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Lange verborgen – Original iPhone M68 Prototyp enthüllt

Am 9. Januar 2007 kündigte Steve Jobs auf der Macworld Expo in San Francisco das erste iPhone an und revolutionierte damit den Mobilfunkmarkt. Zwar war das iPhone nicht das erste Smartphone überhaupt, da hatten andere Hersteller schon Versuche unternommen, doch es war das erste Smartphone, das am Massenmarkt Anklang fand. Mit dem iPhone wurde eine neue Generation an Computertechnik eingeleitet und seit 2007 gehört das Smartphone zu unserem Alltag dazu. 2017 hieß es dann Geburtstag feiern, das iPhone ist zehn jahre alt geworden. Ein Jahr darauf feierte auch schon Apples nächste Innovation, der App Store, seinen Zehnten.

Jetzt hat das amerikanische Technikportal The Verge als erstes und einziges Magazin Zugang zu dem ersten iPhone Prototyp erhalten, mit dessen Hilfe Apples Ingenieure an dem iPhone gearbeitet haben. Seinen Zugang zu dem Prototyp verdankt The Verge einer anonymen Quelle, die nur mit ihrem Twitter Account @theredm68 angegeben wird. Auf dem Account wurde bisher aber noch nichts getweetet.

Ein Meilenstein der Computergeschichte

Der iPhone Prototyp, mit dem Apple das iPhone entwickelt hat, lässt sich wahrhaftig als Computergeschichte beschreiben. Um ehrlich zu sein, bin ich richtig neidisch auf die Redakteure von The Verge, dass sie das Board in Augenschein nehmen konnten. Immerhin gab es um das iPhone schon während der Entwicklung eine Menge Heimlichtuerei.

Apple wollte damals alle mit dem iPhone überraschen und hat im Verborgenen über zwei Jahre an dem Gerät gearbeitet. Damit auch die Ingenieure nicht genau wussten, wie das fertige iPhone aussehen würde, hat Apple einfach alle Komponenten des Smartphones auf ein knallrotes Entwicklungsboard gesteckt, das in seiner Erscheinung eher an ein Motherboard erinnert. Die Ingenieure bei Apple nannten das iPhone laut The Verge zu der Zeit M68 oder Purple 2. Die einzelnen Komponenten ohne das Gehäuse auf einem Board auszubreiten, ist bei der Entwicklung von Hardware auch gar nicht mal so unpraktisch. Schließlich müssen ja erst alle Teile miteinander in Verbindung gebracht, einzelne Komponenten getestet, ausgetauscht oder verändert werden. Die Teile dafür so auszubreiten, macht sie leichter zugänglich für die Ingenieure. Wenn dann klar ist, dass das Innenleben eines Smartphones funktioniert, kann man es in das eigentliche Gehäuse einbauen.

Was ist denn nun so besonders an dem iPhone M68 Prototypen?

Eine wirklich gute, schematische Darstellung des Boards findet ihr hier. Der iPhone Prototyp bestand im Wesentlichen aus allen Komponenten des ersten iPhones. Neben den Teilen, mit denen Apple das iPhone später auch verkaufte, hat man auf dem Board aber auch ein paar Teile angebracht, die wirklich nur zum Testen gedacht waren. So findet man an der rechten, oberen Seite des Boards zum Beispiel eine RJ11 Anschluss für amerikanische Telefone. Apple konnte darüber mit dem Prototyp telefonieren und die Telefonqualität testen.

Auch besonders waren die Mini-USB Anschlüsse. Ja, ihr habt richtig gehört: Mini-USB am iPhone. Das klingt wirklich zu schön, um wahr zu sein. Die brauchte man damals, um Code auf den Prototypen spielen zu können. So konnten die Ingenieure Software auf das iPhone laden und testen. An viele Ingenieure hat man laut The Verge sogar ein Board verteilt, an dem gar kein Display angebracht war. Damit diese trotzdem etwas sehen konnten, befanden sich an der linken Seite des Boards Video-Anschlüsse. So konnten die Entwickler einen Bildschirm an den Prototypen anschließen, ohne das Aussehen des späteren Touch-Screens zu kennen. Das Betriebssystem des M68 befand sich auf einer 4GB Samsung NAND Karte direkt auf dem Board. Um verschiedene Betriebssysteme oder Versionen eines Betriebssystems zu testen, konnte man diese einfach austauschen.

Laut der Quelle des amerikanischen Tech-Magazins erkennt iTunes das prototypische Entwicklungsboard sogar als echtes iPhone, wenn man es über den alten 30-poligen Anschluss von Apple mit iTunes verbindet. Das iPhone wurde 2007 mit der iOS-Version 1.0.0 ausgeliefert. Februar diesen Jahres sind wir mittlerweile bei iOS 12.1.4 angekommen. Es hat sich seitdem also eine Menge getan.

Der iPhone Prototyp aus der Zeit von 2006 bis 2007 ist auf jeden Fall eine tolle Entdeckung. Vor allem, da man es als Nutzer eines iPhones eigentlich immer mit einem sehr geschlossenen System zu tun hat. Die Vorstellung ein iPhone in seine Einzelteile zu zerlegen und es immer noch benutzen zu können, erscheint einem da fast schon „verrückt“.


Image by Kenishirotie / stock.adobe.com

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Rücken-Fitnesstracker: 8sense sorgt für bessere Haltung

Rücken (adapted)(Image by whitesession [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Mit dem Wearable 8sense möchten die Gründer Ralf Seeland und Christoph Tischner die Rücken-Gesundheit in den Fokus stellen. Immer mehr Arbeitnehmer sitzen den ganzen Tag an ihrem Schreibtisch. Häufig wird nicht auf die richtige Haltung geachtet, was Rückenschmerzen zur Volkskrankheit Nummer 1 macht. Rund 20 Millionen Deutsche besuchen den Arzt jährlich. Das kleine Gadget 8Sense soll nach seiner Kickstarter-Finanzierung Fehler korrigieren und dazu motivieren, auf das Rückgrat Wert zu legen.

Sitzen wird gesünder

Wer kennt es nicht: Der Rücken schmerzt, weil der Bürostuhl nicht der bequemste ist und man selbst nicht darauf achtet, die Wirbelsäule gerade zu halten? Dieses Problem möchte 8sense lösen. Vibrationshinweise erinnern den Träger daran, dass der Rücken neu ausgerichtet werden möchte. Der kleine Plastik-Chip ist seit etwas mehr als einem Jahr in Entwicklung und wurde von den zwei Gründern wegen unterschiedlichen Rückenproblemen ins Leben gerufen: Ralf Seeland hatte aufgrund seiner Bürotätigkeit Schmerzen, Christoph Tischner fielen beim Sport Bewegungsdefizite auf. Eine Lösung für eine gesündere Rückenhaltung musste her. Sie entwickelten gemeinsam 8sense.

Das Produkt soll eine Art Fitnesstracker sein – aber nicht auf Basis von gelaufenen Schritten, Etagen oder anderen Kennzahlen, was normale Tracker festhalten. Vielmehr stellt 8sense quantitative Bewegungen, Inaktivitätszeiten und Haltung der Rückenmuskeln dar. Per App lassen sich die Daten auswerten, durch kleine Tutorials sollen die Träger ihre Wirbelsäule besser verstehen und sich im Laufe der Zeit verbessern.

8sense wird nicht als Armband genutzt, sondern in den Kragen deines Hemdes oder T-Shirts geklemmt. Das erfordert ein wenig Übung, da du nicht genau siehst, was du überhaupt tust. Später dauert die Befestigung nur wenige Sekunden. Laut den Entwicklern sei 8sense so unauffällig, dass der Prototyp schon mal aus Versehen mit nach Hause genommen wurde: Dem Träger war einfach nicht bewusst, dass der Tracker noch an der Kleidung angebracht sei.

„Die alte Rückenschule ist nicht mehr aktuell“

Das Ziel von 8sense ist nicht, den Tragenden darauf hinzweisen, dass der Rücken krumm ist und die Haltung auf eine komplett gerade Wirbelsäule korrigiert werden müsse. Das war zwar lange Zeit die Meinung der Schulmedizin. Inzwischen wenden sich viele Orthopäden von diesem Modell ab, so 8sense: Sinnvoller sei es, einfach eine neue Position einzunehmen. „Die nächste Position ist die Beste“, sagt Maximilian Ziegler, der für das Marketing des Startups zuständig ist. Eine dauerhafte Bewegung sei sinnvoller als eine komplett gerade Rückenhaltung. Ein guter Bürostuhl ist trotzdem nicht unabdingbar, um passende Grundvoraussetzungen zu haben.

Solltest du zu lange inaktiv sein, gibt es ausgehend vom 8sense-Clip eine kurze Vibration, die dich an eine Neuausrichtung des Rückens erinnert. Dabei ist es dir selbst überlassen, ob du dich nach vorne beugst, die Rückenlehne nutzt oder dich ganz gerade hinsetzt.

Es bleibt aber nicht bei den einfachen Vibrationshinweisen: In der App, die für iOS und Android verfügbar sein wird, sind Minispiele eingebaut. Gamification hilft vielerorts und steigert die Bereitschaft, wirklich etwas an seinen Gewohnheiten zu ändern – das zeigen Studien: Nicht nur entsteht ein Wettkampf, in dem man wahlweise sich selbst oder seine Freunde schlägt. Gleichzeitig entwickelt sich ein Normalitätsgefühl. Dazu lockt noch der Spielspaß.

In der App selbst sind zum Launch mindestens zwei Spiele zu finden: Eine Art Pong und BreakOut. Bei beiden kannst du per Rückenbewegung den waagerechten Schläger nach rechts und links bewegen. Das funktioniert per Bluetooth-Verbindung mit dem Smartphone nahezu in Echtzeit und macht bei einem ersten Test schon Spaß. Der sogenannte „Daily Coach“ soll vor allem kurzfristig bei Rückenproblemen und der Findung neuer Sitzpositionen helfen.

Mehr als nur Kontrolle

Auch richtige Fitness-Übungen sollen in die App implementiert werden: So sollen etwa Übungen, die aus dem Yoga-Umfeld bekannt sind, auswertbar werden. Der Prototyp der Anwendung unterstützt 80 verschiedene Übungen, die quantitativ und qualitativ analysiert werden. Es soll auch möglich sein, dass der Physiotherapeut per „Expertenschnittstelle“ ein optimales Trainingsprogramm für dich erstellt.

Durch diese vielen Funktionen qualifiziert sich 8sense auch als Gadget, welches man längerfristiger tragen kann: Die ständige Kontrolle der Rückenhaltung geschieht irgendwann im Unterbewusstsein. Richtige Sportübungen mit Support des Clips, der als Trainer und Kontrolleur fungiert, sind aber sinnig.

Kickstarter-Finanzierung ab dem 24. Oktober

Von der Nutzung des Trackers profitierst letzten Endes nicht nur du, auch die Gesellschaft hat Vorteile: Insgesamt gibt es einen wirtschaftlichen Schaden von fast 50 Milliarden Euro pro Jahr. Weniger Individuen, die über Rückenschmerzen klagen, würden Krankenkassen entlasten und krankheitsbedingte Ausfälle verringern.

Noch ist 8sense nur ein interner Prototyp, der von den Entwicklern bereits aktiv genutzt wird. Wirklich erhältlich ist das Produkt erst ab der ersten Hälfte des nächsten Jahres: Die Kickstarter-Kampagne des 8sense startet am 24. Oktober. Das Team rund um das Gadget will mindestens 40.000 Euro einsammeln, um den Rücken-Tracker zu finanzieren. Im Verkauf soll der Tracker im Nachhinein 119 Euro kosten, für die ersten Unterstützer ist das Produkt für 79 Euro erhältlich.


Image (adapted) „Rücken“ by whitesession [CC0 Public Domain]


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betatestr.de: Karma-Punkte für Early Adopter

betatestr Release Party

Wer als Käufer eines unfertigen Produkts unfreiwillig als Beta-Tester fungiert, ärgert sich. Und das zu recht. Wer hingegen schon während der Entwicklung des Prototyps ganz eng mitwirken darf, wird später vielleicht ein umso glücklicherer Kunde. Auf diese Mechanik setzt die Crowdsourcing-Plattform betatestr.de. Die Webseite ging jetzt in überarbeiteter Form live. Die Webseite vernetzt Erfinderunternehmer, sogenannte Maker, mit potenziellen Nutzern ihrer Produkte. Und dies sowohl online als auch offline.

betatestr Release Party
Betatestr setzt auf den Crowdsourcing-Gedanken. Auf der Release-Party erklärt Geschäftsführerin Anna Gubanova die Plattform. Image by Kevin Münkel

Unter betatestr.de können Maker ihre Projekte vorstellen und von Seitenbesuchern mit schriftlichem Feedback bewerten lassen. Zugelassen wird praktisch jede Idee, die bereits als Prototyp existiert und in die Rubriken Fashion, Produktdesign, Gadget oder Social passt.

betatestr.de Webseite
Stellt der Maker seinen Prototyp an einer Teststation aus, können Nutzer ihn dort ausprobieren und ihr Feedback auf der Webseite von betatestr mitteilen. Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Eine Beurteilung hinterlassen kann jeder Seitenbesucher, der die Angabenfelder für dem Namen, E-Mail-Adresse und Feedback in der Webmaske ausfüllt. Hauptsache, es ist eine echte E-Mail-Adresse, andernfalls lässt sich der Bestätigungslink nicht aktivieren. Selbst, wer also nur die Projektbeschreibung liest, kann seine Meinung dazu kundtun.

Bei betatestr gibt es Karma-Punkte als Belohnung

Für das aus ihrer Sicht hilfreichste Feedback losen die Maker eine Belohnung aus, zum Beispiel ein persönliches Exemplar des Prototyps. Als Trostpflaster liefert eine E-Mail ein gutes Gewissen frei Haus. Für mein Feedback zahlt mir betatestr „100 Punkte auf dein Karma-Konto“ ein. Für andere Nutzer vielleicht wichtiger: Trendsetter können bei dieser Form des Crowdsourcings schon früh die Zukunft eines etwaigen Kultprodukts mitgestalten. Somit ist betatestr eine Art Spielwiese für Early Adopter.

betatestr E-Mail
Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt

Nicht kaufen, nur anfassen

Am wertvollsten für die Entwickler sind natürlich Eindrücke aus erster Hand. Daher können sie Testexemplare an „Prototype Spots“ ausstellen und Besucher diese leibhaftig ausprobieren lassen. Ihr Feedback geben die Nutzer in jedem Fall online ab. Wo die Vorab-Exemplare stehen, listet die Projektbeschreibung im Web auf.

Kaufen können die Probanden die Produkte in der Regel nicht, da es sich ja um noch nicht serienreife Modelle handelt. Eine Ausnahme ist beispielsweise Papa Türk, ein Molkenmischgetränk, das Mundgeruch nach ausgiebigem Konsum von Döner und anderen olfaktorisch intensiven Speisen neutralisieren soll. Während der Release-Party von betatestr im Coworking-Space K14 konnte ich neben Papa Türk zudem die originelle Aufbewahrungsschale Snug.Bowl in die Hand nehmen.

betatestr.de Webseite
Screenshot by Berti Kolbow-Lehradt
betatestr Release Party
Nichts geht über Feedback aus erster Hand. Auf der Release-Party von betatestr konnten Gäste eine app-gesteuerte Cocktailmaschine, ein Anti-Mundgeruch-Getränk und eine Design-Schale aus Pappe testen. Image by Kevin Münkel

Mein Feedback habe ich bereits eingetippt. Aber ich verrate es nicht. Generell veröffentlicht betatestr keine Rückmeldung, sondern macht sie nur den Entwicklern zugänglich. Das soll die Offenheit fördern.

Maker bezahlen für das Feedback zunächst einmal nichts. Im Blog von betatestr erhalten sie sogar kostenlose Tipps von Experten. Die Plattform-Betreiber setzen schließlich auf ein Freemium-Geschäftsmodell. Mittelfristig wollen sie anhand der Informationen, die sämtliche Tester hinterlassen, den Makern beispielsweise kostenpflichtige Markt- und Trendanalysen anbieten. Vorerst deckt das Start-up die Kosten durch Vermittlungsgebühren. Sie fallen an, wenn sich ein Maker entscheidet, seine Entwicklung an einer lokalen Teststation auszustellen.

Von Hannover in die weite Welt

Zunächst gibt es elf Prototype Spots bei Cafés, Einzelhändlern und auch Coworking-Spaces in Hannover. Auf sie fiel die Wahl, weil sie die Heimatstadt des betatestr-Teams ist. „Die Maker-Szene ist in Hannover sehr lebendig“, beantwortet betatestr-Sprecher Ubbo Störmer die unvermeidliche Frage, warum die Wahl für den Gründungsort nicht auf das hippe Berlin fiel. Weitere Prototype Spots plant das sechsköpfige Gründerteam um Geschäftsführerin Anna Gubanova außerdem in Osnabrück, Kiel, Hamburg und im niedersächsischen Oldenburg zu eröffnen.

Perspektivisch will betatestr aber international expandieren und nach Russland und China aufbrechen. Dort seien Maker noch viel eher als in Deutschland bereit, schon in der Produktentwicklung Einblick zu geben und von Interessierten wertvolles Feedback zu erhalten.


Images by Kevin Münkel

Screenshots by Berti Kolbow-Lehradt


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BotCamp 2016:?Der Weg zum ersten Chat-Bot für Festivals und Konferenzen

20160602 BotCamp 2016 01 Titelbild

Der erste BotCamp-Hackathon fand vom 28. bis 29. Mai 2016 im Ahoy! Berlin statt und wurde von kreait und Red Bull ausgerichtet. Ziel der Veranstaltung war es, sich mit Gesprächsalgorithmen auseinanderzusetzen und nach geeigneten Nutzungskonzepten zu suchen. Mein persönliches Ziel war es, mehr über die Vor- und Nachteile der schriftlichen und teil-automatisierten Interaktion mit Marken herauszufinden.

Build the conversation

Zusammen mit Denis Weber, Marvin Schramm, Andreas Böhm und Rouven Malecki habe ich mich innerhalb des 24-stündigen Hackathons dem Thema Events gewidmet. Wir sind alle große Musikfans und da war es schnell beschlossene Sache, dass wir uns an die Umsetzung eines Chat-Bots für Festivals und andere Großveranstaltungen machen wollten. Denn je mehr Menschen an einem Fleck zusammenkommen, desto leichter ist es, den Überblick zu verlieren ?—? und dabei können einem Bots super helfen.
Mit der Snapchat-Story kann man einen kleinen Eindruck vom Hackathon gewinnen:

Bevor wir mit dem Coden begonnen haben, mussten wir uns erst einmal darüber einig werden, welche Rolle so ein halb-intelligenter Begleiter auf einem Festival oder einer Konferenz einnehmen sollte. Als besonders großen Pain-Point haben wir empfunden, dass man sich für jede Veranstaltung eine eigene App herunterladen muss. Da wäre es doch viel einfacher, mit dem Organisator oder dem Veranstalter einfach eine Konversation im bestehenden Messenger am Laufen zu haben! Unser Bot sollte also die Identität des jeweiligen Events annehmen können. Um den Prototyp möglichst einfach zu halten und niemanden auf die Füße zu treten, überlassen wir den Teil mit der Persönlichkeit jedoch den späteren Markenvertretern. Wir waren viel mehr daran interessiert, den Funktionsumfang aufzuzeigen.
Und so sah das aus:

20160602 BotCamp 2016 02 Post-its
Funktionsübersicht für den Prototypen, Image by David Streit

Chat-Bots zeichnen sich durch eine dialogbasierte Nutzerführung aus. Unsere Frage lautete daher: Was könnte ein Nutzer vor, während und nach einem Event mit den Organisatoren absprechen wollen? Von Fragen über Problemmitteilungen waren erste Use-Cases schnell gefunden. Sollte eine Formulierung mal nicht einer eindeutigen Antwort aus den FAQs zugeordnet werden können, setzen wir auf menschlichen Support, der individuelle Anfragen bearbeitet und diese dann mit den richtigen Schlagworten neu in den Datenbestand einpflegt. So ließen sich mit der Zeit auch Nischenthemen automatisch beantworten. Daneben kann der Veranstalter natürlich auch Hinweise und Ankündigungen in die Konversation posten.

Als besonderes Highlight sollte der EventBot nicht nur mit mir sprechen können, sondern auch über die Personen Bescheid wissen, mit denen ich zusammen unterwegs bin. Dafür müssten alle Teilnehmer einer Gruppe zugewiesen werden, um sich untereinander austauschen und Informationen über die anderen abfragen zu können. Das wäre vergleichbar mit einem moderierten Themenkanal. Durch die Check-in-Funktion ist es möglich, abzufragen, wo sich meine Begleiter gerade aufhalten, weiterhin könnten Abstimmungen stattfinden, wann man das nächste Mal wieder gemeinsam eine Bühne besuchen möchte. Für den Veranstalter ergeben sich zahlreiche Vorteile, da er durch die geplanten und tatsächlichen Nutzerbewegungen auf dem Gelände sowohl die Bühnen-Auslastung als auch den Bedarf an Getränkewagen und Toiletten optimieren kann.

Zusammenhänge verstehen und Code entwickeln

Da ich kein Programmierer bin, habe ich das Coden den anderen überlassen und mich ganz um das Konzept, die Story und den Pitch gekümmert. Pro-Tipp für Designer und Nicht-Techies auf Hackathons: Helft, wo ihr könnt und lernt die ganzen technischen Zusammenhänge! Ich habe somit versucht, das große Ganze zu überblicken und die Funktionsweise der Plattformen zu verstehen, die wir im Code angesteuert haben. Der EventBot setzt etwa auf Smooch.io ?—? mit dem Dienst lassen sich diverse Messenger-Plattformen über ein einziges Interface bespielen (wie etwa Facebook Messenger, Telegram, WeChat etc.). Dieser wurde mit dem Textanalyse-Tool api.ai gekoppelt, welches unsere Logik mit einem Verständnis über die ausgelesenen Worte und deren Bedeutung verknüpfen konnte. Taucht beispielsweise der Name einer Band im Zusammenhang mit „I am at“ auf, gilt das als Check-in.
Als größte Herausforderungen sehen wir bisher die deutsche Spracherkennung. Während der Bot auf Englisch schon erstaunlich gut funktioniert, braucht es noch ein wenig Training in der Analyse deutscher Texte und Satzstrukturen.

Auswertung

Nach 24 Stunden Hacken dann die große Überraschung: Unser EventBot wurde von der Jury am Ende als beste Idee auszeichnet! Besonders gefielen die Fokussierung auf ein reales Problem, unser sozialer Ansatz (Freunde verbinden), die Vermarktungschancen als Whitelabel-Lösung für Organisatoren von Events jeder Größe sowie auch die gestalterische und technische Umsetzung. Yippieh! Im Event-Bereich kommt erschwerend hinzu, dass auf dem Gelände selbst oft “Verhältnisse wie in der Dritten Welt” herrschen (so ein Teilnehmer bezogen auf Infrastruktur und Netzverfügbarkeit) und man tausende Menschen dabei unterstützen muss, ihren individuellen Interessen nachzugehen. Ein Bot könnte diese Aufgabe erfüllen.

Meiner Meinung nach haben Chat-Bots spitzenmässige Aussichten, die Interaktion mit Marken zu revolutionieren. Und dabei rede ich nicht von eindimensionalen Kaufabsichten, wie uns Facebook zur f8-Konferenz gezeigt hat, sondern von realen Bedürfnissen: Ich möchte mich mit einem Problem vertrauensvoll an eine Marke wenden können, von der ich hoffe, dass sie mir zur Seite steht. Und so lange man mir hilft und sich die Konversation zweckgebunden entwickelt, ist es mir auch egal, dass ich mich mit einem Bot unterhalte. Hauptsache, ich erreiche bei Bedarf eben auch einen echten Support-Mitarbeiter (siehe Amazon Mayday). Die Kür wäre es nun, wenn es Firmen im Gespräch gelingt, einen positiven Eindruck von ihren Werten zu vermitteln und dem Bot etwas Identität zu verleihen. Dafür braucht es nicht zwangsläufig ein ausgefallenes Maskottchen. Aber als Company muss man sich doch erstmals die Frage stellen, wie man eigentlich „klingen“ möchte.


Images by David Streit


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