Smarter schnarchen: Withings Sleep Analyzer im Test

Schnarchen kann nicht nur jede noch so innige Beziehung auf die Probe stellen, sondern auch die Gesundheit ruinieren. Wer so schlimm schnarcht, dass sein Atem öfters aussetzt, kann sich im Schlaf nicht genug erholen. Diese sogenannte Schlafapnoe macht schlimmstenfalls tagsüber ständig müde, erhöht den Bluthochdruck und schwächt das Herz derart, dass das Risiko eines Infarkts und Schlaganfalls steigt. Mit der smarten Sensormatte Withings Sleep Analyzer prüft ihr auch ohne Besuch im Schlaflabor, ob ihr unter Schlafapnoe und anderen Schlafproblemen leidet. Die Messwerte lassen sich jeden Morgen per App einsehen. Um herauszufinden wie gut das funktioniert, hatte ich als leichter Schnarcher den Withings Sleep Analyzer im Test.

Ein Schlaflabor für das Zuhause

Im Gegensatz zum Vorgängermodell Sleep ohne Namenszusatz liefert das neue Withings-Produkt so laborgenaue Ergebnisse, dass der Hersteller es als medizinisches Gerät bezeichnen darf. Die Funktionsweise ist für Außenstehende aber kaum zu unterscheiden. Die weiterhin 64 Zentimeter lange und 19 Zentimeter breite Matte findet unverändert zwischen Matratze und Untergestell Platz und überwacht dort verschiedene Parameter der Schlafqualität.

Dazu stecken im fünf Millimeter dicken Textilbezug zwei Sensoren. Zum einen ein pneumatischer Sensor, der die Atemfrequenz, die Herzschläge und die Körperbewegungen registriert. Zum anderen ein Geräuschsensor, der Audiosignale identifiziert, die ganz typisch fürs Schnarchen und für Schlafapnoe sind. Zwar konnte die seit 2018 erhältliche Vorgängermatte nach einem Firmware-Update im März 2019 bereits ebenfalls Atemaussetzer ermitteln – aber offenbar nicht in einer diagnostischen Qualität, die für ein Prüfsiegel reichte.

Normalerweise braucht man dazu auch ein Schlaflabor, wo Übernachtungsgäste Brustgurt, Mikrofon und eine Sensorklemme am Finger tragen müssen. Withings reicht eigenen Angaben zufolge ein besonders ausgefeilter Algorithmus, um mit weniger Technik und einem körperfernen Einsatz zu nahezu gleichen Ergebnissen zu kommen.

Withings Sleep Analyzer im Test einrichten

Weil ich nichts am Körper tragen muss, lässt sich der Withings Sleep Analyzer im Test ebenso einfach einrichten wie das Vorgängerprodukt. Ich schiebe die 350 Gramm leichte Sensormatte einfach in Brusthöhe unter meine vorhandene Matratze. Auf welcher Unterlage ich mich bette, spielt laut Withings kaum eine Rolle. Die Sensoren messen demnach reibungslos, solange die Matratze nicht dicker als 45 Zentimeter und nicht niedriger als zehn Zentimeter ist und aus keinem unüblichen Material besteht.

Die Sensormatte ist so dünn, dass ich sie nicht spüre und natürlich auch nicht sehe. Dass hier Technik verbaut ist, verrät als stummer Zeuge nur ein graues Stromkabel, das zwischen Matte und Steckdose zu verlegen ist. Am unauffälligsten lässt sich die Strippe bei einem offenen Bettkasten unter dem Lattenrost zur Wand führen.

Withings Sleep Analyzer Setup
Weil das Zubehör einfach unter die Matratze geschoben wird, lässt sich der Withings Sleep Analyzer im Test sehr einfach in Betrieb nehmen. Image by Withings

Mit der Software des Herstellers mache ich den Withings Sleep Analyzer im Test anhand der App namens Health Mate bekannt. Sie ist kostenlos nutzbar und lässt sich ab Android 8 und iOS 12 verwenden. Nachdem ich mich in mein Withings-Konto eingeloggt habe und die Matte per Bluetooth mit dem Smartphone verknüpft habe, melde ich sie im WLAN an. Die Sensormatte funkt zwar laut Hersteller nur auf der 2,4-GHz-Frequenz. Anders als viele andere Smart-Home-Produkte störte sie sich aber nicht daran, dass auch das 5-GHz-Frequenz aktiviert war.

Warum sich die Sensormatte anschließend mehrere Minuten lautstark vibrierend kalibrieren muss, ist nicht genau nachvollziehbar. Danach ist sie aber jedenfalls sofort einsetzbar und kann schon am nächsten Morgen erste Ergebnisse liefern.

Schlafdaten einsehen und verstehen

Nach dem Aufstehen überträgt der Withings Sleep Analyzer im Test die Messdaten per WLAN direkt in die Cloud von Withings. Während der Schlafphase stellt die Matte den Funk aber auf Sendepause, versichert der Hersteller.

Wie hoch meine Schlafqualität in der zurückliegenden Nacht war, schlüsselt mir die Health-Mate-App in Indexpunkten von 0 bis 100 auf, wobei alles unter 75 nicht als erholsame Nacht gilt. In den Index lassen die Algorithmen einfließen, wie lange und wie tief ich geschlafen habe, ob und wie oft ich zwischendurch wach lag und wie lange ich zum Einschlafen und Aufstehen brauche. Außerdem setzt die Software die Schlafdauer in Bezug zu meinem üblichen Rhythmus und zieht Punkte ab, wenn ich beispielsweise bis in die Puppen aufgeblieben bin. Damit die Angaben nicht verfälscht sind, lassen sich Nächte löschen, in denen jemand anderes in meinem Bett geschlafen hat.

Die Angaben zum Schnarchen und zur Schlafapnoe sind nicht Teil des Indexes, sondern separat aufgelistet. Anhand einer einfach verständlichen Skala und eines Ampelfarbencodes kann ich ablesen, ob meine Atemaussetzer als leicht, moderat oder schwerwiegend zu bezeichnen sind. Das ist wichtig, denn wenige und kurze Atemaussetzer sind normal und nicht schädlich. Außerdem zählt und visualisiert die Software meine Schnarchepisoden. Der Frequenzverlauf meines Herzschlags rundet die Datenanalyse ab.

Withings Sleep Analyzer Health Mate App
Mit der Health-Mate-App lässt sich jeden Morgen einsehen, wie lange und wie tief man geschlafen und wie oft und wie stark man geschnarcht hat. Image by Withings

Dabei ist der Unterschied zu den Messungen des Vorgängerprodukts Withings Sleep ohne Namenszusatz gering. Der Hersteller traut sich beim Analyzer-Modell nun lediglich, die Atemaussetzer beim Schnarchen als Apnoe zu bezeichnen. Außerdem fügt er der auch schon vorher aussagekräftigen Skala jeweils einen Indexwert des sogenannten Apnoe-Hypopnoe-Index hinzu.

Warum ich mehr über meinen Schlaf wissen sollte

Wie medizinisch genau der Withings Sleep Analyzer im Test misst, kann ich nicht beurteilen. Aber die Ergebnisse decken sich bei der neuen wie bei der vorherigen Sensormatte mit dem Niveau meiner morgendlichen Ausgeruhtheit und den nächtlichen Auszügen meiner Frau aus dem Schlafzimmer, wenn ich mal wieder etwas heftiger geschnarcht habe. Daher erscheinen die Messwerte plausibel.

Für die Bestätigung, dass ich schlecht geschlafen, brauche ich die Sensormatte natürlich nicht. Schon gar nicht, wenn meine Bettgenossin eine Schnarchorgie bezeugen kann. Der Wert der Daten erschließt sich eher, wenn ich mich diffus müde fühle, und das vielleicht über einen Zeitraum mehrerer Tage. Hat mich die Katze wieder mal aus dem Tiefschlaf in den Leichtschlaf gemaunzt, ohne dass ich mich daran erinnern kann? Habe ich doch wieder zu spät und zu viel gegessen? Habe ich den sportlichen Ausgleich vernachlässigt und komme deshalb nicht gut in den Schlaf? Die Angaben zur Schlafqualität im Zusammenspiel mit anderen Datenquellen ermöglichen Negativfaktoren zu prüfen und bestenfalls abzustellen.

In ernsteren Fällen können die Erkenntnisse zu Schlafqualität auch dem Arzt oder Ärztin bei der Diagnose helfen. Daher lassen sie sich aus der App per PDF exportieren. Wenn jemand so sehr von schlimmer Apnoe geplagt ist, dass er oder sie nachts ein Beatmungsgerät verwendet, lässt sich prüfen, ob die Therapie anschlägt.

Fazit zum Withings Sleep Analyzer im Test

Withings neue Sensormatte schützt weder vor Schnarchen noch vor schlechtem Schlaf. Aber das smarte Zubehör hilft prima dabei, Verhaltensmuster aufzudecken, die den Schlaf verschlechtern und die nächtliche Erholung vermiesen. Schließlich ist die Erkenntnis der erste Schritt zur Besserung. Dabei gelingt es Withings sehr gut, Messdaten verständlich einzuordnen und durch Hintergrundwissen zu vertiefen, ohne zu langweilen. Die Messergebnisse erscheinen im Praxistest schlüssig. Auch ohne übliches Zubehör aus dem Schlaflabor gelingt es der Sensormatte verblüffend gut, Schlafqualität und insbesondere Schnarchepisoden zu messen und damit die gefühlte Erholung zu bestätigen.

Dass die neue Matte nun auch offiziell Schlafapnoe messen kann, hängt wohl eher mit der Zertifizierung von medizinischen Produkten zusammen. Zumindest anhand der visualisierten Messdaten kann ich keinen Unterschied zum Vorgängerprodukt feststellen, das ebenfalls bereits Atemaussetzer erfasst hat.

Das neue Modell, Withings Sleep Analyzer, ist ab heute zum Preis von 130 Euro erhältlich. Wer im Handel noch die vorherige Version mit dem nahezu gleichen Leistungsumfang findet, kann 30 Euro sparen.

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Images by Withings

Berti Kolbow-Lehradt

ist Freier Technikjournalist. Für die Netzpiloten befasst er sich mit vielen Aspekten rund ums Digitale. Dazu gehören das Smart Home, die Fotografie, Smartphones, die Apple-Welt sowie weitere Bereiche der Consumer Electronics und IT. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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