Ein Fernseher im Kinderzimmer?

Katrin Viertel von medienlotse.com beantwortet Fragen rund ums Thema Erziehung und digitale Medien. Heute geht es darum, ab wann Eltern einen Fernseher im Kinderzimmer erlauben sollen.

Meine Tochter ist 9 Jahre alt und möchte gern einen eigenen Fernseher in ihrem Zimmer haben. Ich kann das verstehen, denn es gibt immer wieder Ärger: mit uns wegen der erlaubten Nutzungszeit, mit den jüngeren Brüdern wegen der Programmauswahl. Wir wollen eigentlich schon länger einen neuen Flachbildschirm anschaffen. Das wäre für uns eine Gelegenheit, ihr das alte Gerät zu schenken. Aber ist ein eigener Fernseher im Kinderzimmer sinnvoll?

Antwort:

Es ist bei 9-Jährigen auf jeden Fall richtig, die Zeit zu begrenzen, die sie mit digitalen Medien verbringen. Denn ganz gleich, was sie nutzen, es ist immer Zeit, die für andere Freizeitaktivitäten nicht zur Verfügung steht. Dass ein 9-jähriges Mädchen in der ihr erlaubten Zeit andere Programme bevorzugt, als ihre jüngeren Brüder, ist wenig erstaunlich, Ärger also absehbar.

Einem Kind den ausgedienten Familienfernseher zu schenken, um im Wohnzimmer endlich seine Ruhe zu haben, ist ein verständlicher Impuls. Ich kann aber nur abraten, diesen Frieden mit einem Fernseher im Kinderzimmer zu „erkaufen“. Schon bald wüssten Sie kaum noch, was Ihre Tochter anschaut, und wieviel. Dabei geht es mir nicht so sehr darum, dass Sie die Programmauswahl Ihrer Tochter kontrollieren sollen. Problematisch ist aber, dass Sie dann keine Chance mehr haben, mit ihr über das Gesehene zu sprechen, vor allem ergibt sich dieses Gespräch nicht mehr so ganz nebenbei. Häufig bieten gerade Fernsehsendungen einen guten Anlass, über verschiedene Ereignisse oder Verhaltensweisen zu reden – und das spielerisch, ungezwungen. So kann man am Beispiel von Fernsehfiguren über den ersten Kuss sprechen oder die Frage erörtern, ob man lügen darf, um einem Freund zu helfen – Jugendserien wie „Schloss Einstein“ (KIKA) deklinieren diese Themen sehr erfolgreich immer wieder durch.

Zusätzlich sollten Sie bedenken, dass Ihre Tochter mit 9 Jahren wohl beim besten Willen nicht in der Lage ist, ihren Fernsehkonsum ganz eigenständig zu gestalten und zu begrenzen. Studien zeigen, dass Kinder ihre Sehzeit ungefähr verdoppeln, sobald sie ein eigenes Gerät besitzen (S. 192).

Wenn aus dem Kinderzimmer ein Jugendzimmer geworden ist, sieht die Sache anders aus. Dann könnte nochmals über ein eigenes TV-Gerät diskutiert werden. Wann genau das sinnvoll ist, müssen Eltern für jedes Kind selbst beurteilen – an einem bestimmten Geburtstag ist dies sicher nicht festzumachen. Sie werden selbst wissen, wann Ihre Teenager-Tochter in der Lage ist, auch den Ausschaltknopf zu finden und Medienprodukte so kritisch zu betrachten, dass sie keinen Schaden anrichten.

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Katrin Viertel

Katrin Viertel

ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, arbeitete viele Jahre als Journalistin für gedruckte und Online-Medien sowie für das Fernsehen, hauptsächlich zu Medienthemen, bis sie ihre neue Berufung fand. Seitdem berät und informiert sie als Medienlotse.com (http://www.medienlotse.com) Eltern, die sich fragen: Was machen unsere Kinder mit digitalen Medien? Und wie sollen wir damit umgehen?

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