Alexa Plus macht die beliebte Sprachassistentin mit KI smarter

Lange Zeit wirkten Sprachassistenten wie wahrgewordene Science Fiction. Nachdem erste Siri-Versionen noch ihre Probleme bei der Spracherkennung hatte, reiften sie zu richtig smarten Helfern heran. Dann kam jedoch die Chat-KI und ließ die Sprachassistenten plötzlich sehr limitiert wirken. Mit Alexa Plus rüstet Amazon nun die KI-Unterstützung nach. Doch lohnt sich das wirklich im Alltag?

Wir zeigen euch was Alexa mit KI-Unterstützung kann und vor allem, wie teuer der Spaß für euch ist.

Was verändert Alexa Plus?

Wer schonmal eine Chat-KI genutzt hat weiß über den gefühlten Rückschritt in die Steinzeit, wenn man Alexa einfache Dinge fragen will und nur ein „Das weiß ich leider nicht“. Das lag daran, dass Alexa (genau wie Siri) darauf trainiert war, bestimmte Schlüsselwörter zu erkennen. Das war 2020 noch beeindruckend, hat seinen Zauber mittlerweile aber längst verloren.

Die Implementation einer Chat-KI war daher nur eine Frage der Zeit. Mit Alexa Plus könnt ihr jetzt völlig frei mit Alexa reden und müsst nicht erst herausfinden, welche versteckten Alexa-Befehle es alles gibt. Auch muss der Name nicht für jeden Folgebefehl wiederholt werden. Alexa Plus verbindet dadurch das beste aus beiden Welten: Das natürliche Gespräch einer Chat-KI und die Vernetzung smarter Geräte einer klassischen Alexa. Statt vieler einzelner Befehle, könnt ihr nun auch mehrere Aufgaben in einen Satz packen und Alexa führt sie problemlos aus.

Auch komplexere Planungs-Aufgaben lassen sich einfacher erledigen. Ihr könnt etwa sagen: „Plane einen Grillabend für Samstag, lade meine Freunde ein und erinnere mich daran, am Freitag Getränke zu kaufen.“ Alexa Plus erstellt daraufhin Erinnerungen, kann Kalendereinträge anlegen und – sofern entsprechende Dienste verbunden sind – sogar Nachrichten an eure Kontakte verschicken.

Besonders praktisch ist außerdem die stärkere Personalisierung. Alexa Plus merkt sich auf Wunsch persönliche Vorlieben, etwa eure Lieblingsmusik, bevorzugte Smart-Home-Szenen oder häufig genutzte Einkaufslisten. Dadurch werden viele Vorschläge mit der Zeit passender.

Für die Veröffentlichung in Deutschland verspricht Amazon in der eigenen News übrigens, dass Alexa auch deutsche Sprachangewohnheiten, lokale Eigenheiten und sogar den Humor versteht. So benutzt sie etwa Ausdrücke wie „läuft“ oder „muss ja“ und „rät davon ab Weißwurst nach 12 Uhr zu essen.“

Kann Alexa Plus auch Dokumente verstehen?

Amazon hat Alexa Plus übrigens neue Analysefunktionen spendiert. So kann die KI beispielsweise hochgeladene Dokumente oder E-Mails zusammenfassen und Fragen zu deren Inhalt beantworten. Auch Termine, Reservierungen oder Rechnungen lassen sich dadurch einfacher verwalten.

Darüber hinaus soll Alexa Plus Inhalte aus verschiedenen Diensten miteinander verknüpfen. So könnt ihr etwa nachfragen, wann das Konzert beginnt, dessen Tickets ihr per E-Mail erhalten habt, oder euch an eine bevorstehende Reservierung erinnern lassen. Wie umfangreich diese Funktionen letztlich in Deutschland verfügbar sein werden, hängt allerdings von den unterstützten Diensten und regionalen Freigaben ab.

Wo hat Alexa Plus noch Probleme?

Im Video des Tech-YouTubers Alex wird deutlich, dass Alexa Plus noch viel Luft nach oben hat. Zwar merkt sich Alexa tatsächlich gut Informationen aus den Gesprächen, aber mit den Anfragen selbst hat sie stellenweise noch große Probleme.

Das macht sich insbesondere bemerkbar, bei längeren Fragen, die aus mehreren abgeschlossenen Sätzen bestehen. Fängt Alexa erst einmal an, die Informationen der Anfrage zu verarbeiten, scheint sie nicht mehr aktiv weiter zuzuhören, um die nachfolgenden Informationen mit aufzunehmen. Wo man ChatGPT im Satz unterbrechen kann, lässt sich Alexa außerdem noch nicht so leicht den Mund verbieten. Ein Stück weit kann es aber auch am sprachlichen Timing liegen, dass Alex für seinen Humor nutzt. Aber auch mit unterschiedlichen Sprachangewohnheiten muss eine intelligente Sprachsteuerung umgehen können.

Die Reaktionszeit wirkt auch eher langsam und Alexa könnte mehr Feedback darüber geben, welche Befehle sie gerade ausführt. Stattdessen gibt es sprachlich nur ein „Okay“- zusammen mit der noch immer gewohnt künstlich klingenden Stimme, wirkt die Kommunikation noch nicht wirklich natürlich.

Auch was die Nutzung von Kameras oder die Suche oder Information von aktuell genutzten Apps angeht, zeigt Alexa noch Probleme und manche Optionen, wie die adaptive Zuhören scheinen nicht immer intuitiv in der App erreichbar zu sein. Amazon hat also noch viel Raum, Alexa Plus über das Feedback des Early Access zu verbessern.

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Verfügbarkeit von Alexa Plus

Alexa Plus ist inzwischen auch offiziell in Deutschland verfügbar. Amazon hat den Rollout Anfang Mai 2026 gestartet und verteilt den KI-Assistenten zunächst im Rahmen eines Early-Access-Programms. Besitzer kompatibler Echo-Geräte können sich für eine Einladung registrieren oder erhalten den Zugang automatisch beim Kauf ausgewählter neuer Echo-Geräte. Das Rollout erfolgt schrittweise, sodass nicht alle Nutzer sofort Zugriff erhalten.

Alexa Plus funktioniert auf den meisten neueren Echo-Lautsprechern und Echo-Show-Geräten. Darüber hinaus bringt Amazon die neue KI auch auf kompatible Fire-TV-Geräte. Zusätzlich soll Alexa Plus künftig direkt im Webbrowser verfügbar sein, sodass sich der Assistent nicht mehr ausschließlich per Sprache bedienen lässt.

Siri AI steht in den Startlöchern

Auch die Konkurrenz von Apple macht sich schon bereit, gegen Alexa in den Ring zu steigen. Mit dem iOS 27, dass im Juli in die öffentliche Beta-Version startet, ist nämlich auch das lang erwartete AI-Update für Sprachassistentin Siri enthalten. EU-Länder müssen sich allerdings noch gedulden: Entgegen Amazon hat Apple noch Probleme mit der Europäischen Kommission. Allerdings nicht wegen des AI-Acts, sondern wegen des Digital Markets Act. Als sogenannter Gatekeeper wäre Apple dazu verpflichtet, ihre Geräte auch für andere KI-Assistenten zu öffnen – was gegen Apples eigener Philosophie des geschlossenen Systems läuft.

Funktional soll Siri AI ähnlich Alexa Plus vor allem individueller auf den Nutzer eingehen und den Kontext besser verstehen. Im Kontext des geschlossenen Systems interagiert Siri AI zudem nochmal deutlich stärker mit anderen hauseigenen Apps. So interagiert Siri auch mit Mails, Musik oder Bildbearbeitung. Da kommt auch zu Gute, dass die Bildbearbeitung ebenfalls neue KI-Features spendiert bekommt. Wegen der neuen Möglichkeiten bekommt Siri auch eine eigene App, in der ihr eure Unterhaltungen mit Siri ähnlich einer Chat-KI nachverfolgen und per Texteingabe führen könnt.

Wer also vorwiegend im Apple-Kosmos und deren Apps unterwegs ist, wartet vielleicht besser auf eine Einigung mit der EU. Apple wird versuchen ihre Schnittstellen zu anderen Apple Apps möglichst exklusiv für Siri AI zu halten.

Was kostet Alexa Plus?

Während der Early-Access-Phase können Nutzer Alexa Plus kostenlos ausprobieren. Danach bleibt der Dienst für Amazon Prime-Mitglieder dauerhaft ohne Aufpreis Bestandteil der Prime-Mitgliedschaft. Wer kein Prime-Abo besitzt, zahlt für Alexa Plus 22,99 Euro pro Monat.

Das klingt zunächst sehr seltsam. Amazon Prime kostet in Deutschland nämlich 8,99€ im Monat oder 89,90€ im Jahr. Das ist weniger als der halbe Preis des Standalone-Abos, nur mit vielen weiteren Funktionen. Eine Erhöhung des Prime-Preises ist noch nicht bekannt.

Denkbar ist, dass die kostenlose Prime-Integration deutlich abgespeckter ist. Das ist etwa bei Amazon Prime Music der Fall. Dort hat man im Prime Abo zwar auch Zugriff auf die große Musik-Bibliothek, aber essentielle Features für die anpassbare Wiedergabe gibt es nur im separaten Music Unlimited-Abo. Noch scheint es in den USA – wo es Alexa Plus schon länger gibt – keine Einschränkungen für Prime-Nutzer zu geben.

Lohnt sich Alexa Plus?

Alexa Plus stellt ohne Zweifel den größten Technologie-Sprung innerhalb der Sprachassistentin dar. Die natürliche Sprache und das Merken vom Gesprächskontext machen die Nutzung im Alltag noch einfacher.

Gerade im Smart Home spielt Alexa Plus ihre Stärken aus. Anders als klassische Chatbots kann die KI nicht nur Fragen beantworten, sondern direkt mit kompatiblen Geräten interagieren, Routinen erstellen und Aktionen selbstständig ausführen. Dadurch fühlt sich der Sprachassistent erstmals deutlich mehr wie ein persönlicher Assistent als wie eine reine Sprachsteuerung an.

Besonders attraktiv ist Alexa Plus für Prime-Mitglieder. Wer ohnehin Prime-Abonnent ist, kann auch nach Ablauf der Testphase die neue KI-Version nutzen. Selbst wer derzeit kein aktives Prime Abo hat, sollte dies dem Einzel-Abo der KI-Funktion vorziehen. Doch bestimmt gibt es zeitnah auch signifikante Vorteile für das 22,99€ teure Alexa Plus Abo. Vorerst lohnt sich zumindest das kostenlose Early-Access-Programm. Hier erfahrt ihr am besten, ob euch die neuen Funktionen etwas bringen.

Nutzer sollten sich aber auch bewusst sein, dass Alexa Plus noch keine reibungslose Kommunikation bedeuten muss. Trotz aller Verbesserungen hat die Sprach-Erkennung noch Macken und ist noch weniger dynamisch als mancher es sich vorstellt.

Siri AI ist zunächst in der EU keine zeitgleiche Konkurrenz, bedient aber ohnehin vor allem den Kundenstamm bisheriger Siri-Nutzer. Da Alexa Plus sich dagegen mehr gegenüber Dritt-Apps öffnet, sorgt damit also für zwei sehr unterschiedliche Umgebungen.


Image by Amazon

Das Internet ist sein Zuhause, die Gaming-Welt sein Wohnzimmer. Der Multifunktions-Nerd machte eine Ausbildung zum Programmierer, schreibt nun aber lieber Artikel als Code.


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