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Time is Money? Über Achtsamkeit und #digitaldetox in Zeiten der Selbstoptimierung

Stress (adapted) (Image by bottled_void [CC BY 20] via flickr)

Neues Jahr, neues Glück: Alljährlich nehmen wir uns vor, im neuen Jahr jetzt aber wirklich mal all die guten Vorsätze auszuführen, um die wir uns im Vorjahr schon so erfolgreich herumgemogelt haben: Mehr Sport, bessere Ernährung, endlich mehr Lesen, weniger Zeit im Internet verplempern.

Aber Hand aufs Herz: Im stressigen Alltag fällt es nicht leicht, diese Vorsätze auch wirklich einzuhalten. Die Fitnessstudios sind zwar im Januar noch gut besetzt, doch bis Mitte Februar dünnt sich die Besucherzahl erfahrungsgemäß aus und der Schweinehund übernimmt wieder das Ruder. Der Bücherstapel der ungelesenen Werke auf dem Nachttisch wächst, und dass die Feiertage im vergangenen Jahr ausgerechnet an den Wochenenden stattfanden, hat auch nicht unbedingt zur Entspannung beigetragen, seufzen wir.

Es gibt für alles eine App

Denn nicht nur Gründer leiden zunehmend unter Stresssymptomen und Burnout, sondern eigentlich leidet jeder, den ich kenne, derzeit – oder eigentlich immer – unter Stress. Und Stress macht krank, egal, was der Neoliberalismus und der protestantische Arbeitsethos versuchen, uns einzuhämmern. Daher passt es perfekt in den Zeitgeist, dass wir uns dem neuesten Trend der Achtsamkeit zuwenden. Endlich den Stress hinter sich lassen und die Welt bewusster wahrnehmen, endlich sich und seinem Körper geben, was ihm gut tut – das klingt doch wirklich vielversprechend! Und natürlich gibt es auch hier jede Menge (natürlich käuflicher) Möglichkeiten, zu sich selbst zu finden: Es gibt jede Menge personalisierte und teamorientierte Organisations-Tools. Mit Apps wie Headspace haben wir unsere tägliche Dosis Meditation in der Tasche, Youtube-Channel erklären uns, wie wir noch schneller noch fitter, schlauer, schöner und entspannter werden können.

Wenn uns die ganze Bildschirmzeit auf den Wecker fällt, können wir mit einer automatischen Abschalt-App für mehr Offline-Zeit für uns sorgen (Die Ironie ist uns dabei natürlich bewusst) und endlich den #digitaldetox durchführen, den wir schon so lange planen. Die Tatsache, dass es einen Hashtag über dieses angeblich so analoge Thema gibt, sollte uns da allerdings etwas misstrauisch machen

Soll es doch mal analoger zugehen, helfen uns aufwendig gestaltete Planer dabei, den Tag in seiner bestmöglichen Weise Revue passieren zu lassen, oder wir versinken in Malbüchern für Erwachsene, während wir Motto-Tees (‚Ruhe und Entspannung‘) trinken und auf Entspannung hinarbeiten. Und eben das ist das Problem.

Wir müssen wieder Zeit haben lernen

Vielleicht tue ich den vielen Achtsamkeits-Projekten Unrecht, vielleicht wollen sie wirklich nur unser Bestes. Aber in Zeiten der Selbstoptimierung bleibt das Offensichtliche, das eigentlich eine Binsenweisheit ist, im Raum bestehen: Durch Erledigungs-Apps und To-Do-Listen haben wir am Ende nicht mehr Zeit als vorher, sondern packen sie uns einfach noch mehr mit Aufgaben voll. Aber was können wir tun? Einfach den Computer auslassen geht schließlich auch nicht, es warten Termine, Aufgaben, Mails. Und schon ist man wieder drin im Hamsterrad.

Vielleicht können wir ein wenig Achtsamkeit walten lassen, wenn wir in Zukunft lieber zwei Mal hinschauen und überdenken, für wen und was wir uns da gerade optimieren wollen, und zu welchem Preis. Denn jenseits von den pseudophilosophischen Instagram-Sprüchen und YOLO-Späßchen stimmt es ja leider doch: Jeder Tag ist ein Tag weniger vom Rest unseres Lebens – und den sollten wir nutzen, indem wir möglichst zufrieden durch unser Leben gehen.

Ein diktatorisches Zeitmanagement ist hier nicht die Lösung, da es uns nur wieder unter Stress setzt, möglichst viel davon ’sinnvoll‘ zu nutzen. Der Zeitforscher Karlheinz Geißler betont immer wieder die „Diktatur der Uhr“, denn die Uhr ist – im Gegensatz zur Zeit an sich – das eigentliche Problem.

Wir sollten versuchen, zu verlernen, alles messen, tracken und effizient ausüben zu wollen, das ist vielleicht die ehrlichste Form der Achtsamkeit. Wie man das macht, erkläert Geißler im nachfolgenden Video. Ein kleiner Aufruf an dieser Stelle: Nehmt euch die Zeit, dieses Video in Ruhe anzuschauen. Ich verspreche euch: Es lohnt sich! Und zwar ganz ohne Mehrwert, sondern nur für euch.


Image (adapted) „Stress“ by bottled_void (CC BY 2.0)


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Offline-Tage? Nein, danke!

Offline (Bild: Craig Garner [CC0], via Unsplash)

Die letzten Tage im Jahr offline verbringen? Nö! Zwischen Dauer-Surfen und Offline-Sein liegt die Lösung – aber nicht nur an Weihnachten. // von Julian Heck

Offline (Bild: Craig Garner [CC0], via Unsplash)

Mit einem Blick aufs Smartphone aufwachen und den Tag mit dem Anschließen des Smartphones an das Ladekabel beenden. So sieht bei vielen (und bei mir) die Wahrheit aus. Der mobile Computer – ob Smartphone oder Tablet – beherrscht unseren Alltag. Vor Weihnachten las man immer mal wieder Forderungen, das Netz zu ignorieren und einige Offline-Tage einzulegen. Sehe ich gar nicht ein! Mein nützlicher Helfer wich auch an Weihnachten nicht von meiner Seite – warum auch. Nützlich ist er schließlich auch an Weihnachten.

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(Offtime): Crowdfunding-Projekt zum Abschalten

Smartphone chat (adapted) (Image by Lars Plougmann [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Per Crowdfunding soll das nötige Geld für (Offtime) gesammelt werden. Mit den Apps soll man im wahrsten Sinne des Wortes abschalten kann und zwar die Ablenkungen der digitalen Welt.

Immer Online – dieses Motto ist für viele Menschen inzwischen zum Alltag geworden, Smartphone, Tablet und Laptop sei Dank. Da fällt es sehr schwer sich mal von den Endgeräten zu trennen. Ein Berliner Startup versucht dem nun entgegen zu wirken und den Nutzern eine Auszeit zu gönnen. (Offtime) heißt das Projekt, mit dem man per Apps für Android, iOS BlackBerry und anderen Betriebssystemen die ständigen Störungen abschalten und sich so ein wenig Ruhe gönnen kann.

Warum schauen wir ständig auf unser Smartphone, selbst wenn wir keine Benachrichtigung erhalten haben? Warum scrollen wir mehrmals stündlich durch die Timelines der verschiedenen sozialen Netzwerke? Einer der Gründe ist sicherlich, dass viele Netzwerke ein gewisses Suchtpotenzial besitzen und wir Angst haben, etwas zu verpassen. Dass daraus auch einige Probleme erwachsen können ist nicht weiter überraschend, da das eigene Zeitmanagement oftmals komplett neu umstrukturiert wird und man oftmals eher zwei Stunden bei Facebook verbringt, als andere wichtige Dinge zu erledigen, oder einfach mal etwas zur Ruhe zu kommen. Auch können die Benachrichtigungen über irgendeinen neuen Post oder Like auch die Konzentration gewaltig auf die Probe stellen und einfache Aufgaben dauern deutlich länger als eigentlich nötig, was mir persönlich ständig passiert.

Das Berliner Unternehmen (Offtime) will diesen Umstand ändern und betroffenen Nutzern ein Tool in Form diverser Apps an die Hand geben, mit denen sich die Kommunikation über die sozialen Netzwerke, E-Mails, SMS oder per Anruf für eine festgelegte Zeit komplett blocken lässt. Die Apps für die unterschiedlichen Betriebssysteme werden über die Cloud synchronisiert, so dass auf allen Geräten gleichzeitig Funkstille herrscht. Per Whitelist kann man Personen festlegen, deren Anrufe trotz aktiver (Offtime) trotzdem durchgelassen werden, für den Fall, das etwas wirklich Wichtiges passiert ist – alle anderen erhalten eine Nachricht, die über die Auszeit informiert. Die Auszeiten lassen sich zudem per Kalender ganz leicht für die Zukunft im Voraus planen.

Eine Herausforderung für betroffene Nutzer dürfte allerdings auch trotz (Offtime) sein, dem Drang zu widerstehen, trotz selbst verordneter Auszeit einen kurzen Blick auf das Display zu werfen, ob man nicht vielleicht doch ein paar Statusupdates oder E-Mails verpasst hat. Aber das ist das generelle Problem dabei, den lobenswerten #Unplug-Gedanken in die Tat umzusetzen.

Derzeit sammelt das Unternehmen noch Geld über die Crowdfunding-Plattform Startnext – das Ziel um die App-Entwicklung zu starten wurde bereits erreicht, wer das Projekt darüber hinaus aber noch unterstützen will, hat noch bis Freitag Zeit dafür. Ich persönlich habe mich schon mehrfach nach genau solch einem Tool gesehnt – bis die Apps verfügbar sind, bleibt mir allerdings nichts anderes übrig als es mit Peter Lustig zu halten und einfach mal abschalten … manuell.


Image (adapted) „Smartphone chat“ by Lars Plougmann (CC BY-SA 2.0)


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Das ruhige Leben in 5 Schritten

Anläßlich der 10 Tipps auf karrierebibel zum Start ins Wochenende fallen mir noch ein paar Punkte ein, die ich nur jedem empfehlen kann, der oder die ein wenig nach innerem und äußerem Frieden oder gar Gelassenheit sucht:

1. Suche Dir einen Tag pro Monat (warum nicht am Wochenende) an dem Du kein Medium nutzt (kein TV, Radio, Buch, Zeitung, Handy, Web). Wenn Du feststellst, dass Du nervös wirst und einfach mal „ein paar Freunde besuchen“ möchtest, mach Dir klar, dass gerade Freunde nicht dazu taugen, die innere Leere zu füllen. Fahre dann NICHT zu ihnen sondern setzt Dich in Dein Zimmer und versuche die vielen Gedanken zu beobachten, die über Dir hereinbrechen, wenn Du keine Ablenkung per elektronischer Information oder gedrucktem Wort erlebst. Bewerte diese Ideen und Planungshandlungen nicht. Sie sind oft Ausdruck Deiner Unsicherheit gegenüber diversen Situationen, die noch nicht abgeschlossen sind. Wenn Du ein Instrument spielst, widme Dich ihm mal wieder. Malen oder Singen ist auch toll.

2. Lege Dich auf den Boden oder sitze entspannt im Sessel und versuche langsam zu atmen. Einfach mal 15 Sekunden einatmen und 15 Sekunden ausatmen. Zwischendurch bei jedem dritten Mal beim Ausatmen die Bauchmuskeln anspannen und die Luft langsam rauspressen und dann wieder den Bauch entspannen, sodass die Luft von „allein“ eingeatmet wird. Wenn das klappt, einfach mal nach dem Ausatmen jedes 5. Mal die Luft vor dem Einatmen anhalten, also das Einatmen rauszögern.

3. Mach lange Spaziergänge. Wenn Du mit anderen spazierst, dann mach mit ihr oder ihm ab, einfach mal eine lange Zeit nicht zu reden und die Töne des Waldes oder der Wiese zu hören.

4. Iss mal zwei Tage lang nur Reis und eine einzige Gemüsesorte dazu. Kein Milchprodukt.

5. Früh ins Bett und früh aufstehen.

Ein Wochenende nach dieser Art ersetzt manchmal einen Urlaub und kann die Perspektive wieder dahin rücken, wo es uns gut tut.

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