Chinesische Tech-Branche leidet unter Coronavirus

Update 14.02.2020: Die ansonsten jährlich stattfindende Fotomesse CP+ in Japan wird aus Sorge vor dem Coronavirus dieses Jahr ebenfalls nicht stattfinden. Geplant war die Messe vom 27. Februar bis zum 1. März 2020 in Yokohama.

Das Coronavirus beschäftigt die Menschen in diesem noch jungen Jahr bisher sehr stark. Die Krankheit mit Ursprung in der Nähe der chinesischen Metropole Wuhan forderte bisher weltweit schon über 1000 Tode. Auch in Deutschland gibt es bisher mehr als ein Dutzend Erkrankte. Bereits in der vergangenen Woche stürzte die chinesische Wirtschaft auf ein Rekordtief. Auch für die Weltwirtschaft ist das nicht uninteressant, beträgt der chinesische Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung nicht unbeträchtliche 19 Prozent. Auch auf die Tech-Branche hat die Krankheitswelle aktuell drastische Auswirkungen. Der Mobile World Congress (MWC) in Barcelona gilt als die wichtigste Mobilfunk-Fachmesse der Welt und sollte vom 24. Bis zum 27. Februar statt. Doch in den letzten Tagen und Wochen hagelt es Absagen.

Absage nach Absage

In den letzten Tgen verging kaum ein Tag, an dem nicht Aussteller ihre Teilnahme am MWC absagten. Das südkoreanische Unternehmen LG hatte vor knapp einer Woche als erster Aussteller bekanntgegeben, wegen des Coronavirus nicht am MWC teilzunehmen. Eine Messe wie der MWC ist durch seine internationalen Gäste auf recht engem Raum eine Möglichkeit für das Virus, sich schnell zu verbreiten.

Auch Amazon und Sony werden nicht in Barcelona dabei sein. Samsung werde weniger Mitarbeiter zur Messe schicken als ursprünglich geplant. Zuvor gab es Absagen des GPU-Herstellers Nvidia sowie des Telekommunikationsunternehmens Ericsson. Das Unternehmen Intel, der japanische Mobilfunknetzbetreiber NTT Docomo sowie das Software-Unternehmen Amdocs werden dieses Jahr ebenfalls nicht an der Messe teilnehmen. Alle drei Hersteller sorgen sich um den Gesundheitszustand der Messebesucher und der eigenen Mitarbeiter durch die Gefahr des Coronavirus. Mit Amazon verzichtet noch ein weiterer großer Player auf eine Teilnahme bei der MWC.

Auch Xiaomi ist äußert sich zum Coronavirus

Der chinesische Smartphone-Hersteller Xiaomi hatte sich ebenfalls zur Teilnahme Messe geäußert. Im offiziellen Statement bestätigte Xiaomi, dass der Handyhersteller wie geplant am MWC 2020 im spanischen Barcelona teilnehmen und dort seine neuesten Smartphones sowie eine Reihe von intelligenter Hardware vorstellen wird. Das betrifft offenbar auch den Produkt-Launch des Mi 10, das Xiaomi am 23. Februar präsentieren wird. Dabei sollen alle nötigen Vorkehrungen zum Schutz der Gesundheit der Mitarbeiter und Messebesucher vorab getroffen werden.

Unter anderem will Xiaomi sicherstellen, dass alle Mitarbeiter, die aus China anreisen, keine Symptome zeigen und mindestens 14 Kalendertage vor ihrer Ankunft in Barcelona für die Einführungsveranstaltung und MWC außerhalb Chinas waren. Xiaomi ist auch eines der 300 chinesischen Unternehmen, die sich aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation finanzielle Hilfe vom chinesischen Staat in Form von Darlehen beantragt.

Update: MWC 2020 abgesagt

Im vergangenen Jahr hatte die Fachmesse mehr als 100.000 Besucher und über 2.400 Aussteller. Dieses Jahr haben sich über 2.800 Aussteller angemeldet. Die GSMA habe derzeit keine Pläne, die Messe abzusagen, wird der Veranstalter bei BBC zitiert. Einige Aussteller würden noch überlegen, ob sie dem Mobile World Congress dieses Jahr fernblieben, räumt der Veranstalter ein.

Für die Besucher des Events gelten in diesem Jahr neue Regeln. Als Besucher darf man sich in den zwei Wochen vor der MWC nicht mehr in China aufhalten. Der Nachweis muss mit einem Passstempel und einem Gesundheitszeugnis belegt werden. Auch hier ist offen, ob solche Personen auch bereits die Reise nach Barcelona verwehrt wird oder ob es nur um den Zugang zum Messegelände geht. Personen aus der Region Hubei, in der auch Wuhan liegt, werden komplett vom Event ausgeschlossen.

Außerdem soll es dauerhaft Temperaturmessungen geben. Es soll also ein möglichst schlechtes Umfeld für die Verbreitung des Coronavirus geschaffen werden. Catering, WCs und Treppengeländer werden stärker desinfiziert, außerdem soll es eine No-Handshake-Policy geben. Die Besucher und Aussteller sollen sich also nicht mehr die Hände schütteln.

Schlussendlich entschied sich die Messe-Leitung am Donnerstag, die MWC 2020 abzusagen. Zu hoch war der Aderlass durch die fehlenden Aussteller, zu hoch das Ansteckungsrisiko für die Besucher der Messe.

Mehrere Firmen stoppen aufgrund des Coronavirus die Produktion 

Auch auf den Hardware-Markt zeichnen sich bereits erste Entwicklungen durch das Virus ab. So brechen in China aktuell die Smartphone-Verkäufe ein. Analysten rechnen demnach mit einem Rückgang der Verkaufszahlen um bis zu 50 Prozent – verglichen mit dem Vorjahresquartal. Durch die Probleme, für die das Virus sorgte, gibt es aktuell in der Geräteproduktion einen Rückstand. Tesla mit ihrem Model-3-Autos, Asus mit dem ROG Phone 2 und Facebook mit der Oculus Quest, haben ähnliche Engpässe. Auch Foxconn, eine Firma die diverse Apple-Geräte zusammenbaut, stellte vor kurzem die Produktion ein.


Image by Huawei

Philipp Bader

ist Journalistik-Student an der Hochschule Hannover und hat seit dem unter anderem bei der N-Zone in Fürth und beim Lokalteil der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung einige Erfahrungen sammeln können. Ob Videospiele, Filme oder Serien - in diesen Bereichen fühlt er sich am wohlsten.


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