Software Campus und Bundeskanzlerin Angela Merkel (Bild: Daniel Reinhardt))

Sponsored Post: Startups auf dem IT-Gipfel

Startups und IT-Innovationen zu fördern, gehört zu den Forderungen vieler Politiker. Wir haben einen jungen Gründer und einen erfahrenen IT-Experten auf dem 8. Nationalen IT-Gipfel in Hamburg begleitet, auf dem die Politik der „Digitalen Agenda“ diskutiert wurde. // von Helge Denker

Software Campus und Bundeskanzlerin Angela Merkel (Bild: Daniel Reinhardt)

Stefan Appel arbeitet bei Siemens im globalen Forschungszentrum München an einer Mobilitätsplattform. Damit lässt sich zum Beispiel eine Bahnreise mit anschließendem Carsharing buchen und so verknüpfen, dass die Buchung des Autos verschoben wird, wenn die Bahn später ankommt. Und die Reise kann in einer Summe über die Plattform bezahlt werden, wobei die Anbieter ihre Teilsummen automatisch bekommen. „Intelligentes Mobilitätsmanagement“ nennt sich das.

Stefan Appel ist zum ersten Mal auf dem Nationalen IT-Gipfel, zu dem das Bundeswirtschaftsministerium in die Hamburger Handelskammer eingeladen hat. Er ist einer der Absolventen des Software Campus, der auf dem IT-Gipfel 2011 ins Leben gerufen wurde, um junge IT Manager für den Standort Deutschland und sie deutschen Unternehmen zu gewinnen. Seine Erwartungen an den Gipfel sind eher gedämpft: „Es geht nicht vordergründig um Innovationen oder technische Fortschritte. Vielmehr stellt er ein Forum da, um der Politik den Bedarf der Industrie zu vermitteln”, meint der IT-Experte. Der Gipfel zeige, dass IT nicht nur ein Thema der IT-Branche ist. ”In vielen Branchen wird IT zunehmend wichtiger zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit“, so Appel.

Mit dem Engagement der Politik in Sachen IT-Forschungsförderung ist der nachdenklich wirkende Mann durchaus zufrieden. Ein weiteres Förderungsprogramm, das jungen Startups beim Wachstum helfen soll, verkündete Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel gleich zu Beginn des IT-Gipfels. Das Volumen: rund 500 Millionen Euro. Auch ein eigenes Börsensegment für junge Unternehmen stellt er in Aussicht. Und steuerliche Erleichterungen für Verlustvorträge, wenn Investoren in junge Unternehmen einsteigen.

Stefan Appel (3.v.l.) und das Team von Software Campus im Gespräch mit Bildungsministerin Johanna Wanka (Bild: Daniel Reinhardt)
Stefan Appel (3.v.l.) und das Team von Software Campus im Gespräch mit Bildungsministerin Johanna Wanka

Bisher tue sich die Politik laut Appel eher schwer mit Schritten, die über eine reine Forschungsfinanzierung hinausgehen. “Hier habe ich oft den Eindruck, dass sich Dinge nur langsam bewegen und man sich zu sehr mit Nachteilen und potentiellen Risiken befasst, als die Chancen zu sehen und zu ergreifen”, erklärt er. So böte zum Beispiel der Ausbau erneuerbarer Energien die Chance, Vorreiter im Bereich intelligente Stromnetze („Smart Grid“) zu werden. „Die Bestrebungen in diese Richtung gehen jedoch nur sehr schleppend voran„, so Appel. Dies könne man auch in der verabschiedeten “Digitalen Agenda” der Bundesregierung beobachten: die Aussagen sind wenig visionär und hätten in weiten Teilen auch vor zehn Jahren formuliert werden können. „Durch solch zögerliches Verhalten wird viel Potential verspielt„, findet Appel. Insbesondere, da Innovationszyklen im IT-Bereich sehr kurz seien und oft nur wenig Kapital bei der Umsetzung erfordern.

Es sind viele Leute hier, die auf einem sehr abstrakten Niveau über IT reden„, lautet Appels erster Gipfel-Eindruck. Man höre Schlagworte wie Industrie 4.0 und Big Data, hat aber häufig den Eindruck, dass die Personen nicht wissen, was auf der technischen Ebene damit gemeint sei. Der Sinn des IT-Gipfels sei aber laut Appel der, die Kommunikation zwischen Industrie und Politik zu ermöglichen. Und das begrüßt er sehr: “Politik und Industrie haben erkannt, in welche Richtung es gehen kann. Ob daraus konkrete Maßnahmen abgeleitet werden, ist schwer zu beurteilen. Der Breitbandausbau, wie er auf der Digitalen Agenda zu finden sei, sei nicht neu. Auch das Schlagwort Industrie 4.0 sei nicht neu.“ Appel hat bereits vor fünf Jahren im Rahmen eines Forschungsprojekts an der Uni an verwandten Themen gearbeitet. Es habe mehrere Jahre gedauert, bis das auch auf großen Veranstaltungen sichtbar wurde.

„Die Industrie hat ihre etablierten Märkte, auf denen sie gute Geschäfte macht, sie muss sich neu orientieren und gewillt sein, neue Risiken einzugehen, neue Technologiefelder zu erschließen„, erklärt Appel, “es bekommt eine neue Dynamik, wenn plötzlich Google oder Facebook auf diese Märkte drängen – zum Beispiel auf dem Automobil-Markt. Stichwort: autonomes Fahren. Firmen wie Google und Facebook verstehen ihr Handwerk in Sachen Datenverarbeitung und kommen von der anderen Richtung, um im Internet der Dinge mitzumischen.”

Startups hätten die Industrie wachgerüttelt, weil sie wesentlich schneller Innovationen an den Markt bringen können. Dies sei auch auf dem IT-Gipfel und dem Young-IT-Day angesprochen worden, bei dem junge Gründer und etablierte Unternehmen zusammenkommen und miteinander diskutieren. „Viele etabliere Unternehmen sind daran interessiert, möglichst früh mit Startups zu kooperieren, um im Erfolgsfall einen Fuß in der Tür zu haben„, erklärt Appel. Dazu müsse sich die etablierte Industrie öffnen. In Großkonzernen ist dies häufig ein langer Prozess. „Die Risiken müssen bewertet werden, um einen etablierten guten Ruf nicht aufs Spiel zu setzen„, erklärt Appel.

Auch Jörg Land ist ein typischer Gründer: der groß gewachsene, sympathische junge Mann aus Vechta hat zusammen mit zwei Betriebswirtschaftlern in Hamburg ein Startup gegründet, das Patienten hilft, die unter Ohrgeräuschen leiden. „Tinnitracks„, so der Name seiner Firma, kann mit softwaregefilterter Musik die Symptome von Tinnitus lindern. Betroffene dieser Krankheit nehmen durch eine Überaktivität im Gehirn störende Geräusche wahr, die es in der Umgebung nicht gibt. Tinnitracks hat bereits mehrere regionale und nationale Preise gewonnen, darunter auch die EU-weite EIT ICT Labs Idea Challenge für das „innovativste Health-Startup“. Auch Land ist zum ersten Mal auf dem Nationalen IT-Gipfel, er steht im dunklen Anzug in der „Young IT Lounge“ und ist sehr gespannt. Während des Gespräches laufen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz in der Nähe vorbei.

Lands erster Eindruck? „Besser als erwartet„, erklärt er, „es ist sehr interessant zu sehen, dass Politik und Top-Executives aus IT-Unternehmen hier zusammentreffen.“ Er hoffe sehr, so Land, “dass die Aussagen, die hier getroffen werden, auch tatsächlich auf der Agenda sind”. Dass der IT-Gipfel, der jedes Jahr in einer anderen Stadt in Deutschland stattfindet, keine reine Startup-Veranstaltung wird, war Land schon vorher klar, trotzdem ist er froh, hier zu sein. Auch wenn sich der junge Gründer ein bisschen als Zaungast fühlt. „Das ist okay, denn Startups spielen noch keine große Rolle in der aktuellen IT-Wertschöpfung und die Rahmenbedingungen die verbessert werden sollen, sind oft genug angesprochen worden. Hier werden andere Themen besprochen, wie Industrie 4.0, Netzausbau und Netzneutralität, das sind ja keine Startup-Themen. Hier geht es wirklich um Politik und Infrastruktur.

Die Zusammenarbeit zwischen Startups und etablierter Industrie war eher ein Thema des „Young-IT-Days“, der am Vortag des IT-Gipfels im Hamburg stattfand. Die Zusammenarbeit zwischen jungen und etablieren Firmen ließe sich weiter ausbauen, findet Land. „Ich würde nicht, sagen, dass die Industrie da nichts macht. Teilweise kann sie es nicht. Für einige Startups ist eine Zusammenarbeit auch nicht zielführend und die Akquise durch einen etablierten Marktteilnehmer entsprechend attraktiver.

Tinnitracks mache mit dem etablierten Audio-Hersteller Sennheiser vor, dass eine solche Zusammenarbeit klappen kann. Und die Bayer AG betreibt in Berlin das Kooperationsprogramm „Grants4Apps“ im Bereich „Health“. Das zeigt laut Land auch, dass ein Großkonzerne herausgehe und Innovationen zusammen mit Startups entwickeln will.

Die Zusammenarbeit mit Sennheiser laufe „menschlich und fachlich“ super, freut sich Land. „Wir stimmen unsere Software auf Sennheiser-Kopfhörer ab, Sennheiser bringt uns in die lokalen Hörgeräte-Läden. Die Zusammenarbeit hat uns am Anfang etwas langsamer gemacht, weil die Abstimmung länger gedauert hat, aber hat insgesamt super geklappt. Die Marke Sennheiser sei ein Türöffner, so Land, denn sie stehe für deutsche Ingenieurskunst. Und der Name steht auch auf den Flyern, die Tinnitracks auf dem IT-Gipfel verteilt. Ein gutes Beispiel für eine Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitieren.“


Teaser & Images by Daniel Reinhardt, Auftraggeber: EIT ICT Labs GmbH


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Helge Denker

Helge Denker

ist freier Journalist und schreibt über aktuelle Technik-Themen. Bis August 2013 arbeitete er für die Süddeutsche Zeitung in München und half dabei, die Artikel der SZ als App auf Apple- und Android-Geräte zu bringen. Davor war er Redakteur bei BILD.de in Berlin und für das Digital-Ressort zuständig.

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