die Freude war groß: Endlich konnte ich Hörspiele, Musik und Mixtapes fortan auch unterwegs hören. Das prägte meine Kindheit. Im Jahr 2002 kaufte Sony den angeschlagenen Hersteller. Und vier Jahre später wurde das Unternehmen eingestellt. Mehr als zehn Jahre später ist die Marke unter holländischer Flagge wieder zurück. Im Portfolio gibt’s diesmal Bluetooth-Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher. Ich habe mir die preiswerten Audio-Produkte genauer angeschaut und natürlich angehört.

Aiwa Prodigy Air 2: True-Wireless Earbuds mit Sprachassistent

Komplett alleinstehende Bluetooth-Kopfhörer gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Der Audio-Experte will mit den Aiwa Prodigy Air 2 die Mittelklasse aufmischen. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 60 Euro greift das Unternehmen die Einstiegsprodukte von Bose, B&O oder JBL an.

Die Spezifikationen der 4,5 Gramm leichten Ohrstöpsel können sich für die Klasse sehen lassen: Sie besitzen 6 Millimeter große dynamische Treiber, die Klänge im Frequenzbereich von 20 bis 20.000 Kilohertz wiedergeben. Per Bluetooth 5.0 nehmen die Buds Kontakt zum Smartphone auf. Die Reichweite liegt bei marktüblichen 10 Metern. Bei geringer Lautstärke liefert der 50-mAh-Akku Strom für fünf bis sechs Stunden Wiedergabezeit. Das Ladecase selbst liefert noch einmal 600 mAh. Dadurch verlängert sich die maximale Akkulaufzeit auf rund 24 Stunden. Geladen wird per USB-C innerhalb von 1,5 Stunden.

Die Aiwa Prodigy Air 2 sind kompakt und leicht.
Die Aiwa Prodigy Air 2 sind kompakt und leicht. Image by Jonas Haller

Im Test lieferten die Aiwa Prodigy Air 2 einen recht guten Klang mit Hang zu den Höhen. Wie bei In-Ears üblich kommen die tiefen Frequenzen etwas zu kurz. Dafür sind Stimmen gut verständlich. Etwa die der Sprachassistenten Apple Siri und Google Assistant, die je nach Smartphone per Multifunktionstaste unkompliziert gestarten werden können. Notwendige Abstriche müssen wir Kunden bei der Materialanmutung der Earbuds sowie des Ladecase machen. Zudem mangelt es an einer Hersteller-App, mit deren Hilfe etwa Audio-Anpassungen möglich wären.

Aiwa ARC-1 ANC: Over-Ears mit Active Noise Cancelling

Wer sich nicht mit kompakten In-Ears anfreunden kann, für den hat Aiwa die ARC-1 ANC im Angebot. Dabei handelt es sich um einen kabellosen Over-Ear-Kopfhörer, der auch aktive Geräuschunterdrückung bietet. Durch größeren Abmessungen lassen sich leistungsstärkere Komponenten integrieren. Das bedeutet im Klartext, dass die dynamischen Treiber einen Durchmesser von 40 Millimeter besitzen und so kraftvoller den Sound wiedergeben.

Aiwa ARC-1 ANC
Die Hörmuscheln der Aiwa ARC-1 ANC bieten einen guten Tragekomfort. Image by Jonas Haller

Unterschiede gibt’s auch beim integrierten Akku. Er leistet 750 Milliamperestunden. Dadurch beträgt die Spielzeit bis zu 40 Stunden. Beim Einsatz der ANC-Funktion sind noch immerhin 25 Stunden möglich. Damit liegt er auf dem Niveau der Konkurrenz wie etwa der Beats Studio. Denn auch die Ladezeit ist mit 2,5 bis 3 Stunden vertretbar. Auch in Sachen Tragekomfort brauchen sich die Over-Ears nicht vor den Mitbewerbern zu verstecken: Der Druck auf die Schädelbereiche rings um die Ohren ist gering, sodass das Tragen über eine längere Zeit nicht unangenehm wird.

Dank Kopfband-Verlängerung lässt sich der ARC-1 ANC perfekt auf die Kopfgröße anpassen. Apropos Tragen: Der Hersteller spendiert eine robuste Tasche zum Transport der mobilen Bluetooth-Hörer. Schade, dass auch bei diesem Modell die Material- und Verarbeitungsqualität hinter den Mitbewerbern liegt. Das wird besonders am Scharnier deutlich. Mit nicht einmal 100 Euro positioniert Aiwa den Over-Ear-Hörer am unteren Ende der am Markt verfügbaren ANC-Geräte.

Die Hörmuscheln der Aiwa ARC-1 ANC bieten eine intuitive Steuerung.
Die Steuerung auf der rechten Hörmuschel lässt sich gut ertasten. Image by Jonas Haller

Fazit Aiwa Audio-Produkte: Kabellos-Modelle für Sparfüchse

Die Marke Aiwa hat eine spannende Geschichte hinter sich. Neue Investoren und kluge Köpfe versuchen ihr nun neues Leben einzuhauchen. Das versuchen sie am hart umkämpften Markt der kabellosen Audio-Produkte – gerade im Bereich der Mittelklasse. Dafür bieten sie eine überdurchschnittliche Ausstattung, einen guten Tragekomfort und prima Tonqualität. Leider fehlen Alleinstellungsmerkmale und der Rotstift macht sich an Materialauswahl und Verarbeitungsqualität bemerkbar. Nichtsdestotrotz eignen sich die Kopfhörer für all die Sparfüchse, die solide Technik erwarten, aber keine dreistelligen Beträge bezahlen wollen. Und auch Nostalgiker sollten einen Blick auf die Produkte mit dem legendären Logo werfen.


Images by Jonas Haller

Jonas Haller

arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Chemnitz und erforscht unter anderem 3D-Druckverfahren. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Durch die Techsite HTC Inside ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das Android Magazin aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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