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Netzpiloten @new.New Festival

new.New Festival 2018

Enthusiasten der Künstlichen Intelligenz aufgepasst! Bereits zum zweiten Mal sind die Netzpiloten Partner des new.New Festival und begleiten euch bei diesem spannenden Event von CODE_n. Dieses Jahr werden die Gäste vom 8. bis zum 10. Oktober in der berühmten Hanns-Martin-Schleyer-Halle in Stuttgart empfangen. Das Event dreht sich rund um die AI und den Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens.

Welche Speaker sind beim new.New Festival?

Ein sehr spezieller Gast des Events ist Sophia The Robot, ein sehr fortgeschrittener menschenähnlicher Roboter der Entwicklerfirma Hanson Robotics. Sophia wird an den Diskussionen teilnehmen und verschiedene Partner interviewen Zu den Speakern zählen dieses Jahr unter anderen: Dr. Sarah Atkinson, Head of Culture, Media & Creative Industries auf dem King’s College in London,  Dr. Costas Bekas, Researcher der IBM Gruppe aus Zürich,  Peter Breuer, Senior Partner bei McKinsey & Partner und  Susanne Tarkowski Tempelhof, Gründerin von BITNATION.

Welche Themen bietet das new.New Festival?

  • Ethics for AI
  • Software, Logistic & Automotive
  • The Future of Work
  • Show me the money

Und sonst noch? – 20% Netzpiloten-Rabatt!

Das new.New Festival bietet nicht nur zahlreiche Vorträge sondern auch Orte, wo man abschalten kann. Denn am jedem der drei Tage werden die Gäste den Meditation Room besuchen können, um dort die innere Ruhe zu finden. Drei verschiedene Bands liefern erstklassige Sounds. Abends erleben die Gäste das Pioneers‘ Dinner.

Tickets findet ihr hier. Der Netzpilote-Rabatt-Code (20% Nachlass) lautet: newNew18_Netzpiloten. Wir sehen uns in Stuttgart!

 

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New School statt Old School – Digitalisierung in der Bildung auf der Didacta 2017

Adobe Didacta 2017 (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Adobe entstanden.


Ich gehöre zur Generation Y oder den „Millenials“, die quasi halb-halb aufgewachsen sind – halb im Sandkastendreck mit aufgeschlagenen Knien und halb mit Gameboy in den Händen und der ersten eigenen E-Mail-Adresse mit sechs Jahren. Als ich zur Schule ging, war alles noch mehr oder weniger nach dem Prinzip „old school“, Informatik war, wenn überhaupt, ein Wahlfach, welches aus seinem Namen auch nicht wirklich viel machte und es das Höchste der Gefühle war, seinen PC korrekt rauf- und runterfahren zu lassen.

Was ich an Digitalisierung in der Schule mitbekommen habe, waren maximal noch die interaktiven Whiteboards, die quasi „digitale Tafel“, mit denen gefühlt jeder einzelne Lehrer Probleme hatte. Anders die „Generation Z“ oder Digital Natives, die heute 11 bis 17-jährigen, die im Zeitalter der Social Media und Tablet PCs aufwachsen. Was macht diese Generation aus und wie muss man sie in der Bildung ansprechen?

Vergangene Woche hat in Stuttgart die Bildungsmesse didacta stattgefunden. Digitale Bildung stand auch hier im Fokus, denn die Digitalisierung hält in beinahe allen Lebensbereichen Einzug, so natürlich auch in der Bildung. Schon lange gibt es in Klassenzimmern nicht mehr nur besagte Whiteboards – von programmierbarem Lego über Roboter bis hin zum Lernen in der virtuellen Realität – die Digitalisierung ist vollends in der Bildung angekommen und soll sie revolutionieren.

Auf der didacta hatte ich die Chance, Einiges davon auszuprobieren. Ob einem kleinen Lego-Roboter das Fahren in eine bestimmte Richtung beizubringen, mittels einer Oculus Rift in einen Rachen einzutauchen und über Enzyme zu lernen oder mit 3D-Druck Schüler dazu zu animieren, sich mit der Kombination aus Mathe und Design auseinanderzusetzen – zweifelsohne tolle, kreative Ansätze. Aber was davon sind nur Spielereien und was ist umsetzbar für Schulen?

 

Am @Lego-Stand kann man lernen kleine #Roboter selbst zu programmieren. #didacta #didacta17 #lego

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Statt Old School: #MakeItNewSchool

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Image by Lisa Kneidl (adapted with Adobe Spark)

Wirft man einen pauschalen Blick auf die Generation Z, denkt man meist an das regelrecht am Körper festgewachsene Smartphone, weiße Sneaker und große Begeisterung für Youtuber XYZ. Fakt ist, dass noch keine Generation vor ihnen ab solch jungem Alter schon mit solch einer Fülle von Informationen, Content und visuellen Eindrücken überhäuft wurde wie diese. Kreativität und den kreativen Umgang mit Medien sieht ein Großteil dieser Generation als Teil ihrer Identität.

Auf der Messe hatte ich die Chance mich mit Wolfgang Schlicht, einem Lehrer an der Realschule Viechtach und Mitglied des Adobe Education Leader Programs, über die Generation Z zu unterhalten.

Wolfgang Schlicht beschreibt diese digitale Generation und deren Medienkompetenz und –nutzung so: „Ich denke, dass die Lehrer das Problem haben, das einzuschätzen. Das ist ein anderes Verständnis von Arbeiten und von Kreativität. Der Lehrer sieht den Schüler vielleicht mehr als Knöpfchen-Drücker und –Wischer. Ich würde mir wünschen, dass nicht die User im Vordergrund stehen, sondern die Produzenten. Ein Kollege hat das mal schön formuliert, er wünsche sich den „prosumer“, also einen Produzenten und Konsumenten gleichzeitig“.

Am Adobe-Stand konnte ich mich vom Konzept des Unternehmens für die didacta 2017 überzeugen. Mit dem Motto #MakeItNewSchool wollen sie die Schüler nicht mit Spielereien und Gadgets anlocken, sondern an deren Kreativität appellieren und den Unterricht durch digitale Tools kreativer und interaktiver gestalten. Wolfgang Schlicht weiß, seine Schüler sind zwar medienaffin, aber sie nutzen meist ihr Potential für kreatives Arbeiten nicht ausreichend aus.

Die Studie zur Generation Z  von Adobe hat sich exakt mit der Generation Z und der digitalen Bildung beschäftigt. In Deutschland haben Sie dazu rund 500 Schüler und 200 Lehrer befragt und wollten herausfinden, welche Bedeutung Technologie und Kreativität in der Zukunft dieser Generation haben werden. Mehr zu den Ergebnissen gibt es auf der offiziellen Seite zur Studie.

Intelligenz, wenn sie gute Laune hat

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Image by Lisa Kneidl (adapted with Adobe Spark)

Der Fokus liegt ganz klar auf Kreativität und darauf, Schülern einen Baukasten an digitalen Werkzeugen bereitzustellen, mit denen sie sich auf Berufe vorbereiten können, die es so heute vielleicht nicht gar nicht gibt, wie mir Adobes Education-Marketing Manager Matthias Hoepfl das Adobe Motto im Bereich digitale Bildung erklärte.

Grundsätzlich geht es bei unseren Werkzeugen und Programmen immer um Kreativität. Sie sind ausgelegt, um sie im Schulunterricht einzusetzen. Wir haben eine Make-it-Area aufgestellt, wo alle Tools ausprobiert werden können, um den Lehrer zu inspirieren, den Unterricht so praxisnah wie möglich zu gestalten.“ 

Das Aushängeschild von Adobe ist ganz klar die Creative Cloud– ein Paket aus allen Desktop-Applikationen des Unternehmens, für alle möglichen kreativen Gestaltungsbereiche, von der Bildbearbeitung bis zum Drehbuch. Inwieweit diese aber alle für die Schule nutzbar sind, ist fraglich, vor allem aufgrund ihrer Komplexität.

Auf der Messe habe ich mich auch bei den Besuchern und ihrer Vorstellung von digitaler Bildung unterhalten, ein Schüler hätte sich noch einen größeren Fokus auf praxisorientiertes Arbeiten gewünscht: „Die Adobe Creative Cloud benutze ich auch privat. Einen vergrößerten Bereich für Praxisanwendungen fände ich noch gut. Weil das hier auf der Didacta vor allem auch Schüler ansprechen soll, wären wohl vereinfachte Versionen ideal, weil beispielsweise Photoshop schon auch sehr komplex ist.“ All diese Tools haben zwar nahezu unbegrenzte Möglichkeiten des kreativen Outlets, aber sind in Zusammenarbeit mit Schülern nur schwer nutzbar.

If you can dream it, Spark can do it

Die herkömmlichen Adobe Produkte sind altbekannt und wurden am Didacta-Adobe-Stand auch in regelmäßigen Abständen in Vorträgen erklärt. Nebenan konnte man sich in einem impromptu-Fotostudio vom Fotografen Alexander Heinrichs ablichten lassen und dann direkt in der „Make-it-Area“ Applikationen wie Photoshop oder Lightroom in Aktion gezeigt bekommen.

Alles schön und gut, aber was mich wirklich überzeugt hat, war Spark. Kein VR, kein Schnick Schnack, eine einfache, browserbasierte Anwendung, die es einem ermöglicht Posts, Blogeinträge und Videos zu gestalten. Es ist genau das, was der Schüler im Unterricht braucht: ein reduziertes, leicht zu erlernendes Tool, das ihn animiert, die Informationen aufs Wesentliche zu reduzieren.

Hier ist Filterkompetenz bei den Unmengen von Informationen und den Suchmaschinenalgorithmen wichtig, wie Wolfgang Schlicht betont. Ebenfalls ist es eher kontraproduktiv, wenn man sich im Unterricht an der Arbeit an einem Projekt länger mit Schriftgrößen oder Zeilenumbrüchen aufhält, Arbeitsschritte, die Spark automatisiert und so extrem vereinfacht. Der Fokus liegt auf den Informationen, Spark macht die Technik, der Schüler die Kür.

Schlicht Wolfgang (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Adobe Spark Interface. Screenshot by Lisa Kneidl

Möglich sind Posts, Pages und Videos. Damit können beispielsweise Projektarbeiten im Unterricht erstellt und dokumentiert werden. Wolfgang Schlicht erzählte etwa von einem Kochbuch, das er zusammen mit einer Klasse über Spark erstellte und auch gleichzeitig begleitende Videotutorials zu den Rezepten produzieren konnte. Das Tool ist kostenlos und derzeit auf dem Browser und iOS-Geräten (als separate App für die Anwendungen Post, Page und Video) verfügbar, eine Version für Android ist in Arbeit.  

 

Ich bin ehrlich und sage, dass ich gerne so ein Tool wie Spark bei meinen Projektarbeiten in der Schule oder Uni gehabt hätte. VR-Brillen und Roboter machen erstmal viel her und sehen spektakulär aus. Aber Tatsache ist, dass sie für den Unterricht, vor allem fächerübergreifend, wohl noch in den Kinderschuhen stecken – noch also viel Lärm um nichts.

Wichtig ist Digitalisierung, wo sie Sinn macht – ein Tool, das fächerübergreifend anwendbar ist, den Fokus auf den Content statt auf Formatierungen lenkt und sich die Schüler kreativ ausleben lässt. Ich denke da nur an mein 15-jähriges Ich, das den Glauben an alles Gute verlor, wenn die gesamte Folienformatierung sich nach dem Einfügen eines Bildes in PowerPoint mal wieder zerschossen hat.


+++ GEWINNSPIEL +++

 

Hier haben wir noch ein Schmankerl für euch, ihr könnt eine Jahreslizenz für die Adobe Creative Cloud gewinnen. Einfach klicken, mitmachen und Daumen drücken. Zeit habt ihr bis zum 28. Februar. Viel Glück!
Teilnahmebedingungen


Header & Images (adapted with Adobe Spark) by Lisa Kneidl
Screenshot by Lisa Kneidl


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Gründungswelle voraus: Johannes Ellenberg startet Accelerate Stuttgart

Investoren haften für ihre Fuckups (Image: Katharina-Franziska Kremkau/Netzpiloten, CC BY 4.0)

Mit Accelerate Stuttgart möchte Johannes Ellenberg Startups in die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg holen und setzt dabei vor allem auf lokale Expertise.

Interview mit Johannes Ellenberg von Accelerate Stuttgart (Image: Katharina-Franziska Kremkau/Netzpiloten, CC BY 4.0)

In den historischen Räumen des Klett-Verlags, hier im Gründerviertel von Stuttgart, mit Blick auf den Feuersee, nimmt Anfang September Accelerate Stuttgart seine Arbeit auf. In direkter Nachbarschaft gab es bereits vor fast 150 Jahren eine Gründungswelle von heutigen Weltunternehmen. Ähnliches möchte Johannes Ellenberg wieder schaffen und startet zusammen mit Stuttgarter Startup-Enthusiasten das Programm “Accelerate Stuttgart”. Netzpiloten-Projektleiter Tobias Schwarz hat ihn in den noch leeren Räumen besucht und sich das Vorhaben, die Vorgeschichte und die Visionen erklären lassen.

Tobias Schwarz (TS): Anfang September 2015 starten Sie in Stuttgart ein Accelerator-Programm für fünf Startups, das ähnlich wie in den USA auf den Markt vorbereiten soll. Warum machen Sie das und wie ist das Programm aufgebaut?

Johannes Ellenberg (JE): Warum ich das mache, ist eigentlich ein ganz einfacher Grund: Ich habe nach meinen Studium selber angefangen, Unternehmen zu gründen, oder es versucht, und habe mich dabei hier in Stuttgart nicht sehr leicht getan. Zum einen, weil es nicht einfach war Mitgründer zu finden und zum anderen, weil das Thema Startup noch komplett fremd war. Es war schwierig jemanden zu finden, der das verstanden hat.

Als online-affiner Mensch wusste ich natürlich, was über dem Teich abgeht. Große Vorbilder, wie der Y Combinator oder 500 Startups und Techstars, waren da gerade sozusagen im Aufbau. Über die Community-Arbeit, die wir in Stuttgart schon gemacht hatten, also diese Startup-Szene aufzubauen, kamen wir dann dazu zu sagen, es muss jetzt einfach noch ein Schritt weiter passieren. Wir können nicht nur die Leute miteinander vernetzen, wir müssen ihnen konkret helfen. Und so haben wir 2012 Accelerate Stuttgart gegründet und haben jetzt diesen Accelerator gebootstrapped.

Das Besondere ist eigentlich, dass wir uns, ich denke mal im Vergleich zu vielen anderen Programmen, nicht unbedingt auf Geld und Mentoren fokussieren, sondern auf die Methodik und die Umsetzung. Wir bauen unser Curriculum nach einer Methodologie auf, die sich Gamified Startup nennt. Das ist relativ neu und ist mehr oder weniger aus dieser ganzen Lean-Startup-Thematik rund um Steve Blank und Eric Ries entstanden. Das heißt, wir haben nicht nur eine Methode, sondern wir haben auch einen Prozess und Tool-Unterstützung. Deshalb ist unser Accelerator-Programm auch in Sprints aufgebaut, wie man das aus agilen Projektentwicklungen kennt. Wir haben zehn Sprints à 14 Tage, in denen wir mit sehr viel Druck und Nachhaltigkeit die Teams vorantreiben.

TS: Wer sind die Mentoren, auch wenn diese offensichtlich nicht so relevant wie die Methodik an sich sind?

JE: Wir können hier zum Glück auf ein sehr großes Netzwerk an Kontakten zugreifen. Zurzeit formalisieren wir diese Zusammenarbeiten, damit ab dem Start im September auch Kontinuität entsteht. Des Weiteren ist es unser Ansatz, man hört das ja auch schon am Namen von Accelerate Stuttgart, dass es einen lokalen Bezug zur Stadt gibt. Nach einer Erweiterung des Gesellschafter-Kreis zum Jahresanfang haben wir jetzt sechs strategische Gesellschafter mit Minderheitenbeteiligung in die Accelerate Stuttgart GmbH mit aufgenommen.

Diese kommen aus den wichtigsten Unternehmensbereichen oder Know-How-Bereichen. Angefangen bei Recht, Steuern, IT, Design-Branding und Finanzierung, sowie aus dem Bereich Business-Development. Das sind alles Unternehmer aus der Region Stuttgart, mit denen wir schon über Jahre zusammenarbeiten, die wir kennen, zu denen wir auch teilweise freundschaftliche Beziehungen haben und die fügen zunächst zur Methodologie lokal die Expertise hinzu.

Warum lokal? Weil es schön ist, wenn wir hoffentlich bald Christoph Janz von Point Nine Capital oder Uwe Horstmann von Project A Ventures mit an Bord haben. Die sind nicht irgendwo weit ab in Berlin und Hands-on-Hilfe ist so natürlich einfach schneller möglich. Letztendlich müssen Dienstleistungen hier bezogen werden, ich brauche ganz konkrete Fragestellungen im Bereich Steuern, Recht und das ist unserer Meinung nach wirklich sinnvoll, wenn ich hier mein lokales Netzwerk an Dienstleistern und Zulieferern habe, auf die ich standardisiert zugreifen kann.

TS: Accelerate Stuttgart gibt es schon seit September 2012, als Sie zusammen mit Kathleen Fritzsche und dem hiesigen Coworking-Space-Betreiber Harald Amelung gründeten. Wie war die Entwicklung und warum hat es drei Jahr für den Start des Programms gebraucht?

JE: Wir hatten bereits 2011 mit Startup Stuttgart einen Verein gegründet, der sich um die Community-Arbeit kümmerte, und auch damit haben wir immer mehr Geld durch Sponsoring in die Hand bekommen, wodurch es zu einer Professionalisierung kam. Aus diesem Grund haben wir eine Kapitalgesellschaft gegründet. Unsere Version war es, ein Accelerator-Programm für Startups aufzubauen.

Der Wendepunkt war dann 2013, unser erster großer Auftrag vom Wirtschaftsministerium hier in Baden-Württemberg, einen Pitch-Wettbewerb zu organisieren. Mit dem Eleveator Pitch BW, den wir jetzt schon in der dritten Runde organisieren, wurde es dann plötzlich ernst. Dann habe ich mit Kathleen und Harald gesprochen und gesagt, dass ich das jetzt nicht mehr nur nebenher mache, sondern mich auf diese eine Sache konzentriere.

Harald hat sich dann für sein Coworking Space entschieden, aber Kathleen meinte, dass sie dabei ist. Wir haben uns dann eigene Räume gesucht, denn in Haralds Coworking Space wäre es mit uns und den anderen Startups zu klein geworden und dank einem echt guten Kontakt zu David Klett, haben wir diese Räume auch gefunden.

TS: Das sind die ehemaligen Räumlichkeiten des Klett-Verlags?

JE: Genau.

TS: Ist das jetzt ein Freundschaftsdienst von David Klett oder ist der Verlag beteiligt?

JE: Der Verlag ist nicht beteiligt. Es ist tatsächlich so, dass wir jetzt zu Beginn hier Unterstützung bekamen. Die haben uns das hier ein bisschen einfacher gemacht, was die anfänglichen Mietzahlungen angeht, weil der Raum leer stand und der Mietvertrag bis Ende August ging. Das heißt, dass wir ab September die Mieter sind, aber durch die Hilfe hatten wir einen Vorlauf, um langsam anzufangen. Das hat uns auf jeden Fall sehr geholfen.

Noch ist die Garderobe im Accelerate Stuttgart leer (Image: Katharina-Franziska Kremkau/Netzpiloten, CC BY 4.0)
Noch ist die Garderobe im Accelerate Stuttgart leer, bald wimmelt es hier nur so mit Startups.

TS: Noch eine Nachfrage zum 2011 gegründeten Verein “Startup Stuttgart“: Wie hat sich die Stuttgarter Startup-Szene in den letzten vier Jahren verändert?

JE: Das sind schon bald sehr weite Unterschiede, auch wenn wir hier natürlich immer noch irgendwie eine kleine Stadt sind und auch nur eine kleine Community haben. Als ich 2009 direkt nach der Hochschule gründen wollte, sind mir zwei Mitgründer abgesprungen und ich stand alleine da. Also wirklich allein. Ich hab mich dann orientiert, aber bis auf IHK-Gründerstammtische für beispielsweise klassische Gründungen wie Restaurants, Friseursalons oder Nagelstudios, war eigentlich gar nichts da.

2010 war dann das erste Startup-Weekend in Stuttgart, an dem hat auch schon Kathleen teilgenommen, und Harald, da es in seinem ersten Coworking Space stattfand, und wir merkten, hier müssen irgendwo Startup-Leute sein. Kathleen, Harald und ich fanden dann, dass eine Veranstaltung im Jahr zu wenig ist, weshalb wir dann gemeinsam zu Accelerate Stuttgart einen Blog ins Leben gerufen haben und regelmäßig Veranstaltungen organisierten. So ist das Ganze dann gewachsen. Beim ersten Gründergrillen waren fünf Jungs im Schlossgarten mit einem Kasten Bier und einem Einweggrill, inzwischen haben wir zwischen 120 und 200 Gäste. Wir können uns vor Sponsoren eigentlich gar nicht mehr retten, weil jeder mal sponsoren will.

Kontinuität ist uns super wichtig. Es ist hier aber immer noch viel zu tun, vor allem die ganzen Egos irgendwie an einen Tisch zu bekommen und die strukturellen Probleme zu bekämpfen. Was dabei in Stuttgart eigentlich immer hilft, das ist im Silicon Valley oder Berlin nichts anders, sind erfolgreiche Gründer, die einen Exit hingelegt haben und deshalb nicht mehr so in ihrem Unternehmen involviert sind. Die stehen dann in einer Mentor-Rolle der Community zur Verfügung oder gründen vielleicht ein neues Unternehmen und nehmen da wieder neue Leute mit rein.

TS: Ist diese Entwicklung auf die im Koalitionsvertrag angekündigte Gründerinitiative der grün-roten Landesregierung zurückzuführen, die sich eine Gründerwelle zum Ziel gemacht hat?

JE: Uns persönlich hat dieses Wort “Gründerzeit”, das der Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Antrittsrede gesagt hat, vermutlich sehr geholfen. Ohne dieses eine Wort würden wir vermutlich gar nicht hier sitzen. Er hat zurück zur alten Gründerzeit aufgerufen, was den Effekt hatte, dass das Wirtschaftsministerium diesen Auftrag für sich interpretierte und sie dann 2012 die Gründermesse im Hause des Wirtschaftsministeriums veranstalteten. In diesem Rahmen hatten wir unseren ersten Auftrag vom Wirtschaftsministerium bekommen, die Durchführung des Elevator-Pitch-Wettbewerbs auf der Messe.

Das war ein eintägiger Pitch-Wettbewerb im Wirtschaftsministerium und aus dieser eintägigen Veranstaltung haben wir zusammen mit dem ifex das Konzept für den „Elevator Pitch BW“ entwickelt, wie er heute noch da ist und das ganze Jahr durchs Land wandert, um Gründungsideen einzusammeln. Dafür wurden natürlich Mittel bereitgestellt und wenn man es so will, sind wir praktisch daraus gewachsen.

TS: Wie bewerten Sie Instrumente wie den Beratungsgutscheinen für junge Gründer, Mikrokrediten, Beratungseinrichtungen und den Hightech-Wagniskapitalfond?

JE: Es ist seit dem Regierungswechsel auf jeden Fall einiges passiert, aber es kommt immer im Detail und auf den Einzelfall an. Gründungsberatung hängt in der Regel nicht von der Höhe der Fördersumme ab, also wie viel sie mich kostet, sondern von der Qualität des Beraters und da haben wir einfach das Problem, dass das Geld oft bei den falschen Leuten ankommt. Das sind dann Unternehmensberater oder Startup-Berater, die selber noch nie ein Unternehmen gegründet haben, ein bisschen Theorie gelesen haben, die aber auch vor allem noch mit veralteten Management-Konzepten arbeiten.

Beispielsweise einen Businessplan. Ich kann einem Startup kein Businessplan schreiben lassen, das persönlich noch nicht einmal weiß, ob sein Produkt am Markt ein Problem löst. Man kann diesen Leuten oder Institutionen aber auch keinen direkten Vorwurf machen, denn die haben das schon immer so gemacht und es nicht anders gelernt und in die fließt natürlich wieder viel Kapital, weil die auch abhängig sind von dem Kapital. Das sind diese festgefahrenen Strukturen, bei denen gut gemeinte Initiativen irgendwo doch wieder in die alten gleichen Kanäle versickern und es keinen großen Unterschied macht.

TS: Eine Bürokratie hat sich eben noch nie selber abgeschafft.

JE: Die Bürokratie soll sich auch nicht selbst abschaffen. Es geht vielmehr um die Institutionen, die diese Förderung erhalten. Die rechnen mit Planstellen und sind super abhängig von diesen Fördertöpfen. Sie schaffen es nicht, weil sie in der Regel gar nicht über die Privatwirtschaft finanziert sind, attraktive Talent zu rekrutieren. Es ist super schwierig, zumal rein privatwirtschaftliche Initiativen erst einmal keine Konkurrenz darstellen, weil diese natürlich höhere Preise anbieten müssen, um wirtschaftlich zu sein. Das heißt Wirtschaftsförderungen ist immer gut gemeint, aber in der Umsetzung super schwierig.

TS: Das Landesministerium für Finanzen und Wirtschaft bietet Startups die sogenannten Innovationsgutscheine B an, mit denen Unternehmen, die jünger als fünf Jahre sind, einen Zuschuss von bis zu 20.000 Euro umsetzungsorientierte Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten zu bestimmten Schwerpunkten, wie zum Beispiel nachhaltige Mobilität, Umwelttechnologie, und intelligente Produkte, fördert. Sind das die Bereiche, auf die sich Startups aus Baden-Württemberg fokussieren?

JE: Wir beobachten in den letzten vier Jahren, dass das zunehmend angenommen wird. Es gab einen Anstieg von B2B-Startups, gerade aus dem technischen Bereich, wobei wir bei diesem Thema in Baden-Württemberg auch so stark vertreten sind. Und dann muss man sagen, dass bei den Hochschulen von hier, die zu den Themen ausbilden, und den Unternehmen aus der Region, es im Verhältnis noch viel zu wenig sind. Hier gibt es so viele attraktive Arbeitgeber, die sehr gut bezahlen, dass ein Student schon richtig Gründen wollen muss, um nicht nach dem Studium den Schritt zu Daimler oder zu Porsche zu machen, weil deren Angebote einfach super sind.

TS: Mit einer Idee aus welchem Bereich sollte man nach Stuttgart kommen, um hier zu gründen und sich zu entwickeln?

JE: Mit allem, was die Industrie im Maschinenbau – besonders aber die Automobil-Industrie – betrifft, hat ein Startup natürlich hier die perfekten Bedingungen, weil Kunden hier unten schon vorhanden sind. Der Mittelstand war bisher noch nicht so offen gegenüber Startups, wie er sein könnte, aber das beginnt langsam zu bröckeln. Ich denke, in zwei bis drei Jahren haben wir hier ein Ökosystem, indem Startups, die eben aus dem Engineering-Bereich kommen, auf sehr offene Türen stoßen werden.

Anmerkung der Redaktion: Nach Rücksprache mit Johannes Ellenberg haben wir einige Korrekturen an dem redigierten Transkript vorgenommen.


Teaser & Images by Katharina-Franziska Kremkau/Netzpiloten (CC BY 4.0)


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Cowork 2015: Barcamp und Konferenz zum Thema Coworking

Cowork 2015 – eine Mischung aus Barcamp und Konferenz zum Thema Coworking

Bereits zum zweiten Mal findet vom 27. bis 29. März 2015 die Cowork statt, eine Mischung aus Barcamp und Konferenz zum Thema Coworking. // von Lukas Menzel

Cowork 2015 – eine Mischung aus Barcamp und Konferenz zum Thema Coworking

Die Coworking Szene hat sich professionalisiert, weiterentwickelt und ist gewachsen. Grund genug sich also unter Coworking Space-Betreibern und Interessenten. sowie mit der Wirtschaft und Forschung. auszutauschen und gemeinsam zu diskutieren. Dafür findet dieses Jahr bereits die zweite Ausgabe der Cowork statt, eine Mischung aus Konferenz und Barcamp. So kann man zum einen dem Konferenzprogramm mit einigen Speaker und Podiumsdiskussionen lauschen und sich zum anderen in gepflegter Barcamp-Atmosphäre untereinander austauschen, sein Wissen und seine Erfahrungen weitergeben sowie selber noch etwas lernen.

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Sponsored Post: Yoga-Flashmob in Stuttgart

Baden-Württemberg zeichnet sich durch ein besonders Augenmerk auf die richtige Work-Life-Balance aus. Das zeigte sich unter anderem an dem Work-Life-Balance Flashmob in Stuttgart. Am 11.07.2014 versammelten sich dafür Freiwillige auf dem Schlossplatz in der Großstadt und machten zusammen Yoga.

Yoga (Screenshot Youtube)

Die richtige Work-Life-Balance ist gar nicht so einfach zu finden. Der Job ist stressig, Zeit für die Familie wichtig und Freunde sollten auch nicht vernachlässigt werden – was dabei oft zu kurz kommt: man selbst. Der eigene Körper, die eigene Gesundheit, auch spirituell und emotional. Das alles will in Einklang gebracht werden, was vor allem Achtsamkeit verlangt. Weiterlesen »

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Startbahn Mitte #s21

Jetzt ist es passiert. Viele Politiker erleben am Beispiel Stuttgarter Hauptbahnhof (S21) zum allerersten Mal live und in Farbe, wie Demokratie funktioniert. Das Volk versucht zu herrschen und die Volksvertreter belehren das Volk darüber, wie die wahren Verhältnisse sind. Denn die Mitglieder des Volkes sind verwöhnt, gewaltbereit, unanständig, uneinsichtig, verbohrt und grundsätzlich diffamierend all jenen gegenüber, die anderer Meinung sind.

Genau deswegen hat sich auch das verbohrte Volk gegen die Eingaben der Politiker durchgesetzt, dass die AKW-Betreiber einen Teil der Staatsschulden bezahlen müssen, wenn sie weiterhin marode Atommeiler betreiben wollen. Genau deswegen hat das gewaltbereite Volk auch gegen unzählige Demos der Politiker den Einsatz in Afghanistan von einem humanen zu einem militärischen Einsatz umgewidmet. Und deshalb werden auch vom uneinsichtigen Volk gegen den Willen der rechtschaffenen Politiker Hunderte Milliarden Steuergelder in öffentliche Banken gepumpt, damit deren Gläubiger ihr Geld wieder bekommen.

Und deshalb wird ein großer Teil der Milliarden, die der Staat für den Ausbau des bundesdeutschen Schienennetzes bereithält in den Ausbau des Stuttgarter Bahnhofs fließen. Wer will schon, dass die großen bestehenden Strecken gewartet werden, die aktuell unter den Jahren der Ignoranz und der Belastung ächzen.

So könnte man anfangen. Aber in Wirklichkeit geht es noch nicht mal um den Skandal, dass wenig fachlich Begründetes für diese St.-Florians-Begießung in Stuttgart spricht. Es geht um die Mitte…

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