Medien für Einsteiger

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es um Eltern, die sich Sorgen machen, dass ihre Kinder den Anschluss an ihre Freunde verlieren, wenn sie Medien ignorieren.

Frage: Unser Sohn (5) interessiert sich weder für Fernsehen noch für digitale Spiele, sei es am PC oder auf den Gameboys seiner Freunde. Selbst mein iPhone ist ihm egal. Müssen wir uns langsam Sorgen machen, dass er den Anschluss verpasst, wenn er nun im Sommer in die Schule kommt? Wir möchten ihn davor bewahren, dort zum Außenseiter zu werden.

Antwort: Nein, bitte machen Sie sich keine Sorgen! Freuen Sie sich, dass Ihr Kind andere Interessen pflegt und diese offenbar auch selbstbewusst seinen Freunden gegenüber zu vertreten versteht.

Spätestens in der Schule, da haben sie recht, werden die Kinder an digitale Medien herangeführt. Lesemotivationsprogramme wie Antolin oder Mathematik-Trainer wie Mathe-Tiger gehören in fast allen Schulen zum Standard. Auch erlernen Kinder erste handwerkliche Fähigkeiten im Umgang mit dem Rechner, zum Beispiel mit Textverarbeitungsprogrammen. Hier wird auch ihr Sohn sicher nicht den Anschluss verpassen.

Auch was sein soziales Umfeld außerhalb der Familie angeht, besteht keine Gefahr. Spätestens wenn es ihren Sohn nervt, dass die anderen ihm im Umgang mit Gameboy und ähnlichen Fertigkeiten voraus sind, wird er seine persönliche Aufholjagd starten. Sie als Eltern sind seine vorrangigen Ansprechpartner. So lange Sie weiter für ihn da sind, wird er nicht auf der falschen Seite des „digitalen Grabens“ landen.

Ein künstliches, gar forciertes Heranführen an digitale Medien halte ich für genauso abwegig wie ein komplettes Fernhalten. Vielleicht wird sich das bei ihrem Sohn eines Tages ändern, vorübergehend oder dauerhaft – lassen Sie ihm einfach Zeit und das Recht auf seinen eigenen Weg. Es gibt eben Erwachsene – ebenso wie Kinder –, die sich nicht für Bildschirme interessieren. So lange ihr Sohn überhaupt spielt, ist alles in Ordnung. Er hat Freunde, er hat Freude – möge es so bleiben.

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Katrin Viertel

Katrin Viertel

ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, arbeitete viele Jahre als Journalistin für gedruckte und Online-Medien sowie für das Fernsehen, hauptsächlich zu Medienthemen, bis sie ihre neue Berufung fand. Seitdem berät und informiert sie als Medienlotse.com (http://www.medienlotse.com) Eltern, die sich fragen: Was machen unsere Kinder mit digitalen Medien? Und wie sollen wir damit umgehen?

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