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Bewegtbild-Studie: Ein Streaming-Dienst reicht aus

Vor kurzem berichteten wir über das vermeintliche Ende des linearen Fernsehens. Wir bezogen uns dabei auf den ersten Teil der von nextMedia.Hamburg beauftragten Bewegtbildstudie. Die Studie zeichnet im Vorfeld des anstehenden NewTV-Kongresses in Hamburg schon ein erstes Bild über unser aller Medien-Nutzungsverhalten.

Soeben ist der zweite Teil der Studie erschienen. Dieser widmet sich vor allem den kostenpflichtigen Streaming-Diensten. Wie viel Geld sind wir bereit, für Streaming-Dienste auszugeben? Und wie hilfreich empfinden wir überhaupt die algorithmusbasierten Programmempfehlungen? Wir nennen euch wichtige Erkenntnisse aus der Bewegtbildstudie.

Wie viel ist uns das Streaming wert?

Mittlerweile haben sich Streamingdienste schon breit durchgesetzt. Das Wort netflixen hat es in der jüngeren Generation längst in die Alltagssprache neben „twittern“ und „googeln“ geschafft (mitunter sogar mit einer gewissen sexuellen Konnotation). Die bequeme Unterhaltungsform, Filme, Dokumentationen und vor allem zahlreiche Folgen einer der vielen gut gemachten Serien zu verschlingen, hat sich längst breit gemacht im deutschen Privatleben. Doch so verführerisch die schöne neue Welt der Digital-Dienste auch ist, sie kommen natürlich auch mit Kosten für ihre Nutzung daher. Wie viel Geld geben wir aus für Amazon Prime, Netflix und Co?

Für den Media Innovation Report gaben 46 Prozent der Befragten an, monatlich nicht mehr als fünf Euro für Streaming-Services ausgeben zu wollen. Immerhin 36 Prozent sind bereit, bis zu 15 Euro fürs Streaming zu berappen. Bis zu 25 Euro findet nur noch bei 13 Prozent der Befragten Zustimmung. Lediglich vier Prozent wären bereit bis zu 40 Euro zu zahlen.

Verglichen damit, dass einzelne Filme im Handel in der Regel mehr als fünf Euro kosten, eine neuere Serienstaffel meist sogar die 25 Euro übersteigt, erscheint die Zahlungsbereitschaft für die Nutzung einer schier unerschöpflichen Mediathek vergleichsweise gering. Auch wenn die gekauften Filme natürlich den Mehrwert bieten, immer im eigenen Besitz zu bleiben und nicht etwa wieder aus dem Angebot verschwinden.

Knapp die Hälfte der Befragten möchte nicht mehr als fünf Euro im Monat für Streaming-Services investieren. Image by nextMedia.Hamburg

Mehr als einer muss nicht sein

Netflix, Amazon Prime, DAZN, Crunchyroll und Maxdome. Es gibt zahlreiche Video-On-Demand-Anbieter, einige davon sind spezialisiert auf Sportarten und Zielgruppen. In den USA sind beispielsweise Spezial-Angebote der Wrestling-Liga WWE oder der bekannten Football-Liga NFL populär.  

In der Bewegtbildstudie gaben 59 Prozent der Befragten an, nur einen einzigen kostenpflichtigen Dienst zu nutzen. 32 Prozent nutzen zwei Streaming-Services. Nur acht Prozent können sich für drei Dienste erwärmen.  

Mehr als die Hälfte der Befragten nutzt nur einen einzigen Streaming-Dienst. Drei oder mehr sind dagegen Seltenheit. Image by nextMedia.Hamburg.

Programmempfehlungen sind hilfreich

Wer Netflix, Prime oder ähnliche Anbieter nutzt, kennt auch deren automatisierten Programmempfehlungen. Anhand der eigenen Vorlieben oder aktuellen Trends, bekommt man Vorschläge zu Filmen und Serien, die einen interessieren könnten. 59 Prozent der Befragten gaben an, diese Programmempfehlungen hilfreich zu finden – 13 Prozent davon sogar sehr hilfreich. Immerhin 35 Prozent finden diese Empfehlungen nicht hilfreich – zwölf Prozent sogar überhaupt nicht hilfreich.  

Auffällig ist, dass deutsche Streaming-Nutzer eine starke Abneigung gegen Werbung zeigen. Für mehr als ein Drittel kommt Werbung bei bezahlpflichtigen Streaming-Diensten nicht in Frage. Weitere 41 Prozent könnten sich Werbung nur bei einer Vergünstigung von mindestens 50 Prozent vorstellen. Bei einer Vergünstigung von nur zehn Prozent gaben 98 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Haltung zur Werbung nicht ändern würden.

Die meisten Nutzer empfinden die Programmempfehlungen als hilfreich. Zwölf Prozent finden sie allerdings auch „gar nicht hilfreich“. Image by nextMedia.Hamburg

Am besten günstig und alles aus einer Hand

On-Demand-Dienste genossen lange Zeit ein Nischendasein. Die Zeiten sind vorbei! Deutsche Nutzer wollen die neuen Dienste nutzen. Am liebsten nicht von vielen verschiedenen Anbietern, sondern alles aus einer Hand. Preislich soll es unter fünf Euro und ohne Werbung bereitgestellt werden.  

Über die Studie

Bei der Bewegtbildstudie handelt es sich um eine online-repräsentative Studie von Statista, die im Auftrag von nextMedia-Hamburg zwischen dem 7. und 12. Januar 2019 durchgeführt wurde. Bei den Befragten handelt es sich um 1.000 Personen zwischen 18 und 65 Jahren, zu 50,4 Prozent männlich, zu 49,6 Prozent weiblich. Sie wurden nach Geschlecht, Alter und Bundesland quotiert.


Image by nextMedia.Hamburg

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Was ist neu auf Amazon und Netflix? – Streaming-Tipps für den Januar 2018

Browsing Netflix Streaming (adapted) (Image by Charles Deluvio [CC0 Public Domain] via Unsplash)

Neues Jahr, neuer Monat, neue Streaming-Titel! Zur besseren Übersicht fassen wir euch die sehenswertesten Titel zusammen, die im Januar 2018 über eure Bildschirme flimmern könnten.

Disney-Invasion auf Netflix

Beim Streaming-Dienst Netflix ist der Januar 2018 auffällig Disney-lastig. Mit dabei sind Klassiker der 90er und frühen 2000er wie Hercules und Lilo & Stitch, die jeweils schon ab dem 1. Januar starten. Die Monster Uni ist das Prequel zu Die Monster AG und ab dem 3. Januar zum Streamen verfügbar. Auch über die Neuauflage des Klassikers Das Dschungelbuch aus dem Jahr 2016 können sich Netflix-Nutzer ab dem 18. Januar freuen. Von der Kino-Leinwand direkt zum Streaminganbieter springt am 12. Januar zudem der Die Eiskönigin-Kurzfilm Olaf taut auf, der erst noch vor Disneys Coco im Kino lief. Damit kommen kleine und große Disney-Fans im Januar also voll auf ihre Kosten!

Serienhighlights bei Amazon Prime Video

Auf Amazon Prime Video wirds diesen Monat vor allem für Serien-Fans interessant. Allen voran steht das Amazon Original Mr. Robot, dessen 3. Staffel am 15.01 Premiere feiert. Die Serie handelt vom IT-Sicherheitsspezialisten Elliot, der unter einer Persönlichkeitsstörung leidet und für eine anarchistische Hackergruppe rekrutiert wird.

Science-Fiction-Fans, vor allen denjenigen, denen schon Black Mirror gefallen hat, sollten ab dem 12. Januar einen Blick auf Philip K. Dick’s Electric Dreams werfen. Die britische Anthologie-Serie basiert auf Kurzgeschichten von Science-Ficiton-Autor Philip K. Dick, dessen Geschichten auch schon Werke wie Blade Runner, Total Recall, Minority Report oder – ein weiteres Amazon Original – The Man in the High Castle inspirierten.

Mit der Horror-Serie The Exorcist holt sich Amazon Prime einen Fox-Serienerfolg ins Boot. Wie der Titel schon verrät, basiert die Serie auf dem Buch von William Peter Blatty mit dem gleichen Namen und stellt eine Fortsetzung zum Film aus dem Jahr 1973 dar. Ab dem 23. Januar zeigt Amazon die viel gelobte Horror-Serie in Deutschland.


Image (adapted) „Browsing Netflix“ by Charles Deluvio (CC0 Public Domain)

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  • STREAMING sueddeutsche: Warum Streaming-Fans jetzt aufpassen müssen: Wenn es nach dem Europäischen Gerichtshof geht, soll das, zuvor eher als rechtliche Grauzone angesehene, Streaming von urheberrechtlichen Inhalten auf dubiosen Seiten nun gegen das Recht verstoßen. Wer sich zuvor also auf nicht wirklich legale Alternativen zu Netflix und Amazon Prime verlassen hat, könnte es jetzt schwieriger haben. Für Fans von Seiten wie kinox.to oder movie4k.to bedeutet das: Die Chance, abgemahnt zu werden, ist gestiegen – zuvor wurden eher die Seitenbetreiber belangt, weniger deren Nutzer.

  • STARTUP welt: Mit drei Wörtern jeden Ort auf der Welt finden: Mit drei Wörtern um die Welt – die Idee des Startups “What3words” ist es jeden Fleck Erde mit einer Drei-Wort-Kombi zu versehen. Dazu wurde der Planet in 57 Billionen drei Mal drei Meter große Quadrate eingeteilt, welchen eine einzigartige Wortkombination zugeteilt wurde. Zunächst ein kurioses Konzept, aber vor allem für Logistik-Unternehmen ein interessanter Ansatz. Nicht zuletzt die Deutsche Bahn investiert jetzt auch in das Konzept.

  • ECHO faz: Nun will Amazon auch ins Schlafzimmer: Amazon übt jetzt auch seinen Schlafzimmerblick und nimmt Einzug in die Schlafzimmer. Eine neue Version des Amazon Echo – Amazons Smart Home Device mit dem integrierten Assistenzsystem “Alexa” – soll jetzt als Helfer in Modefragen fungieren. “Echo Look” ist als eine Art digitaler Spiegel konzipiert – mit einer integrierten Kamera und mehreren LED-Lampen kann er auf Zuruf Fotos und Videos aufnehmen. Nutzer können sich vor das Gerät stellen wie vor einen Spiegel und die Fotos oder Videos dann hinterher auf ihrem Smartphone begutachten.

  • FUNK heise: Bundestag gibt grünes Licht für einheitliche Ladegeräte – Funkabschottung befürchtet: Es gibt eine neue EU-Richtlinie für alle elektrischen oder elektronischen Geräte, die über Funk kommunizieren oder Funkortung betreiben. Im Juni 2017 soll sie in Kraft treten und somit ein mögliches EU-weites Verkaufsverbot von für Geräte mit Funkverbindung. Dieses möglicherweise schon in wenigen Wochen in Kraft tretende Verbot betrifft Navigationsgeräte, Smartphones, WLAN-Router und internetgesteuerte Haushaltsgeräte oder Industriemaschinen.

  • GAMING zeit: “Portal Knights” ist Spiel des Jahres: Am Mittwochabend wurde in Berlin der Deutsche Videospielpreis verliehen, einer der renommiertesten Preise in der Branche, aufrgrund der hohen Dotierung der Auszeichnungen. Bestes deutsches Spiel – ausgezeichnet mit 110.000 Euro – wurde das Abenteuerspiel “Portal Knights” des Frankfurter Entwicklerstudios Keen Games. Zum neunten Mal wurden von einer Jury aus 50 Experten der Spielebranche sowie Vertretern der Politik und Unterhaltung die besten Entwicklungen aus der deutschen Gamer-Szene gekürt.

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  • SMART-TV zeit: Traue keinem Fernsehsignal: Experten sind sich seit Jahren einig, dass Smart-TVs zu den attraktivsten Zielen für Hacker gehören, um in den vernetzten Haushalt einzudringen. Auf einer Konferenz am Montag stellte der israelische Sicherheitsforscher Amihai Neiderman gleich 40 Schwachstellen und sogenannte Zero Days, also unentdeckte Lücken, in Samsungs Betriebssystem Tizen vor. Das System spielt in Sachen „Internet of Things“ eine wichtige Rolle, ist aber in der Sicherheistforschung tatsächlich im Vergleich zu Android oder iOs weniger präsent.

  • SMARTPHONE golem: Smartphone-Synchronisation mit dem Flugzeug-IFE: Noch bis morgen findet in Hamburg die Aircraft Interiors Expo statt, einer führenden Messe für Airlines und Ausstatter. Panasonic Avionics hat am ersten Messetag nun seine nächste Unterhaltungsplattform für Flugzeuge vorgestellt – Next. Das neue Inflight Entertainment System (IFE) soll auf das Android-System aufbauen. So soll das eigene Smartphone mit dem IFE synchronisiert und so auch Vielflieger erkannt werden. Mit Next synchronisierte Wearables sollen beispielsweise eine Dehydrierung des Gastes erkennen und den Steward darüber benachrichtigen.

  • SPOTIFY heise: Musikstreaming bei Spotify: Neue Alben künftig zum Teil nur in der Premium-Version: Spotify ist einer der führenden Musik-Streaming Anbieter. Streaming ist eine Erscheinung, die der Musikbranche beinahe das Genick gebrochen hat. Jetzt hat Spotify dem Druck der Musikbranche nachgegeben und einen Deal mit Universal Music abgeschlossen. Demnach sollen neu veröffentlichte Alben für zwei Wochen nur für Abo-Kunden zugänglich sein, während in der kostenlosen Version einige Single-Auskopplungen verfügbar sein sollen. Die langfristige Vereinbarung mit Universal Music ist ein Meilenstein für Spotify, der auch den Weg für einen Börsengang des Musikdienstes ebnen könnte.

  • YIK YAK theverge: Square is in talks to buy the Yik Yak team: Die Messaging App Yik Yak steht vor dem Aus. Yik Yak war einst eine beliebte, anonyme Messaging-App für Studenten, doch der Hype ist mittlerweile vorbei. 2014 wurde das Startup gegründet und hat ein Risikokapital von 73,5 Millionen US-Dollar eingesammelt. Nach dem Höhenflug musste das Unternehmen allerdings bereits 60 Prozent der Mitarbeiter entlassen und ist jetzt im Gespräch von Payment-Anbieter Square aufgekauft zu werden.

  • IPHONE spiegelonline: iPhone 6 Plus bei Aldi – Das Schein-Schnäppchen: Ein iPhone zum “Billig”-Preis und ohne Vertragsbindung gibt es jetzt bald bei Aldi. Das Premium-Smartphone von Apple wird in der kommenden Woche erstmals in den Filialen des Discounters zu kaufen sein – allerdings nicht in der neuesten Version. Das iPhone 6 Plus war das erste Smartphone von Apple im XL-Format und wird jetzt be idem Discounter zu einem vergünstigten Preis angeboten. Der Schnäppchen-Schein trügt allerdings – das Modell ist veraltet und bei Aldi nur mit der Minimalausstattung verfügbar.

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  • AUTONOMES FAHREN heise: Autonomes Fahren mit Sedric: Volkswagen zeigt erstes Konzept für autonomes Auto: „Shaping the Future“ stand auf der Einladung zum VW-Vorabend zum Genfer Autosalons, vom vom 9. bis 19. März. Die soll tatsächlich regelrecht würfelförmig sein, so sieht Sedric zumindest aus. Das neue „SElf-DRIving Car“ (daher der Name), das der Konzern jetzt anlässlich des anstehenden Autosalons vorgestellt hat, soll also die Zukunft des autonomen Fahrens gestalten und VW vielleicht auch weiter aus der Diesel-Affäre ziehen. Viele Details verriet der Konzern noch nicht, nur, dass Sedric elektrisch unterwegs sein, ohne Kabel geladen wird und per Knopfdruck angefordert werden kann.

    NINTENDO SWITCH zeit: Spaßpaket mit Schönheitsfehlern: Am Freitag wurde die Gamingwelt um eine neue Konsole erweitert. Mit der Nintendo Switch vereint der Hersteller stationäres und mobiles Gaming in einem Gerät. Nach einem ersten Zocker-Wochenende gibt es nun erste Gedanken und Urteile zur neuen Konsole. Der neue „The Legend of Zelda“-Teil „Breath oft he Wild“ ist dabei ein garantierter Blockbuster, hier verkauft aber eher die Software die Hardware, weitere große Titel für die Konsole bleiben erst noch aus.

  • SOUND engadget: Hands on: Das ist die Sonos Playbase: Für den April hat Lautsprecher-Hersteller Sonos jetzt ein neues, kompaktes Soundsystem vorgestellt. Die Playbase ist dabei vor allem eine geeignete Lösung für Film- und Musikfans ohne viel Platz, denn sie kann direkt unter dem Fernseher aufgestellt werden. Mittels der Trueplay-App wird zusätzlich der Raum soundoptimiert. Mit dem Fernseher wird sie mit Hilfe eines optischen Kabels verbunden, für alle anderen Einsatzgebiete – also das Streamen von Musik und die Kommunikation mit weiteren Sonos-Lautsprechern – kommt WiFi zum Einsatz.

  • NETFLIX t3n: Entscheide selbst, wie der Film endet: Netflix arbeitet an interaktiven Handlungsverläufen: Die Grenze zwischen filmischen und spielerischem Medium scheinen immer mehr zu verwischen. Filmische Spiele sind nichts neuer, aber wie sieht es mit gamifizierten Serien und Filmen aus? Der US-Streaming-Anbieter Netflix soll jetzt an einer Technologie arbeiten, die es dem Zuschauer ermöglicht per Knopfdruck den Handlugnsverlauf der jeweiligen Serie oder Films zu beeinflussen. Vorerst sei das Ganze ein Experiment seitens Netflix, so ermöglicht es den Filme- und Serienmachern aber ungeahnte Storytelling-Möglichkeiten. Bleibt nur die Frage: Will das der Zuschauer überhaupt?

  • FACEBOOK sueddeutsche: Facebook versucht, suizidgefährdete Nutzer zu erkennen: Eine neue Woche – ein neues, weltverbesserndes Facebook-Feature? Jetzt soll es eine künstliche Intelligenz geben, die Nachrichten und Status-Einträge der Nutzer, die auf suizidale Absichten anspielen, erkennen soll. Facebook kontaktiert die Nutzer daraufhin und gibt ihnen Tipps und empfiehlt Beratungsstellen. Das Konzept ist aber keineswegs neu. Schon die App Koko ist ein digitaler Seelsorger, der seit einiger Zeit fest in den bei Jugendlichen beliebten Messenger-Apps wie beispielsweise Telegramm oder Kik verankert ist.

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Berlin Music Week: Kann Big Data für Streamingdienste ein guter Vater sein?

The Echo Nest workshop (adapted) (Image by Thomas Bonte [CC BY 2.0] via Flickr)

Paul Lamere vom Datendienstleister The Echo Nest erklärte auf der Berlin Music Week die Rechentricks hinter Spotify & Co. Wie geht es weiter? Eine für Musikstreamingdienste entscheidende Frage. Denn wie anregend sie ihr Angebot aufstellen und wie sicher ihre Funktionen den Geschmack der Hörer treffen, desto besser ist das Hörerlebnis. Ermöglicht wird dies durch Big Data und Leute wie den Softwareentwickler Paul Lamere, der letzte Woche bei der Berlin Music Week zu Gast war. Hier erklärte er, woher die „ähnlichen Künstler“ kommen, was unser Hörverhalten über uns aussagt und warum ein rein algorithmenbasierter Musik-Player ganz ohne Buttons realistisch ist. Ob dieser allerdings zu erwünschen wäre, ist eine andere Frage.

Millionen Songs, Milliarden Daten – und vier Kategorien

Können Sie sich noch an die C60-Kompaktkassette erinnern? Paul Lamere kann es und so beginnt sein zwei C60-Seiten langer Vortrag „Data Mining Music“ auch mit dem Sony Walkman von 1979. Das arme Relikt muss als Vergleichsobjekt für die heutige Zeit herhalten und verliert gegenüber den 30 Millionen Songs, die wir heute dank Streaming-App auf dem Smartphone mit uns herumtragen, natürlich klar. Vorausgesetzt, man hat eine aktive Internetverbindung (oder eben ein paar hundert Songs offline gespeichert).

Für Lamere ist das Tolle daran allerdings nicht das erweiterte Hörvergnügen, sondern die Möglichkeit, das digitale Nutzungsverhalten zu erfassen und auszuwerten. Vorgestellt wird er als Mann mit 30-jähriger Erfahrung im Bereich der Programmierung und Datenauswertung. Aktuell ist der Musik-Hacker und Blogger Leiter der Entwicklungsabteilung von The Echo Nest, einem 2005 gegründeten und in diesem Jahr vom Abostreamingdienst Spotify akquirierten Datendienstleister mit dem leicht drohenden Claim: „We know music…“. Lamere wertet also alle Daten aus, die er rund um die Musik selbst sowie ihre Nutzung und Kontextualisierung ermitteln kann. Es sind eine Menge.

So nutzt Echo Nest bzw. Spotify vier unterschiedliche Kategorien von Musik-Daten: die Meta-Daten, die kulturellen, die Hörerdaten und die akustischen. Über 40 Millionen Songs von über 2,5 Millionen Künstlern will man schon erfasst haben, eingefasst in knapp 10 Millionen Alben und ähnlichen Formaten. Lamere & Co können so ausgeben, welche Titel ein bestimmtes Album enthält oder ob Bandnamen in den letzten Jahren tatsächlich länger geworden sind, wie ein Forennutzer vermutet. (Antwort: Nein.)

Kochen mit Big Data

Viel interessanter ist allerdings, wie man etwa „ähnliche Bands“, also Empfehlungen, ermittelt. Hier kommen die kulturellen Daten ins Spiel. The Echo Nest scannt unzählige kleine und große Musikseiten nach Rezensionen und Artikeln und trennt dort die einzelnen Zuschreibungen der Musik heraus. Eine Band wird so zu einer dichten Tag-Wolke, deren Übereinstimmungsgrad mit anderen Wolken leicht ermittelbar ist. Außerdem konnten so bislang 1.200 Musikgenres extrahiert und in Beziehung gesetzt werden, was Lamere mit einer hübschen Visualisierung verdeutlicht: Dem „Spotify Popcorn“ mit zahlreichen unterschiedlich großen Genre-Blasen.

Dabei kann die Technologie nicht nur Maissnacks, sondern auch ganze Frösche schonend gegart zubereiten. Zumindest heißt eine von Lamere präsentierte Funktion: „Boil the frog„. Sie lässt Nutzer in einer einzigen Playlist ohne allzu große Brüche von einem Künstler zu einem anderen kommen. Der bildliche Frosch, der bei direkten Kontakt mit heißem Wasser sofort aus diesem springen würde, bleibt – dank schrittweiser Erwärmung – nichtsahnend im Kochtopf und Papa Lamere kann so etwa die jugendliche Justin-Bieber-Anhängerin in seinem Haushalt vorsichtig mit Elvis Presley vertraut machen.

Wenn seine Tochter irgendwann zu studieren beginnt, dann hält Paul Lamere auch schon die nächste Überraschung für sie bereit, denn The Echo Nest weiß schon heute, wann sich Studenten welcher Universität schlafen legen. Möglich macht dies die Auswertung der zeitlichen Nutzungsdaten von Usern, die man etwa über in den USA typische Rabattkonten oder IP-Adressen als Studenten einer bestimmten Institution ausweisen kann. Welche Künstler zudem die leidenschaftlichsten, weil am häufigsten ihre Musik hörenden Fans hat (Die Ärzte landen hier international auf Platz vier, die Beatles auf der Zwei, Schlusslicht ist das One-Hit-Wonder Survivor) oder an welchen Stellen Hörer besonders oft einen Song skippen bzw. ausschalten, lässt sich ebenso ermitteln. Stilbrüche oder Intermezzi innerhalb eines Songs erweisen sich da schnell als wenig hilfreich, während hingegen Phil Collins mit dem Einsetzen seines Schlagzeugsolos in „In The Air Tonight“ die Hörer nahezu ausnahmslos zu fesseln weiß. 

Naht eine Zukunft der berechenbaren Sichtbarkeit und unsichtbaren Führung?

Wie passend, dass Paul Lamere bereits einen Streamingplayer ohne Play-Button und zugleich endlos spielend, mit nahtlosen Übergängen obendrein, in Aussicht stellen kann. Das Know-How der inhaltlichen Verknüpfung und der technischen Überleitung ist bereits vorhanden, wie er zuvor demonstriert.

Angesichts dieser Voraussetzungen überrascht die kürzliche Rückbesinnung auf menschliche Kuration im Streamingbereich umso mehr, scheint sie doch überflüssig. Doch Paul Lamere verweist im Nachgespräch zum Vortrag auf das bis heute bestehende Vertrauensgefälle zwischen Code und Mensch. Zudem seien auch die Echo-Nest-Funktionen im Prinzip kuratiert, denn er und seine Mitarbeiter stellen die Test- und Kontrollgruppen für neue Skripte schließlich persönlich zusammen.

Doch wie stark beeinflussen die zahlreichen Aus- und Verwertungsmöglichkeiten die Musik selbst? Werden Ästhetiken bald angepasst, um etwa eine höhere Sichtbarkeit durch größere potentielle Gemeinsamkeiten zu erreichen? Er kann sich das vorstellen, sagt aber auch: „Ich selbst würde mir nicht wünschen, dass die 1969er Led Zeppelin auf den psychedelischen Zwischenteil in ‚Whole Lotta Love‘ verzichtet hätten, nur weil an diesem überdurchschnittlich viele Hörer auf Weiter klicken würden.

Bei all der guten Laune und Zuversicht bleibt die Idee des buttonlosen Players dennoch eine zwiespältige, da anonyme und manipulierbare. Der Dienst könnte die Hörer der nahen Zukunft schließlich immer wieder knapp an den vielleicht wirklich für sie interessanten und zu entdeckenden Inhalten vorbeiführen, ohne dass sie das bemerken würden. Ebenso könnte er alle Nutzer unwissentlich zu Paul Lameres jüngsten Töchtern machen.


Image (adapted) „The Echo Nest Workshop“ by Thomas Bonte (CC BY 2.0)


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