GTA 6: Erwartungshaltungs-Management trifft… Red Dead Redemption 2?

Ein geradezu unbegrenztes Budget und alle Zeit der Welt zu haben, müsste ein Traum für jeden Spieleentwickler sein. Rockstar Games hat allerdings ein großes Problem: Jeder erwartet, dass GTA 6 das beste Spiel aller Zeiten wird. Schuld sind daran vor allem die mittlerweile 13 Jahre seit dem letzten Teil der Kult-Reihe. Eine lange Zeit, für eine Reihe, die eigentlich eine garantierte Gelddruck-Maschine ist. Allerdings mangelte es Publisher Take 2 durch GTA Online auch nicht wirklich an Einkommen durch die Reihe.

In diesen 13 Jahren wurde das Ausbleiben von Trailern für einen Nachfolger geradezu zum Meme für Gaming-Events wie dem Summer Game Fest. Gerade das „[Irgendwas] before GTA 6“ ist absoluter Kult geworden. Für einen Gaming-Nerd wirkt es daher fast schon surreal, dass dieses Meme in nicht einmal einem Monat der Vergangenheit angehört.

Grand Theft Auto setzt schon seit GTA 3 jedes Mal den Gold-Standard für Open World-Spiele, an deren Lebendigkeit auch Jahre nach Release kaum ein Spiel heranreicht. Einzig The Witcher 3, Cyberpunk 2077 und Kingdom Come Deliverance 2 konnten mich in der Zwischenzeit ähnlich tief in eine Spielwelt ziehen. Nach 13 Jahre und einem erfolgreichen Red Dead Redemption 2 – auch schon 8 Jahre alt! – erwarten Spieler*innen nicht nur ein simples Grafik-Update, sondern nichts geringeres als den neuen Maßstab für Open World-Spiele.

Gerade an dieser Stelle möchte ich ein bisschen ans Erwartungshaltungs-Management appellieren. Dass GTA 6 ein außergewöhnliches Spiel werden muss und wohl auch wird steht eigentlich schon fest. Doch was können wir tatsächlich erwarten und wo sind es doch mehr die Wunschgedanken, die uns antreiben?

Wer sich nicht über bekannte Features des Spiels spoilern lassen will, sollte an dieser Stelle übrigens nicht weiterlesen. Mittlerweile ist nämlich doch schon einiges über das Spiel bekannt. Dabei kristallisiert sich für mich vor allem ein Spiel als klare Inspiration heraus.

Zu meiner GTA-Historie

Doch um meine Erwartungen an GTA 6 einzuordnen, ist auch meine GTA-Historie wichtig. Auch wenn ich schon ein bisschen Erfahrung in GTA 2 gesammelt habe, begann diese erst so richtig mit GTA 3 und dem Sprung in die dreidimensionale Open World. Damals war ich mit 13 Jahren eigentlich natürlich zu jung. Ich erinnere mich noch an Sessions mit meinem Cousin, wo wir uns abwechselten, wenn man starb oder verhaftet wurde. Auch sind die wilden Versuche, den Dodo zum Fliegen zu bekommen noch in Erinnerung.

Ich habe natürlich seitdem auch jedes andere GTA mitgenommen. Ich genoss die ikonische Szenerie von Vice City, strampelte mir in San Andreas die Kilos vom Leib, staunte über die neue Physik-Engine von GTA 4 und stiftete mit Trevor viel Chaos in Los Santos. Gerade bei den letzten beiden Titeln war ich froh, einen kleinen Laden zu kennen, der das mit den eigentlichen Releases nicht ganz so genau nahm. So konnte ich sogar schon einen Tag vor der großen Masse in die virtuellen Welten eintauchen. Zwischendrin vertickte ich auch in Chinatown Wars fleißig Drogen.

Als dann mit GTA Online der große Gamechanger von GTA 5 kam, wurde das Spiel für mich in erster Linie zum Rennspiel. Während kompetitive Shooter nichts für mich sind, habe ich stattdessen lieber fordernde Rennstrecken gebaut und bin einer Crew beigetreten, die Renn-Events veranstaltete die aus einer Qualifikation und gut einstündigen „Langstrecken-Rennen“ bestand.

Mehr im Singleplayer gehalten hat mich dann allerdings Red Dead Redemption 2. Auch 8 Jahre später gibt es für mich keine Open World, die sich so echt anfühlt. Das wird auch für meine Erwartungshaltung noch sehr relevant sein. Zugleich ist es aber auch das Spiel, mit dessen PC-Version ich erstmals meine Liebe zum Fotomodus in Spielen entdeckte.

Für GTA 6 habe ich mir jetzt extra eine PlayStation 5 geholt, obwohl ich eigentlich PC-Gamer bin. 

So groß ist die Map von GTA 6

Die tatsächliche Map von GTA 6 wurde noch nicht veröffentlicht. Dafür gibt es mit State of Leonida das wohl ambitionierteste Community-Mappingprojekt der Videospielgeschichte. Deren Discord zählt mehr als 16.000 Mitglieder und bereits aus den spärlichen ersten Informationen begannen sie, eine mögliche Karte des fiktiven Bundesstaats zu erstellen. Diese erwies sich oft als akurat und stellt mittlerweile sogar erste Gebäude als 3D-Modelle dar. Trotzdem bleiben einige Bereiche weiterhin spekulativ.

Was wir wissen ist, dass das Spielgebiet ungefähr doppelt so groß ist, wie im Vorgänger. Auch die Hauptstadt Vice City soll gut doppelt so groß wie Los Santos sein – noch größer, wenn man die Vororte der beiden Städte mit einbezieht. Zudem beeindruckt die Skyline mit deutlich mehr Wolkenkratzern. Allerdings wird die Stadtfläche auch stärker durch Wasser auseinandergezogen. Das macht die Wasserfahrzeuge auch nochmal wichtiger.

Die Fahrzeuge werden allerdings auch großen Einfluss darauf haben, wie groß wir die Welt tatsächlich wahrnehmen. Die Karte von Red Dead Redemption 2 war nämlich kleiner als die von GTA 5, fühlte sich aber zu Pferd trotzdem deutlich größer an. Dazu aber später nochmal mehr.

Da Überfälle eine größere Rolle spielen, scheint es in GTA 6 auch einige betretbare Innenräume mehr zu geben. State of Leonida zeigt bereits rund 400 betretbare Gebäude. Trotzdem würde ich hier vorsichtig sein. Schon bei GTA 4 und 5 wich die Hoffnung vieler außerhalb der Missionen betretbarer Gebäude schnell Ernüchterung. Und betretbar kann auch bedeuten, dass vielleicht nur in einen Kiosk oder die eine Lobby eines Hotels betreten kann.

Generell wirkt aber vieles noch realitätsnäher. So scheinen Kleinlaster häufiger auch am Straßenrand oder in Gassen zu parken und man sieht sogar allerlei E-Scooter – auch wenn ich die Dinger in der Realität für ihr Im-Weg-Stehen verachte. Da freue ich mich doch lieber auf den strahlend-blauen Himmel bei Tag, die Neonlichter bei Nacht und die kultige Art Déco-Architektur.

Mehr Realismus: Die Einflüsse von Red Dead Redemption 2 auf GTA 6

Die GTA-Reihe ist zwar auch für seine Geschichten und seine satirischen Seitenhiebe auf die US-Gesellschaft bekannt, aber ebenso für die Möglichkeit zum grenzenlosen Chaos. Auf dieses wird GTA 6 bestimmt nicht komplett verzichten, doch deutet vieles daraufhin, dass der neueste Ableger deutlich realistischer daherkommt.

Das zeigt sich etwa beim Autodiebstahl, der nicht mehr ganz so simpel ist, weil hochwertige Autos auch stärkere Schutzmechanismen haben. Dazu gehört unter anderem auch, dass sie bei Diebstahl den Standort an die Polizei übertragen können, wenn man zu langsam fährt. Überhaupt bekommt die Polizei ein komplett neues Fahndungssystem, dass auch mit einbezieht, was Zeugen von den Charakteren und ihren Fluchtfahrzeugen gesehen haben. Die bekannten Polizei-Sterne gibt es aber weiterhin.

Das erinnert etwas an das System aus Red Dead Redemption 2, an dessen Realismus sich das neue GTA offenbar auch orientiert. Zu diesem Realismus dürften auch die diesmal deutlich schmaleren Straßen beitragen. Wenn Forza Horizon 6 mir schon nicht den Wunsch nach realistischeren Straßen erfüllte, dann also GTA 6.

Der Einfluss von Red Dead Redemption 2 geht aber noch weiter. So ist die Spielwelt Leonida Heimat von über 170 Tieren. Deren Verhalten dürfte sicherlich stark von der Fauna aus RDR2 inspiriert sein, auch wenn bestimmt etwas runtergeschraubt, weil sie in einer Western-Welt einfach präsenter ist. Auch die Verstecke sollen deutlich mehr mit Leben gefüllt sein und sich an der Dynamik des Lagers aus Red Dead Redemption 2 orientieren.

Das schließt nicht nur die beiden Hauptcharaktere ein, da die Häuser wohl in den seltensten Fällen Jason oder Lucia gehören. Trotzdem gibt es bei den beiden nochmal eine ganz andere Dynamik.

Jason und Lucia – Kann Grand Theft Auto auch Grande Amore?

GTA 5 ging das Wagnis ein, erstmals drei Hauptcharaktere zu haben, die teils für Missionen vorgeschrieben waren, zwischen denen wir aber auch wechseln konnten. Diese unterschiedlichen Perspektiven änderten auch die Möglichkeiten des Storytellings.

GTA 6 hat zwar „nur“ zwei Hauptcharaktere, machen aber erneut einen großen Schritt in neue Gefilde. So gibt es mit Lucia erstmals (in einem 3D-GTA) eine weibliche Protagonistin. Sie und der andere Protagonist Jason sind außerdem ein potentielles Liebespaar. Das ist spannend, weil die weiblichen Rollen in der Reihe selten mit Tiefgang glänzten und auch das Dating in GTA San Andreas eher in wackelnden Autos als emotionaler Bindung resultierte.

Auch hier kommt für mich Red Dead Redemption 2 ins Spiel. Das zeigte nämlich, wie gut Rockstar Games auch realistische Beziehungen inszenieren kann. Zwar durfte auch Arthur nicht aktiv im Spiel daten, doch traf er seine Jugendliebe Mary. Seine eigenen Umstände standen einer erneuten Beziehung im Weg, aber gerade das macht die immer wieder aufgegriffene Liebe im Spiel so glaubhaft und tragisch.

Überhaupt sind die Beziehungen der Bande untereinander einfach hervorragende Charakterstudien. Es ist ein Haufen, in dem sich nicht jeder unbedingt gegenseitig mag, aber in der man als Art Familie zusammenhält. Das diese Familie ausgerechnet durch eine toxische Vaterfigur zu zerreißen droht, macht die Dynamik noch spannender.

Darum habe ich großes Vertrauen, dass das Writing Team sicherlich keine halben Sachen macht. Ich lehne mich sogar so weit aus dem Fenster zu behaupten, dass uns GTA 6 eine der glaubwürdigsten Romanzen der Videospiel-Geschichte servieren wird. Allerdings verließ der langjährige Lead Writer Dan Houser 2020 das Studio und dürfte eine sehr große Lücke hinterlassen haben.

Die Protagonisten Jason und Lucia fahren entspannt im Cabrio.
Jason und Lucia sind die spielbaren Charaktere und zugleich eine mögliche Romanze. Bekommt Rockstar Games die Bonnie und Clyde-Dynamik glaubwürdig vermittelt? Image by Rockstar Games.

Ich freu mich auf Lucia – aber was ist mit Jason?

Mir scheint es außerdem ähnlich wie vielen Spielern zu gehen. Lucia hat schnell mein Herz erobert. Sie scheint sehr taff zu sein, nicht auf den Mund gefallen und wirkt trotzdem nicht wie eine alleskönnende Mary Sue. Hier scheint Rockstar Games mit ihrer ersten wirklichen Protagonistin viel richtig zu machen. Auch dass sie erst eine Haftstrafe verbüßt hat und noch immer eine Fußfessel trägt ist ein spannendes Detail, das bestimmt auch für die Story noch sehr relevant sein wird.

Schwieriger ist es da mit Jason. Während sich in Lucias Gesicht und Stimme viel abspielt ist Jason fast schon etwas zu ruhig und nett. Dass muss allerdings nichts heißen. Auch Arthur war in Red Dead Redemption 2 ein eher zurückhaltender Charakter, den man aber trotzdem schnell lieben lernte, gerade weil dem Spieler nicht all seine Hintergründe und Gefühle direkt zu Beginn ins Gesicht gedrückt wurden. Jasons Militärhintergrund und die vermutlich unehrenhafte Entlassung aus dem Dienst dürften ihn bestimmt noch mehr werden lassen, als der Taschenträger in Überfällen.

Und wenn wir schon wieder bei Red Dead Redemption 2 sind: Es scheint, dass die Charaktere durchaus etablierte „Gig-Worker“ sind, ähnlich die die van der Linde-Gang im Western Epos ein eingespieltes Team ist. Sie könnten damit ein etablierteres Netzwerk zum Spielstart haben als die meisten Protagonisten der Vorgänger. Zum Vergleich: In GTA 5 haben wir einen lange abgetauchten Bankräuber, einen Newcomer mit Gang-Hintergrund und einen psychisch labilen Ex-Piloten des Militärs, der in nem abgerissenen Wohnwagen lebt.

In GTA 4 kommt Niko Bellic sogar komplett neu ins Land und wird direkt zur Spielfigur mächtiger Akteure der Unterwelt. Jason und Lucia geraten bestimmt auch in größere Verstrickungen. Trotzdem dürften sie zu Beginn bereits ein ungewohnt festes Standing in der Unterwelt haben. The Witcher 3 hat bereits gezeigt, dass bereits vorhandene Charakterbeziehungen auch in story-lastigen Spielen gut funktionieren.

Welchen Einfluss hat die SSD?

Die GTA-Reihe war schon immer meisterhaft darin, die Limitierungen der Hardware geschickt auszureizen. GTA 3 lud etwa äußerst geschickt nur alles unmittelbar benötigte in den Speicher, was auch für den recht spät aufploppenden Gegenverkehr und gelegentlich verzögert ladende Umgebung sorgte, weil der Speicher einfach am Limit arbeitete. Das Flugzeug „Dodo“ konnte auch bewusst nicht wirklich fliegen, weil die Tricks bei hoher Geschwindigkeit und Vogelperspektive natürlich aufgeflogen wären. Die ursprünglich geplante längste gerade Straße wurde zudem durch ein großes Gebäude aufgebrochen, um Geschwindigkeit und Weitsicht künstlich zu reduzieren. 

Wie wichtig der Nebel in GTA San Andreas war, zeigte ausgerechnet das technisch aufpolierte Remaster aus 2023. Ohne die reduzierte Sichtweite wirkte die Welt plötzlich sehr klein und die Grenze zur Wüste sehr abrupt. Die eingeschränkte Sicht war nicht nur eine Design-Entscheidung wegen der damaligen Technik, sondern auch wichtig für die Wahrnehmung der Welt.

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Der größte Gamechanger gegenüber GTA 5 ist aber weniger die Grafikpower von zwei Konsolen Generationen mehr, sondern die verbaute SSD. Alte Festplatten wurden zum Flaschenhals durch ihre begrenzte Geschwindigkeit, mit der sie Inhalte in den Arbeitsspeicher der Konsole oder des PCs luden. Fahrzeuge in Open Worlds hatten daher eine deutlich reduzierte Geschwindigkeit gegenüber Rennspielen, da sie sonst nicht mit dem Laden der vielen Objekte hinterher gekommen wären.

SSDs reduzieren nicht nur die Ladegeschwindigkeiten von Spielen, sondern erlauben auch einen schnelleren Austausch von Daten. Verspätet aufploppende Bäume und Fahrzeuge gehören damit eher der Vergangenheit an. Auch scheinen deutlich mehr Passanten an belebten Orten, wie dem Strand dargestellt zu werden.

Theoretisch lässt es auch eine höhere Geschwindigkeit zu, was gerade mit gezeigten Rennszenen sehr spannend ist. Es besteht allerdings auch die Gefahr mit zu hohen Geschwindigkeiten die Größe der eigenen Welt zu „entzaubern“ (siehe GTA San Andreas). Allerdings sind die Straßen in GTA 6 schmaler, was die Geschwindigkeitswahrnehmung deutlich verstärkt, aber zugleich den Spieler zu vorsichtigerem Fahren zwingt. Vielleicht haben wir also höhere Top Speeds, die wir aber seltener ausreizen können.

Grand Theft AUTO – Fahrphysik und die Rolle des Autos

Apropos realistischere Straßen. Auch die Fahrphysik in GTA 6 scheint sich wieder etwas mehr dem Realismus anzunähern. Es erinnert wieder stärker an GTA 4, das für viele noch immer die beste Fahrphysik hatte. In dieser spürte man viel mehr die Masse des Autos, was auch durch Hauptcharakter Niko sichtbar wurde, der sich selbst mit in die Kurven lehnte. Manchen war das Fahrverhalten aber ein bisschen zu wuchtig und schwammig, was bestimmt auch ein ein Grund dafür war in GTA 5 alles etwas zugänglicher zu gestalten. Leider schraubte man auch die Deformation von Autos stark gegenüber GTA 4 zurück

Bisher gezeigtes Gameplay scheint mehr ein Mittelding zwischen GTA 4 und 5 darzustellen. Masse und Federungen scheinen wieder mehr Einfluss zu haben, doch die Steuerung scheint trotzdem etwas reaktiver zu sein als in GTA 4. Das ist in so fern interessant, da offizielles Gameplay auch bereits Straßenrennen und sogar richtige Rennkurse zeigten, auf denen Autos mit richtiger Rennlackierung fuhren. Wie verdammt gut das Racing im Spiel ausschaut, ließ mein Racer-Herz in den Trailern höher schlagen! 

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Das Auto bekommt in GTA 6 überhaupt wieder eine größere Rolle. Der komplexere Auto-Diebstahl und stark erweiterte Anpassungsmöglichkeiten (inkl. Unterbodenbeleuchtung) dürften uns mehr um unsere fahrbaren Untersätze kümmern lassen. Außerdem müssen die Fahrzeuge erstmals auch aufgetankt / aufgeladen werden, wenn man nicht Gefahr laufen möchte, dass eine Verfolgung unrühmlich endet. 

Auch der Kofferraum spielt nun eine große Rolle. Weil jedes Auto im Spiel einen anderen Stauraum, müssen wir uns bei Überfällen überlegen ob wir mehr Platz für Beute oder einen schnellen Flitzer für die Flucht bevorzugen. Auch größere Waffen können wir nicht mehr einfach verstecken, weshalb das Auto auch fürs Lagern von Waffen oder Wechselkleidung wichtig wird. Auch das erinnert wieder an RDR 2. 

Mehr Abwechslung im Körper-Design – auch für die Protagonisten

Im ersten Trailer, der übrigens auch bald schon 3 Jahre alt ist, überraschte GTA 6 mit sehr belebten Stränden, Straßen und Partys. Wie bereits erwähnt, erlaubt eine SSD ohnehin ein schnelleres Laden von Objekten wie Figuren. Allerdings sah man mittlerweile doch auch einige Spielszenen mit ziemlich leeren Straßen. Allerdings ist auch das reale Miami alles andere als eine Fußgängerstadt. Daher passt es, wenn sich Menschenmassen an bestimmten Orten und zu bestimmten Zeiten konzentrieren. Trotzdem könnten einige der besonders dichten Menschenmengen bewusst inszenierte Shots aus Missionen sein.

Beeindruckend bleibt aber die Variation der Körper im Spiel. Rockstar Games muss viel Arbeit investiert haben, um den NSCs eine sehr große Bandbreite an Körperformen zu geben. Es ist kein einheitliches Körpermodell, dass je nach Gewicht hier und da etwas aufgeblasen wird. Die Bewohner Vice Citys wirken grundverschieden was Körperfett, Muskeln, Alter oder generellem Körpertyp angeht.

Das betrifft übrigens auch die Hauptfiguren. GTA 6 bringt nämlich ein beliebtes Feature aus GTA San Andreas zurück: Wir sind wieder selbst verantwortlich dafür, unsere Körper in Form zu halten. Ernährung und Training wirken sich auf die Fitness der Figuren aus. Ich kann mir vorstellen, dass sich immer nur der aktiv bespielte Charakter verändert, damit das Spiel nicht vom Körper-Management dominiert wird.

Laut Rockstar Games sollen alle Bewohner auch ihre eigenen Hintergrundgeschichten haben. Diese sollen sich auch in belauschbaren Dialogen zeigen, die offen auch sehr vielfältig sind. Damit könnte GTA 6 sogar die 500.000 Dialogzeilen aus RDR 2 nochmal übertreffen.

Mehrere Personen am Strand von Vice City. Beeindruckend ist die Vielfalt der Körper
Die Strandszenen im Spiel beeindrucken gleich doppelt. Er scheint dicht bevölkert und die Strandgäste überraschen mit sehr vielfältigen Körperformen. Image by Rockstar Games.

Die Stärke von Rockstar Games liegt nicht in der Grafik, sondern in der Stimmigkeit ihrer Welten

Auch wenn die Trailer zum Teil außergewöhnlich gute Grafik zeigen, erwarte ich nicht, dass das Spiel in allen Bereichen neue Standards setzt. Das haben die Rockstar-Spiele eigentlich nie. In meiner Amazon-Rezension zu GTA schrieb ich 2013: „Die Landschaft ist wunderbar abwechslungsreich, jede Szene ist ein Postkartenmotiv, egal ob Tag oder Nacht, Sonne oder Regen, egal woher man kommt. Dass es grafisch bessere Spiele gibt lässt sich verkraften, wenn man die schiere Größe der Welt und das fortgeschrittene Alter (der Konsole) bedenkt.“

Genau das wird auch in GTA 6 wieder eine Stärke sein. Die Summe der Einzelteile und wie sie in Szene gesetzt werden macht am Ende die Magie der Welt aus. Das GTA 5 und Red Dead Redemption 2 noch immer neuere Spiele dominieren liegt nicht nur am enormen Budget, sondern auch an der Stimmigkeit ihrer Welten.

Trotzdem gibt es auch immer wieder Features, die ihrer Zeit technisch voraus waren. GTA 4 führte eine Körperphysik ein, die Muskelreaktionen simuliert und damit meilenweit der bis dahin üblichen Ragdoll-Physik überlegen war. Sie war in GTA 4 sogar deutlich realistischer als in GTA 5, welches aber auch mehr Ressourcen für die große Welt benötigte. Red Dead Redemption 2 hat dagegen Naturlandschaften und Tiere auf ein ganz neues Niveau gehoben. Noch immer sieht und fühlt sich das Reiten in keinem Spiel so gut an, wie in RDR2.

In GTA 6 könnte die Körper-Diversität und Menschendichte an ausgewählten Orten das neue „große Ding“ sein, an dem sich die Konkurrenz noch lange die Zähne ausbeißt (außer vielleicht The Witcher 4). Auch profitiert das Spiel davon, dass es in den letzten Jahren kaum spürbaren Fortschritt in der Spielegrafik gab und GTA 6 damit beeindruckender wirken könnte als seiner Zeit GTA 5.

Missionen, Zufallsbegegnungen und die Gesinnung

Auch wenn GTA 6 die Missionen etwas freier gestalten möchte, werden wir keine 10 Wege haben eine Mission erfolgreich abzuschließen. Entscheidende Momente werden vermutlich weiter eine sehr bewusste Regie haben und auch die Dialoge der Hauptfiguren ohne große Auswahlmöglichkeiten sein. Hier schätze ich das Verschonen einzelner Personen als größte Einflussnahme ein, die jedoch eher begrenzten Einfluss auf den Verlauf der Geschichte hat.

Allerdings übernimmt GTA 6 auch das „Gesinnungssystem“ aus RDR2. In GTA 6 misst es allerdings, ob man eher professionell oder psychopathisch vorgeht. Darauf zahlt etwa ein, ob man unnötige Gewalt vermeidet und ob man auch sonst möglichst sauber vorgeht und wenig Spuren hinterlässt. Insgesamt gibt es 4 Stufen des Verbrecherprofils. Man kann aber auch über die Skala hinausschießen – Überschreitet man diese Grenze lässt sich der Ruf aber nicht mehr in die professionelle Richtung mehr retten. 

Hoffentlich gibt es auch in GTA 6 dadurch kleine Details durch das Profil. Arthur hatte etwa unterschiedliche Voicelines in Kämpfen je nach Gesinnung und sah freundlicher aus. Umgekehrt reagierten auch die Mitmenschen anders auf einen freundlichen Arthur. Jason und Lucia haben sogar voneinander getrennte Profile. In wie weit die unterschiedliche Gesinnung sich auf ihre Beziehung auswirkt ist aber noch nicht bekannt. 

Zufallsbegegnungen soll es übrigens auch in GTA 6 wieder geben. Ich würde aber nicht darauf setzen, dass sie wirklich dynamisch sind. Wahrscheinlicher ist, dass am Ende wie in RDR 2 oder Cyberpunk 2077 jeder Spieler die selben Zufallsbegegnungen erlebt. Trotzdem hoffe ich, dass Rockstar Games uns hier einige erinnerungswürdige Momente serviert.

Ausblick: Red Dead Redemption 2 im modernen Setting?

Eigentlich wollte ich mit dem Artikel etwas auf die Hypebremse treten und einer überzogenen Erwartungshaltung entgegen wirken. Beim Schreiben ist es mir aber lesbar schwer gefallen nicht selbst in den Hype zu verfallen und auch etwas Wunschdenken einzubringen. Seit GTA 3 hat die Reihe einfach immer wieder den neuen Benchmark immersive Welten gesetzt und nach über 13 Jahren ist die  Erwartungshaltung nochmal eine andere als bei zuvor 5, 4 und 2 Jahren zwischen den Spielen.

Gerade das ist aber auch die mögliche Fallhöhe, wenn GTA 6 dann eben doch „einfach nur ein gutes Spiel“ sein sollte. Viele Fragezeichen bleiben gerade bei der tatsächlichen Vielfalt an Aktivitäten im Spiel und welchen Einfluss der Abgang von Dan Houser auf die Qualität der Story hat. Auch werden Missionen bestimmt weiterhin eher feste Abläufe haben.

Polarisieren wird bestimmt der offenbar realistischere Ansatz von GTA 6. Engere Straßen, das neue Fahndungssystem und die Rückkehr des Fitness-Systems werden bestimmt nicht jedem schmecken, der einfach nur unkompliziertes Chaos in Leonida sucht. Mich persönlich machen gerade der stärkere Realismus richtig heiß. Ich habe Red Dead Redemption 2 für seine entschleunigte Art und die brilliant gezeichneten Charakterbeziehungen geliebt und habe nichts dagegen, wenn einiges davon in GTA übertragen wurde.   

Doch wie viel Feingefühl hat Rockstar Games bei den Realismus-Schrauben? Ebenso wie die GTA Online Formel in Red Dead Redemption 2 nicht wirklich funktionierte, muss auch nicht alles was im Western-Idyll gut funktionierte auch in einem modernen Setting begeistern. Allerdings scheint es noch genug verrückte Figuren und genug Raum für Chaos zu geben. Ich freu mich schon darauf, beide Seiten des Spiels ausführlich zu erkunden. Dank „verlängertem Wochenende“ kann ich auch direkt zum Mitternachts-Release ins Spiel starten.

Fun Facts

  • Obwohl die Presse jeden Informationshappen zur großen Story macht, holt Rockstar Games auch selbst mit dem Werbehammer aus. Dafür verwandelt das Studio das echte Miami zu Teilen in das fiktive Vice City. Das NBA-Team Miami Heat läuft am 18. November als Vice City Narcos auf. Kürzlich fuhren auch reale Nachbildungen einiger GTA-Autos durch Miami. Darüber hinaus gibt es dort derzeit ein“Burger Shot“- und ein „Cluckin‘ Bell“-Restaurant und mehrere Werbeplakate. Dass diese nicht GTA bewerben, sondern die fiktiven Marken aus dem Spiel, machen das Marketing besonders genial.
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  • YouTuber Jeeves Williams hat den Extended Look auf die fiktiven Marken analysiert. Er kam auf insgesamt 305 Brands. Ich würde zu gerne mal einen Blick in die Abteilung werfen, welche für die ganzen Marken, ihre Produkte und die Unmengen von Ingame-Medien-Inhalten verantwortlich ist.
  • Brancheninsider gehen davon aus, dass GTA 6 als erstes Spiel die Entwicklungskosten von 1 Milliarde US-Dollar durchbrochen hat. Wirtschaftswissenschaftler José García Montalvo vermutet, dass der Release des Spiels der US-Wirtschaft einen Arbeitsausfall in ähnlichem Ausmaß zufügen könnte. Er geht von 1,5 Millionen zusätzlicher Krankmeldungen aus, die dem Spiel verschuldet sind. Das Unternehmen Burger Motorsports hat für das Problem eine einfache Lösung: Der kalifornische Autoteile-Händler gibt seiner Belegschaft am Releasetag kollektiv frei, damit sie das Spiel genießen können.  
  • Ursprünglich lief das Spiel unter dem Projektnamen „Project Americas“ und sollte Teile Nord- und Südamerikas umfassen. Fans spekulierten auch einige Zeit, ob wegen der teils parallelen Entwicklung das moderne Saint Denis aus Red Dead Redemption 2 Teil der Spielwelt sein könnte. 

Images by Rockstar Games

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


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