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  • GESICHTSERKENNUNG Netzpolitik: G20-Gipfel: Polizei durchsucht zehntausende Dateien mit Gesichtserkennungssoftware: Nach den heftigen Protesten und Ausschreitungen beim Gipfelprotest in Hamburg, wertet die Polizei derzeit massenhaft Bild- und Videodaten aus, um Kriminelle im Nachhinein identifizieren zu können. So soll eine Gesichterkennungssoftware das Material durchsuchen. Videodaten aus Verkehrsmitteln werden ebenfalls analysiert, diese wurden über ein Hinweisportal gesammelt und umfassen nach eigenen Angaben mittlerweile etwa 7.000 Dateien. Zudem werden auch Geo-Daten genutzt, um Bewegungsprofile von Verdächtigen zu erstellen. Zusätzlich wird auch wegen schweren Landfriedensbruchs und Hehlerei ermittelt.

  • E-AUTOS t3n: China macht Ernst mit der E-Auto-Quote: Das müssen Autobauer ab 2019 beachten: Vor einem Jahr hat die Ankündigung der Gesetzesvorlage für E-Autos in China in der Branche für Aufregung gesorgt – doch offizielle Regelungen gab es noch nicht. Die Lage hat sich am Donnerstag jedoch ein wenig entspannt: Das Pekinger Ministerium für Industrie- und Informationstechnologie hatte auf seiner Webseite angekündigt, dass die E-Auto-Quote erst 2019 in Kraft treten soll. Für chinesische Autohersteller, mit einer Produktion von mehr als 30.000 Autos pro Jahr, bedeutet dies somit eine Elektroquote von zehn Prozent. Für Hersteller mit reinen Elektroautos und sehr hoher Reichweite, ist die Quote jedoch deutlich niedriger.

  • WHATSAPP Chip: WhatsApp: Ein Symbol dürfen Sie bald nicht mehr benutzen: Die Einführung des Business Modells bei Whatsapp hält bald die erste Konsequenz für den Nutzer bereit: Firmen sollen durch die Implementierung des Businessbereichs nun mit ihren Kunden über die App kommunizieren können. Ein Verifizierungshaken soll dabei als eine Art Ausweis für die Unternehmen dienen, dieser wird auch bei Facebook, Twitter oder Instagram angewendet. Doch die Haken sollen künftig nur für Unternehmen vorbehalten ein: Die Dataminer von „WABetaInfo“ haben scheinbar entdeckt, dass gewöhnliche User den „normalen“ Haken in ihrem Usernamen bald nicht mehr verwendet werden dürfen – denn dieser soll dem Verifizierungshaken zu ähnlich sein.

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#G20-Proteste: Die Bilder erschrecken jeden – auch mich!

Hamburg, 7.7.17 X (adapted) (Image by Robert Anders) (CC BY 2.0) via flickr

Die Nachrichten zu den Ausschreitungen beim G20-Gipfel gehen gerade durch alle Medien, auch bei Twitter gab es hitzige Diskussionen. Auch die Netzpiloten-Zentrale befindet sich mitten im Hamburger Schanzenviertel. An dieser Stelle erzählt unsere Redaktionspraktikantin, wie sie die vergangenen Tage vor Ort und in den sozialen Netzwerken erlebt hat.


Zum ersten Mal seit einer Woche kann ich wieder mit offenem Fenster schlafen. Keine Helikopter-Rotoren oder laute Polizeisirenen sind mehr zu hören. Es ist wieder ein bisschen Normalität eingekehrt. Von Seiten der Politik wurde der G20-Gipfel in Hamburg vorher noch mit großen Worten angekündigt, als Fest der Demokratie. „Wir richten ja auch jährlich den Hafengeburtstag aus“, sagte Olaf Scholz, erster Bürgermeister der Hansestadt, fast schon euphorisch. „Es wird Leute geben, die sich am 9. Juli wundern werden, dass der Gipfel schon vorbei ist.“ Nun, wenn der nächste Hafengeburtstag so aussieht, möchte ich lieber nicht hingehen.

Die Erwartung, dass alles ruhig bleibt, wäre absolut naiv gewesen

Leere Kreuzung (Image by Melina Mork)
Leere Hamburger Kreuzung am Holstenwall

Die Stadt war in einem Ausnahmezustand, das war von vorn herein klar. Als Journalistik-Studentin hat bei mir hier allerdings die Neugier überwogen, wie eine politische Großveranstaltung in Hamburg ablaufen wird. Deswegen bin ich nicht, wie viele meiner Kommilitonen und Kollegen, in den Urlaub gefahren, sondern hier geblieben. Weit genug von der Sicherheitszone entfernt war ich mir sicher, dass der gewaltsame Teil des Gipfels an mir vorbeiziehen würde.

Das war wohl naiv. Die Einschränkungen begannen nicht am ersten Gipfeltag, sondern lange bevor überhaupt ein Staatsgast gelandet war. Busse und Bahnen fuhren nicht mehr, die Straßen gespenstisch leer, die Parkplätze nur belegt von Mannschaftswagen der Polizei. Anspannung lag über der Stadt wie die Ruhe vor dem Sturm.

Lieber Tanz Ich als G20 (Image by Sophia Herzog)
Farbrauchpatronen auf der Nachttanzdemo „Lieber Tanz‘ Ich als G20“ – Image by Sophia Herzog

Die ersten angemeldeten Demonstrationsaktionen beginnen schon am Dienstag und werden mit Wasserwerfern beendet. Ab hier fängt bei mir das Bauchgrummeln an. Am Mittwoch will ich mir selbst ein Bild von den Demonstrationen machen: Nachttanzdemo mit dem Motto „Lieber tanz‘ ich als G20 “. Es bleibt friedlich. Außer ein paar Farbrauchpatronen und Konfettikanonen wird nichts abgefeuert, und in mir steigt die Hoffnung, dass demonstrieren nicht sofort eskalieren muss.

Am Donnerstag hat unser Chef beschlossen, das Netzpiloten-Büro in der Schanze frühzeitig zu schließen, denn ab 16 Uhr gilt in Hamburg das Motto „Welcome to Hell“. Auch der militante „Schwarze Block“ hat sich angemeldet und bringt dem Wortwitz zur Demo vom Vortag entsprechend einen aufblasbaren schwarzen Block mit der Aufschrift „lieber militanz‘ ich als G20 “ mit.

Die Polizei schreitet frühzeitig ein und ab hier beginnt das Chaos, das von da an alle Medien überflutet. Die ersten brennenden Mülltonnen, Straßenschlachten mit Wasserwerfern, Eskalation. Wahrscheinlich hat so mancher schon damit gerechnet, aber die Bilder schocken trotzdem.

Panik in den Sozialen Medien

Am Freitagmorgen hatte ich das erste Mal Angst. Nachdem ich nur mit Ausweiskontrolle und strikten Anweisungen der Polizeibeamten zur Arbeit gehen konnte, tauchen weitere Bilder und Berichte auf. Diesmal brennen statt Mülltonnen Autos und Straßenbarrikaden, während vermummte Menschen ganz bewusst Scheiben von Geschäften einschlagen. Das hat nichts mehr mit politischem Protest zu tun.

Zu diesem Zeitpunkt mache ich Twitter für meine wachsende Angst verantwortlich. Die Videos und Bilder der Zerstörung verstärken den Eindruck, dass die ganze Stadt in Flammen steht und dass die Störer jede Minute auch bei mir vor der Tür stehen könnten. Dabei sehe ich auf meinem Fußweg nach Hause die Bewohner der Umgebung entspannt in den Cafés ihren Kaffee trinken und Kinder auf den Straßen spielen. Aber all das kann mir meine Angst nicht nehmen. Ich checke alle paar Sekunden die Sozialen Medien. Kaum zu Hause, mache ich den Livestream an und hoffe, dass nicht noch eine Schreckensmeldung auftaucht. Das politische Geschehen ist für mich ab diesem Zeitpunkt in den Hintergrund gerückt.

Am Abend sollten Freunde zu Besuch kommen, um Geburtstag zu feiern. Im Nachhinein scheint es auch eine naive Idee, da bis zur letzten Minute unklar war, ob es überhaupt alle durch die Polizeisperren schaffen. Selbst als alle angekommen sind, sind die neuesten Twitter- und Liveticker-Meldungen das vorherrschende Gesprächsthema. Es werden hitzige Diskussionen geführt, ob die Polizei richtig gehandelt hat. Die Scheinwerfer der Helikopter über der Schanze ziehen immer wieder unsere Aufmerksamkeit auf sich. Irgendwann bin ich froh, als mein Smartphone keinen Akku mehr hat und ich die Meldungen nicht mehr aktualisieren kann.

„Und, warum demonstrierst du?“

Einen Tag noch, denke ich mir, als ich Samstag wieder durch das Dröhnen der Helikopter aufwache. Ich meide Twitter, Facebook und die Nachrichten, damit ich Zeit habe, wach zu werden. Meine Freunde wollen auf die Großdemonstration gehen – „Grenzenlose Solidarität statt G20 “. Nach den Bildern der letzten Nacht war mir doch mulmig zumute. Aber von ein paar Randalierern sollte man sich das Recht auf demokratischen Protest nicht nehmen lassen.

Auf dem Weg zur Demo fragen mich zwei junge Besucher aus Münster, wo es zur Demo geht. Im Zweifelsfall immer dem Bass und den Menschenmengen nach. Wir gehen das letze Stück zur Demo gemeinsam. Irgendwann fragt mich einer der beiden: „Und, warum demonstrierst du?“ und bringt mich zum Nachdenken, was mich die letzten Tage beschäftigt hat.

Wahrscheinlich will ich mit meiner Anwesenheit ein Zeichen setzen, dass Protest auch friedlich geht. Der Großteil lässt sich von schlechten Nachrichten nicht unterkriegen. Mit mir zusammen waren offiziell insgesamt 76.000 Menschen unterwegs – die größte Demo in Hamburg seit den 80er Jahren. Die Moderatorin der Abschlusskundgebung feiert zu Recht das friedliche Gelingen des Protests: „76.000 Menschen, das ist 76.000 Mal Hoffnung.“ 76.000 Mal Hoffnung, dass der Gipfel nicht nur durch die Krawalle in Erinnerung bleibt.

Am 9. Juli wache ich zum ersten Mal ohne Helikopterdröhnen auf. Der Blick vom Balkon zeigt Leute, die ihrem ganz normalen Alltag nachgehen, als wäre nichts gewesen. Und ich spüre nichts als Erleichterung, dass der Gipfel endlich vorbei ist.


Header Image „Hamburg, 7.7.2017 X“ by Robert Anders (CC By 2.0)

Image „Lieber Tanz ich als G20“ by Sophia Herzog

Image by Melina Mork


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  • G20 golem: Hinweisportal der Polizei Hamburg hat rechtliche Probleme: Zur Nachbereitung der Proteste gegen den G20-Gipfel hat die Polizei Hamburg ein Hinweisportal für Bürger eingerichtet. Dort können Fotos und Videos hochgeladen werden, die Hinweise auf Straftäter der Protestnächte zu geben. Die zusätzlichen personenbezogenen Angaben unterliegen nach dem Telemediengesetz dem Datenschutz. Das Hinweisportal ist jedoch standardmäßig nicht verschlüsselt. Aus rechtlicher Sicht ergeben sich dadurch rechtliche Probleme. Die Vertraulichkeit der Datenübertragung im Klartext ist stark gefährdet. Ebenfalls kann bei einer unverschlüsselten Datenübertragung nicht sichergestellt werden, dass die Aufnahmen authentisch und unmanipuliert sind.

  • TASTATUR sueddeutsche: Das große ß sucht ein Zuhause: Vergangene Woche hat der Rat der deutschen Rechtschreibung beschlossen, dass ein großes ‘ß’ eingeführt warden soll. Nun wird eine Lösung für deutsche Tastaturen gesucht. Momentan kann man das große ß auf Windows-Rechnern mit der Tastenkombination Alt Gr, Shift und ß-Taste erreichen, wenn die Schriftart es schon eingeführt hat. Für Mac Nutzer oder Smartphone-User gibt es noch keine mögliche Tastenkombination. Eine mögliche Lösung bereitet das Deutsche Institut für Normen nun mit der DIN-Norm 2137 vor. Ein Vorschlag: Das große ß wird wie das €-Zeichen über einen Alt Gr-Befehl erreichbar sein.

  • SMARTPHONES curved: Forscher arbeiten an Smartphone-Steuerung durch Gesichtsgesten: Das Frauenhofer Institut für Graphische Datenverarbeitung arbeitet momentan an einer möglichen Smartphone-Steuerung durch Gesichtsgesten. Bei der Methode soll über einen speziellen Ohrstöpsel bestimmte Gesichtsgesten erkannt und erfasst werden, wie zum Beispiel Nicken, Lächeln oder Augenzwinkern. Gesteuert werden sollen zum beispiel die Wiedergabe von Musik oder das Annehmen eines Anrufs. Gleichzeitig können die EarFieldSensing –Ohrstöpsel auch Daten zum Tageszustand des Trägers liefern. Sie können Müdigkeit anzeigen und somit zum Beispiel Autofahrer vor Erschöpfung warnen.

  • KONSUM horizont: Junge Konsumenten kehren von Netflix und Co. zum TV zurück – aus Bequemlichkeit: Eine neue Studie der Hochschule Fresenius und des Marktforschungsinsituts YouGov hat herausgefunden, dass junge Konsumenten immer öfter zu traditionellem Fernsehen zurückkehren. Der Grund sei, dass viele Nutzer die Entscheidung, welchen Film oder Serie zu schauen auf Dauer zu anstrengend sei. Stattdessen lassen sie viele Nutzer lieber von linearem Fernsehen „berieseln“. Gleichzeitig sei die Bereitschaft für Musikstreaming-Dienste zu zahlen. Diese Zahlen zeigen, dass der Digitale Wandel sich nicht so schnell fortsetzt, wie es vielerseits erwartet wurde.

  • STREETVIEW googlewatchblog: Nach über 10 Jahren: Google Streetview kommt endlich nach Österreich: Es hat über zehn Jahre gedauert, dass Google StreetView nach Österreich kommt. Google hatte überraschend angekündigt Österreich nun doch in das Kartensystem aufzunehmen. Jedoch müssen neue Aufnahmen gemacht werden, da die bereits erstellten Karten mit einem Alter von 7 Jahren, nicht mehr dem neusten Stand entsprechen. Ab dem 19. Juli sollen die Fahrzeuge in den Österreichischen Großstädten beginnen. Einige Auflagen der Aufnahmen sind, dass jeder Nutzer Unkenntlichmachung von Fahrzeugen oder Wohnhäusern beantragen kann, keine Videoaufnahmen gemacht werden, sondern nur Bilder, die zu 360°-Panoramas zusammengesetzt werden und die Fahrzeuge offensichtlich als Google Fahrzeuge erkennbar sind.

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Warum Drohnen in Zukunft zur Gefahr werden könnten

Drone (Image by Harald_Landsrath[CC0Public Domain] via Pixabay)

Drohnen werden aufgrund ihrer tollen Luftaufnahmen immer beliebter. Sie bieten eine neue Perspektive,  mit der man hinter Zäune schauen und die Welt von oben betrachten kann. Zudem werden sie technisch immer ausgefeilter und durch die sinkenden Preise auch für durchschnittliche Verbraucher interessant. Außerdem werden sie für viele praktische Einsätze wie zur Paketzustellung oder zur Inspektion von Brücken genutzt. Doch neben den vielen positiven Aspekten muss man sich auch über ihre Gefahren bewusst sein. Sie werden nämlich auch häufig unsachgemäß genutzt oder sogar missbraucht, vor allem in der Nähe von Flughäfen kann ihre Verwendung sehr gefährlich werden.

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Christian Caballero findet die Kennezeichnungspflicht für Drohnen sinnvoll.(Image by Christian Caballero)

Christian Caballero ist Geschäftsführer der Caballero & Hesselbarth Consulting GmbH. Seine Leidenschaft sind Entrepreneurship und Innovationen im Bereich unbemannte Luftfahrt. Vor seinem Studium zum Sicherheitsmanagement war er Offizier bei der Bundeswehr. Dort erlangte er durch seine internationale Ausbildung Spezialwissen aus den verschiedensten Bereichen der Luftfahrt.

Caballero weiß, dass ein gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr schwerwiegende Folgen haben kann und sich dessen nur wenige Nutzer bewusst sind. „Ein Gefährdungspotential geht dennoch vom Gerät selbst und vom Nutzer aus. Betrachten wir es sachlich, können die Propeller eines ,Multikopters‘ verheerende Verletzungen hervorrufen.“, sagt er.

Auch deutsche Sicherheitsbehörden betrachten Drohnen mit Skepsis, da sie für terroristische Angriffe verwendet werden könnten. Laut einem Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) reichen denkbare Szenarien, die von Drohnen ausgeführt werden können, von Störungen von Veranstaltungen über Ausspähungen bis hin zu möglichen terroristischen Anschlägen, zu denen auch Großveranstaltungen gehören können. Das BKA verfügt bereits über eine Stelle, die den Markt für Drohnenabwehrsysteme beobachtet und Erkenntnisse über das Aufspüren und Abwehren der Länder und des Bundes bündelt.

Drohnen können ohne Probleme mit explosivem Material, giftigen Gasen oder nuklearen, chemischen und biologischen Stoffen ausgestattet werden. Es gab in Deutschland bisher zwar noch keine Terrorangriffe mit Drohnen, aber das BKA hält Großveranstaltungen jeglicher Art für ein wahrscheinliches Ziel. Auch Caballero geht davon aus, dass eine Drohne in Deutschland missbräuchlich für einen Anschlag genutzt werden kann. Jedoch lässt sich seiner Meinung nach die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen solchen Fall in Deutschland schwer ermitteln. Sie korreliere jedoch mit der stetig wachsenden terroristischen Bedrohung in unserem Land.

Um dem missbräuchlichen Gebrauch von Drohnen entgegenzuwirken, werden zurzeit viele Drohnen-Abwehrmaßnahmen getestet. Laut Caballero ist die Vision einiger Entwickler ein umfassendes  „Geofencing“ und diese trifft als virtueller Zaun die Sicherheitsbedürfnisse einiger außenstehender Parteien. „Weiterhin wird an einem neuen ,Air-Traffic-Management-System‘ gearbeitet, um den Luftverkehr auch in den unteren Höhen kontrollieren oder besser gesagt leiten zu können.“, erklärt Caballero.

Aufgrund der vielen Zwischenfälle mit Drohnen möchte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) die Nutzung nun strenger regeln. Deshalb müssen zukünftig alle Geräte ab 250 Gramm mit einem Kennzeichen ausgestattet werden, auf dem der Name und die Adresse des Eigentümers stehen. Dadurch sollen die Eigentümer bei Missbrauch oder Unfällen identifiziert werden können.

Christian Caballero findet diese Kennzeichnungspflicht sehr sinnvoll. Er fügt hinzu, dass auf dem Markt und unter den tragenden Verbänden dieser Branche große Einigkeit bestehe, dass es auch eine Ausbildung für die Nutzer geben soll. Seiner Meinung nach sollte es für die Integration in den zivilen Luftraum vor allem Aufklärungsarbeit und präventive Maßnahmen geben, sodass Nutzer eine Art Luftfahrtbewusstsein entwickeln und sich umfänglich mit den Regeln und Pflichten vertraut machen.

Eine andere Abwehrmaßnahme ist das Fangen von Drohnen mithilfe von Greifvögeln. In den Niederlanden wird dies bereits von dem Projekt „Guards from Above“ ausprobiert. Der Vorteil an der Maßnahme ist, dass die Drohne sofort außer Gefecht ist, sicher von dem Adler entfernt wird und nicht unkontrolliert vom Himmel stürzt.

Drone interception (Imagy via Guard From Above- Maarten van der Voorde)
Drone interception (Image via Guard From Above- Maarten van der Voorde)

Der tierische Instinkt von Greifvögeln ist einzigartig, sie können mühelos schnelle Beute überwältigen. „Die Greifvögel haben Schuppen auf ihren Krallen, die sie auf natürliche Weise vor den Bissen ihrer Opfer schützen. Es besteht also keine Gefahr beim Fangen von COTS Drohnen (Commercial off-the-shelf drones).“, erklärt Sjoerd Hoogendoorn, CEO und Gründer des Projekts. Für das Fangen von besonders großen und professionellen Drohnen sucht das Unternehmen bereits nach einer zusätzlichen Möglichkeit, die Vögel zu beschützen. Inzwischen wurden hunderte Drohnen während der Trainingseinheiten gefangen. Dabei wurde kein einziger Vogel verletzt – einige Drohnen aber durchaus.  

Die Vögel werden jeden Tag von Experten trainiert. Bis ein Vogel eine Drohne erfolgreich fängt, vergeht im Schnitt ein Jahr. Dies sei aber von Vogel zu Vogel unterschiedlich, so Hoogendoorn. Er führt aus, dass man die Vögel nicht dazu zwingen kann, Drohnen zu fangen. Wenn sie keinen Spaß daran hätten, würden sie es nicht machen. Wird eine Drohne erfolgreich gefangen, werden die Vögel mit Futter belohnt.

Ein Aspekt, der bei der zunehmenden Nutzung von Drohnen ebenfalls sehr wichtig ist, ist der Schutz der Privatsphäre. Fakt ist, dass diese Geräte den Benutzern Einblicke ermöglichen, die man sonst nicht so einfach bekommt. Daher scheint es schon fast eine logische Schlussfolgerung, dass es immer mehr Drohnen geben wird, so Caballero. Derzeit würden in Deutschland etwa 400.000 Drohnen genutzt und nach Angaben des Instituts für unbemannte Systeme (IuS) werden es bis 2020 vermutlich noch mal 2 Millionen sein.

Caballero ist überzeugt, dass diese Problematik auch Auswirkungen auf unsere Privatsphäre haben wird: „Die Nutzer müssen den Begriff ,Privatgrundstück‘ einfach nur respektieren und diese Bereiche meiden oder sich für dort eine Genehmigung erteilen lassen. Der grundsätzliche Überflug über ein Grundstück ist nicht verboten, jedoch kann dies schnell zu einer Irritation führen, da für den Nutzer nicht klar ist, was die Kamera gerade anschaut“. Denn schließlich, fasst Caballero zusammen, will sich niemand einer fremden Beobachtung ausgesetzt wissen. Neugierige sollten sich über die Geldstrafen für diese Handlungen bewusst sein. Man darf gespannt sein, wie sich die Haltung hierzu in Zukunft entwickelt.


Image „Drone“ by Harald_Landsrath (CC0 Public Domain)


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Die Kritik am BND-Gesetz ist mehr als begründet

Surveillance (adapted) (Image by Jonathan McIntosh [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Das neue BND-Gesetz ist in vieler Hinsicht gefährlich und fehlgeleitet. Es legalisiert flächendeckende, vollkommen ungezielte Überwachung und untergräbt das Trennungsgebot zwischen Polizei und Geheimdiensten. Vor allem aber unterminiert es die ohnehin schon defizitäre demokratische Kontrolle der Geheimdienste noch weiter – und das, nachdem die Skandale der letzten Jahre gezeigt haben, wie dringend die Dienste einer strengeren Aufsicht bedürften. Protest und Kritik gibt es reichlich, doch ignoriert die Regierung diese im Bestreben, ihren undemokratischen und gefährlichen Kurs fortzusetzen.

Ein Gesetzesentwurf voller Probleme

Schon im Juni wurde der aktuelle Gesetzesentwurf fertig gestellt. Von Anfang an wurde versucht, ihn als Versuch darzustellen, die parlamentarische Kontrolle des BND zu verbessern und diesen so demokratischer zu machen. Das eigentliche Dokument – schon bald vom Blog Netzpolitik veröffentlicht – gibt dies aber mitnichten her.

Das BND-Gesetz sieht vielmehr eine Menge höchst problematischer Änderungen vor, die den Agenten noch freiere Hand garantieren als es bislang der Fall ist. Möglichkeiten, angelehnt an die der US-amerikanischen NSA, soll die Behörde demnach eingeräumt bekommen.

Die wohl problematischste Klausel in einem Gesetz, das vor dummen und gefährlichen Ideen nur so strotzt: internationale Telekommunikationsnetze (namentlich das Internet) sollen zukünftig kurzerhand dem Ausland und somit dem Zuständigkeitsbereich des BND zugerechnet werden. Somit dürfte der BND in diesen Netzen den Datenverkehr nicht nur mitlesen, sondern auch bis zu sechs Monate lang speichern und gezielt durchsuchen. Ähnliche, bereits seit Jahren andauernde und höchst umstrittene Praktiken am Frankfurter Netzwerk-Knotenpunkt De-Cix würden durch das neue Gesetz legalisiert.

Skandale und Kompetenzüberschreitungen

Die letzten Jahre sollten auch denjenigen, die zuvor noch Vertrauen in unsere Geheimdienste hatten, deutlich gezeigt haben, dass dieses Vertrauen fehl am Platze ist. Spätestens die Snowden-Enthüllungen und der darauf folgenden Ermittlungsarbeit des NSA-Untersuchungsausschusses haben gezeigt, dass der BND häufig seine Kompetenzen überschreitet und dabei auch gegen die Interessen der deutschen Bevölkerung agiert. Auf Geheiß der NSA oder auf eigene Faust wurden zahlreiche unbescholtene Bürger überwacht und die Daten häufig an ausländische Behörden weitergegeben. Fehler und Kompetenzüberschreitungen wurden vertuscht, Kontrollmechanismen, so überhaupt vorhanden, umgangen.

All das zeichnet kaum das Bild einer vertrauenswürdigen Behörde, die mit einem Mehr an Zuständigkeiten – und damit zwangsläufig auch an Macht – verantwortungsbewusst umzugehen wüsste. Vielmehr wird überdeutlich, dass nur eine vermehrte demokratische Kontrolle weiteres Fehlerverhalten effektiv unterbinden könnte. Genau diese Kontrolle aber ist – allen Lippenbekenntnissen zum Trotz – im BND-Gesetz nicht vorgesehen.

Langfristig wäre zweifellos eine Abschaffung der Geheimdienste die beste und demokratischste Lösung. Solange dies aber nicht praktikabel ist, muss zumindest sichergestellt werden, dass diese Behörden nicht einfach nach eigenem Gutdünken handeln können. Ihr Aufgabenbereich muss eng beschränkt und ihr Handeln effektiv kontrolliert werden. Das wird im neuen Gesetzesentwurf fahrlässig versäumt. So laufen wir Gefahr, einen selbstherrlichen, undemokratischen Staat im Staate entstehen zu lassen, der unsere Menschenrechte verletzt und niemandem Rechenschaft schuldig ist.

Kritik und Protest: Wohl begründet, doch zu wenig gehört

Von Anfang an regten sich Proteste gegen den neuen Gesetzesentwurf. Diese nahmen rund um die parlamentarischen Verhandlungen deutlich zu. An der Organisation der Kundgebungen waren so namhafte NGOs wie Digitalcourage, Reporter ohne Grenzen und Amnesty International  beteiligt.

Der politische Prozess allerdings nahm diese teils sehr eloquenten und gut begründeten Proteste kaum zur Kenntnis. Stattdessen wurde – wie es in den letzten Jahren häufiger bei Überwachungsgesetzen geschehen ist – mit undemokratischer Hast versucht, das Gesetz möglichst schnell und ohne große Diskussionen zu verabschieden. Das ist ein Armuszeugnis und keineswegs dazu angetan, die Sorge über das BND-Gesetz zu verkleinern.

Stoppt das BND-Gesetz!

Beim BND-Gesetz handelt es sich zweifellos um eines der gefährlichsten Überwachungsgesetze der letzten Jahre. Die Kritik an diesem Machwerk ist wohl begründet und hätte mehr Beachtung verdient. Es sollte alles getan werden, um zu verhindern, dass der BND nach den Skandalen der letzten Jahre freie Hand bekommt. Die Erfahrung lehrt, dass er mit dieser Freiheit nicht verantwortlich umgehen wird – und das unsere Freiheiten dadurch massiv eingeschränkt werden. Das gilt es zu verhindern.


Image (adapted) „Surveillance“ by Jonathan McIntosh (CC BY-SA 2.0)


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  • DATENSCHUTZ netzpolitik: Bundesregierung befragt Bevölkerung: Die wünscht sich mehr Netzpolitik und eine Stärkung des Datenschutzes: Die Bundesregierung hat Bürger zur Digitalisierung befragt und eine Mehrheit wünscht sich mehr Engagement in der Netzpolititik. Eine große Mehrheit fordert sogar eine größere Stärkung des Datenschutzes. 1.003 Bürger wurden zum Thema Datensicherheit befragt und wollen eine verstärkte Sicherheit der eigenen Daten. Das Ergebnis zeigt eindeutig, dass da noch unbedingt noch etwas passieren muss.

  • POLIZEI golem: Berliner Polizei testet selbst entwickelte Prognosesoftware: Rote und gelbe Kästchen auf einer Stadtkarte am Computer sollen die Berliner Polizei künftig schneller auf die Spur von Serieneinbrechern bringen. Die Behörde setzt neuerdings auf eine selbst entwickelte Prognosesoftware, die Polizeipräsident Klaus Kandt und Innensenator Frank Henkel (CDU) am Mittwoch präsentierten. Ziel ist es, Einsatzkräfte schneller und gezielter an vermutlich gefährdete Orte zu schicken. Dort sollen sie entweder Täter abschrecken oder womöglich auf frischer Tat ertappen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) zeigte sich skeptisch.

  • APP faz: Jetzt wird appgedreht: Es blinkt, es piept und die Informationen schlagen nur so auf uns aus: Apps und ihre Benachrichtigungsfunktionen. Warum tun sie das? 77 Prozent aller Apps werden nach einer Studie von Quettra in den ersten drei Tagen nach ihrer Installation wieder gelöscht. Im ersten Monat sind es 90 Prozent. Um die Haltezeit auf dem Gerät zu verlängern, setzen App-Entwickler die piepsenden Push-Notifications ein. Die Rede ist von „ungewöhnlich hohen Interaktionsraten“ als „Trigger in mobilen Kontexten“

  • MARKT berufebilder: Veränderungsprozesse begleiten: Zum wirtschaftlichen Erfolg gehören immer zwei: Mensch plus Business. Und zwar in dieser Reihenfolge. Business funktioniert nur dann erfolgreich, wenn überzeugte Menschen hinter einer Idee stehen. Opponieren sie dagegen, wird mit größter Wahrscheinlichkeit der Erfolg ausbleiben. Gleiches gilt für Veränderungsprozesse. Dreh- und Angelpunkt ist auch hier die Schnittstelle zwischen Mensch und Business.

  • ZAHLEN heise: Zahlen, bitte! 47 – Fundamental zufällige Zahl für Trekkies: Was soll denn bitte an der Zahl 47 so besonders sein? Gut, sie ist immerhin die fünfzehnte Primzahl. Das macht sie mathematisch nicht gänzlich uninteressant. Aber trotzdem ist sie weit davon entfernt, besonders zu sein. Die 47 beantwortet auch nicht die Frage „nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. Die Antwort darauf ist immer noch 42. Trotzdem wird die 47 spätestens ab dem Jahr 2369 eine wichtige Rolle spielen – wenigstens im Star Trek-Universum.

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  • TELEGRAM gruenderszene: Sicherheitsdebakel bei Messenger-App Telegram: Die Messenger-App Telegram gilt als besonders sicher im Vergleich zu der Chat-App Whatsapp. Nun ist sie Opfer eines Hack-Angriffes geworden. Iranische Hacker haben die Accounts der Nutzer gehackt und 15 Millionen Nummern identifiziert, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Sie fingen SMS zur Verifikation eines neuen Accounts ab, sodass sie weitere Geräte für einzelne Profile autorisieren konnten. Dadurch konnten sie Chat-Archive und neue Nachrichten lesen.
  • TÜRKEI sueddeutsche: Türkische Reporterin hält GTA-Codes für geheime Putsch-Botschaften: Recep Tayyip Erdo?an und seine Anhänger haben den Schuldigen für den Putschversuch schon längst gefunden – Fethullah Gülen. Beweise gibt es nicht. Und auch die Nachrichtenagentur ATV, der öfter vorgeworfen wird Hand in Hand mit Erdo?an zu gehen, scheint diesem Beispiel zu folgen. Eine Reporterin ist nun die Hauptattraktion im Netz, weil sie in einer Live-Schaltung Codes auf einem Block für geheime Codes der Putschisten hält. In Wahrheit sind es Cheats aus dem Spiel GTA IV.
  • WALMART wsj: Wal-Mart in Talks to Buy Web Retailer Jet.com: Das Startup Jet.com ist erst seit einem Jahr auf dem Markt und hat bereits 500 Millionen Dollar einnehmen können. Kein Wunder, dass sich schon Interessenten bei den Gründer melden. Dazu gehört auch der Einzelhandelskonzern Walmart, der den Großteil des US-Marktes beherrscht. Der Konzern könnte in seinem Online-Auftritt etwas Hilfe gebrauchen. Jet.com wird auf einen Marktwert von 3 Milliarden Dollar geschätzt.
  • DATENSCHUTZ heise: Thüringen: Polizei zeichnet angeblich jahrelang Telefonate auf: Die Thüringer Polizei hat seit 1999 zehntausende Gespräche an Diensttelefonen ohne Wissen und Zustimmung der Gesprächsteilnehmer automatisch aufgezeichnet, berichtet der MDR Thüringen. Im Frühjahr dieses Jahres beschwerte sich ein Staatsanwalt über diese Vorgehensweise, sodass diese eingestellt wurde. Der Vorwurf richte sich gegen einen ehemaligen Befugten des Innenministeriums. Ebenfalls Gegenstand der Ermittlungen sei eine Dienstanweisung aus dem Jahr 1999.
  • FLIXBUS gruenderszene: Flixbus auf dem Weg zum Monopolisten: Flixbus hat das Fernbusgeschäft der Deutschen Post übernommen und hat somit einen Marktanteil von rund 87 Prozent. Der letzte verbleibende Wettbewerber, die Deutsche Bahn mit den Marken BerlinLinienBus und IC-Bus, schränkt sein Fernbusgeschäft ein. Damit ist Flixbus fast konkurrenzlos – und Monopole sind schlecht für die Kunden.
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Journalisten in der Social Media-Falle

Media Scrum (adpted) (Image by Olivia Chow [CC BY 2.0] via Flickr)

Die sozialen Medien haben während des Amoklaufs in München für viel Chaos und Verwirrung gesorgt. Und manche TV-Sender haben sich von wilden Spekulationen verführen lassen. Bereits beim Putschversuch in der Türkei am 15. Juli waren die sozialen Medien eine der wichtigsten Informationsquellen. Seien es die Livestreams der Redakteure aus dem CNN Türk-Gebäude oder die Übersetzung der Ereignisse durch Journalisten, die dem Türkischen mächtig sind: Social Media hatte an diesem Freitag große Vorteile – und das, obwohl die Freiheit der sozialen Netzwerke in der Türkei mehr als fragwürdig ist und Dienste wie Twitter, Facebook und YouTube während des Putsches blockiert wurden. Die Kritik an den klassischen Medien war auf den Social Media Plattformen groß, allen voran die TV-Sender gerieten ins Fadenkreuz. Man denke nur an Phoenix, die mit ihrer Ankündigung auf Twitter, erst ab 9 Uhr des nächsten Tages wieder über den Putsch berichten zu wollen, reichlich Spott ernteten.

Falsche Fotos und die ungeprüfte Veröffentlichung in den Medien

Am 22. Juli, am Tag des Amoklaufs im Münchner Olympia Einkaufszentrums (OEZ), waren die sozialen Netzwerke wiederum eine der schlechtesten Informationsquellen. Unbestätigte Gerüchte, bewusste Falschmeldungen oder das Verbreiten von Spekulationen waren wie bei vielen Anschlägen der Vergangenheit wieder an der Tagesordnung. Falsche Täter- und Tatortfotos kursierten im Netz – unter anderem ein Bild, das Opfer und Blutspuren im vermeintlichen OEZ zeigten. Schnell stellte sich heraus, dass dieses Foto von einem Überfall auf ein südafrikanisches Einkaufszentrum Anfang 2015 stammte. Wir haben uns als Social Media-Nutzer mittlerweile daran gewöhnt, dass solche Fakes in unübersichtlichen Nachrichtensituationen schnell die Runde machen. Problematisch werden solche Materialien erst, wenn sie von Journalisten und Medien ungeprüft übernommen werden. Sat.1 Bayern verbreitete zum Beispiel eben erwähntes Foto über den eigenen Twitter-Account, löschte den Tweet später wieder und entschuldigte sich. „Gewicht verschaffen solchen Videos erst die traditionellen Medien“, resümierte ZDF-Nachrichtensprecher Claus Kleber kurz nach dem Putschversuch in der Türkei in einem Gastbeitrag bei SZ online.

Falschmeldungen in den sozialen Medien

Die meisten Fernsehanstalten berichteten im Laufe des Freitagabends relativ besonnen – vor allem auch aufgrund erfahrener und ruhiger Moderatoren wie Claus Kleber im ZDF oder Peter Klöppel bei RTL. Doch in vielen Fällen ließen sich die Live-Berichterstatter des audiovisuellen Rundfunks von den über Twitter verbreiteten Gerüchten und Spekulationen treiben. Das eindringlichste Beispiel war jene Meldung über eine Schießerei am zentralen Münchner Karlsplatz (Stachus), die von den Sendern ungeprüft verbreitet wurde – und nur teils mit dem Hinweis auf den unbestätigten Status versehen wurde. Später stellte sich heraus, dass die Schießerei am Stachus eine Falschmeldung war. Das hätte nicht sein müssen, schließlich fanden sich auf Twitter auch Gegenstimmen von vor Ort, die keine Schüsse vernommen hatten. Doch in diesem Fall war die schnelle Meldung eines Gerüchts wichtiger als die Prüfung des Sachverhalts – und selbst nach dem Dementi der Polizei lief die angebliche Stachus-Schießerei immer noch über den ein oder anderen Ticker. Die Folge: der Twitter-Account der Polizei München wurde schnell zur vertrauenswürdigsten Quelle in den sozialen Medien – nicht umsonst haben sich die Followerzahlen im Laufe des Abends mehr als verdoppelt. Die Social Media-Verantwortlichen der Münchner Polizei waren darum bemüht, lediglich sichere Fakten zu posten, den Menschen Anweisungen für sicheres Bewegen in der Stadt zu geben und die Nutzer aufzufordern, Spekulationen zu unterlassen.

Die sozialen Netzwerke sind hier ein großes Problem derzeit“ musste der souveräne Pressesprecher der Münchner Polizei in der ersten improvisierten Pressekonferenz im Laufe des Abends bezüglich der Spekulationen auf Twitter und Co. feststellen. Nicht nur, dass sie die Bürgerinnen und Bürger zusätzlich in Panik versetzten; sie schufen Zusatzarbeit für die Polizei – Einsatzkräfte, die an anderer Stelle durchaus besser eingesetzt gewesen wären, aber natürlich jeglichen Hinweisen und Gerüchten zu neuen Schießereien nachgehen mussten. Der Pressesprecher bezog sich darüber hinaus auf die Veröffentlichung von Aufnahmen, die die Polizeikräfte bei ihrem Einsatz zeigten. In regelmäßigen Abständen musste die Polizei die Twitter-User dazu auffordern, das Posten solcher Fotos zu unterlassen. Doch auch diesbezüglich handelten die Fernsehsender im Laufe des Abends nicht immer besonnener als die Nutzer bei Twitter. Zu Beginn zeigte beispielsweise Das Erste noch Fotos von Polizisten direkt am OEZ, die User vor Ort auf dem Kurznachrichtendienst verbreiteten.

Die Aufgabe des Journalismus

An dieser Stelle muss man für die Journalisten des Abends auch Verständnis zeigen. In einer unübersichtlichen Lage einen kühlen Kopf bewahren, in Ruhe Fakten zu checken und die Menschen kompetent informieren – das ist eine Herkules-Aufgabe. Vor allem durch die Forderung seitens der Zuschauer nach einer schnellen Berichterstattung und den etlichen bereits vorhandenen Informationen in den sozialen Medien kommen die Medien unter Zugzwang – es ist eine Social Media-Falle, in die man als Journalist zu gerne tappt. Doch das darf keine Ausrede für das Verbreiten ungeprüfter Inhalte aus dem Netz sein. „Es ist niemandem geholfen, wenn die Öffentlich-Rechtlichen sich mit ihren traditionell ausgestrahlten Programmen auf ein Rattenrennen mit Social Media einlassen. Oder Netzfunde unreflektiert weitergeben“, so Claus Kleber in seinem Beitrag für die SZ. Journalisten sind seit dem Aufkommen des Internet und der sozialen Medien nicht mehr die Gatekeeper für Informationen. Vielmehr kommt ihnen in dieser Lage die Aufgabe zu, Behauptungen und Spekulationen, die über Twitter und Co. geteilt werden, in Ruhe zu prüfen und den Zuschauern dementsprechend gesicherte Fakten zu präsentieren. Ein Beispiel hierfür waren die Videos des Täters vor der McDonald’s-Filiale oder auf dem Parkdeck. Man konnte aufgrund bestimmter Umstände davon ausgehen, dass diese Aufnahmen authentisch sind – und dementsprechend gingen sie auch auf Sendung (ob man solche Videos überhaupt im Fernsehen zeigen sollte, ist eine andere Diskussion). Sichten, Bewerten und Prüfen, bei sicherer Informationslage veröffentlichen. Das war eigentlich schon immer die Aufgabe des Journalismus, doch in Zeiten der unmittelbaren Verfügbarkeit von Live-Informationen in Ausnahmesituationen darf dieses Handeln nicht aufgrund eines „Zuerst“-Mentalität verlorengehen. Nicht nur Journalisten können in diese Social Media-Falle tappen, sondern auch die User. Wir Nutzer müssen deutlich kritischer gegenüber Informationen aus den sozialen Netzwerken werden – und uns bewusst werden, dass jeglicher unbedachte (Re)Tweet in Krisensituationen seine eigene Wirkung entfalten kann.


Image (adapted) „Media Scrum“ by Olivia Chow (CC BY 2.0)


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Soeben gelandet – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • EU Heise: Polizeilicher Datenaustausch in der EU bereits in der Vorbereitungsphase: Nach den Anschlägen von Brüssel wurden Forderungen laut, dass der Austausch von Daten der Ermittlungsbehörden in Europa unbedingt verbessert werden muss. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizière möchte die Datenbanken der Polizei miteinander verknüpfen. Aber die Idee dahinter ist nicht neu. Pilotprojekte laufen schon seit längerem.
  • AUTO WIRED: So sieht der chinesische Tesla-Konkurrent aus: Nun könnte Tesla ein wenig Konkurrenz bekommen. Der chinesische Tech-Konzern LeEco hat überraschend ein autonomes Elektroauto enthüllt. Obwohl LeEco (bis vor Kurzem noch LeTV) eher für sein Film- und Serienstreaming-Dienst in China bekannt ist, stellte das Unternehmen am Mittwoch bei einer Produktpräsentation das neue Elektroauto vor.
  • NASA gulli: NASA sucht nach Habitat-Designs für eine Mars-Besiedlung: Die NASA möchte irgendwann Menschen zum Mars schicken. Doch dort sollte man auch überleben können, was aufgrund der lebensfeindlichen Umgebung nicht einfach wird. Daher sucht die NASA momentan nach Ideen, wie entsprechende Habitate aussehen könnten. US-Amerikaner haben bis zum 15. Juni Zeit zu überleben, wie Habitate aussehen könnten und können ihre Idee bei der NASA einreichen.
  • SMART HOME e-book-news: Alexa für das ganze Haus: erste Smartwatch mit Echo-Anbindung startet auf Indiegogo: Das komplette Smarthome wird nach und nach von Amazons Sprachsystem Alexa erobert. Darum wird dieser Dienst auch immer mehr zur Konkurrenz für andere Unternehmen. Nun kommt mit der CoWatch auch die erste Smartwatch auf den Markt. Durch die CoWatch macht es andere Echo Dots überflüssig. Sprachbefehle kann man damit rund um die Uhr erteilen.
  • APPLE t3n: Project Titan gescheitert? BMW und Mercedes wollen nicht mit Apple am iCar arbeiten: Apple muss sich auf die Suche nach neuen Partnern bei der Entwicklung seines iCar machen. Die deutschen Autohersteller BMW und Mercedes sollen dem Konzern jedenfalls eine Abfuhr erteilt haben, auch wegen Datenschutzbedenken.

Image chalabala / 123RF Lizenzfreie Bilder


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Phishing bei der Polizei: (IT-) Sicherheit und der menschliche Faktor

No phishing! (adapted) (Image by Widjaya Ivan [CC BY 2.0] via flickr)

Bei der Berliner Polizei ließen sich mehr Beamte als befürchtet von einer Phishing-Mail täuschen – glücklicherweise handelte es sich hierbei nur um einen Testlauf. Trotzdem ist der Vorfall besorgniserregend und ein Hinweis darauf, dass das Bewusstsein für Sicherheitsthemen dringend gestärkt werden muss.

Bei der Polizeibehörde von Berlin fand vor kurzem ein Test statt, der das Verhalten der Beamten beim Thema IT-Sicherheit testen und sie für entsprechende Bedrohungen sensibilisieren sollte. Dabei wurden insgesamt 466 Phishing-Mails verschickt. Die E-Mails griffen das Corporate Design der Behörde auf und forderten die Beamten auf, ihre dienstlichen und privaten Passwörter im sogenannten „sicheren Passwortspeicher der Polizei Berlin“ zu deponieren.

Das Ergebnis dieses Tests fiel ernüchternd aus. 252 Empfänger, also mehr als 50 Prozent, öffneten die E-Mail und den dazugehörigen Link – genug, um den Rechner im Rahmen eines sogenannten Drive-by-Downloads mit Schadsoftware zu infizieren. 35 Polizisten gingen sogar noch weiter und hinterlegten, wie in der E-Mail verlangt, persönliche Benutzerdaten und Passwörter.

Mehr Sicherheitsbewusstsein schaffen

Durch das Experiment soll das Sicherheitsbewusstsein der Beamten gestärkt werden. Wie dringend das nötig ist, zeigen die Reaktionen der Mitarbeiter. Ob bei Behörden oder in der freien Wirtschaft: jedes sinnvolle Sicherheitskonzept muss den menschlichen Faktor berücksichtigen. Gleichzeitig zeigt das Experiment auch, wie riskant es ist, staatlichen Behörden sensible Daten bedenkenlos anzuvertrauen.

Dabei geht es nicht um Schuldzuweisungen oder Lächerlichmachen der hier Betroffenen. Immerhin ist es löblich, dass das Problem erkannt und angegangen wird – und, wie das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft der Polizei Steve Feldmann ganz richtig erklärte: „Die Polizei ist nur ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.“ Das mäßige Abschneiden der Berliner Beamten beim Phishing-Test ist symptomatisch für ein Problem, das unsere gesamte Gesellschaft betrifft.

Angesichts wachsender Bedrohungen, wie beispielsweise durch staatliche Akteure oder zunehmend professioneller werdende IT-Kriminelle rückt das Thema IT-Sicherheit seit einigen Jahren verstärkt in den Fokus. Längst befassen sich nicht mehr nur Fachmedien und Experten damit. Bei vielen Diskussionen wird allerdings nach wie vor vor allem über technische Lösungen gesprochen. Diese sind zweifellos notwendig und wichtig – können aber immer nur ein Teil eines tragfähigen Sicherheitskonzepts sein.

Der menschliche Faktor: Noch immer unterschätzt

Oft genug wird der menschliche Faktor bei der Absicherung sensibler Systeme und Daten nicht ausreichend berücksichtigt. Denkweisen wie diese treten häufig auf, vornehmlich in der IT-Branche, denn hier wird immernoch eher in technischen Konzepten gedacht, statt die menschliche Erfahrung zu berücksichtigen. Dann hilft jedoch auch das beste technische Sicherheitssystem nicht, wenn Menschen dies – entweder aus Ungeduld, Bequemlichkeit oder schlichter Unwissenheit – umgehen. Nicht umsonst funktionieren einige Tricks des „Social Engineering“ seit mindestens 500 Jahren, und nicht umsonst gibt es aus fast jeder zeitlichen Epoche Anekdoten, wie vermeintlich unschlagbare Sicherheitssysteme durch schlichte menschliche Irrtümer oder psychische Manipulation zu Fall gebracht wurden.

In Zeiten der Informationsgesellschaft, in denen immer mehr Menschen regelmäßig mit sensiblen Daten hantieren und auf der anderen Seite eine erhebliche Bedrohung für diese Daten existiert, ist es daher wichtig, auch den menschlichen Faktor zu berücksichtigen. Glücklicherweise wird dem Thema „Security Awareness“ seit einigen Jahren zunehmend mehr Beachtung geschenkt. Bis diese allerdings der Bedeutung des Themas entspricht, muss noch einiges getan werden.

Den Anwender im Blick bei Training und Design

IT-Sicherheit ist schon lange nicht mehr nur für Fachleute interessant. Alle diejenigen, die den Computer und das Internet nutzen (vor allem diejenigen, die das auch beruflich tun), sollten zumindest ein Mindestmaß an Verständnis dafür haben, welche Gefahren das mit sich bringt und wie diese vermieden werden können. Das soll keineswegs in Hysterie und Panikmache ausarten und auch keine Aufforderung sein, auf eine Nutzung von IT zu verzichten.

Den Nutzern soll lediglich eine gewisse Grund-Vorsicht beigebracht werden – wie wir sie auch von klein auf im Straßenverkehr anwenden, ohne diesen als sonderlich bedrohlich wahrzunehmen. Und sie müssen lernen, Bedrohungen zu erkennen und sich sicherheitsbewusst zu verhalten. Firmen, die mit sensiblen Daten umgehen, sollten entsprechende Trainings für ihre Mitarbeiter abhalten.

Hilfe von den Machern ist gefragt

Auch privat kann man für mehr Datensicherheit und Awareness sorgen: Eine kleine Hilfestellung für nicht netzversierte Menschen, mit anschaulichen, gut verständlichen Beispielen und konkreten Verhaltenstipps kann jede Menge Ärger vorbeugen – und sorgt für mehr Bewusstsein bei der Datensparsamkeit.

Daneben sind aber auch die Software- und Webdesigner in der Pflicht. Sie sind gefragt, wenn es darum geht, Sicherheits-Features so zu gestalten, dass der Benutzer alle relevanten Informationen enthält, ohne von diesen genervt oder überfordert zu werden. In den letzten Jahren hat es in diesem Bereich erhebliche Fortschritte gegeben. Es besteht aber noch einiges Potential für Verbesserungen.

Der Phishing-Vorfall bei der Berliner Polizei ist jedoch nicht nur ein Hinweis darauf, dass wir mehr für das Sicherheitsbewusstsein der Bevölkerung tun müssen. Er zeigt auch, dass es falsch ist, blindes Vertrauen in die Behörden und ihren Umgang mit sensiblen Daten zu haben. Nicht, weil die Behörden in dieser Hinsicht besonders schlecht aufgestellt sind – sondern eher, weil sie genauso fehlbar sind wie viele andere Akteure. Viele Menschen akzeptieren Überwachungsmaßnahmen wie die Vorratsdatenspeicherung im Vertrauen auf den verantwortungsbewussten Umgang der Behörden mit den gespeicherten Daten und ihre scheinbar überzeugenden Sicherheitskonzepte.

Das allerdings kann ein Trugschluss sein. Zwar ist das Risiko eines Angriffs, bei dem gespeicherte Telekommunikationsdaten in falsche Hände fallen, nur eines von vielen Risiken bei exzessiver staatlicher Überwachung. Dennoch muss der Vorfall ernstgenommen werden. Man kann dem Problem nur mit Datensparsamkeit, also die Vermeidung unnötiger Datenspuren, sinnvoll begegnen – denn wo viele Daten gespeichert wird, gibt es allzu oft auch Fehler im Umgang mit diesen, seien sie nun menschlicher oder technischer Natur.


Image (adapted) „No phishing!“ by Widjaya Ivan (CC BY 2.0)


 

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5 Lesetipps für den 28. Oktober

In unseren Lesetipps geht es um Coworking, wie unsere Bildung sein müsste, Uber, ein Denkmal für die Wikipedia und Smart Guns bei der Polizei. Ergänzungen erwünscht.

  • COWORKING Deskmag: Neue Fraunhofer-Studie zur „Faszination Coworking“: Dass die meisten Coworking Spaces einfach irgendwie „cool“ sind, wissen inzwischen wohl die meisten, die je damit in Berührung gekommen sind. Doch – was genau ist es, was diese Faszination des Coworking ausmacht? Worauf sollten Coworking Spaces achten, um eine solche Anziehungskraft zu entfalten? Wie reagieren herkömmliche Unternehmen auf die Sogwirkung, die Coworking offenbar auslöst? Ist eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Coworking Spaces denkbar? Diese und eine Reihe weiterer Fragen wurden vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation untersucht und in einer aktuellen Studie veröffentlicht.

  • BILDUNG Ramen.io: Technology and the Humanities: Die Digitalisierung wirkt sich auch auf verschiedenste Art und Weise auf die Bildung aus. Doch die Antworten der Politik geraten gedanklich oft zu kurz: Ein Laptop für jedes Kind, Informatik als Pflichtfach, mehr Medienkompetenz in der Schule (zumindest für die Schüler, aber zu selten für die Lehrer). Auf Ramen.io kommentiert Blossom-Geschäftsführer Thomas Schranz diese vermeintlichen Lösungen und bietet auch interessante Alternativen an.

  • UBER Slate.com: Uber says its drivers make great money, but its math just doesn’t add up: Auf Slate.com setzt sich die Wirtschaftsjournalistin Alison Griswold mit der Mathematik hinter und vor allem in Uber auseinander. Kernfrage ist, wie viel eigentlich die Fahrer verdienen, denn Ubers Angaben scheinen doch mit über 90.000 US-Dollar im Jahr etwas hoch. Was an den Aussagen der mit 17 Milliarden US-Dollar bewerteten Firma dran ist, kann im sehr gut recherchierten und aufgebreiteten Artikel nachgelesen werden.

  • WIKIPEDIA CNET: A Wikipedia monument? It’s true (we’re pretty sure): In der polnischen Stadt S?ubice, direkt gegenüber von Frankfurt/Oder, steht nun das erste Denkmal für die Wikipedia, mit der die Initiatoren ein Zeichen für die Bedeutung von freiem Wissen setzen wollen. Eingeweiht wurde es bereits letzte Woche Mittwoch, weshalb ich mich gerade frage, wieso ich erst sechs Tage später auf der Website eines US-Mediums davon lese. Neben dem Ausflugstipp an unsere Leserschaft aus Berlin und Brandenburg, kann die Meldung auch als Warnung gesehen werden, seine Filter mal neu zu justieren.

  • ÜBERWACHUNG Golem.de: US-Polizei testet Onlineüberwachung von Dienstwaffen: Auf Golem.de schreibt Nico Ernst über einen Test in zwei US-amerikanischen Polizeidienststellen: die Dienstwaffen von Polizisten werden um ein kleines Griffstück ergänzt, dass durch Sensoren u.a. das Ziehen und Abfeuern der Pistole in Echtzeit erfassen und an die Behörde funken. Was eine rechtliche Entlastung der Polizei bringen soll, stellt aber ebenso eine Form der Onlineüberwachung von für die Polizei arbeitenden Individuen dar. Es ist zum Glück unwahrscheinlich, dass es etwas ähnliches in Europa geben wird.

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5 Lesetipps für den 23. Juni

In den Lesetipps geht es um Geld verdienen im Journalismus, das Leistungsschutzrecht, Google und Macht, White Space und Social Media-Fahndungen der Polizei. Ergänzungen erwünscht.

  • JOURNALISMUS Journalist: Srechen wir übers Geschäft: Wie freie Journalisten über die Runden kommen, beschäftigt auch die Medienwissenschaft. Zwei Studentinnen der Hochschule Darmstadt haben für ihre Bachelorarbeit acht von ihnen interviewt – und sind auf ganz unterschiedliche Geschäftsmodelle gestoßen. journalist ONLINE dokumentiert die Interviewsammlung.
  • LEISTUNGSSCHUTZRECHT Lummaland: Die Sache mit der vermeintlichen Umverteilung für Verlage und Springers Rolle: Der Netzpiloten-Kolumnist Nico Lumma kommentiert auf seinem Blog lesenswert die aktuellsten Entwicklung des Leistungsschutzrecht für Presseverlage, das letztes Jahr unter Protest von CDU/CSU und FDP beschlossen und dann mithilfe der SPD im Bundesrat durchgebracht wurde.
  • LIBERALISMUS FAZ: Eigentum ist Macht: In der FAZ am Sonntag veröffentlicht Chefredakteur Rainer Hank seine Dankesrede von der Verleihung der Haye-Medaille an ihn, in der er über Eigentum und Macht im klassischen Liberalismus diskutiert und vor diesem Hintergrund die Machtkonzentrationen von US-Internetunternehmen einordnet. Seine These über Google, Amazon & Co.: Private wirtschaftliche Macht wird es nie schaffen, sich zur reinen Willkür emporzuschwingen.
  • WHITE SPACE TechRepublic: White Space, the next internet disruption: Auf TechRepublic stellt Lyndsey Gilpin die Technologie White Space vor, mit der Zugang zum Internet in Lücken zwischen den TV-Kanälen ermöglicht wird, da diese Lücken zur Datenübertragung genutzt werden können. Damit sollen vor allem noch unterversorgte Regionen ans Internet angeschlossen werden, aber die Veränderungen könnten weitreichender sein.
  • SOZIALE NETZWERKE Golem.de: Sächsische Polizei will per Facebook fahnden: Niedersachsen hat es vorgemacht und die sächsische Polizei wird voraussichtlich nun auch auf Facebook nach Verbrechern fahnden. Das sächsische Innen- und das Justizministerium sowie die Gewerkschaft der Polizei stehen Überlegungen dazu positiv gegenüber, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa ergab.

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5 Lesetipps für den 10. Juni

In unseren Lesetipps geht es um das Cyberabwehrzentrum, wie Metallica Geld verdient, Google+, #24hPolizei in Berlin und Metadaten auf Twitter. Ergänzungen erwünscht.

  • CYBERABWEHRZENTRUM Golem: Vernichtendes Urteil zum Cyberabwehrzentrum: Das vor drei Jahren gegründete Cyberabwehrzentrum des Bundes sei in seiner jetzigen Konzeption nicht gerechtfertigt: Zu dem Urteil kommt der Bundesrechnungshof in einem vertraulichen Bericht, den Jörg Thoma auf Golem.de vorstellt.
  • MUSIKINDUSTRIE Die Welt: Metallica bietet mehr Cash Metal als Thrash Metal: Musiker verdienen ihr Geld heutzutage vor allem mit Auftritten. Ein Metallica-Konzert zeigt, dass daraus nervige Werbeveranstaltungen geworden sind. Mit Musikern als Verkäufern ihrer Marke, wie Steffen Fründt kritisch auf Welt.de anmerkt.
  • GOOGLE+ ZDNet: Thanks for nothing, jerkface: Einen Monat nach der Entlassung von Vic Gundotra, Erfinder von Google+, hat sich Sergey Brin auf einer Konferenz sehr kritisch über die Entwicklung des sozialen Netzwerks geäußert. Das hat Violet Blue dann doch sehr auf die Palme gebracht und zu einem lesenswerten Rant auf ZDNet veranlasst.
  • #24hPOLIZEI Zeit Online: 24 Stunden Berlin auf Twitter: Am Samstag gab die Berliner Polizei einen Tag und eine Nacht lang Einblick in den Alltag der Beamten. Durch Tweets über die Einsätze soll das Bild der Polizei verbessert werden und Nachwuchs geworben werden. Zeit Online hat das Experiment in einem Storify zusammengefasst.
  • METADATEN WSJ: In a Single Tweet, as Many Pieces of Metadata as There Are Characters: Richtig gute Twitter-Nutzer, den Autor dieser Zeilen eingeschlossen, können in 140 Zeichen jede Menge Informationen packen und trotz der begrenzten Zeichenanzahl via Twitter kommunizieren. Doch die Tweets sagen viel mehr aus, als uns klar ist. Das Startup Elasticsearch hat ermittelt, dass ein Tweet bis zu 150 einzelne Metadaten besitzt.

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5 Lesetipps für den 4. Juni

In den Lesetipps geht es um Olaf Scholz über Google, Politico kommt nach Brüssel, Verbraucherschutz, die Polizei auf Twitter und Social Media im Journalismus. Ergänzungen erwünscht.

  • GOOGLE NDR.de: „Google muss sich seiner Verantwortung stellen“: Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat davor gewarnt, in der Auseinandersetzung um die Macht von Google das Kind mit dem Bade auszuschütten und die Diskussion auf ein einziges Unternehmen zu verengen. Vernünftige Worte, die man zuletzt von Politikern selten gehört hat. Die von der FAZ gestartete Kampagne gegen/über Google zeigte schnell Wirkung. Scholz plädiert für angemessene rechtliche Mittel anstatt Regulierung.
  • POLITICO BuzzFeed: Politico’s Next Stop Is Brussels, Sources Say: Es ist wohl noch nicht spruchreif, aber Politico plant wohl nach Washington auch aus Brüssel zu berichten. Die Website hat die Berichterstattung in den USA neu geprägt und könnte auch, was deutsche Medien ja bisher vermeiden, mehr über europäische Politik berichten und den Fokus stärker auf Brüssel richten. Das bisher in Washington praktizierte Geschäftsmodell scheint perfekt nach Brüssel zu passen.
  • VERBRAUCHERSCHUTZ iRights.info: „Wir müssen bei jeder Regelung mit bedenken, ob sie auch im digitalen Raum passt“: Mit der großen Koalition ist das Thema Verbraucherschutz in das Justizministerium von Heiko Maas gewandert. Die Staatssekretäre Gerd Billen und Ulrich Kelber sprechen im iRights.info-Interview über die Vorhaben im Ministerium, darunter Regelungen zum Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft sowie bei Datenschutz und Datensicherheit.
  • POLIZEI Zeit Online: Berlin verlegt den Polizeifunk zu Twitter: Am Wochenende twittert die Berliner Polizei alle Einsätze in Echtzeit, es ist das erste Experiment dieser Art in Deutschland. Die neue Transparenz könnte Schule machen, wie Jörn Hasselmann auf Zeit Online schreibt. Die Tweets stoßen auf breites Interesse und gerade in politisch heiklen Situationen scheint die Transparenz-Offensive zu funktionieren.
  • JOURNALISMUS AJR.org: Social Media Isn’t Optional, It’s Mandatory: Zehn Jahre nach der Gründung von Facebook muss es in den Redaktionen immer noch diese Ansage geben: Social Media ist keine Option, sondern Pflicht. Im American Journalism Review schreibt Mary Clare Fischer über die Rolle von Social Media in US-Medien, sowie welche Probleme und Strategien sie haben.

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5 Lesetipps für den 27. Januar

In unseren Lesetipps geht es heute um Google kauft DeepMindes, vorbildlicher Verbraucherschutz in Südkorea, Überwachung durch die Polizei, die Rundfunkgebühr und den Umgang der ARD mit dem Edward Snowden-Interview. Ergänzungen erwünscht.

  • KÜNSTLICHE INTELLIGENZ Futurezone.at: Google kauft Künstliche-Intelligenz-Spezialist DeepMind: Gestern gab Google den Kauf des Unternehmens DeepMind Technologies bekannt, die als Spezialisten für künstliche Intelligenz gelten. DeepMinds hat lernende Algorithmen produziert, die jetzt zum Beispiel in Googles Roboterautos eingesetzt werden könnten.
  • VERBRAUCHERSCHUTZ Ars Technica: South Korea bans unremovable mobile bloatware: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. In Südkorea hat das Ministerium für Wissenschaft, Informationstechnologie und Zukunftsplanung eine Verordnung erlassen, dass von Telekommunikationsanbietern und Geräteherstellern vorinstallierte Apps wieder deinstallierbar sein müssen. Smartphones- und Tablet-Nutzer haben somit auch ohne technisches Tricks die Möglichkeit, selber zu bestimmen, welche Apps auf ihren Geräten installiert sein dürfen.
  • ÜBERWACHUNG CNET News: Police want to use your home security cameras for surveillance: Das es technisch möglich ist alles zu überwachen, ist langsam absolute Gewissheit, doch bisher hoffte man, dass nicht alles getan wird, was machbar ist. Diese Hoffnung nimmt von Tag zu Tag ab, der Überwachungsstaat wird so aber Realität In Kalifornien gibt es jetzt den ungenierten Vorschlag, dass die Polizei Zugriff auf Sicherheitskameras im eigenen Haus bekommen kann. Chris Matyszczyk schreibt auf CNET über diese Gänsehaut verursachende Idee von vermeintlich mehr Sicherheit.
  • RUNDFUNKGEBÜHR Carta: Die crossmediale Rundfunkgebühr: Eigentlich ist der neue Rechercheverbund aus NDR, WDR und SZ eine tolle Sache. Konzentration der Kräfte und so. Wolfgang MIchal fragt sich auf Carta, ob da nicht aber eine unzulässige Vermischung von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und privater Presse stattfindet. Wenn Geld und Infrastruktur für teuren Journalismus künftig aus den öffentlich-rechtlichen Anstalten kommt, verwandelt sich nämlich die Rundfunkgebühr langsam zu einer Kulturflatrate.
  • EDWARD SNOWDEN tobiasgillen.de: Edward Snowden, der verschwiegene NDR und die verschenkte Chance: Bereits am Samstag Nachmittag publiziert der Norddeutsche Rundfunk ein FAQ zur “Ausstrahlung des Snowden-Interviews” am Sonntagabend um 23 Uhr in der ARD. Tobias Gillen und Ekkehard Kern haben sich die Antworten genauer angesehen und festgestellt, wie schwer es der ARD offenbar fällt, selbst mit einem journalistischen Coup angemessen umzugehen.

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Mobile Governance: Behörden und Social Media – es ist kompliziert

the Office (adapted) (Image by quinn.anya [CC BY SA 2.0], via flickr)

Der Branchenverband Bitkom veröffentlichte vor über zwei Jahren eine Studie, wonach schon damals 74 Prozent der Internetnutzer in mindestens einem sozialen Netzwerk angemeldet waren. Bei den 14- bis 29-Jährigen waren es 92 Prozent. Der Anteil der Nutzer dürfte sich seit Herbst 2011 noch weiter vergrößert haben. Damals waren bereits zwei Drittel aller angemeldeten User in den Online-Netzwerken aktiv. Für Unternehmen, Behörden und Verwaltungen eine einmalige Chance, sich Gehör zu verschaffen. Doch der Einsatz beinhaltet auch einige Fallstricke, die zu beachten sind.

Nach der erfolgreichen Facebook-Fahndung der niedersächsischen Polizei soll diese nach Ansicht des Hamburger Innensenators Michael Neumann in ganz Deutschland Einzug halten. Es ist einfach, den Bürgern Kontaktmöglichkeiten über soziale Netzwerke zu eröffnen. Doch der Betrieb von Twitter & Facebook gestaltet sich sehr zeitaufwändig und ist nicht frei von Gefahren.

Demnächst Facebook-Fahndung bundesweit?

Die Polizei von Niedersachsen zog diesen Monat eine erste positive Bilanz aus der Arbeit mit dem sozialen Netzwerk Facebook. Vor allem das jüngere Publikum könne man dort seit 2012 mit Erfolg erreichen. Leider wurde nicht bekannt gegeben, wie viele Kriminalfälle somit tatsächlich aufgeklärt wurden. Allerdings seien dadurch sehr viel mehr Hinweise als zuvor eingegangen. Neben Fotos von Überwachungskameras werden auf der Facebook-Seite vom LKA Niedersachsen Vermisstenanzeigen, Phantombilder und sonstige Aufrufe zur Abgabe von sachdienlichen Hinweisen veröffentlicht. Um den Bedenken der zuständigen Datenschutzbeauftragten des Landes oder Bundes zuvorzukommen, wurden alle privaten Daten und zahlreiche Fotos auf die Webseite des LKA verlegt. War die Fahndung erfolgreich, wird dies mit einem entsprechenden Bild hinterlegt. Bei beinahe 19.000 Fans und vielen von den Bürgern geteilten Beiträgen erhalten die Aufrufe so die erwünschte Aufmerksamkeit.

Sei dort, wo das Feuer brennt!

Die Macher sind dort präsent, wo sich die Massen tummeln. Und sie nutzen Facebook in vollem Umfang. Die Mitarbeiter reagieren auf Kommentare. Sie posten Tags, Korrekturen, Updates oder beispielsweise Tipps zum sicheren Umgang mit dem Internet. Dabei gab es in Deutschland vor zwei Jahren eine völlig gegensätzliche Entwicklung. Zahlreiche Seiten von Städten, Gemeinden und Behörden hatten sich nach der massiven Kritik von Datenschützern aus Facebook zurückgezogen. Die auf den eigenen Webseiten eingebundenen „Gefällt-mir“-Buttons übertragen zahlreiche Nutzerinformationen, was Behörden verboten ist. Was die deutschen Besucher einer Gemeinde-Webseite tun, geht ein US-Unternehmen nichts an. Die Administratoren haben die Übertragung der Daten ins Ausland entweder unterbunden oder die Seiten schlichtweg geschlossen. Auch die Einhaltung des Datenschutzes sorgte dafür, dass Mark Zuckerbergs Datenstaubsauger noch nicht flächendeckend zum Einsatz kommt. Viele Gemeinden und Städte haben bisher lieber auf einen Internetauftritt bei Facebook verzichtet.

Ein Dialog ist keine Einbahnstraße

Wer diese Anlaufstellen im Web nutzt, muss sich sehr gut mit den Stärken und Schwächen auskennen. Einen Nachteil bekommen die Behörden nach dem Aufbau des eigenen Accounts schnell zu spüren. Ein Auftritt in einem sozialen Netzwerk ist stets mit viel Aufwand verbunden. Manche Nutzer missbrauchen den Kommentarbereich gerne für eigene Zwecke. Wer keine Horde Internettrolle anlocken will, die die Persönlichkeitsrechte Dritter verletzen, muss bei Facebook alle Kommentare zeitnah moderieren. Hören die Rufschädigungen und verbalen Ausrutscher nicht auf, bleibt dem Moderator nur übrig, dem Nutzer seine Berechtigung zu entziehen. Das kostet Zeit und Nerven. Den Gemeinden kostet es vor allem Geld, weil kein Mitarbeiter das mal eben neben anderen Aufgaben erledigen kann. Das liegt auch daran, weil Bürgeranfragen schnell beantwortet werden müssen. Im Gegensatz zu einer Website ist die Teilnahme an einem sozialen Netzwerk keine Einbahnstraße. Die User fordern einen ständigen Dialog, am liebsten 24 Stunden am Tag.

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) verzichten bei jährlich fast einer Milliarde Fahrgäste lieber auf die Nutzung sozialer Netzwerke. Eine Sprecherin sagte dem Tagesspiegel, die BVG könne es sich schlichtweg personell nicht leisten, auf jeden Tweet zu reagieren. Ausfälle werden unter Umgehung sozialer Netzwerke per App, E-Mail, SMS und auf der eigenen Website angekündigt.

Doch es gibt auch Ausnahmen. Beispielsweise dem offiziellen DB Account der Berliner S-Bahn ergeht es besser. Wenn per Twitter lediglich Signalstörungen, Verspätungen, Ausfälle oder Baustellen angekündigt werden, ist es mit der Interaktion nicht weit her. Auch die Statusmeldungen der Berliner Feuerwehr erfordern weniger Dialoge.

Verfassungsschutz und Gewaltprävention per Twitter

Die im Web gestreuten Informationen werden aber auch gezielt zur Überwachung genutzt. Manche Polizeibehörden beobachten gezielt die Twitter-Accounts von extremen Aktivisten. Nicht selten führen diese per Twitter die Organisation von Aktivitäten durch. Auch könne man bei Fußballspielen, Demonstrationen oder Hausbesetzungen durch klare Ansagen einiges an Luft rauslassen. Auf inhaltliche Diskussionen mit Mitgliedern der linken oder rechten Szene will man sich hingegen nicht einlassen, verkündete ein Sprecher der Berliner Polizei.

Fazit

Die Nutzung der modernen Netzwerke ist für Behörden mit einer Gratwanderung verbunden. Die Bürger erwarten Informationen, die schnell und verständlich formuliert werden. Auch ist es wichtig, private von beruflichen Belangen klar zu trennen. Davon weiß auch Torsten Fetzner, der Bürgermeister von Weinheim zu erzählen, der die schnelle Informationsbeschaffung und direkte Kommunikation im Web hervorhebt. Seine Tochter lese wie viele andere jüngere Menschen keine Zeitung, weswegen er sich für Facebook entschieden habe. Fetzner müsse sich aber häufiger bremsen, damit schnell verfasste Antworten nicht zweideutig klingen. Wer eine offizielle Position bekleidet, darf grundsätzlich nichts Privates von sich veröffentlichen. Da kann schon ein unglücklich aufgenommenes Bild von der letzten Geburtstagsfeier eines Freundes zu viel sein.

Dennoch ist das Internet auch für Behörden unentbehrlich. Eine Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern ist immer wertvoll und wichtig. Lieber findet sie trotz aller Einschränkungen und Vorsichtsmaßnahmen dort als gar nicht statt. Weitere ausführliche Informationen dazu sind hier verfügbar.


Image (adapted) “The office“ by quinn.anya (CC BY-SA 2.0)


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Die Mediathekenumschau vom 30. Juni

Es ist so eine Sache mit den Mediatheken: Für viele Digital Natives sind sie schon Fernsehersatz – alles ist überall abrufbar. Doch nur auf Zeit: Gerade die öffentlich-rechtlichen Programme sind oft nach einer Woche wieder offline. Verlängertes Fernsehen statt digitales Archiv. Bevor sie verschwinden, fischen wir die besten Perlen aus der TV-Flut.

Vergessene Filmschätze

arte +++ Sendung vom 29. Juni: Eine Fundgrube! Regelmäßig sammelt arte historische Filmaufnahmen zusammen und stellt diese in einen oft auch für Auskenner überraschenden Kontext. In der aktuellen Ausgabe zeigt die Reihe Aufnahmen der allierten Siegesfeiern nach dem Ersten Weltkrieg. Seltsam gestellt wirken diese Bilder, dabei gab es doch wirklich einen Grund zu feiern… Im Fernsehen werden sich wohl wenige die Zeit für einen Trip in die Vergangenheit nehmen. In einer Mediathek schnell mal reinschauen, lohnt sich.

Wanted im Netz

3Sat +++ Kulturzeit +++ Sendung 28. Juni: NSA-Skandal, Lauschangriff und Tempora – Im Windschatten der großen Nachrichten segelt so manches deutsche Sicherheitsorgan unter dem Radar. Oder hätten sie gedacht, dass die Polizei inzwischen immer öfter ins Netz geht und gezielt, quasi auf du und du mit dem User, in sozialen Netzwerken auf Gangsterjagd geht. Über Sinn, Unsinn und Zukunft der digitalen Polizeiarbeit hat sich die Redaktion von Kulturzeit Gedanken gemacht.

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