Lohnt sich GTA 5 Story Mode noch trotz GTA 6? Und welche Unterschiede gibt es zum Online-Modus?

Ich hatte nie die Möglichkeit, einen wirklichen Test zu GTA 5 zu schreiben. Allerdings schrieb ich dafür sowohl für die PS3- als auch für die PS4-Version sehr umfangreiche Rezensionen. Außerdem war mein Test zu Red Dead Redemption 2 damals einer meiner ersten Artikel für die Netzpiloten. Doch lohnt sich GTA 5 noch trotz des nahen GTA 6-Releases?

Erst kürzlich habe ich in einem anderen Artikel den enormen Erwartungsdruck, aber auch meine persönlichen Erwartungen und Hoffnungen zu GTA 6 beschrieben. Nicht nur als Zeitvertreib, sondern auch für den besseren Vergleich habe ich kürzlich aber auch GTA 5 wieder installiert. Ich wollte einfach wissen, ob mich Spielwelt und Geschichte auch 2026 nochmal derart in ihren Sog ziehen können. Und schonmal so viel: Auch 2026 ist GTA 5 vielleicht schon alt, aber noch nicht völlig veraltet.

Die heilige Dreifaltigkeit

Zu Beginn lernen wir vor allem 2 der 3 Hauptcharaktere des Spiels kennen. Zum einen ist da der ehemalige Bankräuber Michael. Dieser handelte vor einigen Jahren einen Deal mit der Polizei aus und „genießt“ seit seinem angeblichen Tod ein ruhiges Leben im Zeugenschutzprogramm. Das nicht so wirklich intakte Familienleben lässt ihn allerdings auch regelmäßig den Seelsorger besuchen.

Franklin steht dagegen noch am Anfang seiner Verbrecherkarriere als semilegaler Rückholer für ein Autohaus. Trotz schwieriger Kindheit und einem besten Freund, der sich mehr über Gangs definiert, sieht er seine Zukunft nicht in der Bandenkriminalität. Franklin lernt Michael unfreiwillig kennen, als er dessen Auto „abholen“ will. Private Umstände wecken Michaels Ganoven-Blut und dieser sieht in Franklin einen cleveren und verlässlichen Burschen, der es noch weit bringen kann.

Und dann ist da noch Trevor. Der ehemalige Militärpilot war beim letzten großen Ding in Michaels Bande und dachte dieser wär tot. Nur durch einen Zufall, erfährt er, dass Michael doch noch lebt. Das Problem: Trevor ist unberechenbar und mit einer äußerst kurzen Lunte ausgestattet. Trotzdem ist er auch Loyal und belebt mit Michael und Franklin die „alte Gang“ wieder.

Auch heute lohnt sich der GTA 5 Story Mode noch immer für dieses illustre Trio. Michael ist das Mastermind, dass die Fäden in der Hand hält, Franklin als Neueinsteiger mehr die Identifikationsfigur für den Spieler und Trevor der X-Faktor, der überraschend breit qualifiziert ist, aber stets nur einen Wutausbruch von einem unnötigen Blutbad entfernt ist. Dass er dabei in unerwarteten Momenten Fürsorge und Milde zeigt, lässt ihn aber nie in die reine Psychopathen-Schublade fallen.

Wie viel Gangstersprache ist zu viel?

Seit es vertonte Dialoge gibt, geht es in GTA sehr derbe zu. Das gilt auch für GTA 5: 2.425 Schimpfwörter fallen im Laufe der Geschichte, davon allein über 1.000 Mal das F-Wort in all seinen Abwandlungen. Das wirkt mitunter fast schon etwas pubertär, passt aber auch ins bewusst überzeichnete Setting. Dass Rockstar Games auch anders kann, zeigten sie bereits in Red Dead Redemption 1 und 2. Dort wurde nicht nur deutlich weniger geflucht, sondern allgemein deutlich gesetzter gesprochen. Das ist natürlich dem Setting geschuldet, überrascht aber trotzde, weil etwa die großartige Western-Serie „Deadwood“ die vulgäre Sprache in geradezu Shakespeare-hafte Dialoge goss.

Auch wenn ich mir für GTA 6 wünsche, dass man sich auch in der Dialogführung mehr an Red Dead Redemption 2 orientiert, stört die vulgäre Ausdrucksweise in GTA 5 nur begrenzt. Das Spiel bedient sich bewusst vieler überzeichneter Charaktere und ist auch ein satirischer Rundumschlag der amerikanischen Gesellschaft. Die Sprache ist dabei oft ein Stilmittel zur Überzeichnung. Viele absurde Charaktere zünden auch heute noch – gerade weil sie noch nicht die Handbremse vieler moderner Spiele angezogen haben.

Missionsdesign auf Schienen

Trotz der offenen Welt sind die Missionen selbst nicht für ihre Freiheit bekannt. Das trifft sowohl auf die GTA-Spiele, als auch Red Dead Redemption-Reihe zu. Man geht zum Auftraggeber, muss zum Missionsort reisen, hat dort eine gewalttätige Auseinandersetzung und muss anschließend Cops oder andere Verfolger loswerden.

Gerade der Mittelteil verläuft oft in sehr inszenierten Bahnen. In dieser Hinsicht ist GTA 5 halt mehr ein Shooter, der Cutscenes, aber auch Feindbegegnungen sehr bewusst inszeniert. Trotzdem steckt hier vermutlich noch das größte Potential das Spiel interaktiver zu gestalten. Ausgerechnet eine Folterszene ist eines der wenigen Momente, die einem „Auswahlmöglichkeit“ lässt. Dass der Verzicht auf Folter nicht zur Auswahl steht, sorgte aber schon damals zu Release für Diskussionen weit über den Gaming-Journalismus hinaus. Im Rahmen der Geschichte und der Charaktere ist das jedoch trotzdem stimmig umgesetzt und SOLL sogar unbequem sein.

Auch Heists bieten rudimentäre Auswahlmöglichkeiten, geben aber trotzdem sonst ein recht enges Korsett vor, was den Wiederspielwert dieser kleinen Highlights dann doch ein bisschen reduziert.

Eine Welt dieser Größe lässt sich jedoch kaum nur durch komplexe Missionen füllen. Entsprechend gibt es viele kleine „Zufallsbegegnungen“ und Sammelaufgaben, um auch für Beschäftigung abseits der Story zu sorgen. Auch wenn nicht immer sehr kreativ, setzt Rockstar auch die Sammelaufgaben zumindest in einen zweckdienlichen Rahmen. So schießen wir etwa Fotos für einen aufdringlichen Paparazzi, fliegen für Trevors Nebengeschäft Waffenlieferungen aus oder sammeln Raumschiffteile für den paranoiden Verschwörungstheoretiker Omega.

Planung eines Überfalls auf einer Pinnwand.
Die Heists sind ein Highlight des Spiels und werden herrlich altbacken auf einer Pinnwand visualisiert.

Die Spielwelt bröckelt, ehe man in ihr versinkt  

Die eigentlichen Stars der Rockstar-Spiele sind eigentlich ihre Spielwelten. Das Studio schafft es wie kein zweites, glaubhafte Welten zu erschaffen und mit Leben zu füllen. Doch es gibt mittlerweile viel Konkurrenz. Das hauseigene Red Dead Redemption 2 erschuf ein ein Western-Idyll mit auch heute noch ungeschlagener Flora und Fauna, Cyberpunk 2077 punktet mit kreativem Stadt-Design und Spider-Man 2 erweckt das echte New York zum Leben. Derweil beeindruckt gezeigtes Material von GTA 6 mit neuem Realismus.

Dabei lohnt sich GTA 5 auch noch immer für seine Welt, die keineswegs schlecht aussieht. Nach der Freude über die realistischere Straßenbreite von Vice City wirkt Los Santos zuerst aber einfach unnötig in die Breite gezogen. Die Stadt wirkt dadurch etwas leerer, als sie eigentlich ist. Ich bin selbst überrascht, wie stark mir das im besonders im Vergleich mit GTA 6 auffällt.

Dann zieht einen Los Santos aber doch wieder in sich hinein. Die Stadt ist eine liebevoll und lebendig wirkende Nachbildung von Los Angeles. Es ist zwar alles komprimierter, doch wichtige Wahrzeichen und der genereller Vibe der Nachbarschaften fängt die virtuelle Welt authentisch ein. Verlassen wir die Stadt, ist da noch das Blaine County mit Wüsten, kleinen Ortschaften und dem 798 Meter hohen Mount Chiliad.

Ein Cyberpunk 2077 mag da optisch und in der Kreativität des Stadtlayouts punkten, doch GTA 5 wirkt insgesamt stimmiger. Die Welt bricht weniger an absurdem Fahrverhalten, die Passanten haben mehr Substanz und der Wechsel zwischen Stadt und Umland wirkt einfach nahtlos. In einzelnen Disziplinen haben andere Spiele GTA 5 eingeholt, aber als organisches Gesamtbild weist Los Santos sogar nach 13 Jahren die Konkurrenz in ihre Schranken.

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Was GTA 5 Story Mode besser macht als GTA Online

Vielen ist übrigens nicht bewusst, aber der GTA 5 Story Mode sieht teils besser aus, als sein Online-Modus. Die Anpassungen sind teils subtil, teils aber auch sehr auffällig. Am auffälligsten ist dabei der Verkehr.

Gegenüber GTA Online ist der Verkehr im Story Mode deutlich dichter, aber auch vielfältiger. Das war mir zwar bewusst, aber nach Jahren des Onlinespielens war ich dann doch überrascht wie viele Busse eigentlich in Los Santos rumfahren. Überhaupt ist gerade der Verkehr mit schweren Nutzfahrzeugen, aber auch die generelle Auto-Vielfalt merklich höher. Amüsanterweise hat GTA-Online trotzdem den größeren Fahrzeug-Pool, da Autos aus den Online-Updates leider nicht im Singleplayer spawnen. Auch Fußgängerverkehr ist vielfältiger. Diese sind im Story Mode zum Beispiel auch mal mit Hund unterwegs und in manchen Autos sitzen mehr als eine Person. Während das Wildleben in GTA Online weitgehend fehlt, läuft euch im Einzelspieler gerade außerhalb der Stadt viel Getier über den Weg.

Es geht aber auch etwas subtiler. Die Protagonisten der Story haben zum Beispiel erweiterte Kleidungsphysik, die sich gerade auf dem Motorrad zeigt und ein paar sehr eigenständige Animationen. Auch wurden einige Dekorations-Elemente im Online-Modus entfernt. Einzelne Poller und Fahnen sind online einfach nicht da.

Die meisten Anpassungen dienen natürlich stark der Performance. Während in der Story nur die Gegend um den Spieler dargestellt werden muss, muss das Spiel im Onlinemodus bis zu 30 Spieler in einer Sitzung berücksichtigen. Vereinfachte Verkehrssimulation, Wegfall von Tiersimulation und Windphysik sowie ein paar dynamische Kollisionselemente weniger dürften alles bewusste Design-Entscheidungen sein, die gerade für die Leistung der Konsolengeneration zu Release zwingend notwendig waren.

GTA 4 teils GTA 5 überlegen

Die eigentlich größere Überraschung ist, dass das 2008 erschienene GTA 4 sogar teils besser als GTA 5 ist. Allerdings muss man dabei auch bedenken, dass beide Spiele auf der selben Konsolen-Generation erschienen sind. Sie sind also auf die selbe Hardware zugeschnitten. 

Am überraschendsten ist die Umsetzung der Euphoria-Engine, welche erstmals echte Muskelreaktionen von Körpern simulierte und den Standard der Ragdoll-Physik ablöste. Schusstreffer, Kollisionen oder auch das Runterpurzeln von Treppen sieht in GTA 4 einfach intensiver als in GTA 5 aus. Auch fliegt man schneller aus Autos und von Motorädern. Manches liegt sicher daran, dass GTA 5 die Rechenpower auch für die ungleich größere Spielwelt benötigte. Zum Teil dürfte es aber auch eine bewusste Vereinfachung sein. Die gibt es nämlich auch an anderer Stelle.

Auch das Fahrverhalten wurde für GTA 5 nämlich deutlich reaktiver gemacht. Dass die Autos nicht mehr die gefühlten „Boote“ wie in GTA 4 sind ist teils gut, doch fehlt das Gefühl von Masse bei manchen Autos leider komplett. Auch was Verformungen durch Kollisionen angeht, hat GTA 5 leider einen riesigen Schritt zurück gemacht.

Die Story selbst ist Geschmackssache. Hier hat GTA 5 mit seinen drei Charakteren schon einen echt guten Job gemacht und inszeniert alles viel spektakulärer. GTA 4 ist mit seinem tragischen Protagonisten da deutlich düsterer. Niko Bellic erlebt einfach den grausamen Realitätscheck des „amerikanischen Traums“. Während die Nebencharaktere oft stark überzeichnet sind, ist Niko der, der für ihren Lebensstil die Rechnung zahlen muss. Dass die Spielwelt sich hier nur auf die Stadt Liberty City reduziert, passt sehr gut für diese Art eines gesellschaftlichen Gefängnis.

Im Gegensatz zu GTA 5 hatte GTA 4 zwar keinen Online-Modus, dafür aber mit „The Lost and Damned“ und „The Ballads of Gay Tony“ zwei herausragende DLCs mit sehr unterschiedlicher Grundstimmung erhalten. 

GTA 5 lohnt sich noch – doch GTA 6 könnte dies ändern

Komplett frisch wirkt GTA 5 nach 13 Jahren nicht, trotzdem lohnt sich GTA 5 (oder GTA 4) auch abseits des beliebten Online-Modus noch. Mit Cyberpunk 2077 und Spiderman 2 gibt es zwar opulente Open World-Konkurrenz, doch als Komplettpaket wirkt GTA 5 noch immer überraschend konkurrenzfähig. Trotz der langen Zeit wird sich GTA 6 vor allem noch am eigenen Vorgänger messen.

Nicht mehr ganz so zeitgemäß sind womöglich Missions-Design und Dialoge. Doch vielleicht ist es gerade das, was GTA 5 auch über 2026 hinaus zu einer GTA6-Alternative macht. Der neue Teil scheint sich stark an Red Dead Redemption 2 zu orientieren und mehr mit Realismus zu punkten. Ich freu mich darauf, bin mir aber bewusst, dass es nicht jedem schmecken wird.

GTA 5 könnte seine Daseinsberechtigung somit weiter durch seinen unkomplizierten Spaß behalten. Das Fahndungssystem ist nicht zu komplex, die breiten Straßen erlauben einen gesunden Bleifuss und Figuren sowie Dialoge sind herrlich ungefiltert. Man muss sich eben nur darauf einlassen. Für seine 13 Jahre kann sich GTA 5 jedenfalls noch mehr als sehen lassen.

Nutzt die vergangenen Tage also ruhig nochmal für eine Rückkehr nach Los Santos. Sollte GTA 6 so gut werden, wie von allen erwartet wird, könnte es das letzte Mal sein, dass ihr so viel Spaß am Vorgänger habt. Auf der anderen Seite behalten wir immer nostalgische Gefühle, die auch GTA: San Andreas weit oben in den GTA-Rankings halten.


Image by Rockstar Games

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


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