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Diablo Immortal: Eine Fankultur in Gefahr

Starcraft, Warcraft, Overwatch und Diablo sind Marken, bei denen viele Gamer auch heute noch leuchtende Augen bekommen. Während andere Hersteller im jährlichen Rhythmus einen neuen Teil ihrer Cashcows veröffentlichen, sind Blizzard-Spiele langfristiger ausgelegt und Nachfolger etwas Besonderes.

Blizzard Entertainment ist fast schon eine Art Apple der Computerspiele. Die BlizzCon, eine Blizzard-eigene Spielemesse, ist jedes Jahr mit 26.000 Besuchern ausverkauft. Heiß erwartet sind vor allem Ankündigungen zu Updates oder neuen Spielen des kalifornischen Spieleentwicklers.

Diablo Immortal erntet Shitstorm

Dieses Jahr geriet die größte Ankündigung der Messe allerdings zum größten Debakel der BlizzCon-Geschichte. Vor einem Publikum aus eingefleischten PC-Spielern, verkündete einen Mobile-Ableger der Traditionsserie Diablo. Die sonst übliche Begeisterung blieb bei Diablo Immortal aus und beim anschließenden Diablo-Panel entlud sich die Enttäuschung auch in Buhrufen. Es kam sogar die Frage auf, ob die Ankündigung ein verspäteter Aprilscherz sei. Die Anspielstationen für das neue Spiel blieben ebenso ungewohnt leer.

Auch der Trailer ist zum Ausdruck des Entsetzens über Blizzards vermeintliche Neuorientierung geworden. Am 8. November standen auf YouTube 20.000 Likes ganzen 531.000 Dislikes gegenüber. Die Bewertung ist nicht der Maßstab für das Gezeigte – der Trailer wirkt für ein Mobile-Game tatsächlich sehr ansprechend – sondern ist vor allem ein Ausdruck der Fans über ein Studio, dass seine treusten Anhänger im Regen stehen lässt.

Blizzard hätte es wissen müssen

Eigentlich hat Blizzard ein dankbares Publikum für Ankündigungen. Die Fans zahlen viel Geld, um jedes Jahr ihre Lieblingsspiele zu feiern und freuen sich über neue Inhalte und Spiele. Entsprechend war Blizzard völlig überrumpelt von der Reaktion und selbst auf der Bühne war man teilweise völlig aus dem Konzept.

Dabei hätte so ziemlich jeder Fan oder Gamingexperte genau diese Reaktion vorhersagen können. Außerdem ließ Blizzard schon im August verlauten, an mehreren Diablo-Projekten zu arbeiten. Fans erhofften sich daher schon ein Diablo 4 oder zumindest neue Inhalte für Diablo 3. Hätte man den Diablo Immortal-Trailer als Ergänzung zu einem neuen PC-Diablo gebracht, wäre der Aufschrei nicht so groß gewesen. Nun haben viele Fans das Gefühl übergangen worden zu sein.

Mobilmarkt ist riesig

Aus Geschäftssicht kann man Blizzard die Expansion auf den Mobilmarkt nicht einmal übel nehmen. Vor allem in China ist Mobile Gaming beliebt. Daher arbeitet Blizzard für Diablo Immortal auch mit dem chinesischen Spieleentwickler NetEase Games zusammen – die übrigens auch mit CCP an einem mobilen Ableger von EVE Online arbeiten.

Diablo Immortal wird übrigens nur der Anfang einer größeren Kampagne sein. Gegenüber dem Magazin Digitial Trends verriet Allen Adham, Mitbegründer von Blizzard Entertainment:

„Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, kann ich sagen, dass wir große Pläne für den Mobilbereich haben. Es ist eine große Initiative für Blizzard und ihr könnt zu einem bestimmten Zeitpunkt erwarten, weitere Mobile-Spiele von uns zu sehen, die alle unsere Marken umfassen.“

Gelebte Fankultur. Fans erscheinen in teils spektakulären Kostümen | Image by Blizzard Entertainment

Auf die alten Fans nicht angewiesen

Da der Mobilmarkt ein riesiges Potential bietet und in den nächsten Jahren noch weiter wachsen wird, könnten die Mobilspiele trotz des Shitstorms ein kommerzieller Erfolg für Blizzard werden. Eine Kursänderung bedeutet aber auch eine Veränderung der Fankultur.

Blizzard Entertainment gilt als eines der wenigen Studios, die vor allem PC-Spiele entwickeln. Auch genoss das Studio bislang großes Vertrauen in die Qualität, dass die Kaufentscheidung für Fans selten von irgendwelchen Tests abhing. Blizzard ist eine Art Güte-Etikett und die Spiele verkaufen sich allein schon wegen des Entwicklers. Spieler von World of Warcraft und Konsorten lieben ihre Marken mit einer Fankultur, die wirklich beispiellos ist. Die BlizzCon selbst, stets ausverkauft und mit vielen verkleideten Fans, ist das beste Beispiel.

Mit einer Neuausrichtung Blizzards steht diese Fankultur auf dünnem Eis. PC-Spieler sehen selbst Spielekonsolen oft kritisch und haben zu Mobilspielen noch mehr Distanz. Blizzard muss es schaffen, auch die alteingesessenen Spieler wieder zu erreichen, damit diese Spieler sich nicht gänzlich abwenden.

Warcraft 3: Reforged gab immerhin für Warcraft-Fans einen Grund zur Freude. Allerdings ist es auch „nur“ ein Remake des letzten Teils – für das übrigens auch alte Karten und Mods größtenteils funktionieren sollen. Da Warcraft 3 mittlerweile mehr als 15 Jahre auf dem Buckel hat, ist das Remake zumindest ein willkommenes Lebenszeichen für Strategie-Fans.

PC statt mobil: Diablo 3 auf Amazon kaufen (Provisionslink)

 


Imagy by Blizzard Entertainment

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5 Lesetipps für den 12. November

In unseren Lesetipps geht es heute um die Zukunft von Open Access, Glück ohne Facebook, Tor beschuldigt das FBI, Provokation durch Shitstorm und rassistisches Clickbaiting. Ergänzungen erwünscht.

  • OPEN ACCESS iRights.info: Lambert Heller: „Wie frei soll das Betriebssystem der Wissenschaft sein?“: Verlage wie Elsevier geraten verstärkt in die Kritik aus der Wissenschaft. Doch sie verfolgen nicht nur Auslaufmodelle wie das klassische Journal, sondern arbeiten bereits am zukünftigen „Betriebssystem der Wissenschaft“. Für Lambert Heller vom Hannoveraner Open Science Lab ist die entscheidende Frage, ob die Wissenschaft freie Alternativen dazu entwickeln kann. iRights.info hat ihn dazu interviewt.

  • FACEBOOK ScienceAlert: Yep, science confirms that quitting Facebook makes people happier: Mitte Oktober habe ich auf Medium darüber gebloggt, wie ich Facebook verlassen habe, da mir die Timeline überhaupt keinen Mehrwert lieferte und wieso ich mich wieder anmelden musste, Facebook aber nicht mehr wie früher nutze (jetzt als Messenger-Kontaktbuch statt soziales Netzwerk mit Freunden). Eine dänische Untersuchung hat nun ergeben, dass 88 Prozent der TeilnehmerInnen, die sich bei Facebook abgemeldet haben, danach glücklicher waren. Der Grund ist einfach: man hat wieder mehr sich selbst im Fokus als das vom Facebook-Algorithmus gehighlightete Leben der anderen.

  • ANONYMITÄT Ars Technica: Tor director: FBI paid Carnegie Mellon $1M to break Tor, hand over IPs: Tor-Programmdirektor Roger Dingledine hat eine noch nicht belegte Beschuldigung gegenüber dem FBI und der zu Computersicherheit forschenden Firma Carnegie Mellon geäußert, die es in sich hat – egal ob sie wahr ist oder nicht. Dingledine behauptet, dass Carnegie Mellon vom FBI über eine Million US-Dollar bekommen hat, um Tor zu knacken und an die IP-Informationen der Nutzer zu kommen. Dies wäre ein skandalöse Kooperation einer US-Regierungsbehörde mit einem Privatunternehmen. Genauso groß wäre aber der Schaden für Tor, wenn diese Behauptung nicht demnächst auch belegt werden.

  • SHITSTORM Der Lampiongarten: Der Shitstorm als Mittel der politischen Kommunikation: Auf seinem Blog schreibt Sebastian Baumer über die Idee hinter Empörung auslösenden Shitstorms und wie gerade mit ihren rechten Thesen stets auffallende Provokateure – wie CDU-Politikerin Erika Steinbach, der Schriftsteller Akif Pirinçci oder US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump – so auch mit den krudesten Aussagen, durch die zu erwartende Empörung, Reichweite bekommen und den rechten Rand unserer Gesellschaft noch besser erreichen.

  • CLICKBAITING Stefan Niggemeiers Blog: Die erfolgreiche Social-Media-Strategie von „Focus Online“: Ähnlich perfide wie die Shitstorm-Profiteure nutzt Focus Online die Mechanismen von Provokationen aus und setzt vor allem auf den rechten Rand unserer Gesellschaft ansprechende Formulierungen. Auf seinem Blog zeigt Stefan Niggemeier das System auf, welches Focus-Online-Chefredakteur Daniel Steil abstreitet und nicht sehen will. Die Art und Weise, wie Focus Online seine Reichweite steigern will, ist schon länger kritikwürdig und eher abschreckend – die neue Strategie „rassistischen Clickbaitings“ ist extrem widerlich.

CHIEF-EDITOR’S NOTE: Wenn Ihnen unsere Arbeit etwas wert ist, zeigen Sie es uns bitte auf Flattr oder indem Sie unsere Reichweite auf Twitter, Facebook, Google+, Soundcloud, Slideshare, YouTube und/oder Instagram erhöhen. Vielen Dank. – Tobias Schwarz

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PR-Debakel für Spotify wegen neuer Datensammelei

Spotify easter eggs (adapted) (Image by Jon Åslund [CC BY 2.0] via Flickr)

Instagram ist es schon passiert, Facebook passiert es dauernd und jetzt war einmal Spotify dran: Weil man die Nutzer nicht ausreichend über die anstehende Änderung der Nutzungsbedingungen informierte, musste der Musik-Streaming-Dienst einen medialen Shitstorm über sich ergehen lassen. Spotify-Chef Daniel Ek entschuldigte sich sogar öffentlich für die Kommunikationspanne und versprach Besserung.

Am Donnerstag vergangener Woche, poppten die ersten Berichte, unter anderem jene von heise.de und von Wired im Netz auf, die über die neuen Geschäftsbedingungen des Musik-Streaming-Dienstes Spotify berichteten. Die schwedische Firma will sich ab dem 19. September das Recht einräumen, über die Smartphones der Nutzer auf Adressbücher, Standortdaten oder Fotos zuzugreifen und außerdem Informationen über ihre Geburtstage einzuholen. Und das brachte dann einige auf die Palme: Spotify räumt sich das Recht ein, diese Daten mit Dritten zu teilen, etwa Werbenetzwerken. Aus unternehmerischer Sicht ist das verständlich. Drei Viertel der 75 Millionen Nutzer verwenden die kostenlose Version des Streaming-Dienstes, die werbefinanziert ist. Wenig verwunderlich will Spotify, so der Verdacht, seinen Werbekunden ein genaueres Targeting anbieten.

Der Sturm der Entrüstung ließ nicht lange auf sich warten: Viele Nutzer, darunter auch der schwedische Minecraft-Erfinder Markus “Notch” Persson, machten via Twitter ihrem Ärger über die neuen Nutzungsbedingungen Luft und drohten, ihre Accounts bei Spotify zu löschen. Auch der britische Guardian brachte einen großen Bericht über den Nutzerprotest und schon war bei Spotify Feuer am Dach.

Es dauerte keine 24 Stunden, bis sich Spotify-CEO Daniel Ek per Blog-Eintrag zu Wort meldete, um die Sache aus seiner Sicht zu erklären. Mit einem großen “SORRY” vorangestellt erläuterte er im Detail, was man mit den neuen Daten und Berechtigungen, die sich Spotify einholen will, zu tun gedenke. Der Grundtenor: ohne die explizite Zustimmung des Nutzers werde man die Daten gar nicht anrühren und wenn doch, dann werde die Datenverarbeitung natürlich dem Nutzer in Form praktischer Funktionen zugute kommen. Mit den eigenen Fotos könne man bald Cover-Bilder für eigene Playlists gestalten, mit Hilfe der GPS-Daten würde man über beliebte Musik in der näheren Umgebung informieren können und via Kontaktlisten könne man das “soziale” Musikerlebnis verbessern, weil Nutzer auf der Plattform so einfacher zueinanderfinden könnten.

Wie die Zusammenarbeit mit Werbenetzwerken genau funktioniere, darüber hielt sich Ek aber bedeckt. Einzig schrieb er, dass er die Daten anonymisiert an Werbepartner weitergebe. Immerhin versprach der Spotify-Chef, in den nächsten Wochen eine neue Version der Nutzungsbedingungen zu präsentieren, in denen das alles genauer erklärt wird. An dem Umstand, dass Spotify in Zukunft mehr Nutzerdaten sammeln will, wird das aber wohl wenig ändern.


Image (adapted) „Spotify easter eggs“ by Jon Åslund (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 10. März

In unseren Lesetipps geht es heute um Datenschutz bei Gesichtserkennung, das Ende von Gigaom, Roboterjournalismus, den Umgang mit Shitstorms und die Apple Watch. Ergänzungen erwünscht.

  • DATENSCHUTZ Datenschutzbeauftragter: Software ermöglicht Identifizierung ohne Gesichtserkennung: Fujitsu hat jetzt eine Software entwickelt, welche Bewegungsprofile von Personen erstellt, aber dabei nicht die Gesichter dieser identifiziert. Selbst bei niedrig aufgelöstem Bildmaterial können Profile von Personen erstellt werden, wobei trotzdem die Privatsphäre dieser geschützt wird. Nur anhand von Körper- und Kopfformen und der Farbe der Kleidung werden Personen identifiziert. Das soll bei der Standortfindung und der Gestaltung von Geschäften helfen oder bei der Planung von Events und der Organisation des Nahverkehrs helfen.

  • GIGAOM The Verge: Pioneering tech blog Gigaom shuts down after running out of money: Der einflussreiche Technikblog Gigaom hat nach fast 10 Jahren seinen Dienst eingestellt. Das Unternehmen war nicht mehr in der Lage seine Schulden zu bezahlen. Montag noch war die Website gefüllt mit aktuellen Beiträgen, bis dann abends die Nachricht an die Leser rausging: „all operations have ceased“, also dass alle Tätigkeiten beendet wurden. Die Mitarbeiter teilten ihre Reaktionen dazu auf Twitter mit. Der Gigaom-Gründer Om Malik verließ das Unternehmen bereits vor einem Jahr.

  • ROBOTERJOURNALISMUS NYTimes.com: If an Algorithm Wrote This, How Would You Even Know?: Roboter sind mittlerweile so gut geworden, dass wir selbst nicht mehr unterscheiden können, was von Menschenhand kommt und was nicht. So kann es auch im Journalismus passieren: kommt dieser Artikel jetzt aus menschlicher Feder oder hat ein Roboter ihn verfasst? Die dafür benötigten Algorithmen und „natural language generator“, also der Generator für natürlich klingende Sprache, existieren bereits seit einer Weile, und sie werden besser und besser. Mittlerweile sprechen unsere Handys menschlich mit uns, unsere Autos parken für uns ein, wie wir es tun würden. Was bedeutet es dann noch, menschlich zu sein?

  • SHITSTORM HAMBURGER WAHLBEOBACHTER: Keine Angst vor Social Media: Wie man als Behörde mit einem „Shitstorm“ umgeht: Kann man sich auf einen Shitstorm vorbereiten? Ja kann man, so Autorin Christiane Germann. Sie ist Media-Managerin in Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Im Artikel berichtet sie von einem Vorfall auf der Facebook-Seite des Bundesamts. Es ging um einen geteilten Artikel über eine 4-köpfige Familie, die aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe keine Wohnung fand. Darunter wurde ein rassistischer Kommentar gepostet, welcher offensichtlich von einem Mitarbeiter aus dem Hause stammt. Wie daraufhin mit dem Mitarbeiter und dem folgenden Shitstorm, als die User merkten wo dieser arbeitete, umgegangen wurde, berichtet Germann hier.

  • APPLE WATCH DIE WELT: Akkulaufzeit: Die Apple Watch geht nach 18 Stunden aus: Apple hat seine neue Smartwatch vorgestellt. Aber braucht man diesen Luxus wirklich? Luxus und Design sind die Punkte, die das Unternehmen sich besonders zu Herzen genommen hat: Mit der Uhr profiliert sich Apple endgültig zum Lifestyle-Unternehmen. Auch der Preis ist nicht ohne: Die günstigste Variante der Uhr liegt bei 400€, die teuerste Uhr kostet bis zu 18.000€. Abhängig ist der Preis je nach Modell, Größe und Armband, von letzterem gibt es eine Vielzahl. Damit ist es das persönlichste Gerät, was je entwickelt wurde, so Apple-Chef Tim Cook. Auch wurde ein neues Macbook vorgestellt, genauso wie eine neue Version des iOS-Betriebssystem.

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Shitstorms im Internet

Mobbing (adapted) (Image by Arieth [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Shitstorms, Mobbing, Rassismus, Sexismus und Stalking sind strafbar und durch Gesetze verboten. Spielen sich diese Straftaten online ab, scheinen alle Regeln außer Kraft gesetzt. Das muss sich ändern. Aber wie? Wer im Internet eine starke Meinung vertritt, wird oft Opfer von gewaltvoller Kommunikation bis hin zu Shitstorms. Anzeige erstattet fast niemand, denn das Netz wird von vielen immer noch als „rechtsfreier“ Raum betrachtet in dem alles nicht so „echt“ scheint wie in einem analogen Umfeld. Dabei leben wir schon lange nicht mehr in zwei Welten. Mobbing und Harrassment tun online genauso weh wie offline, denn hinter jedem Computer sitzt (meist) ein Mensch. Brauchen wir neue Gesetze für das Internet oder reichen die alten? Und was passiert mit der Meinungsfreiheit, wenn der Staat härter im Netz durchgreift?

Im Netz sinkt die Hemmschwelle

Katja Keul ist nicht auf Twitter oder Facebook. Bis auf 3 Videos auf ihrem Youtube-Kanal, ist sie nicht in den sozialen Medien vertreten. „Ich genieße es, keinen Attacken ausgesetzt zu sein“, sagt sie auf einer Veranstaltung zu Aggressionen im Internet der Heinrich Böll Stiftung und der Diskussionsplattform Publixsphere am 18. Februar (Mitschnitt hier).

Katja Keul ist Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion Bündnis90/Die Grünen und Sprecherin für Rechtspolitik. Dass sie als Bundestagsabgeordnete abgesehen von ihrer Webseite im Internet kaum präsent ist, nennt sie eine „bewusste Schutzentscheidung“. Kollegen, die im Netz mehr kommunizieren merke man an, dass sie „nicht über den Shitstorms stehen“. Die Politikerin reagiert (oder reagiert eben nicht) auf ein Phänomen der zunehmenden verbalen Gewalt gegenüber Meinungsvertretern im Internet. Mobbing, Rassismus, Sexismus Drohungen und Stalking sind im Netz an der Tagesordnung und treffen vor allem Frauen und Minderheiten, die sich im emanzipativen Sinne zu diesen Themen äußern.

Dass im Internet heftiger und schneller gedroht wird als auf der Straße hat vor allem einen psychologischen Grund. Wer sich im Internet bewegt ist gesichtslos. Mithilfe von Pseudonymen kann vermeintlich anonym („vermeintlich“, denn im Prinzip ist jeder durch seine IP-Adresse auffindbar) diskutiert werden. Dies macht das Internet als freien Kommunikationsraum parallel zu traditionellen Kommunikationsarten so attraktiv. Die Abwesenheit von Klarnamen führt aber auch dazu, dass seltener ein Blatt vor den Mund genommen wird. Sobald man jemandem nicht ins Gesicht schauen muss und dort eine schmerzliche Reaktion wahrnimmt, sinkt die Hemmschwelle. Was es tatsächlich bedeutet, wenn attackierte Personen sich mit Hasskommentaren auseinandersetzen müssen, zeigt das Internet-TV-Format Disslike. Dort reagieren Personen des öffentlichen Lebens, wie der Berliner Musiker Marteria, Jan Böhmermann oder Gregor Gysi auf gegen sie gerichtete Online-Beleidigungen. Wenn Gysi sich gegen seine vermeintlich „gestresst, glänzende Glatze“ verteidigt, mag das etwas Komisches haben. Es belegt aber auch den Anspruch der Sendung zu zeigen, dass heutzutage „ein Klick reicht, um das digitale Ego des Künstlers der kontrollierten Inszenierung zu entreißen“.

Im Internet werden Straftaten begangen. Das kann man nicht durchgehen lassen.

Bei oben genannter Veranstaltung zu Gewalt im Internet sitzt neben Politikerin Katja Keul auch Dagmar Freudenberg auf dem Podium. Die Staatsanwältin und Vorsitzende der Kommission Strafrecht beim Deutschen Juristinnenbund ist dafür bekannt, dass sie mit ihren Meinungen aneckt. Ihre online veröffentlichten Artikel wurden schon „Ziel unschöner Kommentare“. Freudenberg findet das Internet sollte ein neutraler und anonymer Raum sein, in dem alle gleich behandelt werden. Leider würden vorwiegend Frauen, die sich im Netz äußern häufig Opfer von Gewalt in Form von Sexismus, Mobbing und Stalking. So nahm sich zum Beispiel die 15-jährige Amanda Todd das Leben, nachdem sie online massiv gestalkt und gemobbt wurde. „Im Internet werden Straftaten begangen. Und das darf man nicht durchgehen lassen“, sagt Freudenberg am 18. Februar in der Heinrich Böll Stiftung.

Strafverfolgung im Internet ist jedoch laut der Staatsanwältin keine einfache Sache. Im Strafrecht muss eine Tat einer bestimmten Person zugeordnet werden. Im Internet bewegen die meisten Straftäter sich jedoch nicht unter ihrem Klarnamen und sind schwer zu identifizieren. Hinzu kommt, dass das Internet ein schnelllebiges Medium ist. Nötigungen und Vergewaltigungsdrohungen werden im Sekundentakt verbreitet. Und Aufarbeitung braucht leider Zeit. Laut einer Studie zu Opferbetroffenheit des LKA Niedersachsen – wo Freudenberg derzeit auch Referentin für Opfer häuslicher Gewalt ist – erstatten die meisten Menschen denen Gewalt im Internet wiederfährt keine Anzeige. Man verspricht sich dort wenig Erfolg. Dieser Zustand wird ebenfalls durch eine Anfrage zu Straftaten gegen die persönliche Freiheit im Netz von Publixphere an die Polizei Berlin bestätigt. InternetServiceProvider wie Facebook oder Twitter sitzen im Ausland und sind generell nicht dazu verpflichtet Auskunft zur Identität ihrer User zu geben. Allein die Staatsanwaltschaft kann dies einfordern. Aufgrund der Laufzeiten diese Verfahrens (ca. 6 Monate) sei die Aussicht auf einen Ermittlungserfolg bei Straftaten mit Internetbezug „sehr gering“.

Ginge es nach Dagmar Freudenberg so muss man straf- und zivilrechtliche Grundlagen im Internet schaffen, denn das Internet unterscheidet sich in einem Punkt fundamental vom analogen Umfeld: Beleidigungen werden gespeichert und bleiben somit länger bestehen. Das kann natürlich auch mehr Schaden anrichten.

Gesetze gibt es schon. Das Netz braucht mehr Selbstregulierung.

Natürlich gibt es Argumente gegen neue Gesetze für das Internet. Und die kommen meist von den Menschen, die es am meisten nutzen. Neue Gesetze für das Internet bedeuten ein stärkeres Eingreifen des Staats in einen Raum, in dem traditionell unzensiert diskutiert werden konnte. In der netzpolitischen Community befürchtet man durch gesetzliche Einflussnahme des Kommunikationsverhaltens im Internet eine Einschränkung von freier Rede und Meinungsäußerung.

Der Journalist und Publixphere Community-Mitglied Julian Jostmeier versteht die häufige argumentative Unterteilung in on-und offline unserer Welt nicht. „Wir sind alle auf derselben Welt und das Netz ist daher kein rechtsfreier Raum. Deshalb brauchen wir auch keine neuen Gesetze“, entgegnet er Dagmar Freudenberg auf der Böll-Veranstaltung. Vielleicht würde es helfen die Person am anderen Computer zu visualisieren um sich bewusst zu machen, dass es keinen Unterschied macht, ob eine Beleidung im Internet geäußert wird oder auf der Straße. So etwas kann auch durch die Vermittlung durch Medienkompetenz in Schulen vermittelt werden, meint Jostmeier.

Charlott Schönwetter schreibt für den feministischen Blog Mädchenmannschaft. Um sich gegen Online-Hass zu schützen, wird der Blog stark moderiert. Kommentare werden erst frei geschaltet, nachdem sie gelesen wurden. Das gleiche gilt für Publixphere. Schönwetter und Jostmeier sind beide gegen neue Gesetze und für mehr Selbstregulierung von Online-Communities. Das kostet natürlich Zeit und Personal. Charlott Schönwetter hat noch eine andere Idee. Plattformen sollten mehr mit Verwarnsystemen arbeiten. „Wenn ein Tweet gewaltvoll ist und 1000 Mal geschickt wird, sollte Twitter eine Verwarnung an den User schicken“.

Fazit

Die Antwort auf zunehmende Gewalt im Internet kann nicht sein sich von ihm fernzuhalten. Gerade als Bundestagsabgeordnete(r) verschließen Katja Keul und viele ihrer Kollegen sich durch Abwesenheit im Netz ganzen Bevölkerungsgruppen. Für die jüngere Generation stellt sich nicht mehr die Frage, ob es eine On- und Offline Welt gibt. Ihre Welt war schon immer beides in einem und das wird auch weiterhin so bleiben. Angstfreie Kommunikation und Meinungsäußerung im Netz sollten als Bestandteil unserer Demokratie gesehen werden. Um diesen zu schützen, brauchen wir laut der netzpolitischen Community erst einmal keine neuen Gesetze, sondern intensivere Moderation von Diskussionsforen und ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass man im Internet nicht unsichtbar ist. Gesellschaftliche Verhaltensregeln sollten dort genauso gelten wie auf der Straße.

Mehr zum Thema: Auf der Diskussionsplattform Publixphere wurde das Thema „Gewalt im Internet“ hier und hier diskutiert.


Image (adapted) „Mobbing“ by Arieth (CC0 Public Domain)

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5 Lesetipps für den 12. Dezember

In unseren Lesetipps geht es um Algorithmen bestimmenden Journalismus, ein Obdachloser lernt eine App zu programmieren, der Smarty Ring, Markus Lanz und der Shitstorm sowie die Geschichte eines Selfie. Ergänzungen erwünscht.

  • ALGORITHMUS Carta: Der Guardian setzt Roboter als Chefredakteur ein: Der Guardian setzt Roboter als Chefredakteur ein. Na ja, beinahe – jedenfalls sind es keine Blechgesellen wie C-3PO. Der britische Guardian lässt künftig eine wöchentliche Zeitung von einem Roboter bestücken. Gemeint ist damit, dass Algorithmen darüber entscheiden, welche Stücke in die neue Wochenzeitung kommen sollen. Auf Carta beschreibt Boris Hänssler das Vorhaben der britischen Journalisten.
  • PROGRAMMIEREN CNET: Homeless man learns to code, launches app: Im August stellte der Programmierer Patrick McConlogue den Obdachlosen Leo Grand vor die Wahl: 100 Dollar oder 16 Stunden Coding-Unterricht. Grand wählte den Unterricht und entwickelte eine App namens „Trees for Cars“, eine Carpooling-App mit Fokus auf den Umweltschutz.
  • SHITSTORM W&V: Wie „Wetten, dass..?“-Mann Lanz mit dem Shitstorm umgeht: „Wetten, dass..?“-Moderator Markus Lanz hat von Beginn an mit Anfeindungen gerechnet. Der Augenblick, in dem er als Nachfolger von Thomas Gottschalk den Zuschlag für den Showklassiker im ZDF bekommen habe, sei „kein Tag der Freude“ gewesen. Mit Blick auf das „Bashing“ im Netz meint er: „Wenn der Shitstorm kommt, müssen Sie in der Lage sein, gedanklich einfach mal die Spülung zu drücken. Wenn Sie das nicht tun, gehen Sie kaputt.“
  • WEARABLES Zeit Online: Smarty Ring zeigt Uhrzeit, Mails und SMS an: Noch ist unklar, welche Rolle Wearable Gadgets spielen werden, aber verschiedene Firmen entwickeln neue Geräte. Auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo wird gerade Geld für den „Smarty Ring“ gesammelt. Der Ring soll sich mit dem Smartphone verbinden und auf seinem Display die Uhrzeit, eingehende E-Mails und SMS anzeigen. Der Ring soll 175 US-Dollar kosten. Die Auslieferung soll, wenn alles gutgeht, im April 2014 beginnen.
  • SELFIE Correspondent: The story behind „that selfie“: Ein Foto von der Trauerfeier für Nelson Mandela sorgte für viel Wirbel. Darauf zu sehen ist US-Präsident Barack Obama, der britische Premierminister David Cameron und die dänische Premierministerin Helle Thorning Schmidt, die ein „Selfie“ von den drei Politikern machte. Das Bild scheint eine interessante Geschichte zu erzählen, viel interessanter sind aber die Geschichten, die die Medien daraus lasen. Der Fotograf des Fotos. Roberto Schmidt, schreibt auf dem AFP-Blog seine Geschichte auf.

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5 Lesetipps für den 5. Juli

In unseren Lesetipps geht es heute um Samsung’s neue Quartalszahlen, neue Wörter im Duden, neue Eindrücke von Google Glass, eine vermisste Imagekampagne und Politiker auf Twitter. Ergänzungen erwünscht.

  • SAMSUNG Allaboutsamsung.de: Samsung veröffentlicht Quartalszahlen – Rekordgewinn von 8,3 Milliarden Dollar: Trotz aller Gerüchte um schlechte Verkaufszahlen des Samsung Galaxy S4 hat Samsung wieder einmal einen Rekordgewinn erzielt. Der Marktstart des Samsung Galaxy S4 hat Samsung 4 bis 8 % mehr Smartphoneverkäufe eingebracht. Der Verkauf der Galaxy Modelle macht mittlerweile einen Anteil von 70 % am Gewinn aus.
  • GOOGLE GLASS c’t: Google Glass enttäuscht im Alltagstest: Jan-Keno Janssen hat für die c’t Google Glass getestet und kommt zu einem sehr ernüchternden Ergebnis. Wirklich Spaß machen laut Janssen mit der Glass zurzeit nur zwei Dinge: Freihändig Fotos machen – zum Beispiel beim Fahrradfahren – und Navigieren.
  • SHITSTORM W&V: Duden nimmt Shitstorm, Spacko und Rabaukin auf: Der „Shitstorm“ wird geadelt: Der ehrwürdige Duden nimmt das Modewort jetzt erstmals in seine gedruckte Version auf. Auch „Spacko“ und „Rabaukin“ haben es geschafft. Ansonsten hat sich vor allem die Finanzkrise niedergeschlagen.
  • DATENSCHUTZ Netzwertig.com: Wo bleibt die massive Imagekampagne hiesiger Onlinedienste?: Der stetig größere Ausmaße annehmende Überwachungsskandal sorgt für wachsende Skepsis bei Nutzern führender US-amerikanischer Internetkonzerne. Doch Datensicherheit in den Mittelpunkt stellende Startups aus dem deutschsprachigen Raum versäumen es bisher völlig, daraus Profit zu schlagen. Martin Weigert fragt sich auf netzwertig.com, wo eigentlich die gemeinsame PR- und Imagekampagne hiesiger Onlinedienste bleibt?
  • TWITTER Mashable: 15 Most-Followed Politicians on Twitter: Twitter ist auch bei Politikern sehr beliebt, gibt es ihnen doch die Möglichkeit vorbei an den traditionellen Medien selber mit den Bürgern zu kommunizieren. Mashable hat eine Liste der Politiker zusammen gestellt, die weltweit die meisten Follower auf Twitter haben.

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Amazon.de nach dem Shitstorm: Fans bleiben treu, trotz herber Kritik

Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm

Der Amazon-Shitstorm hat die sozialen Medien bewegt. Nun ist er vorbei und was bleibt ist ein laues Lüftchen. Nico Pliquett hat die Causa Amazon ein zweites Mal analysiert.

Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm

Amazon.de hat es wohl hinter sich. Am Abend des 13. Februar hatte die ARD über Missstände bei Deutschlands größtem Onlinehändler berichtet – noch in der Nacht brach über Amazon.de auf Facebook ein Shitstorm herein, klassische Medien heizten die Stimmung weiter an. Inzwischen beruhigt sich die Lage. socialBench hat sich die Zahlen nach dem Sturm angeschaut.

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Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm

Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm

Am vergangenen Mittwoch strahlte die ARD einen Beitrag zur Leiharbeit bei Amazon aus. Daraufhin war ein neuer Shitstorm geboren, den Nico Pliquett hier einmal analysiert.

Nach TV-Beitrag: Amazon.de versinkt auf Facebook im Shitstorm

Den Valentinstag 2013 werden die Mitarbeiter des Onlinehändlers Amazon.de so schnell nicht vergessen. Statt mit Liebe sind sie auf Facebook mit Beschimpfungen, Wutausbrüchen, Kündigungen, Nazi-Vorwürfen und negativer Kritik konfrontiert. Nach der Ausstrahlung eines kritischen Beitrags in der ARD brach über Amazon.de ein Shitstorm herein.

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Gefangen in der Kundenhöhle – Verdienter Shitsorm

Über die Befreiung aus der Anonymität der Kunden-Hotline-Höhle.

Die Kolumne wird im Journalismus als lebendiger Kommentar eingesetzt und ähnelt häufig einer Reportage. Meist in der Ich-Form geschrieben, schildert der Kolumnist Erlebtes, greift Lesefrüchte auf, geht auf wichtige Begegnungen ein, beleuchtet höchst subjektiv Gemengelagen in Politik, Wirtschaft sowie Gesellschaft und berichtet über Dinge, die einem so täglich widerfahren. Dazu zählen auch Hotline-Warteschleifen-Horror-Erlebnisse, die man als Kunde privat und beruflich ertragen muss. Jeder kann zu diesem Thema wohl ein Lied singen. Weiterlesen »

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Is Anyone up? Ein Shitstorm wird zum Epic-Thunder

isanyoneupIs Anyone up? werden in Deutschland eher wenige kennen. In den Staaten dafür umso mehr. Kaum eine Seite hat dort mehr Kritik und negatives Aufsehen erhalten wie dieses Webseiten-Projekt. Und das will was heißen in einem Staat, indem sich mächtige erzkonservative Republikaner und eine ganze Generation durchgedrehter Collegeboys und wild feiernde Teenagerinnen mit gottgegebener Internet-Affinität, die Klinke in die Hand geben. Der Graben zwischen amerikanischen Tugenden und verlotternder Moral klafft tief im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

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Shitstorm vs. Flauschstorm

Anatol Stefanowitsch hat am Wochenende bei Google+ einen neuen Begriff geprägt: den Flauschstorm. Als Gegenentwurf zum allseits bekannten Shitstorm, der über Firmen und Menschen hereinbricht, die Problemen oder Fehlern nicht mit angemessener kommunikativer oder sozialer Kompetenz begegenen (das Abschalten von Fanpages oder Foren wegen negativer Kommentare etc.). Er schlägt vor, „Menschen, die mehr als den ihnen zustehenden Anteil an Shitstorms über sich ergehen lassen mussten und müssen, einen Tag lang aufrichtig und vor allem ironiefrei liebe Dinge zu sagen, ihnen zu sagen, was sie alles gut und richtig machen, sie ganz allgemein mit Lob und verbalen Knuddeleinheiten zu überschütten. „. Dabei denkt er zunächst an die 15 Piraten im Berliner Abgeordnetenhaus. Denn viele ihrer Startprobleme seien auf die gänzlich neue Situation zurückzuführen, die das Umschalten von der Privatperson zur öffentlichen politischen Person in den Medien zur Folge und das obowhl sie die bequeme Position, die wir alle innehaben, Schiedsrichter auf der Couch zu sein, aufgegeben hätten, um etwas zu ändern.

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