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Digitalisierung und Wertesplit: An welche Zukunft glaubst du?

Spaltung (Image adapted by Pablo Heimplatz [CC0 Public Domain] via Unsplah

Ruhe sanft, öffentlicher Diskurs, du warst der größte Gastgeber aller Zeiten, hattest immer Platz an deinem Tisch, warst für lebhafte Abendessen oder Kneipenbesuche stets zu haben, konntest Kampf sein und Spiel, aber auch Heimat und Ziel.“

So schön verabschiedet sich Juli Zeh in ihrem aktuellen Buch „Leere Herzen“ von dem öffentlichen Diskurs. Fragt man die Schriftstellerin und Juristin, wer Schuld an der oben genannten Entwicklung haben könnte, so sind es ihrer Meinung nach: wir alle. Auch die Bundestagswahlen waren für sie ein Beispiel dafür, dass wir heutzutage an den wichtigen Fragen vorbeireden. Wofür stehen wir als Menschen noch? – diese Frage steht in dem Politthriller im Vordergrund. Doch wie realistisch ist so ein Zukunftsszenario wohl?

Daniel Dettling ist der Meinung, dass die Deutschen in zwei unterschiedlichen Wertewelten leben. In einem Kommentar zur Bundestagswahl schreibt er: Studien zufolge sind 20 Prozent der Deutschen weltoffen und sprechen sich für Zuwanderung und Freihandel aus. Exakt so viele setzten auch auf Kooperation, Konnektivität und Kommunikation in Zukunft – jeder Zehnte lehnt jedoch Freihandel und Flüchtlinge ab. Das bedeutet: Zwei Drittel (70 Prozent) der Deutschen sind orientierungslos. Dettling glaubt, dass die Parteien die Angst vor der Zukunft geschürt haben: „So wenig Zukunft war selten in einem politischen Ideenwettbewerb.

Der Verlust der geteilten Öffentlichkeit

Technologischer Wandel bringt auch immer einen gesellschaftlichen mit sich. Manch einer, wie der Philosoph David Richard Precht, mag sogar behauptet haben, es sei der einzige Wandel, der unaufhaltsam ist. Der Wertewandel, den wir heute erleben, ist anders als je zuvor – denn er wird maßgeblich von der Digitalisierung beeinflusst. 

So erlauben die digitalen Medien eine noch nie dagewesene Meinungsvielfalt und punktuelle Vernetzung, bedrohen jedoch gleichzeitig die geteilte Öffentlichkeit. Denn nach der Philosophin Susanne Hahn sind die Menschen nicht mehr auf die öffentlichen Medien angewiesen. Vielmehr finden sie sich in Communities zusammen und tauschen dort Informationen aus. 

Was damit anhergeht, ist die Gefahr, sich eine persönliche, wasserdichte „Filterblase“ im Netz aufzubauen – man hört nur noch das, was durch den Filter dringt und die Nutzer-Algorithmen je nach Mindset erlauben. Diese Blase erlaubt es nicht, dass die eigene Identität mit anderen Wertewelten konfrontiert und das eigene Mindset weiterentwickelt oder hinterfragt wird. Zudem stellt diese Entwicklungen auch einen Verlust „längerfristigen Bindungen“ dar: Dies kann zu einem Problem für das Gesamtgefüge der Gesellschaft werden, wenn es um Mitwirkung und Respekt geht.

Der Werte-Split der Deutschen

Die Studie „Next Germany“ hat es sich zur Aufgabe gemacht die Wertelandschaft Deutschlands aufzuzeichnen. So kristallisieren sich aus ihren Datenerhebungen zwei kulturelle Wertewelten heraus, die Definitionen lauten folgendermaßen:  

  • Die Gruppe der „starken Gemeinschaft“: Sie wird von Schlagwörtern wie Kooperation, Zusammenhalt und Zukunftshoffnung beschrieben. Menschen mit geringer Bildung sind leicht überrepräsentiert.
  • Die Gruppe der „starken Individuen“: Sie wird von Schlagwörtern wie individuelle Leistung, Wettbewerb, vielen Zukunftsperspektiven beschrieben, denken jedoch in individuellen Kategorien. Menschen mit höherem Einkommen sind in dieser Gruppe leicht überrepräsentiert.

Um zu sehen, welcher Kategorie man angehört, kann man hier den Test machen. Die Datenanalyse der Studie zeigt somit auf, dass Deutschland tief gespalten ist – gleichzeitig wollen die Menschen jedoch auch einen Paradigmenwechsel in Form einer umfassenden Transformation der Gesellschaft und des Lebens. Nach Christian Schuldt muss eine neue Zukunftserzählung her, die eine überzeugende Alternative zu den unterkomplexen „rechten“ oder „linken“ Utopien darstellt. So zeigen die Auswertungen, dass wir als Gesellschaft eine neue Position des „progressiven Wir“ anstreben: Eine Position, die Gemeinschaft will, dafür jedoch auch die Stärke des Einzelnen nutzt. Fakt ist, dass dafür jedoch erst ein neues Mindset entwickelt werden muss.

Dass diese Annahme nicht nur von Datenanalysen getragen wird, zeigt zum Beispiel auch das jüngste Buch des Ökonomen Jeremy Rifkin „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“, das von Optimismus nur so strotzt: Hier vertritt Rifkin die Meinung, dass der Kapitalismus, der nur von Effizienz bestimmt ist, an seinen Gegensätzlichkeiten scheitern und von einer gemeinwohlorientierten Gesellschaft ersetzt werden wird. Rifkins Vision ist eine neue und nachhaltige Form der Lebensqualität und eine Besinnung auf das Gemeinsame und das Teilen in der Gesellschaft. Und wie soll das Ganze jetzt genau gehen?

Ein Weg in die Wir-Gesellschaft

Nach Daniel Dettling ist nun vor allem emotionale Intelligenz für das nächste Deutschland gefragt. Dafür hat er drei Vorschläge:

  1. Ein Wettbewerb der Leitkulturen hätte das Ziel, eine möglichst breit akzeptierte Vision des gemeinsamen Zusammenlebens zu ermöglichen. Integration als neue Sicherheit für soziale Katastrophen.
  2. Mehr Bürgerbeteiligung und direkte Demokratie würde den Menschen helfen, sich mehr zuzumuten und ihre eigenen Bizonen zu vertreten – mit Politikern die offen und ehrlich mit ihnen in eine gemeinsame Richtung gehen wollen.
  3. Die Politik der Glokalisierung kann dabei helfen, dass lokale, regionale und globale Identität einander bedingen können und eine kluge Subsidiarität, eine Aufwertung der kleinen Einheiten, entstehen kann.

Dettlingt sagt: “Es geht um das aktive Gestalten der eigenen Lebenswelt, um individuelle und kollektive Sinnstiftung und neue Freiheiten.“

Hello future: Das Prinzip der Selbstorganisation

Für die mögliche Entwicklung eines “progressiven Wir“, wo Veränderungen innerhalb sowie außerhalb der Gesellschaft stattfinden und andere Formen der Solidarität und Gemeinsamkeit hervorgebracht werden, spricht auch ein Muster, das sich in der Auswertung der nextpractice-Daten abzeichnet: die Ausprägung des Prinzips „Selbstorganisation“. Dieses scheint abseits institutioneller und politischer Akteure immer mehr an Bedeutung zu gewinnen und geht mit einem höheren Grad an Selbstverantwortung einher.

Auch „Handelsblatt“-Herausgeber Gabor Steingart schreibt in seinem Buch „Weltbeben. Leben im Zeitalter der Überforderung“, dass sich Umrisse einer Gesellschaft zeigen, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen will und mehr verändern wird als alle Wahlen der vergangenen Jahrzehnte. Ein „selbstbewusstes Bürgertum“ wird entstehen, das die Gewinnung und Ausübung von Macht grundsätzlich verändern wird. Für Steingart werden Transparenz, Teilhabe, Kommunikation und Mitbestimmung als Zeitbegriffe der stillen Revolution gelten.

Dennoch ist es aufgrund des Wertesplits immer noch eine Frage des Blickwinkels. Je nach Wertebasis rückt die Gesamtlage einer expansiven, neuen Entwicklung („Wir gestalten bottom-up alles selbstständig neu!“) oder die restriktive Gegenbewegung („Es ist wichtig, dass das jemand von oben in die Hand nimmt!“) näher. Denn beide ohne Spannung zu vereinen gestaltet sich sehr schwierig.

Die Sehnsucht nach Einigkeit

Die Position der Wir-Gesellschaft stellt meines Erachtens ein Verlangen dar, das mit der Entwicklung der Digitalisierung einhergeht. Die Vielfalt der Meinungen, Lebensstile und Glaubensansätzen führen zu einer Überforderung – die Sehnsucht nach Einheitlichkeit, Gemeinschaft und Kohärenz wird größer. Dennoch wollen die Menschen ihre erlangte Individualität und Freiheit des Denkens und Handels durch den technologischen Fortschritt nicht aufgeben. Sie sollten es auch nicht. Denn Gesellschaften entstehen seit langer Zeit nicht mehr nur analog.

Doch wie realistisch ist so eine Vision für nachfolgende Generationen? Als ich ein Kind war, wollte ich Bäuerin oder Ärztin werden, heute wollen die 8-Jährigen Youtube-Stars werden. Ob sich die Teenies von morgen überhaupt noch für Geschichte interessieren werden? Die Digitalisierung lässt auch Werte verkümmern – die der Nachkriegsgenerationen zum Beispiel.

Während also handwerkliche, soziale Berufe immer uninteressanter und schlechter bezahlt werden, sprießen neue Startups ohne ‚Social Profit‘ und mit kapitalistischen Beigeschmack aus dem Boden. Können Influencer und der Gründungshype in Zukunft eine bessere Gesellschaft formen? Wohl kaum. Und ist der Mensch nicht faul, solange es ihm gut geht? Aber das wäre wohl ein weiterer Artikel.


Image (adapted) „Split“ by Pablo Heimplatz (CC0 Public Domain)


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Business-Apps: Wie ich mein Startup mit dem Smartphone führe

Business-Apps-Smartphone-Anton-Knoblach

Eine gute Idee, die richtigen Leute und eine Portion Mut. Viel mehr braucht es nicht, um das eigene kleine Unternehmen zu gründen. Bei aller kreativen Energie und Tatendrang schadet es dennoch nicht, eine solide Struktur für die tägliche Arbeit zu schaffen. Ich stelle euch fünf kostenlose Business-Apps vor, mit denen sich Startup und Selbstständigkeit auch bequem von unterwegs managen lassen.

Producer-Alltag statt Hollywood-Klischee

Das Skateboard unter dem Arm, mit dem Hoodie im Meeting und durchfeierte Nächte in der Großstadt. Die Startup-Welt ist ähnlich klischeeträchtig wie die Filmbranche. Doch auch dort besteht der Alltag unbedingt nicht aus roten Teppichen, schicken Empfängen und wahnsinnig viel Kohle. Ein Punkt stimmt aber: Sein eigener Chef zu sein und volle Verantwortung zu übernehmen ist ein befreiendes Gefühl, in das sich zurecht junge und jung gebliebene Leute auf der ganzen Welt voller Hingebung hineinstürzen. Mir geht es auch so.

Mein Alltag ist dennoch meist unspektakulär: Ich entwickele meine Idee, treffe mich mit Leuten, sitze am Schreibtisch. Ein Filmproducer kommt auch mit einem Telefon, Zettel und Stift aus. Es gibt aber ein paar Business-Apps, die das Tagesgeschäft erheblich komfortabler machen.

Struktur schützt vor schlaflosen Nächten

Viele frische Teams benutzen zunächst die Kommunikationsmittel, die sie gewöhnt sind. Müssen mehr als zwei Personen gemeinsam kommunizieren, liegt es nahe, direkt eine WhatsApp-Gruppe mit einem flippigen Titel zu gründen. Will ich nur kurz durchgeben, dass ich jetzt beim Inder bestelle und die anderen gerne mitmachen können – keine Einwände. Sobald es aber um konkrete Aufgaben geht, birgt dieser Kommunikationsweg schnell ein hohes Frustrationspotenzial. Innerhalb kürzester Zeit geht der Überblick verloren. Was dazu führt, dass sich die Aufgaben ein neues Zuhause suchen.

Dieses neue Zuhause ist entweder das Nirwana oder der eigene Kopf. Bei erster Möglichkeit habe ich verloren, die Information ist weg. Bei der zweiten hat man auch verloren, denn das Gehirn ist zwar extrem leistungsfähig, denkt aber in Verknüpfungen und nicht in Listen. Doch sogar, wenn man sich alles merken kann, hat diese Methode einen riesigen Nachteil: Der Kopf wird spürbar „voll“. Das Ziel einer soliden Struktur ist für mich, möglichst viel Information sinnvoll aus dem Kopf und in die richtigen Tools, sprich in die richtige Business-Apps, zu bekommen.

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Screenshot by Anton Knoblach

Das hat zwei Vorteile. Nummer 1: ist eine Aufgabe in irgendeiner Form gelistet, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie vergessen wird. Nummer 2: sortiere und organisiere ich meine Projekte und deren Aufgaben diszipliniert, weiß ich, dass mein Projektmanagement immer auf dem bestmöglichen aktuellen Stand ist. Was zu einem dritten Vorteil führt: Ich kann nachts besser schlafen und grüble nicht stundenlang, ob ich an alles gedacht habe.

Ich möchte euch fünf kostenlose Business-Apps vorstellen, die meinen Alltag erheblich erleichtern.

#1: Der Kommunikator – Slack

Slack bringt den Chat als Kommunikationsweg ins 21. Jahrhundert. Innerhalb eines Teams gibt es Channels (Gruppenchats) und Direktnachrichten. Erstere sind zum Beispiel thematisch gegliedert, bei meiner Produktionsfirma unfourseen etwa gibt es unter anderem die Channels „#mustwatch“, „#projektmanagement“ und „#anfragen“.

Die Nachrichten-Threads selbst sind hübsch aufbereitet und übersichtlicher als bei WhatsApp oder dem Facebook-Messenger. Eines der vielen praktischen Features ist, sich für einzelne Nachrichten Erinnerungen setzen zu können – zum Beispiel, um am nächsten Abend an einen geteilten Link erinnert zu werden. Slack ist im kleinsten Feature-Paket kostenlos im Google Play Store verfügbar.

#2: Die Stoppuhr – Toggl

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Screenshot by Anton Knoblach

Ob ich meine Leistungen pro Stunde in Rechnung stelle oder einfach nur wissen will, welchen Anteil bestimmte Tätigkeiten und Projekte an der gesamten Arbeitszeit haben – es lohnt sich eigentlich immer, während der Arbeit die Uhr mitlaufen zu lassen.

Für das Time-Tracking gibt es eine Vielzahl an guten Business-Apps, ein Beispiel dafür ist Toggl. In Toggl kann die Arbeitszeit in Projekte und Tätigkeiten kategorisiert werden.

Für die Auswertung lassen sich schöne Reports erstellen. Mit diesen Reports habe ich eine gute Kontrolle, ob sich der zeitliche Aufwand für das Ergebnis gelohnt hat.

Ein Beispiel: Wenn ich in der Angebotsphase bis zum Auftrag durchschnittlich zehn Stunden brauche und aber nur jedes zehnte Angebot zu einem Auftrag führt, muss ich mir gut überlegen, wie ich meinen Workflow optimieren kann. Toggl für Android ist mit den Basis-Funktionen für Teams bis zu 5 User kostenlos.

#3: Das digitale Rückgrat – Asana

Asana ist mein Inbegriff für das, was ich mit „Struktur“ meine. Das Programm selbst ist relativ simpel aufgebaut: Angelegte Projekte bestehen aus Aufgaben, die wiederum Eigenschaften wie Deadline und verantwortlichem User haben.

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Screenshot by Anton Knoblach

Der Clou: Eine Aufgabe kann auch Unteraufgaben haben, die wiederum Unteraufgaben haben können. Zum Beispiel: Ich brauche für einen Werbespot eine Fabrikhalle. Die Firma X hat so eine, bei der ich einen Ansprechpartner Y habe. Aufgaben lassen sich also gut ordnen und wie in einer Kaskade abarbeiten.

Asana kommt eigentlich aus der Tech-Welt, lässt sich aber leicht auch für andere Branchen anpassen. Die Grundregel: Die im Tool angelegte Struktur und die individuelle Arbeitsweise des Teams müssen sich gegenseitig so lange näherkommen, bis der perfekte Workflow gefunden ist. Das kann durchaus ein weiter Weg sein und es lohnt sich, für die erste Zeit einen erfahrenen Asana-User dazu zu holen. Ist der aber mal Workflow eingespielt, werdet ihr euch fragen, wie ihr es vorher aushalten konntet.

Ich persönlich liebe an Asana die vielen Möglichkeiten, eine sinnvolle Struktur aufzubauen – sowohl für konkrete Projekte als auch für Dinge wie Selbstorganisation, Akquise oder Marketing. Asana für Android ist mit den wichtigsten Features für Teams bis zu 15 User kostenlos.

#4: Der Social-Media-Profi – Hootsuite

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Screenshot by Anton Knoblach

Eine Facebook-Page und die Profile bei Twitter und Instagram sind schnell erstellt und werden genauso schnell unübersichtlich.

Hootsuite unterstützt euch mit verschiedenen Features dabei, euch einen Überblick über die Aktivitäten im Social Web zu vermitteln. Neben den eigenen könnt ihr auch fremde Kanäle wie von anderen Produktionsfirmen oder neuen Talenten im Auge behalten.

Ihr könnt die Benutzung von Hashtags überwachen und zu guter Letzt könnt ihr von zentraler Stelle aus alle eigenen Kanäle bespielen. Gerade diesen Punkt finde ich extrem praktisch, weil er die operative Social-Media-Arbeit stark erleichtert. Hootsuite für Android ist mit den wichtigsten Funktionen mit bis zu drei Kanälen kostenlos.

#5: Die eigene Cloud – Owncloud

Die Festplatte ist abgeschmiert, die Daten-DVD zerkratzt und der Laptop geklaut? Es gibt viele gute Gründe, die eigenen Daten einer Cloud anzuvertrauen. Die Server von iCloud, Google Drive Co. stehen in riesigen ausfallsicheren Rechenzentren und werden regelmäßig gesichert. Einen großen Nachteil haben die vielen Anbieter aber: Die Daten liegen meist im Ausland, wo andere Rechte und Gesetze gelten.

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Screenshot by Anton Knoblach

Wer die volle Kontrolle haben will, muss es selbst machen. Eine der verschiedenen Lösungen für den eigenen Server ist Owncloud. Die Software ist modular aufgebaut. Sie kommt standardmäßig mit Filesharing, einer Kalender- und einer Kontakte-App, die jeweils mit den gängigen mobilen Betriebssystemen synchronisiert werden können.

Über das Filesharing-Modul kann ich beispielsweise Videos zur Kundenabnahme teilen und habe die volle Kontrolle, wer Zugriff hat und wer nicht. Auch das Kontakte- und Kalender-Management im Team ist extrem praktisch. Erweiterungen bringen zum Beispiel einen Passwort-Manager und eine eigene Verschlüsselung dazu. Aber Vorsicht: Alles selbst einzurichten ist nur etwas für IT-Versierte.

Owncloud ist Open Source und ohne Support uneingeschränkt kostenlos. Wie ihr Owncloud auf eurem Android-Smartphone einrichtet, erklärte ich in diesem Text.

Dieser Text erschien zuerst bei Applepiloten.de.


Image & Screenshots by Anton Knoblach


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Von der Sekretärin zum persönlichen Manager: Der Aufstieg der virtuellen Assistenten

laptop (Image by parthshah000 [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Telefonate entgegennehmen, Blogeinträge schreiben, Social Media-Accounts managen, Rechnungen aufsetzen, die Finanzplanung übernehmen – und das alles auf einmal. Gibt es nicht? Gibt es doch! Während die Wissenschaft es immer noch nicht geschafft hat, die eierlegende Wollmilchsau zu erschaffen, gibt es sie in der Arbeitswelt schon längst. Sie nennen sich virtuelle Assistenten (VA) und sind so etwas wie die Schweizer Taschenmesser der digitalen Ära: Es gibt wenig, das sie nicht können und kaum etwas, das sie nicht bereit sind zu lernen. Mit ihren vielfältigen Talenten von WordPress Organisation bis Buchhaltung sind sie dabei weniger Sekretäre, sondern vielmehr persönliche Manager.

Diana Ennen und Kelly Poelker, selbst virtuelle Assistentinnen und Autorinnen der VA-Bibel Virtual Assistant. The Series definieren die virtuellen Assistenten als „hochqualifizierte und hochspezialisierte Fachleute, die Unternehmer, Manager, Verkaufsprofis und all diejenigen unterstützen, die mehr Arbeit als Zeit haben.

Von der Sekretärin zur virtuellen Assistentin

Ein virtueller Assistent ist also ein externer Fachmann, der Firmen oder Unternehmen bei gewissen Aufgaben unter die Arme greift. Je nach Qualifikation des Assistenten und Kundenwunsch umfasst der Aufgabenbereich der VA dabei so unterschiedliche Felder wie Kundenrecherche, Organisation von Reisen, Marketingberatung, das Abtippen von Protokollen, Übersetzungen oder Webseitenbetreuung. Einige virtuelle Assistenten arbeiten als Freelancer, andere nutzen spezielle Agenturen für die Kundenvermittlung, während wiederum andere eigenständige Unternehmer sind.

Während es persönliche Assistenten und Sekretäre natürlich schon seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts gibt, wurde der Begriff „virtueller Assistent“ laut Ennen und Poelker im Jahr 1997 zum ersten Mal verwendet. Demnach war es Lifecoach Thomas Leonard, der in einem Interview davon berichtete, wie eine Assistentin so ziemlich alles für ihn managte, wozu er selbst keine Zeit fand. Da er diese Assistentin allerdings noch nie persönlich getroffen hatte, nannte er sie seine virtuelle Assistentin. Ein neuer Beruf war geboren.

Trendjob Virtueller Assistent

Dennoch war der Beruf in dieser Zeit noch eine Seltenheit. Vor zehn Jahren gab es gerade mal eine Handvoll VAs, heutzutage boomt der Job – ermöglicht durch das Internet und die weltweit voranschreitende Digitalisierung. Zwar gibt es nur grobe Schätzungen über die genaue Anzahl von virtuellen Assistenten weltweit, doch der Trend zeigt klar nach oben. Mit Statistiken, die voraussagen, dass der Online-Arbeitsmarkt bis 2018 einen Wert von rund 4,4 Milliarden Euro haben wird, steigt die Nachfrage nach virtuellen Assistenten weiter.

VA Google Trend

Outsourcing ist also keine Modeerscheinung mehr, sondern längst Realität. Je komplexer die Aufgaben sind, je globaler Firmen arbeiten und je spezialisierter unsere Berufe werden, Firmen auf das Verlagern von Aufgaben. Callcenter in Osteuropa, Webdesigner aus Indien oder Produktionsstätten in China sind die Ausmaße von Outsourcing bei großen Konzernen. Doch auch Kleinbetriebe, Solopreneure und mittelständische Onlineunternehmer sind auf externe Hilfe angewiesen. Seitdem Tim Ferris 2007 in seinem bahnbrechendem Bestseller zur vierstündigen Arbeitswoche die Weichen für Online-Unternehmen legte und die Idee der virtuellen Assistenten ins Spiel brachte, boomt der Begriff.

Mutter + Vollzeitstelle = Virtuelle Assistentin

Es war auch zu ungefähr dieser Zeit, als Zeina Barker zum ersten Mal den BZeina Barkeregriff hörte. Sie war gerade Mutter geworden und wollte einerseits mehr Zeit mir ihrer Familie verbringen, andererseits aber auch wieder in ihren Job zurückkehren. Doch auch wenn ihre Arbeit mit internationalen Unternehmen der Londonerin viel Freude bereitete, stundenlanges Pendeln wollte sie dabei nicht mehr in Kauf nehmen. Gleichzeitig arbeiten und mehr Zeit zu Hause verbringen, schien daher zunächst nicht machbar – bis sie über die Onlinestellenbörse People per Hour stieß: „Hier beschloss ich dann, meine Erfahrung und meine Ausbildung zu nutzen, um ganz neu als virtuelle Assistentin anzufangen. Das ist nun sieben Jahre her, aber ich habe es nie bereut. Es war zwar nicht immer einfach und ist auch jetzt noch oft eine Herausforderung, aber gleichzeitig auch unglaublich erfüllend“ erklärt sie gegenüber den Netzpiloten. Barker arbeitet immer noch hin und wieder als Freelancerin, betreibt aber gleichzeitg auch ihre eigene VA-Firma vefficient.

Barkers Weg zur virtuellen Assistentin verkörpert einen weiteren Trend dieses Berufs: Nach Umfrage der Virtual Assistant Networking Association sind 96,8 Prozent der Befragten Frauen und über drei Viertel haben Kinder. Das zeigt, dass Mütter weder bei der Familie noch in ihrem Job zurückstecken wollen. Gerade in den USA entscheiden sich viele Frauen für das Arbeitsmodell der „work-at-home-Mom“, also der berufstätigen Mutter im Homeoffice.

„Ich werde für´s Lernen bezahlt“

Die Vielfalt der Aufgaben und der leichte Einstieg in den Job als virtuelle Assistentin könnten Gründe dafür sein, warum viele Frauen als Neulinge in der digitalen Arbeitswelt gerade diesen Onlineberuf wählen. „Virtueller Assistent ist ein idealer Einstiegsberuf für alle, die noch nie online gearbeitet haben“ sagt etwa Vera Ruttkowski, eine der bekanntesten deutschen virtuellen Assistentinnen, im Netzpiloten-Gespräch. Ruttkowski arbeitet seit gut zwei Jahren als virtuelle Assistentin und betreut mittlerweile als SelVera Rutkowskibstständige sechs feste Kunden. Ihre Dienstleistungen reichen unter anderem von Blogbetreuung über Finanzmanagement bis hin zur Social Media-Betreuung. Gerade diese Abwechslung, gepaart mit dem steten Lernprozess durch immer neue Aufgaben, machen den Beruf so attraktiv für sie: „Es ist unglaublich spannend, mit meinen Kunden mitzuwachsen. Ich habe die Chance, sehr viel Neues zu lernen – und werde dafür auch noch bezahlt. Was will man mehr?!“

Auch Zeina Barker, die sich auf e-Marketing, Projektmanagement und Übersetzungen (sie spricht Englisch, Französisch und Arabisch) spezialisiert hat, liebt die Vielfalt ihres Arbeitsalltags. „Alle Kunden sind sehr verschieden und bei mir gleicht wirklich kein Tag dem anderen. So wird es nie langweilig!“

Selbstverständlich erfordert eine solch freie Form der Arbeit aber auch straffe Selbstorganisation, Disziplin, Zuverlässigkeit, eine sehr gute Kommunikationsfähigkeit, Offenheit für Neues und Flexibilität. „Das schwierigste an dem Job ist für mich das Organisieren meiner Zeit“ sagt Ruttkowski. Barker wiederum glaubt, dass die virtuelle Kommunikation mit Kunden per E-Mail oder Skype manchmal mehr Zeit raubt als spart.

Dennoch lieben sowohl Barker als auch Ruttkowski ihren Beruf. Neben der eigentlichen Arbeit ist es vor allem eins, das sie an ihrer Tätigkeit schätzen – ihre Unabhängigkeit. Für Barker ist dies ein unglaublicher Ansporn: „Ich kann alles machen, was ich will, es gibt wirklich keine Grenzen für meine Fähigkeiten. Ich finde das sehr erfüllend und motivierend!“


Image „Laptop“ by partshah000 (CC0 Public Domain)


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Autonomie am Arbeitsplatz: Manager ade

Die Herrschaft der Manager geht ihrem Ende entgegen. Die neue Arbeitswelt wird digital selbst organisiert. Das Beste daran: Sie kommt ohne rhetorische Wichtigtuerei aus.

Führungskräfte der Wirtschaft verfügen über zu wenig Erfahrung im Umgang mit sozialen Medien und setzen weiterhin auf hierarchisch gesteuerte Entscheidungen. Das zeigt die Capgemini-Studie „Digitale Revolution“.

„Fest steht, dass der Erfolg von Transformationsprojekten heute in den Händen von Führungskräften liegt, die häufig nicht gewillt oder nur schlecht auf diese Herausforderung vorbereitet sind“, so die Studien-Autorin Imke Keicher. Weiterlesen »

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