Wishbone: Geniale Idee oder kurzweiliger Hype?

Die Social-Media-App Wishbone wurde gerade mal vor vier Monaten gestartet, und hat jetzt schon über drei Millionen Nutzer. Der Grund ist simpel: die App macht süchtig, zumindest vorübergehend. // von Marinela Potor

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Wishbone, auf Deutsch Wünschelroute, heißt der neueste virale Trend unter den Social-Media-Apps. Hinter Wishbone steckt der ehemalige Myspace-Chef Mike Jones, dem mit dieser App offensichtlich ein Hit gelungen ist. Die App ruft Nutzer zur Abstimmung auf und funktioniert nach dem Top-oder-Flop-Prinzip, was vor allem junge Mädchen massenhaft begeistert. Die App liegt derzeit auf Platz 13 der US-amerikanischen iOS-App-Charts im Bereich Social Networking. Ist Wishbone eine geniale neue App oder nur ein kurzweiliger Hype?


Warum ist das wichtig? Virale Apps bieten aufgrund ihrer rasanten Beliebtheit einen interessanten Blick auf unsere Gesellschaft.

  • Gerade wenn eine neue App einen riesigen Hype auslöst, können wir damit viel über die Nutzer und unsere Gesellschaft erfahren.

  • Neue soziale Netzwerke im Internet, wie Wishbone, schaffen neue Formen der Interaktion und Kommunikation.

  • Es ist wichtig bei neuen Trends, kurz inne zu halten und zu schauen, was eigentlich dahinter steckt.


Innerhalb kürzester Zeit hat das soziale Netzwerk Wishbone in den USA mehr als drei Millionen Nutzer gewonnen. Das ist ein Nutzerwachstum, von denen andere Apps, wie Tinder oder sogar Facebook, in ihren Gründerzeiten nur träumen konnten.

Kinderleichte Anmeldung

Ich kann umständliche Registrierungsprozesse nicht ausstehen. Wenn ich viel mehr als meine Email und ein Passwort eingeben muss, verliere ich schon die Geduld. Da unterscheide ich mich wohl nicht großartig von den wahrscheinlich ungeduldigen Teenie-Mädels, die Wishbone hauptsächlich nutzen.

Wishbone hatte da wohl so eine Vorahnung und macht es mir wirklich sehr leicht: Ich muss nur ein Mal klicken, um mich über meinen Facebook oder Twitter Account anzumelden – und schon kann es los gehen.

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Top oder Flop?

Sofort erscheinen links und rechts auf dem Bildschirm zwei Bilder mit jeweils einer Frage: Großstadt oder Meer? Spanien oder Italien? Jessie oder James? Insgesamt sind es zwölf Einsteiger-Umfragen, die App nennt sie das daily dozen, das tägliche Dutzend.

Danach muss ich nur noch auf das Bild klicken, welches mir mehr zusagt. Sofort erscheint ein Zwischenstand, der mir die aktuelle Umfragelage anzeigt. Und schon geht es zur nächsten Abstimmung.

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Eigene Wishbones erstellen

Ich kann auch selbst Umfragen starten. Dazu muss ich nur kurz einen Nutzernamen und ein Passwort eingeben und kann schon direkt durchstarten.

Ich gebe also meine Frage ein: Heels or Sneakers? Hohe Hacken oder Turnschuhe? Danach muss ich zwei Vergleichsfotos auswählen, entweder lade ich diese direkt von meinem Smartphone hoch oder ich suche nach Bildern im Netz.

Zwei Klicks später habe ich zwei passende Bilder im Internet gefunden und poste meine Frage. Möge die Abstimmung beginnen.

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Freunde finden

Wie auch auf allen anderen sozialen Netzwerken, kann ich auch auf Wishbone anderen Nutzern folgen oder selbst Follower sammeln. Bisher scheint aber keiner meiner Facebook-Freunde bei Wishbone registriert zu sein, alle Freundschaftsvorschläge scheinen unbekannte 14-jährige Mädchen und Buzzfeed zu sein. Ich folge daher mal allen wild und kann so auch bei ihren Abstimmungen mitmachen.

So weit, so einfach. Wishbone besticht tatsächlich durch die intuitive Handhabung und das klare Interface. Auch die Idee hinter der App ist minimalistisch, aber wirksam. Menschen stimmen einfach gerne ab und geben mit Vorliebe zu allem ihren Senf dazu. Genau das ist auf Wishbone jetzt mit nur einem Klick möglich.

Bekannter Antrieb

Die App erinnert mich ein wenig an die Zeit der römischen Kaiser, die für Gladiatoren in ähnlicher Manier entweder ihre Daumen nach oben oder nach unten drehten – nur, dass man bei Wishbone nicht die alleinige Entscheidungsmacht hat, sondern Teil einer Massenumfrage wird.

Ich erinnere mich ebenfalls dunkel an eine Episode der US-Fernsehserie Castle (Anm.d.Red.: Mit Firefly-Star Nathan Fillion!!!), in der ein Psychopath zwei Geiseln entführt und dann, nach einem ganz ähnlichen Prinzip, ein Video der beiden am Galgen nebeneinander online stellt. Die Internetnutzer sollen dann darüber entscheiden, wer überleben darf.

Ich frage mich, ob IS wohl so oder so ähnlich bald Enthauptungen per Wishbone medial wirksam verbreiten wird? Aber vielleicht schaue ich auch einfach nur seltsame Serien. Denn bisher sind die Abstimmungen auf Wishbone eher harmlos und sicherlich auch ein netter Zeitvertreib. Die App hat definitiv Suchtfaktor, was auch die rasant steigende Userzahl beweist.

Auch wenn Wishbone sicher klasse ist, um sich an der Bushaltestelle die Wartezeit zu vertreiben, mehr als eine “Rumspiel-App” ist sie derzeit nicht – und muss sie vielleicht auch nicht sein. Andererseits – Facebook hat auch mal als einfaches Fotoalbum angefangen… .

Hinweis: Die App ist sowohl für iOS als auch für Android verfügbar.


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Marinela Potor

Marinela Potor

begann ihren journalistischen Werdegang bei kleinen Lokalzeitungen und arbeitete dann während ihres Studiums als Reporterin für den Universitätsradiosender. Ihr Volontariat machte sie bei Radio Jade in Wilhelmshaven. Seit 2010 hat sie ihren Rucksack gepackt und bereist seitdem rastlos die Welt – und berichtet als freie Journalistin darüber. Über alle „inoffiziellen“ Geschichten schreibt sie in ihrem eigenen Blog fest. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.

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