Trennung zwischen Arm und Reich wirkt sich auf Lokalnachrichten aus

Man füge noch “Zugang zu hochwertigen Lokalnachrichten” zu den Punkten hinzu, die wohlhabende Gemeinden gegenüber ärmeren für sich verbuchen können: Eine neue Untersuchung von Rutgers hat herausgefunden, dass Nachrichtenquellen in drei Städten in New Jersey andeuten, dass die wohlhabenderen Städte mehr Quellen für den Lokaljournalismus hätten, mehr eigene Inhalte erstellen und diese aktiver über die sozialen Medien verteilen, als die ärmeren Gemeinden.

Wenn Journalismus und der Zugang zu Informationen Säulen der Selbstverwaltung darstellen, muss man anhand dieser Ergebnisse annehmen, dass diese demokratischen Werkzeuge nicht gleichmäßig verteilt sind, was uns Sorge bereiten sollte., meint Philip M. Napoli, Professor für Journalismus und Medienwissenschaften bei Rutgers und Leiter der Studie.

In dem Bericht, der vor einigen Tagen veröffentlicht wurde, untersuchte man Lokalnachrichten in Morristown, New Brunswick und Newark. Von diesen dreien ist “Newark die größte, ärmste und ethnisch vielfältigste der drei Gemeinden, während Morristown die kleinste und wohlhabendste ist, die am wenigstens ethische Vielfältigkeit aufweist.” New Brusnwick, wo sich auch Rutgers selbst befindet, siedelt sich hier etwa mittig an.

Descriptives (Image by Rutgers)
Descriptives (Image by Rutgers)

Dies sind die journalistischen Unternehmen in den einzelnen Gemeinden:

Newark: WGBO, Newark TV 78, Luso Americano , Newark Star Ledger, Glocally Newark, Brick City Live, Newark Pulse, El Especial, Transformation Newark, Newark USA, Rutgers Observer , Vector – NJIT, Policy Options, WRNU, Patch Newark, El Nuevo Coqui

New Brunswick: Rutgers TV, Rutgers Radio, WCTC 1450, Magic 98.3, La Costena 103.9, My Central Jersey, Daily Targum, Ru Screwd, Muckgers, New Brunswick Today, Patch New Brunswick, NJ.com New Brunswick, WNJB-TV

Morristown: WMTR AM, WJSV, Tap into Morristown, Morris News Bee, Patch Morristown, NJ.com Morristown, Morristown Green, Morristown 411, Morristown High School Broadcaster, The Daily Record

Nach der Aufzählung der Unternehmen haben die Autoren – Professor Napoli, Sarah Stonbely , Kathleen McCollough und Bryce Renninger – untersucht, wie oft diese Unternehmen etwas veröffentlicht haben:

Ein einwöchiger Testlauf mit Homepages und Social-Media-Accounts (Twitter und Facebook) für jede journalistische Quelle wurde auf ihre Inhalte untersucht, um das komplette Ausmaß des journalistischen Outputs einschätzen zu können, das auf diesen Plattformen stattfindet.

Man fand heraus, dass “die Quellen in Morristown etwa 200 Artikel pro 10.000 Einwohner in der Testwoche herausbrachten, im Vergleich dazu wurden in Newark weniger als zehn und in New Brunswick rund 80 Artikel veröffentlicht.

Journalistic Output Per 10,000 Capita Across Three NJ Communities (Web Sites) (Image by Rutgers)
Journalistic Output Per 10,000 Capita Across Three NJ Communities (Web Sites) (Image by Rutgers)

Als nächstes untersuchte man, wie originell der Inhalt ist (nicht, was verlinkt, oder einfach angesammelt wurde), was über die lokale Gemeinde berichtet wird und wie die “Notwendigkeit an kritischen Informationen” der Gemeinde bedient wird (hierbei wurden Themen wie Notfälle, Risiken, Gesundheit, Verkehr und Politik abgedeckt).

Beispielsweise in Morristown wurde von mehr als 30 Prozent der Nachrichten die “Notwendigkeit von kritischen Informationen behandelt”, im Vergleich zu nur etwa 20 Prozent in New Brunswick und weniger als 10 Prozent in Newark.

“Quality” of Journalistic Output Across Three NJ Communities (Web Sites) (Image by Rutgers)
“Quality” of Journalistic Output Across Three NJ Communities (Web Sites) (Image by Rutgers)

Diese Trends weiten sich auf die Posts in den sozialen Medien aus.

Concentration of Social Media Output Across Three NJ Communities (Image by Rutgers)
Concentration of Social Media Output Across Three NJ Communities (Image by Rutgers)

Napoli schrieb im März für das NiemanLab, dass man mehr Untersuchungen bräuchte, um festlegen zu können, wie oder ob diese Muster auch auf einer größeren Skala Anwendung finden:

Indem wir einen Weg herausfinden, mit dem diese Art von Forschung gemessen werden kann, wäre es uns möglich, 100, oder sogar 200 Gemeinden zu analysieren, sodass wir einen breiten, verallgemeinerungsfähigen Ansatz finden, wie man ein gesundes oder ungesundes Ökosystem im Lokaljournalismus feststellen kann und was diese Gesundheit, oder auch der Mangel daran, in Hinblick darauf bedeutet, wie gut die Gemeinden funktionieren.

Der Bericht präsentiert eine Vielzahl an Erklärungen für die Feststellung, dass es “nicht nur weniger Journalismus in den einkommensschwachen Gemeinden gibt, sondern auch der geringe Output dieses Journalismus in den besagten Gemeinden nur an die grundlegenden Qualitätskriterien herankommt, wenn man ihn mit Gemeinden wie Morristown vergleicht.

Beispielsweise ist es gut möglich, dass in Gemeinden mit weniger Einkommen, “in denen es tendenziell weniger Breitbandversorgung gibt”, der Journalismus exklusiv und offline produziert wird (für Print oder Radiosender) und daher nicht in diesen Bericht eingeflossen ist. Zudem ist Newark näher an New York City als Morristown oder Brunswick, daher werden New Yorks Angebote auch oft in Newark genutzt.

Und dennoch ist klar, “Journalismus, der von außerhalb kommt, stellt keinen effektiven Ersatz für echten Lokaljournalismus dar” – zum Teil auch, weil – wie bereits frühere Studien herausgefunden haben – die Abdeckungen der Medien in New Jersey, die aus New York kommt, eher dazu tendiert, sich auf “Verbrechen, Schusswechsel und Katastrohen” zu konzentrieren.

Der Bericht wurde für die von Rutgers ins Leben gerufene ‘Media and the Public Interest Initiative’ erstellt und vom Democracy Fund, der Geraldine R. Dodge Foundation, und der Knight Foundation unterstützt. Den vollständigen Bericht gibt es hier.

Dieser Artikel erschien zuerst auf NiemanLab. Übersetzung von Anne Jerratsch.


Teaser & Image “Money” (adapted) by 401(K) 2012 (CC BY-SA 2.0)


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Laura Hazard Owen

Laura Hazard Owen

ist stellvertretende Chefredakteurin des Niemanlab an der Harvard University. Vorher arbeitete sie als Redaktionsleiterin bei GigaOm.

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