Upday: Axel Springers digitaler News-Selbstläufer

Der Nachrichtenmarkt ist hart umkämpft. In einer Zeit, in der die gedruckten Auflagen sinken und das wenig ertragreiche Online-Geschäft boomt, versuchen Verlagshäuser rentable Alternativen zu finden. Mit der Samsung-App Upday hat Axel Springer vor rund fünf Jahren einen echten Coup gelandet. Die gleichnamige App wird nunmehr in etlichen Ländern auf den Geräten des südkoreanischen Konzerns vorinstalliert. Das kann allerdings auch zur Gefahr werden.

Die News-App als Heilsbringer

Das Smartphone wird für Zeitungen und News-Seiten von Jahr zu Jahr interessanter. Während laut Pew Research Center nur 21 Prozent der US-Amerikaner im Jahr 2013 unterwegs Nachrichten konsumierten, waren es in 2019 bereits 58 Prozent. Ähnliche Zahlen gibt es auch hier in Deutschland. Längst sind die Webseiten der großen und kleinen Pressehäusern für die kleinen Displays optimiert. Doch von allein verirren sich die wenigsten Nutzenden darauf. Neben den Social-Media-Kanälen auf Facebook, Twitter und Co. gelten individualisierbare und anbieterübergreifende News-Apps als Heilsbringer der Branche.

Die von vielen Seiten umstrittene Axel Springer SE erkannte dies schnell und fand eine spannende Lösung: Mit Upday entwickelte ein Journalisten-Team gemeinsam mit Samsungs Software-Expert:innen eine Content Plattform für aggregierte Nachrichten. Damit nicht genug, denn die App wurde auf dem Samsung Galaxy S7 erstmals ab Werk vorinstalliert und tief ins System integriert. Die De-Installation war und ist unmöglich. Bis ins aktuelle Modelljahr hat sich die Kooperation gehalten. Auch das Samsung Galaxy S21 kommt mit der europaweit meist verbreiteten News-App daher, die zudem mit den Galaxy Smartwatches kompatibel ist.

Neben einem leistungsstarken Software-Partner verschafft die Kooperation auch eines: Reichweite. In Deutschland ist mehr als jedes dritte Smartphone ein Samsung-Gerät. Damit erreicht Axel Springer eine große Anzahl an Nutzenden. Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (kurz IVW) registrierte für den Juni 2020 rund 110 Millionen Visits. Upday liegt damit zwar deutlich hinter dem Spitzenreiter Bild mit 245 Millionen Aufrufen, rangiert allerdings vor den Branchenriesen Süddeutsche, Zeit und FAZ. Zumal mit einer App, die nur mobil auf Samsung-Handys läuft. Bemerkenswert!

Personalisierbarkeit ist Fluch und Segen

Einer der Gründe für den Erfolg dürfte die Personalisierbarkeit sein. Ähnlich des Google News Feeds merkt sich die App mithilfe von Cookies die Interessen. Des Weiteren kann der Nutzende aktiv relevante Bereiche auswählen und so seine eigene Startseite zusammenstellen. Das erhöht zwar den Komfort, sorgt jedoch auch für einen Scheuklappen-Effekt.

Als Eigentümer hat die Axel Springer SE Zugriff auf diese gesammelten Daten. Insofern bekommt der Konzern die Möglichkeit auf Grundlage der Daten das unternehmensinterne Profiling auszubauen. Minutiös kann das Verlagshaus tracken wer wann welche Nachrichten liest und teilt. Nur der Algorithmus weiß nach welchen Kriterien Themen und Newsquellen ausgewählt werden. Eilmeldungen landen so kuratiert auf den Smartphones und buhlen um Aufmerksamkeit. Vorinstalliert.

Upday’s Choice: Einnahmen durch Affiliate-Beiträge

Doch wie kann sich ein solches Angebot finanzieren? Zum einen wirkt Upday wie eine normale Webseite, wie sie auch von einer regionalen Tageszeitung stammen könnte. Zwischen den einzelnen Überschriften befinden sich mehr oder weniger nervige Werbeblöcke, die die Verbraucher:innen im Normalfall mittels Adblocker ausschalten würden. Ferner hat Upday gemeinsam mit dem Schwesterunternehmen Bonial “Shopping Deals” in den Newsstream integriert. Diese informieren nicht nur, sondern regen zum Konsum an. “‚Shopping Deals‘ adressieren eine für Werbekunden hoch attraktive Zielgruppe, und zwar personalisiert und zum optimalen Zeitpunkt.”, so Aneta Nowobilska, Chief Revenue Officer von Upday.

Zum anderen startete Axel Springer im letzten Jahr eine neue (Werbe-)Rubrik: Unter “Upday’s Choice” finden sich nicht etwa journalistisch herausragende Stücke, sondern eine Vielzahl an Werbebeiträgen. Hinter den klassisch boulevardesken Clickbait-Headlines werden teilweise erst auf dem zweiten Blick die Geldgeber sichtbar. Auch das Design hebt sich kaum von redaktionellen Artikeln ab. Lediglich eine Fußnote verrät die Intention.

Upday Choice
Mit Upday Choice werden Affiliate Artikel ausgespielt. Screenshots by Jonas Haller

Early bringt Apps auf Android und iOS

Die nächste Ausbaustufe der gegründeten Upday GmbH & Co KG wurde bereits Ende 2019 gestartet. Mit earliNews und earliAudio hat das Unternehmen entsprechende Apps im Google Play Store und Apple App Store veröffentlicht. Dabei handelt es sich um eine Podcast- und eine Nachrichten-App. Um earliNews überhaupt nutzen zu können, müssen zu Beginn Region und Interessen definiert werden. Anschließend präsentiert sich die hübsche News-Seite mit passenden Nachrichten, die von den Samsung Smartphones bekannt sind. Auch hier lassen sich zwischen den einzelnen Kacheln die “Upday’s Choice” finden.

Die Mobilanwendung earliAudio kommt wie ein herkömmlicher Podcatcher daher und liefert eine kuratierte Auswahl an interessanten Podcasts aus etlichen Rubriken. Das Design ist übersichtlich und minimalistisch. Kaum etwas verrät die Herkunft. Lediglich in der prominenten Kategorie “Nachrichten” wird der “upday Top News Podcast” empfohlen. Upday-CEO Peter Würtenberger hat für die Anwendung klare Pläne: “wir [treten] mit earliAudio in den boomenden Podcast-Markt ein, der mit seiner jungen, gebildeten und kaufkräftigen Zielgruppe auch für unsere Vermarktungskunden sehr interessant ist.”. Wir behalten die Entwicklung im Auge.

Fazit Upday: News-Aggregator mit Beigeschmack

Über alternative Kanäle verbreiten sich Falschmeldungen in Windeseile. Eine vertrauenswürdige Nachrichtenbasis ist in diesen Tagen deshalb das A und O. Viele nutzen dafür neben Social-Media-Plattformen News-Apps, die wichtige Berichte aus diversen Quellen bündeln. Auf Samsung-Handys ist hierfür die Axel-Springer-Anwendung Upday bereits vorinstalliert. Das wirkt auf den ersten Blick komfortabel, doch ist in Sachen News-Neutralität nicht ungefährlich. Mithilfe der Kooperation generiert der Konzern im Handumdrehen eine große Reichweite – eines der Währungen auf dem Digitalmarkt. Ferner gewinnt Axel Springer kostbare Daten über die Nutzenden.

Schon allein deshalb lohnt sich ein Blick über den Tellerrand. Unabhängige Alternativen gibt es wie Sand am Meer. Wer nicht auf Google News ausweichen will, findet mit „Flipboard“ ein hübsches Pendant mit Magazin-Charakter. Neben wichtigen Nachrichten bereitet sie auch Posts aus den Sozialen Netzwerken hübsch auf. Auch die App “Bundle News” ist eine gelungene Wahl für Newsaholics. Puristen setzen mithilfe der App “Feedly” auf ihren eigenen News-Feed.


Screenshots by Jonas Haller

Jonas Haller

arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Technischen Universität Chemnitz und erforscht unter anderem 3D-Druckverfahren. Die technische Vorschädigung tut dem Interesse zum mobilen Zeitgeschehen und der Liebe zur Sprache jedoch keinen Abbruch – im Gegenteil. Durch die Techsite HTC Inside ist er zum Bloggen gekommen. Zwischendurch war er auch für das Android Magazin aktiv. Privat schreibt er auf jonas-haller.de über die Dinge, die das Leben bunter machen. Mitglied des Netzpiloten Blogger Networks.


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