Star Treks Version der Zeitreise ist realistischer als viele andere Filme

Star Trek Beyond mag keine galaktische Reaktion von Seiten der Kritiker erfahren haben, aber man kann sagen, dass es – genau wie die beiden vorhergehenden Filme des Franchise – die Philosophie der Zeitreise deutlich besser versteht als viele andere Werke aus dem Bereich der Science Fiction.

Das liegt hauptsächlich daran, dass die neu gestartete Star Trek-Serie nicht im selben Universum spielt wie das Original, sondern in einem Paralleluniversum, das dieselbe Vergangenheit teilt – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Im ersten Film der neuen Serie, Star Trek (2009) fallen einige Charaktere des originalen Star Trek-Universums – Spock, zusammen mit dem romulanischen Bösewicht Nero und seinen Gefolgsmännern – in ein schwarzes Loch im Jahr 2387. Die Romulaner tauchen im Paralleluniversum im Jahr 2233 auf, Spock dann erst 25 Jahre später.

Die Anwesenheit der Romulaner im Paralleluniversum macht sich fast sofort bemerkbar: sie zerstören das Raumschiff USS Kelvin der Förderation, wobei Kirks Vater getötet wird. Wie Spock bemerkt: „Allein Neros Anwesenheit hat den Lauf der Geschichte verändert – und eine komplett neue Kette von Ereignissen geschaffen.“ Das Paralleluniversum und das Originaluniversum driften ab diesem Punkt auseinander. Im Paralleluniversum wächst der vaterlose Kirk verbittert und orientierungslos auf, Kirk und Spock treffen auf den Spock aus dem Originaluniversum, und der Planet Vulkan wird zerstört – alles Ereignisse, die im Universum der Originalserie nicht stattfanden.

Die Abweichungen zwischen den beiden Universen werden in Star Trek Into Darkness (2013), dem zweiten Film der neuen Serie, weiter untersucht. In diesem Film erhebt sich die Besatzung der Enterprise gegen den gentechnisch veränderten Schurken Khan, wie es auch die Original-Crew in Star Trek II: Der Zorn des Khan (1982) tut. Aber wie dies umgesetzt wird, ist praktisch in jeder Hinsicht verschieden, genau wie die Möglichkeiten, die die beiden Besatzungen finden, um ihn zu besiegen.

Die Art und Weise, wie die Idee der Zeitreise benutzt wurde, um die Star Trek-Serie neu zu starten, ist raffiniert. Sie unterscheidet sich stark von anderen Zeitreise-Filmen, die typischerweise nur eine einzige Zeitlinie beinhalten, auf der die Charaktere zurück reisen und die Vergangenheit ändern. Dieses Modell wird in den Terminator-Filmen benutzt und sogar in einem der frühen Star Trek-Filme („Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart“ aus dem Jahr 1986), in dem die ursprüngliche Besatzung ins 20. Jahrhundert in der Zeit zurück reist, um zwei Wale mitzunehmen, die benötigt werden, um eine Krise in ihrer eigenen Zeit zu bewältigen.

Das Großvaterparadoxon

Das Problem mit diesem Zeitreisemodell ist, dass es zu logischen Absurditäten führt. Dies wird üblicherweise mit dem Großvaterparadoxon verdeutlicht, welches wie folgt lautet: angenommen, du reist in der Zeit zurück und tötest deinen biologischen Großvater, bevor er deine Großmutter trifft. Dann wärst du niemals empfangen worden und hättest gar nicht erst existiert, um in der Zeit zurück reisen zu können. In diesem Szenario gibt es einige offensichtliche Widersprüche (du hast gleichzeitig existiert und nicht existiert, die Zeitreise hat und hat nicht stattgefunden), die uns zeigen, dass es unmöglich ist.

Aber ein Paradoxon tritt nicht nur auf, wenn Zeitreisende das Ziel haben, ihre Großeltern zu töten, sondern auch, wenn sie versuchen, die Vergangenheit in irgendeiner Weise zu ändern. Angenommen, jemand reist heute in der Zeit zurück, um die Vergangenheit nur relativ geringfügig zu verändern, beispielsweise, indem sie ihren Namen zur Mittagszeit des 1. Januar des Jahres 1900 in einen Baum ritzt. Die Logik besagt, dass sie keinen Erfolg haben kann, denn wenn sie ihn gehabt hätte, würde das bedeuten, dass es sowohl richtig als auch falsch wäre, dass ihr Name am Mittag des 1. Januar 1900 in den Baum geritzt wurde. Der Widerspruch bedeutet, dass es nicht funktionieren kann.

Es wird oft angenommen, dass das Großvaterparadoxon zeigt, dass Zeitreisen unmöglich ist, aber tatsächlich zeigt es die Unmöglichkeit, die Vergangenheit zu verändern, was jedoch nicht dasselbe ist. Das Paradoxon schließt Zeitreisen als solche nicht aus, sondern lediglich die Möglichkeit, dass Zeitreisende die Vergangenheit verändern. In einer einzelnen Zeitlinie gibt es keine Möglichkeit, die Vergangenheit zu ändern, sogar wenn Zeitreisen möglich ist. Und wenn es mehrere Zeitlinien gibt, welche in Paralleluniversen umgesetzt werden, gibt es immer noch keine Möglichkeit, die Vergangenheit in einer von ihnen zu verändern, sogar wenn Zeitreisen möglich wäre.

Natürlich ist die Idee der Paralleluniversen in Werken der Science Fiction verbreitet. Aber sie wird heute auch von vielen Wissenschaftlern und Philosophen ernst genommen. Gemäß mancher Theorien sind Paralleluniversen absolut voneinander getrennt und können nicht interagieren, während andere Theorien enthalten, dass Paralleluniversen interagieren, was es möglich macht, dass wir eines Tages in der Lage sein werden, nach ihnen zu suchen. Manche Physiker behaupten sogar, dass es möglich sein könnte, in ein Paralleluniversum zu reisen.

Und wenn es Paralleluniversen gibt, und wenn es möglich ist, von einem bestimmten Datum aus in einem Universum zu einem anderen Datum in einem anderen Universum zu reisen, dann ist es für die Reisenden möglich, die Ereignisse in der Zeitlinie, in die sie gereist sind, zu verändern im Vergleich dazu, wie sie sonst geschehen wären. In diesem Fall wird nicht die Vergangenheit verändert, sondern nur die Zukunft. Die Autoren hinter der neuen Star Trek-Serie haben das verstanden – und haben im Ergebnis die heikle Angelegenheit der Zeitreise geschickt bearbeitet, ohne auf die Paradoxien herein zu fallen, von denen einige andere Science Fiction-Werke geplagt werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Galaxie-Sterne-Spiralgalaxie“ by Wikilmages (CC BY 1.0)


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Lloyd Strickland

Lloyd Strickland

war Professor für Philosophie an der Universität in Lancaster, Wales und Zentrallancashire. Zurzeit ist er Lektor für Philosophie an der Manchester Metropolitan Universität.

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