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Die dunkle Vergangenheit von Social Media

Dunkelheit (adapted) (Image by KristopherK [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Im April des Jahres 2016 gab Facebook Gründer Mark Zuckerberg bekannt, dass die Social Media-Plattform seinen nahezu zwei Milliarden Benutzern die Möglichkeit des Livestreams von Inhalten zur Verfügung stellt. Dieser Schritt wurde als die natürliche Erweiterung der grundlegenden Ziele der Plattform betrachtet: Das Anbieten einer Plattform, auf der durchschnittliche Menschen ihre tagtäglichen Erfahrungen mit anderen teilen können – von Alltagserfahrungen bis hin zu bedeutsamen, einschlägigen Ereignissen.

Beinahe genauso schnell fanden die Benutzer der Plattform einen Weg, auch die schlimmsten Vorfälle live im Netz zu verbreiten, darunter das sogenannte Easter Day Slaughter, bei dem die fatale Schießerei auf einen 74-jährigen Rentner live übertragen wurde.

Als Resonanz forderten immer mehr Menschen Facebook dazu auf, das Anbieten des Livestreams zu beenden, oder wenigstens eine Möglichkeit zur besseren Überprüfung der Inhalte zu finden. Der Pastor Jesse Jackson merkte beispielsweise an, dass Facebook Live von den Menschen als Plattform genutzt wird, um ihre Wut, ihre Ängste und ihre Dummheit zu äußern.

Viele haben wegen dieser Verhaltensweisen Facebook eine Schattenseite zugeschrieben und fordern, dass das Unternehmen nach einer Lösung zur Prävention derartigen gesellschaftsfeindlichen Verhaltens sucht. Doch schon ein flüchtiger Blick auf die Geschichte der Sozialen Medien zeigt, dass die Verhaltensweisen, die aus den Schattenseiten resultieren, weder einmalig in der Geschichte von Facebook sind, noch als etwas Neues von den heutigen Benutzern betrachtet werden.

Eine dunkle Geschichte

Die Dichterin und Technologieautorin Judy Malloy beschrieb die ältesten Vorgänger der Social Media Netzwerke als Orte der Kreativität und Gemeinschaft. Programme wie beispielsweise die Berkeley’s Community Memory boten den Benutzern der 1970er einen digitalen Ort, um Inhalte zu posten und Geschichten, die von der Community gelesen wurden, zu teilen. Beliebte Inhalte waren dabei unter anderem persönliche Anzeigen und Kurzgeschichten.

Doch selbst diese friedvollen Tage hatten ihre dunklen Momente. Im Jahr 1985 schrieb die Autorin Van Gelder über ihre Erfahrungen mit dem CompurServe CB‘-Simulator einer der ersten online Chatrooms weltweit. Inmitten der beliebten Programme im CB-Simulator waren diese der Romantik und den Beziehungen gewidmet. Diese stoßen auf das besondere Interesse von LGBTQ-Menschen, denen es im Allgemeinen schwer fiel, über ihre geschlechtliche Identität und sexuellen Präferenzen im öffentlichen Raum zu sprechen. Während viele Nutzer auf der Suche nach der Liebe im Internet fündig wurden – 1991 wurde eine Hochzeit im CB-Simulator veranstaltet, bis heute gilt diese als die erste Online-Hochzeit – wurde Van Gelder getäuscht. Sie hatte eine intime, romantische Onlinebeziehung zu einem Mann, der sich als behinderte Frau ausgab.

Geschichten von sexueller Aggression bekamen im Jahr 1998 einen noch negativeren Touch, als der Technikjournalist Julian Dibbell von einer sexuellen Nötigung, die auf einer textbasierten Onlineplattform namens LambdaMoo stattfand, berichtete. Die Vorstellung einer sexuellen Nötigung im Internet mag abwegig erscheinen, wenn man bedenkt, dass die Benutzer keinen körperlichen Kontakt zueinander haben. Und doch war es einem Nutzer namens ‚Mr. Bungle‘ möglich, das Programm zu hacken und infolgedessen die komplette Kontrolle über die Handlungen der anderen Nutzer zu übernehmen, wie deren Gespräche und Beschreibungen ihrer Handlungsschritte.

Laut Dibbells Bericht benutzte ‚Mr. Bungle‘ diesen Hack, um die Nutzer zu veranlassen, obszöne Handlungen vorzunehmen und gewalttätige sexuelle Aktionen an ihren eigenen Körpern auszuführen. Die Benutzer der Plattform beschrieben auf welche Art und Weise sie sich und andere – ohne Erlaubnis – berührten. Mr. Bungle behauptete im Nachhinein, seine Aktionen seien lediglich ein Streich gewesen, trotz dem Beharren seiner Opfer darauf, dass sie durch seine Aktionen gedemütigt worden sind (oder zumindest durch die Aktionen die seine Opfer dazu gezwungen haben, sich vorzuführen). Die Geschichte ist denkwürdig angesichts der Tatsache, dass Beziehungen über das Internet genauso intim und wichtig sein können wie die Beziehungen außerhalb des Internets.

Springt man ins Jahr 2006, gerät man schnell an die Geschichte von Evan Guttmann und dem gestohlenen ‚Motorola Sidekick‘-Handy seines Freundes, das die Internetnutzer von damals faszinierte. Zunächst fing alles als schlichter Blogeintrag über einen Jugendlichen an, der es ablehnte, das Handy an seinen rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben. Zum Schluss mündete es in einen wachsenden Internetmob, bei dem die Leser von Evans Blog die Adresse des Jugendlichen aufspürten und dessen Familie schikanierten.

Später im gleichen Jahr erfuhren die Nutzer der Plattform MySpace von der tragischen Geschichte der Megan Meier, einem Teenagermädchen aus Missouri, das sich das Leben nahm, nachdem sie von einem Jungen, den sie online kennengelernt hatte (es handelte sich um einen MySpace-Nutzer namens „Josh“), auf der Plattform gemobbt wurde. Erst nachdem Ermittlungen erfolgten, fand Megans Familie heraus, dass es sich bei „Josh“ tatsächlich um die Mutter eines Mädchens handelte, mit der Megan zuvor in einen Streit geraten war. Dieser Vorfall führte zum ersten Gesetzesentwurf in Bezug zum Onlinemobbing in den USA.

Soziale Medien verstehen

Diese Geschichten sind Beispiele dafür, was passieren kann, wenn einzelne Nutzer die Möglichkeiten zur Benutzung von moderner Technik entdecken: Man nutzt die Anonymität von CompuServe für Betrug, modifizierte mit cleveren Programmierungsskripten das Verhalten der anderen Nutzer, es wurden Blogs instrumentalisiert, um maximale Aufmerksamkeit auf ein geringes Vergehen zu lenken. Auch nutzt man Soziale Medien, um eine falsche Identität aufzubauen. In allen Fällen hatten die betrügerischen Aktionen dramatische Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen in deren realen Leben.

Das Wichtigste ist, dass diese Geschichten als Beispiele dienen, wie besonders Facebook und auch andere soziale Medien im Allgemeinen aufzufassen und zu verstehen sind. Es ist wichtig, dass die Nutzer die Gleichwertigkeit der Moral sowohl in Bezug auf Facebook-Kommunikation als auch in Bezug auf zwischenmenschliche Kommunikation erkennen. Statt soziale Medien generell als sinnlos und ablenkend abzutun und diese Perspektive an unsere Kinder abzugeben, sollten sie eingestehen, dass die zwischenmenschliche Kommunikation online genauso bedeutsam ist wie offline.

Berichterstatter haben die Livestreaming-Option von Facebook als „wesentlich grenzenloses Verbreitungssystem“ verflucht. Derartige Kritiken ignorieren jedoch die Vorteile dieser „grenzenlosen“ Verbreitung, wie das Vernetzen von Familien und die Möglichkeit, dass auch Stimmen von Verfolgten gehört werden können. Selbst Filmmaterial mit Gewalttaten kann zur richtigen Zeit von Vorteil sein: Die Facebook Live-Übertragung von der Schießerei in Minnesota im Juli 2016 diente als einflussreiche Mahnung, um auf soziale Ungerechtigkeit und Polizeiarbeit in den Vereinigten Staaten aufmerksam zu machen.

Anti-Terror-Streitkräfte setzen auf soziale Medien, um terroristische Aktivitäten zurückzuverfolgen und besser nachvollziehen zu können. Um den Missbrauch von Livestreaming zu bekämpfen, hat Facebook kürzlich bekanntgegeben, 3.000 zusätzliche Monitore für die Kontrollierung der Livevideos einzusetzen. Jedoch liegt meiner Meinung nach die Verantwortung für den Inhalt in den sozialen Medien letztlich bei den Nutzern, die die Inhalte tagtäglich erstellen und sich auf der Plattform bewegen.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Dunkelheit“ by KristopherK (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Das Atelier als New Work-Gegenkonzept

Art studio with wall graffiti (adapted) (Image by Matthieu Comoy [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Der Bildungsethiker Christoph Schmitt beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Digitalisierung für Nachzügler: Einsichten eines digitalen Immigranten“ mit der Frage, wie wir es schaffen können, die alten Bilder von Arbeit und Beruf in unseren Köpfen zu überschreiben. „Sie preiszugeben, um offen zu werden für völlig neue Ansätze, Erlebnisse, Erfahrungen und Erkenntnisse. Wir setzen uns unerwarteten Entdeckungen aus, die durch einen glücklichen Zufall möglich werden.“

Zufallsbegegnungen

Also das von Niklas Luhmann erprobte Verfahren „Serendipity“ – etwas zu finden, was man gar nicht gesucht hat. Man begegnet einem unbekannten Thema und wird davon magisch angezogen. Schmitt beschreibt seine MOOC-Erlebnisse – seine Expeditionen in Massive Open Online Course-Formaten – etwa das von Anja C. Wagner organisierte Leuchtfeuer-Projekt.

Unzählige beeindruckende Videos dokumentieren, wie viele ’neue Räume‘ des Lernens und Arbeitens es quer über den Planeten schon gibt: Coworking Spaces in total unterschiedlichen Ausprägungen, Makerspaces in allen Formen; wie die entstanden sind und sich etablieren. Was ihnen wichtig ist: nach welchen Werten sie arbeiten.

Neue Räume für digitale Kultur

Es gehe um neue Räume, die im Kontext der Digitalisierung so wichtig sind. Und diese physischen Umgebungen sollte man anders gestalten, um auch die Ökonomie im Ganzen zu verändern. „Klassisch hierarchische Strukturen – also annähernd 100 Prozent der KMU und Konzerne – ersticken Coworking im Keim. In solchen Monokulturen gedeiht Coworking nicht, weil hier das Querdenken und Querarbeiten strukturell verhindert wird“, schreibt Schmitt. Das klassische Modell der Arbeitswelt wird dominiert von Belohnung und Bestrafung, von Kontrolle und Reglement – das genaue Gegenteil von Coworking und Kollaboration.

Klassische Organisationen kann man nicht revolutionieren

„Oft höre ich, dass sich doch auch in traditionellen Kulturen einzelne Schollen bilden und sich quasi unter der Oberfläche (‚unterm Schirm‘) klammheimlich vernetzen können und die Orga von unten her revolutionieren. Mit solchen Hypothesen positionieren sich im Moment vor allem klassische Consulting-Anbieter, die aus der zunehmenden Hilflosigkeit auf den Chefetagen Profit schlagen. Die Annahmen hinter diesem ‚Coworking light‘ funktionieren aber nicht“, konstatiert Schmitt. Und er hat recht. Was mit Begriffen wie Industrie 4.0 oder New Work beschrieben wird, kaschiert nur die alte industriekapitalistische Organisationsform, die fast alle Volkswirtschaften auf unserem Planeten dominieren. Der überkommene Taylorismus der Massenfertigung bekommt nur einen digitalen Anstrich. Nach wie vor sind die Lebens- und Arbeitswelten nach funktionalistischen Prinzipien auseinandergerissen.

New Work-Berater kaschieren die alte Arbeitswelt

Da können New Work-Berater herumlabern, wie sie wollen: Man muss aus diesem Käfig ausbrechen: „Menschen und ihre Ideen entwickeln sich aus solchen Organisationen hinaus und bilden neue Netzwerke. Überall – nur nicht in der Organisation selbst“, so die Erkenntnis von Schmitt. Für den Ausbruch hat Schmitt eine gute Metapher ins Spiel gebracht: Das Atelier. „Der Begriff stammt aus dem Französischen und steht für Werkstatt. Und ein Atelier ist noch mehr: Es ist der Arbeitsplatz eines Kreativen, beispielsweise die Werkstatt einer Künstlerin oder eines Fotografen, oder auch eine Produktionsstätte wie beim Filmatelier. Es ist auch ein Ort der Selbstinszenierung und der Ausstellung. Das Atelier ist ein Ort, an dem Menschen zugleich leben, arbeiten, lernen, wo sie ihre Produkte oder Dienstleistungen präsentieren und verkaufen. Ein Atelier birgt Werkstatt und Schaufenster in einem. Wohnen, leben und arbeiten wachsen hier zusammen… Hier verweilen Menschen und kommen miteinander ins Gespräch.“

Nachhause kommen

In der Vorstellung von Schmitt ist das Atelier in seiner ganzen Vielfalt die Art und Weise, wie Lernen und Arbeiten sich in Zukunft verbinden werden: Lernen als Kunst, als Lebenskunst, als eine Kunst des Entstehens von Leben. Leben und Lernen als Kunst. Die Kunst, das Leben zu entfalten als Lernvorgang.

Im Interview auf dem Watson Summit in Luzern verweist Schmitt auf die Initiative „Neustart Schweiz“ mit dem Motto „Nachhause kommen“. Diese Atelier-Ideen sind der wahre Katalysator für New Work. Und heute haben wir gegenüber den Ateliers im 18. oder 19. Jahrhundert einen entscheidenden Vorteil: Wir können lokal tätig sein und uns dennoch die ganze Welt erschließen. Das Notiz-Amt ist davon überzeugt, dass man mit der Idee des Ateliers eine neue Form der digitalen Kultur begründen kann, jenseits von aseptischen Glasfassaden-Büros und dem Optimierungswahn von Effizienz-Einpeitschern.


Image (adapted) „Art studio with wall graffiti“ by Matthieu Comoy (CC0 Public Domain)


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Kommunikationstalente für die Netzöffentlichkeit entdecken – Vom Nutzen der Jobbotschafter

DigitalWork(adapted) (Image by Alex Kotliarskyi [CC0 Public Domain] via Pixabay)

Gerade im Bereich Digital Relations fällt immer wieder auf, dass viele Grundprinzipien der digitalen Welt noch nicht angekommen sind. Dies ist oft unabhängig vom Alter oder der Position. Was können wir tun, um nachhaltig sowohl bei Kunden als auch intern ein größeres Verständnis für digitale Prozesse zu erarbeiten? Diese Frage wurde mir für die Novemberausgabe des prmagazins gestellt. Ist so ein Experten-Ding. Meine Antwort:

Fachliche Kompetenz ins Digitale übertragen

Digital Relations funktioniert nur dann, wenn man nach der Logik des Netzes operiert. Man muss die Mitarbeiter für die Netzkommunikation schulen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre fachliche Kompetenz auch ins Digitale zu übertragen. Klaus Eck von der Agentur d.Tales plädiert für die Heranbildung von Markenbotschaftern. Hier liegt eine große Chance, die Themen der Unternehmen auf breite Füße zu setzen und richtig gutes Storytelling zu machen.

Dafür braucht man Köpfe und Sichtbarkeit. Das schafft man nur, in dem man nicht nur tolle Geschichten entwickelt, sondern auch über die Netzwerke der Mitarbeiter verteilt“, so Eck.

Wie das gelingt, skizziert er in einem Blog-Interview mit Nick Marten, der für den Onlinehändler Otto ein Jobbotschafterprogramm aufgesetzt hat: „Unternehmen und speziell Kommunikatoren sollten lernen, mehr loszulassen. Uns ist bewusst, dass sich das sehr leicht sagt, in der Umsetzung jedoch viel Energie und Überwindung kostet. Aber: Die einstige Kommunikationshoheit gibt es nicht mehr.“

Barcamps für Kommunikationsexperimente

In Zukunft gehe es vielmehr darum, mehr Mitarbeiter zur Kommunikation zu befähigen. „Und dabei sollten wir Kommunikatoren gar nicht erst versuchen, den Menschen irgendetwas aufzuzwingen, ihnen Botschaften zu diktieren oder sie zu Werbesprech- oder PR-Maschinen machen zu wollen“, sagt Marten. Wie das gelingt das? Eck gibt im prmgazin-Interview eine leicht umzusetzende Empfehlung:

 

Content-Silos abschaffen

Das reicht allerdings nicht aus. Wichtiger Tipp der PR-Expertin Kerstin Hoffmann an Unternehmen. Verabschiedet euch von der Fachbereichsdenke: „Trennt man das Content-Marketing streng von der PR und diese wiederum von Social-Media-Aktivitäten, so bleiben Content-Silos bestehen, die in der Summe viel zu schwerfällig sind, um die gewünschten Stakeholder zu erreichen und vor allem in Gespräche mit diesen einzutreten.“

Organisationen sollten endlich begreifen, dass praktisch alle ihre Mitarbeiter mittlerweile in sozialen Netzwerken präsent sowie in Messengern mit anderen verbunden sind. „Hier werden sie eben auch in ihrer beruflichen Funktion wahrgenommen und sind daher, gewollt oder ungewollt, Markenvertreter“, schreibt Hoffmann. Wer das ignoriert, überlässt die Außenwirkung dem Engagement und dem mehr oder weniger zufälligen individuellen Kommunikationstalent der Mitarbeiter als den wichtigsten Schnittstellen in die Öffentlichkeit. Das Notiz-Amt ist ja ein Fan des Zufalls. Aber an dieser Stelle sollte man die Expertisen in den eigenen Reihen gezielt an die Netzöffentlichkeit bringen.


Image (adapted) „DigitalWork“ by Alex Kotliarskyi [CC0 Public Domain]


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Mikroben haben ihre eigene Version des Internets

Mikroben (adapted) (Image by geralt) (CC0Public Domain) via Pixabay

Die Erschaffung eines großen, weltumspannenden Netzwerks, das Milliarden von Leuten vernetzt, dürfte bis heute eine der größten Errungenschaften der Menschheit sein. Doch Mikroben sind uns da um mehr als drei Milliarden Jahre voraus. Diese winzigen, einzelligen Organismen sind nicht nur für sämtliches Leben auf der Erde verantwortlich. Sie haben darüber hinaus ihre eigenen Versionen des World Wide Web und des Internets der Dinge. Und so funktioniert es:

Ganz so wie unsere eigenen Zellen behandeln Mikroben bestimmte Stücke der DNA wie verschlüsselte Nachrichten. Diese Nachrichten enthalten Informationen, um Proteine zu molekularen Maschinen zusammenzubauen, die spezifische Probleme lösen können, wie beispielsweise Zellen zu reparieren. Doch Mikroben erhalten diese Nachrichten nicht nur von ihrer eigenen DNA. Sie schlucken auch Stücke der DNA ihrer toten Verwandten oder tauschen mit lebenden Freunden.

Diese DNA-Stücke werden dann in ihre eigenen Genome aufgenommen, die wie Computer funktionieren und die Arbeit der gesamten Protein-Maschinerie überwachen. Auf diese Weise ist die winzige Mikrobe eine flexible Lernmaschine, die intelligent nach Ressourcen in ihrer Umwelt sucht. Sollte eine Protein-Maschine nicht funktionieren, testet die Mikrobe eine andere. Versuch macht klug – so werden alle Probleme gelöst.

Doch Mikroben sind zu klein, um ganz allein zu agieren. Stattdessen formen sie Gemeinschaften. Seit Anbeginn ihrer Existenz leben Mikroben in gigantischen Kolonien, die aus mehreren Trillionen von Mitgliedern bestehen. Diese Kolonien haben sogar mineralische Strukturen hinterlassen, die als Stromatolith bekannt sind. Es handelt sich um mikrobielle Metropolen, eingefroren in der Zeit wie Pompeji, die für das Leben vor Milliarden von Jahren Nachweis erbringen.

Mikroben-Kolonien lernen beständig und entwickeln sich stets weiter. Sie entstanden in den Ozeanen und haben allmählich das Land erobert – und das Herzstück ihrer Forschungsstrategie war der Informationsaustausch. Wie wir gesehen haben, kommunizieren individuelle Mitglieder, indem sie chemische Botschaften auf hochgradig koordinierte Art untereinander austauschen. Auf diese Weise erbauen mikrobische Gesellschaften ein kollektives „Bewusstsein“.

Dieses kollektive Bewusstsein schickt Software-Stücke, geschrieben im DNA-Code, zwischen Trillionen von Mikroben hin und her – mit einem einzigen Ziel: die lokale Umgebung vollständig auf Ressourcen hin zu untersuchen, die Protein-Maschinen nutzen.

Wenn die Ressourcen an einem Platz aufgebraucht sind, rücken mikrobielle Expeditionstruppen aus, um neues Land zu finden: Sie übermitteln ihre Funde zurück zur Basis, indem sie verschiedene Arten chemischer Signale einsetzen, und die Mikroben-Gesellschaft aufrufen, sich von Siedlern zu Besiedelten zu wandeln.

Auf diese Weise übernahmen die Mikroben die Erde, indem sie ein weltweites, mikrobielles Netzwerk erschufen, das unserem eigenen World Wide Web ähnelt, aber chemische statt elektrodigitaler Signale benutzt. Theoretisch kann ein Signal, das am Südpol im Wasser ausgesandt wird, rasch rund um den Nordpol wandern.

Das Internet der lebenden Dinge

Die Gemeinsamkeiten mit menschlichen Technologien hören nicht an dieser Stelle auf. Wissenschaftler und Ingenieure arbeiten nun daran, unser eigenes Informationsnetzwerk in ein Internet der Dinge auszubauen, das verschiedene Arten von Geräten integriert, indem diese mit Mikrochips ausgestattet werden, die wahrnehmen und kommunizieren sollen. Unser Kühlschrank wird also fähig sein, uns zu benachrichtigen, wenn die Milch alle ist. Unsere Häuser werden und mitteilen können, wenn eingebrochen wurde.

Mikroben haben ihre eigene Version des Internets der Dinge bereits vor langer Zeit gebaut. Wir nennen es das ‚Internet der lebenden Dinge‘, obwohl es allgemein eher als Biosphäre bekannt ist. Jeder Organismus auf diesem Planeten ist in diesem komplexen Netzwerk verbunden und sein Überleben hängt von Mikroben ab.

Vor mehr als einer Milliarde Jahre hat eine Mikrobe ihren Weg ins Innere einer anderen Mikrobe gefunden, die so ihr Wirt wurde. Diese beiden Mikroben wurden zu einem symbiotischen Hybrid, der uns als eukaryotische Zelle bekannt ist, die Basis fast aller Formen des Lebens, die wir heute kennen. Alle Pflanzen und Tiere sind Nachfahren dieser mikrobiellen Verschmelzung, und beinhalten so die biologische „Plug-in Software“, die sie zum Internet der lebenden Dinge verbindet.

So sind wir Menschen beispielsweise so designt, dass wir ohne die Trillionen von Mikroben im Inneren unseres Körpers, die bei der Verdauung von Essen oder bei der Entwicklung von Immunität gegenüber Keimen helfen, nicht funktionieren können. Wir sind so von Mikroben überhäuft, dass wir persönliche mikrobielle Signaturen auf jeder Oberfläche, die wir anfassen, hinterlassen.

Das Internet der lebenden Dinge ist ein sauberes und wunderschön funktionierendes System. Pflanzen und Tiere leben auf dem von Mikroben erstellten ökologischen Abfall. Für Mikroben sind dagegen alle Pflanzen und Tiere „nunmehr das Vieh, dessen Fleisch sie speisen“, dessen Körper verdaut und eines Tages recycelt werden, wie der Autor Howard Bloom es formuliert hat. Mikroben sind potentielle Weltall-Touristen. Wenn die Menschen in den Weltraum reisen, reisen unsere Mikroben mit uns. Das Internet der lebenden Dinge könnte eine große, kosmische Reichweite bergen.

Das Paradoxe ist, dass wir die Mikroben immer noch als unterlegene Organismen wahrnehmen. Doch es verhält sich in Wirklichkeit so, dass Mikroben die unsichtbaren und intelligenten Anführer der Biosphäre sind. Ihre Biomasse übersteigt die unsere. Sie sind die eigentlichen Erfinder der informationsbasierten Gesellschaft. Unser Internet ist nur ein Nebenprodukt des mikrobiellen Informationsspiels, das bereits vor drei Milliarden Jahren initiiert wurde.

Dieser Artikel erschien zuerst auf „The Conversation“ unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „Bacteria“ by geralt (CC0 Public Domain)


The Conversation

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Aus dem Werkzeug der Befreiung wurde ein Werkzeug der „Alt Right“ – Über die Okkupation von Utopien

Journalism (adapted) Image by John Mark Kuznietsov (CC0) via Unsplash

Die massenmedialen Gatekeeper werden durch die Zersplitterung der Netzöffentlichkeit vom Thron gestoßen und es wächst die Ratlosigkeit, wie dieses Vakuum sinnvoll gefüllt werden kann. Die Türwächter konnten früher entscheiden, was in die Öffentlichkeit weiterbefördert und was zurückgehalten wird. „Jede Zeitung, wenn sie den Leser erreicht, ist das Ergebnis einer ganzen Serie von Selektionen“, so der Medienkritiker Walter Lippmann in seinem Buch „Public Opinion“, erschienen 1922 (!).

Die Auswahlkriterien der Gatekeeper erzeugten bewusst oder unbewusst eine Vereinheitlichung der Berichterstattung und eine gewisse Berechenbarkeit. Diese Deutungshoheit zerbröselt mit den Möglichkeiten des Netzes, eigene Öffentlichkeiten zu erzeugen. Die Mediennutzer sind keine neutralen ‚Transmissionsriemen‘ für journalistische Produkte, sondern liefern ihrem Publikum auch individuelle Schemata für die Auslegung der Beiträge. Das war allerdings schon in analogen Zeiten so. Nur beschränkte sich die Multiplikator-Funktion auf Arbeitskollegen, Familie und Freunde.

Reichweite der persönlichen Öffentlichkeiten steigt

In den persönlichen Öffentlichkeiten der Netzwerke ist die Reichweite größer. Das von der Demoskopin Noelle-Neumann beobachtete „doppelte Meinungsklima“ – also das Auseinanderdriften von Bevölkerungsmeinung und Medientenor – kommt immer häufiger vor. „Die Dynamik in sozialen Netzwerken ist nicht so sehr geprägt von tradierten Hierarchien und Jahrzehnte alten Rollenmustern, sondern von den kurzfristig aufsummierten Handlungen vieler Menschen“, so der Wiener Kommunikationsforscher Axel Maireder.

Die Potenziale, Deutungsmacht zu erlangen, sind sehr viel breiter verteilt als früher, nicht nur auf klassische Öffentlichkeitsberufe wie Journalisten und Politiker. Eigentlich das perfekte Szenario, um die emanzipativen Utopien der Schriftsteller Bertolt Brecht und Hans-Magnus Enzensberger mit Leben zu füllen.

Der Rundfunk wäre nach Meinung von Brecht der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen. Der Rundfunk müsste demnach aus dem Lieferantentum herausgehen und den Hörer als Lieferanten organisieren. Seine Gedanken brachte Brecht zwischen 1927 und 1932 zu Papier und sie bezogen sich natürlich „nur“ auf den Hörfunk. Er dachte an direkte Interaktion mittels Radio über ein funkbasiertes Telefonkonferenzsystem, das die Enträumlichung der Kommunikation möglich machen sollte und zwar live. Visionäre Gedanken in einer Zeit, wo man über Jedermann-Technologie für den Rundfunk noch nicht einmal in Ansätzen verfügte.

Aber selbst im Jahr 1970, als Enzensberger seinen „Baukasten zu einer Theorie der Medien“ entwickelte, war man noch weit entfernt von den Bedingungen, die wir heute vorfinden. Wie auch Brecht fordert er, dass die Distributionsapparate in Kommunikationsapparate umgewandelt werden. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich ungehindert zu informieren und auszutauschen. Und das gehe nur, wenn man die Trennung zwischen Produzenten und Rezipienten überwindet.

Wenn man sich anschaut, welchen Aufwand diverse TV-Piratensender in den 70er Jahren mit simpler Videorekorder-Technik treiben mussten, um über „Open Channel“ einige Häuser im eigenen Stadtviertel erreichen zu können, wird man den Unterschied zu den Optionen von Diensten des Social Webs schnell erkennen – für Audio, Video und für die verschriftete Kommunikation. Damals reichte der Radius nur bis zu regionalen Initiativen, Protestaktionen und Nachbarschaftsfesten. Heute ist beides möglich: Hyperlokale Formate, und Formate mit internationaler Ausrichtung.

Reaktionäre entdecken die Jedermann-Medien

Mobil und stationär sind die Möglichkeiten zum Senden und Empfangen nahezu unbegrenzt. Eine emanzipatorische und aufgeklärte Öffentlichkeit war nicht nur das Ziel von Brecht und Enzensberger. Nun erleben wir die Okkupation der Jedermann-Medien durch reaktionäre, nationalistische und autoritäre Kräfte – wir erleben nicht nur Gegenteil-Tage, sondern eine Gegenteil-Epoche: „Herr, die Not ist groß! Die ich rief, die Geister, werd ich nun nicht los“, so heißt es in der Ballade des Zauberlehrlings aus der Feder von Goethe. Ähnlich ratlos reagieren die Medienprofis auf die veränderte Gemengelage neuer Öffentlichkeiten. In der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland dominierte eine eher linke kritische Öffentlichkeit. Angefangen bei der Gruppe 47, der APO-Bewegung bis zur Friedens- und Ökologie-Szene. „Sich gegen eine rechte Öffentlichkeit zu positionieren, stand gar nicht zur Debatte“, so Stephan Porombka, Professor für Texttheorie und Textgestaltung an der UdK Berlin.

Die Medien seien dazu da, die Macht zu beobachten, zu kritisieren, einen öffentlichen Diskurs aufzubauen, möglichst viele Stimmen zu beteiligen und damit das politische Geschäft durch Beobachtung zu beflügeln. „Jetzt hat sich das völlig geändert. Wir erleben das erste Mal das Phänomen einer rechten Öffentlichkeit und die hat zu tun mit den niedrigen Eingangsschwellen des Social Webs“, erläutert Porombka im ichsagmal.com-Gespräch. Fest steht: Die Hürden der kritischen und intellektuellen Öffentlichkeit waren früher viel höher.

Wie die Utopien des Social Webs gekapert wurden – Gespräch mit Stephan Porombka

Posted by Gunnar Sohn on Dienstag, 30. Mai 2017

Ringen um die kulturelle Hegemonie

„Jetzt gibt es die Möglichkeit, in öffentliche Diskurse einzusteigen und mit kleinsten Beiträgen den größten Effekt zu erzielen und Streit vom Zaun zu brechen.“ Eine plurale und offene Gesellschaft bietet die Werkzeuge, um geschlossene, autokratische und nationalistische Verhältnisse hervorzubringen. Es gehen nach Auffassung von Porombka eine Menge Utopien den Bach runter oder werden gar von rechten Bewegungen okkupiert. Begriffe und Ideen werden von rechts besetzt, um kulturelle Hegemonie zu erlangen. „Im politischen Diskurs müssen wir diese Begriffe wieder feiner schleifen und auf ihre Potenziale überprüfen. Wir dürfen sie nicht als folgenlose Buzzwords benutzen, sondern müssen sie inhaltlich neu justieren“, fordert der UdK-Wissenschaftler. Wie kann man verhindern, dass man zum Lautsprecher von rückwärtsgewandten Kräften degradiert wird?

Relativismus stärkt die Feinde der Demokratie

Folgt man dem amerikanischen Philosophen Paul Boghossian, hat der konstruktivistische Relativismus den populistischen Trittbrettfahrern die Erlangung der Diskurshoheit erleichtert. Die Protagonisten dieser Denkschule, die sich in fast allen Wissenschaftsdisziplinen und in Medien ausbreitet, werden mit ihren eigenen Waffen geschlagen. „Aus dem Werkzeug der Befreiung wurde ein Werkzeug der ‚Alt Right’“, sagt Boghossian im Interview mit der Zeitschrift „Hohe Luft“.

Der Relativismus sage ja, jede Überzeugung ist gleich richtig und wichtig. Aber man müsse doch fragen, ob man erwiesenermaßen falschen Überzeugungen wie dem Kreationismus wirklich Sendezeit geben sollte. „Mich persönlich berührt das, wenn es um den Völkermord an den Armeniern geht, weil meine Familie ihn überlebt hat. Aber die Türkei bestreitet ihn. Und obwohl die Beweise erdrückend sind, heißt es im Fernsehen ‚einerseits, andererseits’“, so Boghossian. Man könnte es auch unter die ironische Überschrift stellen: Gesellschaft, die alle Wahrheit für relativ erklärt hat, ist plötzlich besorgt über Fake News.

Man müsse sich stärker an den Fakten ausrichten und über das Richtige und Falsche hart ringen. Es gibt Tatsachen, an denen sich jeder messen lassen muss. Gerade das ist die Essenz des Pluralismus. Das Notiz-Amt sieht hier Nachholbedarf. Wenn wir beispielsweise mehrheitlich davon überzeugt sind, dass die Mütter und Väter mit dem Grundgesetz eine gute und robuste Verfassung (!) im Bonner Museum König erarbeitet und beschlossen haben, dann sollten wir das in aller Deutlichkeit sagen und uns im Diskurs nicht im Negieren der gegnerischen Positionen verlieren.


Image (adapted) „Journalism“  by John Mark Kuznietsov (CC0 Public Domain)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • NINTENDO Handelsblatt: Der große Run auf Super Mario: Nintendo ist zurück, der schon fast totgesagte Spieleentwickler feiert auf Smartphones ein beeindruckendes Comeback. Nachdem Apple-Chef Tim Cook angekündigt hat, dass Nintendos Dauerbrenner Super Mario im AppStore als „Super Mario Run“ erhältlich sein wird, haben sich die Leute auf die Nintendo-Aktien gestürzt. Der Grund dafür ist, dass laut des Videospiele-Experten Serkan Toto, Nintendo jährlich Milliarden US-Dollar Umsatz mit mobilen Spielen machen wird.
  • INTEL Spiegel: Chiphersteller Intel stößt Sicherheitssparte McAfee wieder ab: Der Chiphersteller Intel trennt sich von der Mehrheit seiner IT-Sicherheitssparte und das obwohl sie erst wenige Jahre zuvor den Virenspezialisten für fast acht Milliarden Dollar übernommen hatten. Käufer eines Anteils von 51 Prozent ist der Finanzinvestor TPG. Intel hat nun auch einen massiven Jobabbau angekündigt, bis Mitte 2017 will das Unternehmen 12.000 Stellen streichen.
  • DÄNEMARK Süddeutsche Zeitung: Dänisches Gymnasium führt Ausländerklassen ein: Das Langkaer-Gymnasium in Tilst, einem Vorort von Aarhus im Osten Jütlands, führt Ausländerklassen ein. In den vergangenen Jahren kamen immer mehr Schüler mit ausländischer Herkunft an die Schule. Der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund stieg von 2007 bis jetzt von 25 Prozent auf 80 Prozent. Damit die ethnisch dänischen Schüler in den Klassen nicht immer nur eine Minderheit bildeten, richtete der Schulleiter Yago Bundgaard drei Klassen ein mit je zur Hälfte Schüler mit und ohne Migrationshintergrund. Die restlichen Klassen bestehen nur aus Schülern mit ausländischer Herkunft. Nun macht unter anderem das dänische Institut für Menschenrechte ihm schwere Vorwürfe wegen Diskriminierung.
  • AMAZON t3n: Amazon Prime: Restaurantessen als neuer Service: Jetzt macht Amazon, Deliveroo und Just Eat Konkurrenz. Als Prime-Kunde kann man künftig in bestimmten Londoner Postleitzahlgebieten per App Gerichte aus mehr als 100 Restaurants bestellen. Amazon wirbt mit kostenloser Lieferung auf Bestellungen ab einem Wert von £ 15. Wie immer ist der neue Service Amazon Restaurants vorerst nur für Prime-Kunden zugänglich.
  • IPHONE Die Welt: Diese Kopfhörer funktionieren auch mit dem iPhone 7: Seit Apple das iPhone 7 vorgestellt hat, gibt es großen Spott über die neuen Kopfhörer ohne Kabel. Auf Netzwerken wie z.B. Twitter machen User Witze über die Airpods. Es gibt aber auch deutlich preiswertere Kopfhörer, die iPhone 7 kompatibel sind und die man nicht so schnell verliert. Teilweise sind diese sogar besser als die Airpods.
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No Comment – NPR deaktiviert Kommentarfelder unter den Artikeln

NPR Building (adapted) (Image by Cliff [CC BY 2.0] via flickr)

Demnächst wird es unter den Artikeln auf NPR.org nicht länger einen Kommentarbereich geben. NPR verkündete die Entscheidung vor wenigen Tagen in einem Blogeintrag mit der Erklärung, dass die Kommentarbereiche größtenteils verwaist sind, obwohl das Internetpublikum insgesamt über die Jahre stetig gewachsen ist. Nur ein Prozent von monatlich 25 bis 35 Millionen Lesern und Hörern hinterlassen einmalig Kommentare, die Anzahl regelmäßiger Verfasser von Kommentaren ist ebenfalls sehr gering. Stattdessen wendet sich NPR den sozialen Netzwerken zu – sowohl offiziell als auch über die privaten Profile seiner Journalisten – um mit seinem Publikum zu interagieren. Und das bedeutet, das Publikum auf den üblichen Plattformen wie Facebook (wo NPR mehr als fünf Millionen „Gefällt mir“ hat) und Twitter (mehr als sechs Millionen Follower) anzuziehen, sowie die Präsenz auf Snapchat, Instagram und Tumblr auszubauen. In dem Post hob Scott Montgomery, Redaktionsleiter für digitale Nachrichten, die NPR Facebook-Gruppe ‚Private Finances‘ hervor, die mittlerweile mehr als 18.000 Mitglieder aufweist. Weitere Bemühungen die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen, so schrieb Montgomery, haben den Kommentarbereich weniger nützlich werden lassen:

  • „Wir haben in den besonderen Bemühungen, das Interesse der Leser- und Zuhörerschaft mit dem Tiny Desk Contest und Generation Listen (Generation Hören)völlig neue Maßstäbe gesetzt. Es gab zum diesjährigen Tiny Desk Contest mehr als 6000 Einsendungen und die Welt hat Gewinnerin Gaelynn Lea kennen gelernt. In der Zwischenzeit besuchen unsere Journalisten regelmäßig Treffen von Generation Listen und stellen so in NPR-Radiostationen im ganzen Land die Verbindung zur nächsten Generation von Fans des öffentlichen Radios her.“
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  • „Bei uns widmet sich ein ganzes Team den Publikumsbeziehungen, welches jeden Monat tausende E-Mails von Hörern liest und persönlich beantwortet. Dieses unentbehrliche Forum begegnet Ihrem essenziellsten Feedback und Ihren Fragen und gibt uns einen Raum für gleichermaßen bedeutende Antworten. Unsere Seite help.npr.org operiert plattformübergreifend und ist jederzeit offen für Ihre Fragen und Anliegen.“
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  • „In den kommenden Wochen werden wir zusätzlich zur Weiterentwicklung unserer Herangehensweise in Bezug auf Live Interaktion auf Facebook beginnen, ein vielversprechendes neues Hilfsmittel zur Einbindung der Zuhörerschaft zu testen, das in den sozialen Medien bereits verwurzelt ist. Hearken ist eine digitale Plattform, die es den Journalisten und dem Publikum erlaubt, bei der Entwicklung von Ideen für Artikel als Partner zu agieren, und diese Plattform ist in Dutzenden von NPR-Radiostationen bereits in Gebrauch. Wir werden Hearken in unseren Goats and Soda Blog zu weltweiter Gesundheit und Entwicklung mit dem Potenzial für zukünftige Erweiterung involvieren.“

Zudem hat NPR in Elizabeth Jensen seine eigene Bürgerbeauftragte in Vollzeit, die dabei hilft, von Hörern angeschnittene Themen aufzugreifen. Selbstverständlich hat Jensen die Eliminierung der Kommentare abgewägt, in Erwartung einigen Widerstandes gegen die Tatsache, dass eine öffentliche Medienorganisation einen Kanal für öffentliche Beiträge entfernt. NPR benutzte die externe Plattform Disqus, ein System, das – so schrieb Jensen – „teurer wurde, je mehr Kommentare hinterlassen wurden, und innerhalb einiger Monate hat dies NPR zweimal mehr gekostet als im Budget veranschlagt„. In anderen Worten hat NPR die Kosten für eine kleine Gruppe von Menschen getragen, die nicht zwingend repräsentativ für das Gesamtpublikum waren: Nur 4300 Nutzer posteten je etwa 145 Kommentare, das sind etwa 67 Prozent aller auf NPR.org verfassten Kommentare innerhalb eines Zeitraumes von zwei Monaten. Mehr als die Hälfte aller Kommentare von Mai, Juni und Juli zusammen stammten von lediglich 2600 Nutzern. Es ist nicht möglich, Aussagen darüber zu treffen, wer die Verfasser dieser Kommentare sind; manche Nutzer kommentieren anonym. Aber es gibt einige Anzeichen, die darauf hindeuten, dass die Kommentierenden nicht völlig repräsentativ für das Gesamtpublikum des NPR sind: Sie kommentieren mit großer Mehrheit über den Desktop (jüngere Nutzer neigen dazu, NPR.org per Handy aufzurufen) und eine Schätzung von Google legte Montgomery zufolge nahe, dass die Verfasser zu 83 Prozent männlich sind, während unter der Gesamtheit der Nutzer von NPR.org nur 52 Prozent männlich sind. Joel Sucherman, NPR Abteilungsdirektor für digitale Produkte, teilte Jensen zudem mit, dass die Leser von NPR.org mit großer Wahrscheinlichkeit „innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate neue Optionen sehen werden„. Auf Twitter wurde die Mitteilung überwiegend positiv begrüßt, obwohl manche Besorgnis über den wachsenden Einfluss sozialer Netzwerke äußerten. Die Kommentare unter Jensens und Montgomerys Posts sprechen jedoch so ziemlich für sich. Dieser Artikel erschien zuerst auf “Nieman Journalism Lab” unter CC BY-NC-SA 3.0 US. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Image (adapted) „NPR Building“ by Cliff (CC BY 2.0)


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FollowUs – Die Netzpiloten-Tipps aus Blogs & Mags

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  • INTERNET sueddeutsche: Was wir von den Pionieren des Netzes lernen können: Meist leben sie noch, die Pharaonen, Feldherren und da Vincis der digitalen Welt, denn deren Geschichte ist noch jung. Es ist zum Beispiel erst 25 Jahre her, dass der Physiker Tim Berners-Lee am Genfer Forschungszentrum Cern am 6. August 1991 die erste Seite des World Wide Web ins Internet stellte. Das war der Moment, in dem sich das bis dahin schwer durchschaubare Internet der Menschheit öffnete. Die Folgen sind bekannt. Das World Wide Web hat Industrien erschüttert, Demokratieprozesse angestoßen und die Art und Weise, wie sich Menschen bilden, vergnügen und miteinander umgehen, für immer verändert.
  • APP theguardian: Syrian refugees design app for navigating German bureaucracy: Viele Geflüchtete müssen sich in Deutschland mit einer enormen Bürokratie auseinandersetzen. Was selbst für viele langjährig in Deutschland lebende Bürger ein Problem ist, ist für Asylsuchende besonders schwierig. Das haben sich auch Munzer Khattab und Ghaith Zamrik gedacht und haben die App Bureaucrazy entwickelt. Diese App soll Flüchtlingen dabei helfen, die richtigen Formulare zu finden und diese richtig auszufüllen.
  • ANDROID Giga: Deutsches Startup will transparentes Smartphone bauen: Das deutsche Startup phonest soll in den nächsten Tagen ein transparentes Smartphone vorstellen und möchte der Konkurrenz damit ordentlich Druck machen. Derzeit gibt es allerdings leider noch keine Angaben bezüglich des Preises oder welche Spezifikationen das Gerät aufweisen wird. Am 11. August um 18 Uhr soll dann aber der Vorhang fallen und die wichtigsten Informationen werden bekanntgegeben. Ab diesem Zeitpunkt kann das transparente Smartphone dann auch vorbestellt werden.
  • AIRBNB faz: Airbnb ist jetzt 30 Milliarden Dollar wert: Das Wohnungsvermittlungsportal Airbnb hat seinen Wert innerhalb von drei Jahren verdreifacht, das Unternehmen ist inzwischen rund 30 Milliarden Dollar wert. Grund dafür ist eine abgeschlossene Finanzierungsrunde über 850 Millionen Dollar. Das geht aus Dokumenten hervor, die Airbnb Ende Juli in Delaware eingereicht hat und die der Finanzagentur Bloomberg vorliegen.
  • POLITIK welt: Minister fordert deutsche Sprache in sozialen Netzwerken: Puh, da haben wir ja nochmal „Glück“ gehabt: Der Verbraucherschutzminister Peter Hauk fordert nämlich, dass zukünftig alle Migranten nur noch die deutsche Sprache in sozialen Netzwerken verwenden. Denn „Was öffentlich zu lesen ist, das sollte auf Deutsch zu lesen sein“, erklärt der Minister. Da, wie wir ja alle wissen, die urdeutschen Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. großen Wert darauf legen, die deutsche Sprache zu „pushen“ (pardon für dieses Fremdwort), sollten wir lieber auf Hauk hören und uns an die Umstellung gewöhnen….oder auch nicht!
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Wie Ego-Manager in geschlossenen Netzwerken scheitern

In der Organisationstheorie sind sie gut erforscht: Geschlossene Netzwerke punkten bei Kooperationen und Verlässlichkeit. Sie sind stabiler, aber auch inflexibler. “Einer durch ein festes Normengefüge abgesicherten, verlässlichen Kooperation steht somit der Nachteil mangelnder Anpassungsfähigkeit gegenüber”, erklären die Wissenschaftler Mark Ebers und Indre Maurer. Die Beharrungskräfte der Netzwerk-Akteure können negative Auswirkungen haben. Empirische Studien belegen, dass es Führungskräften in solchen Formationen nicht gelingt, neue Tätigkeitsfelder zu erschließen – hier sind Netzwerke mit offenen und losen Verbindungen überlegen.

Habermas und die Omnipräsenz der Ereignisse

Es wird immer schwerer, Vertraulichkeit und Privatsphäre zu bewahren. In einer vernetzten Ökonomie funktionieren die geschlossenen Einheiten und Absprachen hinter den Kulissen nicht mehr.

Man könnte es auch als Omnipräsenz der Ereignisse definieren oder als Strukturwandel der Öffentlichkeit im Sinne des Soziologen Jürgen Habermas. CEOs agieren zunehmend unter ständiger Beobachtung ihrer Stakeholder. “Alle Handlungen und unternehmerischen Entscheidungen werden von Mitarbeitern, Investoren und weiteren Interessengruppen kommentiert, diskutiert und interpretiert”, bemerkt der DAX-Flüsterer Alexander Geiser.

Kaminkarrieren reichen nicht

Es gibt kaum noch Ruhezonen, schon gar nicht in sozialen Medien, wo jeder Empfänger von Botschaften gleichzeitig auch Sender sein kann. Das passt allerdings nicht zur DNA der Führungskräfte in Deutschland, die sich als Betriebswirte, Ingenieure und Juristen in klassischen Laufbahnen hochgearbeitet haben. Das Ideal des neuen Managertyps sieht anders aus: Eine von Russell Reynolds Associates durchgeführte Studie zeigt, dass Führungskräfte, die Unternehmen erfolgreich bei Innovation, Digitalität und Kundenzentrierung begleiten, signifikant andere Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale aufweisen. Mit dem radikalen Umbau des Suchmaschinenkonzerns Google zum Digitalkonglomerat Alphabet haben sich Larry Page und Sergey Brin als Archetypen dieser “Productive Disruptors” erwiesen.

Sie vereinen Persönlichkeitsmerkmale und Managementfertigkeiten, die sich eindeutig von denen eines klassischen Executives abheben. Die Russell-Reynolds-Berater sprechen von einem Digitalquotienten (DQ) – analog zum Intelligenzquotienten (IQ) und zum emotionalen Quotienten (EQ). Manager, die über einen hohen DQ verfügen, sieht die Analystin Georgia Stegmann als Speerspitze und Erfolgsgaranten einer gelungenen digitalen Transformation. Sie sind flexibel, furchtlos, kompetent im Veränderungsmanagement und bereit, organisatorische Widerstände zu überwinden. Sie sind Meister darin, Chancen wie Risiken des digitalen Wandels zu erkennen und dieses Wissen zum Wohle des Unternehmens einzusetzen. Ein weiteres Ergebnis der Studie: In den USA finden sich “Productive Disruptors” häufiger als in anderen Teilen der Welt als CEO an der Unternehmensspitze. In Europa hingegen und insbesondere in Deutschland ist die aktuelle Manager-Generation schon biografisch nicht optimal für die neuen Herausforderungen gerüstet:

Stromlinienförmigkeit, Stallgeruch und Kaminkarrieren der Deutschland AG reloaded erweisen sich immer mehr als Hindernis für wirtschaftliche Prosperität. Ausführlich nachzulesen demnächst in der Frühjahrsausgabe des Wirtschaftsmagazins Boardreport mit dem Schwerpunkt “Kunst des Wechsels”, die Ende März erscheint.

Narzissten im Brennglas des Netzes

Das Notiz-Amt verweist darüber hinaus auf das Werk “Leadership in der digitalen Welt” von Peter Paschek. Der Autor behandelt das Auseinanderklaffen von Innen- und Außensicht der Top-Leute im Management. In den vergangenen 25 Jahren seien vor allem narzisstische Führungskräfte herangezogen worden, die die Interessen anderer besonders wenig achten. In den USA erlangen narzisstische Persönlichkeiten mit viel höherer Wahrscheinlichkeit einen Vorstandsposten als ihre nicht-narzisstischen Kollegen. Das Internet macht diese Defizite im Führungsverhalten sichtbarer – es fungiert wie ein Vergrößerungsglas. Wer als Egozentriker unterwegs ist, wird kaum Fähigkeiten zur offenen Kommunikation und Kritikfähigkeit mitbringen. Im Ego-Modus pflegt man eher das Bild des Machers, der alles im Griff hat. Management in einer komplexen und vernetzten Welt funktioniert so aber nicht mehr.


Image by “Mann-Cooperate” by Unsplash (CC0 Public Domain)


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Zurückgeklickt: StudiVZ – Bist du noch drin?

computer-pc-workplace(Image by janeb13(CC0)via Pixabay)original

Seit fünf Jahren regt sich nichts mehr bei meinen studiVZ-Freunden. Das soziale Netzwerk ist zu einer Zeitkapsel verkommen, die Zeichen des Verfalls sind allgegenwärtig. Eine Reise in die Vergangenheit. // von Hendrik Geisler

Ich melde mich im Februar 2016 zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder bei studiVZ an. Ich wusste gar nicht mal mehr, ob mein Profil noch besteht. Das tut es – nur ein neues Passwort muss ich erstellen, da ich mich beim besten Willen nicht mehr an mein altes erinnern kann. Als ich mich endlich einlogge, sieht alles aus, als wäre ich nie weg gewesen. Ein Besuch auf studiVZ ist eine Reise in die Vergangenheit. Weiterlesen »

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Zukunft Partizipation: Museen im Kontext der Digitalisierung

comment@lab-Image-Zenum-Berlin

Die fortschreitende Digitalisierung ist für tiefgreifende Modifizierungen in Wirtschaft und Gesellschaft verantwortlich. Sie ist dabei alles zu verändern, nicht zuletzt uns selbst. So geht es auch für Museen und Museumsschaffende nicht mehr um das „Ob“ sondern um das „Wie“. Wie positionieren sich Museen und Museumsschaffende als Vorreiter einer digitalen Öffentlichkeit? Wie gestaltet sich das Museum der Zukunft im progressiven Sinne mit den Menschen? Haben die Kuratoren der Zukunft eine Antwort auf die Frage der gesellschaftlichen Legitimation und den damit verbundenen Mehrwert für die digitale Öffentlichkeit? Brauchen Museen agile Organisationsstrukturen als Motor für offene Innovation und als bereicherndes Gegenstück zur klassischen Hierarchie? Und wie sehen Organisationsstrukturen aus in denen Offenheit und Transparenz zur Grundlage für einen kreativen Austausch zwischen Museumsschaffenden und Besuchern wird?

Die sich verändernden Erwartungen des Publikums

Charles Leadbeater beschreibt in seinem Essay „The Art of With”, drei sich überlappende Kategorien kultureller Aktivitäten: das Genießen (Konsumieren), die Unterhaltung ( Geselligkeit / Interaktion ) und das Tun (das Erstellen eigener Beiträge). In der Vergangenheit erwartete das Publikum von Kultureinrichtungen mehrheitlich Kulturerlebnisse in denen das Genießen im Vordergrund stand. Heute dagegen, im Zeitalter des World Wide Web, fordert das Publikum zunehmend kulturelle Erfahrungen ein, in denen die Möglichkeit zur Interaktion und Kreativität einen immer höheren Stellenwert gegenüber dem Genießen einnimmt.

So stellt auch Birgit Mandel im Rahmen des vom Goethe Instituts initiierten MOOC „Managing the Arts” fest, dass sich durch die Digitalisierung, die Erwartungen der Nutzer im Kontext kultureller Aktivitäten eklatant verändern. So argumentiert sie, dass heutige Nutzer immer mehr dialogische und partizipative Formate im Rahmen von Kunst und Kultur fordern. Folglich bedeutet dies für kulturelle Institutionen, ein Mehr an Besucherorientierung statt wie bisher Organisationsorientierung. Konkret müssen sie, neben ihren üblichen aus der bürgerlichen Mitte stammenden Besuchergruppen, neue und bisweilen auch sehr unterschiedliche Besuchergruppen beteiligen und sich gegenüber deren Bedürfnissen und Interessen öffnen.

Auch verändert das World Wide Web unsere Beziehungen zueinander und unseren Umgang mit Wissen und kulturellem Erbe. So stellt Graham Black in seinem Buch „Transforming Museums in the Twenty-first Century” fest, dass sich mit dem World Wide Web ein neuer kooperativer Ansatz zur Wissensgenerierung und dessen gemeinsamer Nutzung etabliert. Über die Anerkennung verschiedener Perspektiven und die sich daraus entwickelnde Erwartungshaltung der Nutzer, dass sie in der Lage sind Inhalte hinsichtlich ihrer eigenen Bedürfnisse zu generieren, sie anzupassen und zu verändern, wird so eine Arbeitskultur des miteinander und nicht des füreinander geschaffen. So wird die Zukunft der musealen Arbeit weniger darauf fixiert sein was Menschen für die Institution tun können als darauf was Menschen für ihre eigene Entwicklung tun können, indem sie die Ressourcen der Institutionen nützen. Die Folge daraus ist die Nachfrage nach Kulturangeboten, die mehr auf die Bedürfnisse Einzelner und einzelner Interessengruppen eingehen.

Offenheit und Dialog schaffen

Die Herausforderung für Museumsschaffende besteht nun darin, reagierend auf die Erwartungen, ansprechende Kulturerlebnisse zu entwickeln und umzusetzen. Genauer gesagt, wenn Verbindung und Kombination, Zusammenarbeit und Unterhaltung die Schlagworte der neuen Massenkultur des World Wide Web sind, dann müssen Museen kritische, phantasievolle und herausfordernde Möglichkeiten finden, offen und kooperativ neue Inhalte zu produzieren. Dennoch um die Gefahr des Relevanzverlustes zu umgehen, muss sich für jedes Museum zukünftig die zentrale Frage stellen, welche Form der Offenheit für die eigene Vision wirklich zählt?

Welchen Zielgruppen gegenüber will es offen sein, an welcher Stelle initiiert es Dialog? Nutzt das Museum das World Wide Web, um mit neuen Zielgruppen auf eine ihm neue Art und Weise zu kommunizieren; oder nutzt es dieses zur Entscheidungsfindung, über Inhalte und Themen seiner musealen Arbeit? Will das Museum Kreativität fördern, indem es verschiedene Communities bei der Entwicklung einer Ausstellung mitwirken lässt? Oder stellt es seine Archive und andere Ressourcen zur Verfügung, für diejenigen, die sie kreativ verwenden möchten? Welche Tools setzt das Museum für eine effektive Gestaltung des Dialogs ein und welche Plattformen stellt das Museum für die Zusammenarbeit bereit? Und die wichtigste Frage welchen Mehrwert schaffe ich dadurch für Organisation und Teilhabende? Warum beteiligen sich Menschen an offenen Projekten, welche Motivation haben sie, ihr Wissen und ihre Ideen offen mit anderen auszutauschen und warum sollte das Museum für sich anstreben, offen zu sein?

Gehen wir davon aus, dass die Autorität der Kuratoren im Vergleich zu dem riesigen, stetig wachsenden kollektiven Wissensspeicher und der damit verbundenen Leidenschaft, im digitalen Zeitalter immer mehr verblassen wird, stellt sich eine weitere nicht unwichtige Frage; Wie können Kuratoren ihre Rolle in der Weise neu definieren, indem sie die Macht des Publikums nutzen, ohne dabei ihre eigenen Standpunkte zu verlieren oder gar zu banalisieren?

Informationskompetenz aufbauen

Cory Doctorow appelliert im Rahmen seines Vortrages „GLAM and the free World” auf der Tagung „Museums and the Web” in Florenz 2014 an die Museumsschaffenden, dass sie doch diejenigen seien, die uns (die Gesellschaft Anm. SJ) mit persönlichen und kulturellen Praktiken der Konservierung, der Archivierung, der Verbreitung und des Zugangs ausstatten können.

Da Sie verstehen wie archivieren funktioniert, die die Bedeutung des Vergänglichen verstehen und deren Tagesgeschäft es seit Jahrhunderten ist, sich mit Informationen und Autoritäten zu beschäftigen, indem sie Prozesse systematisieren, die herausfinden sollen, welchen Quellen zu vertrauen sei und warum. So sind seines Erachtens Kuratoren notwendiger denn je, wenn es darum geht, dass wir glaubwürdige Informationen von den nicht glaubwürdigen, in dem Moment in dem wir ein Schlagwort in ein Suchfeld eingeben, unterscheiden sollen.

Netzwerke initiieren

Darüber hinaus können Kuratoren zukünftig eine führende Rolle darin einnehmen, die im World Wide Web täglich geschaffene Fülle an Informationen, zu erforschen und den Teil an Quellen auszuwählen und zugänglich zu machen, der für unsere Gesellschaft sinnstiftend ist. Indem sie für sich die polyphonen Stimmen des World Wide Web entdecken, Verbindungen zwischen Gleichgesinnten herstellen, und so Netzwerke von Interesse aufbauen. Auf diese Weise können Museen damit aufhören Inhalte für ein Massenpublikum zu generieren. Stattdessen können sie eine Vielzahl von „Gesprächen“ initiieren, die dann wiederum die Grundlage für ein wirklich partizipatives Kulturprogramm bilden können.

Auch im Kontext der Finanzierung von Museen spielen Netzwerke eine immer größere Rolle. Müssen Museen doch auf ein Publikum anziehend wirken, welches wiederum attraktiv für Sponsoren ist. Sie müssen Geldgebern zeigen, dass sie einen Mehrwert für eine beträchtliche Anzahl von Menschen schaffen können. Daher wird der zukünftige Erfolg vieler Museen davon abhängen, wie gut sie ihre Netzwerke ausbauen und inwieweit sie Unterstützer und Publikum von sich überzeugen können.

Agile Strukturen – vom Blockbuster zum Prototyp

Um im Kontext der Digitalisierung anspruchsvolle Kulturerlebnisse entwickeln zu können, brauchen Museen zur Umsetzung verschiedener Prototypen agile Strukturen. Daher sollten Museen zukünftig auf ein Portfolio aus Experimenten setzen, die es ermöglichen Optionen der Teilhabe in verschiedenen digitalen Formaten iterativ zu testen.

Bisher folgen die kleinen ergänzenden Programme (Experimente) ?den großen Projekten (Blockbuster). Senior Kuratoren und Museumsdirektoren entwickeln, die meist mit sehr hohen Kosten verbundenen Elemente des Programms; die Aufgabe der „unteren“ Ebene ist es dann, diese größeren Projekte mit kleinen Programmen zu ergänzen, um diese zu bereichern und zu unterstützen. Museen, die mehr Partizipation wollen, sollten den Fluss der Programmentwicklung umkehren. Sie sollten mit kleinen Programmen beginnen, und daraus, aufbauend auf deren Erfolg, die kostspieligen Formate entwickeln.

Der Low-Cost-Teil lenkt so den High-Cost-Teil des Programms, dabei sollte der Low-Cost-Teil des Programms offen für Ideen aus den unwahrscheinlichsten Orten außerhalb der Organisation sein. In einer solchen Struktur, haben Kuratoren die Freiheit, „Prototypen“ für außergewöhnliche Ideen, die sie realisieren wollen, umzusetzen. Jeder Prototyp wird ausgewertet und die Erfolgreichen werden weiterentwickelt und mit mehr Investitionen ausgestattet. Letztlich sind dann die Programme mit höheren Kosten die direkten Ergebnisse der vielfältigen Low-Cost-Experimente.

Es wäre naiv zu glauben, eine generelle Verschiebung musealer Praxis in Richtung Zusammenarbeit und Beteiligung sei unumgänglich. Nichtsdestotrotz verändert das World Wide Web nachhaltig, wie wir Kultur erleben und gestalten, wie wir uns und unsere Arbeit organisieren, und wie wir Entscheidungen treffen und Wissen schaffen.

Die erarbeiteten Ergebnisse des Workshops „Die Rolle des Museums in der digitalen Stadt“ im Rahmen der Tagung Zugang Gestalten im November 2015, dienten als Ausgangspunkte für diesen Blogbeitrag.


Teaser & Image „comment@lab“ (adapted) by Zenum Berlin


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Bürgermeister schauen nach Konzepten außerhalb der Stadtgrenze

Los Angeles City Hall and sister cities signs(image by Cesarexpo(CC BY-SA 4.0))

Heutzutage sind Bürgermeister Botschafter des guten Willens, wirtschaftliche Schlichter und Vertreter des globalen Wandels. Als unser lieber Kollege und Mitbegründer des “Initiative für Städte”-Programms an der Universität von Boston, der ehemalige Bostoner Bürgermeister Tom Menino verstarb, erreichten uns viele Briefe in unseren Büros an der Universität von Boston. Ein inniges Beileid aus vielen Vierteln Bostons – Hyde Park, Roslindale, Dorchester – war erwartet worden. Aber die Briefe und liebevollen Erinnerungen von Staatsoberhäuptern, Gouverneuren, Botschaftern und zahllosen in- und ausländischen Bürgermeistern überraschten uns. Beide waren ein Testament für den Mann und den Anführer, zu dem er wurde, und eine Erinnerung, dass moderne Bürgermeister mehr als Helden ihrer Heimatstadt sind.

Meisterhafte Netzwerker im In- und Ausland

Die Bürgermeister sind heutzutage enger miteinander vernetzt, als es sich ihre Wähler vorstellen können.

Hier in den Vereinigten Staaten umfassen die nationalen Mitgliedsorganisationen für lokal gewählte Amtspersonen sowohl die United States Conference Of Mayors (USCM) als auch die National League Of Cities (NLC). Jeweils in den Jahren 1933 und 1926 gegründet, dienen beide als Lobbyisten auf Bundesebene und als Veranstalter und Abrechnungsstelle für Best-Practice-Methoden, obwohl sie sich im Aufbau ihrer Mitgliederstrukturen unterscheiden.

Die beeindruckenden Kameradschafts- und Verwandtschaftsbeziehungen, die es zwischen den Bürgermeistern gibt, werden auf diesen nationalen Konferenzen zur Schau gestellt, wobei informelle Gespräche unter vier Augen, das Netzwerken sowie die Beratung der Kollegen, gleichsam Teile des Tagesprogramms wie formale Präsentationen sind.

Die globale Zusammenarbeit zwischen Städten ist zudem nichts Neues. Es gibt hunderte von globalen Netzwerken, die Städte mit gemeinsamen Interessen und Zielen miteinander verbinden.

Das Partnerstadtprogramm wurde zum Beispiel durch den US-Präsidenten Dwight Eisenhower im Jahre 1956 gegründet und basierte auf der Vorstellung, dass die formale Bindung zwischen Städten über die Kontinente hinweg das kulturelle Verständnis fördert. Der Austausch zwischen Partnerstädten wurde über die Jahrzehnte fortgeführt. Die United Cities And Local Governments (UCLG) geht heute davon aus, dass 70 Prozent der Städte und ihrer Verbände an internationalen Partnerstadtprogrammen teilnehmen.

Die themenbezogenen Netzwerke sind eine mehr zeitgenössische Sache, die Themen von der Gegnerschaft zu Kernwaffen, zur Gegnerschaft zu Schusswaffen bis zu der Förderung von Kultur und Handel abbilden.

Am University College London zeigte Michele Acuto in seiner wissenschaftlichen Veröffentlichung “Stadtführung und Lokale Regierung” aus dem Jahr 2013 auf, dass es die Gegnerschaft zur nuklearen Aufrüstung war, die zur Gründung des weltweiten Netzwerks “Bürgermeister für den Frieden” im Jahre 1982 führte.

In den Vereinigten Staaten fanden die Bürgermeister Menino und Bloomberg, und hunderte ihrer Kollegen, ein gemeinsames Ziel um die Gewalt durch Schusswaffen zu bekämpfen und zu mindern und gründeten im Jahre 2006 “Bürgermeister gegen illegale Schusswaffen”.

Aber es war die Umwelt, die ein beständiges, katalysierendes Problem war.

Wie Acuto hervorhob, sind die Vereinten Nationen ein entscheidender Befürworter der Betrachtung der Umweltproblematik auf urbaner und lokaler Ebene. Heute gibt es eine Fülle von kommunalen Netzwerkern, die sich dem Klimawandel und der Nachhaltigkeit widmen: von dem weltweit aktiven International Council For Local Environmental Initiative (ICLEI) bis zu dem EU-zentrierten Konvent der Bürgermeister.

Ein in der Öffentlichkeit stehendes Beispiel ist C40, ein weltweites Netzwerk von Städten, das von Londons Bürgermeister im Jahre 2005 ins Leben gerufen wurde und sich gezielt für die Reduzierung von Treibhausgasen verpflichtete. Ursprünglich war C40 eine Zusammenkunft von sogenannten Megastädten – Städte mit einer Bevölkerung von über 10 Millionen Einwohnern – inzwischen ist die Mitgliedschaft auf 80 Städte angewachsen, inklusive 12 Städte aus den USA.

Das wohl neueste Bürgermeisternetzwerk ist das globale Parlament der Bürgermeister und das geistige Produkt von Ben Barber, einem Politiktheoretiker der City University von New York. Eine globale, selbstregierende Organisation, die vergleichbar mit der Konferenz der Bürgermeister ist (und tatsächlich damit verbunden) und sich agnostisch bei Problemen verhält und alle Bürgermeister ohne Bezug auf deren Prioritäten in der Politik begrüßt.

Aber eine kritische und wenig erforschte Frage bleibt: Wann sind diese Maßnahmen erfolgreich und warum? Unsere Forschung blickt auf eine eng verwandte Frage: Wie sehen die Beziehungen zwischen den Bürgermeistern selbst aus?

Eine Gemeinschaft der gegenseitigen Bewunderung

In einer Studie über die Bürgermeister in den Vereinigten Staaten, die wir im letzten Jahr an der Universität von Boston mit meinen Kollegen Katherine Levine Einstein und David Glick durchführten, fragten wir Bürgermeister nach ihrer Hauptquelle bei der Informationsbeschaffung für ihre Politik, nach Städten, bei denen sie nach Konzepten suchten, nach bestimmten Konzepten, die sie übernahmen und nach ihren Arbeitsbeziehungen.

Wenn Nachahmung die ehrlichste Form der Schmeichelei ist, dann strahlen Bürgermeister in gegenseitiger Bewunderung. Anders als Geschäftsführer sind Bürgermeister begeisterte Nachahmer und ahmen eher Verbündeten denn heftigen Konkurrenten nach.

Nur von in ihrem eigenen Stab übertroffen, verlassen sich Bürgermeister auf andere Bürgermeister bei der Informationsbeschaffung für die Politik. Gleichzeitig liegen ihre stärksten Arbeitsbeziehungen in denen mit den umliegenden Städten. Diese werden nur von den Arbeitsbeziehungen zur Geschäftswelt übertroffen.

Wenn sie konkret nach den Namen von Städten gefragt werden, wo sie ihre Konzepte und zudem die Art der Maßnahmen, die sie von anderen Städten übernahmen, gefunden haben, schrieb jeder Bürgermeister mit Leichtigkeit eine Liste. Die Bereitschaft der Bürgermeister Bindungen jenseits der Stadtgrenze und oft weiter als die unmittelbaren Sorgen der Wählerschaft zu schaffen, ist bezeichnend.

Was ist ihre Motivation für das regionale, nationale und weltweite Netzwerken? Wir würden behaupten, dass der Kontakt mit guten Konzepten, die in der Heimat nachhallen könnten, die bürgermeisterlichen Kooperationen weiter anregen.

Nach bestem Wissen ist unsere Studie mit US-amerikanischen Bürgermeistern, die wir kürzlich als Menino-Bürgermeisterstudie Bürgermeister Menino widmeten, die einzige mit dem systematischen Ansatz, eine repräsentative Stichprobe von Bürgermeistern und den Quellen ihrer Inspiration und den spezifischen Konzepten, die sie von ihren Kollegen übernahmen, zu erheben.

Tatsächlich waren die Bürgermeister, mit denen wir sprachen, äußert begierig die Ergebnisse dieser Studie kennenzulernen, da diese die einzigen Fragen beinhaltete, die wir in den Menino-Studien von 2014 und 2015 wiederholten. (Die Ergebnisse der Studie von 2015 werden am Treffen der “Konferenz der Bürgermeister der Vereinigten Staaten” im Januar 2016 herausgegeben)

Welche Konzepte überschreiten die Grenze?

Die geliehenen Konzepte rangieren dabei von großformatigen Investitionen wie in Nahverkehrsprojekt wie den Bus-Rapid-Transit (bei dem Busse ausschließlich auf speziellen Busstrassen fahren) und erhöhten Parks bis zu bescheideneren Anstrengungen, wie den Treffen von Bürgermeistern aus der Region oder Sommerarbeitsprogramme für Jugendliche.

Vielleicht war es jedoch wichtiger, dass wir herausfanden, dass jene Städte bei denen US-amerikanische Bürgermeister nach Konzepten suchen, sich enorm in der Größe der Stadt, in der Parteizugehörigkeit des Bürgermeisters und im Reichtum der Stadt, unterscheiden und sowohl inländische als auch ausländische Städte von Boston zu Dublin bis Hyderabad mit einschließen.

Unsere Studie zeigte interessanterweise, dass es keine einzige Stadt gibt, die überproportional die Politikkonzepte der Bürgermeister beeinflusst.

Eine weitere Frage bleibt: Können Städte und Bürgermeister erreichen, was die Nationalstaaten nicht können?

Die Zusicherung der Städte den Klimawandel zu bekämpfen – so auch der recht neue Bürgermeisterpakt – beinhaltet enorme Versprechen, die der Rolle, die die Städte bei den Emissionen spielen, entsprechen. Jedoch könnte es schwierig sein, die Wirkung dieser Versprechen ohne bessere Werkzeuge zur Feststellung der Reduktion von Emissionen, zu messen.

Wie bereits eine weitere Kollegin der Universität von Boston, Lucy Hutyra, mit ihren Kollegen in einem kürzlich erschienenen Kommentar im Nature-Magazin herausstellte, ist die Setzung von Emissionszielen nur ein erster Schritt. Sie und ihre Mitautoren argumentieren, dass Städte umfangreiche und vergleichbare lokale Emissionsdaten und Werkzeuge brauchen, die das Kartieren von Emissionen auf genauere Maßstäbe von Raum und Zeit ermöglichen und die die menschliche Dimension bei Karbonemissionen wiederspiegeln. Denken Sie an Straßen, Parks oder einzelne Gebäude.

Nur dann können Städte die Wirkung einzelner Methoden abschätzen, gezielte Einflussnahmen fördern und Fortschritte überwachen. Nur dann werden sie wissen, ob die Konzepte, die sie austauschten und die Anstrengen, die sie unternahmen, wirklich bedeutsam waren. Bürgermeister können große Ziele haben und Teil der globalen Agenda sein. Aber sie werden danach beurteilt, was sie zu Hause erreichen.

Bürgermeister Menino hatte den berühmten Spitznamen: der “Städtische Mechaniker”. Er beurteilte sich selbst nach den Wegen, inwiefern er das Leben der Leute verbesserte, wie sauber die Straßen und Wasserstraßen blieben, und wie die Qualität der Schulen war. Er wusste, wie viele seiner Kollegen, dass es die menschliche Dimension war, die am wichtigsten war.

Dieser Artikel erschien zuerst auf “The Conversation” unter CC BY-ND 4.0. Übersetzung mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.


Teaser & Image “Los Angeles City Hall and sister cities signs”(adapted) by Cesarexpo (CC BY-SA 4.0).


The Conversation

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Lesetipps für den 11. August

In unseren Lesetipps geht es heute um Printmedien in der Gay-Community, Soziale Netzwerke in der Ukraine, neue Facebook-Kritik, Analoge Mitgliederbefragung und einen Hackerwettbewerb. Ergänzungen erwünscht.

  • PRINT taz: Magazine für Homosexuelle: „Schwule leben anders, lieben anders“: Den Printmarkt geht es nach wie vor schlecht und die Krise macht auch vor schwulen Printmedien nicht halt. Das neueste Opfer ist das Traditionsmagazin Du&Ich, welches nach 45 Jahren nun endgültig eingestellt wurde. Galten die Magazine im Prä-Internetzeitalter als mehr oder weniger einzige Informationsquelle für die Schwul-Lesbische-Gemeinde, fristen sie heute allenfalls ein Dasein als Gratisheftchen oder sind bereits in der Versenkung verschwunden. Wie kam es dazu? Ein Erklärungsversuch.

  • SOZIALE NETZWERKE DW: Geliked, geteilt: Medien in der Ukraine: Medien und soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Co. spielen schon während der Maidan-Proteste in Kiew eine große Rolle. Auch jetzt noch, einige Monate später, sind Fotos und Amateuraufnahmen jeglicher Art eine enorm wichtige Quelle. Experten waren allerdings vor Fälschungen und Manipulation.

  • FACEBOOK Golem: Facebook: Nutzer kritisieren Messenger-App: Facebook zieht einmal mehr den Zorn seiner Nutzer auf sich. Bereits im April 2014 ließ Facebook verlautbaren, die Chat-Funktion in den Android- und iOS-Apps zu deaktivieren. Wer Lust auf einen Chat hat ist daher gezwungen, die eigenständige Messenger-App zu installieren. Die Folge: Unmut der Kunden und schlechte Bewertung en Masse. Wie kann Facebook dem erneuten PR-Debakel entgegen wirken?

  • POLITIK SPIEGEL: Piratenpartei setzt bei Mitgliederbefragung auf Postboten: Nichts ist der Piratenpartei wichtiger als konsequent gelebte Basisdemokratie. Um alle Parteimitglieder in Entscheidungen einbeziehen zu können, wurde seinerzeit die Netzplattform LiquidFeedback ins Leben gerufen. Doch anstatt schnell Entscheidungen herbeizuführen, wurde mehr Streit produziert und die Partei lähmte sich selbst. Daher setzen die Piraten bei ihrer anstehenden Mitgliederbefragung auf ein analoges und nahezu NSA-sicheres Mittel: dem Briefträger.

  • NETZWERKE ZEIT ONLINE: DEF CON: Spielplatz für Hacker: Las Vegas am vergangenen Wochenende. Etwas abseits des hektischen Strips, im Hotel Rio, gaben sich die weltbesten Hacker die Klinke in die Hand. Der Grund: die legendäre DEF CON lud die talentiertesten unter ihnen bereits zum 22. mal ein, um sich sich in anspruchsvollen Hacker-Wettbewerben zu messen. Mehr als 15.000 Netzwerk-Renegaten folgten dem Aufruf. Ziel war es, bis zum Sonntag die meisten feindlichen Netzwerke zu hacken. Dem Gewinner winken schwarze DEF-CON-Badges, welche ihn neben Ruhm und Anerkennung der Community, lebenslang kostenlosen Eintritt gewähren.

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Rathaus 2.0 – Soziale Netzwerke für besseren Bürgerdialog

Wegweiser zum modernen Staat (adapted) (Image by m.a.r.c. [CC BY-SA 2.0] via Flickr)

Die Kommunalpolitik hat die sozialen Netzwerke für sich entdeckt und versucht seine Bürger nun auch auf dem digitalen Weg zu erreichen. Der Politikwissenschaftler Felix Idelberger analysiert, wie sich Politik die neuen Medien erfolgreich zu Nutze machen kann. Die Bürokratie ist nicht gerade als flinke neugierige Katze bekannt, die unablässig nach neuen Wegen sucht, ihre Bürger zu erreichen. Das ist mitunter nicht schlecht, weil viele Hypes ebenso schnell verpuffen wie sie aufgekommen sind. Doch soziale Netzwerke sind längst als Kommunikationsmittel etabliert – und es steckt viel Potenzial für die Kommunalpolitik darin.

Ist Ihr Bürgermeister auf Twitter? Meiner, Dieter Salomon aus Freiburg im Breisgau, ist es nicht. Dafür ist die Stadt Freiburg sehr aktiv auf Twitter. Mit ihrem gemeinsamen Twitteraccount „Rathaus 2.0“ haben der Social Media-Experte Martin Fuchs und Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Twitterlisten erstellt, die die Twitteraccounts auf kommunaler Ebene, von Großstädten über Gemeinden bis hin zu Landkreisen, aufführen. Mit ihrem Twitteraccount wollen die Beiden einen zentralen Ort des Austauschs über den Einsatz sozialer Netzwerke in Kommunen und Verwaltungen schaffen, den es bisher in dieser Form nicht gibt.

Einsatz sozialer Netzwerke in der Politik

Während die Bundestagsabgeordneten inzwischen eifrig die sozialen Netzwerke zur Kommunikation einsetzen und immer mehr Landtagsabgeordnete nachziehen, schwankt der Einsatz auf Kommunalebene bundesweit sehr stark. Die 100 größten deutschen Städte sind in den sozialen Netzwerken bereits sehr stark vertreten: 79 Prozent von ihnen sind auf Facebook, 75 Prozent auf Twitter und 66 Prozent verfügen über einen YouTube-Kanal.

Als unverzichtbar gilt es landläufig für Kommunalpolitiker, im Wahlkampf sämtliche Vereine der Kommune abzuklappern und sich den Bürgern persönlich vorzustellen. Unlängst zeigte der Wahlsieg des neuen Bürgermeisters von Erlangen, Dr. Florian Janik, dass der Einsatz oder Verzicht von sozialen Netzwerken inzwischen über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Schillerndstes Beispiel auf Kommunalebene ist wohl der Bürgermeister der Gemeinde Wennigsen/Deister in Niedersachsen, Christoph Meineke, der Twitter äußerst rege zur Kommunikation mit seinen Bürgern nutzt.

Über die genaue Zahl aktiver Twitternutzer in Deutschland herrscht keine Klarheit, sicher ist hingegen, dass ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung deutlich kleiner ausfällt als in vielen anderen Staaten. Daher stellt sich unausweichlich die Frage nach dem Nutzen für eine Stadt oder Gemeinde, eigens personelle Ressourcen für einen Twitteraccount aufzuwenden.

Die Wahl der Strategie ist entscheidend

Für Martin Fuchs ist der Nutzen abhängig von der Strategie, die die jeweilige Stadt auf Twitter verfolgt: Liegt der Schwerpunkt auf der Verbreitung aktueller Service-Informationen (z.B. Hochwasser, Straßensperrungen oder geänderte Öffnungszeiten), auf Tourismuswerbung oder soll ein ernstzunehmender Rückkanal für die Kommunikation mit den Bürgern geschaffen werden? Von Facebook wissen wir, dass 26 Millionen Deutsche ein Profil in dem sozialen Netzwerk pflegen. Zur Einbindung ihrer jungen Bürger ist Facebook ein wichtiger Kanal in der Kommunalpolitik, da sich junge Menschen überwiegend auf Facebook über das aktuelle Zeitgeschehen informieren. Dagegen diene Twitter, so Martin Fuchs, vorwiegend als Wissensquelle und dazu, wichtige Persönlichkeiten und Multiplikatoren mit Informationen zu versorgen.

Einsatz muss ubiquitär sein

Entscheidet sich eine Behörde oder ein Politiker für den Einsatz sozialer Netzwerke, dann sollte sie diesen auch konsequent umsetzen und in alle Aktivitäten der Behörde oder Person mit einbinden. Nur dann kann das volle Potenzial der sozialen Netzwerken genutzt werden. Doch leider verlinken manche Behörden nicht einmal auf ihren eigenen Seiten auf ihren Twitteraccount oder tun dies nur sehr versteckt. Der verwaiste Twitteraccount des Landkreises Lippe oder der von Darmstadt-Dieburg, der nur eigene Informationen verbreitet, statt auch anderen Nutzern zu folgen, sind keine Musterbeispiele für die Nutzung sozialer Netzwerke auf Kommunalebene.

Facebook und Twitter sind nicht die einzigen sozialen Netzwerke

Schließlich darf sich die Diskussion um die Nutzung sozialer Netzwerke in Kommunen und Verwaltungen nicht zu stark auf Facebook und Twitter beschränken. Mit Seniorbook.de gibt es beispielsweise ein soziales Netzwerk aus Deutschland, das besonders unter älteren Menschen beliebt ist, u.a. weil es sich streng an die deutschen Datenschutzregeln hält. In einigen Städten gibt es zudem sogenannte Stadtwikis (z.B. Karlsruhe, Stuttgart, Köln), auf denen Bürger Informationen über die Städte zusammentragen können. Es offenbart sich also ein Strauß an Möglichkeiten für Kommunen und Verwaltungen, um den Dialog mit ihren Bürgern neu zu gestalten. Es ist ihnen nur noch mehr Mut zu wünschen, mit den sozialen Netzwerken zu experimentieren und anderswo Erprobtes selbst umzusetzen.

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Image (adapted) „Wegweiser zum modernen Staat“ by m.a.r.c. (CC BY-SA 2.0)


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