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High-Tech in der Landwirtschaft: Wie wir den Krieg um das Wasser verhindern können

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Vergesst Öl oder Gas – wir sollten uns mit dem weitaus weniger diskutiertem Sachverhalt, dass die Welt eines Tages erhebliche Probleme mit Trinkwasser haben wird, auseinandersetzen. Ich habe diesen Artikel geschrieben, während ich in Kathmandu war. Nepals Hauptstadt leidet unter einer schwerwiegenden Wasserknappheit. Auch wenn alle Hausbesitzer eine Gebühr an die Regierung zahlen, um Wasser aus dem Hahn zu kriegen, werden die Haushalte lediglich einmal pro Woche für jeweils ein paar Stunden versorgt. Verzweifelte Anwohner sind daher darauf angewiesen, Wasser von privaten Anbietern zu erwerben. Während der Erwerb für wohlhabendere Menschen möglich ist, stellt dies für die untere und mittlere Schicht ein Problem dar. Für viele Menschen in den Entwicklungsländern ist Wasser gleichbedeutend mit dem Unterschied zwischen Reichtum und Armut.

Mehr als eine Milliarde Menschen weltweit hat keinen annehmbaren Zugang zu frischem Wasser. Die meisten der Krankheiten in Entwicklungsländern stehen in Verbindung mit verschmutztem Wasser,  das auch für die Millionen von Toten verantwortlich ist (es stirbt durchschnittlich alle 17 Sekunden ein Kind an den Folgen von Durchfall). Aus diesem Grund müssen wir schnell eine Lösung für die weltweite Wasserkrise finden, bevor die Wasserknappheit zu einer grundlegenden Ursache für internationale Konflikte wird.

Der größte Anteil unseres Wassers befindet sich in unseren Ozeanen. Lediglich drei Prozent ist Frischwasser und kann für die Landwirtschaft und als Trinkwasser benutzt werden; ohnehin ist der größte Anteil des Wassers in Form von Eis in Gletschern und den Polkappen vorhanden. Das bedeutet, dass nur rund 0,5 Prozent des gesamten Wassers auf der Erde zugänglich sind, und davon nur zwei Drittel im landwirtschaftlichen Bereich benutzt werden.

Wenn wir unseren Wasserverbrauch zurückschrauben möchten, müssen wir uns darauf konzentrieren, unsere Landwirtschaftsbetriebe  nachhaltiger und effizienter zu gestalten. Mit der stetig anwachsenden Population müssen wir immer mehr Erntegut auf immer weniger Agrarland produzieren.

Weltweit wird lediglich ein Drittel (37 Prozent) des Landes bebaut, das zur Kultivierung von Pflanzen genutzt werden könnte. Auch wenn potenzielles Ackerland zur Verfügung steht, fehlt oft die notwendige Infrastruktur, Waldbewuchs oder der notwendige Naturschutz. Zurzeit stellt der Mangel an Land noch kein sehr großes Problem dar – doch bei Wasser ist dies durchaus der Fall.

Über die traditionelle Landwirtschaft hinausgehen

Wie sollen Pflanzen mit weniger Wasser wachsen? Eine Option wäre es, einen nachhaltigen Weg zu finden, um das Salz aus unserem (im Grunde unendlich vorhandenen) Meerwasser herauszufiltern. Ein Hof in Australien verwendet Sonnenenergie, um Meerwasser zu gewinnen und es anschließend zu entsalzen, um daraus wiederum frisches Wasser zu gewinnen. Dieses kann anschließend dazu verwendet werden, um in großen Gewächshäusern Pflanzen zu kultivieren.

Solche Höfe liegen meist in Gegenden mit unfruchtbaren Böden und die Pflanzen werden mit Hilfe einer Hydrokultur gezüchtet, wofür keinen Ackerboden benötigt wird. Pflanzen auf diese Weise zu züchten, würde den Frischwasserverbrauch in heißen und trockenen Regionen über das ganze Jahr hinweg verringern; die Kosten zur Montage eines solchen Gewächshauses sind jedoch ein anderes Problem. Des Weiteren würde sich die Wasserknappheit signifikant verringern, wenn Bauern mit weniger Wasser die gleiche Ernte erzielen könnten. Das ist natürlich einfacher gesagt als getan. Für Regionen, die besonders anfällig für Dürreperioden sind, ist dies aber ein besonders wichtiges Thema.

Pflanzenforscher auf der ganzen Welt versuchen, Gene zu finden, die das Pflanzenwachstum unter wasserarmen, trockenen Bedingungen fördert. Wieso zum Beispiel ist es möglich, das Reis aus dem Hochland auf trockenem Boden gedeiht, während Reis, der auf dem flachen Land wächst, gut bewässerte Reisfelder benötigt?

Sind die Ursachen für Trockentoleranzen erst einmal herausgefunden, können die Pflanzen mit Hilfe der Erkenntnisse und der Gentechnik manipuliert werden (Und nein, dieser Prozess beinhaltet nicht das Spritzen von Giftstoffen, wie eine Google-Bildersuche andeuten mag).

Ein entscheidendes Gen identifizieren

Die Bauern haben trockenheitstolerante Pflanzen traditionell mit Hilfe des langsamen und sorgfältigen Prozesses der Selektion und Kreuzung über viele Generationen hinweg gezüchtet. Genmanipulation bleibt weiterhin eher eine Ausnahme. Eine aktuelle Studie identifiziert die unterschiedlichen Wurzelarchitektursysteme in verschiedenen Sorten von Kichererbsen. Von zukünftigen Studien erhofft man sich, dass die Gene identifiziert werden können, die Wasser und Nährstoffe effizient aus dem trockenem Boden holen können. Sobald ein genetischer Faktor identifiziert ist, können Wissenschaftler diesen direkt an die Pflanzen weitergeben, um die Wasserabsorption zu erhöhen.

Ein grundlegender Faktor für die Trockenheitstoleranz von Pflanzen ist das Pflanzenhormon Abscisinsäure (ABA), das die Wassereffizienz von Pflanzen während der Dürreperioden steigert. ABA verringert jedoch gleichzeitig die Effizienz der Photosynthese, was langfristig in einem verringerten Pflanzenwachstum resultiert und zu einer schlechteren Ernte führt.

Die Pflanzen durchlebten diesen Konflikt nicht immer: Moderne Pflanzen haben ein grundlegendes Gen verloren, das frühere Arten, wie beispielsweise Moos, vor der Austrocknung schützte. Vor 500 Millionen Jahren brachte dies die Pflanzen dazu, sich auf Böden mit frischem Wasser anzusiedeln. Moderne Wüstenmoose sammeln Wasser über ihre Blätter, was ihnen hilft, unter trockenen Bedingungen zu wachsen.

Das ist die große Herausforderung für Pflanzenforscher. Um Pflanzen zu entwickeln, die mit nur wenig Wasserzufuhr auskommen und letztendlich die Wasserknappheit eindämmen können, müssen Technologien entwickelt werden, die eine Toleranz gegen Trockenheit entwickeln, die viele  „höhere“ Pflanzen bereits verloren haben, aber von alten Arten wie Moos zwangsweise behalten wurde.

Genetische Manipulation bleibt ein kontroverses Thema, auch wenn umfassende wissenschaftliche Studien den Konsum von genetisch manipulierten Pflanzen, die frei zum Verkauf stehen, als sicher bezeichnen. Teilweise ist das auf einen Kommunikationsfehler zurückzuführen. Wir können sicher sagen, dass wir alle Techniken benutzen müssen, uns zur Verfügung stehen – und dass genetisch manipulierte Pflanzen zu viel Potential besitzen, um ignoriert zu werden.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Irrigation“ by feraugustodesign (CC0 Public Domain)


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Fünf Arten, wie Pflanzen neue Technologien geschaffen haben

blaetter-image-by-glady-via-pixabay

Spinat als Sprengstoffdetektor

Wissenschaftler haben sich eine neue Methode einfallen lassen, um Sprengstoff zu erkennen: sie verwenden Spinat. Die Pflanzen sind mit fluoreszierenden bionischen Nanoröhrchen imprägniert, die Infrarot-Licht ausstrahlen. In der Gegenwart von besonderen Chemikalien hört das Leuchten auf – was bedeutet, dass Sprengstoffe vorhanden sind. Die Veränderung in der Fluoreszenz kann sogar durch den Einsatz von modifizierten Handys erkannt werden.

Aber warum sollte man veränderten Spinat anstelle der Nanoröhrchen verwenden? Der Grund ist vor allem, dass Pflanzen eine große Menge Wasser durch ihre Wurzeln auf- und hoch zu den Blättern saugen, ohne viel Energie zu verbrauchen. Daher wird in diesem Fall der Spinat als ein automatisches Wasserkontrollsystem für die Nanoröhrchen, die Sprengstoffe erkennen, verwendet.

Diese beeindruckende Fähigkeit ist einer von vielen Gründen, warum Pflanzen oft nicht nur als Nahrungsmittel und Kleidung sondern auch als Teil komplexer Technologien verwendet werden. Hier sind ein paar weitere Möglichkeiten, wie wir die Pflanzenwelt nutzen können.

Dekontamination

Die Fähigkeit von Pflanzen Wasser zu verarbeiten kann auch für die sogenannte „Phytoremediation“ eingesetzt werden. Schadstoffe, die aus der Erde im Wasser gelöst und von den Pflanzen aufgenommen werden, zu den Blättern transportiert und sammeln sich dort an, weil das Wasser verdunstet. Die Pflanzen können anschließend geerntet und entfernt werden und nehmen so die Schadstoffe mit. Dies wird angewandt, um Böden von Arsen und Blei zu entgiften. Wertvolle Verunreinigungen, wie beispielsweise Kadmium und Nickel, können in einem Verfahren namens „Phytomining“ wiederaufbereitet werden.

In einer neuerlichen, überraschenden Wendung wurden bestimmte Pflanzen genetisch verändert, um ihre Fähigkeiten zu kombinieren, große Wassermengen mit Merkmalen von Bakterienarten zu verarbeiten, die die Sprengstoffarten TNT und RDX zersetzen. Dies bedeutet, wir können veränderte Pflanzen herstellen, die sowohl Sprengstoff erkennen als auch entschärfen können.

Sprengstoff

Aber Pflanzen werden nicht nur für friedliche Absichten verwendet. Im Jahr 1846 führte Christian Schönbein ein Experiment in seiner Küche durch – entgegen der ausdrücklichen Wünsche seiner Frau. Er verschüttete eine Mischung aus konzentrierten Säuren und schnappte sich die nächst gelegene Sache, die zur Hand war, um sie aufzuwischen und bemerkte erst später, dass er die Schürze seiner Frau verwendet hatte. Nachdem er sie in Eile gewaschen und über den Ofen zum Trocknen gehangen hatte, sah sie bemerkenswert gut aus. Die Krise wurde abgewendet – zumindest bis die Schürze explodierte.

Schönbein hatte unbeabsichtigt die Baumwolle der Schürze in Nitrocellulose, oder Schießwolle, umgewandelt, einen stärkeren Sprengstoff als TNT. Diese Cellulose, die die Grundlage der Schießwolle bildet, ist der strukturelle Hauptbestandteil von Pflanzen – und das biologisch am meisten vorkommende Molekül auf der Erde. Cellulose ist leicht zu gewinnen, Nitrocellulose ist stärker als Schießpulver und daher wurde Schießpulver von Schießwolle für viele Aufgaben im 19.Jahrhundert ersetzt.

In dem Roman „Von der Erde zum Mond“ befördert Jules Verne seine Entdecker in den Weltraum, indem er eine riesige Kanone benutzt, die mit Nitrocellulose abgefeuert wurde. In der Realität hätten sich die Raumfahrer von Verne durch die Beschleunigung in Püree verwandelt. Aber er lag nicht vollständig daneben, da heutzutage Nitrocellulose immer noch in den Treibmitteln von Feststoffraketen – besonders für militärische Anwendungsmöglichkeiten – verwendet wird, da es keinen Rauch erzeugt, der die Position der Abschussvorrichtung verraten würde, weil sie einfach verbrennt.

Kunststoffverband

Nitrocellulose und andere nitrierte Pflanzenpolysaccharide befanden sich auch unter den ersten „Kunstoffen“. Ihre Anwendungen schlossen den Film, der in frühen Kameras verwendet wurde, ein, der auf Nitrocellulose basierte und sich entzünden oder sogar explodieren konnte, wenn der Projektor zu heiß wurde. Diese instabilen Substanzen wurden weitgehend durch sicherere Kunststoffe ersetzt, aber eine Flüssigkeit, die gelöste Nitrocellulose enthält, wird immer noch in der Medizin verwendet. Es wird über die Schnitte gestrichen und versiegelt sie mit einem feinen Film aus Nitrocellulose.

Pflanzen produzieren zahlreiche Biopolymere und da wir nach umweltfreundlicheren und nachhaltigen Ersatz für Öl-basierende Kunststoffe suchen, ist es Zeit für diese natürlichen Alternativen, einen Ertrag zu bringen.

Vegetarisches Fleisch

Natürlich bilden Pflanzen die Grundlage der meisten Nahrungsmittel, aber Wissenschaftler haben jüngst einen Burger entworfen, der riecht, schmeckt und sogar wie Fleisch zubereitet wird – auch wenn er vollständig aus pflanzlichen Stoffen hergestellt wurde. Hierfür mussten verschiedene Herausforderungen gelöst werden. Zum Beispiel muss der neue Burger, um bei der Zubereitung möglichst rindfleischähnlich zu sein, pflanzliche Fette enthalten, die bei Raumtemperatur fest sind, aber schmelzen, sobald sie erhitzt werden. Das Fett, das in diesem Fall verwendet wurde, kam von Kokosnüssen.

Pflanzen bestehen nicht aus den Proteinen Hämoglobin und Myoglobin, die dem roten Fleisch seine Farbe und seinen Eisengehalt verleihen. Aber einige beinhalten eine sehr ähnliche Substanz mit dem Namen Leghomoglobin, die wie Hämoglobin und Myoglobin Sauerstoff absorbiert. Dies kommt von Pflanzenarten wie Erbsen und Bohnen, die Wurzelknötchen haben, die Bakterien beinhalten, die Nitrogen aus der Luft in Pflanzendünger umwandeln.

Sauerstoff greift dieses Nitrogen-Umwandlungssystem so aggressiv an, dass einige seiner Bestandteile 99 Prozent seiner Leistung in weniger als sechs Minuten verlieren können. Und daher wird Leghämoglobin verwendet, um es zu schützen, indem es Sauerstoff in die Knötchen aufsaugt. Die Knötchen, welche das Nitrogen festhalten, sind innen wortwörtlich blutrot, da Leghämolglobin die gleiche Farbe wie Hämoglobin besitzt.

Davon abgesehen wird Leghämoglobin verwendet, um den Pflanzenburger sein Aussehen zu verleihen. Der Eisengehalt wird nicht aus den Pflanzen gewonnen, da dies zu ineffizient wäre. Daher wird es mit Hilfe von veränderter Hefe in Wannen mit blutrot gefärbter Flüssigkeit hergestellt – ganz wie in einer Szene aus der Serie True Blood.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC0 Public Domain. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image „Blätter“ by GLady (CC0 Public Domain)


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Wie Pokémon GO künftig unseren Blick für die Natur schärfen könnte

Pokemon Gym at the peak of Zion Observation Point (adapted) (Image by Tydence Davis [CC BY 2.0] via flickr)

Jeder, der sich in den letzten Monaten im Freien aufgehalten hat, wird den großen Erfolg von Pokémon GO mitbekommen haben, das die Spitze der Spiele-Charts erobert hat. Seit zwei Jahrzehnten haben Menschen eifrig Pokémon-Kreaturen über verschiedene Medienformate gesammelt, daher war es ein logischer Schritt, die Smartphone-Technologie zu verwenden, um das Franchise in eine „Mobile Augmented Reality“ (MAR)-Spieleapp umzuwandeln. Es wurde zu einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Phänomen, der Marktwert des Besitzers Nintendo stieg auf knapp 40 Milliarden US-Dollar. Das Spiel wurde aber nicht wirklich von Nintendo entwickelt, es wurde von dem Google-Spin-Off Niantic erstellt, das auch Ingress, den beliebten Augmented Reality-Vorgänger von Pokémon GO, entwickelt hatte. Ähnlich wie Pokémon GO ist Ingress ein in die Realität eingebettetes Sci-Fi-Spiel, in dem Spieler unter Verwendung von Smartphone-Kameras mit Objekten aus der realen Welt interagieren können, die von bestimmten, spielrelevanten, simulierten Eigenschaften überlagert werden. In einer Veröffentlichung des Journals Restoration Ecology haben wir besprochen, dass MAR-Spiele wie diese viel für das Umweltbewusstsein tun können – im Gegensatz zu den Argumenten von Anderen, die darin einen Grund zur Sorge sehen. Der Schlüssel liegt nicht darin, sich über die Beliebtheit von Spielen oder Augmented Reality an sich zu beklagen oder dagegen zu argumentieren, sondern darin, zu erkennen, was diese so erfolgreich macht. Sie begreifen die Gefühle der Menschen, sie machen Spaß, sie beleben den Konkurrenzkampf und treiben Menschen in die freie Natur – all die guten Gründe, wieso die Leute die Natur lieben.

Das Problem

Das Wachstum unserer modernen Gesellschaft, das durch technische Innovationen vorangetrieben wurde, wird durch die Ausbeutung der Natur gestützt. Heute ist ein großer Teil der Welt, der früher Wildnis war, durch Menschen umgestaltet. Die Population von Pflanzen und Tieren ist zurückgegangen, was zu lokalen Verlusten und globalem Aussterben geführt hat, als Folge der Zerstörung der Lebensräume, Ernte, invasiver Tier- und Pflanzenarten und Umweltverschmutzung. Doch obwohl die direkten Ursachen des Verlustes der Tier- und Pflanzenwelt klar genug sind, ist es weniger offensichtlich, warum es viele Menschen nicht zu interessieren scheint. Der Umweltaktivist und Schriftsteller George Monbiot hat die laufende Zerstörung der Umwelt durch die Gesellschaft der Tatsache zugeschrieben, dass nicht mehr genügend Leute die Natur und Wildnis schätzen. Diese „Öko-Gleichgültigkeit“ hat sich als Synonym unserer modernisierten, urbanisierten Welt eingestellt, in welcher neue Technologien gleichzeitig die Interessen der Gesellschaft dominieren und die Fähigkeiten erhöhen, der Umwelt zu schädigen. Aber was wäre, wenn Augmented Reality, von MAR-Apps auf Smartphone bis hin zu HoloLenses, auf positive und proaktive Weise nutzbar gemacht werden könnten, um die breite Öffentlichkeit mit der Natur zu verbinden und dadurch Ihre angeborene Naturliebe zu aktivieren? Was, wenn ein Handyspiel entwickelt werden könnte, das sich nicht nur auf die Merkmale des Stadtbildes konzentriert, sondern sich spielerisch auf Natur, Pflanzen- und Tierwelt und menschliche Interaktion in einem natürlichem Umfeld konzentriert? Ein solches Spiel würde seine Spieler dazu bringen, aktiv die Natur zu erleben. Sie würden sich mit ihr zusammentun, sie beschützen (das könnte man als Belohnungs-Feature im Spiel verstehen) und damit ihren Wert verinnerlichen. Einen größeren Teil der Gesellschaft mit der Natur zu verbinden, ist seit langem ein Traum von Umweltschützern, der leider schwer erreichbar ist. Vor mehr als einem Jahrzehnt fand eine Gruppe von führenden Naturschutzbiologen heraus, dass Kinder besser Pokémon-Figuren erkennen als bestimmte Gruppen von Tieren identifizieren konnten. Das Problem ist nicht die Entdeckung der „Spezies“ an sich – es liegt mehr daran, dass sie hauptsächlich den elektronischen Lebewesen ausgesetzt sind, statt mit echten Tieren zu tun zu haben. Worin Menschen ihre Aufmerksamkeit investieren, ist ein Problem von entscheidender Bedeutung. Ingress hat aktuell mehr als sieben Millionen aktive Spieler und wurde von 12 Millionen Menschen heruntergeladen, seit es 2012 veröffentlicht wurde. Der Umstand, dass man bei dem Spiel das Haus verlassen muss, ermutigt Spieler dazu, etwas zu finden, zu erkennen und sich mit einer Reihe von kulturellen Symbolen zu identifizieren, die sie ansonsten ignorieren würden.

Egress – Aussteigen!

Hier ist also die besondere Herausforderung: Man sollte eine neue Version von Ingress erstellen (nennen wir es doch einfach „Egress“), die lehrreich und überzeugend sein sollte und zudem auch beliebt. Sie könnte auch Augmented Reality verwenden, um bestimmte  Umweltveränderungen zu zeigen – seien es gute Veränderungen, wie bei Instandhaltungen der Umgebung, oder schlechte, wie bei Anzeichen von Beschädigung. Um ein Hit zu werden, muss sie ein Publikum erfassen und eine Gemeinschaft fordern. Und sie könnte auch Daten für wissenschaftliche Projekte generieren. Es gibt viele Möglichkeiten, wie eine solche App funktionieren könnte. Möglicherweise beinhaltet es die Verwendung von Handys zum Fotografieren, Lokalisieren und automatisiertem Zuordnen von „Tags“ zu Spezies innerhalb einer Landschaft, das Identifizieren von seltenen Pflanzen oder Insekten oder woran man erkennt, dass an einem bestimmten Ort Tiere leben (wie beispielsweise Erdlöcher, Überreste von Ausscheidungen oder anderem, und so weiter). Der entscheidende Punkt ist, dass, obwohl die Konzentration auf Ökologie und Natur liegt, es auch ein Spaßelement geben muss – vielleicht wie eine Art High-Tech-Version dieser alten Vogelbeobachtungs-Handbücher, aber eines, das mehr Anerkennung für das Auffinden seltener Arten bietet. Ein aktueller Leitartikel in der Zeitschrift Nature hebt einige der möglichen Anwendungen von Pokémon GO, Ingress und anderer hervor, die darauf hindeuten, dass MAR-Spiele auch verwendet werden könnten, um neue Spezies zu entdecken und zu beschreiben. Wer möchte nicht, dass ein neues Tier oder eine neue Pflanze nach ihm benannt wird? Solche wissenschaftliche Aktivitäten würden die Verbindungen zwischen Forschung, Erhaltung und der Gemeinschaft stärken. Was Ingress und Pokémon GO gezeigt haben, ist, dass es möglich ist, Millionen von technisch versierten Menschen aus ihren Wohnzimmern und Kellern zu bekommen und sich aktiv mit der übrigen Welt zu engagieren. Während es unmöglich zu garantieren ist, dass jedes Projekt viral wird, zeigen die jüngsten Erfahrungen mit der Augmented Reality auf den Telefonen, dass große Menschenmassen wirklich überzeugt werden können, das Haus zu verlassen und die Welt zu erkunden. Das ist sicherlich der erste und notwendigste Schritt, um Menschen wieder zu verbinden und sich um die Natur im digitalem Zeitalter zu kümmern. Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Pokemon Gym at the peak of Zion Observation Point“ by Tydence Davis (CC BY 2.0)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • FACEBOOK sueddeutsche: Mutmaßlicher Betreiber der Hetzseite Anonymous.Kollektiv taucht unter: Rund zwei Millionen Follower hatte eine Facebook-Seite mit dem Namen „Anonymous.Kollektiv“. Der Betreiber nutzte seine Reichweite, um Hass gegen Flüchtlinge und Muslime zu schüren. Seit dem 21. Mai ist die Seite nun offline. Grünen-Politiker Volker Beck wurde auf die Seite aufmerksam und erstattete Anzeige gegen Betreiber Mario Rönsch. Ein Haftbefehl blieb aus, da Rönsch, der eine Galionsfigur der neurechten Szene sein soll, untergetaucht ist und für die Behörden unauffindbar ist. Mit der Hacker Bewegung „Anonymous“ hatte die rechte Facebook-Seite nichts zu tun. Diese hatten sich mehrfach von der Hetze gegen Flüchtlinge und den Islam distanziert.

  • SOCIAL MEDIA thenextweb: Facebook, Twitter and other Silicon Valley giants agree to new hate speech rules: Plattformen wie Facebook und Twitter wurden ursprünglich gegründet, um die Mensch über große Entfernungen miteinander zu verbinden und am Leben des Anderen teilhaben zu lassen. Doch vor allem in den letzten Jahren wurden diese Plattformen benutzt, um die Gedanken von Usern durch radikale Propaganda zu vergiften. Zum Beispiel hat der sogenannte Islamische Staat eine unfassbare Reichweite auf Twitter und rekrutiert so seine zukünftigen Soldaten und Attentäter. Rassismus und Hass regieren in vielen Facebook-Diskussionen die Kommentare. Was sehr umstritten und bis jetzt öfter als freie Meinungsäußerung galt, wollen Facebook, Twitter und andere Tech-Giganten innerhalb von 24 Stunden von ihren Seite löschen. Grund dafür sind die neuen EU-Richtlinien zu diesem Thema.

  • START-UP gruenderszene: Von Chemnitz nach New York: Mitarbeiter-App Staffbase bekommt zwei Millionen: Der Messenger „Slack“ erfährt gerade einen großen Boom. Viele Unternehmen nutzen das Programm, um so einfach zu kommunizieren. Ein Start-UP aus Chemnitz hat sich darauf konzentriert, diese Funktionen nun mobil für Nutzer zu machen. „Staffbase“ lautet der Name der Mitarbeiter-App. Ende 2014 wurde das Unternehmen gegründet und konnte als einen der ersten Kunden Siemens gewinnen. Von Kizoo Technology Ventures und Capnamic Ventures erhält Staffbase nun zwei Millionen Euro an Investitionen. Das Unternehmen möchte es so schaffen auch auf dem US-amerikanischen Markt einzuschlagen.

  • GADGETS mashable: Australia is putting traffic lights in the ground because you’re glued to your phone: Was im April an manchen Stellen in Augsburger Straßen integriert wurde, soll nun auch in Australien angewendet werden. Ampellichter im Boden. Grund dafür sei der Anstieg an Unfällen mit Verletzen und sogar Todesfolgen bei Fußgängern, die ihre Augen nicht von ihrem Smartphone lösen konnten. Die Regierung von New South Wales will an gefährlichen Kreuzung diese Signale investieren und hat dafür 250.000 Dollar kalkuliert.

  • MESSENGER digitaltrends: Microsoft’s Project Florence turns a plant’s electrical impulses into messages: Wer seine Pflanzen liebt und sich manchmal fragt, was diese eigentlich ab und zu denken, den wird diese Nachricht erfreuen. Microsoft forscht mit dem Projekt „Florence“ an einer Möglichkeit, durch elektrische Impulse Pflanzen mit uns reden zu lassen. Vielleicht sind die grünen Mitbewohner also bald in der Lage den Menschen mitzuteilen, dass sie gar nicht so auf klassische Musik stehen, wie einige Gerüchte besagen, sondern eher mal etwas rockiges hören möchten.

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Glowing Plant: Coole Leuchtpflanzen und ihr Gentechnik-Problem

Wahrscheinlich würde jeder gerne eine Zimmerpflanze als Lichtquelle zu Hause aufstellen. Doch zuerst müssen Anbieter wie Glowing Plants die Politik und Gesellschaft von der Verträglichkeit von Biotech überzeugen. // von Jakob Steinschaden

Glowing Plant

Das US-Startup Glowing Plant hat es sich zum erklärten Ziel gesetzt, leuchtende Pflanzen in jedes Eigenheim zu bringen. Ende 2014 will man den US-Markt beliefern, doch in der EU werden die leuchtenden Gänserauken und Rosen nicht zu haben sein. Grund sind die strengen Gentechnikgesetze Europas, die die Einfuhr von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) erheblich erschweren bzw. verbieten. Auch der Saatgutkonzern Monsanto ist ein gewichtiger Faktor in der Diskussion.

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